Datum: 11.07.
Demostart: 22:00 Uhr
Adresse: Herbertstraße|Eingang Davidstraße, St. Pauli, Hamburg

Während nach dem Corona-Lockdown das Leben in anderen Branchen langsam zur Normalität zurückfindet, ist im berühmtesten Rotlichtviertel Deutschlands weiter „tote Hose“ – die Arbeitsplätze von Sexarbeiter*innen sind nach wie vor geschlossen. Das wollen die dort tätigen Sexarbeiter*innen und Bordellbetreiber*innen ändern: Unterstützt von angereisten Kolleg*innen und Unterstützer*innen aus ganz Deutschland, demonstrieren sie am 11.07. um 22:00 Uhr in der bekannten Herbertstraße gegen das Arbeitsverbot und für eine Öffnung der Bordelle.

Masseure dürfen weiterarbeiten – Sexworker seit 4 Monaten ohne Arbeitsplätze

Sexarbeiter*innen sind nicht die einzigen die sich fragen: ist eine weitere Schließung der Bordelle im Vergleich zu den anderen Branchen und den sinkenden Infektionszahlen noch verhältnismäßig? Menschen in der Sexarbeit fühlen sich von der Politik vergessen – während Geschäfte, Hotels, Restaurants, Imbisse, Kinos, Theater und Museen, sowie körpernahe Dienstleistungen wie Frisöre, Kosmetik, Tattoo-Studios und Massage-Salons wieder geöffnet wurden, wird die Öffnung der Prostitutionsbetriebe in Deutschland aus unklaren Motiven in die Länge gezogen. Deutschland bezieht hier eine umso unverständlichere Position, wenn man sich international und in den Nachbarländern umsieht: Unter anderem in Belgien, Schweiz, Holland, Österreich und Tschechien wurde das Prostitutionsgewerbe wieder vollständig im Rahmen der Corona-Lockerungen erlaubt.

Eine ganze Branche fühlt sich von der Politik im Stich gelassen

Irritierenderweise wird gerade Sexarbeiter*innen, die besonders mit Hygiene-und Schutzmaßnahmen vertraut sind, hierzulande scheinbar kein verantwortungsvoller Umgang mit Corona-Schutzmaßnahmen zugetraut. Dabei ist das Achten auf die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Kund*innen bei einer körpernahen Dienstleistung wie Sexarbeit – unabhängig vom Corona-Virus! – maßgeblich für die Vermeidung von Geschlechtskrankheiten, der Bewahrung der eigenen Arbeitsfähigkeit und dem guten Ruf als Dienstleister*in.

Touristen-Magnet St. Pauli weiter im Corona-Lockdown

Bis vor kurzem zog St. Pauli Tourist*innen aus aller Welt an und bereicherte die Stadt Hamburg dadurch mit gewaltigen Steuereinnahmen. Nun wissen die Menschen, die St. Pauli zu dem gemacht haben, was es ist, bereits seit 4 Monaten nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt bezahlen sollen – sie wollen sich endlich Gehör verschaffen.

Kontakt und Nachfragen:

• Johanna Weber, politische Sprecherin | johanna@besd-ev.de 0151 – 1751 9771
• Lilli Erdbeermund, Pressebüro | presse@besd-ev.de oder Presseanfrage über Website


Termin: 3.Juli – 8:30 Uhr – Bundesrat, Leipziger Straße 3-4, 10117 Berlin – ACHTUNG geänderte Uhrzeit


Am 03.07. ist der letzte Sitzungstag des Bundesrates vor der Sommerpause. Die Sexarbeitsbranche steht immer noch unter Arbeitsverbot und braucht eine Perspektive. Deshalb protestiert der Berufsverband für Sexarbeiter*innen (BesD e.V.) gemeinsam mit dem Bundesverbands für Betreiber*innen (BSD e.V.) vor dem Deutschen Bundesrat.

In Deutschland profitieren bereits nahezu alle Branchen von Corona-Lockerungen. Unter anderem durften Friseurläden, Massagesalons, Kosmetikstudios, Tantrainstitute, Fitnessstudios, Tattooläden, Saunen, Gaststätten und Hotels wieder öffnen und je nach Bundesland sind Veranstaltungen mit mehr als 50/100/300 Personen wieder erlaubt. Ungeachtet dessen, dauert die Schließung der Prostitutionsstätten deutschlandweit weiter an.

Dieser fortwährende Lock-Down erscheint angesichts der Entwicklungen in anderen Branchen unverständlich:

  • Sexarbeit findet in der Regel in einem 1:1 Kontakt zwischen Sexarbeiter*innen und Kund*innen statt. Sowohl der BesD e.V. als auch der BSD e.V. haben in Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern Hygienekonzepte für die Sexarbeit innerhalb (z.B. Apartmenthaus, Bordell, Laufhaus) und außerhalb (z.B. Escort, Straßenstrich) von Prostitutionsstätten erarbeitet.
  • Es ist nicht nachvollziehbar, dass Corona-Schutzmaßnahmen zwar in einem Massagesalon, aber nicht in einem Bordell umsetzbar sein sollen. Prostitutionsstätten
    unterliegen besonders rigiden Auflagen und sind verpflichtet, den bei ihnen tätigen Sexarbeiter*innen ein geschütztes, hygienisches Arbeitsumfeld zu bieten.

Während Nachbarländer wie die Schweiz, Belgien, Österreich, Tschechien und die Niederlande Sexarbeit bereits insgesamt wieder erlaubt haben, bietet die hiesige Politik keine Perspektiven für die Wiedereröffnung von Prostitutionsstätten und beraubt damit den Großteil der Sexarbeitenden ihrer Arbeitsplätze.

Entgegen der Behauptungen von Prostitutionsgegner*innen ist die Corona-Krise keine „Chance“ für die Einführung eines Sexkaufverbots und damit die Illegalisierung einer gesamten Branche. Sondern vielmehr eine Gelegenheit die Gemeinsamkeiten von Sexarbeit mit anderen Branchen zu erkennen und stigmatisierende und ineffektive Sondergesetze wie das ProstituiertenSchutzGesetz abzuschaffen.

