In Deutschland wurde Mitte März eine Schließung von Prostitutionsstätten, Bordellen und ähnlichen Einrichtungen  durchgesetzt. Alle körpernahen, nicht medizinisch notwendigen Dienstleistungen sind laut Vorgabe der Bundesregierung derzeit untersagt. Viele Bundesländer und Städte haben darüber hinaus explizit jede Art von
Prostitution verboten.

Weder in Hamburg noch in NRW sieht der Bußgeldkatalog eine Differenzierung zwischen Betreiber*innen einer Prostitutionsstätte und einer*m selbstständig arbeitenden Sexarbeiter*in vor. Alle betreffenden Personen werden mit der gleichen, unverhältnismäßig hohen Strafzahlung von rund 5.000 Euro belegt.

Am Beispiel des Bußgeldkatalogs für Hamburg: Rund 5.000 Euro sind für eine Zuwiderhandlung gegen das Prostitutionsverbot ausgewiesen.

Egal, ob es sich um das „Öffnen einer Prostitutionsstätte für den Publikumsverkehr“, den „Betrieb einer Prostitutionsvermittlung“, die „Durchführung einer Prostitutionsveranstaltung“, die „Bereitstellung eines Prostitutionsfahrzeuges“, oder eben die „Erbringung sexueller Dienstleistungen“ und die „Ausübung der Prostitution“ handelt – der Regelsatz liegt jeweils bei 5.000 Euro. Wohlgemerkt gelten alle Summen im Katalog im Falle eines „Erstverstoßes“. Im Wiederholungsfall darf eine Geldbuße von bis zu 25.000 Euro verhängt werden.

Zum Vergleich die Regelsätze außerhalb von Sexarbeit:

Der Betrieb einer Gaststätte wird mit rund 4.000 Euro Strafe, oder die Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen inklusive „Gemeinschaftsaktivitäten“ mit rund 1.000 Euro Strafe, mäßiger geahndet, als die Annahme eines einzelnen Kunden durch eine*n Sexarbeiter*in. Die Zusammenkunft einer nicht beschränkten Zahl von Menschen in einer Kirche, Moschee, Synagoge oder auch an einem nicht-öffentlichen Ort wird mit 1.000 Euro für den Veranstalter sowie 150 Euro für jeden Teilnehmer bestraft. „Feierlichkeiten“ in Wohnungen oder anderen nicht-öffentlichen Orten schlagen mit 150 – 500 Euro zu Buche.

Die hohen Strafen stürzen jene in den Ruin, die bereits ganz unten sind. Sie führen nicht zu einem Rückgang von Sexarbeit, sondern zu einer Verschlimmerung der Lage für bereits extrem marginalisierte Gruppen.

Ein hoher Anteil von Menschen in der Sexarbeit leben von der Hand in den Mund. Viele sind nicht krankenversichert, nicht angemeldet, haben keine Aufenthaltsberechtigung in Deutschland, oder sind bereits von Armut betroffen. Der
Anteil von Sexarbeiter*innen, die keinen Anspruch auf staatliche Hilfen – wie zum Beispiel die Grundsicherung – haben, ist im Vergleich zu anderen Branchen sehr groß. Aufgrund des Arbeitsverbots und der rückgehenden Nachfrage kämpfen diese Menschen jetzt um ihr Überleben.

Um Sexarbeiter*innen finanziell zu unterstützen, die durch alle Netze fallen und keinen Anspruch auf staatliche Hilfen haben, haben wir den —> BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen – die Ärmsten in der Sexarbeit brauchen rasche und unbürokratische Hilfe anstelle von Strafen.

Denn trotz dem auch für ihr eigenes Leben steigenden Risiko der Arbeitsausübung, wissen sich viele nichts anders zu helfen: Sie suchen weiterhin im Internet und auf der Straße nach Kunden und nehmen weiterhin Anfragen von Kunden an. Einige Kunden nützen die Lage dieser marginalisierten Gruppe von Sexarbeiter*innen aus – sie wissen um deren Not und drücken die ohnehin niedrigen Preise oder versuchen, normalerweise nicht angebotene Leistungen zu erpressen.

Sexarbeiter*innen, die aus ihrer Not heraus gegen die Verordnung verstoßen, müssten nach dem Hamburger Bußgeldkatalog für die „Erbringung sexueller Dienstleistungen“ den gleichen Betrag zahlen, als wenn sie als Veranstalterinnen ein Bordell, einen Jahrmarkt, ein Schwimmbad, einen Tierpark, ein Theater, eine Diskothek oder ein Volksfest betreiben würden. 

Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistung fordert daher:

  • eine drastische Verringerung der unverhältnismäßigen Bußgelder für die Sexarbeits-Branche, insb. für einzelne Sexarbeitende
  • einen Ermessensspielraum für die Behörden und Kontrollorgane gegenüber einzelnen Sexarbeiter*innen, beginnend mit einer Verwarnung für den Erstfall
  • die Schaffung und Vermittlung unbürokratischer, sofortiger
    Überlebenshilfe, unabhängig von Anmelde- oder Aufenthaltsstatus

Insbesondere bei dem Verstoß gegen „Ausübung der Prostitution“ beziehungsweise der „Erbringung sexueller Dienstleistungen“ plädiert der Berufsverband für das Mittel der Wahl im Umgang mit verzweifelten Sexarbeitenden und im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus:

  • Verwarnungen bei Erstverstößen
  • Geldstrafen in Wiederholungsfällen, die 150 Euro nicht überschreiten
  • das Verweisen an Beratungsstellen, deren Mitarbeiter*innen geschult darin sind, mit diesem besonders stigmatisierten und vulnerablen Personenkreis adäquat umzugehen

Pressekontakt:

  • Johanna Weber | 0151 – 1751 – 9771 | johanna@besd-ev.de 
  • Lilli Erdbeermund | presse@besd-ev.de

Dieser Beitrag stammt aus der Feder von unserem Mitglied Miss Daria, die seit vielen Jahren als Sexarbeiterin in Stuttgart im Bereich experimenteller Sexualität tätig ist. Der Text ist in einer vorherigen Version zuerst in ihrem Blog erschienen.  

Gerade habe ich den Artikel „Corona: Chance zum Ausstieg?“ aus der EMMA gelesen. Und sehr lange darüber nachgedacht, ob ich bei Twitter darauf antworte. Die unkonstruktive Art, in der in dem Text argumentiert wird, nervte mich sehr. Ich habe angefangen zu schreiben, aber egal was ich in den Tweet bringen wollte, alles klang nach Rechtfertigung.

Insbesondere die Prostitutionsgegner*innen hier in Stuttgart – zum Beispiel Sisters e.V., #RotlichtAus oder #ichbinkeinfreier –  sind unterschiedliche Vereine und Kampagnen, die schon viele Jahre an einem Teppich gegen Sexarbeit knüpfen. Allesamt scheinen ausschließlich daran interessiert zu sein, Sexarbeit in jeglicher Form zu beenden. Viele ihrer Mitglieder wirken sehr gut gecoacht und geübt darin, für ihre Sache zu argumentieren – um von sich selber abzulenken und um ein ganz bestimmtes Bild von Sexarbeit in der Welt zu verbreiten.

Wirklich gut, dass ich grad soviel Zeit habe, „dank Corona“. Somit kann ich heute ein wenig über die faszinierenden Kommunikations-Strategien von Prostitutionsgegner*innen schreiben.


