Ich habe selbst als Bizarr-Lady knapp 15 Jahre  in einem Berliner Dominastudio gearbeitet und als ich das erste Mal von „La Maison“ hörte, musste ich die Autorin Emma Becker erstmal googeln… Ich habe mich dann sehr auf das Buch gefreut, war neugierig, über eine Hure in Berlin zu lesen.

Wie empfindet eine Frau aus einer ganz anderen Generation diese Arbeit?

Durch die ersten zwanzig Seiten bin ich ehrlich gesagt holprig gestolpert, zweifelte an meinem Intellekt. Ich wurde schon ein bisschen wütend, weil ich mich einfach nicht wiederfand, in dieser Welt einer Pariserin in Berlin.

Doch dann wurde ich auf eine wunderbare, philosophische, charmante und bunte Reise abgeholt. Emma Beckers, beziehungsweise „Justines“ Erzählung ließ mich herzlich lachen und zauberte in mir viele kleine warme Momente der Erinnerungen.

Was dieses Buch besonders macht, ist Emmas junge und erfrischende Haltung diesem 2000 Jahre alten Gewerbe gegenüber.

Ich bewundere die Selbstverständlichkeit, mit der sie ihre Erfahrungen schildert. Einzig das „Ich war über zwei Jahre Hure, nur um ein Buch zu schreiben“, nehme ich ihr nicht ganz ab. Unabhängig davon, räumt Emma Becker hier mit den Vorurteilen auf, dass alle Frauen zur Sexarbeit gezwungen werden.

Sie schreibt ehrlich und offen über moderne junge Frauen, die Klischees über Bord werfen.

Ich habe den Eindruck, diese Generation an Frauen hat sich bewusst und freiwillig, vielleicht auch aus Leidenschaft, für diesen Beruf entschieden. Amüsant, wie Gäste in ein Paar neue Stiefel „umgerechnet“ werden! Oder auch einfach, wie mehr Zeit für Kinder und Familie übrig bleiben, weil die Frauen in diesem Job ihr Geld in kürzerer Zeit verdienen können und dadurch mehr Lebensqualität haben.

Mein Fazit: Ich empfinde den Schreibstil als niveauvoll, die Hauptperson als einfach herrlich französisch (raucht auch sehr viel) und das ganze Buch als wunderbar humorig – mit Ecken, Kanten und Tiefgang.

Und es wird darin auch deutlich, wie wichtig eine anerkannte rechtliche Grundlage für Prostituierte in Deutschland ist. Von mir gibt es 95 von 100 Punkten!


Diese Rezension von „La Maison“ (Emma Becker)  stammt von BesD-Mitglied und Sexarbeiterin Angie. Vielen Dank! 

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