Dieser Text ist noch Work in Progress. Inhalte können noch verändert werden.

Mit dem Begriff „Loverboy“ werden Männer bezeichnet, die zumeist jungen Frauen eine Liebesbeziehung vorspielen und diese in ein emotionales Abhängigkeitsverhältnis bringen. Die Abläufe sind immer wieder ähnlich. Es wird das Traumbild von einer gemeinsamen Zukunft aufgebaut. Die Frau wird von ihrer Familie und von den bisherigen Freunden isoliert, denn es zählt ja nur noch die gemeinsame Paarbeziehung. Mit der Loslösung aus den alten Kreisen nimmt die Fixierung auf den Partner zu.
Der weitere Verlauf verhält sich ähnlich des folgenden Szenarios. Kurz bevor der Traum vom gemeinsamen Leben perfekt wird kommt der vermeintliche Traumpartner mit dem ersten Schuldschein. Betroffenheit wird geheuchelt und dann Ausweglosigkeit und Verzweiflung. Oft erzählt der Loverboy, dass er alles versucht habe, um das Problem alleine zu lösen. Aber jetzt sei alles zu spät und er müsse ins Gefängnis, wenn er nicht endlich zahlen würde.
Die junge Frau will ihren Traum nicht aufgeben und möchte ihrem geliebten Partner helfen. Er macht den Vorschlag, dass sie ja vielleicht für kurze Zeit im Bordell eines flüchtigen Bekannten arbeiten könne. Natürlich nur so lange bis die Schulden beglichen sind. Die Beziehung der beiden ist emotional so auf die Zweisamkeit fixiert, dass die junge Frau oft die Arbeit im Bordell als wichtigen Beitrag für die gemeinsame Zukunft sieht, und man nicht von Zwang im klassischen Sinne sprechen kann. Das Blatt wendet sich allerdings schleichend, denn kurz bevor der erste Schuldschein abgezahlt ist, kommt der zweite und dann der dritte und so weiter. Irgendwann sind keine Schuldscheine mehr nötig, und die Frau muss jeden Tag eine bestimmte Summe Zuhause abliefern.
Die Loslösung aus diesem akkurat durchgeplanten Abhängigkeitsverhältnis ist sehr schwierig.

Kernprobleme der „Loverboy-Methode“ 1)

1. Fehlendes Opferbewusstsein
Die meisten Opfer haben aufgrund der emotionalen Bindung zum Täter kein Opferbewusstsein. Die Einwirkung des Täters wird nicht gesehen und die Prostitutionsaufnahme wird häufig als Freiwilligkeit betrachtet.

2. Angst
Dem Opfer wird vom Täter eingeredet, es sei schuld an der Drohung und/oder der Gewalt, weil es sich falsch verhalte. Auch wird Macht suggeriert, vor der vermeintlich sogar die Polizei nichts ausrichten kann.

3. Scham
Erkennen die „Loverboy“-Opfer irgendwann den „Betrug“, dann stellen sich meist Gefühle wie Schuld und Scham ein. Hilfsangebote von Beratungsstellen oder der Polizei werden deshalb nur sehr selten angenommen.

FAKTEN

Loverboys sind kein Massenphänomen
Es gibt einen Täter und ein Opfer. Die ganze Sache ist sehr langfristig angelegt.

Die Loverboy-Methode ist nicht legal
Es handelt sich dabei um sogenannte dirigistische Zuhälterei, welche laut § 181a StGB unter Strafe steht.

Was hilft nicht?

Die Freierbestrafung ist keine Lösung
Es ist davon auszugehen, dass es unter einem sogenannten Sexkaufverbot weniger Nachfrage nach erotischen Dienstleistungen gibt. Hier nun die Schlussfolgerung zu ziehen, dass sich das Geschäft dann für die „Zuhälter“ nicht mehr lohnen würde und diese somit von ihren kriminellen Machenschaften ablassen, ist realitätsfern.
Das Gegenteil wird passieren. Die Loverboys werden in dem schon bestehenden Abhängigkeitsverhältnis den Druck erhöhen. Um den gewohnte Geldfluss aufrecht zu erhalten,
wird die Frau länger und mehr arbeiten müssen und den Kunden (Freiern) gegen Aufpreis Praktiken anbieten müssen, die sie bisher abgelehnt hat.