Strategie 1: Gegeneinander ausspielen

Wie man auch in dem oben genannten Artikel lesen kann, versuchen Prostitutionsgegner*innen immer wieder Sexarbeiter*innen untereinander auszuspielen und in Schubladen zu stecken. Hier ein paar davon:

  • Sexarbeiter*innen, die genug Geld verdienen, oder unter guten Bedingungen arbeiten und sagen, dass sie den Beruf freiwillig ausüben, sind „privilegiert“ oder wahlweise auch heimlich „traumatisiert“.
  • Sexarbeiter*innen, die unter Geldmangel leiden, oder unter schlechten Bedingungen arbeiten und trotzdem sagen, dass sie den Beruf freiwillig ausüben, „belügen sich selbst“und sind auf jeden Fall „traumatisiert“.
  • Sexarbeiter*innen, die sich zu ihrem Beruf nicht öffentlich äußern, sind grundsätzlich „gezwungen“, und „Opfer, die man retten muss“.
  • (Ehemalige) Sexarbeiter*innen, die öffentlich ähnliche Positionen wie Prostitutionsgegner*innen vertreten, sind die „Guten“, „wenigstens ehrlich“, oder „Überlebende“.
  • (Ehemalige) Sexarbeiter*innen, die öffentlich andere Positionen als Prostitutionsgegner*innen vertreten, sind immer „privilegiert“ und zusätzlich die „Bösen“ und „Lobbyist*innen“.

Strategie 2: Entmachtung

Sobald Sexarbeiter*innen es wagen, mit gegensätzlichen Standpunkten und Blickrichtungen an die Öffentlichkeit zu gehen, werden sie von Prostitutionsgegner*innen diffamiert. Wir sollen nicht mitreden dürfen – weil wir ja „gaaar keinen Vergleich“ hergeben oder uns „selbst belügen“.

Kann doch nicht verhindert werden, dass wir mitreden dürfen, werden uns bösartige Beweggründe unterstellt – weil wir entweder „von der Betreiber-Lobby gekauft“ sind oder „nur andere für uns anschaffen lassen“.

Strategie 3: Dramatisierung

Von Seiten der Prostitutionsgegner*innen wird ein Bild der durchschnittlichen Sexarbeiterin als ewiges „Opfer“ gemalt und darum drehen sich grundsätzlich alle Diskussionen. Es ist weit verbreitet, nur mit traurigen, dramatischen und bildhaften Beschreibungen zu argumentieren. So was setzt sich natürlich schnell im Kopf der Öffentlichkeit fest, besonders bei jenen, denen die breite Vielfalt der Sexarbeit nicht bewusst ist.

Tantrastudios, Laufhäuser, BDSM-Studios, Sexarbeit in Wohnmobilen, auf dem Straßenstrich, Personen die in Swingerclubs animieren…  die Liste ist lang! Sexarbeit hat so viele unterschiedliche Bereiche, und – glaubt mir – der Anteil an Sexarbeiter*innen, die nicht in das Bild der Prostitutionsgegner*innen passen ist groß.

Das Bild entspricht vielleicht einer (!) Realität, bezieht aber niemals die gesamte Bandbreite mit ein. Es ist einseitig und erlaubt keine anderen Bilder neben sich – unter solchen Voraussetzungen kann niemals ein offener Diskurs entstehen.

Strategie 4: Angriff

Ein weiterer Punkt ist das Vorgehen nach dem Motto: „Angriff ist die beste Verteidigung“. In einer Diskussion auf Twitter kam die Frage auf, was Sisters e.V.  und Co denn aktuell tun, um Sexarbeiter*innen, die kein Geld verdienen können, zu unterstützen. Und es wurde deutlich, dass die Befürworter*innen eines Sexkaufverbots wenig bis gar nicht dazu beitragen, die Bedingungen für Sexarbeiter*innen wirklich zu verbessern.

Um dieses Nichts-Tun zu verschleiern, wird mit Gegenfragen und mit Angriffen agiert. Das ist in dem oben genannten Artikel gut zu erkennen, in dem die Verfasserinnen ausgerechnet den Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistung anfeinden.

Ein Verband aus aktiv arbeitenden Sexarbeiter*innen wird als „Lobbyverband ausgezeichnet verdienender Studiobesitzerinnen“ bezeichnet und mit Vorwürfen des absichtlichen „Nichts-Tuns“ und „Nicht-früh-genug-Tuns“ überhäuft. Ich bin Mitglied im BesD, ich könnte also eine Menge von dem erzählen, was dort alles wirklich passiert, um die Bedingungen für Sexarbeiter*innen – insbesondere im Bereich der prekären Sexarbeit – zu verbessern.

Strategie 5: Verzerrung

Es wird von Gegner*innen sehr häufig mit Zahlen jongliert, also mit vermeintlichen Fakten, die jedoch keine sind. Nirgendwo gibt es auch nur einen Ansatz, eine Studie, oder Statistik, die zum Beispiel die Zahlen, die im Artikel genannt werden, unterstützen. Die „90 Prozent Elendsprostituierten“ sind schlicht und ergreifend gelogen.

Der BesD wird auch „Lobbyverband“ genannt, um quasi Fakten zu verwaschen. Das Wort hinterlässt einen schrägen Beigeschmack – es zielt in meinen Augen darauf, ein Bild zu hinterlassen, das etwas mit Zuhälterei zu tun hat. Aber vielleicht bin ich da auch gerade sehr empfindlich.

Hier sei auch nochmal der Punkt Menschenhandel und Zwangsprostitution erwähnt. Es müsste endlich mal allen klar werden, dass Menschenhandel strafrechtlich geregelt ist. Das Wort Zwangsprostitution ist ein Unwort – Sex unter Zwang ist Vergewaltigung und hat bei Prostitution nichts zu suchen.

Strategie 6: Spott

Zitat aus der EMMA: „Wir erinnern uns an die Vertreterinnen der Pro-Prostitutionslobby, die in Talkshows das Mantra von der glücklichen Prostituierten herunterbeteten“. Da werden die öffentlichen Auftritte der wenigen Sexarbeiter*innen, die sich für Anerkennung, gute Bedingungen und Differenzierung der Sexarbeit einsetzen, auf spöttische Weise dargestellt und nicht ernstgenommen.

Zu dem Thema fällt mir auch noch der Beitrag der Frau B. ein, den sie am 13. März 2020 bei Twitter veröffentlicht hat und der ganz unten in dem Artikel sogar nochmal gehypt wird. In dem spottet sie unter anderem auf meine Kosten über die Bordellschließungen in der Corona-Krise, dass „Man(n) ja schon mal üben könne“.

Ich persönlich finde den Tweet selbst und die Unterstützung der EMMA peinlich und erschütternd. Für alle Sexarbeiter*innen, die wegen Corona mit einem Arbeitsverbot belastet sind, wirkt diese Aussage einfach nur verachtend. Frau B. freut sich ganz offensichtlich darüber, dass viele, viele Frauen, Männer und Trans-Menschen in nächster Zeit ihre Mieten nicht mehr zahlen können.


Ach, ich könnte den Artikel noch weiter auseinander pflücken –  könnte mich richtig in Fahrt bringen – aber ich glaube ich habe schon deutlich gemacht, was ich deutlich machen wollte.