Kontakt und Nachfragen:

Johanna Weber, politische Sprecherin | johanna@besd-ev.de | 0151 – 1751 9771
Lilli Erdbeermund, Pressebüro | presse@besd-ev.de oder → Presseanfrage über Website

Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. sucht ab sofort eine Verwaltungskraft für das Projekt „Roter Stöckelschuh“. Das Modellprojekt startet im Juli 2020 in Berlin, hat eine Laufzeit von 18 Monaten und wird durch Zuwendungen des Berliner Senats für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung gefördert. Die Besetzung der Stelle erfolgt vorbehaltlich der Mittelzusage.

Das Projekt hat zum Ziel, ein Netzwerk von Anlaufstellen aus verschiedenen Dienstleistungsbereichen zu etablieren und bekannt zu machen, wo Sexarbeiter*innen:

  • sich bei Bedarf ohne Angst outen können
  • professionell behandelt und beraten werden
  • keine negativen Reaktionen aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit befürchten müssen

Hintergrund: 

Wenn Sexarbeiter*innen als Kund*innen oder Patient*innen Dienstleistungen wahrnehmen, kommt es leider viel zu oft vor, dass sie aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit diskriminiert oder verurteilt werden. Die meisten Kolleg*innen outen sich daher nur äußerst ungern – auch wenn es zu Nachteilen für sie führt. Sie verschweigen zum Beispiel beim Arztbesuch ihren Beruf, fühlen sich gedrängt zu lügen oder lassen wichtige Fragen, die im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit stehen, unter den Tisch fallen.

Mit dem Antidiskriminierungslabel rund um das Netzwerk „Roter Stöckelschuh“ wollen wir diesen Umstand ändern und Sexarbeitende dabei unterstützen, sich zu professionalisieren. Zu Beginn konzentrieren wir uns auf Angebote der medizinischen Versorgung (Gynäkologie, Urologie, Allgemeinmedizin, Psychotherapie etc.), die im Zusammenhang mit der Tätigkeit in der Sexarbeit stehen können. Bei Fortführung des Projekts ist eine Ausweitung auf weitere professionelle Angebote Dritter (z.B. Steuerberatung, Anwält*innen etc.) geplant.

Arbeitszeit:

  • 20 Stunden/Woche, die flexibel gestaltet werden können
  • die Stelle ist auf die Projektlaufzeit von Juli 2020 bis Dezember 2021 befristet
  • im Falle einer Projektverlängerung wird eine Weiterbeschäftigung angestrebt

Arbeitsort:

  • Bevorzugt in Berlin, ein Großteil der Arbeit kann aber per Homeoffice bundesweit ausgeübt werden
  • Bei Veranstaltungen im Rahmen des Projekts kann eine Anwesenheit vor Ort notwendig werden

Gehalt:

  • Gehalt je nach Qualifikation und Vorkenntnissen entsprechend TV-L Berlin

Aufgaben:

  • Kassen- und Buchführung des Projekts, Budgetkontrolle
  • Verwaltung des Rechnungs- und Zahlungsverkehrs
  • Erstellung von Leistungs- und Verwendungsnachweisen
  • Mitarbeit an der Projektevaluation
  • Unterstützung bei der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Projekt-Veranstaltungen
  • weitere Aufgaben in Absprache

Anforderungen:

  • Abgeschlossene kaufmännische Ausbildung oder vergleichbare Qualifikation
  • Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
  • Anwendungssichere PC-Kenntnisse im MS-Office-Paket
  • Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit
  • Eigenverantwortliche und selbstständige Arbeitsweise
  • Flexibilität und Koordinationsfähigkeit
  • Hohes Maß an Zuverlässigkeit
  • Kenntnisse in Buchführung, Kosten- und Leistungsrechnung
  • Erfahrungen mit Projektverwaltung oder -management, insbesondere der Projektfinanzierung durch staatliche Zuwendungen sowie durch Drittmittel
  • Bereitschaft für Veranstaltungen anzureisen, falls Wohnsitz nicht in Berlin ist
  • Eigene Erfahrungen in der Sexarbeit sind sehr willkommen; eine akzeptierende Haltung Sexarbeitenden und ihren Lebenslagen gegenüber wird vorausgesetzt.

Vollständige Bewerbungsunterlagen und Fragen bitte bis 30.06.2020 an Maia Ceres unter: roterstoeckelschuh@besd-ev.de.

Zum Internationalen Hurentag starten der Berufsverband und Bufas am 2. Juni die Aktion #RotlichtAN – mit Treffen vor Ort, einer öffentlichen Online-Gesprächsrunde und auf Social Media. 

Jährlich wird am 2.Juni dem Protest jener Prostituierten gedacht, die 1975 in Lyon eine Kirche besetzten, um auf ihre schlechten Lebens-und Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Doch noch heute leiden die in den vielfältigen Bereichen der Sexarbeit tätigen Menschen unter Strafmaßnahmen des Staates, kriminalisierender Gesetzgebung (z.B. Sexkaufverbot, Schwedisches Modell) und gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Hurentag 2020: Wir machen das #RotlichtAN!

Unter dem Hashtag #RotlichtAN vereint der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD e.V.) gemeinsam mit dem Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (Bufas e.V.) und weiteren Kooperationspartnern, Aktionen zum diesjährigen Hurentag.

Am 2. Juni finden bundesweit Events vor Ort statt, die unter der Beachtung der derzeitig nötigen Vorsichtsmaßnahmen stattfinden und zu denen Sexarbeiter*innen,  Unterstützer*innen, interessierte Menschen sowie Vertreter*innen der Presse herzlich willkommen sind. So organisieren Beratungsstellen, Betriebe und Künstler*innen unter anderem in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Bielefeld und Nürnberg Betriebsbesichtigungen, Kunstausstellungen oder Mahnwachen. Auf der –> #RotlichtAN-Seite des BesD findet sich eine Übersicht aller regionalen Veranstaltungen.

Online-Fragerunde zum diesjährigen Hurentag

Auch online ist einiges los: Der BesD veranstaltet ab 18:30 Uhr mit –> „Ask a Sexworker“ eine frei zugängliche Gesprächsrunde auf Zoom, in der mehrere Sexarbeiter*innen Fragen beantworten und einen Einblick in ihre Arbeits- und Lebenswelt geben. Wer mit in der Sexarbeit tätigen Menschen sprechen und mehr über Sexarbeit erfahren will, hat hier die Gelegenheit dazu. Der Teilnahme-Link wird am Veranstaltungstag auf der Website des BesD veröffentlicht.

