A. Das Corona-Virus in Deutschland

  • Gefährdung für die Gesundheit der allgemeinen Bevölkerung laut Robert-Koch-Institut: hoch
  • Gefährdung für die Gesundheit von Personen, die Risikogruppen angehören: sehr hoch
  • Zahl der bestätigten Infektionen in Deutschland: 108.202 Menschen 
  • Bisher bestätigte Todesfälle aufgrund von Corona in Deutschland: 2.107 Menschen

—> Täglich aktualisierte Fallzahlen in den Bundesländern und weltweit. 


B. Die Lage für Sexarbeiter*innen in Deutschland

Mitte März wurden in Deutschland sämtliche Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnlichen Einrichtungen geschlossen. Alle körpernahen, nicht medizinisch notwendigen Dienstleistungen sind laut Vorgabe der Bundesregierung derzeit untersagt. Viele Bundesländer und Städte haben darüber hinaus explizit jede Art von Prostitution verboten. Bei unserer Arbeit können wir keinen Abstand zu den Gästen halten. Deswegen ist das Risiko für eine Ansteckung für uns sehr hoch.

Wir verstehen das derzeit geltende Kontaktverbot so, dass deutschlandweit jegliche Art der Sexarbeit mit Kundenkontakt verboten ist. Der Berufsverband empfiehlt allen Sexarbeiter*innen in Deutschland körpernahe sexuelle Dienstleistungen vorübergehend einzustellen.

  • Im Falle eines Verstoßes gegen das derzeitige Prostitutionsverbot drohen Sexarbeiter*innen unverhältnismäßig hohe Bußgelder – der BesD spricht sich entschieden dagegen aus. Mehr hierzu in —> unserer Stellungnahme.
  • Der BesD hat erfolgreich eine Aufhebung des Übernachtungsverbots in Bordellen während der Corona-Zeit initiiert. Mehr hierzu in —> unserer Pressemitteilung.
  • Für Sexarbeiter*innen, die durch alle Netze fallen und keinen Anspruch auf staatliche Hilfen haben, haben wir den —> BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen – unter „D. Finanzielle Hilfen“ erfährst du mehr.

Wir wissen natürlich, dass viele Kolleg*innen über keine ausreichenden Rücklagen verfügen und auf die Einnahmen aus der Sexarbeit dringend angewiesen sind. Lies mehr unter „D. Finanzielle Hilfen“.

Falls du trotzdem keine andere Möglichkeit siehst und weiterhin Kund*innen persönlich triffst, ist es wichtig ein paar Tipps zu beachten um dein Risiko und das deiner Kund*innen zu vermindern. Lies mehr unter „E. Vorsichtsmaßnahmen“.


C. Was jetzt wichtig zu wissen ist

Wie auch andere Länder, versuchen wir in Deutschland derzeit in einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung und mit aller Kraft die Ausbreitung des Virus zu verzögern. Dadurch sollen einerseits Menschen, denen das Corona-Virus besonders schaden kann, geschützt werden und andererseits eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst vermieden werden. Es handelt sich  um eine ernst zu nehmende Situation.

Die gewonnene Zeit wird für die Entwicklung von Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen, die Erhöhung von Behandlungskapazitäten und die Entwicklung von antiviralen Medikamenten und Impfstoffen genützt.

  • Wir wollen selbst nicht krank werden.
  • Wir wollen nicht, dass unsere Kund*innen krank werden.
  • Wir wollen gemeinsam Menschen schützen, für die eine Ansteckung besonders gefährlich werden kann. Mit vielen arbeiten wir zusammen, leben wir zusammen, oder wohnen wir zusammen.

Insbesondere gefährdet sind Menschen, die:

  • eine chronische Krankheit haben (zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber und der Niere sowie Krebserkrankungen)
  • über 55 Jahre alt sind

Achte ebenfalls besonders auf dich, wenn du:

  • mit Menschen über 55 Jahren zusammenlebst
  • mit Menschen, die an chronischen Krankheiten leiden, zusammenlebst

Falls du dich krank fühlst, oder vermutest, dich angesteckt zu haben:

Wende dich telefonisch an ein Gesundheitsamt in deiner Region – egal ob du krankenversichert bist, oder nicht. Die Adressen und Telefonnummern der Gesundheitsämter findest du auf www.gesundheitsaemter-deutschland.de. Alternativ kannst du dich auch an die Hotline der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland, oder deine lokale Corona-Hotline wenden.

Zur Reduktion sozialer Kontakte:

Im Rahmen der Maßnahmen zur Beschränkung sozialer Kontakte sind die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland dazu angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Hier findest du die derzeit geltenden Leitlinien der Regierung. Bleibe nach Möglichkeit zuhause. 

Hygiene:

Es ist jetzt maßgeblich, eine gute Händehygiene zu praktizieren, eine Husten- und Niesetikette einzuhalten und enge Kontakte zu meiden. Hauptübertragungsweg der Viren ist die Tröpfcheninfektion. Diese kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut oder Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden. Zur Prävention hilft es außerdem, so wenig wie irgendwie möglich ins eigene Gesicht zu fassen. In dieser Infografik finden sich die wichtigsten Hygienetipps.


