Berufsverband der Sexarbeiter_innen kritisiert Europapolitik

Auf seiner Mitgliederversammlung vom 7.-9. Februar 2014 in Göttingen befasste sich
der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen auch mit der aktuellen
Europapolitik zur Sexarbeit. Der Ausschuss des Europäischen Parlaments für die
Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter FEMM spricht sich unter
anderem für die europaweite Einführung des sogenannten „Schwedischen Modells“ in
der Prostitutionspolitik aus. Das Schwedische „Sexkaufverbot“ steht für die
Kriminalisierung der Kunden von Sexarbeiter_innen.

Der Berufsverband unterstützt das Internationale Komitee für die Rechte der
Sexarbeiter_innen in Europa (ICRSE), das den FEMM-Ausschuss scharf kritisiert.

„Der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter des
Europäischen Parlamentes folgt leider dem Trend, Ideologie höher zu gewichten als die
Gesundheit und Sicherheit von Sexarbeiter_innen, und ignoriert dabei die Vielzahl und
die Bandbreite der Erfahrungen von Sexarbeiter_innen und Sozialarbeiter_innen
genauso wie die Empfehlungen internationaler Organisationen“, schreibt Luca
Stevenson, Koordinator des ICRSE.

In Deutschland haben sich bereits 34 Organisationen, darunter die Deutsche Aidshilfe
und der Deutsche Frauenrat, dem offenen Brief des ICRSE angeschlossen. Die
deutsche Übersetzung des Briefes: http://sexwork-deutschland.de/brief-an-das-eu-parlament-gegen-den-antrag-auf-freierbestrafung/

Weitere Themen der Mitgliederversammlung des BesD waren neben internen Peer-to-
Peer-Weiterbildungen die bundespolitischen Entwicklungen zur Regulierung der
Sexarbeit in Deutschland. Drohende Maßnahmen zur „Prostitutionseindämmung“ sieht
der Berufsverband mit Besorgnis.

Der Verband wird voraussichtlich Ende September in Berlin eine große Fachtagung
zum Thema Sexarbeit mitorganisieren. Die dortigen Infoveranstaltungen und
Expertenvorträge werden auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein.
Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen wurde im Oktober 2013 von
aktiven und ehemaligen Sexarbeiter_innen gegründet.
Hintergrundinformationen zum Thema Freierbestrafung finden sie hier:
http://sexwork-deutschland.de/politik/forderungen/freierbestrafung/
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Kontakt: Presse                                               Allgemein
Undine de Rivière                                         Johanna Weber
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