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Was ist CEDAW und warum ist es wichtig für Sexarbeiter*innen?

CEDAW steht für “Convention on the Elimination of All Forms of Discrimination Against Women”. Es ist das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau – und damit das wichtigste internationale Menschenrechtsinstrument für die Rechte von Frauen. Der Fokus der Frauenrechtskonvention liegt auf der Erreichung der Gleichstellung der Geschlechter und der Bekämpfung von Diskriminierung weltweit.

Alle Staaten, die sich zu der Konvention bekannt haben, müssen dem Ausschuss regelmäßig Berichte vorlegen und darüber informieren, wie sie CEDAW in ihren Ländern umsetzen.

Es gibt auch trans und männliche Sexworker, warum liegt das Thema bei einer reinen Frauenrechtskonvention?

Während Menschen aller Geschlechter Sex verkaufen, ist die Mehrheit der Sexarbeiter weiblich. Sexarbeit wird im Recht und in der Politik daher oft als “Frauenrechtsthema” betrachtet, was das CEDAW-Übereinkommen besonders wichtig für uns Sexarbeiter*innen macht.

Der Streit um Artikel 6 des CEDAW-Übereinkommens – worum geht es?

Sexarbeiter*innen werden werden im CEDAW-Übereinkommen nicht speziell angesprochen, aber Artikel 6 der Konvention wird häufig in Debatten über Sexarbeit diskutiert.

Artikel 6 besagt: “Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen, einschließlich der Gesetzgebung, um alle Formen des Menschenhandels mit Frauen und der Ausbeutung der Prostitution von Frauen zu unterbinden.”

Artikel 6 steht damit leider der Interpretation offen und trennt nicht klar zwischen Menschenhandel, Sexarbeit zum Zwecke der Ausbeutung und freiwilliger Sexarbeit.

Oft wird von Sexarbeits-Gegner*innen argumentiert, dass es eine korrekte Umsetzung der CEDAW-Richtlinien wäre, die Nachfrage nach Sexarbeit mittels Freierbestrafung oder ähnlichen Modellen zu verringern.

Aus der Aufzeichnung der Diskussionen, die bei der Abfassung von CEDAW stattfanden, ergibt sich, dass der Begriff “Ausbeutung der Prostitution” absichtlich gewählt wurde, um ihn von einer Pflicht zur Unterdrückung JEGLICHER Prostitution zu unterscheiden.

Der Begriff “Ausbeutung der Prostitution” bleibt jedoch unklar und hat keine einheitliche Definition im Völkerrecht.

Im November 2020 hat das CEDAW Komitee die “General Recommendation No. 38”, also eine “allgemeine Empfehlung” veröffentlicht, die sich auf Artikel 6 bezieht.

In Teilen der Empfehlungen wird erneut nicht zwischen Menschenhandel und freiwilliger Sexarbeit unterschieden . Falls die Mitgliedsstaaten entscheiden, diese Empfehlungen zugunsten des nordischen Modells beziehungsweise der Einführung von Freierbestrafung auszulegen, kann das starke negative Auswirkungen auf die Rechte von Sexarbeitenden weltweit haben.

Um diese Gefahr zu bannen, hat der NSWP Sexworker-Organisationen weltweit dazu aufgerufen, der CEDAW zu schreiben und eine Konkretisierung der entsprechenden Stellen zu fordern. Die Kritik bezieht sich dabei in keiner Weise auf CEDAW allgemein – das Komitee hat bereits einige Male gezeigt, dass es die Rechte von Sexarbeiter*innen ernst nimmt und auch die Kriminalisierung von Sexarbeit als unverhältnismäßige, negative Auswirkung auf Sexarbeiter*innen verurteilt.


BRIEF AN CEDAW
Re: Allgemeine Empfehlung Nr. 38 (2020) zum Thema Menschenhandel von Frauen und Mädchen im Kontext der globalen Migration

An das Komitee der CEDAW,

Wir unterstützen die Kritik, die das Global Network of Sex Work Projects (NSWP) zusammen mit anderen Organisationen für die Rechte von Sexarbeiterinnen an der Allgemeinen Empfehlung Nr. 38 (2020) zum Frauen- und Mädchenhandel im Kontext der globalen Migration geäußert hat. Wir hoffen, dass Sie bestimmte Aspekte des in dieser Empfehlung dargelegten Ansatzes zur Bekämpfung des Menschenhandels, die wir in dieser Stellungnahme hervorheben möchten, noch einmal überdenken,

Zwang und Menschenhandel sind Akte gegen die Menschlichkeit, die sanktioniert werden müssen, um die Freiheit und die Menschenrechte aller Menschen zu wahren. Dies ist eindeutig der Grund für die Veröffentlichung der Empfehlung 38.

Der beunruhigende Teil dieser Empfehlung ist jedoch die Vermengung von Sexhandel und Sexarbeit im gesamten Dokument. Es wird kein Unterschied zwischen erzwungener und nicht erzwungener Teilnahme an kommerziellem Sex gemacht. Es wird lediglich der Begriff “Ausbeutung der Prostitution von Frauen” verwendet, was ein Verständnis von kommerziellem Sex als immer unter Zwang stattfindend impliziert.

Eine solche Annahme führt zur Umsetzung von Gesetzen, die für Frauen, die an kommerziellem Sex beteiligt sind, schädlich sind, unabhängig davon, ob sie sich in Situationen befinden, in denen sie von Dritten gezwungen werden oder nicht. Die Grundlage für Ihre Empfehlung, wie sie im Abschnitt “Rechtlicher Rahmen” dargelegt wird, ist der Wortlaut von Artikel 8 der Erklärung der Vereinten Nationen zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau von 1967, in dem es heißt: “Alle geeigneten Maßnahmen, einschließlich der Gesetzgebung, sind zu treffen, um alle Formen des Frauenhandels und der Ausbeutung der Prostitution von Frauen zu bekämpfen.”

Dies ist eine höchst problematische Bestimmung, da der Geltungsbereich von “alle geeigneten Maßnahmen” nicht klar definiert ist und Gesetze einschließen könnte, die für alle an kommerziellem Sex Beteiligten nachteilig sind, auch wenn sie sich nicht in einer erzwungenen Situation (einschließlich Menschenhandel) befinden.

Wenn nicht zwischen Sexhandel und Sexarbeit unterschieden wird, können spezifische Empfehlungen wie die unter den folgenden Punkten die Umsetzung von Gesetzen, die Freier von Sexarbeiter*innen kriminalisieren, zur Folge haben:

61: Entmutigen Sie die Nachfrage, die die Ausbeutung der Prostitution fördert und zu Menschenhandel führt.

63: Verhinderung und Bekämpfung von Menschenhandel in allen Geschäftsbereichen, im öffentlichen Beschaffungswesen und in den Lieferketten von Unternehmen durch:
(a) Untersuchung, strafrechtliche Verfolgung und Verurteilung aller am Menschenhandel beteiligten Täter, einschließlich derjenigen auf der Nachfrageseite.

Die Duldung von Maßnahmen, die unsere Kund*innen kriminalisieren, wird die Situation derjenigen, die kommerziellen Sex anbieten, nur verschlechtern.

In Abschnitt 9 der Empfehlung heißt es:

“Die Hauptverpflichtung der Vertragsstaaten besteht darin, den Menschenhandel in einer Weise anzugehen, die die Menschenrechte von Personen, insbesondere von Randgruppen, respektiert, schützt und erfüllt, wie sie in den zentralen Menschenrechtsverträgen der Vereinten Nationen auf der Grundlage der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt sind.”

Maßnahmen wie solche zur Beendigung der Nachfrage, die zu gefährlicheren Umständen für Frauen, die in kommerziellen Sex involviert sind, führen, widersprechen letztlich dieser Verpflichtung. Aus unserer eigenen Erfahrung als Sexarbeiter*innen ist die Gesetzgebung zur “Beendigung der Nachfrage”, wie sie in der Empfehlung 38 implizit unterstützt wird, kein menschenrechtsbasierter Ansatz zur Reduzierung des Frauen- und Mädchenhandels.

Als die größte europäische Organisation für die Rechte von Sexarbeiter*innen, die für die Rechte von Sexarbeiter*innen in Deutschland und für eine menschenrechtsbasierte Gesetzgebung für alle, die mit kommerziellem Sex zu tun haben, kämpft, betonen wir, dass eine Kriminalisierung der Nachfrage nach kommerziellem Sex keine positiven Auswirkungen für diejenigen hat, die an der Bereitstellung von kommerziellem Sex beteiligt sind.

Eine Gesetzgebung, die darauf abzielt, die Nachfrage zu beenden, zielt eindeutig darauf ab, kommerziellen Sex zu unterdrücken und letztlich loszuwerden, anstatt die Situation der Beteiligten zu verbessern, unabhängig davon, ob sie gezwungen wurden oder nicht. Eine solche Gesetzgebung wird nicht nur daran scheitern, kommerziellen Sex tatsächlich abzuschaffen, sondern führt nur dazu, dass kommerzieller Sex unter noch gefährlicheren und prekäreren Umständen für alle Beteiligten fortgesetzt wird.

Darüber hinaus basiert eine Gesetzgebung, die sich darauf konzentriert, die Nachfrage nach kommerziellem Sex zu beenden, auf der Annahme, dass alle Menschen, die kommerziellen Sex anbieten, Opfer von Zwang sind und nicht in der Lage sind, Autonomie über ihren Körper zu erlangen. Die Leugnung der Möglichkeit von Autonomie bei kommerziellem Sex spiegelt sich, wie oben betont, in der Verquickung von Menschenhandel und kommerzieller Sexarbeit wider. Diese Leugnung führt zu einer Gesetzgebung, die kontraproduktiv zum proklamierten Ziel der Empfehlung 38 ist, die Menschenrechte von Frauen und Mädchen zu fördern.

Die Kriminalisierung der Nachfrage nach kommerziellem Sex zwingt Anbieter*innen dazu, unter riskanten Bedingungen zu arbeiten, in denen die Wahrscheinlichkeit von Gewalt und Armut steigt. In Deutschland ist ein großer Teil der Beschäftigten in der Sexindustrie Migrant*innen, die bereits aufgrund ihres Migrationsstatus mit Herausforderungen und Nachteilen konfrontiert sind. Sie bieten Sex gegen Geld an, um zu überleben und werden dies auch weiterhin unter allen (il)legalen Bedingungen tun. Die Kriminalisierung der Nachfrage wird es ihnen nur erschweren, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und sie weiter in den Untergrund drängen, weg von jeder Möglichkeit, Hilfe bei Behörden oder Beratungsstellen zu suchen.

