Dieser Beitrag stammt von Johanna Weber.

Ich war eingeladen als Referentin auf den Strafverteidigertagen. Der klangvolle Name dieser drei Tage war: „Schrei nach Strafe“. Zum Zeitpunkt der Einladung wusste ich dieses Motto noch nicht so recht einzuordnen. Der Schrei nach Strafe deckte sich dann aber zu 100% mit meinen politischen Erfahrungen im Zusammenhang mit der Gesetzgebung rund um die Sexarbeit.

2.Kongress-Tag: AG2-Sexualstrafrecht.
Ich selbst war eine der Referentinnen, aber um mich und das ProstSchG (ProstituiertenSchutzGesetz) ging es nur am Rande. Und das war auch völlig OK.
Es ging um die Reform des 177, wie in diesem Zusammenhang vom §177 StGB gesprochen wurde. Für alle Nicht-Juristen und alle, die zufällig das Strafgesetzbuch nicht zur Hand haben, es geht um „Nein heißt Nein“.
Auch hier, wie im ProstituiertenSchutzGesetz, zeigt sich deutlich wie „gut gemeinte“ Änderungen und Neuerungen die Situation der Betroffenen nicht verbessern, sondern sehr wahrscheinlich verschlechtern werden. Die Opferrechte werden nur scheinbar optimiert.
Ich möchte auf die Details jetzt nicht weiter eingehen, denn da knüpfe ich mir auf jeden Fall einen Strick. Insgesamt war die AG2 nur eines der Themen, welches das Ergebnis von momentaner in Deutschland vorherrschender Regelungswut und schnell geknüpfter Gesetzesflut ist.
Mit was sie sich Strafverteidiger im Moment rumschlagen ist die Gesetzesflut der Bundesregierung. Mir war überhaupt nicht klar, wie weit der momentane Regulierungswahn reicht, denn ich sitze ja auch in meinem Glaskasten und sehe nur die Regelungen für und gegen Sexarbeitende.
Ich habe gelernt, dass Moralgesetzgebung nicht nur unsere Branche betrifft, und dass die imaginären Ängste des Volkes mit immer abstruseren Gesetzen und Verboten bekämpft oder ruhig gestellt werden. Das Strafgesetzbuch als Moralkeule und Hort von konservativen Wertvorstellungen. Und es ist ja billiger ein neues Gesetz zu machen, als an echten Lösungen zu arbeiten.

Fasziniert hat mich, mit was für einer Vehemenz und Leidenschaft die Diskussionen geführt wurden. Die Herren und Damen Juristen sind wirklich in ihren Grundfesten erschüttert. Und das hat mir Mut gemacht, denn ich hatte mich schon gefragt, ob ich denn nicht ganz dicht in der Birne bin, weil ich diese politischen Bestrebungen nach immer Detail verliebteren Gesetzen höchst fragwürdig finde.

Dazu möchte ich jetzt einfach meinen Twitterstrang, den ich am 3.Tag auf der sehr inhaltsschweren und großartigen Abschluss-Diskussion mitgetweetet habe wiedergeben. www.twitter.com/Johanna_Weber_

#stv41
Angst wird in Gesetzen verarbeitet. Für die allgemeine Sicherheitslage verändert sich nichts

#stv41
Schrei nach Strafe: Expertenwissen und Rationalität bekommt eine untergeordnete Bedeutung

#stv41
Schrei nach Strafe: Kriminalität wird manchmal auch politisch geschaffen

#stv41
Schrei nach Strafe: Rechtsflut macht Bürger unmündiger – nicht mehr miteinander reden, sondern klagen

#stv41
Schrei nach Strafe: Das Verschwimmen zwischen Strafrecht und Ordnungsrecht

#stv41
Schrei nach Strafe: Ist das noch Strafrecht oder verkleidetes Polizeirecht?

#stv41
Gefühlsgesteuerte Politik sorgt für „Schrei nach Strafe“

#stv41
Von wissenschaftlicher Beratung oder Rationalität ist Gesetzesflut weit weg – Furcht vor irrationalen Bedrohungen

#stv41
Strafrecht dient als Spielwiese für den Wahlkampf – Wahrheit ist nur noch Ansichtssache

#stv41
Verlangen nach Strafhärte ist Antwort auf ein diffuses Unsicherheitsgefühl

#stv41
Neue Gesetzesflut bricht sich in der Praxis an der Wirklichkeit

#stv41
Der Staat erlässt eine Flut neuer Gesetze und tut nichts, damit sie auch umgesetzt werden können

#stv41
Immer abstraktere Rechtsgüter werden geschützt.

#stv41
Irrationale gesellschaftliche Bedürfnisse werden in Gesetzen verarbeitet, denn das kostet nichts

#stv41
Es werden Schutzgesetze gemacht ohne erkennbares Konzept und Sinn

#stv41
Stimmungslage in Deutschland – Inflation des Strafrechts im Alltäglichen durch abstrakte Gefährdungsdelikte

#stv41
Schrei nach Strafe: Warum macht der Bundestag so was mit? Suggestion von Sicherheit

#stv41
Schrei nach Strafe: Es ist eine gesellschaftliche Diskussion zu dem Thema nötig

Es endete mit:
#stv41
Schrei nach Strafe: wir müssen eine Utopie entwickeln – nicht einen repressiven Ansatz des Strafrechts

LINK -> www.strafverteidigervereinigungen.org

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TERMIN:
nächster Strafverteidigertag am 2.-4.3. in Münster
-> sehr wahrscheinlich geht es um
die Entrümpelung des Strafrechts

Dieser Text wurde uns von unserem Mitglied & Vorstand ©Josefa Nereus zur Verfügung gestellt.