Social-Media-Aktion mit Hashtag #RotlichtAN

Nicht nur Sexarbeitende sind eingeladen, Flagge zu zeigen: Jeder der ein Zeichen „Für legales Arbeiten – gegen Sexkaufverbot“ setzen will, kann sich an der Social-Media-Aktion #RotlichtAN beteiligen und den Hashtag posten, auf das eigene Profilbild setzen und/oder –> uns schicken und auf der BesD-Website veröffentlichen. 

Der diesjährige Hurentag findet im Zeichen der Corona-Krise statt. Seit März diesen Jahres sind Menschen, die in Deutschland der Sexarbeit nachgehen, von einem Arbeitsverbot im Rahmen der Corona-Maßnahmen betroffen. Während Nachbarländer die Sexarbeit bereits wieder zulassen – die Schweiz ab 6. Juni, Österreich ab 1. Juli –  und Arbeitnehmer und Selbstständige in anderen körpernahen Branchen in Deutschland sich über erste Lockerungen freuen, heißt es für Sexarbeitende hier noch: Warten.

Corona: Forderung nach Gleichbehandlung von Sexarbeit

Unsere Arbeitsplätze bleiben nach wie vor geschlossen und auch Selbstständigen ist die Wiederaufnahme der Arbeit noch nicht erlaubt. Viele Sexarbeitende sind von Armut bedroht und hoffen seit mittlerweile zwei Monaten auf echte  Hilfen und Unterstützung seitens des Staates. Der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen hat bereits ein  –> Hygiene-Konzept für die Lockerung der Corona-Maßnahmen vorgelegt und fordert eine Gleichbehandlung von Sexarbeit mit anderen Branchen – während und nach der Corona-Krise.

Virtuelles Geschenk von Kaufmich.com

Kaufmich.com aktiviert virtuelles Geschenk zum Hurentag – ein Drittel der Einnahmen geht an die Spendenkasse des Berufsverbands für Sexworker.


Viele von uns verbringen während der Corona-Krise mehr Zeit im Internet als üblich, weshalb Online-Kontakte an Wichtigkeit gewonnen haben. Erotische und sexuelle Dienstleistungen sind ebenfalls vermehrt im Netz zu finden und auch der virtuelle Kontakt zwischen Sexarbeiter*innen und ihren Kund*innen hat zugenommen.

Online-Dienstleistungen werden wichtiger

Im Berufsverband tauschen wir uns intensiv über aktuelle Probleme und alternative Geschäftsmodelle aus. Inzwischen orientieren sich viele Kolleg*innen gerade in Richtung Online-Sexwork.

-> Kaufmich.com ist eine in Deutschland von sowohl Sexarbeiter*innen als auch Kund*innen gerne genützte Plattform. Wie in anderen Foren, stehen den Usern hier „virtuelle Geschenke“ zum Kauf zur Verfügung.

Virtuelle Geschenke sind kleine Bilder, die das Profil der Beschenkten verschönern und zusätzlich für ein Lächeln sorgen. Teddys, Rosen und Küsschen, ebenso wie Kondome und Lollypops stehen zur Auswahl. Diese werden zur Kontaktaufnahme eingesetzt, sind augenzwinkernde Interessens-Bekundungen oder einfach kleine Komplimente eines Verehrers oder einer Verehrerin.

Corona trifft Sexarbeiter*innen hart

Online-Kommunikation macht Spaß und Sexarbeit am Laptop hat seinen Reiz. Trotzdem ist klar: Die Corona-Zeit macht das Leben für die meisten Sexarbeiter*innen gerade verdammt schwer. Die Einnahmen von normalen Treffen brechen weg. Das Risiko der Arbeitsausübung ist ebenfalls gestiegen. Dienstleister*innen und Kund*innen sind durch die Krise verunsichert und wissen nicht, wie es weitergeht.

Die Plattform Kaufmich.com unterstützt zum diesjährigen Hurentag die Arbeit des BesD mit einer besonderen Geschenk-Aktion. Das Symbol, das ab 2. Juni einen Monat als virtuelles Geschenk auf der Plattform zum Kauf erhältlich ist, zeigt einen Händedruck, der die Solidarität mit Sexarbeiter*innen bildlich darstellt. Von jedem Verkauf geht ein Drittel an die Spendenkasse des Berufsverbands.

Geschenk von Kaufmich.com

Austausch und Workshops beim BesD

Die BesD-Community steht auch in Corona-Zeiten deutschlandweit im Austausch. Unsere Mitglieder treffen sich im eigenen Forum, dazu in unserer Telegram-Gruppe und auch in Videochats. Wir veranstalten Online-Workshops von Sexworkern für Sexworker: Hier können Kolleg*innen neue Fähigkeiten lernen, ihr Wissen auffrischen und somit ihr Angebot an die derzeitige Situation anpassen.  –> Hier erfährst Du mehr zu einer Mitgliedschaft beim BesD. 

Du bist selbst nicht in der Sexarbeit tätig, möchtest aber den Berufsverband unterstützen? Dann wirf einen Blick auf unsere neue Fundraising-Aktion –> „Meet a Sexworker“.

Wer sind wir?

Wir sind eine Gruppe von Tänzer*innen, die neben- oder hauptberuflich im Bereich erotische Dienstleistung tätig sind und unseren Hauptarbeits- und Wohnsitz in Berlin haben. Mit dem BSC wollen wir ein Unterstützungsnetzwerk für Stripper*innen aufbauen und den Austausch unter Kolleg*innen fördern. Bisher sind die meisten von uns Migrant*innen, die schon in verschiedenen europäischen Städten gearbeitet haben. Bei der Gründung des BSC haben wir uns vom Erfolg des –> East London Strippers Collective inspirieren lassen – übrigens teilen wir auch ein Gründungsmitglied mit den englischen Kolleg*innen.

Warum haben wir uns zusammengeschlossen?

Die persönlichen Hintergründe, die Kolleg*innen in diesem Bereich mitbringen, sind vielfältig: Da gibt es die Studentin aus Süddeutschland, die ihre frivole Seite ausleben und dabei ihre Rechnungen zahlen möchte. Da ist die Künstlerin aus Australien, die sich durch das Strippen ihren Freiraum für andere Projekte finanziert. Die Ur-Berlinerin, die unter der Woche eine Ausbildung als Bürokauffrau macht und am Wochenende im Stripclub arbeitet, um ihr Einkommen aufzustocken. Die junge Mutter aus Rumänien, die jeden Monat ihre Einnahmen nach Hause schickt, um ihre Familie zu unterstützen.