Anstatt “die Nachfrage, die die Ausbeutung der Prostitution fördert, zu entmutigen”, wie es in Punkt 61 heißt, ist es effektiver, die Staaten zu ermutigen, Migrant*innen mehr Rechte einzuräumen, damit diejenigen, die sich in den marginalisiertesten und prekärsten Verhältnissen befinden, besser in der Lage sind, Hilfe zu suchen –  insbesondere wenn sie gehandelt oder zum kommerziellen Sex gezwungen wurden.

Daher fordert der BesD im Einklang mit anderen Organisationen für die Rechte von Sexarbeiterinnen weltweit die CEDAW auf, die Punkte in der Empfehlung 38 zu streichen, die darauf abzielen, die Nachfrage nach kommerziellem Sex zu kriminalisieren, und stattdessen die Punkte zu betonen, die einen menschenrechtsbasierten Ansatz zur Bekämpfung des Handels mit Frauen und Mädchen fördern.



“A problematic proposal” – BesD statement on CEDAW recommendation

 

What is CEDAW and why is it important for sex work?

CEDAW is the United Nation’s “Convention on the Elimination of Discrimination Against Women” –  making it the most important international human rights instrument for women’s rights. The focus of CEDAW lies on achieving gender equality and combating discrimination against women and girls worldwide.

All states that have committed to the convention are required to submit regular reports to the convention’s committee and required to provide information on how they are implementing CEDAW in their countries.

There are also trans and male sex workers, why is sexwork the subject of a women’s rights convention?

While people of all genders sell sex, the majority of sex workers are female. Sex work is therefore often considered a “women’s rights” issue in law and policy, which makes the CEDAW Convention particularly important for us sex workers*.

The dispute over the infamous Article 6 of the CEDAW Convention – what is it about?

While sex workers* are not specifically addressed in the CEDAW Convention, the Article 6 of the Convention is often discussed in debates about sex work.

Article 6 states, “States Parties shall take all appropriate measures, including legislation, to prevent all forms of trafficking in women and exploitation of prostitution of women.”

Unfortunately, this wording leaves Article 6 open to interpretation and does not clearly distinguish between trafficking, sex work for exploitation, and voluntary sex work.

It is often argued by sex work opponents, that a correct implementation of the CEDAW guidelines demands the states to reduce the demand for sex work through punishment of clients or similar models.

From the recording of discussions that took place during the drafting of CEDAW, it is clear that the term “exploitation of prostitution” was intentionally chosen –  to in fact distinguish it from a duty to suppress ALL prostitution.

However, the term “exploitation of prostitution” remains ambiguous and is not uniformly defined by international law.

In November 2020, the CEDAW Committee published a “General Recommendation No. 38,” which refers to Article 6.

Parts of this recommendation again do not distinguish between trafficking and voluntary sex work. If states decide to interpret this recommendation in favor of the Nordic Model or the introduction of punishment for clients, this may have a strong negative impact on the rights of sex workers worldwide.

To address this danger, NSWP has called on all sex worker organizations to write to CEDAW – and to demand that the relevant sentences are formulated in a more specific way. This criticism is in no way related to CEDAW in general – the committee has already shown several times that it takes the rights of sex workers seriously and also condemns the criminalization of sex work as having a disproportionate, negative impact on sex workers.

 


LETTER TO CEDAW
Re: General recommendation No. 38 (2020) on trafficking in women and girls in the context of global migration

To the Committee on the Elimination of Discrimination against Women,

We are in support of the critique put forth by the Global Network of Sex Work Projects (NSWP), together with other sex worker rights organizations, of the General recommendation No. 38 (2020) on trafficking in women and girls in the context of global migration. We therefore hope your are willing to reconsider aspects put forth in this recommendation, especially on the approach of adressing trafficking.

Coercion and trafficking of humans are acts against humanity that must be sanctioned in order to uphold the freedom and human rights of all people. We can clearly see this has been the motivation behind the publication of Recommendation 38 and we wholeheartedly support that goal.

However, we are very concerned with the conflation of sex trafficking and sex work taking place throughout your statement. Unfortunately, there is no distinction being made between coerced and non-coerced participation in commercial sex. Only the term “exploitation of the prostitution of women” is used. The implication, that commercial sex is always taking place under coercion, may well result in the implementation of legislation that is harmful to all women involved in commercial sex –  whether they are in situations of coercion by third parties or not.

The basis you stated for the recommendation in the section “Legal Framework” takes the wording of Article 8 of the 1967 United Nations Declaration on the Elimination of Discrimination against Women: “All appropriate measures, including legislation, shall be taken to combat all forms of traffic in women and exploitation of prostitution of women.”

From our standpoint as sexworkers this is a highly problematic statement, because the scope of “all appropriate measures” is not clearly defined. Those measures could well include laws, that are detrimental to all those involved in commercial sex, even if they are not in coerced (including trafficked) circumstances.

When sex trafficking and sex work are not differentiated, then specific recommendations such as the ones listed in points

61: Discourage the demand that fosters exploitation of prostitution and leads to human trafficking

and

63: Prevent and address Trafficking in all business operations, public procurement, and corporate supply chains by:
(a) Investigate, prosecute and convict all perpetrators involved in the trafficking of persons, including those on the demand side

can result in the implementation of legislation that criminalizes the clients of sex workers. Condoning such measures will only worsen the circumstances of all those who supply commercial sex.

Section 9 of the Recommendation states that:

“The States parties’ primary obligation is to address trafficking in a way that respects, protects and fulfils the human rights of persons, particularly of marginalized groups, as set out in the core United Nations human rights treaties, drawing from the Universal Declaration of Human Rights.

Measures that lead to more dangerous circumstances for women involved in commercial sex, such as those to end demand, ultimately contradict this obligation. From our own experience as sex workers, “end demand” legislation, as implicitly supported by Recommendation 38, is not a human rights-based approach to reducing trafficking in women and girls.

As the biggest european sex worker rights organization, fighting for the rights of sex workers in Germany and for human rights-based legislation for all those involved in commercial sex, we emphasize that there are no positive effects of criminalizing the demand for commercial sex for those involved in supplying commercial sex. Legislation aiming to end demand is clearly about suppressing and ultimately getting rid of commercial sex, rather than improving the situation of those involved, whether they have been coerced or not.

Such legislation will not only fail to actually get rid of commercial sex, it also results in the continuation of commercial sex under more perilous and precarious circumstances for all those involved. Furthermore, legislation focused on ending demand for commercial sex is based on the presumption that all people who supply commercial sex are victims of coercion and unable to assert autonomy over their bodies. Denying the possibility of autonomy in commercial sex is reflected in the conflation of sex trafficking and commercial sex, as emphasized above. This denial results in legislation that is counter-productive to the proclaimed goal of Recommendation 38, which is to promote the human rights of women and girls.

Criminalizing demand for commercial sex forces providers to work under risky conditions in which the likelihood of violence and poverty increases. In Germany, a large proportion of workers in the sex industry are migrant women who already face challenges and disadvantages due to their migrant status. They provide sex for money as a way of surviving and will continue to do so under all (il)legal conditions. Criminalizing demand will only make it more difficult for them to earn a living and oppress them further underground, away from any possibility of seeking help from authorities or counselling services.

Instead of “discouraging the demand that fosters exploitation of prostitution” as stated in point 61, we believe it much more effective to encourage States to afford more rights to migrants, so that those in the most marginalized and precarious circumstances are better able to seek help – especially if they have been trafficked or coerced into commercial sex.

Therefore the BesD e.V., in unison with other sex worker rights organizations across the world, urges CEDAW to remove those points in Recommendation 38, that imply the need or aim to criminalize the demand for commercial sex and to instead emphasize the points that promote a human rights-based approach to combating the trafficking of women and girls.

Als Berufsverband für Sexarbeitende in Deutschland begrüßen wir, dass sich die Politik wertneutraler mit unserem Themenfeld beschäftigt und sich sachliche Arbeitsgrundlagen ergeben. Wir unterstützen den Antrag der CDU und der FDP, dass sich das Bundesland Nordrhein-Westfalen gegen die Einführung eines Sexkaufverbotes positioniert.

Das Sexkaufverbot führt nicht zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Sexarbeit. Den Befürwortern des sogenannten „nordischen Modells“ geht es nicht darum, die Situation von Sexarbeitenden zu verbessern, sondern langfristig um die Abschaffung der Prostitution. Damit verlagert sich die Sexarbeit vom Hellfeld ins Dunkelfeld.

Die Forderung nach einem Sexkaufverbot basiert auf einseitigen Weltbildern:
– Entmündigung der Frau durch pauschale Opferzuschreibung,
– pauschale Täterzuschreibung beim Mann als Kunden,
– Ausblenden von Männern und Transpersonen als Sexarbeitende
– Ausblenden von Frauen als Kundinnen.

Das Sexkaufverbot ist ein utopischer „safe space“ des guten Gewissens. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen negative Effekte eines Sexkaufverbots für die in der Prostitution tätigen Menschen auf. 1) 2)  Migrant*innen, die einen Großteil der Sexarbeitenden in westeuropäischen Ländern ausmachen, leiden besonders unter kriminalisierenden Gesetzen.


Berichte aus Schweden 3)

  • Weniger Kund*innen sind bereit, Sex auf der Straße zu kaufen, aus Angst vor einer Strafe. Einkommensverluste der Sexarbeitenden werden ausgeglichen, indem sie
    a) auch „unangenehme“ Kund*innen akzeptieren, die sie sonst ablehnen
    b) auch Dienstleistungen anbieten, die außerhalb des Wohlfühlspektrums liegen
  • Anteil der Kund*innen, die Missstände (Menschenhandel) bei der Polizei melden, sinkt
  • Sexarbeitende müssen versteckt arbeiten, um ihre Kund*innen vor dem Entdeckt-werden zu schützen. Dies macht es Beratungsstellen/Polizei schwieriger, sie zu finden.
  • Weniger Möglichkeiten für Kund*innen-Screening.
    a) Auf der Straße ist es nicht mehr möglich, am offenen Autofenster zunächst ein Gefühl zu entwickeln, sondern es muss sofort eingestiegen werden.
    b) Für Haus-& Hotelbesuche nehmen Anrufe mit unterdrückter Nummer zu – Kund*innen wollen nicht auf dem Telefon von Sexarbeitenden gespeichert sein.
    Sexarbeitende sind dadurch verstärkt Gefahr und Gewalt ausgesetzt.
  • Straßensexarbeitende, verfügen oft nicht über die Ressourcen oder das Wissen, um sich in Innenräumen zu etablieren.
  • Das Gesetz hat Kund*innen mehr Macht verliehen und Sexarbeitende entmachtet.

Berichte aus Frankreich 4)

  • 88% der Sexarbeitenden sind gegen die Kriminalisierung von Kunden.
  • 63% der Sexarbeitenden erlebten eine Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen.
  • 38% der Sexarbeitenden können die Verwendung von Kondomen schlechter
  • durchsetzen.
  • 70% der Sexarbeiter beobachten entweder keine Verbesserung oder eine
  • Verschlechterung ihrer Beziehungen zur Polizei.
  • 78% der Sexarbeiter haben einen Einkommensverlust erlitten.
  • 42% der Sexarbeiter sind mehr Gewalt ausgesetzt als vor der Gesetzeseinführung.