Die wenigsten Menschen wissen, dass du als Hure selbstständig bist. Das bedeutet, dass du wie alle anderen Selbstständigen auch Steuern, eine Krankenversicherung usw. zahlen musst.

Vor allem, wenn du der Sexarbeit hauptberuflich nachgehst bedeutet das, dass du im Monat ca. 3.000 – 3.500€ einnehmen MUSST! Und das ist nicht wirklich viel für einen Selbstständigen!

Du zahlst min 350€ für eine gesetzliche Krankenversicherung und ähnlich viele Steuern, vielleicht sogar einen Steuerberater. Allein damit hast du schnell 1000€ im Monat ausgegeben, aber noch keine Wohnung, kein Essen und erst recht keine weiteren Sozialleistungen, wie Rente oder Arbeitslosenversicherung. Du musst auch Werbung machen und evtl. Räume mieten oder Equipment für den Job kaufen.

Es ist utopisch, dass du 12 Monate arbeitest. Jeder braucht Urlaub, jeder wird krank, also rechne damit, dass du nur 10 Monate im Jahr arbeiten kannst. Ob du auch 10 Monate im Jahr Arbeit hast, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Du brauchst die Nerven um es auszuhalten, dass dein Telefon einem Monat lang nicht klingelt und du bei Krankheit abschaltest und dich aufs Gesund werden konzentrierst. Wahrscheinlich wird beides hintereinander kommen… Dann anzufangen und zu überlegen, vielleicht sollte ich den doch annehmen obwohl ich ein schlechtes Bauchgefühl habe, vielleicht geh ich doch zum Date, obwohl ich Schmerzen habe, all das wird dir über kurz oder lang das Genick brechen. Als Selbstständiger brauchst du einen Puffer, der 2-3 Monate reicht, am besten bevor du anfängst! Und jeden Monat sollten ein paar Hundert Euro zurückgelegt werden, da du ja nicht in die gesetzlichen Kassen einzahlst und irgendwann willst du vielleicht auch mal Rentnerin sein, oder du möchtest ein Haus oder, oder, oder…

Egal ob Sexarbeiterin oder „solide“ Arbeitende: Wer sich selbstständig machen möchte, sollte das nicht auf die leichte Schulter nehmen und auf jeden Fall mit einem Puffer starten. Überleg dir einfach, ob du das wirklich auf die Beine stellen kannst oder du mit einem netten Teilzeitjob vielleicht besser fährst. Die Anforderungen und der Stress als Selbstständige sind nämlich nicht ohne.

Dieser Text wurde uns von unserem Mitglied ©Lady Tanja zur Verfügung gestellt.  www.lady-tanja-hamburg.de

Eines Tages kam der kleine Prinz auf einen merkwürdigen Planeten. Er war ganz in schwarz und rot gehüllt, und sah sehr düster aus. Der kleine Prinz fürchtete sich ein wenig. Auf einem großen Thron – ebenfalls in schwarz und rot – saß eine Frau. Sie war ganz in Leder gekleidet (natürlich auch in schwarz), ihre Augen waren mit schwarzem Kajal geschminkt, die Lippen knallrot, und in der Hand hielt sie einen langen, dünnen Stock aus Bambus. Um sie herum lagen viele merkwürdig anmutende Instrumente, deren Bedeutung sich dem kleinen Prinzen nicht erschloß.

Er sah Leder und Stahl, Seile, Ketten, Pranger,  Nadeln, Trichter, Masken, Karabiner und Peitschen. Es gab auch große Möbelstücke…ein Bett, ein Kreuz, ein Bock…alles versehen mit vielen Ösen und Haken. Die Frau auf ihrem Thron winkte den kleinen Prinzen mit einer herablassenden Geste zu sich heran. Verschüchtert und ängstlich fragte der kleine Prinz:

„Bist Du eine Prostituierte?“

„Natürlich nicht“ antwortete die Lederfrau empört. „Ich bin eine Domina“.

„Was macht eine Domina?“ fragte der kleine Prinz.

„Ich demütige und schlage Männer“ erklärte die Domina mit harter Stimme. „Männer sind meine Sklaven. Sie kriechen vor mir und küssen meine Stiefel“.

Der kleine Prinz war irritiert: „Warum machen die Männer das?“

„Weil es sie erregt“ antwortete die Domina ungeduldig. „Wenn ich mit der Behandlung fertig bin, dann dürfen die Sklaven vor mir kommen“.

Nun war der kleine Prinz noch verwirrter. „Das ist Sex“, rief er aus. „Dann bist Du ja doch eine Prostituierte“.

Die Domina war verärgert. „Nein! Niemals“ rief sie. „Prostituierte lassen sich anfassen. Sie zeigen ihre Geschlechtsteile und schlafen mit den Männern. Ich hingegen bin unberührbar. Denn ich bin eine Domina.“

„Wo finde ich denn eine Prostituierte?“ wagte der kleine Prinz eine letzte Frage.

