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Will­kom­men bei der größ­ten Ver­tre­tung für Sex­ar­bei­ten­de in Euro­pa

26.05. | 16:00 | Eine Stunde — Ein Thema

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Das Gesetz für Gleich­stel­lung, Respekt und Rech­te in der Sex­ar­beit (SAG) ist der ers­te umfas­sen­de Gesetz­ent­wurf in Deutsch­land, der direkt von Sex­ar­bei­ten­den ver­fasst wur­de. Online-Ver­an­stal­tung offen für alle Inter­es­sier­ten — let’s talk about it!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Ein Blick hinter die Kulissen: Sexarbeit in Deutschland

Ein Blick hinter die Kulissen: Sexarbeit in Deutschland

Redet mit statt über uns — zum Bei­spiel wäh­rend der 7‑tägigen Akti­ons­wo­che rund um den Inter­na­tio­na­len Huren­tag! In deutsch­land­wei­ten Ver­an­stal­tun­gen besteht die Chan­ce, ech­te Ein­bli­cke in die Bran­che zu bekom­men und die Men­schen ken­nen­zu­ler­nen, die dar­in arbei­ten!

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Spannungsbogen und Zeitmanagement in BDSM-Sessions

Spannungsbogen und Zeitmanagement in BDSM-Sessions

Datum: 13.05.2026
Uhr­zeit: 19:00–20:30 Uhr (1 Std. 30 Min.)

Viel­leicht kennst du das: Ein Gast bucht zwei oder drei Stun­den und nach der ers­ten Stun­de fragst du dich heim­lich: „Was mache ich jetzt noch mit ihm, ohne dass es sich wie­der­holt?“ Vie­len Kolleg*innen graut vor lan­gen Ses­si­ons, trotz des …

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Die Geschichte vom Rattenfänger – und was die mit der Kampagne für ein Sexkaufverbot zu tun hat

Die Geschichte vom Rattenfänger – und was die mit der Kampagne für ein Sexkaufverbot zu tun hat

Die Geschichte vom Rattenfänger – und was die mit der Kampagne für ein Sexkaufverbot zu tun hat

Erin­nert ihr euch an die Geschich­te vom Rat­ten­fän­ger von Hameln?

Die Stadt Hameln wur­de der Sage nach von einer Rat­ten­pla­ge heim­ge­sucht.

Rat­ten sind sehr intel­li­gen­te Tie­re. Wer ein­mal beob­ach­tet hat, wie wir­kungs­los zum Bei­spiel Schlag­fal­len sind, um Rat­ten zu fan­gen und zu töten, der weiß, wie cle­ver sie sind. Das funk­tio­niert näm­lich auf Dau­er nicht: Die Rat­ten beob­ach­ten, was mit ihren Art­ge­nos­sen geschieht, wenn sie an den Köder gehen – und fal­len dann nicht mehr dar­auf her­ein.

Da sich die Situa­ti­on für die Hamel­ner auf kon­ven­tio­nel­le Wei­se nicht regeln ließ, lob­ten sie einen Preis aus für den­je­ni­gen, dem es gelän­ge, die Rat­ten aus der Stadt zu ver­trei­ben.

Wie der Rattenfänger die Ratten überlistete

Schließ­lich erfolg­reich war ein Mann, der so unwi­der­steh­li­che Musik mach­te, dass ihm die Rat­ten wie in Trance folg­ten, bis in die Weser. Dort ertran­ken sie dann – Pro­blem gelöst.

Was hat­te er denn jetzt anders gemacht als alle vor ihm? Er sah, dass die Rat­ten schlau sind und die Gefah­ren sehen, die Fal­len erken­nen und sich mit ihrem Ver­hal­ten dar­auf ein­stel­len.

Also ging er einen ande­ren Weg, bei dem den Rat­ten ihr Ver­stand nichts nütz­te: Er sprach sie auf emo­tio­na­lem Weg an! Er spiel­te Musik, er weck­te Emo­tio­nen – und je stär­ker die Emo­tio­nen, des­to mehr wird der Ver­stand aus­ge­blen­det.

Der Rat­ten­fän­ger ging also musi­zie­rend durch die Stadt und erreich­te so auch die letz­te Rat­te im letz­ten Win­kel. So wun­der­ba­re Musik mach­te er, dass die Rat­ten all ihren kla­ren Ver­stand außer Acht lie­ßen und wie in Trance dem Rat­ten­fän­ger folg­ten. Erst durch die Stadt, dann sogar in das Was­ser der Weser, in dem sie schließ­lich ihren Unter­gang fan­den.

Und dann die Kinder…

Wie wirk­sam die­se Vor­ge­hens­wei­se ist, wird uns im wei­te­ren Ver­lauf der Geschich­te erzählt. Denn nicht nur die eigent­lich klu­gen Rat­ten lie­ßen sich von ihm betö­ren – nein, das funk­tio­niert auch bei Men­schen.

