Diese Rezension wurde von Nadine, unserer Forschungsbeauftragten verfasst:

Dieses Jahr wurden mindestens zwei sehr großartige, wichtige Bücher von Sexarbeiterinnen über unsere praktische sowie politische Arbeit veröffentlichet: „Mein Hurenmanifest“ von Undine de Riviere in Deutschland und „Revolting Prostitutes“ von Juno Mac und Molly Smith in Großbritannien. In beiden Werken wird unter Anderem ausführlich über die Sexarbeitsbewegung in den jeweiligen Ländern erzählt und im zweiten vor allem, die verschiedenen Ansätze des Hurenaktivismus reflektiert. Ich möchte zunächst hinsichtlich meiner eigenen Wahrnehmung und Erfahrung mit Hurenaktivismus in Deutschland, die Ideen von Mac und Smith kritisch kommentieren.

Die Autorinnen sind junge sexarbeitende Aktivistinnen und engagieren sich seit 2009 in der Kollektive Sex Worker Advocacy and Resistance Movement (SWARM) in London. In ihrem Buch wird aus der britischen Perspektive der bisherige Kampf für Sexarbeitsrechte weltweit analysiert und kritisch ausgewertet, anhand von Beispielen von Gesetzesmodellen in verschiedenen Ländern. Im ersten Teil wird die Ideologie des Sexarbeitsaktivismus in Bezug auf die Rolle von Sex und Arbeit in der heutigen Gesellschaft dargelegt. Was die Sexarbeitsbewegungen weltweit gemeinsam haben, ist der Wunsch nach der Entkriminalisierung der Sexarbeit. Aber wie im „Revolting Prostitutes“ klar wird, sind die Ansätze unterschiedlich: Einerseits kann man sich auf die Grundrechte berufen um die Entkriminalisierung der Sexarbeit zu begründen, andererseits kann man sich als reine Arbeiter*innenbewegung präsentieren und die Entkriminalisierung durch das Recht auf mehr Arbeitsrechte als Teilnehmer*innen des Arbeitsmarktes begründen.

Generell vertreten Mac und Smith die marxistisch-inspirierte Meinung, dass Arbeit an sich einen ausbeuterischen Charakter hat und gehen mit diesem Ansatz ihren Aktivismus nach. Außerdem bestehen sie darauf, dass es gefährlich für die Sexarbeitsbewegung sei, mit dem Ansatz zu kämpfen, dass die Sexarbeit einen gesellschaftlichen Wert hätte oder dass die Sexarbeit ein selbstverwirklichender Beruf sein könne. Das würde ihrer Ansicht nach die Erfahrungen der Mehrheit von Sexarbeitenden, die für die Arbeit keinerlei Selbsterfüllung empfinden, sondern lediglich finanzielle Vorteile genießen, vertuschen. Die Bewegung sollte besser auf der arbeitsrechtlichen Schiene bleiben und das als Hauptbegründung für die Entkriminalisierung hervorheben, als sich auf die Grundrechte oder auf Freiheit zu berufen. Warum sich die beiden Ansätze ausschließen müssen wird im Buch leider nicht erläutert. Kann man sich im Kampf für mehr Anerkennung für Sexarbeit nicht sowohl auf die Arbeitsrechte als auch auf die Grundrechte berufen?

Die Autorinnen beschreiben die „Erotic Professionals“ (erotische Profis) als Typ-Aktivistin, die sich gerne auf ihr Recht sexuelle Dienstleistungen zu verkaufen beruft und das Bild des klassischen „choice feminism“ (freie Wahl-Feminismus) vertritt. Beim Lesen dieser Beschreibung habe ich einige von uns im BesD wiedererkannt, denn viele von uns empfinden eine gewisse Leidenschaft bei unserer Arbeit, auch wenn wir in erster Linie finanziell motiviert sind. Mein Eindruck ist, dass wir das auch bei unseren Presseinterviews und in den Vorträgen, die wir deutschlandweit geben, so ausdrücken. Was ich allerdings problematisch finde, ist der Vergleich der erotischen Profis mit den Abolitionistinnen. Mac and Smith behaupten, dass beide Gruppen die eigentlichen Probleme in der Sexarbeit, nämlich die mangelnden Arbeitsrechte und die oft schlechten Arbeitsbedingungen, vertuschen und stattdessen ein schwarz-weiss Bild von der Sexarbeit propagieren würden, als könnte man nur von glücklichen Huren oder überlebende Opfer sprechen. In dem der Unterschied zwischen selbstbestimmter und nicht-selbstbestimmter Sexarbeit betont wird, würden außerdem erotische Profis dadurch implizit den Ansatz der abolitionistischen Opferhilfe unterstützen, nach dem Motto „Ja, es gibt ein Dunkelfeld, das von Zwang und Ausbeutung geprägt wird und die Betroffenen müssen geholfen werden, aber wir gehören eben nicht dazu.“ Das Argument läuft darauf hinaus, dass wenn wir uns als Sexarbeitsaktivistinnen nicht genug mit dem Thema Menschenhandel beschäftigen, heißt es, dass wir einen Schwamm über die Problematik wischen würden. Das ist glücklicherweise zu kurz gedacht. Der Vorschlag, dass wir uns eindeutiger mit tatsächlichen Opfern von Menschenhandel solidarisieren sollten ist begrüßenswert, aber wenn wir nebenbei auch auf unsere Selbstbestimmungsfähigkeit und unsere Grundrechte hinweisen, heißt das nicht, dass wir das Problem Menschenhandel verharmlosen oder dass wir tatsächliche Opfer übergehen würden.

Die Einstellung, dass Sexarbeit auch eine Berufung sein kann wird als Symptom einer neoliberalistischen Arbeitsethik zynisch eingeordnet. Aber was muss daran so kontrovers sein, Selbstverwirklichung und Erfüllung durch die Arbeit zu empfinden? In unserem Zeitalter und vor allem in der Arbeitsgesellschaft in der wir uns befinden, versuchen wir ja das Beste daraus zu machen und dazu kann doch gerne die Suche nach einer Erwerbstätigkeit, die uns auch ein wenig Freude bereitet, dabei sein. Es muss nicht alles gleich als bedauerliche Reproduktion neoliberalistischer Ideologie abgestempelt werden.

Im letzten Kapitel wird auch über das Ende der Sexarbeit philosophiert, welches die Autorinnen in der Erhöhung arbeitsrechtlicher Standards und vor allem mehr Rechte für Migrantinnen sehen, damit „keine® mehr Sexarbeit machen muss und die Sexarbeit unnötig wird“ (S. 215). Vielleicht hätten sie besser schreiben sollen, damit „keine Arbeit mehr nötig ist und keine® mehr arbeiten muss,“ denn solange das kapitalistische System noch so bleibt wie es ist, in dem der Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen betrieben werden muss um das Lebensunterhalt zu sichern, wird es auch immer das Angebot von erotischen und sexuellen Dienstleistungen geben, unabhängig davon, wie viele Arbeits- und Sozialrechte noch gewonnen werden. Außerdem wird die Nachfrage nach Sex und Erotik auch nicht so schnell verschwinden. Die eigentliche Frage ist, wie Menschen an dieses Bedürfnis oder an dieses Verlangen an sexuellen und erotischen Erlebnissen kommen werden, ob umsonst oder durch Bezahlung. Eine sexpositive Aussicht auf das Ende der Sexarbeit wäre eine Welt in der die Demokratisierung der Lust angestrebt wird, so dass keine® mehr den Sinn darin sehen würde, für sexuelle Dienstleistungen zu bezahlen.