Sexarbeitende arbeiten im Untergrund
Da Bordellbetriebe unter dem schwedischen Modell unmöglich oder verboten sind, arbeiten die Sexarbeitenden in Privatwohnungen, Hotels oder im Freien. Beratungsstellen aus Schweden beklagen, dass sie schwer Kontakt zu dem Sexarbeitenden aufbauen können, weil diese nur sehr aufwendig aufzufinden sind. So wird es für das geschulte Fachpersonal auch schwieriger Loverboy-Opfer zu erkennen.

Was kann man dagegen tun?

1. Der BesD verweist hierzu an Experten, die sich nicht nur aus dem persönlichen Focus heraus mit der Thematik beschäftigt haben oder betroffen sind, sondern Forschungen und Umfragen dazu durchgeführt haben: kok Koordinierungskreis gegen Menschenhandel
Wichtig ist dabei die strikte Trennung zwischen Menschenhandel und Sexarbeit, wie es in anderen Berufsgruppen auch vorgenommen wird.

2. Aufklärung in den Schulen. Eine Forderung des Berufsverbandes ist, dass speziell fortgebildete Sexarbeitende als Experten in den Schulen das Thema sexuelle Aufklärung übernehmen sollen. Dabei soll den Jugendlichen auch das Thema Loverboys nahe gebracht werden. Eine Zusammenarbeit mit Fachberatungsstellen ist dabei unabdingbar 2)
Wichtig ist der Hinweis:
Es ist nicht jedes Schulmädchen ein potentielles Opfer für Loverboys.
Sehr gezielt wird von den Loverboys nach den passenden jungen Frauen gesucht.

3. In vielen osteuropäischen Ländern gibt es Aufklärungskampagnen an Schulen oder in der russischen Hauptstadt, Moskau, breit gestreute Plakataktionen, um über die Loverboy-Methode aufzuklären. Hier sollte länderübergreifend zusammengearbeitet und Erfahrungen ausgetauscht werden.

———————————————————

1) Auszüge aus:
Stellungnahme zur Vorlage 17/1796 im Rahmen der Öffentlichen Anhörung zur Entwicklung der sogenannten „Loverboy-Methode“ zur Erzwingung von Prostitution in Nordrhein-Westfalen
https://www.landtag.nrw.de/Dokumentenser…7-1676.pdf

2) Prostitution in Deutschland – Fachliche Betrachtung komplexer Herausforderungen (Link: http://www.stiftung-gssg.de/upload/Prost…Final.pdf)
Seite 24
„Dort, wo Fachberatungsstellen spezifische Unterstützung und Prävention anbieten, kann die Zielgruppe erreicht werden. Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen kommen über die aufsuchende Arbeit in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen oder werden durch andere Prostituierte auf diese aufmerksam gemacht. Auch die Kooperation mit Multiplikator_innen der Schulen und der offenen Jugendarbeit bewährt sich (Leopold/Grieger 2004).

—————————————————————

HILFE

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch (bundesweit, kostenfrei und anonym): 0800 22 55 530
Save me online (für Jugendliche): www.save-me-online.de
Juuuport (für Jugendliche):www.juuuport.de
Make it safe (für Jugendliche): www.make-it-safe.net
Jugend Support (für Jugendliche): www.jugend.support/
Bündnis gegen Cybermobbing: www.buendnis-gegen-cybermobbing.de
Elterninitiative für Loverboy-Opfer: www.die-elterninitiative.de

———————————————————–

LINKS

Tipps für online recherchierende Sexarbeitende gegen Cybergrooming und Loverboys
-> www.kaufmich.com/magazin/loverboys und cybergrooming

Broschüre des BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Seniorn, Frauen und Jugend)
„Miteinander statt nebeneinander – Schutz und Hilfen bei Handel mit und Ausbeutung von Kindern“
-> https://www.bmfsfj.de/blob/129878/558a1d…l-data.pdf

 