Wir sind alle unterschiedlich, doch wir haben auch viel gemeinsam: Als Sexarbeiter*innen werden wir gerne von der Gesellschaft übersehen oder von den Medien in schlechtem Licht dargestellt. Viele von uns müssen ihre Arbeit im privaten Umfeld verstecken.

Leider ist der Austausch unter den Tänzer*innen in der Berliner Striptease-Szene bisher gering. Mit dem BSC wollen wir das ändern! Jeder und jedem von uns kann das Gefühl von Gemeinschaft, Solidarität und Unterstützung untereinander helfen. Indem wir uns austauschen und zusammen halten, können wir unsere Stimme in der Gesellschaft hörbar machen und für die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen und die Akzeptanz von Menschen aus der Sex- und Erotikarbeit kämpfen.

Was sind unsere Ziele?

  • Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Stripclubs und Tabledancebars
  • Akzeptanz und Entstigmatisierung unserer Tätigkeiten
  • Die Anerkennung von Striptease – nicht nur als Arbeit, sondern auch als Kunst!
  • eine stärkere Vernetzung untereinander: z.B. für Erfahrungsaustausch, Diskussion von Arbeitsweisen, Austausch über zusätzliche oder unabhängige Einkommensquellen, hilfreiche Tipps & Tricks für Einsteiger*innen usw.
  • gemeinsame Aktionen und Treffen
  • eine Plattform für Unterstützung und hilfreiche Angebote für Stripper*innen

Erste Initiativen des BSC

  • Life Drawing Sessions / Mal-Abende 

Seit seiner Gründung veranstaltet das BSC regelmäßige „Life Drawing Sessions“, Mal-Gelegenheiten der besonderen Art für Künstler*innen und alle, die gerne Menschen live zeichnen. Ob wir im klassischen Stripclub oder im queer-feministischen Nachtclub waren – das Echo auf die Aktion war jedes Mal extrem positiv. Ein BSC-Mitglied tanzt dabei an der Stange, während Kolleg*innen verschiedene Posen vorschlagen und zwischen den zeichnenden Gästen und ihrem Modell vermitteln. Zum Schluss inszeniert die Tänzerin oder der Tänzer einen Lapdance, der ebenfalls auf Zeichenpapier gebannt werden darf.

Die bisher sieben Veranstaltungstermine waren gut besucht und haben eine Menge Student*innen der Universität der Künste angelockt, die normalerweise wahrscheinlich eher selten in Kontakt mit Stripper*innen kommen – ein erster Erfolg in Sachen Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz. Aufgrund der Corona-Krise planen wir gerade, weitere Termine über Online-Streaming anzubieten. Sobald es so weit ist, —> findet ihr hier mehr.

  • „Ask a Stripper“ – Öffentliche Fragerunden

Seit seiner Veröffentlichung verbreitet der Hollywood-Film „Hustlers“ (2019) leider jede Menge negative Stereotype über Stripperinnen. Dem wollten wir entgegenwirken: Als der Film in Deutschland ins Kino kam, wurde das BSC von verschiedenen Kinos in Berlin eingeladen. Unsere Mitglieder standen nach den Vorführungen für offene Fragerunden im Publikum bereit, unter anderem auch im Soho House Berlin anlässlich des Internationalen Frauentags. So konnten wir zumindest einigen Kino-Besucher*innen ein realitätsnäheres Bild unserer Tätigkeit vermitteln, Stigmatisierung entgegenwirken und unsere Arbeit auch ein Stück weit „ent-sensationalisieren“. Motto: Sprecht mit uns, nicht über uns! 🙂

Weitere Aktionen sind bereits in Arbeit …

  • Vernetzung mit Veranstalter*innen in der Musik- und Partyszene

Ein wichtiges Thema im BSC ist der Zugang zu vielfältigeren und unabhängigen Einkommensquellen. Viele Stripper*innen tolerieren mangels Alternativen die teilweise schlechten Arbeitsbedingungen in der Branche. Einige von uns fahren hingegen bereits „mehrgleisig“ und sind auch in Betrieben außerhalb der klassischen Sexarbeit, zum Beispiel in Szeneclubs wie dem Kit Kat Club oder dem Kater Blau tätig. Der BSC will sich als Anlaufpunkt für verschiedene Veranstalter*innen und Clubs etablieren und unseren Mitgliedern die Sicht für Arbeitsmöglichkeiten außerhalb des „klassischen“ Stripclubs ermöglichen.

  • „Pop Up-Stripclub“

Die Idee ist, per spontan entstehendem Stripclub einem vielfältigeren Publikum das Stripclub-Konzept  und unsere Arbeit näher zu bringen. Langfristig suchen wir nach Wegen, einen Arbeitsplatz nach unseren eigenen Regeln zu realisieren: Ein Raum wo Kreativität und Innovation willkommen sind und Tänzer*innen, die das wollen, auch in unternehmerische Entscheidungen eingebunden sein können.

  • Gemeinsame Aktionen mit dem Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen

Sobald die Coronakrise vorbei ist und wir Menschen uns wieder persönlich näher kommen können, wünscht sich das BSC eine baldige Vernetzung und Zusammenarbeit mit dem BesD. Manche unserer Mitglieder sind auch in anderen Bereichen der Sexarbeit tätig oder daran interessiert. Obwohl reine Stripperinnen zum Beispiel nicht direkt nicht vom Prostituiertenschutzgesetz betroffen sind, verstehen viele von uns sich als Sexarbeiter*innen. Wir alle verkaufen erotische und sexuelle Fantasien – dass wir dies auf unterschiedliche Art und Weise tun, sollte uns nicht davon abhalten, zusammen zu halten!

Updates zum BSC

Hier  geht es —> zu unserer Website und —> Blogbeiträgen unserer Mitglieder. Um keine Neuigkeiten zu verpassen, kannst du hier  —> unsere Facebook-Seite abonnieren.

 


Dieser Beitrag stammt aus der Feder der Berliner Sexarbeiterin Trixie. Sie ist als Beirätin für Forschung & Wissenschaft im Berufsverband tätig und seit letztem Herbst auch Gründungsmitglied des —> Berlin Strippers Collective (BSC).