Man darf nicht vergessen, dass der nationale Kontext aus dem die Autorinnen schreiben ein anderer ist als unserer. Auch wenn der Sexkauf und –verkauf nicht verboten sind, werden in Großbritannien leider immer noch Betriebsstätte für sexuelle Dienstleistungen kriminalisiert, was oft schlechte Arbeitsbedingungen und fragwürdige Kundschaft verursacht. Betreiber*innen vermischen sich daher ungerne öffentlich in die Sexarbeitsbewegung und Sexarbeitsaktivistinnen dort erkennen keine gemeinsamen Interessen mit Betreiber*innen, die oft einfach als unterdrückende Kapitalisten gesehen werden. Trotzdem gibt es sehr ähnliche Diskurse innerhalb der deutschen und der britischen Bewegungen, die wir bei unserem Aktivismus reflektieren können. Es ist sinnvoll unser Handeln zu reflektieren und die Bedeutung unserer Ansätze für den Kampf für mehr Rechte zu überdenken. Wir sollten uns aber nicht zu sehr mit diesen Unterschieden beschäftigen, sondern vielmehr die Gemeinsamkeiten unserer Ansätze suchen, um solidarisch zu bleiben.

Zu dieser Rezension hat Mademoiselle Ruby folgenden Beitrag ergänzt:

Also, ich habe ein paar begriffliche Probleme mit dem Beitrag, die ich mal ansprechen möchte. Für all die, die mit der Terminologie rund um dieses Thema Aversionen verbinden, ich kann das gut nachvollziehen, aber finde, wir kommen hier ohne diese Begriffe nicht weiter.

Für mich ist der Ansatz von den Autorinnen nicht „marxistisch inspiriert“ sondern hat relativ wenig mit der sozialistischen Interpretation von Arbeit zu tun. Nicht die Arbeit als solche ist das Problem, sondern deren Entfremdung und die Aneignung durch die herrschende Klasse. Wer das verkürzt darstellt, kommt am Ende auch zu so verkürzten Schlussfolgerungen wie anscheinend in dem Buch. Natürlich steht Sexarbeit heute im gesamtgesellschaftlichen Spannungsfeld des späten Kapitalismus und trägt dadurch Züge von Entfremdung, Ausbeutung und hat – ich bleib mal im Slang: einen deutlichen Klassencharakter. Marx und Engels wollten aber auch nicht die (Sex)Arbeit als solche abschaffen, sondern deren repressiven Charakter und ihre Ausbeutung beheben und gesamtgesellschaftlichen Nutzen generieren, über die Klassen- und Ländergrenzen hinweg.

Die Frage nach Sex und Sexarbeit kann in meinen Augen nicht ohne den sozialen Background der Zeit betrachtet werden. In der spätkapitalistischen Gesellschaft sind Zeit, Nähe, zwischenmenschliche Beziehungen und Wohlstand Privileg oder Mangel“ware“. Sex als Ware unterliegt genau den gleichen miesen Konditionen, wie alle Arbeit und ihre Produkte sonst auch, und wird entsprechend gehandelt. Dennoch ist die Sexualität wie auch die Kreativität ein Grundbedürfnis des Menschen, in denen sich, auch das aus marxistischer Sicht, manchmal ein Freiheitsbegriff abbildet, der seiner Zeit weit voraus ist – Stichwort Avantgarde (bitte ohne die Kulturarroganz, die dieser Begriff leider manchmal impetto hat, verstehen). Es bilden sich dort Bedürfnisse und fast schon Utopien ab, die der Mensch denken kann, weil sie möglich sind.

Manchen von uns Sexworkern gelingt eine gewisse Unabhängigkeit von materiellen Zwängen. Folgt man dem Ansatz von Mac und Smith, dann würden diese Repräsentant*innen nicht weiter für Rechte, bessere Arbeitsbedingungen und gegen Entfremdung der Ware Sex eintreten, sondern allein durch ihre privilegierte Stellung die anderen, weniger privilegierten Vertreter*innen verhöhnen. Aber das ist doch gar nicht der Fall. Ich denke, wir müssen offen und realistisch sein, sensibilisiert für die Unterschiedlichkeit der Bedingungen die Sexarbeiter*innen weltweit erleben. Eine klare Perspektive sollte nicht sein, die Rechte von Sexarbeiter*innen von denen anderer Arbeiter*innen abzukoppeln sondern zu verstehen, wieso die Situation so scheiße ist, und welche Faktoren uns verbinden.

Die Gefahr ist immer nur noch realpolitisch zu agieren, und wie die Gewerkschaften auf Nachbesserungen zu drängen, ohne aber das Gesamte in Frage zu stellen. Wenn man das macht, kommt man schnell zu diesem Begriff, den auch Marx und Engels schon benannten: Arbeiteraristokratie (kleinbürgerliche Strukturen, die sich anpassen, und nicht an die Kernfrage ran gehen.
Für mich sind also hier die zentralen Frage: Wie vermeidet die weltweite Bewegung von Sexarbeiter*innen (Sex)Arbeiteraristokratie oder ausschließliche Anpassung an die politischen Strukturen? Wie bleiben wir solidarisch und kultivieren nicht unser Privileg?

Das soll nicht heißen, dass wir keine politischen Forderungen mehr stellen, oder keine Nachbesserungen begrüßen, aber es heißt, dass sich die Sexarbeiter*innenbewegung über Perspektiven Gedanken machen müsste.

Dieser Beitrag stammt aus der Feder unseres Mitgliedes Michael König.

Berlin im November 2013: Ein seltenes Vergnügen wurde mir gegönnt. Ich durfte Frau A. Schwarzer für ein paar Sekunden sprachlos erleben. Eben hatte sie in der Urania von der Bühne herab ca. 400 Zuhörer*innen erklärt „alle Freier sollen geächtet werden“. Bevor nun die Meute, so angefeuert, zur Lynchjustiz ausziehen konnte, ließen mich Anzug und Krawatte sowie eine gewisse Routine im „seriös-naiv-dreinschauen“ das Saalmikrophon ergattern. „Meine Kundinnen seien Frauen, ergo weibliche Freier und wie es mit deren Ächtung aussehe?“. Da waren sie, diese köstlichen 5 Sekunden der Sprachlosigkeit. Ein gefühlte süße Ewigkeit. Eine Antwort von A. Schwarzer? – Fehlanzeige. Wir reden hier schließlich über Nichtexistentes. Frauen, die sich sexuelle Erlebnisse kaufen und das bei einem Mann. Doppelter Tabubruch.