Als näm­lich die Hamel­ner Bür­ger den Rat­ten­fän­ger um den ver­spro­che­nen Lohn prell­ten, ging er wie­der durch die Stadt und musi­zier­te so mit­rei­ßen­de Musik, dass ihm dies­mal die Kin­der hin­ter­her­lie­fen. Wie in Trance folg­ten sie ihm, ver­ga­ßen alles, was ihre Eltern ihnen zu ihrem Schutz bei­gebracht hat­ten, ver­ga­ßen alle Vor­sicht. Über­wäl­tigt von den Emo­tio­nen, die der Rat­ten­fän­ger in ihnen auf­rief, mit denen er so gekonnt spiel­te, mit denen er sie nach Lust und Lau­ne mani­pu­lier­te, ver­lie­ßen sie die Sicher­heit ihrer Rea­li­tät, ver­lie­ßen die Stadt, ver­lie­ßen alles und folg­ten dem Rat­ten­fän­ger. Er spiel­te wei­ter auf dem Instru­ment ihrer Emo­tio­nen, sodass sie nicht sahen, was er mit ihnen mach­te, wohin er sie führ­te – und sie folg­ten ihm, wohin auch immer er sie lock­te.

Das Rattenfänger-Prinzip – alt, aber immer noch erfolgreich

Die­ses Rat­ten­fän­ger-Prin­zip ist also schon alt. Und obwohl wir alle davor gewarnt wur­den, wird es immer noch erfolg­reich ein­ge­setzt.

Genau das passiert gerade in den Kampagnen für ein Sexkaufverbot

Aktu­el­ler Anlass, ganz deut­lich davor zu war­nen, sind die Auf­trit­te von Vertreter:innen eines Sexkauf­ver­bo­tes. Sie arbei­ten mit genau die­sen Rat­ten­fän­ger­me­tho­den, um Men­schen dazu zu brin­gen, nicht mehr kri­tisch zu den­ken, son­dern ein­ge­lullt in Emo­tio­nen ihnen zu fol­gen – egal in wel­che Fall­gru­ben die­ser Weg auch füh­ren mag.

Sie malen schreck­li­che Bil­der, die die Zuhörer:innen packen und erschüt­tern sol­len. Ihr Sprach­ge­brauch ist voll­ge­packt mit bewusst fal­schen Zah­len, fal­schen Behaup­tun­gen, fal­schen Aus­drü­cken – um die Zuhörer:innen so stark wie mög­lich zu erschüt­tern.

Natür­lich spre­chen sie von „Frau­en kau­fen“, von „Ver­ge­wal­ti­gung gegen Bezah­lung“, malen Bil­der von Gewalt und Ver­bre­chen, machen sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen und Men­schen­han­del in ihren Erzäh­lun­gen zu ein und dem­sel­ben und beschul­di­gen alle Anders­den­ken­den, kein Herz und kei­ne Moral zu haben.

Mit ande­ren Wor­ten: Sie zie­hen alle Regis­ter, um ihre Zuhörer:innen in die­sen Zustand der emo­tio­na­len Ent­rüs­tung zu bug­sie­ren. Genau in die­sem Moment – wenn der Ver­stand aus­ge­schal­tet ist und die Emo­tio­nen die Ober­hand gewon­nen haben – schie­ben sie die „Patent­lö­sung“ unter: das Sexkauf­ver­bot.

Alle Appel­le, doch bit­te auf eine sach­li­che Ebe­ne zurück­zu­kom­men und tat­säch­lich vor­han­de­ne Pro­ble­me wirk­lich zu bespre­chen und zu ziel­füh­ren­den Lösun­gen zu kom­men, igno­rie­ren sie. Statt­des­sen legen sie meist noch nach, schü­ren wei­ter Emo­tio­nen, beschul­di­gen Anders­den­ken­de und schaf­fen es immer wie­der, statt klu­ger Pro­blem­lö­sun­gen zu bespre­chen, die ande­ren emo­tio­nal in schlech­tes Licht zu stel­len.

Wie gesagt: die Rat­ten­fän­ger­me­tho­de par excel­lence.

Warum ich das so klar benenne

Ich lie­be die Kunst und den künst­le­ri­schen Aus­druck. Ich genie­ße es, wenn dadurch Emo­tio­nen geweckt wer­den. Ich weiß um die Wich­tig­keit von Gefüh­len für unser Mensch-sein.

Und ich weiß um die Kata­stro­phen, die aus­ge­löst wer­den, wenn zur Durch­set­zung poli­ti­scher Plä­ne die bewuss­te Ent­schei­dung durch geschür­te Emo­tio­nen, durch Pro­pa­gan­da ver­drängt wird.

Wir brauchen keine Rattenfänger

Wir brau­chen empa­thi­sche, kri­ti­sche Men­schen, um sinn­vol­le Ent­schei­dun­gen zu tref­fen – Men­schen, die sich nicht so ein­fach mani­pu­lie­ren las­sen.

Wir brau­chen kei­ne Rat­ten­fän­ger.