(c) Titelbild:  Ida Marie Tangeraas

A. The corona-virus in Germany

  • The risk to the health of the general population currently estimated by Robert Koch Institute: high
  • The risk to the health of people belonging to risk groups currently estimated by Robert Koch Institute: very high
  • Number of confirmed infections in Germany: 108.202
  • Number of confirmed deaths  due to Corona in Germany: 2.107

—> Daily updated case numbers in the federal states and worldwide.


B. The situation for sex workers in Germany

Since mid-March, all prostitution facilities, brothels and similar establishments in Germany have been closed. According to the German government, all services close to the body that are not medically necessary are currently prohibited. In addition, many federal states and cities have explicitly banned all forms of prostitution. In our work we cannot keep a distance from our guests. Therefore the risk of infection is very high for us.

We understand that any kind of sex work with customer contact is prohibited until further notice.  The BesD e.V. recommends sex workers in Germany to temporarily stop any activities that bring them into physical contact with clients.

  • In the case of a violation of the current ban on prostitution, sex workers are threatened with disproportionately high fines – the BesD strongly opposes this. More about this in -> our press release.
  • The BesD has successfully initiated a lifting of the ban on overnight stays in brothels during the Corona period. More about this in -> our press release.
  • For sex workers* who fall through all safety nets and are not entitled to state aid, we have created the -> BesD Emergency Fund – you can find out more under „D. Financial Assistance“.

We know, of course, that many of our colleagues do not have sufficient savings and are urgently dependent on their income from sex work. Read more under „D. Financial Assistance“.

If you don’t see any other option and continue to meet customers in person, find a few tips to reduce your risk further down in this article under „E. Precautions“.


C. What is important to know now

As in other countries, we in Germany are currently trying to delay the spread of the virus with all our strength and a concerted effort from society. On the one hand, this is intended to protect people to whom the corona virus can be particularly harmful. On the other hand, it is essential to avoid overloading the health system as long as possible. The situation is serious.

The time gained will be used to develop protective measures for particularly vulnerable groups, increase treatment capacities and develop antiviral drugs and vaccines.

  • We don’t want to get sick ourselves.
  • We do not want our customers to get sick.
  • Together we want to protect people for whom an infection can be particularly dangerous. We work and live together with many of them.

Particularly at risk are people who:

  • have a chronic disease (e.g. cardiovascular diseases, diabetes and diseases of the respiratory system, liver and kidney as well as cancer)
  • are over 55 years old

Take special care, if you:

  • live together with people over 55 years old
  • live together with people suffering from chronic diseases

If you feel sick and suspect you’ve been infected:

Contact the health department in your area by telephone – regardless of whether you have health insurance or not. You can find the addresses and telephone numbers of the health departments at www.gesundheitsaemter-deutschland.de. Alternatively, you can also contact the hotline of the Independent Patient Advisory Service Germany or google your local Corona Hotline.

To reduce social contacts:

As part of the measures to restrict social contacts, citizens in Germany are required to reduce contacts with other people outside the members of their own household to an absolutely necessary minimum. Here you can find the current guidelines of the government. Stay at home if possible. 

Hygiene:

It is very important to practice good hand hygiene, cough and sneeze properly and to avoid close contact. The main transmission route of the viruses is happening via mucous membranes (mouth, nose, eyes) or indirectly via hands, which are then brought into contact with the mucous membranes. It helps to regularly wash your hands/use disinfectants and to avoid touching your own face. The most important tips for hygiene can be found at the website of infektionschutz.de (here is a direct download of information graphic in English).


D. Financial Assistance

The BesD is in close contact with counselling centres as well as local and national authorities. HERE you can find our constantly updated overview on state financial aid for sex workers.


If you are not entitled to basic income support or other state aid and are in an emergency situation:

Contact a counselling centre for sex workers in your town or region. They can refer you to the right places. You can find the addresses and telephone numbers of many of these counselling centres at www.bufas.net/mitglieder.

If state aid is not applicable, the counsellors can apply for a grant from the BesD Emergency Fund for you, or you can contact our team yourself via notfallfonds@besd-ev.de.

It does not matter whether you are registered, or what your residence status is. Neither a „whore passport“ nor a membership with BesD is necessary to apply for help from our fund.


With a percentage of uninsured, already poor people and people without residence status, sex workers are hit particularly hard in the current crisis. Many of foreign sexworkers have been residing in brothels –  since their sudden closure, many of them are homeless. They cannot return to their home countries at the moment as there are entry stops and in most cases there is no money for an unplanned trip anyway.

We also have a high percentage of people in sex work, who have just enough money  to pay for food and rent. There is a percentage of survival sexwork.  Combining lack of a personal financial emergency fund and the lack of entitlement to state benefits means, that even now, as the crisis is coming to a head, some people still have to engage in sex work and look for customers on the street or on the internet. The poorest of the poor are in existential difficulties due to the current crisis. They need immediate financial help to secure housing and food. In the current situation, no sex worker should (have to) continue to work out of money pressure and thus endanger her- or himself and others!

Therefore we have created the BesD Emergency Fund. All donations go to sex workers in emergency situations, who are not entitled to state aid. Please follow THIS LINK or click on the picture below, to learn more on how you can help.


E. Precautions for sex workers

What sex workers, who see no other possibility than to meet customers in person, should be aware of:

  • Never accept clients with a cold, cough or other cold symptoms. If you notice that a customer has symptoms, decline the job.
  • Wash your hands thoroughly with soap for at least 30 seconds or use an antiviral disinfectant spray on your hands.
  • Ensure that each guest first washes their hands with soap for at least 30 seconds or, if necessary, uses an antiviral disinfectant spray on their hands.

F. Alternative earning opportunities

Webcamming, phone and direct chats as well as the sale of adult content (photos, videos) on platforms, where no physical contact takes place, are obvious choices within the industry. An exemplary selection of platforms are: adultwork, streamate, Big7, my dirty hobby, onlymevip, chaturbate, sexpanther or adulttime.

In our members‘ forum we exchange information about alternative earning opportunities and support each other. Here you can fill out the membership application form easily, anonymously and online – we also have a free trial membership.


G. More information

If you can read German, you can find the daily updated information – as well as all currently available answers to questions about the coronavirus and how to deal with it – on these official sites: Government | www.infektionsschutz.de. There are english versions of all articles from the Robert Koch Institute. In this (german) podcast Christian Drosten, Head of Virology at the Charité hospital in Berlin, provides daily updates on new developments.