An gewissen Stellen scheint es überhaupt keinen Sinn mehr zu machen, mit Prostitutionsgegner*innen in eine Auseinandersetzung zu gehen – das kenne ich gut. Viele von uns fühlen sich bei diesen Diskussionen (zu Recht) oft hilflos und wütend. Ich hoffe ich konnte hier ein bisschen aufzeigen, woher das kommt und womit wir es eigentlich zu tun haben.

Wärend Corona-Krise ist das Wohnen in leerstehenden Bordellen erlaubt

Von Johanna Weber, politische Sprecherin

Verschiedene Meldungen gingen vor einer Woche fast parallel bei uns ein. Auf der einen Seite diverse Anfragen von wohnungslosen Kolleg*innen, die wissen wollten ob sie nicht in ihren Bordellen bleiben können solange diese wegen der Corona-Verordnung geschlossen sind. Auf der anderen Seite ereilten uns Nachrichten von Bordellbetreibern, die sich weigerten, ihre „Frauen“ auf die Straße zu setzen und dadurch zum Teil heftige Probleme mit Ordnungshütern bekamen.

In diesem Sinne machte der Betreiber des City-Eroscenter in der Stuttgarter Leonhardstraße und das Pascha in Köln Schlagzeilen, denn sie setzten Niemanden auf die Straße. Einige weitere Bordelle zogen nach, die wir auf unsere Unterseite aufgelistet haben. Eine gute Infoquelle mit Angeobten für „gestrandete Damen“ ist die Webseite kollegin.de. Man mag dies als gelungene Marketingmaßnahme abstempeln, aber es ist eine Maßnahme, die hilft und nicht ohne Risiko ist oder war.

Viele Bordellinhaber*innen trauten sich nicht, die Zimmer zum Wohnen zur Verfügung zu stellen, denn sie fürchteten den Verlust der Lizenz als Prostitutionsstätte. Jeder, der weiß, wie aufwändig es ist diese Genehmigung zu erhalten und auf wie gefühlt wackeligen Beinen diese steht, wird die Sorgen der Betreibenden verstehen. Hinzu kommt, dass in den meisten Bundesländern noch so gut wie gar keine Genehmigungen für Prostitutionsstätten erteilt wurden. Die Mühlen der Behörden mahlen doch oft sehr langsam. Jeder Antragsteller, der in dieser Warteschleife steckt, wird das nicht gefährden wollen.

Wie groß ist denn das Problem der drohenden Obdachlosigkeit nun wirklich?
Eine schnelle Umfrage an die Beratungsstellen im bufas-Verbund ergab, dass viele Sexarbeitende doch noch abgereist seien in ihre Heimatländer. Aber bei weitem nicht alle – mittlerweile gibt es kaum noch Möglichkeiten über die Grenzen zu kommen. Die günstigen Buslinien fahren nicht mehr und Flüge sind extrem eingeschränkt.
Auch gibt es nicht wenige Sexarbeitende, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben und über keinen festen Wohnsitz verfügen. Sie wandern zum Arbeiten von einer Terminwohnung zur nächsten, wo sie dann in der Regel in separaten Zimmern auch Wohnen können. Diese Möglichkeiten fielen nun weg, denn alle Bordelle, Terminwohnungen, Clubs, Studios, usw. sind geschlossen.

Das Londoner Modell kam ins Gespräch. Dabei geht es darum, dass aktuell leerstehende Hotels oder Hostels umfunktioniert werden zur Unterkunft für Menschen ohne Wohnung. Ein wunderbar pragmatischer Ansatz. Allerdings erschien es uns in diesem Fall unkomplizierter, die Sexarbeitenden einfach an ihrem Arbeitsplatz zu belassen.

Dazu müßte im Prinzip nur das im ProstituiertenSchutzGesetz festgeschriebene Übernachtungsverbot ausgesetzt werden. Ob denn sowas überhaupt möglich ist, fragten wir uns.
Vor dem Hintergrund, wie viele Freiheitseinschränkungen und Verbote im Zuge von Corona schon ad hoc und auch wahrscheinlich auch zu Recht beschlossen wurden, sollte doch solch eine Kleinigkeit wie das Übernachtungsverbot auszusetzen wohl möglich sein.

Auf unsere Anfrage beim Familienministerium machte man uns keine großen Hoffnungen aber man leite das weiter. Und siehe da, wir wurden erhört. Vielleicht waren wir auch nicht die Einzigen, die diese Idee hatten. Es gab zumindest gleich am nächsten Tag eine Anfrage zu dem Thema an alle Bundesländer. Es wurde dann erstaunlich schnell gehandelt, und das Übernachten und Wohnen ist nun für die Corona-Zeit in Prostitutionsstätten erlaubt.

Zitate aus dem Rundschreiben des BMFSFJ (Familienministerium)

Maßnahmen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit von Sexarbeitenden

Auslegungshinweise zu § 18 Abs. 2 Nr. 7 ProstSchG im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Beschränkungen zum Zwecke einer langsameren Ausbreitung des Corona

Es wird darauf hingewiesen, dass in der gegenwärtigen Ausnahmesituation und vor dem Hintergrund der akuten Gefährdung von Sexarbeitenden zur Abwendung einer Notlage eine ausnahmsweise Abweichung von der in § 18 Abs. 2 Nr. 7 ProstSchG vorgesehenen räumlichen Trennung derzeit aufgrund der umfassenden Untersagung von Prostitutionsgewerben rechtlich zulässig ist

HIER nachzulesen als Punkt 7 – Prostituierte schützen

Die Sexarbeiterinnen Lady Giorgina, Fräulein Angelina und Phantessa haben diesen Text gemeinsam verfasst. Sie arbeiteten bis zum Arbeitsverbot wegen Corona in BDSM-Studios – als Domina, Bizarrlady und Sklavin. Ihr Text ist bei den „Geschichten von Unten“ von  „Hände Weg vom Wedding“ erschienen.

Seit Ende letzter Woche habe ich Arbeitsverbot in meinem Job, um die Infektionsgefahr mit dem Corona-Virus gering zu halten. So weit verständlich und sinnvoll.  „Viel Zeit, all das zu tun, was ich schon seit langem machen wollte: Lesen, Renovieren, Reparieren, Schreiben“, dachte ich am Anfang noch. Und in der Tat, mir wird vorerst nicht langweilig. Aber hauptsächlich aus dem Grund, dass ich mir überlegen muss, wo ich jetzt das Geld her hole. Jetzt, wo für mich als Selbstständige nichts reinkommt.

Ich bin Sexarbeiterin, und zwar aus Überzeugung. Und natürlich aus der Notwendigkeit, meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich habe auch ein Diplom und eine abgeschlossene Ausbildung, habe mich aber für diesen Beruf entschieden – weil ich ihn wichtig finde in unserer Gesellschaft. Weil das, was ich tue, anderen hilft. Das ist Psychotherapie und Körperarbeit in einem. Dass das jetzt weg fällt für meine Klient*innen, ist schon schlimm genug. Aber bei mir kommt de facto kein Geld rein. Ich muss kreativ werden, nach Online-Möglichkeiten suchen, oder nach etwas ganz anderem. Aber auch Firmen, für die man komplett aus dem Home-Office arbeiten könnte, sind momentan mit der Situation überfordert, stellen erst einmal niemanden neu ein, so die Antworten.