Das momentane Prostitutionsverbot aufgrund der Corona-Krise zeigt deutlich welche Auswirkungen ein Sexkaufverbot hätte.

Genau die Kolleg*innen, die schon zuvor unter prekären Bedingungen gearbeitet haben, erhalten oft keine staatlichen Unterstützungsangebote. Sie sind gezwungen, trotz Lockdowns weiter zu arbeiten. Vom Sexkaufverbot wären genau diese Menschen alternativlos betroffen, denn „Ausstiegsangebote“ greifen hier nur sehr langfristig.

Die Gewalt nimmt zu. Dazu die Beratungsstelle Ragazza aus Hamburg St.Georg, die die Frauen auf dem illegalen Straßenstrich betreut:

„Gesetze wie das Schwedische Modell zwingen Sexarbeitende dazu, an abgelegeneren Orten oder über das Internet zu arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Sie werden häufiger mit Stresssituationen konfrontiert, die sich negativ auf ihre körperliche und psychische Gesundheit auswirken.“


1) Auswirkungen des „Nordischen Modells – Studienergebnisse zur Prostitutionspolitik in Schweden und Norwegen (Deutscher Bundestag, 2020)
https://www.bundestag.de/resource/blob/678116/53f1edc9dc0f14f544a4bb076edfa9f4/WD-9-082-19-pdf-data.pdf

2) Governing in the Name of Caring – The Nordic Model of Prostitution and its Punitive Consequences for Migrants Who Sell Sex (Niina Vuolajärvi, 2018)
https://link.springer.com/article/10.1007/s13178-018-0338-9

3) The Real Impact of the Swedish Model on Sex Workers (Global Network of Sex Work Projects, 2015)
https://www.nswp.org/sites/nswp.org/files/Swedish%20Model%20Advocacy%20Toolkit%20Community%20Guide%2C%20NSWP%20-%20November%202015.pdf

4) What do sex workers think about the French Prostitution Act? (Le Bail u.a., 2018)
https://hal.archives-ouvertes.fr/hal-02115877/document


Menschenrechte und Gewalt

Unser Verband schließt sich der Position von Amnesty International an. Das Sexkaufverbot führt zu vermehrten Menschenrechtsverstößen gegen Sexarbeitende.

Amnesty fordert die vollständige Entkriminalisierung von Sexarbeit – damit ist die Straffreiheit für Anbieter*innen, Käufer*innen und Bordellbetreiber*innen gemeint.

Entscheidungen über Sexarbeit und die darin tätigen Menschen sollten auf der Grundlage der Realität von Sexarbeitenden und der Anerkennung der Vielfältigkeit und Komplexität der Branche getroffen werden. Leider führt die Entstehung und Stärkung globaler Sexkaufverbot-Gruppierungen und deren starke Agenden in Sachen Moral, Strafjustiz und Grenzkontrolle seit den 90ern oft dazu, dass Sexarbeitende sowie Expert*innen, die täglich mit der Branche zu tun haben, ausgeschlossen und mundtot gemacht werden.

Amnesty International (2016) definiert Sexarbeit über die Schlüsselkomponente Konsens – also der freiwilligen und fortlaufenden Zustimmung – und unterscheidet damit klar zwischen Sexarbeit und Menschenhandel, sexueller Ausbeutung, sexueller Gewalt und geschlechtsspezifischer Gewalt.

Die Zustimmung zum Sex bedeutet nicht die Zustimmung zur Gewalt.

Die Entscheidung, Sex zu verkaufen, kann durch Armut und/oder Marginalisierung beeinflusst werden. Solche Situationen untergraben oder verneinen aber nicht unbedingt die Zustimmung/den Konsens einer Person.

Negative Umstände machen die Fähigkeit eines Individuums, Entscheidungen über sein eigenes Leben zu treffen, nicht zunichte.

Ausnahme: es handelt sich um besondere Umstände, die einer Nötigung gleichkommen, zum Beispiel wenn ein Individuum Bedrohungen, Gewalt oder Autoritätsmissbrauch ausgesetzt ist.

Amnesty fordert Staaten auf, sich mit den Bedingungen für Ausbeutung zu befassen, indem sie die Wahlmöglichkeiten der Sexarbeitenden und die Kontrolle über ihre eigenen Umstände verbessern.


Warum Amnesty die Prostitution entkriminalisieren will
https://www.amnesty.ch/de/themen/frauenrechte/dok/2015/warum-amnesty-die-prostitution-entkriminalisieren-will

Position von Amnesty International bezüglich der Verpflichtung von Staaten, die Menschenrechte von Sexarbeiter_innen zu achten, zu schützen und zu gewährleisten
https://www.amnesty.de/sites/default/files/downloads/Amnesty-Position-zum-Schutz-der-Menschenrechte-von-Sexarbeiterinnen-und-Sexarbeitern-Mai2016.pdf

The Real Impact of the Swedish Model on Sex Workers (Global Network of Sex Work Projects, 2015) → https://www.nswp.org/sites/nswp.org/files/Swedish%20Model%20Advocacy%20Toolkit%20Community%20Guide%2C%20NSWP%20-%20November%202015.pdf

Position von Amnesty International bezüglich der Verpflichtung von Staaten, die Menschenrechte von Sexarbeiter_innen zu achten, zu schützen und zu gewährleisten → https://www.amnesty.de/sites/default/files/downloads/Amnesty-Position-zum-Schutz-der-Menschenrechte-von-Sexarbeiterinnen-und-Sexarbeitern-Mai2016.pdf


Bestehende Gesetze

Unter Strafe stehen bereits:

§232a StGB – Zwangsprostitution/Menschenhandel z. Zweck d. sexuell. Ausbeutung

§96 AufenthaltG – Schleusung

§181a StGB – Zuhälterei

§177 StGB – Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung

§180a StGB – Ausbeutung von Prostituierten

§323a StGB – Unterlassene Hilfeleistung

Falsch ist die pauschale Annahme, Sexarbeitende dürften keine Kund*innen ablehnen. Dies mag in Einzelfällen vorkommen. Fakt ist jedoch, dass eine professionelle Dienstleister*in mit einer sehr großen Bandbreite an Kund*innen zurecht kommt. Dies ist vergleichbar mit anderen Dienstleistungsberufen.

Wie in jedem Dienstleistungsberuf gibt es Kund*innen, die als angenehm empfunden werden und solche, die als weniger angenehm empfunden werden.

Zwang und Ausbeutung gilt es zu beseitigen

Das Organisationsbüro Strafverteidigungen schreibt hierzu:

„Nicht die Ausbeutung von Sexarbeiterinnen, die zu sexuellen Handlungen gezwungen werden, wird erfasst; diese ist ja ohnehin längst strafbar. (…) So wird die vorderhand so naheliegende Freierbestrafung vor allem als symbolisches Strafrecht Wirkung entfalten. Ohne tatsächlich Sexarbeiterinnen vor Zwang und Ausbeutung zu schützen, wird der gesamte Bereich bezahlter sexueller Dienstleistungen zurückgedrängt in die Sphäre des Illegalen.“

„In der Illegalität und in der Grauzone zwischen Erlaubtem und Verbotenem sind die Arbeitsbedingungen von Sexarbeiterinnen am schlechtesten. Wo immer sie gezwungen sind, ihre Dienstleistungen im Verborgenen zu erbringen, steigt das gesundheitliche Risiko und die Gefahr, Opfer von Gewalttaten zu werden. Dies ist – auch angesichts der vorhandenen Zahlen zum Sexarbeitsmarkt – nicht zu rechtfertigen.“


Mitteilung des Organisationsbüros der Strafverteidigervereinigungen zur angekündigten Reform des Prostitutionsrechts durch die Große Koalition (PM Organisationsbüro Strafverteidigungen, 2013)
https://www.strafverteidigertag.de/Material/Pressemitteilungen/prostitution_dez2013.htm


Arbeitsmigration

Vor allem bei migrantischen Sexarbeitenden, die immerhin einen Großteil der in der Sexarbeit tätigen Menschen bilden, kommt einiges zusammen: Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Prekarität aufgrund ihres Migrationsstatus, mangelnder Zugang zu Gesundheits- und anderen Diensten, Anfälligkeit für Ausbeutung und Gewalt sowie für das Risiko von Inhaftierungen und Abschiebungen.

Aus dem von TAMPEP 1) verfassten Positionspapier  mit Handlungsempfehlungen zur Förderung der Rechte von migrantischen Sexarbeiter*innen und zur Bekämpfung des Menschenhandels:

  • Opfer von Menschenhandel sollten nicht als Zeug*innen ausgebeutet werden.
  • Regierungen sollten die Bekämpfung der Armut von Frauen, die Förderung der Bildung von Mädchen und den Schutz von Frauenrechten im Rahmen einer globalen Strategie zur Bekämpfung des Menschenhandels einbetten.
  • Sexarbeit und Zwangsprostitution sollten als zwei voneinander getrennte Phänomene betrachtet werden. Gesetze zur Bekämpfung des Menschenhandels dürfen nicht dazu verwendet werden, Sexarbeitende – insbesondere ausländische – anzugreifen und ihre Rechte zu beschränken.
  • Die Realität von (Arbeits-)Migration ist anzuerkennen, auch wenn es sich um Sexarbeit handelt. Gesetze und Strategien, die Migration und Sexarbeit kriminalisieren, sollten aufgehoben werden. Um die Unabhängigkeit von migrantischen Sexarbeiter*innen zu erhöhen und deren Ausbeutung zu verhindern, sollte die Möglichkeit geboten werden, Aufenthaltserlaubnis sowie Arbeitserlaubnis zu erlangen.
  • Eine klare Trennung zwischen der Durchsetzung der Einwanderungspolitik und der Bereitstellung von wesentlichen Versorgungsleistungen sollte vorgenommen werden. Solange Einwanderungsregeln mehr Gewicht haben als Grundrechte, sind Arbeitsmigrant*innen ohne legalen Aufenthaltsstatus von grundlegenden Leistungen, der Meldung von Straftaten und von Rechtsbeistand abgeschnitten.
  • Restriktive Einwanderungsgesetze und Anti-Prostitutionsgesetze sollten als wesentliche Faktoren in der Förderung von Menschenhandel und damit zusammenhängenden Missbrauch erkannt werden.