„Auf dem Planeten dort hinten“ sagte die Domina. „Dort, wo es orange und hell leuchtet“.

Der kleine Prinz bedankte sich und verließ den schwarz-roten Planeten. Er war froh, der bösen Frau entkommen zu sein und freute sich auf den hellen Planeten, auf dem er eine Prostituierte finden würde.

Auf dem hell orange leuchtenden Planeten war es viel wärmer und schöner als bei der Domina. Überall standen kleine lächelnde Buddha-Statuen herum. Es gab viele Vasen mit blühenden Orchideen, und auf dem ganzen Planeten flackerten Kerzen und Teelichter. Es gab einladend dekorierte Betten, mit schönen Stoffen und Kissen. Hier gefiel es dem kleinen Prinzen sehr und er hoffte sehr, nun eine Prostituierte zu finden. Auf einem der Betten saß eine freundlich lächelnde Frau im Lotussitz, bekleidet mit einem Kimono. Als der kleine Prinz näher kam, verbeugte sie sich und sagte „Namaste“.

„Hallo“ antwortete der kleine Prinz. „Bist Du eine Prostituierte?“

„Nein“ sagte die lächelnde Frau. „Ich bin eine Tantra-Masseurin“.

„Was ist eine Tantra-Masseurin?“ fragte der kleine Prinz.

Freundlich, geduldig und immer noch lächelnd, sagte die Kimono-Frau: „Tantra ist eine Strömung innerhalb der indischen Philosophie und Religion, entstanden als zunächst esoterische Form des Hinduismus und später des Buddhismus. Die Ursprünge des Tantra beginnen im 2. Jahrhundert, in voller Ausprägung liegt die Lehre jedoch frühestens ab dem 7./8. Jahrhundert vor. Im Buddhismus ist auch der Begriff Tantrayana gebräuchlich. Das Wort Tantra wird manchmal von der Sanskrit-Wurzel tan ‚ausdehnen‘ abgeleitet. Tantrismus bedeutet somit auch allumfassendes Wissen oder Ausbreitung des Wissens.“

Der kleine Prinz verstand kein Wort: „und warum brauchst Du dann das Bett?“

„Auf dem Bett finden meine Tantra-Massagen statt. Das Ziel einer solchen Massage ist  eine spirituelle Erfahrung und umfasst meist auch die Massage der weiblichen beziehungsweise männlichen Geschlechtsorgane, wofür die Bezeichnungen Yoni- und Lingam-Massage verwendet werden, sowie die Massage des Analbereiches und der Prostata.“ sagte die Tantra-Masseurin.

„Das ist Sex“ rief der kleine Prinz. „Dann bist Du ja doch eine Prostituierte“.

„Nein, niemals“ antwortete die lächelnde Frau sanft. „Prostituierte schlafen mit den Männern. Ich hingegen massiere das Geschlechtsteil nach festgelegten Ritualen. Das ist keine Prostitution“.

„Aber wo finde ich denn nun eine Prostituierte?“ fragte der kleine Prinz enttäuscht.

Die lächelnde Tantra-Masseurin zeigte auf einen nahen Planeten, der von Ferne sehr edel und elegant aussah. „Dort sind Prostituierte“ sagte sie. Der kleine Prinz bedankte sich und machte sich auf den Weg zum nächsten Planeten.

Als der kleine Prinz den dritten Planeten betrat, hörte  er leise klingende, wunderbare klassische Musik. Er sah einen perfekt gedeckten Tisch: Auf dem edlen Tischtuch lagen kunstvoll gefaltete Stoffservietten, es gab poliertes Silberbesteck, Porzellan und Kristallgläser. Die Frau, die dort saß, trug ein elegantes Abendkleid. Schlicht und teuer zugleich. Ihr Make-up und ihre Frisur waren perfekt, ihre Garderobe auch. Mit einer anmutigen, formvollendeten Geste hob sie das Kristallglas, in dem Champagner perlte.

„Bonjour, mon petit prince“, sagte sie mit leiser, warmer Stimme.

„Äh, äh, Bonjour“ stammelte der kleine Prinz, ganz hingerissen von dieser strahlenden Schönheit.

„Do you want to have a drink with me?“, fragte die perfekte Frau.

Der kleine Prinz staunte. Zweisprachig war er bisher noch nicht empfangen worden.

„Wie gehen die Geschäfte?“ parlierte  Mrs. Perfect weiter.

Vorsichtig näherte sich der kleine Prinz und betrachtete voller Staunen dieses Wunderwesen.

„Bist Du eine Prostituierte?“ fragte er.

„Natürlich nicht“, sagte die perfekte Frau. „Ich bin eine Escortdame“.

„Was ist eine Escortdame“? fragte der kleine Prinz.

„Als Escortdame begleite ich den solventen Geschäftsmann zum Essen, ins Theater oder in die Oper. Ich habe eine hohe Allgemeinbildung, spreche mehrere Sprachen, kenne mich sowohl mit Börsendaten und Pferderennen wie auch mit den Klassikern der Weltliteratur aus. Ich besuche Vernissagen und verkehre nur in den teuersten Hotels. Zur Zeit studiere ich Poltikwisschenschaften“.