Webcam, Telefonsessions – das kommt prinzipiell infrage, aber auf die Idee sind natürlich auch schon andere gekommen, das Angebot ist groß. Wie sich die Nachfrage über die nächsten Wochen entwickeln wird, muss man sehen. Draußen feiern Leute Corona-Parties und ich denke mir: „Wer fest angestellt ist, kann das ja relativ leicht in Kauf nehmen und es feiern, nicht arbeiten zu müssen.“ Wir Freiberufler*innen müssen aber darauf hoffen, dass sich das Arbeitsverbot nicht zu lange hinzieht, denn Miete und Krankenkasse müssen schließlich weiterhin bezahlt werden. Und essen möchten wir auch noch.

Gleichzeitig denke ich mir auch: Ich stehe wahrscheinlich noch relativ gut da, denn ich habe immerhin noch ein Dach über dem Kopf, habe Bildung genossen und kann einigermaßen problemlos Sozialleistungen beantragen, falls es nötig wird. Sexarbeit wird aber auch von vielen Personen gewählt, die es schwer haben in Deutschland. Weil sie hier keinen festen Wohnsitz haben, weil ihr Umfeld den Job nicht akzeptieren würde, oder weil sie aus allen möglichen Gründen durch das soziale Netz fallen. Schon alleine deshalb brauchen wir jetzt schnelle und unbürokratische Hilfen, wie das bedingungslose Grundeinkommen.

Und wer weiß, wie es dann überhaupt weitergeht, in der Zukunft. Leni Breymaier (SPD) freute sich auf Twitter, dass das vorübergehende Arbeitsverbot für SexarbeiterInnen quasi ein Probedurchlauf für ein von ihr angestrebtes generelles Sexkaufverbot ist: „#Corona. Geht doch. Man(n) kann ja schon mal üben.“ (Tweet vom 14.3.20) Was üben wir denn da? Kein Geld zu haben? Hartz IV Anträge auszufüllen? Unseren Beruf in gefährlicher Illegalität auszuführen? Das Gefühl zu ertragen, nicht ernst genommen zu werden als Personen mit freiem Willen zu unserer Berufswahl, der uns immer und immer wieder abgesprochen werden soll?

Wir brauchen Unterstützung. Jetzt finanzieller Art und später, wenn es darum gehen soll, das Schwedische Modell einzuführen, dann brauchen wir politische Unterstützung. Das Schwedische Modell ist antifeministisch und entmündigend. Wir brauchen Respekt. Wir brauchen Sichtbarkeit, damit wir nicht einfach heimlich, still und leise unter den Teppich gekehrt werden.

Wir möchten nicht üben für etwas, das uns das Recht auf freie Berufswahl nimmt.
Wir möchten auch nicht dafür üben, von Sozialleistungen zu leben.
Wir möchten eine Entstigmatisierung seitens der Gesellschaft, der Behörden und der Politik.

Wir möchten, wie jeder andere Mensch auch, dass diese Krise möglichst schnell und mit möglichst wenig Verlusten vorüber geht. Und dass wir dann weder A) auf der Straße sitzen noch B) unser Beruf dann auch noch von antifeministischen Moralaposteln unter dem Vorwand, es ginge um unseren Schutz, illegalisiert wird.

Wir möchten ernst genommen werden. Wir möchten, dass uns Respekt entgegen gebracht wird und dass wir soziale und finanzielle Sicherheit haben, wie in anderen „normalen“ Berufe auch.

Bezüglich der momentanen Ausnahmesituation möchten wir, dass alle die Einschränkungen ernst nehmen, damit die Infektionskurve verflacht wird (#flattenthecurve) und die Arbeitsverbote und ggf. Ausgangssperren dann auch möglichst schnell wieder aufgehoben werden und wir wieder arbeiten können.

Und besonders wichtig: Wir sind absolut bereit, einige Zeit auf die Ausübung unseres Berufes zu verzichten, um Menschen aus Risikogruppen zu schützen und unseren Teil dazu beizutragen, das Gesundheitssystem am Funktionieren zu halten. Aber auf keinen Fall darf das ausgenutzt werden, um unter dem Deckmantel der Corona-Prävention längerfristige Berufsverbote zu erwirken!

Wir brauchen schnelle und unkomplizierte finanzielle Unterstützung (auch für nicht registrierte Sexarbeiter*innen) im Sinne von Verdienstausfall, nicht als Kredite oder Hartz4. Wir rufen alle dazu auf, mit uns solidarisch zu sein. Sich unseren Forderungen anzuschließen. Außerdem solidarisch mit all jenen zu sein, die von Corona besonders betroffen sind. Und wir hoffen, dass wir alle möglichst bald und mit so wenig Schaden wie möglich aus der Krise kommen.

Redebeitrag von BesD-Mitglied und Sexarbeiterin Vani (kaufmich.com/Muecke1403) anlässlich des Frauen*Kampftags in Rostock. Danke außerdem an SeLa – Selbstbestimmt Leben und Arbeiten, das Centrum für sexuelle Gesundheit, Frauenstreik Rostock und Demo zum Frauen*kampftag.

 

Wow. Ich bin echt aufgeregt. Ich bin immer aufgeregt, wenn ich vor großen Gruppen sprechen soll. Aber heute bin ich ganz besonders aufgeregt. Warum? Weil ich als Sexarbeiterin vor euch stehe. Ich bin Escort und Mitglied des BesD, des Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen. Und genau in dieser Rolle werde ich, oder wird das was ich tue, von unglaublich vielen Menschen immer noch als unmoralisch, dreckig, eklig, billig oder sonst wie abgewertet. Weil Frauen immer noch in Hure und Heilige eingeteilt werden, also in gute Frau, schlechte Frau.

Die gute Frau ist die, die nicht auffällt und nicht aufregt, die die Klappe hält und tut was sie soll, die in der Öffentlichkeit kein sexuelles Wesen ist, dem Partner aber schon zur Verfügung steht, wenn der es wünscht. Die schlechte ist die, die all das bricht, die nicht alles nach außen hin schön wirken lässt, die – um Gottes Willen – eigene sexuelle Bedürfnisse hat, was schon geil ist und ab und zu mal benutzt werden kann, aber halt nicht als Freundin oder Frau zu Hause – und wehe die eigene Tochter gehört dazu. Ich bin in dem Szenario natürlich ganz offensichtlich die Schlechte und damit habe ich mir jeden Respekt, der einem Menschen entgegen gebracht werden könnte, verspielt. Das ist das so genannte Hurenstigma.

In meinem Fall heißt das, dass ich mit meiner Familie und neuen Leuten nicht über meinen Alltag sprechen kann, weil ich Angst vor der Reaktion habe. Es heißt, ich hab mich echt scheiße gefühlt, als ich zu der laut „Prostituiertenschutzgesetz“ verpflichtenden Gesundheitsberatung gehen musste und mir mit einer Herablassung sondergleichen erklärt wurde, wie Verhütung nochmal funktioniert. Es heißt, ich habe enge Freunde verloren, weil die Person „auch wenn sie mich nicht verurteilen will, jetzt doch einfach irgendwie anders über mich denkt“.