1) Positionspapier von TAMPEP mit Handlungsempfehlungen zur Förderung der Rechte von migrantischen Sexarbeiter*innen und zur Bekämpfung des Menschenhandels (Präsentation fand vor der UN-Frauenkonvention (CEDAW) im Rahmen einer von den Vereinten Nationen für Menschenrechte organisierten Diskussion statt, 2019)
https://tampep.eu/wp-content/uploads/2019/02/TAMPEP-Position-paper-CEDAW-2019.pdf


Umstiegsunterstützung

Das „nordische Modell“ hebt die begleitenden Maßnahmen in Form von „Ausstiegshilfen“ stark hervor. Auch unser Verband hält Maßnahmen in dem Bereich für sehr wichtig. Aufgrund der hohen Stigmatisierung und der besonderen Bedingungen in der Sexarbeit, ist ein Wechsel in andere Berufstätigkeiten sehr erschwert.

Wir weisen jedoch darauf hin, dass es einerseits einen großen Anteil an Sexarbeitenden gibt, die diese Tätigkeit nicht als Belastung empfinden, und dass es andererseits auch Sexarbeitende gibt, die ohne Probleme in andere Berufe wechseln.

Bei den Umstiegsprojekten, beziehen wir uns auf das sehr umfangreiche, mehrjährige Bundesmodellprojekt des BMFSFJ 1), welches laut Aussagen des Bundesministeriums in 2021 wieder aufgenommen werden soll.

Hierbei wurden drei Standorte in Deutschland ausgewählt, die in Größe und Prostitutionslandschaft sehr unterschiedlich sind und somit als repräsentativ für Restdeutschland gelten können.

Nachgewiesen wurde, dass eine Beendigung der Sexarbeit oft gar nicht gewünscht wird. In den Fällen, in denen eine berufliche Veränderung angestrebt wurde, gestaltete sich dies zum Teil schwierig aber nicht unmöglich. Die Probleme, Chancen und Möglichkeiten werden im Abschlussbericht sehr anschaulich dargestellt.

Bereits zu Zeiten des Prostitutionsgesetzes war bekannt:

„Für die Einschätzung des Entschlusses, in der Prostitution zu arbeiten, sind der Handlungs- und Entscheidungsspielraum, über den Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter verfügen, um Arbeitsbedingungen und Arbeitsverhältnisse selbst zu bestimmen, ausschlaggebend: Während für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter, denen mehrere Optionen des Gelderwerbs beziehungsweise der Berufstätigkeit offen stehen, anzunehmen ist, dass sie in der Lage sind, selbstbewusst für ihre Rechte einzutreten, sind diese Möglichkeiten für andere eingeschränkt. Wer dringend auf den Verdienst angewiesen ist und keine andere Erwerbsquelle findet oder nutzen kann, kann wenig wählerisch sein.“1)

Unser Verband unterstützt Umstiegshilfen für Sexarbeiter*innen, die einen Jobwechsel wünschen. Wir halten eine Weiterführung der drei oben genannten Projekte und die Ausweitung auf weitere Standorte für sehr wichtig.

Die Umsetzung der Exit-Programme für den Ausstieg von Sexworkern in Ländern, in denen ein Sexkaufverbot gilt, sehen wir kritisch.

In Schweden dürfen Sexarbeitende beispielsweise nur dann an den Austrittsprogrammen teilnehmen, wenn sie sofort mit der Sexarbeit aufhören. Dies ist aber oft aus finanziellen Gründen nicht möglich.

In Frankreich wurden diese EXIT-Programme nur sehr begrenzt von Sexarbeitenden in Anspruch genommen. Die Zahlen sprechen von wenigen 100 teilnehmenden Sexarbeitenden.


1) Unterstützung des Ausstiegs aus der Prostitution (Bundesmodellprojekt des BMFSFJ, 2015)
https://www.bmfsfj.de/blob/95446/b1f0b6af91ed2ddf0545d1cf0e68bd5e/unterstuetzung-des-ausstiegs-aus-der-prostitution-langfassung-data.pdf

Zehn Jahre Prostitutionsgesetz und die Kontroverse um die Auswirkungen (Artikel; Bundeszentrale für politische Bildung, 2013) → https://www.bpb.de/apuz/155364/zehn-jahre-prostitutionsgesetz-und-die-kontroverse-um-die-auswirkungen?p=all


Unsere Lösungsansätze

 

ProstSchG

  • Die Zeit bis zu einer umfassenden Evaluierung des ProstSchG sollte genutzt werden, um so bald wie möglich eine Sexarbeitende inkludierende Expert*innen-Gruppe zusammenzustellen, die an zielführenden Alternativen zum ProstSchG arbeitet.

Beratungsstellen

  • Vermehrte finanzielle Unterstützung von anonymen und niedrigschwelligen Beratungsstellen. Konkret sollte in OWL die Beratungsstelle Tamar (Soest) und Theodora (Herford) aus Landesmitteln getragen werden.

Medizinische Versorgung/Krankenversicherung

  • kostenlose Untersuchungen und Behandlungen (insbesondere für Sexarbeitende ohne Krankenversicherung) in den Gesundheitsämtern, sowie eine Sensibilisierung für die besonderen Anforderungen von Sexarbeitenden – hier gibt es große regionale Unterschiede in NRW
  • Zugang zur Künstler-Sozial-Kasse

Empowernment/Entstigmatisierung

  • Aufbau eines niedrigschwelligen Ausbildungs- und Fortbildungssystem für Sexarbeitende – berufsbegleitend und freiwillig
  • Stärkung von Sexwork-Organisationen, die auf Peer-to-Peer-Basis helfen können
  • Aufnahme von Sexarbeit ins Allgemeine Gleichbehandlungs-Gesetz

Arbeitsmigration

  • Achtung und Schutz der Menschenrechte von migrantischen Sexarbeiter*innen – es ist an der Zeit anzuerkennen, dass Migrant*innen ein integraler Bestandteil des Arbeitsmarktes sind. Aufgrund von Sprachbarrieren, dem Mangel an Fachkenntnissen oder fehlender Arbeitserlaubnis ist Sexarbeit für viele von ihnen eine pragmatische Lösung, um für ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien aufzukommen.
  • Möglichkeit eines Arbeitsvisums für migrantische Sexarbeitende
  • Bleiberecht für Opfer von Menschenhandel


Download als pdf: Stellungnahme des BesD zum Antrag “Nein! Zum Sexkaufverbot des Nordischen Modells” in NRW

Kontakt:

NRW:
Nicole Schulze 
Mail: nicole@besd-ev.de
Tel: 0157-83518081 

Politik:
Johanna Weber
Mail: johanna@besd-ev.de
Tel.: 0151 – 1751 9771

ENGLISH TEXT AND AUDIO BELOW


Beitrag vorlesen lassen:

Darum gehts:

  • Die “Querdenken”-Demos in Deutschland sorgen für Streit und Unsicherheit, auch innerhalb unseres Verbandes wurde viel darüber diskutiert.
  • Ein Drittel der “Querdenker” sind Rechtsextreme, Holocaustleugner*innen und Menschen, die die Regierung abschaffen wollen. Sie nützen diese Bewegung, um ihre anti-demokratischen Ziele salonfähig zu machen.
  • Sexarbeiter*innen werden besonders oft diskriminiert und gehören Minderheiten an. Der BesD lehnt alle anti-demokratischen, rassistischen und diskriminierenden Haltungen ab.
  • Der Berufsverband distanziert sich aus diesem Grund klar von der “Querdenken”-Bewegung und ihren Wortführern und Wortführerinnen.

Querdenken-Bewegung: Positionierung des BesD e.V.

Die sogenannte „Querdenken“-Bewegung sorgt in Deutschland aktuell sowohl in der öffentlichen Diskussion aber auch innerhalb beruflicher und privater Bereiche für hitzige Auseinandersetzungen, Unmut und Fassungslosigkeit.

Die Zusammenhänge sind nicht immer für jede*n ersichtlich. Auch in unserem Verband gab es dazu intensive und wertvolle Recherche-Arbeit, sowie ausführliche, teils emotionale Diskussionen in der Mitgliederschaft und im Vorstand. Wir sind dankbar dafür, dass aufgrund der Aufklärungsarbeit gut informierter Mitglieder  – vor allem aus der AG Antidiskriminierung & Awareness – die Notwendigkeit einer öffentlichen Positionierung deutlich gemacht wurde.

Als Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen distanzieren wir uns klar von der Querdenken-Bewegung und ihren Wortführer*innen. Dies heißt ausdrücklich nicht, dass Maßnahmen der Regierung in Bezug auf Corona nicht kritisch hinterfragt werden sollen oder dürfen. Doch der Berufsverband vertritt eine Branche, deren Mitglieder besonders häufig von Diskriminierung und Marginalisierung betroffen sind. Die Mitglieder des BesD e.V. sehen sich daher in der Pflicht, dafür Sorge zu tragen, dass entsprechenden Haltungen entschlossen entgegengetreten wird.

Die Querdenken-Bewegung zeichnet sich dadurch aus, dass sich darin sowohl Impfgegner*innen, Reichsbürger*innen, Neonazis, als auch Vertreter*innen der sogenannten bürgerlichen Mitte auf gemeinsamen Demos und mit gemeinsamen Zielen wiederfinden – trotz der Zugehörigkeit zu sich vollkommen widersprechenden politischen Lagern oder auch ganz ohne jegliche politische Zugehörigkeit.

Ihre Vertreter*innen setzen sich mindestens kritisch, teils vollkommen ablehnend mit der Corona-Politik Deutschlands auseinander, sehen ihre Grundrechte durch die Corona-Maßnahmen unverhältnismäßig eingeschränkt, befürchten teils ein Ende der Demokratie und befürworten teils gar einen Sturz der derzeitigen Regierung.

Nicht nur in unserem Verband fragen sich viele wie es sein kann, dass Menschen, die vormals oder sogar gleichzeitig linke, ökologische oder antirassistische Politik betreiben, Teil einer Bewegung sind, die laut Analysen der Innenministerkonferenz zu rund einem Drittel aus Rechtsextremist*innen und Antisemit*innen besteht und allerorts nachvollziehbare Verbindungen zu verfassungsfeindlichen und rechtsextremen Gruppen aufweist.

Die Antwort liegt im kleinsten gemeinsamen Nenner: Wortführer*innen sowie Demo-Teilnehmer*innen der Querdenken-Bewegung finden unter dem gemeinsamen (aber unterschiedlich stark ausgeprägten) Glauben an (unterschiedliche) nationale und internationale Verschwörungserzählungen rund um die Corona-Pandemie zueinander. Verschwörungserzählungen bauen generell auf Feindbildern auf, und oft finden sich darin zuhauf antisemitische, demokratiefeindliche und/oder rassistische Haltungen wieder.