Der kleine Prinz war sprachlos.

„Aber, aber“ stotterte er, „Du schläfst doch auch mit den Männern, oder nicht?“.

„Ja“, sagte die Escortdame. „Aber ich bin natürlich keine Prostituierte, sondern eine elegante Begleiterin auf hohem Niveau. Das betrifft natürlich auch meinen Stundenlohn. Von mir wird weitaus mehr verlangt als kunstvolle Bettakrobatik.“

Der kleine Prinz kam aus dem Staunen gar nicht heraus.

Mrs Perfect fuhr fort, während ihre weißen, geblechten Zähne im Kerzenschein funkelten: „Prostituierte verkehren in heruntergekommenen Kaschemmen oder Sexclubs, stehen an Straßenecken und bedienen die Freier für ein Taschengeld“.

Sie zeigte auf den nächsten Planeten: „Dort findest Du Prostituierte“, sagte sie und trank noch ein Schlückchen Champagner…

Ein Arbeitsalltag einer Hure

Was macht man als Sexarbeiterin an einem Arbeitstag? Wie viele von euch denken, der Job besteht aus Rumsitzen, die Beine breit machen und sonst nix?

Würde es nur ein Fingerschnippen erfordern um sexwillige Männer in mein Bett zu bekommen, wäre ich inzwischen eine schwer reiche Frau. Leider bekomme ich auf diese Weise keine Männer in mein Bett, weder privat noch beruflich. Willkommen in der Realität, in der Huren sich aktiv um ihre Kundschaft bemühen müssen!

Sex sells … Sex?

Es gibt Werbeplattformen, Communities und Netzwerke, auf denen mit erotischen Dienstleistungen aller Art geworben wird und sie sind bereits voll mit unzähligen bunten Angeboten von Konkurrentinnen. Wie schaffe ich es, hier für meine Zielgruppe sichtbar zu werden? Was kann und was möchte ich anbieten? … und womit davon erreiche ich Interesse? Diese Fragen müssen immer wieder aufs neue in Fotos, Texten und Profilen vermittelt und vom richtigen Adressat gefunden werden.

Es hört sich einfach an, aber mit diesen Antworten kann sich jeder einen sicheren Rahmen schaffen. Man muss sich ein Bild von dem Menschen machen, den man erreichen und von sich überzeugen möchte.

Gelingt es nicht, die Vorstellungen in reale Treffen umzusetzen, bedarf es einer Überarbeitung. Trial and error, bis man die Gäste findet, die zu einem passen oder sich eingesteht, dass man diese Aufgabe nicht bewältigen kann!

Ring … Sorry, ich muss mal kurz ans Telefon gehen …  

Das Telefon, eines meiner wichtigsten Werkzeuge einer Hure. Jeder von den 0 bis zu 50 Anfragen täglich kann dazu führen, dass ich für tollen Sex bezahlt werde oder ich meine Zeit mit einem Trottel verschwende. Eine Entscheidung, die ich mit höchster Konzentration, voller Aufmerksamkeit und einem aufgeschlossenen Wesen treffen muss. Mit Menschenkenntnis und kommunikativem Geschick entlocke ich meinem fremden Anrufer seine intimsten sexuellen Wünsche und entscheide, ob und wie eine Umsetzung davon mit mir möglich ist. Wie ich das anstelle und mich dabei zu 100% auf meine Fähigkeiten verlasse? Ich höre meinem Gegenüber wirklich sehr, sehr, sehr aufmerksam zu. Es geht auch, aber nicht nur, darum, was er wie sagt. Viel mehr achte ich darauf, was seine Worte in mir auslösen. Die meisten Anrufer bringen mich zum lächeln und ich habe Interesse sie kennenzulernen. Empfinde ich aber Unbehagen oder Abscheu bei seinen Worten, beende ich das Telefonat, ohne einen Termin vereinbart zu haben. Keine Frage, manche werden respektlos und widerlich, wenn sie abgewiesen werden und mancher Anrufer braucht gar keinen Grund, um unangenehm zu werden. Doch ich habe diese Typen am Telefon: Auflegen, Nummer blocken und niemals mehr von ihnen hören! Nur wer einen angenehmen Eindruck hinterlässt, wird eingeladen sich zu nähern.

Dann kommen wir jetzt zum vögeln?

Egal wo man sich trifft, es geht immer darum, einen sichere und angenehme Atmosphäre zu kreieren und zu erhalten. Dieser Raum ist nicht dafür da, uns von Gästen weitmöglichst zu distanzieren, sondern sie dorthin einzuladen. Wir führen offene Gespräche, erfahren von den intimsten Gedanken, Wünschen und Bedürfnissen. Mit viel Feingefühl, Geduld und Toleranz arbeiten sich Huren an Fragestellungen heran, bei denen Sexblogs, Ärzte und der Tratsch hinter vorgehaltener Hand aufhören. Wie bereite ich einem Mann Lust, dessen Penis nach Krebskrankheiten nicht mehr funktioniert? Was wünscht sich ein Ehepaar von mir in ihrer silberne Hochzeitsnacht? Oder wie funktioniert eine erotische Vorliebe für Kleidung einer vergangenen Dekade?