Ich habe zum Glück Freunde, die Bescheid wissen, die mich unterstützen und mit denen ich über Erlebtes sprechen kann. Und ich bin weiß, ich bin Deutsche, ich bin Cis-Gender, nicht-behindert, Akademikerin, ich spreche die Landessprache fließend, ich kann lesen und schreiben und ich kann sogar Behördendeutsch verstehen. Das alles heißt, dass es viele Sexarbeiter*innen gibt, die in viel prekäreren Situationen arbeiten als ich.

Für Frauen mit weniger Privilegien bedeutet das Hurenstigma vielleicht Gewalt. Es bedeutet vielleicht, dass sie mit NIEMANDEM über ihren Alltag sprechen können. Es bedeutet Schwierigkeiten umzusteigen und einen neuen Job zu finden, eine schlechtere gesundheitliche Versorgung, Scham oder ein eigenes Risiko bei der Anzeige von Straftaten. Und das in einer Gesellschaft in der wir gerade vor ein paar Jahren angefangen haben, die Sexarbeit zu entkriminalisieren.

In letzter Zeit werden aber wieder Stimmen laut, die eine Kriminalisierung fordern, dieses Mal in Form eines Sexkaufverbots –  also Freier bestrafen und mir meine Arbeit im Prinzip unmöglich machen. Das Sexkaufverbot will angeblich Frauen schützen, nicht indem es Sexarbeit sicherer macht, sondern indem es Sexarbeit abschafft. Denn die Logik der Freierbestrafung ist nicht in erster Linie „wir müssen die Frauen unterstützen, die diesen Beruf ausüben“ sondern „Sexarbeit ist unmoralisch und sollte nicht stattfinden“. Welcome back beim Hurenstigma.

Was stimmt ist, dass Sexarbeit sexistischen, rassistischen und vielen anderen Strukturen unterliegt, weil unsere Gesellschaft sexistisch, rassistisch, queerfeindlich und vieles mehr ist. Und deswegen sind wir heute hier, deswegen organisieren wir uns, demonstrieren und tun alles Mögliche um dagegen zu kämpfen und vor allem auch um solidarisch zu sein und uns gegenseitig in unseren Kämpfen zu unterstützen! Denn das Hurenstigma ist immer auch das Stigma von Frauen, die ihre sexuelle Freiheit leben ohne dafür Geld zu verlangen. Die irgendwie anders nicht in das Bild der „Heiligen“ passen. Die ihr Leben so leben, wie sie es wollen und nicht wie unsere sexistische Gesellschaft es vorschreibt.

Deshalb bitte ich euch, seid auch ihr solidarisch mit Sexarbeiter*innen und kämpft für unsere Rechte. My Body, my choice!

Nach dem Besuch der Mitgliederversammlung des Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen fasste unsere politische Sprecherin Johanna Weber auf der Heimreise ihre Eindrücke in Worte. Danke dafür! 

Ich sitze im ICE auf dem Rückweg von der Mitgliederversammlung des Berufsverbandes nach Hause. Ich habe lange einfach nur aus dem Fenster geschaut. Und langsam dämmert es mir, was wir in den letzten drei Tagen Großartiges erreicht haben.

Nie waren wir so breit aufgestellt.

Wir waren so viele Teilnehmende, dass unsere Unterkunft für die Letzten nur noch Matratzenlager in der Scheune einrichten konnte. Aber das spielte keine Rolle. Es war überwältigend, wie sachlich und konzentriert alle gearbeitet haben.

Damit dieser Schwung dann auch wirklich umgesetzt und vorangebracht werden kann, braucht es Menschen, die das nicht ehrenamtlich, sondern beruflich machen.

Ohne Geld läuft nichts. Und daran wollen wir nicht scheitern. Wir haben eine neue Angestellte, die sich auch um Mittelbeschaffung und Finanzen kümmert. Tamara aus Leipzig hatte uns schon beim letzten Hurenkongress unterstützt, und die Zusammenarbeit mit den beiden anderen Angestellten klappt hervorragend.

Undine de Rivière aus Hamburg wird auch weiterhin für den BesD vor Kameras und Micro treten. Und wir haben für die aktive Pressearbeit Verstärkung bekommen.  Susanne alias Hauptstadtdiva aus Berlin bringt sehr viel Erfahrung mit und betreut bei einer großen Werbeplattform für Sexarbeitende das Online-Magazin.

Politische Sprecherin bin ich selber. Ich sehe mich dabei zum größten Teil als Koordinatorin für die ganzen Einzelaktionen, die von anderen Mitgliedern gemacht werden. In den einzelnen Bundesländern bilden sich gerade sehr aktive politische Keimzellen. Auch sehe ich mich als Motor, Kolleginnen zum Aktivwerden zu motivieren und die passenden Personen für die verschiedenen Anfragen oder Aktionen zu finden.

Der Vorstand wurde von drei auf fünf Personen aufgestockt. Noch nie gab es im BesD auch nur einen ansatzweise so starken und breit gefächerten Vorstand wie jetzt.

Lucy aus Frankfurt – 30 Jahre Sexarbeit jeder Art.
Michael aus Freiburg – 10 Jahre Sexarbeit, Tantra-Massage.
Susanne aus Berlin – 10 Jahre Sexarbeit jeder Art.
Nicole aus Trier – 18 Jahre Sexarbeit, Straße und Wohnwagen.
Johanna aus Berlin – 15 Jahre Sexarbeit, Bordell und Bizarrstudio.

Auch im Bereich Kommunikation beim BesD passiert einiges. Wir haben einen neuen Zuständigen für die IT. Martin aus Köln – ich soll ihn ja nicht Webmaster nennen – etabliert dort gerade einen Sexarbeits-Stammtisch.

Es gibt nun zwei Zuständige für Mediation. Interne Unstimmigkeiten innerhalb des immer größer werdenden Verbands sollen in Zukunft professionell angegangen werden – und uns nicht schwächen.

Die anderen Positionen bleiben wie gehabt – Motto: Never change a winning team. Ich freue mich und fühle mich stark!

Nie war alles so klar.

Das schwedische Modell ist kein Erfolgsmodell. Und nie war so klar, dass wir – trotz aller Verschiedenheiten – nur gemeinsam gegen die Überlegungen zur Einführung des Schwedischen Modells in Deutschland antreten können.

Wir waren nie so stark wie jetzt.

“Am Anfang hatte ich Angst, mich politisch zu engagieren und sichtbar zu sein”, berichtet eine Teilnehmerin auf dem Hurenkongress, der im vergangenen August bereits zum zweiten Mal Sexarbeitende aus Deutschland, Europa und der Welt in Berlin zusammenbrachte. “Aber dadurch, dass ich Sexarbeitende mit anderen Erfahrungen und Biografien getroffen habe, wurde mir klar, dass ich Privilegien habe, die ich nutzen muss, um unsere Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern”, fährt sie fort.

 

Zusammen mit 200 anderen Sexarbeitenden verbrachte die Sexarbeiterin und Aktivistin aus Lateinamerika daher auf dem Hurenkongress zwei Tage damit, sich in einem geschützten Umfeld untereinander auszutauschen, zu vernetzen und Strategien zu entwickeln. Dass die Anzahl der Teilnehmenden im Vergleich zum Vorjahr noch gestiegen war, sehen viele als Zeichen für den zunehmenden Widerstand, der sich gerade unter Sexarbeitenden in Deutschland formiert.