2 Kommentare
  1. Klaus Fricke
    Klaus Fricke sagte:

    001 Ich beziehe meinen Kommentar auf die BesD e. V. Veröffentlichungen:
    002
    003 https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2019/10/16/die-loverboy-methode-kernprobleme-und-echte-und-falsche-loesungsansaetze/
    004 und
    005 https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2019/10/16/nur-eine-freie-selbstbestimmte-sexarbeit-schuetzt-uns-loverboys-sind-kein-massenphaenomen/
    006
    007 __D_a_s___G_e_s_c_h_ä_f_t___d_e_r___G_e_g_n_e_r_s_c_h_a_f_t___
    008
    009 In zwei aktuellen Beiträgen beschäftigt sich der BesD e. V. mit dem von Abolitionisten etablierten „Lobverboy“ Thema.
    010 Zur Relevanz der Thematik im Alltag der Sexarbeit macht der BesD e. V. keine Angaben.
    011 Er gibt Informationen zu idealtypischen Verläufen von dem was mit dem Begriff Loverboy bezeichnet wird.
    012 Er weißt (potentielle) SW auf Möglichkeiten hin, eine Loverboy Beziehung zu vermeiden, bzw. diese zu beenden.
    013
    014 Der BesD e.V. bestätigt damit Argumente, die von Abolitionisten gegen die Sexarbeit vorgebracht werden.
    015 Der BesD e.V. gibt dem Thema Loverboy in der derzeitigen Situation der Forcierung der Abschaffung der SW Raum.
    016 Der Eindruck wird auch durch den BesD e. V. erweckt, dass es sich um ein in der SW virulentes Phänomen handelt.
    017
    018 Es geht bei dem Thema um eine von abolitionistischer Seite in den Diskurs gebrachte Behauptung.
    019 Welche Daten bewegen den BesD e. V. dazu, diesem Thema diese Aufmerksamkeit zu geben?
    020 Welche bewiesenen Fälle und Zahlen liegen dem BesD e. V. dazu vor?
    021 Besteht die auf Daten beruhende Notwendigkeit, dem abolitionistischen Thema Loverboy diese Aufmerksamkeit zu geben?
    022 Haben sich (eine größere Zahl von) betroffenen SW mit der Bitte, das Thema Loverboys zu behandeln an den BesD e. V. gewandt?
    023 Oder beteiligt sich der BesD e.V. an einem Narrativ von moral panic and crusades.
    024
    025 Beispiele solcher Hysterie sind der SW aus der Geschichte bekannt. (1, S. 35 f etc.)
    026 Die Hysterie um den Frauenhandel zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts erwies sich als moral panic
    027 Rassistisch gewendet durch Nazis begünstigte sie – Feindbild Jude – als moral crusade deren Machtergreifung (1, S. 36 etc.)
    028
    029 ______________________________
    030 Quellen
    031
    032 (1)
    033 Dietmar Jazbinsek
    034 Der internationale Mädchenhandel
    035 Biographie eines sozialen Problems
    036 http://www.econstor.eu/dspace/handle/10419/49624
    037 download unter
    038 https://www.econstor.eu/dspace/bitstream/10419/49624/1/352354615.pdf
    039
    040 »Nach einigem weiteren Hin und Her ringt sich Hirschfeld schließlich zu einer definitiv klingenden Antwort durch: “Nach unseren
    041 Ermittlungen möchten wir zusammenfassend die Frage: Gibt es einen Mädchenhandel? wie folgt beantworten: Ja! Wenn man
    042 damit die Vermittlung, Werbung und Verbringung von Mädchen durch bezahlte Agenten für ausländische (und inländische)
    043 Bordelle meint mit Kenntnis und Einverständnis der verbrachten Person selbst. Nein! (oder nur als außerordentliche Seltenheit)
    044 wenn man darunter – wie das große Publikum – die Verschleppung ahnungsloser Mädchen mit Gewalt oder List versteht, um sie
    045 im Ausland der Prostitution zuzuführen”«

    Antworten
    • Johanna Weber
      Johanna Weber sagte:

      Hallo Klaus,
      Danke für die Anregungen, wir bauen das ein.
      Ansonsten kannst du mich gerne anrufen, dann erkläre ich dir in RUhe, warum wir das Thema aufgegriffen haben.
      Meine Nummer hast du ja.
      Gruß,
      JOhanna

      Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.