
Erinnert ihr euch an die Geschichte vom Rattenfänger von Hameln?
Die Stadt Hameln wurde der Sage nach von einer Rattenplage heimgesucht.
Ratten sind sehr intelligente Tiere. Wer einmal beobachtet hat, wie wirkungslos zum Beispiel Schlagfallen sind, um Ratten zu fangen und zu töten, der weiß, wie clever sie sind. Das funktioniert nämlich auf Dauer nicht: Die Ratten beobachten, was mit ihren Artgenossen geschieht, wenn sie an den Köder gehen – und fallen dann nicht mehr darauf herein.
Da sich die Situation für die Hamelner auf konventionelle Weise nicht regeln ließ, lobten sie einen Preis aus für denjenigen, dem es gelänge, die Ratten aus der Stadt zu vertreiben.
Wie der Rattenfänger die Ratten überlistete
Schließlich erfolgreich war ein Mann, der so unwiderstehliche Musik machte, dass ihm die Ratten wie in Trance folgten, bis in die Weser. Dort ertranken sie dann – Problem gelöst.
Was hatte er denn jetzt anders gemacht als alle vor ihm? Er sah, dass die Ratten schlau sind und die Gefahren sehen, die Fallen erkennen und sich mit ihrem Verhalten darauf einstellen.
Also ging er einen anderen Weg, bei dem den Ratten ihr Verstand nichts nützte: Er sprach sie auf emotionalem Weg an! Er spielte Musik, er weckte Emotionen – und je stärker die Emotionen, desto mehr wird der Verstand ausgeblendet.
Der Rattenfänger ging also musizierend durch die Stadt und erreichte so auch die letzte Ratte im letzten Winkel. So wunderbare Musik machte er, dass die Ratten all ihren klaren Verstand außer Acht ließen und wie in Trance dem Rattenfänger folgten. Erst durch die Stadt, dann sogar in das Wasser der Weser, in dem sie schließlich ihren Untergang fanden.
Und dann die Kinder…
Wie wirksam diese Vorgehensweise ist, wird uns im weiteren Verlauf der Geschichte erzählt. Denn nicht nur die eigentlich klugen Ratten ließen sich von ihm betören – nein, das funktioniert auch bei Menschen.
Als nämlich die Hamelner Bürger den Rattenfänger um den versprochenen Lohn prellten, ging er wieder durch die Stadt und musizierte so mitreißende Musik, dass ihm diesmal die Kinder hinterherliefen. Wie in Trance folgten sie ihm, vergaßen alles, was ihre Eltern ihnen zu ihrem Schutz beigebracht hatten, vergaßen alle Vorsicht. Überwältigt von den Emotionen, die der Rattenfänger in ihnen aufrief, mit denen er so gekonnt spielte, mit denen er sie nach Lust und Laune manipulierte, verließen sie die Sicherheit ihrer Realität, verließen die Stadt, verließen alles und folgten dem Rattenfänger. Er spielte weiter auf dem Instrument ihrer Emotionen, sodass sie nicht sahen, was er mit ihnen machte, wohin er sie führte – und sie folgten ihm, wohin auch immer er sie lockte.
Das Rattenfänger-Prinzip – alt, aber immer noch erfolgreich
Dieses Rattenfänger-Prinzip ist also schon alt. Und obwohl wir alle davor gewarnt wurden, wird es immer noch erfolgreich eingesetzt.
Genau das passiert gerade in den Kampagnen für ein Sexkaufverbot
Aktueller Anlass, ganz deutlich davor zu warnen, sind die Auftritte von Vertreter:innen eines Sexkaufverbotes. Sie arbeiten mit genau diesen Rattenfängermethoden, um Menschen dazu zu bringen, nicht mehr kritisch zu denken, sondern eingelullt in Emotionen ihnen zu folgen – egal in welche Fallgruben dieser Weg auch führen mag.
Sie malen schreckliche Bilder, die die Zuhörer:innen packen und erschüttern sollen. Ihr Sprachgebrauch ist vollgepackt mit bewusst falschen Zahlen, falschen Behauptungen, falschen Ausdrücken – um die Zuhörer:innen so stark wie möglich zu erschüttern.
Natürlich sprechen sie von „Frauen kaufen“, von „Vergewaltigung gegen Bezahlung“, malen Bilder von Gewalt und Verbrechen, machen sexuelle Dienstleistungen und Menschenhandel in ihren Erzählungen zu ein und demselben und beschuldigen alle Andersdenkenden, kein Herz und keine Moral zu haben.
Mit anderen Worten: Sie ziehen alle Register, um ihre Zuhörer:innen in diesen Zustand der emotionalen Entrüstung zu bugsieren. Genau in diesem Moment – wenn der Verstand ausgeschaltet ist und die Emotionen die Oberhand gewonnen haben – schieben sie die „Patentlösung“ unter: das Sexkaufverbot.
Alle Appelle, doch bitte auf eine sachliche Ebene zurückzukommen und tatsächlich vorhandene Probleme wirklich zu besprechen und zu zielführenden Lösungen zu kommen, ignorieren sie. Stattdessen legen sie meist noch nach, schüren weiter Emotionen, beschuldigen Andersdenkende und schaffen es immer wieder, statt kluger Problemlösungen zu besprechen, die anderen emotional in schlechtes Licht zu stellen.
Wie gesagt: die Rattenfängermethode par excellence.
Warum ich das so klar benenne
Ich liebe die Kunst und den künstlerischen Ausdruck. Ich genieße es, wenn dadurch Emotionen geweckt werden. Ich weiß um die Wichtigkeit von Gefühlen für unser Mensch-sein.
Und ich weiß um die Katastrophen, die ausgelöst werden, wenn zur Durchsetzung politischer Pläne die bewusste Entscheidung durch geschürte Emotionen, durch Propaganda verdrängt wird.
Wir brauchen keine Rattenfänger
Wir brauchen empathische, kritische Menschen, um sinnvolle Entscheidungen zu treffen – Menschen, die sich nicht so einfach manipulieren lassen.
Wir brauchen keine Rattenfänger.





