Politik

Wir beobachten Bestrebungen von politischer, abolitionistischer und medialer Seite für  Besorgnis erregende politische Veränderungen.

Geplante gesetzliche Veränderungen und Regulierungen zielen nicht darauf ab unsere Arbeitsbedingungen zu verbessern,  Sexarbeit zu entkriminalisieren und zu entstigmatisieren, sondern werden angestrebt um Sexarbeit  zu verdrängen und einzudämmen, ohne machbare Alternativen zu schaffen, für Sexdienstleiter_innen, die sich beruflich umorientieren möchten.

Es ist wichtig, dass wir aktive Sexdienstleister_innen sichtbar werden und in die Öffentlichkeit treten. Viele von uns, die diskret arbeiten, können das aus verständlichen Gründen derzeit noch nicht, deshalb ist es umso dankenswerter, dass es im Berufsverband Gesichter gibt, die das stellvertretend machen, für alle Kolleginnen und Kollegen.

Zu folgenden politischen Themen sind gesetzliche Änderungen in Arbeit:

Konzessionierung für alle bordellartigen Betriebe

Sachverhalt: es ist damit zu rechnen, dass die Auflagen so hoch gesteckt werden, dass diese kaum zu erfüllen sind, und wenn, dann nur von Großbordellen. In Wien hat dies zur Schließung von fast 90% aller Arbeitsstätten geführt. Dies führt zu Monopolisierung und bedeutet das Aus für viele Kleinbetriebe mit familiären und guten Arbeitsbedingungen.
Freie Arbeitsplatzwahl und selbständiges Arbeiten wird so eher erschwert und führt genau zum Gegenteil von guten Arbeitsplätzen. Viele Aussagen von Kommunen deuten bereits heute darauf hin, dass ein solches Gesetz genau dafür genutzt würde.

Meldepflicht und Registrierung für alle in der Prostitution tätigen Sexdienstleisterinnen

Sachverhalt: dies entspricht nicht dem extrem mobilen Charakter unserer Branche.
Sexarbeiter, die sich aus Rücksicht auf ihren Lebenslauf lieber als Masseurin o.ä. anmelden, statt als Prostituierte, dürfen dies in Zukunft nicht mehr.
Bordelle, die Frauen ohne „richtige“ Meldung beschäftigen, können geschlossen werden.
Zudem kommt es einem Zwangsouting gleich, da auf Grund der andauernden Stigmatisierung die Folgen des Outings für Sexdienstleisterinnen nicht kalkulierbar sind.  Stigmatisierung würde durch eine gesonderte Registrierung gefestigt anstatt bekämpft werden.

Straßenstrich-Schließungen oder Verlagerungen auf sterile überwachte Ausweichflächen

Sachverhalt: in immer mehr Städten kommt es zu Schließungen oder Restriktionen gegen den Straßenstrich.

Modelle, bei dem der erlaubte Straßenstrich auf eine unwirtliche, betonierte Ausweichfläche verlagert wurde, werden von Behördenseite vielfach als Erfolgsmodell gesehen und zur Nachahmung empfohlen.
Dabei verschlimmern sich die Arbeitsbedingungen, denn es fehlt meist die nötige Infrastruktur die Schutz bietet und sichere Plätze um nach der Anbahnung die Dienstleistung zu erbringen. Vermehrte Gewalt gegen Dienstleisterinnen ist die Folge.

Sperrgebietsverordnungen

Sachverhalt: teilweises oder komplettes Verbot der Prostitution in Gemeinden mit weniger als 50.000 Einwohner – Verdrängung der Prostitution in Randgebiete der großen Städte, durch Erklärung von immer mehr Innenstädten zum Sperrgebiet. In neuen Baumischgebieten wird Sexarbeit explizit ausgeschlossen durch städtische Bebauungspläne und die Bauverordnung.

Keine Differenzierung in sichtbare und nicht sichtbare Sexarbeit.
Keine Bestrebung um pragmatische Lösungen zu finden, wo Interessen von Anwohnern und Sexdienstleiter_innen wirklich kollidieren.

Die Einschränkung auf sehr wenige erlaubte Flächen bedeutet, dass alle Sexdienstleisterinnen gezwungen sind dort zu arbeiten zusammengedrängt auf kleine Flächen, damit sichtbar  und als störend empfunden werden.
Niederlassungsfreiheit vs. Sperrbezirksverordnungen