D. Finanzielle Hilfen

Der BesD steht in engem Austausch mit Beratungsstellen sowie kommunalen und landesweiten Behörden. HIER findest du unsere ständig aktualisierte Übersicht zu den bundesweiten und bundeslandspezifischen finanziellen Hilfen für Sexarbeiter*innen.


Falls du keinen Anspruch auf Grundsicherung oder andere staatliche Hilfen hast und dich in einer Notsituation befindest: 

Wende dich an eine Beratungsstelle für Sexarbeiter*innen in deiner Stadt oder Region. Diese können dich an die richtigen Stellen weiterverweisen. Adressen und Telefonnummern vieler dieser Beratungsstellen findest du auf www.bufas.net/mitglieder

Sind sämtliche staatlichen Hilfen ausgeschöpft, können die Berater*innen für dich einen Antrag beim BesD Nothilfe Fonds stellen oder du kontaktierst selbst unser Team unter notfallfonds@besd-ev.de.

Es ist dabei egal, ob du angemeldet bist, oder welchen Aufenthaltsstatus du hast. Um Hilfe bei unserem Fonds zu beantragen, sind weder ein „Hurenpass“ noch eine Mitgliedschaft beim BesD notwendig.


Mit einem Anteil von nicht krankenversicherten, nicht angemeldeten, bereits von Armut betroffenen Menschen, trifft es Sexarbeitende in der jetztigen Krise besonders hart. Viele der nicht in Deutschland ansässigen Sexarbeiterinnen haben in Bordellen übernachtet – seit deren Schließung sitzen sie von einem Tag auf den anderen auf der Straße und sind teilweise obdachlos. Sie können aktuell auch nicht in ihre Heimatländer zurück, es bestehen Einreisestopps und in den meisten Fällen fehlt ohnehin das Geld für eine ungeplante Reise.

Wir haben einen hohen Anteil an Menschen in der Sexarbeit, die von der Hand in den Mund leben. Es gibt einen Anteil an Beschaffungs- und Überlebensprostitution. Komplett fehlende Rücklagen und fehlender Anspruch auf staatliche Grundsicherung führen dazu, dass Menschen auch jetzt, während sich die Krise zuspitzt, weiterhin der Sexarbeit nachgehen müssen und auf der Straße oder über das Internet nach Kunden suchen. Die Ärmsten der Armen kämpfen um ihr Überleben. Sie benötigen finanzielle Soforthilfe, mit welcher Wohnraum und Ernährung sichergestellt werden können. In der jetztigen Lage darf kein Sexworker aus Gelddruck weiter arbeiten (müssen) und damit sich und andere gefährden!

Deshalb haben wir den BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen. Alle Spenden gehen an Sexarbeitende, die nicht auf staatliche Hilfsfonds oder –darlehen Zugriff haben. Bitte folge DIESEM LINK oder klicke auf das Bild unten, um mehr zu erfahren oder zu unterstützen.


E. Vorsichtsmaßnahmen für Sexarbeiter*innen

Was Sexarbeiter*innen beachten sollten, die derzeit trotzdem keine andere Möglichkeit sehen, als jetzt noch Kund*innen persönlich zu treffen:

  • Nimm auf keinen Fall Kunden mit Schnupfen, Husten und anderen Erkältungssymptomen an. Wenn du bemerkst, dass ein Kunde Symptome hat, weise ihn oder sie ab.
  • Wasche Dir öfters mindestens 30 Sekunden gründlich die Hände mit Seife oder benütze notfalls ein antivirales Desinfektionsspray auf deinen Händen.
  • Sorge dafür, dass jeder Gast sich als erstes mindestens 30 Sekunden die Hände mit Seife wäscht oder notfalls ein antivirales Desinfektionsspray auf seinen Händen benützt.

F. Alternative Verdienstmöglichkeiten

Innerhalb der Branche bieten sich Webcamming, Phone und Direct Chats sowie der Verkauf von Adult Content (Fotos, Videos) auf Plattformen an, wo kein Körperkontakt stattfindet. Eine Auswahl von Plattformen sind zum Beispiel adultwork, streamate, Big7, my dirty hobby, onlymevip oder chaturbate, sexpanther und adulttime.

In unserem Mitgliederforum tauschen wir uns über alternative Verdienstmöglichkeiten aus und unterstützen uns gegenseitig. Hier kannst du den Mitgliedsantrag unkompliziert, anonym und online ausfüllen – wir haben auch eine kostenlose Schnuppermitgliedschaft.


G. Mehr Information

Auf diesen offiziellen Seiten finden sich die tagesaktuellen Informationen sowie alle derzeit verfügbaren Antworten zu Fragen rund um das Coronavirus und dem Umgang damit: Bundesregierung | Robert-Koch-Institut | www.infektionsschutz.de. In diesem Podcast informiert Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité, täglich über neue Entwicklungen.

Unterschied zu Grippe und anderen Viren:

  • Im Gegensatz zu den saisonalen Grippeviren gibt es gegen das neue Corona-Virus noch keine Grundimmunität in der Bevölkerung.
  • Eine spezifische, gegen das Corona-Virus gerichtete Therapie oder Impfung steht derzeit noch nicht zur Verfügung.
  • Mehr Menschen können sich schneller anstecken.
  • Besonders gefährdete Gruppen sind weder durch Medikamente noch durch Impfung geschützt. 
  • Abhängig von der Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen, kann es zu einer hohen Belastung des Gesundheitswesen kommen. 