Früher habe ich solche Begegnungen gemieden und bin schnellen Fußes abgehauen. Doch mit der Zeit interessierte es mich, was sich dahinter verbirgt und welche Formen Sexualität annehmen kann. Ich arbeite gerne an den Antworten und verschaffe mir und anderen inspirierende Momente. Dabei erweitert sich der Horizont und das Können. So gibt es in der Branche Felatiokünstler, ebenso wie Kuschelspezialisten und Motivationsgenies, die Menschen wundervolle individuelle Momente verschaffen können.

An diesem Abend nach drei Gästen, zwölf Telefonaten und neunzehn E-Mails, mache ich ein kleines Päuschen, denn weitere Aufgaben warten bereits ungeduldig: Steuern, Wäscheberg und ich muss mal wieder Fotos von mir machen lassen … das Telefon klingelt. Es ist kurz vor 20 Uhr …

Es ist mehr Arbeit, als ich es mir zu Beginn je ausdenken konnte und die Risiken des Kleinunternehmertums nagen in diesen Tagen. Dennoch bin ich froh, dass ich es mich getraut habe. Meine Arbeit macht mich zufrieden, denn ihre Anforderungen passen mit meinen Stärken zusammen. Ich bin begabt darin, Menschen in meinen Bann zu ziehen und sich gut fühlen zu lassen. Daneben besitze ich ein gutes Gespür für Sexualität und was ich mit wem machen will und kann. Dabei habe ich keine Scheu sie abzuweisen, wenn ich merke, dass wir nicht harmonisieren. Gleichzeitig bin ich belastbar und habe genug Durchhaltevermögen, um die Selbstständigkeit zu managen. Die eigene Persönlichkeit und die eigenen passenden Voraussetzungen entscheiden über Fluch und Segen in der Sexarbeit!

Vor etwa 6 Jahren habe ich noch als Erotikmasseurin gearbeitet. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, fehlt mir am meisten die Kollegialität im Laden. Wir waren damals ein kleines Team (10 Frauen). In der Zeit zwischen den Massagen haben wir uns über vieles ausgetauscht: unsere Kundenerfahrungen, emotionale Wirbelstürme im Privatleben, Feiern in Berlin, oder über Sexualität und Intimität. Bevor ich angefangen habe dort zu arbeiten, hatte ich Vertrauensprobleme, vor allem gegenüber anderen Frauen. Aber im Laufe meiner Zeit im Laden habe ich gelernt, mein Vertrauen zu anderen Frauen wiederaufzubauen und hatte das Glück, einen engen Zusammenhalt unter Frauen genießen zu dürfen.

Ich erinnere mich noch, wie ich an einem Donnerstagnachmittag mit einer Kollegin, Bianca, nach Feierabend bummeln gegangen bin. Wir hatten beide die Frühschicht bis 16 Uhr und hinterher fuhren wir zur Einkaufsmeile in der Stadt, wo wir nach neuen Arbeitsklamotten schauen wollten. Als wir aus dem Auto stiegen und die Straße überquerten, wurde uns beiden plötzlich bewusst, dass wir zum ersten Mal außerhalb des Ladens auf der Strasse zusammen unterwegs waren. Bianca kicherte leise und meinte, „Was würden die Leute denken, wenn sie wüssten wo wir arbeiten?“ Wir lachten zusammen laut und eilten über die Strasse. Der Gedanke verband uns wie Geschwister in dem Moment und erinnerte mich wieder daran, wie stigmatisiert die Erotikbranche doch ist, obwohl wir in unserer Parallelwelt im Laden—wo wir so offen und ungehemmt über alles mögliche vulgäre reden konnten—die Vorurteile über das Milieu gerne vergaßen.

Obwohl wir uns im Laden viel erzählten, hatte ich den Eindruck, dass meine Kolleginnen nicht wirklich zu ihrer Tätigkeit standen. Die Sexarbeit an sich einfach zu genießen schien irgendwie ein unausgesprochenes Tabu zu sein. Natürlich hat man mal den besonders angenehmen oder charmanten Kunden erwähnt, oder über den eher seltenen jungen, hübschen Kunden geschwärmt, aber noch nie wurde im Laden über die Tätigkeit als erotische Masseurin als schmackhafte, tolle Arbeit mit emotionalen Anreizen gesprochen. Selbst Bianca, die persönlich so viel in die Arbeit investierte, hatte nie deutlich geäußert, dass ihr die Arbeit einfach Spaß machte. Wenn die Frauen über ihre Entscheidung, in die Erotikbranche einzusteigen gefragt wurden, kam immer einen Grund wie direkt aus der medialen Darstellung von Sexarbeiterinnen zitiert: alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern; hohe Schulden, die dringend abbezahlt werden mussten; zu niedrige Löhne in anderen Arbeitsbereichen; jung und brauchte das Geld…und wenn die Arbeit manchmal doch genießbar war, dann nur zufällig weil man glücklicherweise einen Kunden hatte, der nicht ganz ekelig oder respektlos war. Es war mir, als ob sich die Frauen selbst vor den Kolleginnen fast schämen würden, den Genuss an der Arbeit im Laden zuzugeben. Das fand ich manchmal schade, aber diese Selbststigmatisierung sah ich im Endeffekt als eine Auswirkung der gesellschaftlichen Stigmatisierung, die von Sexarbeiterinnen leider oft verinnerlicht wird.