Die Erfahrungen mit weiblichen Kundinnen, die ich hier zusammenfasse, beruhen auf meiner nunmehr 12jährigen Arbeit als Tantramasseur. Ich liebe meine Arbeit. Ich bin begeistert von den mutigen Frauen, welche sich in unsere kleine Freiburger Massagepraxis trauen. Sie kommen zu Frauen und zu Männern. Sie machen in etwa 10% unserer Kundschaft aus – mit steigender Tendenz. Ihre Motive – vielfältig wie das Leben und die Lust. Oft benannt:

• Sich wieder als Frau spüren wollen, mit dem ganzen Potential weiblicher Erlebensfähigkeit in der Lust. Was gute anatomische Kenntnisse, professionelles Durchhaltevermögen, menschenfreundliches Einfühlungsvermögen und eine liebevolle, nicht wertende Zugewandheit seitens des Masseurs fordert.

• Die ob dieses Anforderungsprofils überforderten Partner*innen, denen sich Frau nicht mehr zumuten möchte oder kann oder darf (so empfindet sie es, leider). Und sie, die Partner*innen, ihren Frauen empfehlen, es doch mal mit einer Tantramassage zu versuchen. Eine win/win/win Strategie.

• Schlicht der Mangel an geeigneten Partner*innen für sexuelles Erleben und definitiv kein Interesse an mit sexuellem Genuss einhergehenden Beziehungsdeals. Sowie ein ordentliches Päckchen an Frusterlebnissen, gepackt in der Welt der Kontaktbörsen.

• Neugier. Oh ja – die wunderbare Neugier der Weiber. Sie lässt gerne mal die Angst vor dem Tabubruch verblassen. Und bevor das Fürchten sein Stammterrain wiedergewinnt und kultivierter Sexualität den Weg versperrt, ist es zu spät und der entscheidende Schritt schon getan. Dann war es so überraschend wunderbar, dass sich nun die Angst nur noch blamieren kann und rechtschaffen lächerlich macht.

• Ja und auch und nicht zu selten: der Wunsch, ein verloren gegangenes, sinnliches, feminines Wunderland wieder zurückzuerobern. Verloren ging es durch Traumatisierung, Vernachlässigung, körperliche Leiden, eine beschädigte sexuelle Biografie, moralinsaure Erziehung, Stigmatisierung oder schlicht den Mangel an sexueller Kultur. Die Rückeroberung geschieht über unmittelbare körperliche Erfahrung. Auf einem gefühlt dünnen Eis geht es, Schritt für Schritt, zurück zu Mutter Erde‘s heiligen, sicheren und frivolen Boden. Klar geführt am Händchen des Masseurs oder der Masseurin. Gerne in Ergänzung zur Therapie mit Worten.

Das Klischee möchte es gerne so geregelt wissen: Frauen kommen zum Weinen in die Tantramassage, Männer aus Geilheit. So hüllt ein nicht so kleines Seminarzentrum den Kurs zur Yonimassage ( Das ist der Tantrajargon für die Intimmassage der Frau ) sprachlich ein in: „Vom Loslassen, Tränen & tiefer Herzenslust“. Und zur Lingammassage (gleicher Jargon, jetzt der intim berührte Mann) lesen wir dort: “20 Techniken, um ihn lustvoll zu verwöhnen“. Es scheint so, als brauche Frau noch eine Zusatzlegitimation, um sich erfüllte Lust gegen Bezahlung zu gönnen. Leider geil, einfach so – geht nicht für die Frau, ist nicht salonfähig. Frauengeilheit wurde mit der Aufklärung abgeschafft. Ein paar ihrer Tränchen braucht es heute schon, damit die Sache akzeptabel bleibt.

Nach ein paar hundert gegebenen Massagen darf ich zusammenfassen: FakeNews. Bei uns kommen Männer wie Frauen in ihre eigene, individuelle Kraft und Lust. Sexuelles Referenzerlebnis nennen es manche. Das kann geil, tief, berauschend, erfüllend sein. Tränen, aus Freude, aus Trauer, aus Erkenntnis fließen bei „Ihr“ und „Ihm“ und den „Dritten“ gleichermaßen. Sie sind kein weibliches Privileg.

Allerdings, es gibt schon Unterschiede: So scheint es, als müsse Frau eine höhere (moralische?, finanzielle?) Hürde überwinden, um den Weg zu uns zu finden. Ich meine, wir haben 50% Frauen in der Gesellschaft und 10% Frauen als Kundinnen. Was für ein Riesen-Fucking-Gendergap. Wenn Frau aber da ist, dann ist sie da! In Pracht und Fülle. Fällt die Eingangstüre zur Praxis ins Schloss, scheinen vermeintlicher Tabubruch und die damit verbundene Scham außen vor zu bleiben. Frau läuft schneller, als wir sie halten könnten, und ungeniert durch die Räume der Praxis. Wie es scheint, ohne Sorge vor eventuellen Begegnungen. Männer sind da deutlich genanter. Frau guckt gleich mal ins Bad und hinter sonstige Kulissen, ob‘s sauber ist. Äußert oft recht klar Erwartungen an die Massage. Frau kommt tadellos gepflegt in die Massage. Männer müssen wir schon mal zum Duschen schicken. Frau plant ihren Termin Wochen im Voraus. Meist mit ausgeklügelter Eisprungparametrie oder scharf berechnetem Blutungstiming. Frau kommt zuverlässig zum Termin oder sagt ab. Mann ruft an und frägt ob heute, also ungefähr jetzt, noch ein Termin zu haben sei. Um dann schon mal in letzter Sekunde und ohne Absage zu kneifen. Frau gibt selten Trinkgeld, und sei sie noch so zufrieden. Männer sind da großzügiger. (Sorry Mädels, klingt komisch, ist aber so!). Frau kommt auf Empfehlung der besten Freundin oder einer Therapeutin. Mann hat die Anzeige im Erotikteil der Lokalzeitung gelesen.

Ach ja, und Frau, liebe Prophet*innen des trockenen und saftfreien männlichen Orgasmus, werte Tantraheilige: Frau kommt gerne sowas von nass, dass der männliche Erguss dagegen, rein mengenmäßig betrachtet, bestenfalls als Amuse-Gueule auf der Lustkarte durchgeht. (Gibt es schon den BigDraw gegen Freudenfluss – sorry, ein Insiderwitz, magichhiernichterklärengerneeinandermal).

Wie weiter? Amakido Berührungskunst hat 2006 damit begonnen, Tantra Massagen für Frauen von Masseuren anzubieten. Vier Kundinnen, das war die Bilanz des ersten Jahres. Heute, nach zwölf Jahren, zählen wir ca. 80 Kundinnen im Jahr. Das sind zwanzigmal mehr. Immerhin! Wir bleiben dran und lassen erst locker, wenn der Gendergap geschlossen ist. Es macht uns glücklich, wenn wir sehen und erleben, wie die Frauen nach der Massage von uns gehen: In weiblicher Fülle, stolz, leuchtend und schön. Bereit, die Männerwelt freundlich aber unmissverständlich mit der ganzen Wucht ihrer weiblichen Potenz bekannt zu machen. Ihnen jenseits von Opferrolle und reflexartigem Feindschaftsgebaren auf Augenhöhe zu begegnen. Dann ruht das Kriegsbeil des Geschlechterkampfs für einen göttlichen Moment. Und wir finden, dass wir mit unserer schönen Arbeit auch ein Stückchen Frieden stiften.

Wem das zu abgetrallert klingt, der lese sich doch noch in unserem femininen Gästebuch an den Rückmeldungen zu Tantramassagen besoffen.