Wir stehen gemeinsam auf der Seite aller Sexworker, die sich in diesen Zeiten solidarisch verhalten und bei der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe der Bekämpfung der Corona-Pandemie mithelfen. Jede*r kann sich infizieren – unsere Kundinnen und Kunden jeden Alters, genauso wie wir selbst. Wir setzen uns dafür ein, dass alle Sexarbeitenden, die dies wollen, unabhängig vom Status ihrer Krankenversicherung oder ihres Aufenthalts in Deutschland, gleichberechtigt eine Impfung erhalten.

Wir sind uns der Aufgabe, problematische Tendenzen in der Gesellschaft und in unserem Verband immer wieder zu reflektieren, bewusst und setzen diese Arbeit daher auch weiter fort. Der Solidarität und der Demokratie entgegenstehende Ansichten sowie jegliche rechtsextremistische, antisemitische, rassistische, ableistische oder ageistische Haltungen haben in unserem Berufsverband keinen Platz.


Listen to this text:

About: 

  • The “Querdenken” demonstrations in Germany are causing conflicts and uncertainty, there has been much discussion also within our organisation about it.
  • One third of the “Querdenker” are right-wing extremists, Holocaust deniers and people who want to remove the government. They use this movement to make their anti-democratic goals acceptable to more people.
  • Sex workers are particularly often discriminated against and belong to minorities. Our organisation rejects all anti-democratic, racist and discriminatory positions.
  • For this reason, we clearly distance ourselves from the “Querdenken”-movement and its spokesmen and spokeswomen.

Statement of the Professional Association for Erotic and Sexual Services / BesD: Concerning Our Position Towards the „Querdenken“-Movement

The Querdenken-Movement can be translated as “Movement for Unconventional Thinking“ or „Movement for Thinking Outside the Box“. Its messages and activities are currently causing heated arguments, irritation and dismay in Germany – both in public discussions and within professional and private spaces.

​​​​​​​The contexts in which the movement operates are not necessarily obvious to everyone. Our organisation is one among many places, where extensive and sometimes emotional discussions have taken place among the membership and the board. We are grateful that the persistence and educational work of well informed members – especially from among our Antidiscrimination & Awareness Team – showed the necessity and importance of a public statement from us as a group.

As the Professional Association for Erotic and Sexual Services, we clearly distance ourselves from the Querdenken-movement and its spokespersons. This explicitly does not mean that the government’s actions regarding Corona should not or must not be critically questioned. But our organisation represents an industry whose members are particularly often affected by discrimination and marginalization. Our members therefore see it as their duty to ensure that any such attitudes are firmly opposed by us.

The Querdenken-movement is characterized by the fact that anti-vaxxers, „Reich Citizens“, neo-Nazis, as well as the average Joe are coming together in joint demonstrations and are forming common goals – despite belonging to completely contradictory political camps or having no political affiliation.

Participants are at the very least critical of Germany’s Corona strategy or are in some cases completely opposed to it. Some believe their basic human rights are unfairly restricted by the Corona measures, some fear an end to democracy alltogether and some even call for an overthrow of the current government.

Many are puzzled by the fact that also people who formerly or currently pursue left-wing, ecological or anti-racist causes are taking part in this movement. According to analysis by the Ministry of the Interior, it consists of about one third right-wing extremists and anti-semites and has obvious connections to anti-constitutional and right-wing extremist groups.

An explanation can be found in the lowest common denominator: Spokespersons as well as demo participants of the Querdenken movement come together due to a joint (but differently intense) belief in (various) national and international conspiracy narratives around the Corona pandemic.

Conspiracy narratives are generally constructed around images of „enemies“ – anti-semitic, anti-democratic, and/or racist attitudes are found in great numbers within those narratives.

We commend all sex workers who show solidarity in these times and are helping with the society-wide task of fighting the Corona pandemic. Anyone can be infected – our clients of all ages, as well as ourselves. We are committed to ensuring that all sex workers who wish to receive a vaccination will be able to receive it – regardless of their health insurance status or residence status in Germany.

We are acutely aware of the necessity to reflect problematic tendencies in both society as well as inside the BesD and we are committed to continue in this line of work. Views which oppose or contrast solidarity and democracy, as well as any right-wing extremist, anti-semitic, racist, ableist or ageist attitudes have no place in our organisation.

Trotz Corona-Flaute zeigte sich in den Reaktionen auf unseren Nothilfe Fonds jede Menge Solidarität mit den Nöten und Ansinnen von Sexarbeiter*innen in Deutschland.

Neben jungen Portalen wie NOIZZ  und Szene-Publikationen wie dem BOX Magazin (S.18+19) oder der siegessäule, berichteten Stadt-Zeitungen wie die MOPO oder die Berliner Zeitung, aber auch landesweite Publikationen wie Handelsblatt, faz, BILD, das Hamburger Abendblatt, taz, ZEIT und Stern, und große Sender wie RTL, NTV und MDR  über den Nothilfe Fonds des BesD.

In Zeiten, wo Sexwork-Gegner*innen städtische Gelder beantragen, um das Schwedische Modell in Deutschland durchzusetzen, freuen wir uns besonders, dass die Anliegen von Sexarbeitenden ein so großes Gehör in Medien und Öffentlichkeit finden.

Gerade in unserer Branche gibt es viele Gruppen, die besonders schutzbedürftig sind – zum Beispiel weil sie kaum Deutsch sprechen, sich nicht anmelden können oder einfach keine alternativen Arbeitsmöglichkeiten haben. Oft betrifft das Migrant*innen, alleinerziehende Mütter, Rom*nja, queere und Trans- Personen, People of Color, von Armut betroffene oder verschuldete Personen, suchtkranke Menschen oder wohnungs- oder obdachlose Personen. Sie können sich einen Arbeitsausfall am wenigsten leisten und müssen illegal weiter arbeiten – denn sie fallen in vielen, vielen Fällen durch die Maschen des staatlichen Hilfesystems.

Für genau diese Notlagen hat der BesD schon zu Beginn der Krise den Nothilfe Fonds organisiert und begonnen, Spenden zu sammeln. An über 400 besonders bedürftige Sexworker konnten wir rund 126.000 Euro auszahlen, insbesondere ging es dabei um Geld für Lebensmittel, Medikamente und Notunterkünfte. Das Geld ist alle, aber die Krise dauert an – hunderte Anträge warten in der Schublade.

Zur Weihnachtszeit hat sich der Verband deshalb eine besondere Aktion einfallen lassen. Unter allen Spender*innen, die in der Zeit vom 1. bis zu 24. Dezember eine Spende für den Nothilfe Fonds in Höhe von mindestens 50€ überweisen und uns ihre Emailadresse zukommen lassen, verlosen wir am 24. Dezember zehn exklusive, gedruckte BesD-Kalender für 2021 – mit schönen, sexy und teils privaten Fotos, die Kolleg*innen aus dem BesD kostenfrei zur Verfügung gestellt haben.


Wir bedanken uns bei diesen Medien, die unseren Aufruf publiziert haben: (Edit: Artikel kommen und gehen leider sehr schnell in Netz – nicht mehr funktionierende Links haben wir entfernt, und in diesem Fall nur das Medium genannt):


 

Liebe Kolleg*innen, Kund*innen, Unterstützer*innen!

Die diesjährige Vorweihnachtszeit ist anders als alle, die wir bisher erlebt haben. Kein Bummeln und Glühweintrinken auf Weihnachtsmärkten, keine Weihnachtsfeiern im Restaurant, keine großen Runden mit Kaffee und Keksen. Und, was uns Sexarbeitenden besonders schwer auf die Weihnachtsstimmung drückt: Leider herrscht schon wieder (und noch immer) Arbeitsverbot aufgrund des Lockdowns.

Gerade in unserer Branche gibt es viele Menschen, die sich einen Arbeitsausfall einfach nicht leisten können und illegal weiter arbeiten müssen – denn sie fallen in vielen, vielen Fällen durch die Maschen des staatlichen Hilfesystems. Für genau diese Notlagen hat der BesD schon zu Beginn der Krise den Nothilfe Fonds organisiert und begonnen, Spenden zu sammeln. Hier liest du mehr zum Nothilfe Fonds und hier den bisherigen Spendenberichts des Fonds.

Zur Weihnachtszeit und anlässlich des neuen Jahres, haben wir uns deshalb eine besondere Aktion einfallen lassen – die BesD Kalender-Verlosung. Unter allen Spender*innen, die in der Zeit vom 1. bis zu 24. Dezember eine Spende für den Nothilfe Fonds in Höhe von mindestens 50€ überweisen und uns ihre Emailadresse zukommen lassen, verlosen wir am 24. Dezember zehn exklusive, gedruckte BesD-Kalender für 2021 – mit schönen, sexy und teils privaten Fotos, die Kolleg*innen aus dem BesD kostenfrei zur Verfügung gestellt haben.

Und so funktioniert’s:

Schritt 1: Du kannst die Überweisung sowohl per Paypal als auch per Bankkonto tätigen.

—> Überweisung per Paypal
—> Überweisung per Bankkonto:
BESD E.V.
IBAN: DE49100500000190290862
BIC: BELADEBEXXX
LANDESBANK BERLIN – BERLINER SPARKASSE

Schritt 2: Ab einer Spendenhöhe von 50 Euro zugunsten des Nothilfe-Fonds, kannst du an der BesD-Kalender-Verlosung teilnehmen. Bitte gib in diesem Fall den Verwendungszweck / Betreff „Nothilfe Fonds Verlosung“ an.

Schritt 3: Bitte schicke uns eine E-Mail an tamara@besd-ev.de mit dem Betreff „Verlosung“. Bitte verwende dafür eine E-Mail-Adresse, die wir wiederum nützen dürfen, um dich ab 24.12. über das Ergebnis der Verlosung zu informieren.

Eh klar: Falls du helfen willst und kannst ist das immer großartig, natürlich auch falls  50 Euro nicht im Bereich des für dich Möglichen liegen, oder falls du schon genug Kalender im Haus hast ;-). Jeder Euro zählt. Damit deine Spende dem Nothilfe-Fonds zugerechnet wird, gib bitte den Verwendungszweck „Nothilfe Fonds“ in deiner Überweisung an.

Wir wünschen euch eine – trotz allem – wunderbare Vorweihnachtszeit, jede Menge Quarantäne-Keks-Orgien und natürlich gute Gesundheit!
Euer BesD-Team

Der erneute Lockdown trifft gerade die am härtesten, die auch zuvor schon täglich um ihre Existenz gebangt haben. Gerade die Sexarbeit verzeichnet eine sehr hohe Quote an Menschen, die von der Hand in den Mund leben.

Diesen Menschen ist es bisher gelungen, durch Sexarbeit für sich selbst zu sorgen.
Genau sie fallen oft durch die Maschen des staatlichen Versorgungs-Netzes durch.

Beim ersten Lockdown sprang der zu diesem Anlass gegründete Nothilfe-Fonds des BesD1) ein. Über 150.000 Euro wurden schnell und unbürokratisch an Bedürftige ausgezahlt. Der Topf ist nun leer, und so sind die betroffenen Personen gezwungen, illegal weiter zu arbeiten.

Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) bestätigt unsere Sorge: “Wir wissen von unseren Mitarbeiterinnen, die Frauen in der Prostitution beraten und unterstützen: Die Schließung der Bordellbetriebe und das Verbot dieser Tätigkeit in der Pandemie ist für die meisten Prostituierten eine Katastrophe”, macht die SkF Bundesvorsitzende Hildegard Eckert deutlich.
Die aktuelle Pressemitteilung2) des Sozialdienstes beschreibt auf sehr eindringliche Art die aktuellen Probleme in der Sexarbeit und bietet Lösungsansätze.

Sexarbeitende mit Wohnsitz in Deutschland und Steuernummer gelten als Soloselbstständige und können genau wie andere Branchen nun Coronahilfen beantragen. Ein erster Schritt in Richtung Normalität für die Sexarbeitsbranche, leider bleiben dabei viele Kolleg*innen auf der Strecke.

Simone Heneka (Beratungsstelle PINK, Freiburg): „Für uns als Beratungsstelle ist die Arbeit durch das erneute Verbot fast unmöglich geworden, weil sich alles ins „Private“ verlagert. Die Frauen trauen sich nicht mehr, Beratungsstellen aufzusuchen.“

Sexarbeitende mit Migrationshintergründen gehören oft zu den vulnerablen Gruppen, die keine Ansprüche auf staatliche Hilfen haben. Dies zeigt sich auch auf dem männlichen Straßenstrich in Essen. Seit dem Arbeitsverbot ist die Zahl der Männer sogar gestiegen – so die Beobachtungen der Beratungsstelle Nachtfalke. Die Nachfrage sinkt, und so muss man länger und öfter auf der Straße stehen, weil kaum Verdienst möglich ist.

Sandra Kamitz von Bufas (Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter) sagt hierzu: „Menschen in prekären Lebenssituationen sind grundsätzlich sehr anpassungsfähig und existenzbedrohende Ausnahmesituationen zwingen diese Menschen oftmals in kriminelle Strukturen.“

Der Sozialdienst katholischer Frauen bringt die Situation perfekt auf den Punkt:
Diese Situation macht deutlich, dass das aktuell wieder diskutierte “Sexkaufverbot” keine Alternative ist. Verbote nutzen weder Frauen, die freiwillig in der Prostitution arbeiten, noch denen, die Zwang und Gewalt ausgeliefert sind. Gerade für diese Gruppe würde ein Sexkaufverbot bedeuten, illegal und in größter Unsicherheit arbeiten zu müssen.“2)

Auch der BesD weist drauf hin, dass das Arbeitsverbot durch Corona nicht von der Politik missbraucht werden darf, um durch die Hintertür ein Sexkaufverbot einzuführen oder die komplette Branche zu verbieten.

Es ist eine Schande, dass in der Politik immer vom Schutz der „Prostituierten“ geredet wird, denn in einer wirklich problematischen Situation werden genau diese alleine gelassen,“ erbost sich Johanna Weber, Finanzvorstand des BesD.

So musste der Berufsverband einen Nothilfefonds einrichten, was eigentlich die Aufgabe des Staates wäre. Unser Fonds ist auf Spenden angewiesen, und wir freuen uns auch über staatliche Gelder. Unser Verteilungsverfahren hat sich sehr bewährt und erfolgt gemeinsam mit bundesweiten Beratungsstellen.

Eine Auflistung der weiteren Forderungen des BesD finden sich hier -> https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2020/11/11/sexarbeit-waehrend-corona-die-politischen-positionen-und-forderungen-des-berufsverbands/


1) Nothilfefonds des BesD – Wer bekommt Geld? Verteilungskriterien? Hier spenden -> https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/wissen/besdnotfallfonds/

2) Pressemitteilung des SkF -> https://www.skf-zentrale.de/aktuelles/presse/sozialdienst-katholischer-frauen-spricht-sich-gegen-ein-prostitutionsverbot-aus–betroffene-frauen-b

For English version, please click here. 

Hallo zusammen!

Nach großen Demos in Berlin, Köln, Hamburg, Stuttgart und Düsseldorf, wo Sexarbeiter*Innen in den letzten Monaten gegen das unverhältnismäßig lang andauernde Arbeitsverbot protestierten lenkte ein Großteil der Bundesländer ein und ließ die Bordelle wieder öffnen. Zu diesem Zeitpunkt dauerte die erzwungene Arbeitslosigkeit für viele in der Branche bereits über ein halbes Jahr an.

Nun kam es Anfang des Monats aus Gründen des Infektionsschutzes zum zweiten Komplett-Lockdown dieses Jahres – und die kleinen, aber schwer erkämpften Erfolge sind erstmal wieder dahin. Wie hart das Sexarbeitende trifft, hat YouTuberin Josefa Nereus gut in Worte gefasst.

Also keine Verschnaufpause für Sexarbeiter*Innen in Sicht – denn leider ist damit zu rechnen, dass sich mit Beginn erneuter Lockerung das Spiel um die Rechte auf Gleichbehandlung mit anderen körpernahen Branchen wiederholt und der Kampf gegen die schon lauernden Verfechter*Innen des Schwedischen Modells in die Fortsetzung geht. Hier liest du das Statement unserer politischen Sprecherin: Gemeinsam schließen muss auch gemeinsam wieder öffnen heißen!

Mehr über den Stand der Dinge für Sexworker und über die Verbandsarbeit erfährst du im aktuellen Newsletter.

Herzlichst,

Dein BesD-Team


#Support – Sexarbeitende in Not brauchen deine Unterstützung

Mithilfe der Spenden an den BesD Nothilfe Fonds konnten wir über 125.000 Euro an Sexarbeitende auszahlen, die keinen Anspruch auf staatliche oder andere Hilfsangebote haben. Insbesondere ging es dabei um Geld für Lebensmittel, Medikamente und Notunterkünfte.

Das Geld  ist alle, aber die Krise dauert an – hunderte Anträge warten in der Schublade. Wir sind für jeden Euro dankbar. Neben privaten Spender*innen suchen wir deshalb geeignete Ansprechpartner*innen z.B. von Stiftungen, die weiterhelfen könnten und wollen. Im Bericht “Ein Tropfen auf den heißen Stein” liest du mehr.

Um auch weiterhin die Rechte von Sexarbeitenden stärken zu können und Aktionen wie den Nothilfe Fonds überhaupt möglich zu machen, suchen wir darüber hinaus auch als Verband stetig nach Verbündeten, die bereit sind uns finanziell den Rücken zu stärken. 


#Termine

•  17.11. | Online | Auftaktveranstaltung Roter Stöckelschuh
Das Modellprojekt Roter Stöckelschuh veranstaltet einen ersten Austausch zum Thema “Sexarbeiter*innen in der ärztlichen Praxis”. Weitere Informationen zu der Veranstaltung und zum Projekt erhältst du hier.

• 20.11. | Online | Digitalisierung und Sexarbeit
Die Gesellschaft für Sexarbeits- und Prostitutionsforschung thematisiert die digitale Entwicklung neuer Formen und Möglichkeiten der Sexarbeit – mit dabei sind unter anderem Keynote-Speakerin MF Akynos vom Black Sex Worker Collective, Fabienne Freymadl vom Podcast Whoroscope, und das Berlin Strippers CollectiveHier liest du mehr zur Anmeldung.

• 29.11. | Online | Lesung und Gespräch mit Undine de Rivière
Mit ihrem Buch “Mein Huren-Manifest” lieferte die erfahrene Aktivistin und Sexarbeiterin Undine einen wichtigen Insiderbericht inklusive starkem Appell für die Entkriminalisierung – zur Lesung freut sie sich auf viele Fragen und eine lebhafte Diskussion. Die Veranstaltung ist kostenlos und für alle offen – Teilnehmer*Innen, denen es möglich ist, bittet Undine um eine Spende an den BerufsverbandHier geht es zur Einladung und Anmeldung.


#Wissenswertes

Status Quo in der Sexarbeit: Wie bereits seit Beginn der Krise im März, finden Sexarbeitende auf einem eigenen Corona-Wissensbereich auf unserer Website einen Überblick über alle derzeit geltenden Regelungen, sowie eine Übersicht zu den verschiedenen Hilfen. Die aktuellen Infos zu Ausgleichzahlungen aufgrund des 2. Lockdowns liest du hier! 

• Save the Date – 17./18./19. November: Social Media Kampagne – Wir brauchen Corona-Hilfe für Sexworker weltweit!
International leiden Sexarbeitende finanzielle Not und sind leider oft von der dringend benötigten Unterstützung ihrer Staaten ausgeschlossen. Macht mit und nutzt zwischen dem 17 bis 19.11 die Hashtags #nobodyleftoutside #covid19 #swrights um auf diese Zustände aufmerksam zu machen! Falls ihr Fragen habt, wendet euch bitte an die Organisatorin der Kampagne, Susanne Bleier-Wilp unter international@besd-ev.de.

 


#Lobbyhuren

•   Wissensaustausch in sicherem Raum für Sexarbeitende: Die BesD-Workshops funktionieren nach dem Prinzip “Sexworker informieren andere Sexworker” und kommen bisher super an – hier siehst du, was bisher schon an Veranstaltungen stattgefunden hat.

•  Mehr Mitglieder: Seit Monaten kann sich der BesD über wachsende Mitgliederzahlen freuen – mit mittlerweile mehr als 500 Mitgliedern bildet der 2013 gegründete Verband den größten Sexworkerverbund seiner Art in Europa.

• Für Gerechtigkeit in der Corona-Krise: Schon im ersten Lockdown haben wir erfolgreich dafür gekämpft, dass das Übernachtungsverbot in Prostitutionsstätten für die Corona-Zeit aufgehoben wurde und die drakonischen Bußgelder für Verstöße gegen die Corona-Verordnung seitens Sexarbeiter*Innen drastisch gesenkt wurden. Diese Erleichterungen bestehen im zweiten Lockdown weiter.


Neues aus unserem Blog

Sex Worker Pride Day – worauf wir dieses Jahr besonders stolz sind
Mehr Diversität: Seit Anfang dieses Jahres ist der BesD so breit und stark aufgestellt wie noch nie. Der Vorstand wurde von drei auf fünf Personen aufgestockt, unter anderem mit der ehemaligen Sexarbeiterin Susanne Bleier-Wilp und der Straßensexarbeiterin Nicole Schulze.

Mehr…

Diversität und Awareness: Gedanken zu Rassismus und anderen Diskriminierungen
Wir als Sexarbeiter*innen kennen uns aus mit Diskriminierungen. Andere Menschen reden schlecht über unseren Job und teilweise trauen wir uns auch nicht offen zu sagen, dass wir Sexarbeit machen.