 

 

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL (14/2015) schreibt die Journalistin Ann-Katrin Müller über „dubiose Verbände“, die sich „gemeinsam mit Bordellbetreibern“ „gegen Regeln für die Sexbranche“ einsetzten – und versucht so unter anderem auch den BesD zu diskreditieren. Diese Vorgehensweise ist nicht neu. Wer sich gegen Berufsverbote (wie zum Beispiel die Beibehaltung der Sperrbezirke) und diskriminierende Sondergesetze, und für Arbeitsrechte von Sexarbeiter_innen einsetzt, wird von Sexarbeitsgegnern gern als Teil einer imaginären „Zuhälterlobby“ dargestellt – und seien es renommierte internationale Hilfsorganisationen für Opfer von Menschenhandel, die europäischen AIDS-Hilfen oder der Deutsche Frauenrat.

Wie Ann-Katrin Müller schlecht recherchiert, Fakten verdreht, Zitate aus dem Zusammenhang reisst und auch nicht davor zurückschreckt, die Beschreibung der Bekleidung ihrer Interviewpartner frei dem gewünschten Klischee anzupassen, stellen Fabienne Freymadl (BesD) und Holger Rettig (UEGD) in ihren persönlichen Stellungnahmen dar.

Warum der BesD die derzeitigen Pläne der Koalition zu einem „Prostituiertenschutzgesetz“ weit überwiegend für ungenügend bis kontraproduktiv hält, haben wir bereits in einer separaten Stellungnahme ausgeführt. Was wir stattdessen an gesetzlichen Änderungen für sinnvoll halten, ist in unseren Forderungen nachzulesen.

Dass sich politische Forderungen von Sexarbeiter_innen mit Forderungen von Bordellbetreiber_innen oder auch von Sexarbeits-Kunden in einigen (bei weitem nicht in allen!) Punkten überschneiden, ist wenig überraschend, denn sie alle teilen einen realistischen Einblick in die tatsächlichen Probleme und Bedürfnisse der verschiedenen Protagonisten in der Branche. Eine „Regulierung“ von Betrieben, die in der Praxis tatsächlich vielmehr der „Prostitutionseindämmung“ nach kommunaler Willkür dient, schadet beispielsweise nicht nur den Inhabern der wegregulierten Bordelle, sondern auch den Sexarbeiter_innen, die ihrer Optionen beraubt in den wenigen verbleibenden Betrieben umso weniger leicht mit den Füßen abstimmen können, wenn die Arbeitsbedingungen zu wünschen übrig lassen. Ein Vergleich mit dem Arbeitskampf und den damit einhergehenden Konflikten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in anderen Branchen hinkt insofern, als dass Sexarbeiter_innen so gut wie nie angestellt arbeiten, sondern sich lediglich als Selbständige in die Infrastruktur eines Betriebes einmieten, oft nur für kurze Zeit. Ausserdem gibt es in keiner anderen Branche ein vergleichbares Stigma, alltägliche Diskriminierungen und unvorhersehbare rechtliche Stolpersteine, denen alle Beteiligten auf die eine oder andere Weise ausgesetzt sind.

Wenn Verbände von Sexarbeiter_innen, Verbände von Bordellinhaber_innen, das Bündnis der Fachberatungsstellen, der Deutsche Frauenrat, der Deutsche Juristinnenbund, die Deutsche AIDS-Hilfe, die Deutsche Gesellschaft zur Förderung der sexuellen Gesundheit oder der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes in vielen Kritikpunkten an einem geplanten Gesetz zur Sexarbeit übereinstimmen, dann wäre eine mögliche Schlussfolgerung durchaus, dass diese Kritik berechtigt ist. Eine Verschwörungstheorie, nach der all diese Organisationen von Bordellbetreibern unterwandert oder gekauft sind, macht dagegen vielleicht mehr Auflage, dient aber ansonsten ausschließlich der Agenda derjenigen, die Sexarbeit in jeder Form am liebsten ganz abschaffen würden.

Ein häufig von Sexarbeitsgegnern verwendetes Stilmittel, das auch Ann-Katrin Müller versucht anzubringen, ist die angebliche Dichotomie von selbstbestimmter und dabei sich selbst verwirklichender Sexarbeiterin („Freymadl grinst. Sie hat die Oberhand, so soll es wirken. Es ist ihr Geschäftsmodell: Freymadl ist Domina.“) auf der einen, und dem hilflosen Opfer („Sie habe sich in den falschen Mann verliebt, er habe sie in die Branche gebracht, sagt sie. Wenn man einmal in dem Job sei, dann gelinge der Ausstieg nur schwer. „Ich kenne niemanden, der den Beruf aus Spaß oder sexueller Erfüllung heraus macht“, sagt Luisa.“) auf der anderen Seite.