Das findet ihr hier: Feminines Gästebuch
Michael König

Dieser Beitrag wurde von unserem Mitglied Kristina Marlen verfasst; wir wünschen viel Genuss beim Lesen:
Das Schweizer Fernsehen, SRF , hat sich in einem philosophischen Stammtisch der Frage angenommen, ob man für Sex zahlen dürfe .
Erstmal Dank an die Kollegin und einzige Sexarbeiterin am Tisch Salome Balthus, dass Du die Fassung gewahrt hast, obwohl du ja sogar angekündigt hast, im Laufe des Gespräches vielleicht ausfallend zu werden. Chapeau, nicht geschehen.
Ich wäre an der ein oder anderen Stelle vermutlich ausfallend geworden. Die reaktionäre und moralische Agenda zeigte sich in ihrem stilistisch formvollendeten Gewand (philosophisch), was sie nicht weniger ätzend macht. Ich verlaute ungern, dass mir vor allem die zweite Frau am Stammtisch ein paar Mal fast die Gebärmutter hat wandern lassen. Sandra Konrad trifft verheerende Aussagen über Sexarbeiter*innen, die anmassend sind und jeder breiteren empirischen Grundlage entbehren. Sie eliminiert damit alle anders lautenden Erfahrungsberichte, die Sexarbeiter*innen je formuliert haben und erklärt so auch die der einzigen Hure am Tisch als unglaubwürdig. In ihrem mahnend humorlosen Tonfall, als Therapeutin die absolute und bedingungslose Vertrauenswürdigkeit für immer gepachtet, holt sie jedoch die Masse der besorgten Bürger*innen ab, die sich auf ihrem Mitleid für „die Anderen“ (Huren und andere lose Subjekte) in, wie ich vermute, beinahe sexueller Erregung ergehen.
Mitleid ist die perfideste Form der Arroganz. Die effektivste Form, strukturelle Ungleichheit festzukleistern – die, die von oben herab blicken, haben sich ihren Platz im Gefüge am Besten gesichert, ohne sich die Finger schmutzig zu machen.
Es mag nicht wundern, dass Sandra Konrad so gut Bescheid weiss über das Problem aller #Huren, auch wenn sie der am Tisch nicht zuhört; denn sie hat Mitleid mit allen Frauen. Die Verfasserin des Buches „Das beherrschte Geschlecht – Warum sie will, was er will” hält die sexuell selbstbestimmte Frau (also nicht nur die selbstbestimmte Hure) für eine „Fata Morgana“ (Quelle: s.u.). Well then. Nichts hinzuzufügen. Oder doch?
Kurz eingeschoben: das Buch enthält eine umfangreiche Darstellung der weiblichen #Sexualität in Geschichte und Gegenwart – auch aus ihrer Perspektive als Therapeutin. Ich schätze das Buch über viele Kapitel und viele Thesen sind schlichtweg Teil eines feministischen Allgemeinwissens, das als Basis dienen muss, wenn wir Befreiung der Geschlechter heute weiter umsetzen wollen. Also danke dafür.
Wer sich intensiv mit menschlicher Sexualität befasst, wird um einige Erkenntnisse nicht herumkommen: Menschen kommunizieren zu wenig in Sexualität und tauschen im Bett alles mögliche, auch sexuelle Gefälligkeiten, und ums Fühlen geht es dabei häufig nicht in erster Linie; weibliche Sexualität ist in der Geschichte und bis heute unterdrückt und häufig ausgebeutet; wir leben in einer Welt der engen Geschlechterstereotypen, die traurig limitierend sind und Männern meistens mehr Handlungsspielraum lassen als Frauen.
All das, Dáccord. Aber wie ist es möglich, in einem so umfassenden Buch um all die Frauen* (und Männer*) herumkommen, die es anders machen und gerade mit und in dieser Geschichte umschreiben, aneignen, querleben? Die Frauen*, die ihren Sex fühlen und leben inmitten all der Klischees, Normen und Tabus, die um weibliche Sexualität aufgestellt sind wie schrankförmige SecurityCops? Wie kommt man auch um die Partner*innen dieser Personen herum, die andere Beziehungsformen, andere Kommunikationsweisen entwickeln, um Beziehung und Sex zum echten Erlebnis für alle zu machen? Wo sind überhaupt die #Lesben in diesem Buch, hat Frau Konrad schonmal davon gehört, dass Menschen jenseits heterosexueller Vorgaben leben? Und sollten wir Frau Konrad vielleicht mal ein paar Freikarten für das Pornfilmfestival Berlin geben, damit sie ihren Horizont über explizites filmisches Schaffen erweitern kann?
Dass Menschen häufig nicht über den eigenen Erfahrungsschatz hinausdenken können, ist nicht per se verwerflich, auch wenn es schade ist. Wenn man aber Bücher schreibt, die einen gewissen Wahrheitsanspruch erheben, dann geht das so leider nicht.
Wer verheerende Buchtitel in die Welt setzt, die unwahr und beleidigend sind, muss sich fragen lassen, was sie damit bewirken will. Ist “Das beherrschte Geschlecht” ein Titel, der in die #Freiheit führt und warum löscht er die Kämpfe und Existenzen wichtiger Menschen?
Mich zum Beispiel und den Grossteil meiner weiblichen* Freund*innen, Liebhaber*innen, Kolleg*innen, meine wilden Kund*innen und ihre Gespiel*innen, Porn- und Popstars, Diven, Dominas, grosse Frauen* der Geschichte, die sich nicht drum geschert haben, wie “Frau” sich verhalten sollte, und deshalb ein sehr fröhliches Leben haben oder hatten, die gibt es dann wohl einfach nicht.
BUFF – ich verschwinde dann mal. Ich bin nur ein Gespenst. So wie es auch alle Huren tun sollten. Vom Erdboden verschwinden.
Aber wartet. Wir kommen wieder. Immer und immer wieder. In Euren Träumen. In Euren Betten. Wir sprechen, wir stöhnen und wir holen uns gnadenlos unsere Orgasmen, wir sitzen auf Euren Gesichtern und kommen direkt auf Euren plattgedrückten Nasen. Es gab uns immer schon, auch wenn ihr uns bis in 21. Jahrhundert totreden wollt. Wir sind unsterblich. Wir sind und bleiben die Hexen. Verbrennt uns doch. Wir haben Wunderkräfte und kochen Zaubertränke direkt aus dem eigenen Ejakulat.
Es lebe die sexuell selbstbestimmte Frau.
PS. wie wäre es mit einem Hashtag? #Fatamorgana ….???
Quellen:
der Philosophische Stammtisch im SRF mit Salome Balthus, Sarah Konrad, Dominique Kuenzle, Peter Schaber
Sandra Konrad: Das beherrschte Geschlecht. Warum sie will, was er will. Piper 2018.
Hier eines der unzähligen Interviews, alle mit dem selben trostlos besserwisserischen Duktus -Hier die FATA MORGANA: https://m.tagesanzeiger.ch/articles/5a510090ab5c373370000001
Danke De Paul, nochmal für den Anstoß, einen Kommentar dazu zu verfassen. Es gäbe noch mehr zu sagen. Dies ist nur das Wort zum Mittwoch, das bereits eine Weile in der Gruft meines Gespenstinnendaseins gewütetet hat.