Die Symptome des Coronavirus unterscheiden sich von einer Erkältung/Grippe insofern, als Coronavirus oft mit Fieber und trockenem Husten einhergeht, jedoch eher selten mit tropfender Nase.

Auf Dauer wird der Corona-Virus – so wie die bereits bekannte Grippe –  weltweit auftreten. Die individuelle Gefahr, im Falle einer Infektion schlimm zu erkranken, scheint nach wie vor niedrig zu sein. Doch wir wissen mittlerweile, dass eine Infektion mit dem neuen Virus besonders für alte Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen ein höheres Risiko darstellt und vermehrt zu schweren Krankheitsverläufen führt.

Stand der Forschung:

Die Gefahr einer Infektion zieht ihre Bedrohlichkeit vor allem aus der Tatsache, dass noch keine Immunität in unserer Spezies dagegen existiert. Eine spezifische, gegen das neuartige Coronavirus gerichtete Therapie oder Schutzimpfung steht derzeit nicht zur Verfügung, doch in der internationalen Forschung – unter anderem zwischen Health Security Committee der EU, Global Health Security Initiative der G7 und CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – wird mit aller Kraft an der Entwicklung eines Impffstoffs und an der Erforschung des Virus gearbeitet.

Dieser Blog-Beitrag wurde von Tamara verfasst.

Wahrlich gute Vorsätze zum neuen Jahr wollen bestens überlegt sein! Mehr Sport treiben? Dein Körper ist doch wundervoll, genau so wie er ist! Weniger Süßigkeiten? Du hast sicher jedes Stückchen Schokolade verdient! Wieso müssen Vorsätze denn immer nur auf Verzicht und Selbstdisziplin beruhen? Wir haben da eine viel bessere Idee! Zum neuen Jahrzehnt einfach aus den Vollen schöpfen und sich an Selbstlosigkeit erfreuen – mit einer Spende an den Berufsverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen e.V.!

Wir sind aktive sowie ehemalige Sexarbeitende. Wir kämpfen für die Rechte aller in der Sexarbeit tätigen Menschen und für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, wir beziehen Stellung gegen die Stigmatisierung unseres Berufs. 

Wir arbeiten beispielsweise in Bordellen, Wohnungen oder auf der Straße. Wir sind Domina, Hure, Sexualbegleitung oder Escort. Wir bieten erotische Massagen, Sex, Nähe und die Umsetzung von Phantasien und Bedürfnissen. Dabei haben wir die verschiedensten Hintergründe, manche von uns kommen aus dem Ausland, um hier ihr Geld mit Sexarbeit zu verdienen. Viele haben einen anderen Beruf gelernt oder studiert, manche sind nebenbei noch in anderen Berufen tätig. Ob privilegiert oder marginalisiert, gleich welcher Sexualität oder welchen Geschlechts, egal aus welchem Teil der Erde es uns hierher verschlagen hat, egal aus welchen Gründen wir dieser Arbeit nachgehen – gemeinsam vernetzen und organisieren wir uns. 

Im neuen Jahrzehnt wollen wir noch präsenter sein! Wir wollen bei Aktionen über unseren Beruf informieren. Wir wollen an jedem runden Tisch zum Thema „Prostitution“ sitzen, wir wollen Politikerinnen und Politiker darüber informieren, wie eine sichere und selbstbestimmte Sexarbeit möglich ist. Wir wollen Kolleg*Innen, die sich in schlechten Arbeitsbedingungen oder Notlagen befinden, helfen und beraten. Wir wollen eine offene Gesellschaft, sexuelle Selbstbestimmung und vor allem viel, viel mehr Liebe – wie auch immer diese zwischen konsensuellen Menschen aussieht. Dafür benötigen wir Spenden – und haben eine Spendenkampagne gestartet. Teilt sie, verbreitet sie oder spendet selbst! Auf dass die „wilden 20er“ ihrem Namen auch in diesem Jahrhundert alle Ehre erweisen. Und das Beste: Mehr Sport treiben und weniger Süßigkeiten essen könnt ihr trotzdem! 

 

HIER gehts zur Kampagne!

WANN: 15.10.2019, 18:00 Uhr

WO: Bundestag „Paul-Löbe-Haus“, Paul-Löbe-Allee, 10557 Berlin

INTERVIEWS: Vor, während und nach der Kundgebung möglich, sprechen Sie uns einfach an. Erste Teilnehmer*innen werden ab circa 17:00 Uhr erwartet.

FOTOS: Wir bieten Ihnen vor Ort jederzeit Möglichkeiten für Gruppen- oder Einzelfotos.

KONTAKT: Schreiben Sie uns per Mail an presse@besd-ev.de oder melden Sie sich telefonisch bei unserer politischen Sprecherin Johanna Weber: 0151 – 1751 9771.


HINTERGRÜNDE:

Bundestagsabgeordnete von SPD und CDU/CSU planen die Kriminalisierung von Prostitution

Am Dienstag beruft die Bundestagsabgeordnete und Sexarbeits-Gegnerin Leni Breymaier (SPD) im Berliner Bundestag die erste Sitzung des Arbeitskreises Prostitution ein. Dieser Arbeitskreis ist nicht ergebnisoffen – die teilnehmenden Politiker*innen der CDU/SCU und der SPD positionieren sich bereits im Vorfeld klar gegen die Interessen und Rechte von Sexarbeiter*innen. Geht es nach ihnen, soll ein Sexkaufverbot – das sogenannte „schwedische Modell“ –in Deutschland eingeführt werden.