 

Ausschlaggebend hierfür ist insbesondere das neu verabschiedete Gesetz zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen, kurz genannt Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG), das seit 2017 die rechtliche Diskriminierung und zunehmende Stigmatisierung von Sexarbeitenden fortschreibt. Wesentliche Elemente dieses Gesetzes sind eine Anmeldepflicht und die Mitführung einer Anmeldebescheinigung, dem sogenannten Hurenpass; eine verbindliche Gesundheitsberatung sowie die Einführung einer Erlaubnispflicht für Betriebsstätten. Mit Schutz und Unterstützung hat das neue Gesetz aber wenig bis gar nichts zu tun: zum einen greift es unrechtmäßig in das Selbstbestimmungsrecht von sexarbeitenden Menschen ein und ist mit deren Menschenrechten nicht vereinbar. Zum anderen zeigt sich mehr als zwei Jahre nach Einführung des Gesetzes deutlich, wie sehr es die Arbeitsbedingungen für Sexarbeitende verschlechtert.

 

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen war der Hurenkongress 2019 ein besonders bedeutendes Event für Sexarbeitende. Wir als Forschende nutzten ihn auch dazu, die persönlichen Erfahrungen und Perspektiven der Teilnehmenden zu erfragen und zu dokumentieren. Dazu kreierten wir einen anonymen Forschungsraum, in dem Sexarbeitende ihre Sichtweisen zu den Themenschwerpunkten Prostitutionspolitik und Sexarbeitsaktivismus teilen konnten. Wir erfragten insbesondere auch, wie sie die aktuelle politische Entwicklung in Deutschland wahrnehmen. Hier zeigte sich ein deutliches Stimmungsbild. Von vielen Teilnehmenden wurde die Situation als “bedrohlich”, “beängstigend”, „restriktiv“ und “repressiv”, sowie als „existenzbedrohend“ und “gefährlich” beschrieben. Viele sehen in der momentanen Politik außerdem einen Rückschritt im langjährigen Kampf um Rechte und Anerkennung. Sie fordern stattdessen “Respekt”, eine “faire Behandlung, wie andere Arbeitsbereiche auch”, und die Einbeziehung von Sexarbeitende in politische Prozesse. Würde man mit Sexarbeitenden reden, ihre Meinungen ernst nehmen und ihren Empfehlungen folgen, so wäre die komplette Dekriminalisierung und Entstigmatisierung von Sexarbeit unabdingbar, so sind sich viele einig.

 

Um solche politischen und gesellschaftlichen Verbesserungen zu erreichen, organisieren sich Sexarbeitende gemeinsam. Dabei sind unvoreingenommene Begegnungen und ein Austausch auf Augenhöhe besonder wichtig, da es innerhalb der Sexarbeit unterschiedlichste Arbeitsbereiche und Arbeitsformen, und damit auch eine Vielfalt an Erfahrungen und Perspektiven gibt. Beim Hurenkongress kamen diese wie bei keiner anderen Gelegenheit in 2019 zusammen. In 12 unterschiedlichen Workshops lernten die Sexarbeitenden hier Neues, tauschten Expertise aus und hielten Debatten ab. Die Teilnehmer*innen zeigten sich selbst “überrascht, fasziniert, und begeistert von der Vielfältigkeit der Sexarbeit und der Menschen” und beschrieben, wie die unterschiedlichen Selbstbilder der Anwesenden ihren Blick öffneten.

 

Dass sie hierbei zuerst einmal unter sich blieben, ist für viele Sexarbeitende unabdingbar: nur in einem geschützten Raum können sie Perspektiven und Erfahrungen austauschen, ohne die Stigmatisierung und Verurteilung Anderer zu fürchten. Der Hurenkongress bot einen solchen Raum, in dem Sexarbeitende trotz aller Unterschiede und Marginalisierungserfahrungen Gemeinschaft, Solidarität und gegenseitige Hilfe finden konnten, und förderte damit das Verständnis und die Zusammenarbeit unter ihnen.

 

Dabei wurde die Bandbreite an Aktivitäten sichtbar, durch die sich Sexarbeitende politisch einbringen:  dass vor allem Sexarbeitende, die in Vereinen wie dem Berufsverband organisiert sind „öffentlich bei Demonstrationen, Paraden und Soliparties“ aktiv sind und/oder auch „Interviews geben, Vorträge halten, bei Podiumsdiskussionen, politischen Anhörungen und an Dokumentationen teilhaben“. Eine andere Teilnehmerin erzählt, dass sie Sexworker-Frühstückstreffen organisiert und in einem Arbeitskreis zu Sexarbeit tätig ist.

 

Gerade die Vernetzung mit Organisationen und NGO’s ist für viele Sexarbeitende ein erster Schritt zum Aktivismus – öffentlich auf der Straße, aber auch im virtuellen Raum wie auf Twitter, Instagram oder Facebook. So berichtet eine Sexarbeitende aus Argentinien: „Ich helfe bei Veranstaltungen aus, übersetze Texte, gehe zu Demos und mache Interviews mit Journalist*innen”. Eine weitere Sexarbeitende aus Brasilien erzählt, dass in lokalen Gemeinschaften organisiert ist und auch im Web aktiv ist, hier zwar noch “mehr im Alleingang, aber im Kontakt mit anderen”.

 

Das Engagement ist also bereits vielfältig, und doch in anderer Hinsicht noch begrenzt. Dies beschreibt eine weitere Sexarbeiterin, die auch beim BesD sowie auf verschiedenen sozialen Plattformen aktiv ist: „Ich zeige gern mein Gesicht, auch weil andere dies (noch!) nicht können.“ Damit weist sie darauf hin, dass politisches Engagement vor allem in der Öffentlichkeit für viele nicht möglich ist. Auch diejenige unter den Sexarbeitenden, die sich im Sexarbeitsaktivismus bis jetzt noch nicht engagiert haben, nutzten den anonymen Forschungsraum und erzählten, warum es für sie bis dato nicht möglich war. So schildert eine Sexarbeiterin: „Ich habe mich fast noch gar nicht aktivistisch engagiert, außer in den sozialen Medien zu kommentieren, dass aber natürlich auch anonym, da mein Nicht-EU Bürgerin Status es auch nochmals schwieriger macht.“ Eine weitere Teilnehmerin schreibt, dass sie sich „gar nicht aktivistisch engagiert, denn ein Outcoming kann ich mir sozial-gesellschaftlich nicht leisten“. Viele Sexarbeitende, sie sich öffentlich politisch engagieren, sind sich dieser Risiken und Einschränkungen bewusst, und fühlen sich in ihrem Aktivismus mitverantwortlich für diejenigen, die besonders mit Stigma und Rechtlosigkeit zu kämpfen haben.