Dieser Beitrag ist von unserem Mitglied Kristine Marlen und erschien an 4. Juli 2018 in der taz. 

Befreiung des weiblichens Begehrens

Angst vor der potenten Frau

Die Philosophin Svenja Flaßpöhler kritisiert in ihrem Buch die #metoo-Debatte und plädiert für weibliche Lust. Das wirft wichtige Fragen auf.

Vor einigen Wochen stieß ich auf ein Zitat, das mich begeisterte: „Die potente Frau ist eine, die patriarchale Denkmuster abgelegt hat. Die ein eigenes Begehren hat. Und sich nicht darauf beschränkt, Spiegel des männlichen Begehrens zu sein und ihn in seiner Grandiosität zu bestätigen. Anstatt die männliche Sexualität abzuwerten, wertet sie die eigene auf.“

Geschrieben hat das die Philosophin Svenja Flaßpöhler in ihrem gerade erschienenen Buch „Die potente Frau“. Flaßpöhler ist dafür von Feministinnen angegriffen worden, denn sie positioniert sich darin als Antagonistin der #MeToo-Bewegung. Diese, meint Flaßpöhler, schreibe die patriarchale Erzählung von der Frau als Opfer der aggressiven männlichen Sexualität fort. Flaßpöhler plädiert für einen offensiveren Begriff von Weiblichkeit: Frauen müssten ihre eigene Potenz begreifen und leben, anstatt in passiver Anklage zu verharren. Sie vermisse die Frau als Aktive, als Verführerin, in #MeToo zeige sich „eine auffällige Leerstelle des weiblichen Begehrens“.

Ich finde es fragwürdig, den Frauen, die über ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt sprechen, mangelnde eigene sexuelle Aktivität vorzuwerfen. Außerdem verkennt es die Dimension der #MeToo-Debatte. In ihr geht es darum, sexuelle Gewalt als Struktur und Mittel zum Machterhalt sichtbar zu machen. Dass die Protagonistinnen der Debatte dies ausgesprochen und angeklagt haben, lese ich ziemlich klar als Geste der Ermächtigung und als Erfolg im Kampf um sexuelle Selbstbestimmung.

Trotzdem bin ich unbeirrt begeistert, denn Flaßpöhler thematisiert, was oft unaussprechlich scheint: die sexuell aktive Frau. Die Frau und ihre Potenz. Die Frau, die ihr Potenzial erkennt und ausschöpft. Flaßpöhler schreibt: „Die potente Frau ist weder Realität noch unerreichbares Ideal. Sie ist eine Möglichkeit. Warum ergreifen wir sie nicht?“

Arbeit mit der Potenz

Gute Frage. Sie beschäftigt mich jeden Tag. Es ist meine tägliche Arbeit, Menschen aller Geschlechter auf ihrem Weg in ihre sexuelle Potenz zu begleiten. Außerdem arbeite ich mit meiner eigenen weiblichen Potenz. Das darf gern sehr weit und fantasievoll ausgelegt werden, das kommt der Wahrheit vermutlich am nächsten. Ich bin Sexarbeiterin und biete Einzelses­sions, Workshops und Coaching für Sexualität, BDSM und Bondage an. Spezialisiert habe ich mich auf die Arbeit mit Frauen.

Die Frauen, die zu mir kommen, sind potent. Sie bezahlen Geld, um sich den Weg zu ebnen für eine Zeit, die nur ihrer eigenen Lust gewidmet ist. Sie nehmen sich den Raum, in dem ich dafür da bin, ihre Wünsche zu erfüllen. Er ist extraordinär, aber auch nicht frei von der Geschichte dieser Frauen: Wenn Frauen zu mir kommen, die nach 25 Jahren Ehe den ersten Orgasmus mit einer anderen Person erleben als sich selbst, wenn sie überhaupt je einen hatten; wenn Frauen bei mir sind, die sich dafür entschuldigen, dass sie zugenommen haben; wenn Frauen zu mir kommen, die gar nicht wissen, was ihnen Lust bereitet, weil sie sich seit ihrer Pubertät um die Sexualität ihres zumeist männlichen Gegenübers gekümmert haben; wenn Frauen ihre Anatomie nicht kennen und ihre Vulva nie berührt haben, weil Selbstliebe weder in der Schule noch zu Hause auf dem Lehrplan stand, dann weiß ich: Es ist noch Luft nach oben.

Zu mir kommen aber auch Frauen, derentwegen ich schon mit arbeitsbedingten Tennisarmen beim Orthopäden saß, weil sie sich wiederholt auf meiner Hand oder meinem Unterarm ergossen haben. Es kommen Frauen, die ganz genau wissen, wie und wie oft sie kommen und was sie dafür brauchen, die bei mir einfach einen weiteren Höhenflug in ihrem sexuellen Horizont finden. Ich darf dabei schwitzen, sie fesseln oder ihnen in anderer Art zu Diensten sein. Nymphomaninnen, die mehr als einen Fick brauchen, um überhaupt erst warm zu werden, sind keine Männerfantasie. Frauen, die ihre Sexualität leben, sind durchaus beängstigend, im besten Sinne. Frauen, die sexuell selbstbestimmt sind, sind unabhängig. Sehr scary. Für viele. Männer und Frauen.

„Ja“ zum weiblichen Sex

Flaßpöhler postuliert, dass „Nein heißt Nein“ nicht das Ende der Fahnenstange der weiblichen sexuellen Emanzipation ist. Das stimmt. Nur: Woher kommt die Angst vor dem beherzten „Ja“ von Frauen?

Ich frage aus existenziellem Interesse. Als Sexarbeiterin weiß ich, dass ich mich mit einem öffentlichen „Ja“ zu Sex (mit Männern und Frauen) mit mehr kulturellen Tabus anlege, als wenn ich mich züchtig oder streitbar verweigere. Die Frau, die Ja sagt zu ihrem Begehren und zu ihrer Lust, und zwar um ihrer selbst willen, ist für viele nicht denkbar. Das zeigt sich zum Beispiel in der aktuellen Gesetzgebung.

Seit Juli letzten Jahres ist das sogenannte Prostitutions„schutz“gesetz in Kraft. Dieses Gesetz zielt vor allem auf Ausgrenzung und die existenzielle Gefährdung von Sexarbeiter*innen. Mit der Einführung der Registrierungspflicht für Prostituierte ist nun gesetzlich definiert, wer als Sexarbeiter*in gilt: Selbst sexuelle Handlungen gegen geldwerte Zuwendungen, wie Geschenke, Übernachtung oder andere materiellen Vorteile, gelten als Prostitution. Dabei spielt die Regelmäßigkeit keine Rolle. Bereits eine einmalige sexuelle Handlung gegen „Taschengeld“, ein Abendessen oder Schmuck gilt rechtlich als Prostitution. Und erfordert formal eine Anmeldung als „Sexarbeiterin“ bei der Behörde – mit ihrem vollen Namen und der Angabe aller persönlichen Daten. Deutschland hat jetzt wieder eine Kartei der losen (weiblichen) Subjekte: Deutschlands Huren sind erfasst.

