Ein Roter Stöckelschuh als Symbol für einen akzeptierenden und freundlichen Umgang mit Sexarbeiter*innen im Gesundheitswesen und in Beratungsstellen. Das überlegten sich 2017 die Beratungsstelle für Drogenkonsumentinnen und Sexarbeiterinnen „Ragazza!“ in Hamburg und die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG). Ein Sticker auf dem ein roter Stöckelschuh zu sehen ist, klebte kurze Zeit später an den Türen einiger Praxen und Beratungseinrichtungen in Hamburg. Sexarbeiter*innen sollten hier dann wissen, dass sie keine Angst vor Diskriminierung auf Grund ihrer Berufswahl haben müssen und sich als Sexarbeiter*in outen können.

Als hoch stigmatisierte Berufsgruppe sprechen Sexarbeitender*innen aus Angst vor Ablehnung und Diskriminierung oft nicht mal im engsten sozialen Umfeld über ihre Tätigkeit. Viele erleben im Gesundheitswesen Diskriminierung, Ablehnung oder Überforderung wenn sie sich als Sexarbeiter*in outen. „Wenn Sexarbeitende Ärzt*Innen aufsuchen, ist es für sie oft schwierig abzuschätzen, wie diese auf ihre Tätigkeit reagieren. Offen sprechen zu können, wertschätzende Beratung zu erfahren – das sind Voraussetzungen für eine gute Behandlung.

Risiken können so aus medizinisch-fachlicher Perspektive differenzierter abgeschätzt werden und der Gesundheitsschutz wird erhöht“, erklärt Maia Ceres, Gesundheitsbeirätin des Berufsverbands. „Sexarbeitende müssen immer wieder die Erfahrung machen, dass ihnen mit einseitigen, meist negativen Vorurteilen begegnet wird, die in Berührungsängsten auf beiden Seiten resultieren“, ergänzt Caspar Schumacher, Projektmitarbeiter des Roten Stöckelschuhs. „Das Zeichen des Roten Stöckelschuhs soll Sexarbeitenden die Möglichkeit signalisieren, mit weniger Vorbehalten wichtige Informationen über ihren Beruf und eventuell damit verbundene gesundheitliche Risiken teilen zu können und somit ihren Gesundheitsschutz verbessern.“

Nun läuft diese Initiative der Antidiskriminierungsarbeit im Gesundheitswesen weiter. Seit Juli arbeiten Deborah Hacke und seit August Caspar Schumacher in Berlin für den BesD e.V. an dem „Roten Stöckelschuh“. Auf einer eigenen Webseite wird bald eine Datenbank zu finden sein, in der sexarbeitsfreundliche Adressen recherchiert und Informationen über das Projekt abgerufen werden können. Außerdem sollen Fortbildungen für interessierte Mediziner*innen angeboten werden, die den Wunsch haben, Sexarbeitende akzeptierend zu beraten und zu behandeln. Es sollen Stigmata und Sexarbeitsfeindlichkeit bekämpft werden und darüber informiert werden, was für Barrieren für das Aufsuchen medizinischer Hilfe vorhanden sein können und welche inhaltlichen und medizinischen Bedarfe oft bestehen. Zunächst wird der Schwerpunkt auf gynäkologische Praxen und Angebote liegen und das in Berlin, denn es handelt sich um eine Förderung der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung von Berlin.

Nach dem Schwerpunkt „Gynäkologie“ wird auch u.a. mit Allgemeinmediziner*innen, Psychotherapeut*innen und Mediziner*innen die mit obdachlosen Patient*innen arbeiten in den Austausch getreten werden und Fortbildungen speziell für diese Bereiche angeboten. Sexarbeit ist zudem nicht ein Thema was nur Frauen betrifft. Deborah Hacke und Caspar Schumacher ist es wichtig, auch die Erfahrungen und Bedürfnisse von männlichen, trans-, inter- und nicht-binären Sexarbeiter*innen Raum zu geben und zu thematisieren. In fernerer Zukunft erhoffen sie sich dieses Projekt auf Dienstleistungen jenseits des Gesundheitswesens auszuweiten. Sexarbeiter*innen gehen nicht nur zu Ärzt*innen und Therapeut*innen, sondern wie andere Menschen auch zu Steuerberater*innen, Anwält*innen, diversen Beratungsstellen und haben Kontakt zu Ämtern wie z.B. Jugendämtern oder dem Jobcenter. Auch hier soll Diskriminierung und Unverständnis endgegengewirkt werden.

Ab 2022 soll dieses Projekt auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden. Mediziner*innen und Beratungsstellen die gerne mehr Informationen zu diesem Projekt und den Fortbildungsmöglichkeiten erhalten möchten, sowie Sexarbeiter*innen auf der Suche nach Empfehlungen oder mit Erfahrungen zu empfehlenswerte Adressen, bitten wir Kontakt aufzunehmen (roterstoeckelschuh(at)besd-ev.de).

1 Antwort
  1. Henriette
    Henriette sagte:

    Das ist eine ganz tolle Idee!

    Die Pandemie hat uns Sexworkern gezeigt wie tief die Vorurteile gegenüber unserer Arbeit in den Köpfen der Menschen sitzen. Nicht nur werden wir nach wie vor von den Medien stets mit Zwangsprostitution, Menschenhandel, Drogensucht und allem möglichen Übel in einen Topf geworfen…Auch auf den Ämtern erleben wir immer wieder Reaktionen, die von Mitleid über Unverständnis, bis hin zu Ablehnung reichen.

    Hier die Dame vom Jobcenter, die dazu gratuliert “ endlich Dank Corona den Ausstieg geschafft zu haben“ und gar nicht begreifen kann, dass man seine Arbeit als Sexworkerin schmerzlich vermisst. Dort der Mitarbeiter vom Gewerbeamt, der einen seit Jahren verfolgt und krampfhaft versucht, irgendwelche Mängel im Betrieb festzustellen, um einem die Erlaubnis nach ProstSg. zu entziehen…Einfach, weil er seine Blockwartmentalität in Betrieben unserer Branche ausleben kann.

    Die Behandlung als Opfer, bzw. als Kriminelle muss ein Ende haben! Alles was dazu dient kann ich nur begrüßen!

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