Dass Betroffene von Menschenhandel, krimineller Ausbeutung oder Armut auf diese Weise gegen Sexarbeiter_innen ausgespielt werden, die mit ihrem Job zufrieden sind, ist tragisch, denn es schadet beiden – genauso wie dem großen Feld dazwischen, das gern ignoriert wird, weil in einer differenzierten Betrachtung weder Verschwörungstheorien noch pornographisch-detaillierte Schilderungen sexuellen Missbrauchs einen Platz haben. „Das ist als würde man glückliche Ehefrauen für das Leid jener Ehefrauen verantwortlich machen, die Gewalt erfahren. Das ist so, als würde man Frauen, die Spaß am Sex haben, für die Vergewaltigung anderer Frauen verantwortlich machen.“, schreibt Sonja Dolinsek für das Online-Magazin menschenhandel heute. Tatsächlich widersprechen sich Rechte für Betroffene von Menschenhandel und Rechte für Sexarbeiter_innen dagegen in keinster Weise, ganz im Gegenteil.

Ann-Katrin Müller opfert in ihrem Artikel unter dem Vorwand eines angeblich nötigen paternalistischen „Schutzgedankens“ die Belange aller in der Branche Tätigen einer sexarbeitsfeindlichen Ideologie. Eine inzwischen traurige Tradition des SPIEGEL, der in der Vergangenheit beim Thema Sexarbeit bereits mehrfach durch „Journalismus auf Lücke“ glänzte.

PDF: Stellungnahme_BesD_Meldepflicht

 Huren gegen Zwangsregistrierung

Sexarbeiter_innen und Unterstützer_innen demonstrierten am Samstag in Berlin gegen die von der Regierungskoalition geplante Meldepflicht für Sexarbeiterinnen. Hydra e.V. und der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen, sowie weitere Personen beteiligten sich an einem Hurenblock auf der Demonstration „Freiheit statt Angst“ in Berlin, die sich gegen staatliche und geheimdienstliche Überwachung, Vorratsdatenspeicherung und den Verlust der Privatsphäre richtet und für eine freie demokratische Gesellschaft eintritt.
Der Hurenblock war erstmals auf der Demonstration vertreten. Daneben organisierten Hydra und BesD einen Infostand am Brandenburger Tor, an dem wir unter Anderem Unterschriften für den Aufruf von Doña Carmen gegen die Zwangsregistrierung sammelten und mit vielen interessierten Menschen ins Gespräch kamen, denen wir unser Anliegen erläutern konnten. Bei der Abschlusskundgebung hielt Hurenaktivistin Emy Fem eine kurze Rede, in der sie die Zuhörer zu Solidarität mit den Prostituierten im Kampf gegen staatliche Kontrolle aufforderte:

„Die Vorratsdatenspeicherung in der Sexarbeit, die Registrierung, ob unter Zwang oder freiwillig, bietet keinerlei Schutz. Die Eintragung in eine Kartei bewahrt keine Person zu keinem Zeitpunkt davor, überfallen, ausgeraubt oder Opfer von Menschenhandel zu werden. Darüber hinaus liefert die große Koalition damit Sexarbeiter_innen vorsätzlich vermeidbaren Gefahren aus. Wenn ein Klient von einer Sexarbeiter_in die Vorlage ihres Hurenausweises verlangen darf, werden Stalking und Nachstellung Tür und Tor geöffnet.“

Staatliche Registrierung und Kontrolle betrifft Huren seit langem: Im Deutschen Reich durften nur Prostituierte legal arbeiten, die sich bei der Polizei registrierten, und nur an bestimmten Orten. Mit der Registrierung verbunden war eine regelmäßige Pflichtuntersuchung auf Geschlechtskrankheiten, weil Prostituierte als Krankheitsüberträger galten. Die Registrierung von Prostituierten im Nationalsozialismus diente dazu, sie als „Asoziale“ aus der Gesellschaft auszuschließen und teilweise in Konzentrationslager zu deportieren.
Die staatliche Kontrolle der Prostitution diente immer dem doppelten Zweck, Prostituierte von der bürgerlichen Gesellschaft zu separieren und die vermeintlich negativen gesellschaftlichen Folgen dieser sozial unerwünschten und als unsittlich betrachteten Tätigkeit abzuwehren. Der Schutz der Prostituierten, der dabei oftmals vorgeschoben wurde, war in diesem Spannungsfeld aus Kontrolle und Stigmatisierung bloße Behauptung.

Auch wenn die heutige Situation sicherlich weder mit dem Nationalsozialismus noch mit dem Deutschen Reich vergleichbar ist, steht das jetzige Vorhaben einer Registrierungspflicht doch in einer Kontinuität mit diesen Maßnahmen, da sie dieselbe Kombination aus Stigmatisierung, Ausgrenzung und Kontrolle fortführt – auch wenn das erklärte Ziel der „Schutz“ von Sexarbeiter_innen ist.

Die Registrierung wird, anstatt Sexarbeiter_innen zu schützen, v.a. für diejenigen von uns schädlich sein, deren Rechtsstatus problematisch ist: Migrant_innen, die die deutsche Sprache nicht beherrschen oder die keine Arbeitserlaubnis haben, deutsche und nicht-deutsche Prostituierte, die den Beruf aus verschiedenen Gründen versteckt ausüben müssen oder wollen: aus familiären Gründen, weil sie Kinder haben, weil ihr bürgerlicher Hauptberuf dadurch gefährdet wäre, oder weil sie in ihrem näheren oder weiteren Umfeld Verurteilung zu befürchten hätten. Nicht zuletzt haben alle Sexarbeiter_innen Grund zur Furcht vor Diskriminierung durch Behörden, Vermieter, und Arbeitgeber.