 

 

Mehr…

Selbstbestimmte Arbeit oder erzwungene Plackerei: So freiwillig ist Sexarbeit wirklich
Von Prostitution wird erwartet, was kein anderer Job leisten kann: zwanglos und selbstbestimmt zu sein. Bei keinem Job wird die Frage nach der Freiwilligkeit so hitzig diskutiert wie bei der Sexarbeit.

 

 

Mehr…


#Medienspiegel

Klick 🙂 – Hier geht’s zu allen aktuellen Beiträgen und den Schlagzeilen des Monats rund um das Thema Sexarbeit.


Mach mit bei “Meet a Sexworker Online”.

Ab einer Mindestsumme von 150 Euro zugunsten des BesD kannst Du an unserer „Meet a Sexworker“-Aktion teilnehmen und erhältst die Gelegenheit, eine Sexarbeiterin privat und „außerhalb der Arbeitszeit“ im Rahmen eines 60-minütigen Online-Treffens kennenzulernen.

Je nachdem wie es Dir besser passt, können wir uns im Text-Chat, oder vor der Webcam treffen. Die perfekte Gelegenheit um im Home Office zu prokrastinieren – und das auch noch für einen guten Zweck!

Unterstütze uns mit Deiner Spende.

Der absolute Großteil der Arbeit des BesD wird von ehrenamtlichen Helfer*innen in ihrer Freizeit geleistet.

Um auch weiterhin die Rechte von Sexarbeitenden zu stärken, bewerben wir uns als Verein um Fördergelder und suchen stetig nach Verbündeten, die bereit sind uns finanziell den Rücken zu stärken.

Du kannst die Arbeit des Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen sowohl mit einer einmaligen als auch einer regelmäßigen Spende unterstützen:

Kontoverbindung des BesD e.V.

IBAN:DE49100500000190290862

BIC:BELADEBEXXX

Paypal: In deinem PayPal Konto gibt es den Reiter “Geld senden”. Um zu spenden, gib einfach unsere Adresse zahlung@besd-ev.de und den gewünschten Betrag ein.

Hilf uns dabei, bekannter zu werden.

Wir haben jede Menge tolle Sticker und Postkarten, die wir gerne zum Auslegen oder Verteilen an dich verschicken. Schreib einfach eine kurze Mail mit der gewünschten Menge und Adresse an charlie@besd-ev.de.

Sprich über uns.

Twitter: @SexworkID

Facebook: BesD – Berufsverband

Öffentliche Aufmerksamkeit hilft uns dabei, unsere Ziele besser durchzusetzen. Wir freuen uns daher sehr, wenn du unsere Beiträge kommentierst, retweetest, teilst oder auf „Gefällt mir” klickst. Vielen Dank!

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Sex Worker Pride – ein Tag um die Erfolge von Sexarbeiter*Innen und die Errungenschaften von Sexworker-Organisationen zu feiern!

  • Mehr Diversität: Seit Anfang dieses Jahres ist der BesD so breit und stark aufgestellt wie noch nie. Der Vorstand wurde von drei auf fünf Personen aufgestockt, unter anderem mit der ehemaligen Sexarbeiterin Susanne Bleier-Wilp und der Straßensexarbeiterin Nicole Schulze. Die Mitglieder im BesD – alles aktive oder ehemalige Sexarbeitende –  haben unterschiedlichste Hintergründe, sexuelle Identitäten, Arbeitsbereiche und Kund*Innen.
  • Mehr Mitglieder: Seit Monaten können wir uns über wachsende Mitgliederzahlen freuen – mit mittlerweile über 500 Mitgliedern bildet der 2013 gegründete BesD e.V. den größten Sexworkerverbund seiner Art in Europa.
  • Krisenmanagement: Seit Mitte März waren Prostitutionseinrichtungen in Deutschland wegen der Corona-Pandemie geschlossen und alle Formen der Prostitution verboten. Wir haben tonnenweise Arbeit investiert, um unsere politische Arbeit, unser Engagement bei den Behörden, unsere Zusammenarbeit mit Verbündeten und Beratungsstellen und unsere Kommunikation nach außen zu intensivieren. Einen kleinen Eindruck dieser Arbeit bieten unsere Stellungnahmen und Pressemeldungen sowie ein Blick in den diesjährigen Medienspiegel.
  • Professionalisierung: Wir haben unsere Presseabteilung neu organisiert und breiter aufgefächert um noch besser Öffentlichkeitsarbeit leisten zu können.  Wir haben den Informationswert und die Benutzerfreundlichkeit unserer Website verbessert und viele Zoom-Veranstaltungen in unsere Arbeit integriert – von der Spendensammlung über Informationsveranstaltungen für die Öffentlichkeit bis hin zur Organisation und Bereitstellung von Kommunikations-Orten.
  • Informationsquelle: Von Beginn der Pandemie bis Mitte April aktualisierten wir täglich unseren Artikel “Corona-Virus: Das sollten Sexarbeiter*Innen (und alle Anderen) jetzt beachten” und haben damit die deutschlandweit erste Information zu Sexarbeit und Corona zur Verfügung gestellt. Unsere Informationen wurden  international von Sexarbeiter*Innen und Organisationen geteilt und übersetzt.
  • Hilfe und Unterstützung: Nach wie vor dokumentieren wir die verschiedenen Regelungen in den Bundesländern und bieten weiterhin Hilfe, Unterstützung und Informationen für Sexarbeiter*Innen an.  Wir haben den ersten Corona-Nothilfe Fonds für Sexarbeiter*Innen in Deutschland initiiert und organisiert, der sich speziell an Sexarbeiter*Innen richtet, die von staatlichen Hilfen ausgeschlossen sind. Es gelang uns, viele Spenden zu sammeln, und mit Hilfe eines Großspenders konnten wir 126.000 Euro an 400 Sexarbeiter*Innenin akuten Notlagen geben, bis das Geld im Juli alle war.
  • Lobby: Wir haben erfolgreich dafür gekämpft, dass das Übernachtungsverbot in Prostitutionsstätten für die Corona-Zeit aufgehoben wurde. Wir haben uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass die drakonischen Bußgelder für Verstöße gegen die Corona-Verordnung seitens Sexarbeiter*Innen drastisch gesenkt wurden. Zusammen mit Expert*Innen aus dem Gesundheitssektor erarbeiteten wir bereits im Mai ein Hygienekonzept, das detailliert aufzeigt, wie Sexarbeit während der Pandemie möglich ist. Wir setzen uns aktiv für die Wiederzulassung der Sexarbeit in allen Bundesländern ein und machen uns gegen ein Sexkaufverbot stark.
  • Social Media: Wir haben seit dem Internationalen Hurentag den Hashtag #RotlichtAN ins Leben gerufen – um gegen das schwedische Modell zu kämpfen und gegen das anhaltende Verbot von Sexarbeit zu protestieren.
  • Demos: Unsere Mitglieder haben Demonstrationen von Sexarbeiter*Innen und Verbündeten in mehreren Großstädten in Deutschland (Hamburg, Berlin, Köln, Stuttgart, Düsseldorf) organisiert, die in der Presse und in der Öffentlichkeit eine Menge Aufsehen erregten und aller Wahrscheinlichkeit nach dazu beigetragen haben, das Verbot von Sexarbeit endlich zu lockern.
  • Fortbildung: Wir haben die BesD-Workshops gestartet, wo Sexworker mit anderen Sexworkern online und sicher ihr Wissen teilen können.

Auch nach den teilweisen Lockerungen kämpfen wir weiter gegen die Diskriminierung von Sexarbeitenden und gegen kriminalisierende Gesetze.

Ein großes DANKESCHÖN an unsere Mitglieder und an unsere Verbündeten – für die unermüdliche und oft so anstrengende Arbeit im Kampf für die Rechte von Sexarbeitenden.

Anfang März 2020 gründete der Berufsverband den BesD Nothilfe Fond, um die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise auf Sexarbeitende ein wenig zu mildern. Die deutschlandweite Schließung aller Prostitutionsstätten, Arbeitsverbote, der Rückgang der Nachfrage und ein steigendes Risiko der Arbeitsausübung stürzten auf einen Schlag eine ganze Branche in die Krise. Ein großer Anteil an Sexarbeiter*Innen hat gleichzeitig keinen Zugriff auf staatliche oder andere finanzielle Hilfsangebote.

Die gute Nachricht – Die viele Arbeit hat sich gelohnt

Wir danken von ganzem Herzen allen Spender*Innen – ihr habt es ermöglicht! Dank eurer Spenden konnten wir rund 126.000 Euro an knapp 400 Sexarbeiter*Innen in akuten Notsituationen weitergeben.

Die schlechte Nachricht – Das Geld ist alle, aber die Krise dauert an

Nun, über 4 Monate später, spitzt sich die Lage sogar weiter zu. Trotz der Erarbeitung von Hygienekonzepten für selbstständige Sexarbeit und für Prostitutionsbetriebe, verzweifelter Aufrufe an die Landesregierungen, großer Social-Media-Aktionen zum Internationalen Hurentag und öffentlicher Demonstrationen und Proteste, gibt es keine Corona-Lockerungen für Sexarbeiter*Innen und ihre Arbeitsplätze bleiben geschlossen.


Dringend gesucht: Spender*Innen und Verbündete

Bis eine Verbesserung der Lage eintritt, wird die Zahl derjenigen Sexarbeiter*Innen, die weiter auf niedrigschwellige Unterstützung angewiesen sind, leider nicht weniger. Um weiter helfen zu können, benötigen wir weitere Spenden und bleiben auf der Suche nach Unterstützer*Innen , die gemeinsam mit uns den Nothilfe Fonds am Leben halten können.

Neben privaten Spender*Innen suchen wir geeignete Ansprechpartner*Innen z.B. von Stiftungen, die weiterhelfen könnten und wollen. Du hast Tipps oder gar einen persönlichen Kontakt für uns? Bitte melde dich bei unserer Mitarbeiterin Tamara unter tamara@besd-ev.de oder +49 179 416 7883 (sms, whatsapp, telegram, signal)


Eine Flut an Anträgen – Zur Organisation innerhalb des BesD

Zwei Ansprechpartner*Innen aus dem Verband, die sich mit besonders viel Erfahrung im Umgang mit Sozialarbeiter*Innen und marginalisierten Gruppen aus dem Bereich der Sexarbeit auszeichnen, erklärten sich bereit, rund um die Uhr für die Prüfung und Weiterverarbeitung der täglich eintreffenden Anträge auf Nothilfe zu sorgen. Gemeinsam wurden Abläufe konzeptioniert, ein Logo entworfen, Texte geschrieben, der Fonds wurde innerhalb der Sexworker-Community sowie auf Social Media und anderen Kanälen beworben. Angesichts der großen Anzahl an Anträgen bildeten wir ein Komitee aus drei Sexworkern und drei externen Berater*Innen mit entsprechender Expertise, das nach dem Mehrheitsprinzip über Anträge entschied.