Das schwedische Modell verbietet das Bezahlen (den Kauf) von sexuellen Dienstleistungen und jegliche Unterstützung von Sexarbeitenden – auch gegenseitige Unterstützung und Schutzmaßnahmen von Sexarbeiter*innen untereinander. Unter dem Vorwand der Verfolgung von Kund*innen und der Verhinderung von Menschenhandel werden Sexarbeitende diskriminiert und entrechtet.

Eine Einführung dieser gesetzlichen Regelungen in Deutschland sind nicht „nur“ ein Angriff auf eine riesige Berufsgruppe, sondern auch:

– ein Angriff auf das sexuelle Selbstbestimmungsrecht

– ein Angriff auf das Freizügigkeitsrecht von Bürger*innen anderer EU-Staaten

– eine Verschleierung der Tatsache, dass es wirksamere Mittel gegen Menschenhandel und Gewalt gibt

Forschungsergebnisse von zahlreichen Menschenrechtsorganisationen und Expert*innen in der Bekämpfung von Menschenhandel belegen seit Jahren, dass ein Sexkaufverbot das denkbar ungeeignetste Mittel zur Verhinderung von Menschenhandel und Gewalt an Frauen ist. Im Gegenteil schaden entsprechende gesetzliche Regelungen insbesondere bereits besonders marginalisierten und gefährdeten Personengruppen, wie z.B. migrantischen Sexarbeitenden sowie LGBTQ-Sexarbeitenden.

Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserem Blogbeitrag : Strategien gegen Gewalt und Ausbeutung 

In unserem Blogbeitrag zur Kundgebung: Protest gegen die Einführung des Schwedischen Modells

Sowie in unserer Stellungnahme bezüglich eines Sexkaufsverbots in Deutschland.

Freierbestrafung nimmt uns unsere Kunden und somit die Arbeitsgrundlage

WANN?      15.10.2019, 18:00 Uhr

WO?            Bundestag „Paul-Löbe-Haus“, Paul-Löbe-Allee, 10557 Berlin

WER?         Alle Sexarbeitenden und Unterstützer

WARUM?
An diesem Dienstag findet im Bundestag die erste Sitzung des parlamentarischen Arbeitskreises zum Thema Prostitution statt. Einberufen von der Bundestagsabgeordneten Leni Breymaier (SPD). Sie engagiert sich auch in der Organisation ‚Sisters‘ für das Verbot von Sexarbeit. Auch andere teilnehmende Politiker*innen der CDU/CSU und der SPD haben sich bereits positioniert: Sie wollen das „nordische Modell“ das sogenannte „Sexkaufverbot“ einführen.

Intitiert wurde diese Aktion von der Initiative „Sexarbeit ist Arbeit“.
Hier deren Aufruf

Der BesD schließt sich an deren Aktion an.
Stellungnahme des Berufsverbandes zu den Bestrebungen der oben genannten Politker*innen.

Die Justizministerin, Christine Lambrecht, hat sich allerdings schon gegen die Strafregelung im Sinne der Freierbestrafung ausgesprochen.
„Da, wo man das nordische Modell gewählt hat, hat dies nicht etwa zu einem Rückgang der Prostitution geführt, auch nicht zu mehr Rechten und mehr Sicherheit für die Prostituierten. Im Gegenteil: Sie sind mehr Gewalt und größeren Gefahren ausgesetzt.“ 1)

Der Name „nordisches Modell“ ist irreführend,
denn es handelt sich um das schwedische Modell
.
In Schweden geht man davon aus, dass Prostitution nur unter Zwang erfolgen kann. Die Frau wird als Opfer gesehen und soll geschützt werden, während der Mann pauschal als Täter veruteilt wird. Der Kauf sexueller Dienstleistungen steht unter Strafe, während Prostituierte ihre Dienstleistungen legal anbieten dürfen.
Was nicht gesagt wird ist, dass jegliche Unterstützung von Sexarbeitenden illegal ist. So z.B. Fahrservice zu einem Escort-Date ins Hotel und wenn Kolleginnen sich gegenseitig Schutz bieten wollen. Auch Bordellbetriebe sind verboten, und Arbeiten in Privatwohnungen ist sehr schwierig, denn es darf nicht an Sexarbeitende vermietet werden. Es gibt Fälle, dass Sexarbeitenden das Sorgerecht für ihre Kinder aberkannt wurde. Es gibt Fälle, dass Kinder der Zuhälterei angeklagt wurden, weil sie vom „Hurenlohn“ ihrer Eltern leben. In Irland sitzen zwei Sexarbeiterinnen im Gefängnis, weil sie sich zum Schutz eine Arbeitswohnung teilten und dies als illegales Bordell gewertet wurde.
Daß der Straßenstrich kaum noch existiert wird als Erfolg des schwedischen Modells verkauft, ist aber eine natürliche Folge, wenn Sexkauf unter Strafe steht. Um überhaupt noch Kunden zu erreichen weichen die Sexarbeitenden aus an verlassene Plätze und Orte außerhalb der dichtbevölkerten Städte.
Die Arbeitsbedingungen in den Ländern mit Schwedischem Modell sind schlecht. Die Gewalt nimmt zu 2). Es gibt keine wissenschaftlich haltbaren Zahlen, dass der Menschenhandel in den Ländern zurückgegangen ist. Die Sexarbeit insgesamt verlagert sich in den Untergrund und in das Internet.
Infos dazu liefert die Schwedische Sexarbeits-Organisation Fuckförbundet: www.fuckforbundet.com

