Berufsverband-Sexarbeit.de

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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Datenpolitik & Menschenhandel: Bericht von der KOK Fachtagung

Datenpolitik & Menschenhandel: Bericht von der KOK Fachtagung

Datenpolitik & Menschenhandel: Bericht von der KOK Fachtagung
Von 14. bis 15. Okto­ber lud der Bun­des­wei­te Koor­di­nie­rungs­kreis gegen Men­schen­han­del e.V. (KOK) Expert*innen, Praktiker*innen und Politiker*innen ein, das The­ma Daten­samm­lung zu Men­schen­han­del und Aus­beu­tung im Kon­text aktu­el­ler Ent­wick­lun­gen in Deutsch­land dis­ku­tie­ren. BesD-Bei­rä­tin­nen Maia (Gesund­heit) und Nadi­ne (Inter­na­tio­na­les & For­schung) waren vor Ort und fas­sen zusam­men.

Spagat zwischen dem Bedarf nach Datensammlung und dem Anspruch auf Schutz persönlicher Daten

Seit der DSGVO (2015) wer­den die per­sön­li­chen Daten von Betrof­fe­nen sen­si­bler behan­delt und die Über­mitt­lung, Fest­stel­lung und Ver­fol­gung von Fäl­len (vor allem über Lan­des­gren­zen) ist schwie­ri­ger gewor­den. Sozialarbeiter*innen berich­te­ten von den Schwie­rig­kei­ten im Arbeits­all­tag Daten zu sam­meln und den Daten­schutz sicher zu gewäh­ren (zB. ist das Her­kunfts­land nicht immer klar, da es offi­zi­ell heißt, das “Land wo die/der Betrof­fe­ne sich vor der Ankunft in Deutsch­land auf­ge­hal­ten hat”). Die größ­te Her­aus­for­de­rung bei der Daten­er­he­bung bleibt die man­geln­de Aus­sa­ge­be­reit­schaft der Betrof­fe­nen.

Sparen am falschen Ort

Einer­seits kön­nen Hil­fe­ein­rich­tun­gen für Men­schen­han­del nur auf Basis von Fak­ten wirk­lich bedarfs­ge­recht finan­zi­ell und per­so­nell aus­ge­stat­tet wer­den. Die Bera­tungs­stel­len ste­hen ande­rer­seits oft unter Legi­ti­ma­ti­ons­druck von ihren Geld­ge­bern und müs­sen für ihre Stel­len jedes Jahr kämp­fen. Wenn stei­gen­de bzw. sin­ken­de Fall­zah­len dazu füh­ren, dass För­de­rer ent­we­der den Geld­hahn abdre­hen oder eine Stel­le mehr finan­zie­ren, müs­sen Mitarbeiter*innen im Grun­de stän­dig um ihre Stel­le fürch­ten. Wir brau­chen eine aus­ge­wei­te­te und vor allem sta­bi­le­re Finan­zie­rung der Arbeits­plät­ze und fai­re Ent­loh­nung jener Men­schen, die in den Bera­tungs­stel­len vor Ort arbei­ten und damit zu den weni­gen Anlauf­stel­len gehö­ren, die gute Kon­tak­te zu Betrof­fe­nen auf­bau­en kön­nen.

Neue Strategien zur Erfassung von Menschenhandel

Im ver­gan­ge­nen Jahr hat die Bun­des­re­gie­rung die Ein­rich­tung einer natio­na­len Bericht­erstat­tungs­stel­le zu Men­schen­han­del in Deutsch­land auf den Weg gebracht: Das Deut­sche Insti­tut für Men­schen­rech­te ent­wi­ckelt dazu ein Kon­zept. Es wur­de berich­tet, dass das BKA an einem alter­na­ti­ven Ver­fah­ren zur Iden­ti­fi­zie­rung und Ver­fol­gung von Men­schen­han­del arbei­ten wür­de, das nicht auf der Aus­sa­ge­be­reit­schaft der Betrof­fe­nen basiert. Der KOK e.V. hat gemein­sam mit eini­gen sei­ner Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen, die Fach­be­ra­tungs­stel­len für Betrof­fe­ne von Men­schen­han­del sind, ein Daten­er­fas­sungs­tool ent­wi­ckelt. –> In die­sem Blog­ar­ti­kel haben wir die ers­ten Aus­wer­tun­gen des KOK-Tools (Stand: Okto­ber 2021) zusam­men­ge­fasst.

Fazit

Auf der Fach­ta­gung des KOK wur­den neben der Sex­dienst­leis­tungs­bran­che natür­lich vie­le ande­re Berei­chen wie Pfle­ge, Bau, Land­wirt­schaft, Fische­rei, fleisch­ver­ar­bei­ten­de Indus­trie, Haus­wirt­schaft und Nagel­stu­di­os  beleuch­tet. Im Gegen­satz dazu bezieht sich in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung Men­schen­han­del und Aus­beu­tung lei­der in unan­ge­mes­se­nen Maße auf unse­re Bran­che. Ins­be­son­de­re Sexarbeitsgegner*innen ver­flech­ten ger­ne Sex­ar­beit mit Men­schen­han­del und ver­wen­den dafür unbe­leg­te Zah­len. Dass es der­zeit nur weni­ge ver­läss­li­che Zah­len gibt und die Per­sön­lich­keits­rech­te, ins­be­son­de­re von vul­ner­ablen Per­so­nen Daten­samm­lun­gen erschwe­ren, macht es rein emo­tio­na­len Argu­men­ta­tio­nen natür­lich leich­ter. Eine genaue­re Defi­ni­ti­on von Men­schen­han­del könn­te dazu bei­tra­gen, die unter­schied­li­chen Situa­tio­nen der Betrof­fe­nen bes­ser zu berück­sich­ti­gen. Es braucht kla­re­re Struk­tu­ren in allen Bun­des­län­dern, um die Zusam­men­ar­beit gegen Men­schen­han­del zwi­schen den Behör­den zu ver­bes­sern und die Exper­ti­se aus den Bera­tungs­stel­len ent­spre­chend zu nut­zen. Ein Erfolg von Initia­ti­ven wie dem KOK-Erfas­sungs­tool könn­te dazu füh­ren, dass im Bezug auf das The­ma Men­schen­han­del in Zukunft ver­stärkt mit Fak­ten anstatt gefühl­ten Wahr­hei­ten argu­men­tiert wer­den kann.