Difference to influenza and other viruses:

  • In contrast to seasonal influenza viruses, there is still no basic immunity to the new corona virus in the population.
  • A specific therapy or vaccination directed against the corona virus is not yet available.
  • More people can become infected more quickly.
  • Particularly vulnerable groups are protected neither by drugs nor by vaccination.
  • Depending on the spread of the infection, the available capacities and the countermeasures taken, a high burden on the health care system may arise.
  • The symptoms of coronavirus differ from a cold/flu in that coronavirus is often accompanied by fever and dry cough, but rarely by a dripping nose.

In the long run, the corona virus – like the already known flu – will occur worldwide. The individual risk of falling seriously ill in the event of an infection still seems to be low. However, we now know that an infection with the new virus poses a higher risk, especially for the elderly and people with chronic illnesses, and increasingly leads to severe disease progression.

State of Research:

The danger of an infection draws its threat mainly from the fact that no immunity to it yet exists in our species. A specific therapy or vaccination against the novel coronavirus is not currently available, but international research – among others between the Health Security Committee of the EU, the Global Health Security Initiative of the G7 and CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – is working hard to develop a vaccine and research more about the virus.

A. Das Corona-Virus in Deutschland

  • Gefährdung für die Gesundheit der allgemeinen Bevölkerung laut Robert-Koch-Institut: hoch
  • Gefährdung für die Gesundheit von Personen, die Risikogruppen angehören: sehr hoch
  • Zahl der bestätigten Infektionen in Deutschland: 108.202 Menschen 
  • Bisher bestätigte Todesfälle aufgrund von Corona in Deutschland: 2.107 Menschen

—> Täglich aktualisierte Fallzahlen in den Bundesländern und weltweit. 


B. Die Lage für Sexarbeiter*innen in Deutschland

Mitte März wurden in Deutschland sämtliche Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnlichen Einrichtungen geschlossen. Alle körpernahen, nicht medizinisch notwendigen Dienstleistungen sind laut Vorgabe der Bundesregierung derzeit untersagt. Viele Bundesländer und Städte haben darüber hinaus explizit jede Art von Prostitution verboten. Bei unserer Arbeit können wir keinen Abstand zu den Gästen halten. Deswegen ist das Risiko für eine Ansteckung für uns sehr hoch.

Wir verstehen das derzeit geltende Kontaktverbot so, dass deutschlandweit jegliche Art der Sexarbeit mit Kundenkontakt verboten ist. Der Berufsverband empfiehlt allen Sexarbeiter*innen in Deutschland körpernahe sexuelle Dienstleistungen vorübergehend einzustellen.

  • Im Falle eines Verstoßes gegen das derzeitige Prostitutionsverbot drohen Sexarbeiter*innen unverhältnismäßig hohe Bußgelder – der BesD spricht sich entschieden dagegen aus. Mehr hierzu in —> unserer Stellungnahme.
  • Der BesD hat erfolgreich eine Aufhebung des Übernachtungsverbots in Bordellen während der Corona-Zeit initiiert. Mehr hierzu in —> unserer Pressemitteilung.
  • Für Sexarbeiter*innen, die durch alle Netze fallen und keinen Anspruch auf staatliche Hilfen haben, haben wir den —> BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen – unter „D. Finanzielle Hilfen“ erfährst du mehr.

Wir wissen natürlich, dass viele Kolleg*innen über keine ausreichenden Rücklagen verfügen und auf die Einnahmen aus der Sexarbeit dringend angewiesen sind. Lies mehr unter „D. Finanzielle Hilfen“.

Falls du trotzdem keine andere Möglichkeit siehst und weiterhin Kund*innen persönlich triffst, ist es wichtig ein paar Tipps zu beachten um dein Risiko und das deiner Kund*innen zu vermindern. Lies mehr unter „E. Vorsichtsmaßnahmen“.


C. Was jetzt wichtig zu wissen ist

Wie auch andere Länder, versuchen wir in Deutschland derzeit in einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung und mit aller Kraft die Ausbreitung des Virus zu verzögern. Dadurch sollen einerseits Menschen, denen das Corona-Virus besonders schaden kann, geschützt werden und andererseits eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst vermieden werden. Es handelt sich  um eine ernst zu nehmende Situation.

Die gewonnene Zeit wird für die Entwicklung von Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen, die Erhöhung von Behandlungskapazitäten und die Entwicklung von antiviralen Medikamenten und Impfstoffen genützt.

  • Wir wollen selbst nicht krank werden.
  • Wir wollen nicht, dass unsere Kund*innen krank werden.
  • Wir wollen gemeinsam Menschen schützen, für die eine Ansteckung besonders gefährlich werden kann. Mit vielen arbeiten wir zusammen, leben wir zusammen, oder wohnen wir zusammen.

Insbesondere gefährdet sind Menschen, die:

  • eine chronische Krankheit haben (zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber und der Niere sowie Krebserkrankungen)
  • über 55 Jahre alt sind

Achte ebenfalls besonders auf dich, wenn du:

  • mit Menschen über 55 Jahren zusammenlebst
  • mit Menschen, die an chronischen Krankheiten leiden, zusammenlebst

Falls du dich krank fühlst, oder vermutest, dich angesteckt zu haben:

Wende dich telefonisch an ein Gesundheitsamt in deiner Region – egal ob du krankenversichert bist, oder nicht. Die Adressen und Telefonnummern der Gesundheitsämter findest du auf www.gesundheitsaemter-deutschland.de. Alternativ kannst du dich auch an die Hotline der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland, oder deine lokale Corona-Hotline wenden.

Zur Reduktion sozialer Kontakte:

Im Rahmen der Maßnahmen zur Beschränkung sozialer Kontakte sind die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland dazu angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Hier findest du die derzeit geltenden Leitlinien der Regierung. Bleibe nach Möglichkeit zuhause. 

Hygiene:

Es ist jetzt maßgeblich, eine gute Händehygiene zu praktizieren, eine Husten- und Niesetikette einzuhalten und enge Kontakte zu meiden. Hauptübertragungsweg der Viren ist die Tröpfcheninfektion. Diese kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut oder Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden. Zur Prävention hilft es außerdem, so wenig wie irgendwie möglich ins eigene Gesicht zu fassen. In dieser Infografik finden sich die wichtigsten Hygienetipps.