„Die guten Kunden sind weg, und die schlechten sind geblieben!“

r
esignierte Aussage einer schwedischen Sexarbeiterin einige Jahre nach der Einführung der Freierbestrafung.

Bei den Bestrebungen diese gesetzlichen Regelungen auch in Deutschland einzuführen, geht es nicht darum den Sexarbeitenden zu helfen, sondern die Prostitution soll abgeschafft werden – unter dem Deckmantel des Schutzes.
Den Sexarbeitenden sollen „Ausstiegs-Programme“ angeboten werden. Ein Jahr nach der Einführung der Freierbestrafung in Frankreich ermittelte eine Untersuchung  nur eine verschwindend kleine Zahl an erfolgreichen Umsteigerinnen 3)
Die angebliche Zielgruppe wird nicht erreicht, denn ein großer Teil der Sexarbeitenden möchte ihre Tätigkeit gar nicht beenden.
„Meine Arbeit ist nicht mein Problem, sondern wie die Gesellschaft damit umgeht.“

Deshalb kommt alle am Dienstag zur Protestaktion vor dem Abgeordnetenhaus.

FLUGBLATT Download

Hier eine Erklärung von Sexarbeit-ist-Arbeit,
warum der Ausschuss nicht ergebnisoffen ist, sondern die Ziele schon klar auf dem Tisch liegen.
Ziel: 1. Schwedisches Modell
2. Abschaffung Prostitution

 

Fragen zur Aktion: www.sexarbeit-ist-arbeit.de

Fragen allgemein: Johanna Weber, politische Sprecherin des BesD
0151-1751 9771 oder johanna@besd-ev.de

 


1) Justizministerin, Christine Lambrecht, gegen das nordische Modell:
https://www.maz-online.de/Nachrichten/Politik/Bundesjustizministerin-warnt-vor-Prostitution-in-dunklen-Ecken

2) Extreme Zunahme von Gewalt an Sexarbeitenden nach Einführung des schwedischen Modells in Irland:
https://www.belfasttelegraph.co.uk/news/republic-of-ireland/crime-against-sex-workers-almost-doubles-since-law-change-37957334.html

3) wenig erfolgreiches Exit-Programm für Sexarbeitende in Frankreich
https://twnews.co.uk/gb-news/searching-for-the-entrance-to-france-s-prostitution-exit-programme

 


 

Hintergrundinformationen:

Fakten und Hintergründe über das Schwedische Modell:
https://menschenhandelheute.net/2014/07/01/prostitution-und-menschenhandel-1-die-wahrheit-uber-das-nordische-und-schwedische-modell/

Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Schwedischen Modell (S.Dodillet,P.Östergren)
http://www.petraostergren.com/upl/files/54259.pdf

Bundeszentrale für politische Bildung: Vergleich zwischen der deutschen und der schwedischen Prostitutionsdebatte
http://www.bpb.de/apuz/155371/deutschland-schweden-unterschiedliche-ideologische-hintergruende-in-der-prostitutionsgesetzgebung?p=all

Sexarbeit in der EU und Auswirkungen für Deutschland
https://berufsverband-sexarbeit.de/wp-content/uploads/2017/11/SPEICHERN-Workshop-Sexarbiet-in-Europa-und-Schwedisches-Modell.pdf

Warum das Sexkaufverbot vor allem migrantischen Sexarbeitenden schadet
https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2019/09/04/strategien-gegen-ausbeutung-und-gewalt-warum-ein-sexkaufverbot-vor-allem-migrantischen-sexarbeiterinnen-schadet/

Auf der World of Whorecraft-Messe am 17. August in Berlin sind neben den Teilnehmer*innen des vorangehenden Hurenkongresses auch Nicht-Sexarbeiter*innen und generell die interessierte Öffentlichkeit willkommen. HIER FINDEN SIE DAS MESSE-PROGRAMM, sowie den Lageplan innerhalb der Location.

Wann startet die Messe und wie komme ich dort hin?

Die World of Whorecraft-Messe läuft von 11:00 bis 18:00 Uhr und findet in der Eventlocation „SUPERMARKT“ in der Holzmarktstraße 66, 10179 Berlin statt. Sie erreichen uns am einfachsten über die direkt gegenüberliegenden S-Bahn Station Jannowitzbrücke.

Ist meine Anwesenheit als Journalist*in, Blogger*in, Vlogger*in auf der Messe überhaupt erlaubt?

Nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht! Medienschaffende haben am Messetag eine einmalige Gelegenheit, mehr zu dem Berufsfeld der Sexarbeit direkt von den darin tätigen Menschen zu erfahren, Hintergrundrecherche zu betreiben und mit Sexarbeiter*innen direkt ins Gespräch zu kommen. Kommen Sie einfach zu Beginn beim Presse-CheckIn vorbei (siehe nächste Frage). Sie können als Berichterstatter*in im übrigen wie alle anderen Besucher*innen an der Messe teilnehmen und sämtlichen Programmpunkten beiwohnen.

Gibt es die Möglichkeit, sich für die Messe als Journalist*in akkreditieren zu lassen?

Bitte wenden Sie sich bei Ankunft an den Presse-CheckIn am Eingang – Sie erhalten nach Vorlage ihres Presseausweises kostenfreien Eintritt sowie einen Stempel. Falls Sie über die Messe berichten wollen, aber keinen Presseausweis besitzen, wenden Sie sich zur Klärung an die Betreuerin oder den Betreuer des Presse-CheckIns. Diese oder dieser hilft Ihnen auch gerne mit grundlegenden Informationen zur Veranstaltung einen Überblick zu gewinnen und steht Ihnen, soweit möglich, auch bei der Vermittlung eines Interviewpartners oder einer Interviewpartnerin bei.

Darf ich einen Fotografen/eine Fotografin mitbringen, oder selbst Fotos machen?

Bitte beachten Sie dabei unsere Fotorichtlinien: Auf der Messe herrscht generelles Fotoverbot. Ausnahmen müssen persönlich mit Interviewpartner*innen besprochen werden und keine Fotos dürfen Personen beinhalten (auch nicht im Hintergrund), die dazu nicht ihr ausdrückliches Einverständnis gegeben haben. Über solche persönlichen Vereinbarungen hinausgehend, stehen Ihnen von 11:00 bis 12:00 an einer vor Ort ausgewiesenen Stelle mit entsprechendem Hintergrund Messe-Teilnehmer*innen für Fotos zur Verfügung.

Sie haben noch Rückfragen?

Bitte schreiben Sie uns per E-Mail an presse@besd-ev.de oder melden Sie sich telefonisch bei unseren Messe-Organisatorinnen Charlie Hansen (0152 – 0461 7464) oder Tamara (0179 41 67883).

In aller Kürze: Falls du als aktive*r oder ehemalige*r Sexarbeiter*in am Kongress (15.+16.08.2019) teilnehmen willst – hier geht’s zu den Tickets. Falls du als Sexarbeiter*in/Unterstützer*in/Organisation  zur Messe (17.08.2019) beitragen möchtest – […]

TLDR:

A safe space for exchanging experiences and learning from each other

In general society and the media, sex work and those associated with the industry often have a „dirty“, „perverted“ or even dangerous reputation. A lot of sex workers* therefore struggle with prejudices and stigma and many feel they have to conceal their choice of work from friends or family. From the 15th to 17th of August the BesD e.V. – the sexworker-led Association for Sexual and Erotik Services based in Germany – invites collegues* of all working fields, genders and nations to the German capital to celebrate the annual Whore Congress and the brand-new Sex Work Fair together.

The first two days are strictly sex worker only – only those who are or were active in erotic or sexual services are welcome to participate in the Congress. With the workshops on the 15th and a barcamp on the 16th we strive to offer plenty of space for spontaneous content, for getting to know each other and for strenghtening our personal and professional networks.

A unique opportunity for networking among sex workers*

Our workshop leaders* are all sex workers* themselves and will share tricks, tips and experiences of all kinds. Some of the workshops will be in German, some in English, some bilingual – as last year, many international colleagues are expected to join in at the Congress. Whether it is „Professional BDSM for beginners” by London dominatrix Cass Traitor, „Cyber-Security for Sex Workers“ by activist Lara, „Fighting Burn-Out through Self Love“ by body-worker Dion de Rossi or „Intimate Massage“ by tantra professional Flora – all our workshop topics explicitly address people working in sex work and their specific needs.

The congress is also an opportunity to discuss and educate yourself about complex topics: For example there will be a special workspace for discussing the needs of transgender/transsexual/non-binary/genderqueer people in sex work and TAMPEP- coordinator Anastacia Ryan will lead a discussion on the impact of anti-trafficking measures on migrant sex workers.

Nothing About Us Without Us

The World of Whorecraft – Sex Work Fair on the 17th of August is open to the public. Interested visitors have the opportunity to inform themselves beyond media reports – about the industry, the Whores‘ Rights Movement and the needs and issues of sex workers*.

Sex workers* and their supporters will be introducing the relevant issues in and different aspects of their work at information stands, workshops, readings and keynote lectures. In addition to the BesD, other sex work associations, counseling centers and networks will be informing about the political and social challenges sex workers are facing in Germany and internationally.

Solidarity: Connecting, uniting, taking action together

The Sex Work Fair will be joined by collegues* and allies from all over the world – for example the sexworker movement SWARM from London, the Black Sex Worker Collective from New York, Wild Thing from Amsterdam and the europe-wide ICRSE network.

Additionally you can look forward to various performances, spaces devoted to art, film, academical research and much more. Industry-relevant suppliers, such as the queer sex shop Other Nature, will also be found at the fair.

Since some sex workers* unfortunately cannot afford travel, ticket costs or a loss of earnings, we are still looking for event sponsors* who would like to enable marginalised colleagues* to participate in the congress and the Sex Work Fair. Click here for more information on sponsoring possibilities.