Aber der Kampf gegen Huren ist auch immer einer gegen promiskuitive Frauen. Das hat Geschichte. Nun gibt es selbst laut Gesetz kaum noch einen Unterschied zwischen einer „Schlampe“ und einer „Hure“. Zumindest, wenn frau sich in einer heterosexuell kodierten Anbahnungskultur bewegt, in der von Männern nach wie vor Initiative erwartet wird mit dem entsprechenden Werbeverhalten im Sinne von Schmuck oder Geschenken. Willkommen in 2018! Es ist keine gute Zeit für die sexuell potente Frau, die sich in der monogamen, dauerhaften Zweierbeziehung vielleicht langweilt.

Flaßpöhler wird als unsolidarisch erklärt, weil sie Frauen auffordert, mehr Verantwortung in Situationen zu übernehmen, die als übergriffig, unangenehm oder einfach als nicht erwünscht erlebt werden. Das heißt auf Deutsch: sich zu artikulieren und Grenzen zu setzen, charmant oder eben auch nicht. Was für eine Feministin wäre ich, wenn ich nicht daran glauben würde, dass Frauen das können?

Sex ist gefährlich

Sex, und das lassen Sie sich vom Profi gesagt sein, ist keine sichere Angelegenheit. Sex ist sogar ziemlich gefährlich und manchmal außer- und unordentlich. Sich verletzlich machen, intim werden ist nicht sicher. Auszudrücken, mehr Nähe zu wollen und damit leben zu können, dass dieses Begehr nicht erwidert wird, ist für fast alle Menschen destabilisierend.

Im intimen Kontakt verschwimmen Grenzen, auch darin liegt Wonne. Es gibt noch keine Schule, keine Kultur um die Frage, wie dieser Vorgang freudvoll gestaltet sein kann. Es gibt alte und langweilige Codes im heterosexuellen Kontext. Um den Preis, dass rückständige Rollenbilder sich endlos reproduzieren, werden diese wiederholt, um sich auf sicherem Terrain zu glauben. Übrigens auch von Frauen.

Es ist Arbeit, etwas Neues zu entwickeln. Mein Eindruck ist, dass alle ideologischen Debatten da enden, wo mein Leben beginnt: in der Praxis. Dazu gehört die Rede über die potente Frau. Sie wird unsere Ordnung infrage stellen, deshalb geht es auch nicht reibungsfrei.

Sexuelle Kommunikation ist mein Job. Gelungene sexuelle Dialoge sind das Ziel meiner Arbeit, das „Ja“ ist die Basis. Ich weiß aus vielen Jahren Erfahrung, wie anstrengend das sein kann. Es hat mich nicht nur mit zweifellos patriarchalen Strukturen konfrontiert, sondern auch zutiefst mein eigenes Verhalten infrage gestellt. Auch ich habe mich in der sexuellen Anbahnung immer wieder gefragt: Wie angepasst bin ich? Kann ich mich spüren? Wie oft lächle ich, um die Stimmung nicht kaputt zu machen, und finde mich anschließend trotzdem in einer Situation, die ich so nicht wollte?

Zu oft stand ich zögernd vor der Entscheidung, den nächsten Schritt zur Veränderung einer Situation herbeizuführen, die nicht meinen Vorstellungen entsprechend lief. Die Gründe für das Zögern: tief in den Körper eingeschrieben. Woher eigentlich? Wer impft uns weiblich sozialisierten Wesen so früh ein, dass wir im sexuellen Dialog gefallen wollen, anstatt uns auszudrücken? Zu ungewohnt, anstrengend, nicht weiblich, Angst, kein Gefühl – und dennoch möglich.

Good news! Sexuelle Kommunikation ist lernbar. Zu fühlen, zu zeigen und zu sagen, was ich will, ist geil. Empathie und Respekt sind heiß. Konsens ist sexy! Ich hab’s gelernt und gebe dieses Wissen großzügig weiter. Sexarbeit war mein Bootcamp für das gute Leben im Patriarchat.

 

Manchmal suchen sich Journalisten sehr exotische Themen raus. So erhielten wir eine Anfrage, wo es um den Wandel der Sexbranche in Japan geht. „Dort nimmt das Angebot „härterer“ sexueller Dienstleistungen wie Geschlechtsverkehr und Oralsex ab, während Einrichtungen mit „weicheren“ Angebote wie Massagesalons und Kuschelcafés boomen. Als Grund gilt Japans alternde Gesellschaft. Die vielen Alten wollen, oder können, keinen Sex mehr haben, sehnen sich aber weiter nach Intimität und Körperkontakt.“
Wir sollten antworten, ob denn ein ähnlicher Wandel in Deutschland zu verzeichnen ist.

Eine Kollegin aus dem BesD hat sich dazu Gedanken gemacht:

Ich habe nicht das Gefühl, dass es zwingend an einer alternden Gesellschaft in Japan liegt, dass Etablissements wie Kuschelcafés entwickelt wurden. Meines Erachtens impliziert diese Aussage, dass in der Hauptsache Männer mit Potenzproblemen diese Services in Anspruch nehmen. Zunehmende Landflucht der jüngeren Generation und der Wandel sich um seine auf dem Land zurückgelassenen Eltern nicht mehr in dem Maße zu kümmern wie noch vor einigen Jahrzehnten (zu Zeiten, als Zwei-Generationen-Haushalte üblich waren) erklären die zunehmende Vereinsamung älterer Japaner schon eher.
Im Hinblick auf einen Erklärungsversuch der Impotenz wird jedoch außer Acht gelassen, dass es ja auch Maid-Cafés gibt (Örtlichkeiten, in denen als Zimmermädchen verkleidete junge Damen Männern, meist gleichen Alters, Gesellschaft leisten), Crossdressing-Maid-Cafés (in denen Jungs als Zimmermädchen verkleidet Gesellschaft leisten) oder Boy-/Butler-Cafés, in die junge Frauen gehen, um dort die Gesellschaft gutaussehender junger Männer zu genießen. Meines Wissens nach ist in all den von mir aufgezählten Beispielen eine Berührbarkeit des Dienstleistungspersonals ausgeschlossen.
Offen gestanden würde ich dies auch nicht mit japanischen oder deutschen Sexangeboten vergleichen. Es gibt schließlich auch Cat-/Dog- und weitere Cafés, in denen ebenso emotionale Bedürfnisse befriedigt werden, ohne dass es zu einer Interaktion (zwischen Menschen) kommt.

Japans Gesellschaft unterscheidet sich einfach auch sehr von der deutschen. Gruppenzugehörigkeit ist in Japan sehr wichtig; endet die Zugehörigkeit zur Gruppe der eigenen Schulklasse mit Schul- oder College-Abschluss, beginnt sie mit Tätigkeitsaufnahme in einer Firma bei den Kollegen erneut. Japanische Kollegen gehen gerne nach der Arbeit noch in Bars oder Restaurants, um den Arbeitsalltag ausklingen zu lassen, am Ende des Abends ist mit Gruppenzugehörigkeit aber Schluss, und wer keine Familie hat, den holt spätestens auf dem Weg nach Hause die Einsamkeit wieder ein.
Zusätzlich ist es in Japan üblich, dass die Frau aus dem Berufsleben ausscheidet und sich dem Familienleben und der Hausarbeit komplett widmet, sobald sie heiratet. Ich meine, dass auch in Japan mittlerweile ein Karrieredenken bei vielen Frauen eingetreten ist, sie möchten so früh gar nicht mehr heiraten wie noch ihre Elterngeneration. Der gegenwärtige Zustand: Männer haben weniger Zugang zu heiratswilligen Frauen. Die Folge: Zunehmende Einsamkeit auch in jüngeren Bevölkerungsschichten.