D. Finanzielle Hilfen

Der BesD steht in engem Austausch mit Beratungsstellen sowie kommunalen und landesweiten Behörden. HIER findest du unsere ständig aktualisierte Übersicht zu den bundesweiten und bundeslandspezifischen finanziellen Hilfen für Sexarbeiter*innen.


Falls du keinen Anspruch auf Grundsicherung oder andere staatliche Hilfen hast und dich in einer Notsituation befindest: 

Wende dich an eine Beratungsstelle für Sexarbeiter*innen in deiner Stadt oder Region. Diese können dich an die richtigen Stellen weiterverweisen. Adressen und Telefonnummern vieler dieser Beratungsstellen findest du auf www.bufas.net/mitglieder

Sind sämtliche staatlichen Hilfen ausgeschöpft, können die Berater*innen für dich einen Antrag beim BesD Nothilfe Fonds stellen oder du kontaktierst selbst unser Team unter notfallfonds@besd-ev.de.

Es ist dabei egal, ob du angemeldet bist, oder welchen Aufenthaltsstatus du hast. Um Hilfe bei unserem Fonds zu beantragen, sind weder ein „Hurenpass“ noch eine Mitgliedschaft beim BesD notwendig.


Mit einem Anteil von nicht krankenversicherten, nicht angemeldeten, bereits von Armut betroffenen Menschen, trifft es Sexarbeitende in der jetztigen Krise besonders hart. Viele der nicht in Deutschland ansässigen Sexarbeiterinnen haben in Bordellen übernachtet – seit deren Schließung sitzen sie von einem Tag auf den anderen auf der Straße und sind teilweise obdachlos. Sie können aktuell auch nicht in ihre Heimatländer zurück, es bestehen Einreisestopps und in den meisten Fällen fehlt ohnehin das Geld für eine ungeplante Reise.

Wir haben einen hohen Anteil an Menschen in der Sexarbeit, die von der Hand in den Mund leben. Es gibt einen Anteil an Beschaffungs- und Überlebensprostitution. Komplett fehlende Rücklagen und fehlender Anspruch auf staatliche Grundsicherung führen dazu, dass Menschen auch jetzt, während sich die Krise zuspitzt, weiterhin der Sexarbeit nachgehen müssen und auf der Straße oder über das Internet nach Kunden suchen. Die Ärmsten der Armen kämpfen um ihr Überleben. Sie benötigen finanzielle Soforthilfe, mit welcher Wohnraum und Ernährung sichergestellt werden können. In der jetztigen Lage darf kein Sexworker aus Gelddruck weiter arbeiten (müssen) und damit sich und andere gefährden!

Deshalb haben wir den BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen. Alle Spenden gehen an Sexarbeitende, die nicht auf staatliche Hilfsfonds oder –darlehen Zugriff haben. Bitte folge DIESEM LINK oder klicke auf das Bild unten, um mehr zu erfahren oder zu unterstützen.


E. Vorsichtsmaßnahmen für Sexarbeiter*innen

Was Sexarbeiter*innen beachten sollten, die derzeit trotzdem keine andere Möglichkeit sehen, als jetzt noch Kund*innen persönlich zu treffen:

  • Nimm auf keinen Fall Kunden mit Schnupfen, Husten und anderen Erkältungssymptomen an. Wenn du bemerkst, dass ein Kunde Symptome hat, weise ihn oder sie ab.
  • Wasche Dir öfters mindestens 30 Sekunden gründlich die Hände mit Seife oder benütze notfalls ein antivirales Desinfektionsspray auf deinen Händen.
  • Sorge dafür, dass jeder Gast sich als erstes mindestens 30 Sekunden die Hände mit Seife wäscht oder notfalls ein antivirales Desinfektionsspray auf seinen Händen benützt.

F. Alternative Verdienstmöglichkeiten

Innerhalb der Branche bieten sich Webcamming, Phone und Direct Chats sowie der Verkauf von Adult Content (Fotos, Videos) auf Plattformen an, wo kein Körperkontakt stattfindet. Eine Auswahl von Plattformen sind zum Beispiel adultwork, streamate, Big7, my dirty hobby, onlymevip oder chaturbate, sexpanther und adulttime.

In unserem Mitgliederforum tauschen wir uns über alternative Verdienstmöglichkeiten aus und unterstützen uns gegenseitig. Hier kannst du den Mitgliedsantrag unkompliziert, anonym und online ausfüllen – wir haben auch eine kostenlose Schnuppermitgliedschaft.


G. Mehr Information

Auf diesen offiziellen Seiten finden sich die tagesaktuellen Informationen sowie alle derzeit verfügbaren Antworten zu Fragen rund um das Coronavirus und dem Umgang damit: Bundesregierung | Robert-Koch-Institut | www.infektionsschutz.de. In diesem Podcast informiert Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité, täglich über neue Entwicklungen.

Unterschied zu Grippe und anderen Viren:

  • Im Gegensatz zu den saisonalen Grippeviren gibt es gegen das neue Corona-Virus noch keine Grundimmunität in der Bevölkerung.
  • Eine spezifische, gegen das Corona-Virus gerichtete Therapie oder Impfung steht derzeit noch nicht zur Verfügung.
  • Mehr Menschen können sich schneller anstecken.
  • Besonders gefährdete Gruppen sind weder durch Medikamente noch durch Impfung geschützt. 
  • Abhängig von der Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen, kann es zu einer hohen Belastung des Gesundheitswesen kommen. 

Die Symptome des Coronavirus unterscheiden sich von einer Erkältung/Grippe insofern, als Coronavirus oft mit Fieber und trockenem Husten einhergeht, jedoch eher selten mit tropfender Nase.

Auf Dauer wird der Corona-Virus – so wie die bereits bekannte Grippe –  weltweit auftreten. Die individuelle Gefahr, im Falle einer Infektion schlimm zu erkranken, scheint nach wie vor niedrig zu sein. Doch wir wissen mittlerweile, dass eine Infektion mit dem neuen Virus besonders für alte Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen ein höheres Risiko darstellt und vermehrt zu schweren Krankheitsverläufen führt.