Solange das Hurenstigma fortbesteht, kann jede Form der staatlichen Registrierung nur dazu führen, dass Prostituierte diesem Stigma umso hilfloser ausgeliefert sind, weiter an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden oder gezwungen sind, sich in die Illegalität zu begeben, was ihre Rechtsposition gegenüber z.B. Bordellbetreibern noch stärker schwächt.

Deshalb: Solidarisieren Sie sich mit uns und kämpfen Sie mit uns gegen jede Form der staatlichen Registrierung von Sexarbeiter_innen, für unser Recht auf Privatsphäre und sexuelle Selbstbestimmung und für unser Recht auf freie Ausübung unseres Berufes!

Sehr geehrte Frau Schwarzer,

in regelmäßigen Abständen wettern und zetern Sie zur besten Sendezeit über Männer, die für Sex bezahlen. Am liebsten würden Sie uns verhaften und in ein kaltes feuchtes Loch stecken. Wir Freier erkennen uns in Ihren Tiraden
nicht wieder. Eine Autorin Ihrer Zeitschrift EMMA fragt sogar: „…das Gewissen. Wo wird das eigentlich abgestellt, während der eigene Schwanz im Leib der Frau wütet?“ In der aktuellen Debatte um Paysex werden aktive
Sexarbeiterinnen kaum gehört. Und die sogenannten Freier melden sich nicht zu Wort. In Ihrer Kampagne gegen Sex als bezahlte Dienstleistung diabolisieren Sie die Kunden von Sexarbeiterinnen und fordern sogar ihre Kriminalisierung. Um Ihrer schlechten Meinung über uns – Männer, die für Sex bezahlen – etwas entgegenzusetzen, widmen wir Ihnen die folgenden 13 Punkte und drei kurze Fragen:

Der vollständige Brief ist unter freieroffensive.blogspot.de zu
lesen.

Die Welt veröffentlichte am 13.01.14 einen Artikel von einer Dänischen Kollegin geschrieben mit dem Titel:

„Ich ekelte mich vor Euch und Euren Fantasien“

„Lieber Sex-Käufer,
falls Du glaubst, dass ich jemals Lust auf Dich hatte, liegst Du schrecklich falsch. Nicht ein einziges Mal bin ich mit Lust zu meinem Job gegangen. Das Einzige, was mich beschäftigt hat, war, schnelles Geld zu verdienen. Verwechsle das nicht mit leicht, denn leicht war das nicht. Aber schnell, ja. Weil ich viele Tricks lernte, wie Du so schnell wie möglich kommst – sodass ich Dich, auf mir, unter mir oder hinter mir, so schnell wie möglich wieder loswerden konnte.
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Berufsverband-Mitglied Sascha Bergthal schrieb dazu:

Sehr geehrte Frau Rahm,

ich antworte Ihnen, weil Ihr „Offener Brief“ mich entsetzt hat. Allerdings nicht in der Weise, wie es vielleicht in Ihrer Absicht gelegen haben mag, dass ich schockiert wäre über das, was die von Ihnen angesprochenen Freier Ihnen etwa angetan hätten, sondern abgestoßen war ich vielmehr vom Tonfall und der Haltung Ihres Schreibens und von Ihrer sogenannten „Abrechnung“ mit Ihren früheren Kunden. Ein solch selbstmitleidiger Opfergestus, wie er in Ihrem Brief zum Ausdruck kommt, steht keinem an, auch nicht, wenn er oder sie in der Prostitution gearbeitet hat und deshalb wohl mit einer Art unmittelbarem Verständnis von Seiten der öffentlichen Meinung rechnen kann. Weiterlesen

Der Mensch ist keine Ware: Prostitution regulieren – Menschenhandel bekämpfen

Kritische Anmerkungen zu den Beschlüssen der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag auf der 38. Klausur-Tagung in Wildbad Kreuth (7.-9. Januar 2014) von Sexarbeiterin und politischer Sprecherin des Berufsverbandes, Johanna Weber

Laut eigenen Aussagen macht die CSU Politik für die Lebenswirklichkeit der Menschen. Wie diese aussieht wird traditionell zum Jahresabschluss auf der Klausurtagung in Wildbad Kreuth beschlossen und dann mit Pauken und Trompeten verkündet.

Diesmal ging es in zweierlei Hinsicht um das Thema Einwanderung aus Bulgarien und Rumänien. Zum einen sollen die erwarteten Heerscharen an „Neuarbeitsberechtigten“ und „Sozialmissbrauchern“ mit den Worten „Wer betrügt, der fliegt“ in die richtige Richtung gelenkt werden. Auf der anderen Seite sollen selbige osteuropäischen Heerscharen, die in Deutschland in der Zwangsprostitution tätig sind, gerettet werden.

Als politische Sprecherin der zu rettenden Berufsgruppe, möchte ich die sorgsam aufgelisteten Punkte der CSU einer detaillierteren Betrachtung unterziehen.
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