Warum brauchen wir einen Berufsverband?

Vor über 10 Jahren wurde durch das Prostitutionsgesetz den Sexarbeiter_innen erstmals Rechte in Deutschland eingeräumt. Das Bild von unserem Berufsstand hat sich aber kaum geändert. Die Diskriminierung und Stigmatisierung ist nicht geringer geworden. Immer noch wird Freiwilligkeit in der Prostitution als ganz große Ausnahme gesehen. Immer noch müssen wir alle gerettet werden. Immer noch werden wir automatisch mit Kriminalität in Zusammenhang gebracht.

Alle reden über uns, aber keiner redet mit uns.

Was denken wir wirklich über unseren Beruf?
Warum meinen alle zu wissen, wie sich unsere Arbeit anfühlt?
Warum meinen so viele zu wissen, was für uns am besten ist?
Was würde uns wirklich die Arbeit erleichtern?

Aber wen soll man fragen?

Deshalb treten wir jetzt öffentlich auf. Sprecht uns an. Fragt uns.

Es braucht ein neues Bild von Sexarbeit.

Ein realistisches Bild, das mit den gängigen Vorurteilen nichts mehr gemein hat. Dazu sollten wir, die wir die Sexarbeit für uns als Beruf gewählt haben, aktiv werden.

Wir müssen wahrgenommen werden!
Wir brauchen eine eigene Stimme!

In den Talkshows wird unser Berufsstand momentan heiß diskutiert, denn das Prostitutionsgesetz gilt als gescheitert. Verschärfungen sollen her. Angeblich soll das Gesetz uns nichts gebracht haben, sondern nur den Menschenhändlern und Bordellbesitzern in die Hände gespielt haben.

Ist es so? Wirkliche Zahlen gibt es dazu nicht. Rechtskräftige Beweise auch nicht. Wie kann es sein, dass Halbwahrheiten für Fakten gehalten werden? Wie kann es sein, dass diese Halbwahrheiten überhaupt nicht hinterfragt werden?