Lebensmittel, Medikamente, Notunterkünfte – Zur Verteilung des Geldes

Eine Beantragung fand entweder über den Direktkontakt oder über eine Vermittler*In – z.B. über Beratungsstellen und/oder aufsuchende Sozialarbeiter*Innen – statt, die im Namen der von ihnen vertretenen Sexworker Kontakt aufnahmen. Fast alle Anträge an den Fonds wurden mit “persönlichem Bedarf und Bedarf nach Lebensmittel” begründet. In ergänzenden Gründen ging es am häufigsten um die Beschaffung von Medikamenten und/oder medizinische Versorgung, um die Versorgung von Kindern vor Ort und/oder in einem anderen Herkunftsland, sowie um die Kosten von Notunterkünften beziehungsweise Wohnverhältnissen ohne legalen Mietvertrag.

Wer erhält Geld aus dem Fonds?

Die Möglichkeit, Geld aus dem BesD Nothilfe Fonds zu erhalten, haben Personen, bei denen alle folgenden Sachverhalte zutreffen:

● finanzielle Notsituation (insb. in Folge des Corona-Arbeitsverbots)
● Tätigkeit in der Sexarbeit (insb. wenn die Gesamtheit oder der Großteil der Einnahmen aus der Sexarbeit erwirtschaftet wird, z.B. bei hauptberuflichen Sexworkern)
● derzeitiger Aufenthalt in Deutschland
● derzeit kein Erhalt von Soforthilfen von Bund oder Land

Fußbereich

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Unter dem roten Regenschirm – News vom BesD e.V. | 01. Juli 2020

Hallo zusammen,

unter dem vom BesD gestarteten Hashtag #RotlichtAN demonstrierten Sexarbeiter*innen, Beratungsstellen, Sexdienstleistungs-Betriebe und Unterstützer*innen am diesjährigen Hurentag für mehr Gerechtigkeit und mehr Rechte für Sexarbeiter*innen.

Gleichzeitig bringt das Berufsverbot während der Corona-Zeit verstärkt Befürworter*innen des Schwedischen Modells auf das Spielfeld. Wir arbeiten an allen Fronten intensiv gegen ein Sexkaufverbot und für das Recht, als Branche endlich auch Corona-Lockerungen zu erfahren.

Mehr über den Stand der Dinge für Sexworker und über die Verbandsarbeit erfährst du im aktuellen Newsletter.

Herzlichst,

Dein BesD-Team


#Hilfe gesucht – Nothilfe-Fonds in der Krise

Mithilfe der Spenden an den BesD Nothilfe Fonds konnten wir über 125.000 Euro an Sexarbeitende in Not auszahlen. Nun ist das Geld alle, aber die Krise dauert an. 

Neben privaten Spender*innen suchen wir geeignete Ansprechpartner*innen z.B. von Stiftungen, die weiterhelfen könnten und wollen. Du hast Tipps oder gar einen persönlichen Kontakt für uns? Bitte melde dich bei unserer Mitarbeiterin Tamara unter tamara@besd-ev.de oder +49 179 416 7883 (sms, whatsapp, telegram)

 


#Termine

  • 03.07. | Berlin, Leipziger Straße 3-4 | ab 08:30 Uhr | Protest gegen Arbeitsverbot: Sexarbeiter*innen protestieren gemeinsam mit Betreiber*innen vor dem Bundesrat in Berlin für eine Aufhebung des Arbeitsverbots -> hier geht es zu unserer Pressemeldung
  • 09.07. | Online | 21:00 – 22:30 | Berlin Strippers Collective Show
    Unter dem Motto “United We Strip” erwartet dich ein glamouröses, sexy, unerhörtes Spektakel mit verführerischen Tänzer*innen, einem Mix aus Strip Shows und Comedy. Hier liest du mehr. Karten für das Soli-Event gibt es hier. PS: Das Berlin Strippers Collective hat jetzt auch einen Patreon-Account.

#Wissenswertes

  • Stand der Dinge: Das Corona-Chaos bleibt leider weiter bestehen – während in Berlin, Bremen, Hamburg, NRW, Saarland und Schleswig-Holstein explizit jede Art von Sexarbeit verboten ist, gibt es uneinheitliche Regelungen und große Unsicherheiten in den anderen Bundesländern. Nach wie vor gibt es deutschlandweit keine sichere Arbeitsgrundlage. In dem Blogbeitrag “Ist eigenständige Sexarbeit in einigen Bundesländern erlaubt oder nicht?” liest du mehr.
  • Diskriminierung: Während viele Branchen von Corona-Lockerungen profitieren, bewegt sich bezüglich der Sexarbeit wenig bis nichts:  Während Nachbarländer wie die Schweiz, Belgien, Österreich, Tschechien und die Niederlande Sexarbeit bereits insgesamt wieder erlaubt haben, bietet die hiesige Politik keine Perspektiven für die Wiedereröffnung von Prostitutionsstätten und beraubt damit den Großteil der Sexarbeitenden ihrer Arbeitsplätze. Eine geplante Öffnung in Rheinland-Pfalz wurde nach Verkündigung wieder zurückgenommen.
  • Faktencheck zu Verbots-Argumenten: Die GSSG hat vor kurzem einen Faktencheck zu den Argumenten der Sexarbeits-Gegner*innen veröffentlicht.

#Lobbyhuren

  • Erfolgreiche Aktion #RotlichtAN: Unter diesem Hashtag starteten wir gemeinsam mit dem Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (Bufas e.V.) und weiteren Kooperationspartnern, Aktionen zum Hurentag. Twitter- und Facebook-Feeds wurden mit #RotlichtAN nahezu überflutet, unzählige Kolleg*innen und Unterstützer*innen erstellten eigene Profilbilder und nicht nur der Stern berichtete – mehr Berichte zur #RotlichtAN-Aktion findest du weiter unten in den Schlagzeilen.
  • Taktloser Angriff aus dem Bundestag: Ein Zusammenschluss aus Abgeordneten bemüht(e) sich nach Kräften, ein Sexkaufverbot im Fahrtwind der Corona-Krise durchzuboxen. Hier geht es zu unserer Stellungnahme.
  • Hygiene-Konzept für Sexarbeit während Corona: Wir fordern die Gleichbehandlung von Sexarbeit mit vergleichbaren körpernahen Dienstleistungen und haben uns mit unserem Hygiene-Konzept an die Bundesländer und die zuständigen Behörden gewendet.

Neues aus unserem Blog

Ich+habe+in+der+Sexarbeit+Gewalt+erfahren+-+warum+ich+mich+deshalb+f%C3%BCr+Sexworker+und+gegen+Sexkaufverbote+engagiere

Ich habe in der Sexarbeit Gewalt erfahren – warum ich mich deshalb für Sexworker und gegen Sexkaufverbote engagiere

Als Sexarbeiterin habe ich in vielen Bereichen gearbeitet, unter anderem in Bordellen, als Escort und als Porno- Darstellerin. Zurückgeblieben sind mehr schlechte als gute  Erinnerungen…WEITERLESEN

Gedanken zum ON/OFF bei den Corona-Lockerungen in Rheinland-Pflalz

Ich schreibe Ihnen heute mit drei Gefühlen, möchte Ihnen meine Gedanken zur o. g. Thematik mitteilen und habe wichtige Fragen an Sie. Meine Gefühle sind Wut, Angst und Enttäuschung… WEITERLESEN

I Trafficked Myself to Germany

I am wearing a coral necklace that I bought when I visited the town in Sicily where my father was born—the town from which he emigrated—when he was 3 years old. I wear it to remind me of the strength my grandfather must have had to leave everything he knew behind …  WEITERLESEN


Mach mit bei “Meet a Sexworker”.

Ab einer Mindestsumme von 150 Euro zugunsten des BesD kannst Du an unserer „Meet a Sexworker“-Aktion teilnehmen und erhältst die Gelegenheit, eine Sexarbeiterin privat und „außerhalb der Arbeitszeit“ im Rahmen eines 60-minütigen Treffens kennenzulernen.

Je nachdem wie es Dir besser passt, können wir uns im Text-Chat, oder vor der Webcam treffen. Die perfekte Gelegenheit um im Home Office zu prokrastinieren – und das auch noch für einen guten Zweck!

Unterstütze uns mit Deiner Spende.

Der absolute Großteil der Arbeit des BesD wird von ehrenamtlichen Helfer*innen in ihrer Freizeit geleistet.

Um auch weiterhin die Rechte von Sexarbeitenden zu stärken, bewerben wir uns als Verein um Fördergelder und suchen stetig nach Verbündeten, die bereit sind uns finanziell den Rücken zu stärken.

Du kannst die Arbeit des Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen sowohl mit einer einmaligen als auch einer regelmäßigen Spende unterstützen:

Kontoverbindung des BesD e.V.

IBAN:DE49100500000190290862

BIC:BELADEBEXXX

Paypal: In deinem PayPal Konto gibt es den Reiter “Geld senden”. Um zu spenden, gib einfach unsere Adresse zahlung@besd-ev.de und den gewünschten Betrag ein.

Hilf uns dabei, bekannter zu werden.

Wir haben jede Menge tolle Sticker und Postkarten, die wir gerne zum Auslegen oder Verteilen an dich verschicken. Schreib einfach eine kurze Mail mit der gewünschten Menge und Adresse an charlie@besd-ev.de.

Sprich über uns.

Twitter: @SexworkID

Facebook: BesD – Berufsverband

Instagram: berufsverband-sexarbeit

Öffentliche Aufmerksamkeit hilft uns dabei, unsere Ziele besser durchzusetzen. Wir freuen uns daher sehr, wenn du unsere Beiträge kommentierst, retweetest, teilst oder auf „Gefällt mir” klickst. Vielen Dank!


#Medienspiegel

SCHLAGZEILEN

Diskriminierung: Während viele Branchen von Corona-Lockerungen profitieren, bewegt sich bezüglich der Sexarbeit wenig bis nichts.

Rheinland-Pfalz-Gate: Die versprochene Öffnung der Sexarbeits-Gewerbes fand doch nicht statt.

Hurentag: Mit #RotlichtAn protestierten Sexarbeiter*innen für legales Arbeiten und gegen ein Sexkaufverbot.

Berufsverbot: 16 Bundestagsabgeordnete aus Union und SPD forderten die endgültige Abschaffung der Prostitution im Zuge von Corona.


STIMMEN AUS DER SEXARBEIT


LOKALES, MEINUNGEN, BERICHTE


STIMMEN AUS DER FORSCHUNG UND VON BERATUNGSSTELLEN


BERICHTE ZUR SEXARBEIT AUSSERHALB DEUTSCHLANDS


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