The final programme will be published on the website www.worldofwhorecraft.de.

Wer immer schon mehr über Sexarbeit und die darin tätigen Menschen erfahren wollte, sollte sich den 17. August rot im Kalender anstreichen: Denn nächsten Monat lädt der Berufsverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen Sexarbeiter*innen zum jährlichen „Hurenkongress“ in die Hauptstadt ein. Die Teilnahme am Kongress steht wie schon letztes Jahr ausschließlich aktiven und ehemaligen Sexworkern offen, doch am anschließenden Messetag sind alle Interessierten willkommen.

In der Gesellschaft und den Medien haftet der Sexarbeit oft ein „schmuddeliger“, „perverser“ oder gar gefährlicher Ruf an. Kein Wunder also, dass Menschen, die aktiv im Erotikgewerbe tätig sind oder waren, sich oft mit jeder Menge Vorurteilen herumschlagen müssen. Mit dem Hurenkongress bietet der Berufsverband Sexarbeiter*innen eine in Deutschland einmalige Gelegenheit für Austausch, Netzwerken und Weiterbildung. Auf der World of Whorecraft-Messe am 17. August haben dann auch alle interessierten Besucher*innen die Gelegenheit, Sexworker aus allen möglichen Bereichen der Branche selbst zum Thema sprechen zu hören und sich eine eigene Meinung zu dem umstrittenen Berufsfeld und den den darin tätigen Menschen zu bilden.

Da sich einige Sexarbeiter*innen leider keine Reise- oder Ticketkosten, beziehungsweise einen Verdienstausfall leisten können, sucht der Berufsverband noch nach Veranstaltungssponsor*innen, die die Teilnahme marginalisierter Kolleg*innen am Kongress ermöglichen und die Messe-Veranstaltung unterstützen wollen (mehr Infos hier). Zu den bisherigen Sponsor*innen zählen unter anderem die Deutsche Aids-Hilfe, die Autorin Anna Basener sowie das Dienstleistungsportal kaufmich.com.

Besucher*innen der World of Whorecraft-Messe erwartet ein buntes Programm: Sexworker und ihre Unterstützer*innen zeigen im Rahmen von Infoständen, Workshops, Filmen, Lesungen und Keynote-Vorträgen die vielfältige Welt der Sexarbeit. Neben dem BesD informieren auf der Messe auch andere Sexarbeits-Vereinigungen und Netzwerke über die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen für Sexarbeitende in Deutschland. Zum Beispiel die Aktivist*innen von Sexarbeit ist Arbeit, die mit ihrem aktuellem Projekt „Strich/Code/Move“ eine Brücke zwischen Politik und Kunst schlagen.

Viele internationale Kolleg*innen, zum Beispiel von der Sexworker-Bewegung SWARM aus London oder dem Black Sex Worker Collective aus New York, werden auf dem Berliner Event erwartet. Unterschiedlichste Beratungs- und Anlaufstellen (unter anderem bufas e.V., Hydra, smartberlin und ragazza) sind mit eigenen Messeständen vertreten.

Auch branchenrelevante Anbieter, wie beispielsweise der queere Sexshop Other Nature, sind vor Ort zu finden. Des Weiteren geplant sind Performances, ein Kino&Film-Bereich, ein eigener Kunst-Bereich u.a. in Kooperation mit der Ausstellung „Objects of Desire“, ein Space für Forscher*innen (einige davon Teil des europaweiten ICRSE-Netzwerk) und vieles mehr – das finale Programm wird in Kürze auf der Website www.worldofwhorecraft.de veröffentlicht.Pressekontakt:

messe@worldofwhorecraft.de | +49 152 04617 464 (Charlie Hansen, Messe & Kongress) | presse@besd-ev.de (Lilli Erdbeermund, Redaktion)

Der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen ist ein Verein von Sexworkern für Sexworker. Wir wollen ein realistisches Bild der Sexarbeit in Deutschland vermitteln und der gesellschaftlichen und rechtlichen Diskrimierung von Menschen in der Sexarbeit entgegenwirken. Nach langer und guter Zusammenarbeit mit unserer bisherigen IT-Expertin, suchen wir ab sofort eine neue Person für dieses wichtige Amt.

Dein Profil:

– Du bist derzeit oder warst schon einmal als Sexarbeiter*in tätig
– Du bist bereits Mitglied beim BesD oder kannst Dich mit den Zielen des Vereins identifizieren
– Erfahrung im IT-Bereich
– Du kannst eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten
– Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
– Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift von Vorteil

Deine Aufgaben:

– Ansprechpartner*in für IT-Fragen der Mitglieder und Mitarbeiter*innen
– Betreuung und Wartung unserer Websites (WordPress)
– Betreuung und Verwaltung des Mitgliederforums (MyBB)
– Betreuung und Anlegen von Email-Accounts

Wenn möglich:

– Organisation von regelmäßigen Teamtreffen zur Aktualisierung von Websites
– Bei Bedarf: Umstrukturierung von Forum und Websites

Arbeitszeit:

– nach Bedarf
– völlig freie Zeiteinteilung

Der regelmäßige Zeitaufwand beträgt je nach Aktivität der Mitglieder ca. 4-6 Stunden/Monat für Wartung und Betreuung (Back-Ups, Updates, Fragen beantworten, Forum, etc.). Falls möglich, soll es regelmäßige Webwochenenden geben. Dabei kannst du zusätzlich mit circa 4 Stunden Vorbereitung rechnen. Für Webseitenbau bzw. Umstellungen können mehrmals pro Jahr einige Stunden anfallen.