 

Für viele Sexarbeitende ist der Hurenkongress aber auch ein Beginn, um sich aktivistisch zu engagieren: „Bisher habe ich mich noch gar nicht aktivistisch bewegt, aber das möchte ich hierüber ändern“, so eine der Stimmen aus dem Forschungsraum. Denn beim Hurenkongress mischen sich politische Neulinge mit den Sexarbeitenden, die bereits verschiedenste Erfahrungen im Aktivismus gesammelt haben. Diese sind so vielfältig wie Sexarbeit selbst, wie sich im Forschungsraum zeigte. So sind einerseits Stimmen zu vernehmen, die von positiven Erfahrungen im öffentlichen Umgang mit dem Thema Sexarbeit berichten: „Zu 95% positiv. Interessiert sind die meisten, sehr viele sind respektvoll und einige hinterfragen eigene Vorurteile.“ Eine andere Sexarbeitende schreibt: „Über das Netzwerken und die politische Arbeit, insbesondere in den sozialen Medien und auf Konferenzen, habe ich so viele liebenswerte und interessante Menschen in kürzester Zeit getroffen; sogar potentielle Klienten finden das oft gut und finden da manchmal den Einstieg ins Gespräch leichter.“ Auch auf Neugierde und Beachtung stoßen viele, so schreibt eine weitere Teilnehmende: „Interesse und Neugier, Überraschung über unsere Art der Arbeit und unsere Schwerpunkte (Achtsamkeit, Wertschätzung, Akzeptanz)“.

 

Andere berichten wiederum auch, dass sie auf Ablehnung und Ignoranz stoßen, wenn sie sich politisch engagieren: „Es begegnen mir auch Schweigen und Verurteilungen, meist nicht direkt, sondern es besteht kein Interesse mehr darüber zu erfahren, da Vorurteile (unmoralisch, sollte nur im Privatleben bleiben) vorhanden sind.“ Es wird außerdem deutlich, dass Sexarbeitende sich nicht überall erwünscht fühlen und gerade den Umgang mit Medien oft als schwierig empfinden, wie uns berichtet wird: „Ganz oft sind Menschen überrascht von unserer Vielfältigkeit im sexwork-Bereich und auch begeistert, aber im Kontakt mit Medien sind meine Erfahrungen auch sehr enttäuschend und frustrierend.“ Das politische und aktivistische Engagement ist einerseits von der Wahrnehmung eines Rückschrittes im Kampf um Anerkennung und Rechte begleitetet und von “erschreckenden Beobachtungen, über hysterische und melodramatische Geschichten von ‘Abolitionist*innen’, die immer mehr Gehör finden” und andererseits aber genau dadurch “ Vernetzung mit Kolleg*innen stattfinden” und auch “mehr Interesse von Medien” kommt. Und dennoch wird im Forschungsraum auch auf die Gefahr eines “Aktivismus Burnout” hingewiesen. Es lässt hier festhalten, dass die Erfahrungen mit politischem Engagement oftmals von Gegensätzen geprägt sind.

 

Viele der Teilnehmenden äußerten sich im Forschungsraum auch über den Hurenkongress selbst und beschrieben die Gemeinschaft unter Sexarbeitenden als ausgesprochen positiv. Viele hoben die „Offenheit und Solidarität innerhalb der Sexarbeitscommunity“ hervor, und lobten die Möglichkeiten zur „kollektiven Selbstorganisation“ und den „enormen Erfahrungsaustausch“, den die zwei Tage boten. Eine Teilnehmerin beschrieb, durch den Kongress ein regelrechtes “Gefühl der Selbstermächtigung” erfahren zu haben.

 

Mit ihrer zunehmenden politische Organisierung gliedern sich Sexarbeitende in Deutschland in die Kämpfe um Anerkennung und Rechte ein, die von Sexarbeitenden bereits seit vielen Jahren, über Ländergrenzen hinweg und in globaler Vernetzung geführt werden. Mit den seit Ende 2019 verstärkt aufkommenden Debatten zum “Sexkaufverbot” stehen Sexarbeitenden in Deutschland besonders turbulente politische Zeiten bevor. Doch davon lassen sie sich nicht entmutigen – getragen von den positiven Erfahrungen aus dem letzten Jahr und voller neuer Ideen laufen die Vorbereitungen für den nächsten Hurenkongress in 2020 bereits an.

Zu den Autorinnen:

Joana Hofstetter ist Soziologin und promoviert zum Thema Sexarbeitsaktivismus und Prostitutionspolitik in Deutschland an der Scuola Normale Superiore in Florenz.

Sabrina Stranzl ist Kulturanthropologin und beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit diskursiven Konstruktionen und visuellen Denkfiguren zu Sexarbeit und der Transformation und Handlungsmacht von Sexarbeitenden.

Und hier gehts zum großen Bericht über den Hurenkongress und die World of Whorecraft – Sexwork Messe

Dieser sehr persönliche Blogbeitrag wurde uns von einer Berliner Kollegin zur Verfügung gestellt. 

Als ich im vierzigsten Lebensjahr wieder angefangen habe mit der Sexarbeit, las ich überall die Berichte in den Zeitungen von den ganzen Menschenhandelsopfern in Deutschland. Das verunsicherte mich sehr. Ich saß zwar selber im Bordell und habe dort gearbeitet, aber ich dachte, dass diese schlimmen Sachen ja wo anders gang und gäbe sein müssten. Ich fragte mich sogar, ob ein Verbot der Sexarbeit nicht vielleicht gut wäre und ich nicht meinen Job aufgeben sollte um den anderen zu helfen. Es dauerte eine Zeit, bis mir klar wurde, dass ich damit niemandem helfen würde.

Ich kam immer mehr rum in Deutschland und arbeitete in verschiedenen Bordellen und Studios. Ich traf überall ganz verschiedene Frauen, ganz verschiedene Schicksale, ganz verschiedene Herangehensweisen an den Job. Ja, ich traf auch etliche Kolleginnen, denen ich wirklich einen anderen Job anraten würde. Ja, ich traf in den letzten 10 Jahren sogar zwei, die einen Loverboy hatten. Das wirkliche Problem dabei ist, dass es gerade für Migrantinnen in der Sexarbeit keine ernstzunehmende Alternative gibt.

Es wird immer gerne vom Abschaffen der Prostitution gesprochen und von großangelegten „Ausstiegsprojekten“. Wie diese aussehen sollen und wer die enormen Kosten tragen soll, darüber findet sich nichts. Ich hörte sogar schon verhaltene Stimmen, dass es doch am besten wäre, wenn die betroffenen Migrant*innen wieder in ihre Heimat zurückgingen. Da würden sie sich doch zu Hause fühlen und könnten ihre Traumen viel besser verarbeiten. So viel zur heiligen Vision von einer Welt ohne Prostitution.

Was ist denn eigentlich so schlimm an der Prostitution? Gerne liest man ja, dass Prostitution nur unter Zwang erfolgen kann, und dass Prostitution gleichzusetzen sei mit Gewalt. Oft wird sogar von Vergewaltigung gesprochen. Das sind mächtige Bilder, die sich in die Köpfe einbrennen. So leicht ist es, sich vorzustellen, wie die arme junge Frau aus Osteuropa als hilfloses Opfer täglich von brutalen Puffgängern missbraucht wird. So schwer ist es, sich vorzustellen, dass Sexarbeit wirklich ein Job sein kann, und dass sich das Anbieten von sexuellen Dienstleistungen professionalisieren lässt.

Natürlich weiß ich, dass nicht alle Kolleginnen den Job gerne machen, aber in meinem Bekanntenkreis habe ich durchaus auch Menschen in „normalen“ Tätigkeiten, die auch nicht jeden Morgen jauchzend zur Arbeit gehen. Ich habe ganz allgemein den Eindruck, dass viele Menschen sich gar nicht vorstellen können, ihre Berufstätigkeit könne ihnen Erfüllung bringen. Gerade in der Sexarbeit scheint mir dieser Ansatz leider sehr weit verbreitet, denn die Branche ist dermaßen stigmatisiert, dass es schwer ist, einen positiven Bezug zur eigenen Arbeit zu entwickeln.

