ICRSE – SWAN – TAMPEP – gemeinsame Erklärung

Auszug:

Auch in diesem Jahr am 17. Dezember, dem internationalen Tag gegen Gewalt gegen Sexarbeiter_innen, organisieren Sexworker und Verbündete aus Europa und Asien, Mitglieder von ICRSE, SWAN und TAMPEP, öffentliche Veranstaltungen und Demonstrationen, um ein Ende aller Formen von Gewalt gegen Sexarbeiter_innen zu fordern.

Zu diesem Datum startet auch das Projekt INDOORS die Kampagne „Verschiedene Berufe. Gleiche Rechte.“ (Facebook-Link) für die Arbeitsrechte von Sexarbeiter_innen, um Stigmatisierung und Gewalt gegen Sexarbeiter_innen zu bekämpfen:

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Mit Gewalt sind Morde und Angriffe gemeint, denen wir jeden Tag ausgesetzt sind. In vielen Ländern erfahren Sexworker noch immer physische Gewalt in großem Ausmaß. Morde an Sexarbeiter_innen, vor allem an Migrant_innen, Transgender und an Sexworkern, die auf der Straße arbeiten, sind an der Tagesordnung. Allein in diesem Jahr wurden wieder zahlreiche Sexarbeiter_innen ermordet, und es wurden keine wirksamen Maßnahmen getroffen, diese Morde zu verhindern.

Mit Gewalt meinen wir Stigmatisierung und Diskriminierung. Die Gesellschaft, unterstützt von den Mainstream-Medien, sieht uns noch immer als unzuverlässige, unmoralische und kranke Aussätzige, deren Menschenwürde nichts wert ist. Unsere Rechte werden mit Füßen getreten. Unser Leben und unsere Arbeit werden klischeehaft dargestellt und durch den Schmutz gezogen. Wir werden wahlweise als Opfer oder Täter gesehen, und der Staat, die Polizei und manche „Hilfsorgansiationen“ bedrohen uns und unsere Familien, nehmen uns unsere Kinder weg, zwingen uns zu medizinischen Untersuchungen und fördern das weit verbeitete Stigma bezüglich uns, unserer Partner und Familien.

Mit Gewalt meinen wir die staatlich angeordnete Gewalt, inklusive Polizeirazzien am Arbeitsplatz. Diesen Monat traten zweihundert gerüstete und bewaffene Polizisten mit Hunden in London die Türen von Bordellen ein und warfen die Frauen auf die Straße, während Journalisten Fotos machten. Viele Frauen wurden festgenommen und vielen steht die Abschiebung bevor.

[…]

Unsere Kunden zu kriminalisieren ist die neueste Form von struktureller Gewalt, die uns die Lebensgrundlage entzieht, uns weniger Möglichkeiten lässt zu verhandeln und das Stigma vergößert. Dieses Jahr hat das französische Parlament ein Gesetz verabschiedet, das Kunden kriminalisiert – basierernd auf Statistiken, die jeder Grundlage entbehren, und gegen den Protest von Sexarbeiter_innen, LGBT- und Frauenrechtsorganisationen.

Mit Gewalt meinen wir auch den anhaltenden Ausschluss von Prozessen zur Rechtsgestaltung und Konferenzen zu den Themen Frauen- und Arbeitsrecht. Obwohl unsere Stimmen lauter werden, unsere Zusammenschlüsse stärker und unsere Verbündeten wortgewaltiger, verweigert man uns immer noch die Handlungsmacht, an effektiven Strategien gegen Gewalt gegen uns mitzuwirken.

Aus diesem Grund laden wir, Sexarbeiter_innen und Verbündete aus ganz Europa und Zentralasien, euch ein, sich uns anzuschließen, uns zuzuhören, und an unserer Seite zu stehen, um jede Form von Gewalt gegen Sexarbeiter_innen zu beenden!

Für Informationen zu unseren Veranstaltungen
besucht unsere Websites: www.sexworkeurope.org, www.swannet.org, http://tampep.eu/
oder unsere Facebook-Seite: https://www.facebook.com/events/254706031353030/
Kontakt: info@sexworkeurope.org, marijat@swannet.org, tampep@xs4all.nl

Originalflyer auf Englisch