Warum gibt es diesen Wandel von Sex-Dienstleistungen zu Intimitäts-Dienstleistungen ohne Sex in Deutschland nicht? Das ist eine gute Frage. So eine richtige Antwort habe ich darauf auch nicht. Vielleicht ist ein Ansatz aber in dem Unterschied zu suchen wie Freundschaften in Deutschland und wie Freundschaften in Japan gepflegt werden. Gesellschaftlich sind in Deutschland heterogeschlechtliche Freundschaftlich ganz normal. Sicher denkt man sich mal:“Die verstehen sich aber ziemlich gut, irgendwie stecken sie in einer Friendzone fest, sonst wären sie sicher ein Paar.“, aber grundlegend werden Mann-Frau-Freundschaften so akzeptiert wie Mann-Mann- oder Frau-Frau-Freundschaften, und man geht nicht sofort davon aus, dass ein Mann und eine Frau ein Paar sind. Ich kann mit einem Freund Essen gehen, ohne dass unser gemeinsamer Freundeskreis davon ausgeht, dass da „was läuft“.
In Japan ist das anders; Gesellschaftliche Zusammenkünfte von drei und mehr Personen sind freundschaftliche Anlässe – nur zwei Personen hingegen gehen zu einem Date. Gesellschaftlich wird in Japan viel mehr in ein Treffen unter zwei gegengeschlechtlichen Freunden hineininterpretiert, das kann soweit gehen, dass eine Freundschaft als außereheliche Affäre von außen missbilligt wird. Da kommt man zu dem Schluss, dass in Japan alles, was die eigene Ehefrau emotional nicht bietet, für den Mann unerreichbar ist (bzw. bis zum Auftreten von solchen Kuschel-/Maid-/Boy-/ usw.-Cafés war), wohingegen in Deutschland durch vielfältige Freundschaften die Möglichkeit geboten wird, dass ein Ehemann auch außerehelich emotional mit einer Frau zu tun hat, ohne dass es in Romantik und Sex mündet.
Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum in Deutschland solche rein emotionalen Dienstleistungsangebote nicht oder nur in Einzelfällen benötigt werden.

Sehr geehrter Herr Haug, sehr geehrte Damen und Herren,

vor wenigen Wochen erreichte mich eine Anfrage aus Ihrer Redaktion, ob ich bereit wäre, in einer TV-Produktion mitzuwirken. Mein Name ist Hanna Lakomy, alias Salomé Balthus, ich bin Prostituierte.

Ich möchte Ihnen hier erklären, wie es dazu kam, dass ich diese Anfrage, die mich erst positiv interessiert hatte, nun letztendlich doch abgelehnt habe. Ich habe das Bedürfnis, das zu erklären. Ich möchte nicht für unzuverlässig oder fremdgesteuert gehalten werden, dies wäre mir fatal! Zudem schätze ich die Arbeit von SPIEGEL TV im Allgemeinen und halte Ihre Institution für unbestreitbar seriös.

Zu Wort kommen sollen alle Sparten und Preisklassen meiner KollegInnen in Gewerbe der käuflichen Lust, aber ebenso unsere politischen Gegner, die Abolitionistinnen, selbsternannte Huren-Retter, Aussteigerinnen aus dem Bereich der illegalen Prostitution, die ihre unguten Erfahrungen verallgemeinern, während sie uns dasselbe mit unseren positiven Erfahrungen vorwerfen. Auf gesellschaftliche Widersprüche, Hintergründe sollte eingegangen werden, und, wie ich meinte, dargestellt werden, welche Lücke zwischen Vorstellung und Wirklichkeit der Prostitutionsmythen besteht, wie falsch die (von der Emma aufgebrachten) Zahlen sind, und die Behauptung, 99% der Prostituierten seien Zwangsprostituierte.
Ich war erst sehr dafür, mich zu zeigen, mich darauf einzulassen, einen Tag lang von einem Kamerateam begleitet zu werden, es so zu inszenieren, als würde ich mich an dem Tag auf einen Kunden vorbereiten, diesen auch treffen. Ich hatte bereits für die Dreharbeiten eine Hotelsuite als Drehort gemietet, und meiner Stylistin Bescheid gegeben. Ich hatte mir Mühe gegeben, die Wünsche Ihrer Mitarbeiter nach möglichst viel Nähe, Authentizität und intimen Offenbarungen zu erfüllen.

Doch dann musste ich die Notbremse ziehen:
Grund war zunächst der Titel: Die Produktion soll den Titel tragen „Der große Rotlicht-Report“. Rotlicht-Report – das Rotlicht, das ist doch nur ein Teil der Welt der Prostitution, und zwar gerade nicht meiner. Was hätte ich dazu denn zu sagen?
Dann die Tatsache, dass es nicht gewollt sei, durch die Dokumentation „Prostitution zu verherrlichen“ – aus Gründen des Jugendschutzes, bei einer Sendung zur Prime Time. Jugendlichen darf also eine legale Tätigkeit in der Sexarbeit nicht als etwas präsentiert werden, dass eine berufliche Perspektive darstellen könnte. Es müssten sich die positiven und negativen Aspekte die Waage halten, um ein neutrales, ambivalentes Bild zu zeichnen. – Ginge es um ein anderes Thema als das der Prostitution, etwa die Computerindustrie, Ehegattensplitting, den Politikbetrieb, etc. – ich würde diese Neutralität begrüßen, sie für aufklärerisch halten. Doch im Falle eines Berufes, der historisch und auch aktuell massiver Stigmatisierung ausgesetzt ist, und dessen Vertreterinnen mit den aller schärfsten Konsequenzen für ihr Leben zu rechnen haben, wenn sie so mutig sind, sich zu outen, ist diese Neutralität eben keine echte Neutralität. Sondern ein Zugeständnis an die öffentlich bestehende Meinung, mithin feige und wohlfeil. Stellen Sie sich eine Dokumentation über Homosexualität in den 70er Jahren vor, die sich zur Aufgabe macht, „Homosexualität nicht zu verherrlichen“. Oder eine Sendung im Saudi-Arabischen Staatsfernsehen über Feminismus, die vermeiden will, „Feminismus zu verherrlichen“. Jeweils immer gern mit Hinweis auf den Schutz der Jugend, die in den gesellschaftlich gewollten moralischen Werten aufgezogen werden soll.
Ich habe mir sagen lassen, der SPIEGEL war früher mal kontrovers, politisch engagiert, gegen die Meinungs-Macht der übrigen Leitmedien. Die Annahme, Medien sollten „wertneutral“ sein und „nur die Wirklichkeit abbilden“, halte ich für ebenso falsch wie dumm. Es gibt keine Neutralität. Wer sie für sich beansprucht, führt etwas im Schilde, zu dem er sich nicht bekenntnisoffen verhalten will, sei es aus Feigheit, sei es, um Menschen wie mir Fallen zu stellen, weil man man von ihnen etwas will, nämlich ihr Bild.

