Dieser Beitrag schildert die Eindrücke eines unserer neusten Mitglieder von der Mitgliederversammlung Mitte April:

Am Bahnhof erkannte ich das Gesicht von Johanna und quatschte sie an. Ich war viel zu neugierig und wollte mich sofort vorstellen. Wir waren mit demselben Zug aus Berlin hergefahren und nun mussten wir in die Regionalbahn umsteigen. Mein erster persönlicher Kontakt mit dem BesD… Aufregend!

Vor einem halben Jahr bekam ich beim Gesundheitsamt den Flyer des Vereins mit einer herzlichen Empfehlung. Es verging eine Zeit, bis ich die Entscheidung traf. Zuerst kontaktierte ich Charlie aber mir war es vor allem wichtig, die Leute persönlich kennenzulernen. Ich hatte Glück, nämlich sollte die Mitgliederversammlung ein Monat später stattfinden.

Johanna freute sich sehr über meine Anwesenheit und antwortete freundlich all meine ungeduldigen Fragen. Auf dem Bahnsteig stellte sie mir Fabienne und Nadine vor. Bald saßen wir zu viert im Zug. Draußen war es regnerisch, die Gespräche drinnen entspannt und witzig. Ganz normale Menschen halt, wie ich. Bald bombardierte ich Nadine mit Fragen über ihre spannende Forschungsarbeit, bis wir das Ziel erreichten…

Ich weiß nicht mehr, wann ich zu einer Einzelgängerin wurde. Schon am Ende meines Philosophiestudiums in Spanien hatte ich Politik satt. Gruppen mag ich i.d.R. nicht. Entweder bin ich zu anspruchsvoll oder zu empfindlich. Nach sieben Jahren und offensichtlich bei dem richtigen Anlass kam das Bedürfnis, die meinesgleichen zu suchen. Allerdings hatte ich die geringste Ahnung, wie eine Mitgliederversammlung überhaupt aussieht oder was für Menschen ich dort begegnen würde. Eins wusste ich nur: Die Erfahrung würde mich nicht kaltlassen.

Die Mischung war bemerkenswert, drei verschiedene Generationen und alle möglichen Berufsbilder. Die Geschlechter waren auch repräsentiert. Unser anfangs introvertierter Koch würde uns fleißig über das Wochenende mit selbstgemachten Leckereien besorgen, wie der Willkommensapfelstreuselkuchen, die Burgerstraße bei der Grillparty oder die Abschiedspizza. Ziemlich schnell würde er sich einer von uns fühlen und mir mit einem strahlenden Lächeln verraten, er hätte nie zuvor so ein nettes Publikum gehabt.

Ich komme aus Spanien und wohne seit 5 Jahren in Deutschland. Wie viele Umwege das Leben für mich bereit hatte, hätte ich nie geahnt. Gottes Wege sind unergründlich, sagt man gern in katholischen Ländern. In Deutschland kann ich atmen und fühle mich frei. Ja, ich liebe Deutschland. Aber vor allem liebe ich deutsche Frauen. Zumal sie mein ehemaliges sexistisches Frauenbild änderten… (Mehr dazu ein anders Mal)

Das Haus war großzügig und gemütlich. Drinnen oder draußen in der Sonne liefen die Termine und Workshops nach Plan. Es wurde fleißig geackert. Universitäres Arbeiten durch Sexarbeiter! Leidenschaftlich diskutiert wurde es auch. Die Gruppe fand sich aber immer wieder zusammen. Damit hatte bestimmt Fabiennes strenge aber zugleich auf den Punkt bringende Moderation zu tun. Demokratie ist nun mal auch anstrengend, das weiß jeder. Besonders schön war der letzte Abend am Lagerfeuer, manche von uns trugen schwarze Gesichtsmasken am Gesicht, die Fabienne uns besorgte. Die unterschiedlichsten Lebensgeschichten flogen durch die Luft. Der Wein und der Tiefgang der Beteiligten sorgten für eine großartige Stimmung…

Nun muss ich meine Meinung über Versammlungen und Gruppen definitiv revidieren. Kluge Sachen zu sagen oder guten Ideen zu haben ist doch keine Kunst. Die Mischung aus echtem Engagement, Respekt, Bescheidenheit und Warmherzigkeit, die ich beim BesD fand, wohl.

Ich danke euch und freue mich auf „mehr“ von und mit dem BesD!

Lola

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