Stand der Forschung:

Die Gefahr einer Infektion zieht ihre Bedrohlichkeit vor allem aus der Tatsache, dass noch keine Immunität in unserer Spezies dagegen existiert. Eine spezifische, gegen das neuartige Coronavirus gerichtete Therapie oder Schutzimpfung steht derzeit nicht zur Verfügung, doch in der internationalen Forschung – unter anderem zwischen Health Security Committee der EU, Global Health Security Initiative der G7 und CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – wird mit aller Kraft an der Entwicklung eines Impffstoffs und an der Erforschung des Virus gearbeitet.

Dieser Blog-Beitrag wurde von Tamara verfasst.

Wahrlich gute Vorsätze zum neuen Jahr wollen bestens überlegt sein! Mehr Sport treiben? Dein Körper ist doch wundervoll, genau so wie er ist! Weniger Süßigkeiten? Du hast sicher jedes Stückchen Schokolade verdient! Wieso müssen Vorsätze denn immer nur auf Verzicht und Selbstdisziplin beruhen? Wir haben da eine viel bessere Idee! Zum neuen Jahrzehnt einfach aus den Vollen schöpfen und sich an Selbstlosigkeit erfreuen – mit einer Spende an den Berufsverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen e.V.!

Wir sind aktive sowie ehemalige Sexarbeitende. Wir kämpfen für die Rechte aller in der Sexarbeit tätigen Menschen und für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, wir beziehen Stellung gegen die Stigmatisierung unseres Berufs. 

Wir arbeiten beispielsweise in Bordellen, Wohnungen oder auf der Straße. Wir sind Domina, Hure, Sexualbegleitung oder Escort. Wir bieten erotische Massagen, Sex, Nähe und die Umsetzung von Phantasien und Bedürfnissen. Dabei haben wir die verschiedensten Hintergründe, manche von uns kommen aus dem Ausland, um hier ihr Geld mit Sexarbeit zu verdienen. Viele haben einen anderen Beruf gelernt oder studiert, manche sind nebenbei noch in anderen Berufen tätig. Ob privilegiert oder marginalisiert, gleich welcher Sexualität oder welchen Geschlechts, egal aus welchem Teil der Erde es uns hierher verschlagen hat, egal aus welchen Gründen wir dieser Arbeit nachgehen – gemeinsam vernetzen und organisieren wir uns. 

Im neuen Jahrzehnt wollen wir noch präsenter sein! Wir wollen bei Aktionen über unseren Beruf informieren. Wir wollen an jedem runden Tisch zum Thema „Prostitution“ sitzen, wir wollen Politikerinnen und Politiker darüber informieren, wie eine sichere und selbstbestimmte Sexarbeit möglich ist. Wir wollen Kolleg*Innen, die sich in schlechten Arbeitsbedingungen oder Notlagen befinden, helfen und beraten. Wir wollen eine offene Gesellschaft, sexuelle Selbstbestimmung und vor allem viel, viel mehr Liebe – wie auch immer diese zwischen konsensuellen Menschen aussieht. Dafür benötigen wir Spenden – und haben eine Spendenkampagne gestartet. Teilt sie, verbreitet sie oder spendet selbst! Auf dass die „wilden 20er“ ihrem Namen auch in diesem Jahrhundert alle Ehre erweisen. Und das Beste: Mehr Sport treiben und weniger Süßigkeiten essen könnt ihr trotzdem! 

 

HIER gehts zur Kampagne!

WANN: 15.10.2019, 18:00 Uhr

WO: Bundestag „Paul-Löbe-Haus“, Paul-Löbe-Allee, 10557 Berlin

INTERVIEWS: Vor, während und nach der Kundgebung möglich, sprechen Sie uns einfach an. Erste Teilnehmer*innen werden ab circa 17:00 Uhr erwartet.

FOTOS: Wir bieten Ihnen vor Ort jederzeit Möglichkeiten für Gruppen- oder Einzelfotos.

KONTAKT: Schreiben Sie uns per Mail an presse@besd-ev.de oder melden Sie sich telefonisch bei unserer politischen Sprecherin Johanna Weber: 0151 – 1751 9771.


HINTERGRÜNDE:

Bundestagsabgeordnete von SPD und CDU/CSU planen die Kriminalisierung von Prostitution

Am Dienstag beruft die Bundestagsabgeordnete und Sexarbeits-Gegnerin Leni Breymaier (SPD) im Berliner Bundestag die erste Sitzung des Arbeitskreises Prostitution ein. Dieser Arbeitskreis ist nicht ergebnisoffen – die teilnehmenden Politiker*innen der CDU/SCU und der SPD positionieren sich bereits im Vorfeld klar gegen die Interessen und Rechte von Sexarbeiter*innen. Geht es nach ihnen, soll ein Sexkaufverbot – das sogenannte „schwedische Modell“ –in Deutschland eingeführt werden.

Das schwedische Modell verbietet das Bezahlen (den Kauf) von sexuellen Dienstleistungen und jegliche Unterstützung von Sexarbeitenden – auch gegenseitige Unterstützung und Schutzmaßnahmen von Sexarbeiter*innen untereinander. Unter dem Vorwand der Verfolgung von Kund*innen und der Verhinderung von Menschenhandel werden Sexarbeitende diskriminiert und entrechtet.

Eine Einführung dieser gesetzlichen Regelungen in Deutschland sind nicht „nur“ ein Angriff auf eine riesige Berufsgruppe, sondern auch:

– ein Angriff auf das sexuelle Selbstbestimmungsrecht

– ein Angriff auf das Freizügigkeitsrecht von Bürger*innen anderer EU-Staaten

– eine Verschleierung der Tatsache, dass es wirksamere Mittel gegen Menschenhandel und Gewalt gibt

Forschungsergebnisse von zahlreichen Menschenrechtsorganisationen und Expert*innen in der Bekämpfung von Menschenhandel belegen seit Jahren, dass ein Sexkaufverbot das denkbar ungeeignetste Mittel zur Verhinderung von Menschenhandel und Gewalt an Frauen ist. Im Gegenteil schaden entsprechende gesetzliche Regelungen insbesondere bereits besonders marginalisierten und gefährdeten Personengruppen, wie z.B. migrantischen Sexarbeitenden sowie LGBTQ-Sexarbeitenden.

Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserem Blogbeitrag : Strategien gegen Gewalt und Ausbeutung 

In unserem Blogbeitrag zur Kundgebung: Protest gegen die Einführung des Schwedischen Modells

Sowie in unserer Stellungnahme bezüglich eines Sexkaufsverbots in Deutschland.