Die Arbeit kann per Homeoffice bundesweit ausgeübt werden. Teamtreffen können vorzugsweise in Berlin oder Hamburg, aber natürlich auch per Videokonferenz o.ä. stattfinden.

Bezahlung:

Der BesD wird vorwiegend von ehrenamtlich Tätigen am Laufen gehalten, unser Gesamt-Budget hängt daher stark von Förderungen ab. Die  monatliche Aufwandsentschädigung für den beschriebenen IT-Support liegt derzeit bei 100 €.

Formlose Bewerbungen bitte bis 31.08.2019 an Johanna Weber unter johanna@besd-ev.de. Du erreichst uns bei Fragen auch telefonisch unter 0152 – 0461 7464 (Charlie Hansen)

Am 2. Juni 1975 besetzten über hundert Prostituierte in der französischen Stadt Lyon eine Kirche, um auf ihre untragbaren Lebens- und Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Seit der Ermordung zweier Kolleginnen im vorangegangenen Jahr fürchteten die Frauen um ihr Leben und hatten die Regierung mehrfach erfolglos um Hilfe gebeten. Die Anliegen der Protestierenden von damals sind heute auch in Deutschland dringlicher denn je. Neben anderen Aktionen zum Internationalen Hurentag findet am 01. Juni in Berlin die „Whores‘ Parade“ statt. Ab 13:00 Uhr marschieren Sexarbeitende und ihre Unterstützer*innen von der Großgörschenstraße 12 in Schöneberg gemeinsam los, um gegen die Stigmatisierung von Sexarbeit und gegen sexuelle Gewalt zu protestieren – nach der Parade geht die Aktion mit einer Soli-Party in der Berliner Eventlocation „Father Graham“ weiter.

Der globale Trend hin zu politischem Konservatismus und postfaktischer Politik führt in den vergangenen Jahren dazu, dass Machthaber in Europa übermäßig auf das Strafgesetz zur Lösung sozialer und gesellschaftlicher Probleme setzen. Das Nordische Modell kriminalisiert einvernehmlichen Sex gegen Geld und wird von der mächtigen Lobby der Prostitutionsgegner*innen europaweit als Methode zur Verhinderung des Menschenhandels angepriesen. Während Belege für eine verbesserte Strafverfolgung von Menschenhandel innerhalb oder außerhalb der Sexarbeitsbranche fehlen, zeigen Studien, Evaluationen und Community Reports sehr deutlich die negativen Auswirkungen für Menschen in der Sexarbeit.

Seit 2017 ist auch Deutschland von dem Kriminalisierungs-Trend betroffen: Das sogenannte Prostituiertenschutzgesetz verschärft die Stigmatisierung und Diskriminierung von Sexarbeiter*innen und erschwert menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Zwei Jahre nach der Einführung fällt auch die Bilanz der Evaluation des Gesetzes in NRW dementsprechend negativ aus.

Akademiker*innen, Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, LGBTI+-Organisationen, Sexworker-Verbände, Organisationen zur Bekämpfung des Menschenhandels sowie Kooperationen der Vereinten Nationen wie WHO und UNAIDS dokumentieren bereits seit Jahren die negativen Auswirkungen der Kriminalisierung von Sexarbeit. In Ländern wie Schweden, Norwegen und Frankreich kämpfen Sexarbeiter*innen unermüdlich um ihre Persönlichkeitsrechte, Arbeitsrechte und ihre Sicherheit. Während Verfechter*innen das Nordische Modell als Methode zum „Schutz der Schwächsten“ inszenieren, zeigen die repressiven Gesetzgebungen in Wirklichkeit besonders fatale Folgen für die große Gruppe der in der Sexarbeit tätigen Migrant*innen.

Die Geschichte wiederholt sich: Nachdem Frankreich 1960 die UN-Konvention zur „Unterbindung des Menschenhandels und der Ausnutzung der Prostitution anderer“ unterzeichnet hatte, gerieten Sexarbeiter*innen zunehmend unter Druck. Die Strafmaßnahmen des Staates und die gesellschaftliche Diskriminierung erreichten in den 70er Jahren einen damaligen Höhepunkt. Sexarbeiter*innen mussten aus berechtigter Angst vor Verhaftung ihre Arbeit im Verborgenen ausüben und damit das erhöhte Risiko von Gewalttaten in Kauf nehmen. Das gemeinsame Anmieten von Wohnungen konnte die Verurteilung wegen Kuppelei oder Zuhälterei nach sich ziehen. In Folge prägten Gewalt, Polizei-Schikanen und die damit verbundene massive Verdrängung von Sexarbeit aus dem öffentlichem Raum den Alltag von Sexarbeiter*innen in Frankreich.

Die Signalwirkung der Proteste in Lyon bleibt desweilen bestehen – der französische „Hurenstreik“ gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Bewegung für Rechte von Sexarbeiter*innen, deren Engagement auch heute mehr als nötig ist.