Selbstständig in der Sexarbeit

Bild Selbstständig Als Sexarbeiter

Dieser Text wurde uns von unserem Mitglied & Vorstand ©Josefa Nereus zur Verfügung gestellt.

Die wenigsten Menschen wissen, dass du als Hure selbstständig bist. Das bedeutet, dass du wie alle anderen Selbstständigen auch Steuern, eine Krankenversicherung usw. zahlen musst.

Vor allem, wenn du der Sexarbeit hauptberuflich nachgehst bedeutet das, dass du im Monat ca. 3.000 – 3.500€ einnehmen MUSST! Und das ist nicht wirklich viel für einen Selbstständigen!

Du zahlst min 350€ für eine gesetzliche Krankenversicherung und ähnlich viele Steuern, vielleicht sogar einen Steuerberater. Allein damit hast du schnell 1000€ im Monat ausgegeben, aber noch keine Wohnung, kein Essen und erst recht keine weiteren Sozialleistungen, wie Rente oder Arbeitslosenversicherung. Du musst auch Werbung machen und evtl. Räume mieten oder Equipment für den Job kaufen.

Es ist utopisch, dass du 12 Monate arbeitest. Jeder braucht Urlaub, jeder wird krank, also rechne damit, dass du nur 10 Monate im Jahr arbeiten kannst. Ob du auch 10 Monate im Jahr Arbeit hast, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Du brauchst die Nerven um es auszuhalten, dass dein Telefon einem Monat lang nicht klingelt und du bei Krankheit abschaltest und dich aufs Gesund werden konzentrierst. Wahrscheinlich wird beides hintereinander kommen… Dann anzufangen und zu überlegen, vielleicht sollte ich den doch annehmen obwohl ich ein schlechtes Bauchgefühl habe, vielleicht geh ich doch zum Date, obwohl ich Schmerzen habe, all das wird dir über kurz oder lang das Genick brechen. Als Selbstständiger brauchst du einen Puffer, der 2-3 Monate reicht, am besten bevor du anfängst! Und jeden Monat sollten ein paar Hundert Euro zurückgelegt werden, da du ja nicht in die gesetzlichen Kassen einzahlst und irgendwann willst du vielleicht auch mal Rentnerin sein, oder du möchtest ein Haus oder, oder, oder…

Egal ob Sexarbeiterin oder „solide“ Arbeitende: Wer sich selbstständig machen möchte, sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen und auf jeden Fall mit einem Puffer starten. Überleg dir einfach, ob du das wirklich auf die Beine stellen kannst oder du mit einem netten Teilzeitjob vielleicht besser fährst. Die Anforderungen und der Stress als Selbstständige sind nämlich nicht ohne.