Dr. Stephan Alder, Mitglied beim Verband der Vertragspsychotherapeuten (BVVP) postulierte vor kurzem auf der Vereins-Website: „Prostitution macht krank“ – und sorgte damit in der Sexworker-Community für eine Menge gerunzelter Stirnen. Wir dürfen hier auszugsweise aus der öffentlichen Antwort von Sonja Dolinsek zitieren – den gesamten Text lest ihr  in ihrem Blog. 

Unter anderem weist die Historikerin und Sexwork-Forscherin Dolinsek darauf hin, dass „Prostituierte historisch schon immer als „kranke“, nicht-normale Frauen, als Menschen zweiter Klasse gesehen wurden, die „krank“ sind und deshalb eine Bevormundung brauchen […] Es war bei Prostitution nicht anders als bei Homosexualität und anderen Formen dessen, was man in der Vergangenheit „sexuelle Devianz“ nannte.“

Sie erklärt, warum sich ein Verbot von Prostitution nicht aus einigen Therapie-Erfahrungen ableiten lässt, denn „schließlich müsste man ja – bei vergleichbaren Diagnosen – sicherlich auch viele andere Realitäten verbieten, die Ehe, die Elternschaft, die Familie, Partnerschaft.“

Sie warnt davor, „jede psychische Symptomatik auf die Sexarbeit zurück[zu]führen“ und betont, dass Prostituierte zwar in höherem Maß Gewalt ausgesetzt sind, die Forschung hierzu aber „[…] einen klaren Befund [bietet]. Die anhaltende Verachtung und oft Kriminalisierung der Prostitution ist die Ursache dafür und Prostituierte erfahren mehr Gewalt, wo Prostitution verboten ist.“

„Herr Alder begeht den Fehler, nicht zwischen Prostitution und unterschiedlichen Arbeitsbedingungen und deren Hintergründe zu differenzieren.“ so Dolinsek, die am Ende ihres Briefes auf zahlreiche Quellen aus der Forschung verlinkt.

Lesenswert: Hier geht es zum kompletten Brief an die BVVP: –> „Die Verachtung der Sexarbeit macht krank“.

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