Wie jeden Winter gibt es auch 2020 kurz hintereinander die beiden internationalen Tage gegen Gewalt an Frauen (25.11.) und gegen Gewalt an Prostituierten (17.12.)

Gewalt gegen Frauen oder Prostituierte findet vor allem versteckt, im vermutlich sicheren Rahmen, oft im eigenen Heim statt. Ob es psychischer Druck ist oder physische Gewalt – beides ist schlimm, unnötig und gehört sowohl bestraft als auch in die Mottenkiste der Vergangenheit.

In beiden Fällen ist es sexistische bzw sexualisierte Gewalt. Oft ist es auch nicht auseinanderzuhalten um was es sich handelt, denn auch Prostituierte sind zum überwiegenden Teil Frauen.

Zum Glück haben wir hier in Deutschland einen umfassenden Gesetzeskatalog bezüglich solcher Verbrechen – sie jedoch reell durchzusetzen ist leider immer wieder ein Kampf. Trotzdem haben wir schon viel geschafft und etliches in die Mottenkiste der Vergangenheit gepackt, am Ziel sind wir aber noch nicht.

Vergewaltigung in der Ehe ist erst seit 1997 strafbar, Friedrich Merz und Markus Söder, die sich damals im Bundestag dagegen aussprachen machen immer noch Karriere in der Politik.

Aufklärung, Stärkung, Unterstützung haben wesentlich mit dazu beigetragen dass es immer mehr Frauen auch in der Ehe besser geht, auch wenn sie weiterhin ökonomisch in Abhängigkeit stehen.

Nicht desto trotz platzen die Frauenhäuser, als Zufluchtsorte für bedrohte Frauen weiterhin aus allen Nähten. Gerade jetzt in der Corona Krise, als man ungewohnter weise auf sehr engem Raum verweilen musste, hat diese häusliche Gewalt wieder zugenommen. Der erneute Lockdown in Zusammenhang mit dem nun immer unwirtlicheren winterlichen Wetter wird wieder vermehrt zu solchen Vorfällen führen.

Ich ziehe den Hut vor den vielen Menschen, die in Beratungsstellen, Fortbildungseinrichtungen und Frauenhäusern diese Frauen auffangen, betreuen und wieder in ein würdevolles Leben (zurück) führen!

Hielte man sich ausschließlich vor Augen was diesen Frauen passiert und widerfahren ist, würde man wahrscheinlich vor der Ehe per se warnen, sie abschaffen wollen etc. Doch zum Glück ist das nicht so, viele Ehen sind zumindest harmonisch, viele sind Zweck-WGs um vielleicht Kinder groß zu ziehen oder ein gemeinsames Unternehmen zu führen und es gibt sogar auch ein paar wirkliche Traum Ehen darunter, Liebe über viele Jahrzehnte die bis zum Tode hält. Und weil wir das wissen kämpfen wir für die Frauen und ihre Ehen, stärken sie und geben ihnen skills an die Hand um besser zurecht zu kommen. Ob bei diesem oder dem nächsten Mann ist dabei nicht von Bedeutung.

Ähnlich verhält es sich übrigens mit der Prostitution, auch hier haben wir viele Menschen die allein aus wirtschaftlichen Gründen diesem Job nachgehen – manche unter besseren und manche unter schlechteren Bedingungen und manche sogar in der Erfüllung ihres Traumes als „Sexpertin“, in welcher Sparte der Sexarbeit auch immer.

Auch hier gibt es problematische Strukturen die meist, ähnlich wie in der Ehe, von (emotionaler) Abhängigkeit und Gewalt geprägt sind. Es sind dies in der Regel übrigens der Sexworker*in nahestehende Personen, auch hier ist der „Partner“ sehr oft der Täter, z.B. auch bei der sog. „Loverboy-Methode“. 

Auch hier können wir helfen, das Vorbild der Hilfe, Unterstützung und Förderung/Bildung hat uns Frauen ja auch in anderen Belangen schon sehr viel weiter gebracht! Kein Mensch käme auf die Idee uns vorschreiben zu wollen wo wann wie und mit wem wir Partnerschaften eingehen (obwohl man manchmal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen möchte)!

Denn eines ist sicher – wir werden Prostitution niemals verbieten können, wir können sie lediglich in die Illegalität treiben. Welchen Teil wir dabei verdammen, den, der einen Arbeitsplatz schaffen kann (Bordellbetreiber*in), die Kunden daselbst – Leidtragende wird dabei immer die Sexarbeiter*in sein denn in der Illegalität kann ihr nicht mehr geholfen werden, sie wird erpressbar und ist somit allem schutzlos ausgeliefert was es nur geben kann.

Gerade das derzeit kommunizierte sog. #nordischesModell setzt dem noch eine schicke schwedische Krone auf: Sexarbeiter*innen, die sich gegenseitig Tipps, Hilfe und Ratschläge erteilen werden diesbezüglich mit der Klage „Zuhälterei“ belangt – beide übrigens.

Wohnungsverlust ist eine der “üblichen” Kollateralschäden mit denen Sexarbeiter*innen zu rechnen haben, denn Vermieter haben Angst der Zuhälterei bezichtigt zu werden – egal ob nun sexuelle Dienstleistungen in der Wohnung erbracht wurden oder nicht.

Auch private Beziehungen sind kaum noch möglich da der Partner ständig Gefahr läuft als Klient bzw. “Zuhälter” angeklagt werden. Es kann nicht sein dass wir das wollen!

Denn am Beispiel der Ehe haben wir gesehen: gestärkte und gebildete Frauen die SELBSTbestimmt ihr Leben führen sind die einzige Chance gegen diese Ungerechtigkeiten!

SELBST bestimmt meint übrigens dass ich das tun kann was ICH möchte und nicht etwaige Retter*innen meinen, was denn für mich das Beste sei 😉


Hilfe für von Gewalt betroffene Frauen:

Tel.: 0800 116 016
www.hilfetelefon.de


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#AgainstViolence
#RespectSexwork
#MakeAllWomenSafe
#PROstitution
#SchweigenBrechen (Mitmachaktion vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben)

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Dieser Beitrag stammt von Sexarbeiterin und BesD-Mitglied Madame Kali, die auch das Banner für den Aktionstag designt hat und hier frei zur Verfügung stellt. Danke!


Weiterführende Infos:

Zum Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen

Zum Sexkaufverbot bzw. Freierbestrafung

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