Zurück zu der Frage, was denn so schlimm an der Prostitution ist. Wenn man in der Lage ist, Prostitution als erotische Dienstleistung zu sehen, die professionell von Menschen angeboten wird, die sich bewusst für diesen Job entschieden haben, dann ist daran eigentlich nichts schlimm. Ich will das jetzt nicht thematisieren, denn die gesellschaftlichen Konventionen sprechen eine andere Sprache. Wir werden immer noch erzogen und geprägt vom Modell der Zweierbeziehung, die bis der Tod uns scheidet halten soll. Dieses Zweierkonstrukt teilt sich nicht nur ein Ehebett mit Nachtischen, sondern verbringt jeden Tag gemeinsam. Und von dieser wunderbaren Symbiose, die im Alltag durchaus hervorragend funktioniert, wird dann auch noch toller Sex erwartet.

Während Frauen oft ihren sexuellen Bedürfnissen nicht so viel Wichtigkeit beimessen, oder sie ignorieren oder nicht wahrnehmen, denken viele Männer eher pragmatisch. Mit ihrer Frau sind sie zufrieden und wollen das auch gar nicht ändern. Eine Sexarbeiterin aufzusuchen sehen sie nicht als Infragestellung ihrer Ehe oder Ablehnung ihrer Frau gegenüber. Frauen hingegen würden sich – wenn überhaupt – eher einen Liebhaber nehmen, denn ohne Liebe geht es doch nicht. Dies ist dann oft das Ende der Ehe. Man verzeihe mir die Schubladentheorie.

Wäre es nicht schön, wenn sowohl Männer als auch Frauen sexuelle Dienstleistungen als selbstverständlich betrachten würden und je nach Neigung nutzen oder eben auch nicht. Nach wie vor gibt es nur wenige Frauen, die erotische Dienstleistungen in Anspruch nehmen, aber es werden mehr. Ein sehr lesenswerter Beitrag zu diesem Thema stammt aus der Feder des Tantra-Masseurs Michael König -> https://berufsverband-sexarbeit.de/index…ls-kundin/.

In den Köpfen der Prostitutionsgegner ist die Welt viel einfacher: Frau=Opfer/Mann =Täter, und sie wünschen sich eine andere Welt. Eine Welt ohne Prostitution.
Ja, ich wünsche mir auch eine andere Welt, aber nicht eine Welt ohne Prostitution. Ich wünsche mir eine offenere und freudvollere Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der Erotik kein Tabuthema ist, sondern eine lustvolle Bereicherung. Eine Gesellschaft, die über Erotik spricht und eigene Bedürfnisse erlaubt. Eine Gesellschaft, in der Paare in Beziehungen die eigene und auch die gemeinsame Lust thematisieren, statt totzuschweigen – und wo gleichzeitig auch andere Lebensmodelle möglich sind.

Dieser Blog-Beitrag wurde von Tamara verfasst.

Wahrlich gute Vorsätze zum neuen Jahr wollen bestens überlegt sein! Mehr Sport treiben? Dein Körper ist doch wundervoll, genau so wie er ist! Weniger Süßigkeiten? Du hast sicher jedes Stückchen Schokolade verdient! Wieso müssen Vorsätze denn immer nur auf Verzicht und Selbstdisziplin beruhen? Wir haben da eine viel bessere Idee! Zum neuen Jahrzehnt einfach aus den Vollen schöpfen und sich an Selbstlosigkeit erfreuen – mit einer Spende an den Berufsverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen e.V.!

Wir sind aktive sowie ehemalige Sexarbeitende. Wir kämpfen für die Rechte aller in der Sexarbeit tätigen Menschen und für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, wir beziehen Stellung gegen die Stigmatisierung unseres Berufs. 

Wir arbeiten beispielsweise in Bordellen, Wohnungen oder auf der Straße. Wir sind Domina, Hure, Sexualbegleitung oder Escort. Wir bieten erotische Massagen, Sex, Nähe und die Umsetzung von Phantasien und Bedürfnissen. Dabei haben wir die verschiedensten Hintergründe, manche von uns kommen aus dem Ausland, um hier ihr Geld mit Sexarbeit zu verdienen. Viele haben einen anderen Beruf gelernt oder studiert, manche sind nebenbei noch in anderen Berufen tätig. Ob privilegiert oder marginalisiert, gleich welcher Sexualität oder welchen Geschlechts, egal aus welchem Teil der Erde es uns hierher verschlagen hat, egal aus welchen Gründen wir dieser Arbeit nachgehen – gemeinsam vernetzen und organisieren wir uns. 

Im neuen Jahrzehnt wollen wir noch präsenter sein! Wir wollen bei Aktionen über unseren Beruf informieren. Wir wollen an jedem runden Tisch zum Thema „Prostitution“ sitzen, wir wollen Politikerinnen und Politiker darüber informieren, wie eine sichere und selbstbestimmte Sexarbeit möglich ist. Wir wollen Kolleg*Innen, die sich in schlechten Arbeitsbedingungen oder Notlagen befinden, helfen und beraten. Wir wollen eine offene Gesellschaft, sexuelle Selbstbestimmung und vor allem viel, viel mehr Liebe – wie auch immer diese zwischen konsensuellen Menschen aussieht. Dafür benötigen wir Spenden – und haben eine Spendenkampagne gestartet. Teilt sie, verbreitet sie oder spendet selbst! Auf dass die „wilden 20er“ ihrem Namen auch in diesem Jahrhundert alle Ehre erweisen. Und das Beste: Mehr Sport treiben und weniger Süßigkeiten essen könnt ihr trotzdem! 

 

HIER gehts zur Kampagne!

Dieses sehr persönliche Gedicht wurde vor einigen Jahren von einem unserer Mitglieder geschrieben – für die vielen Sexworker, die weltweit Opfer von Gewalt werden und viel zu oft ihre Tätigkeit sogar mit ihrem Leben bezahlen müssen. Anlässlich des diesjährigen Tages gegen Gewalt an Sexworkern dürfen wir den Text hier veröffentlichen – vielen Dank dafür.

this is not a love song

you know me
I’m an escort girl
and my heels prick the ice
like spikes

my brain to amuse you
my mouth to praise you
my sensuality keeps you warm
my siren’s song whispers the way
and my heavenly scent
relieves you
in your endless days

but once a year
after the petals have wilted
and before the first snow starts falling
my voice raises into a gruesome howl
a song in a choir of grief, inevitable

sung by all my global mates
for all the victims
fallen and wounded in the battle of life
for their families and friends
on the 17th of december

we throw our fists in the air
from hands that always care
that stroke fluffy balls and weary heroes
that embrace
that are not made to hold candles

We’re reaching out to the lost
extending our hands to their souls
our fragile voices reaching the sky
to commemorate those
who met their fate

while it is not really fate at all
but violence, stigma and murder
purely made by man
and his accomplices
jurisdiction and a brutal legislation
they disgrace the name of justice
not my mates who lost their lives

who lost their lives
in pursuit to bring happiness and adult fun
pure entertainment without obligation
by a service made with commitment and love
why this aversion and aggression against us?
what have we done?

© Ariane 2011