Ich bin nicht bereit, mein Gesicht, meine Stimme und meine Gestalt herzugeben für jemanden, der nicht für meine bedrohten Rechte eintritt. Ich will nicht mitwirken an einer breit angelegten Groß-Enthüllungs-Show, die hinter dem Schutz journalistischer Neutralität und Distanz nicht mehr tut, als voyeuristische Bedürfnisse zu befriedigen, und zugleich meinen Feinden erneut die Möglichkeit gibt, mir und meinesgleichen zu schaden. Ich möchte Filmszenen mit meinem Körper nicht in einen Kontext stellen, in dem sie kritisch bewertet und zuletzt im Sinne der öffentlichen Meinung gerichtet werden. Ich habe auch meinen Kolleginnen davon abgeraten. Denn dieses „neutrale“ Format zieht uns aus, liefert uns der öffentlichen Meinung aus, stellt unseren Beruf in den Kontext von Elend und Verbrechen, als wären sie unvermeidbarer Teil unseres Gewerbes. Man liefert uns dem Meinung der Masse aus, während die Redaktion sich fein heraushält, und nicht daran denkt, uns zu schützen, erzieherisch zu wirken in unserem Sinne. Das alles soll der Urteil des Publikums eines Privatsenders wie Kabel 1 überlassen bleiben, wobei ich nicht mal weiß, was nach dem Schnitt von dem, was mir persönlich wichtig ist, noch zur Beurteilung übrig bleibt.

Auf meine Bedenken wurde zunächst eingegangen, man wolle gerade mich unbedingt dabei haben, als „einordnende Instanz“.
Also hatte ich zur Güte angeboten, statt eines Begleit-Drehs ein Statement für die Kamera abzugeben, erkennbar mit meinem Gesicht und meiner Stimme. Dies wurde abgelehnt, man sei nicht an einem Interview interessiert, sondern an „Action“ – was mich in meinen Befürchtungen nochmals bestätigte.

Ich kann mich nur über das Thema Prostitution, über mich und mein Leben äußern, wenn eine Haltung dahinter steht, ein Engagement für die Prostitution und somit für die liberale Gesellschaft. Dass die liberale Gesellschaft in Europa bedroht ist, werden Sie als politisch denkender Mensch sicher bemerkt haben.
Sollte sich SPIEGEL-TV dazu entschließen, eine engagierte Sendung Pro-Prostitution und zur Unterstützung von selbstbestimmten, mutigen Sexarbeiterinnen zu machen, stehe ich gern zur Verfügung.

Mit den besten Grüßen

Salomé Balthus

„Der hohe Preis von käuflichem Sex“ und „Blowjob auf Bestellung“

Der Titel der Podcastreihe auf zeit.de lautet: Ist das normal? In diesem wöchentlich erscheinenden Format widmet sich die Sexual- und Traumatherapeutin Melanie Büttner (München) kunterbunten Fragen rund um Sex. In zwei kürzlichen Folgen (25.6.18 und 02.07.18) ging es um Sexarbeit. Zuerst um die Kunden der Dienstleistung Sex und in der Folge von Anfang Juli um die Arbeitsbedingungen und Arbeitssituation der Prostituierten, aber auch um die Sexarbeitenden, ihre Gesundheit und die Frage der Freiwilligkeit.

Die Moderatorin Alina Schadwinkel und die Sexualtherapeutin Melanie Büttner diskutieren zunächst darüber, wie viele Menschen in Deutschland eigentlich in der Sexarbeit tätig sind. Von 84.000 – 1,2 Millionen ist die Rede und 90% davon würden diese Tätigkeit unfreiwillig ausüben, laut „Polizeiexperten“, die hier schwammig als Quelle genannt werden. Auf dem Fuße folgt die Verknüpfung von Sexarbeit mit Menschenhandel, Zuhälterei und Zwang, denn so werden „Frauen zu Sexarbeit bewegt“, wie Melanie Büttner es formuliert. Dabei erwähnt sie dann in einem Nebensatz „innere Zwänge“ oder finanzielle Notlagen, und sortiert locker-flockig auch solche Menschen in das Gros der Unfreiwilligen ein, die „durch Dritte unbeeinflusst“ in der Sexarbeit tätig sind. Hier lohnt es sich genauer hinzuschauen, denn das ist ein argumentativer Dreh- und Angelpunkt dieser Episode: von „inneren Zwänge“ ist die Rede und von Opfern und von Krankheiten, psychischer und physischer Natur. Sexarbeiter*innen werden pathologisiert, und unausgesprochen bleibt die Frage nach der Mündigkeit und der freien Entscheidung von jenen, über die da geredet wird, nämlich über uns.

Wer kann sich also angesichts einer derart verheerenden Situation noch einbilden, selbstbestimmt in der Sexarbeit tätig zu sein?

Wie kann man da noch gesellschaftliche Anerkennung fordern?

Wahrscheinlich sind wir alle letztlich gar nicht objektiv, sondern durch Traumata, Gewalterfahrungen und tiefenpsychologisch verankerte Muster nur eingebildete Freiwillige?

Es gibt sie aber wohl doch, die freiwillige Sexarbeiterin, die neugierig ist, den Kick, das Abenteuer sucht, so Büttner, das sei legitim, ließe sich doch in einigen Segmenten anscheinend gutes Geld verdienen. Hier werden also in bekannter Manier hochbezahlte Segmente der Sexarbeit als Ausnahme dargestellt, für 90% sind die Arbeitsbedingungen unerträglich, der Darstellung der Situation widmen Büttner und Schadwinkel sich hingebungsvoll. Sie leiten über zur Frage nach sexueller Gewalt im Leben von Sexarbeitenden, und zwar in der Kindheit und Jugend, als auch im späteren Erwachsenenleben. Dabei greift Melanie Büttner auf eine Untersuchung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahre 2004 zu Gewalt und Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland zurück. Im Rahmen der Untersuchung wurden 110 Sexarbeitende als eine Teilpopulation befragt. Da ist von nennenswerten Gewalterfahrungen zu lesen. Allerdings vergessen die beiden Akteurinnen des Podcasts darauf hinzuweisen, dass 37% der Frauen in der Hauptbefragung auch Angaben, Opfer von Gewalt in unterschiedlicher Form geworden zu sein. Haben die beiden nur „vergessen“, die Untersuchung der Teilpopulation mit einer Referenzgruppe abzugleichen?

Das Bild, das von der Sexarbeit gezeichnet wird, ist tiefschwarz. Es ist die Rede von seelischer und körperlicher Misshandlung, Abhängigkeit, Krankheit und auch Todessehnsucht. Gespickt werden diese scheinbar faktendurchsetzten Zitate aus unzähligen Studien mit überrascht-naiven Rückfragen seitens der Moderatorin Alina, und hängen bleibt vor allem der Schock und die Fassungslosigkeit.

Die doch so wichtige Frage nach guten Arbeitsbedingungen in der Sexarbeit, wird zum Beispiel durch Alina mit der zynischen Einwurf bedacht, ob man dann ein schönes Sofa zum Arbeiten hätte?

Wem nützt so ein Podcast?

Und wieso nützt wem solch ein Podcast?

Es werden fast ausschließlich Quellen zitiert, die verheerende Urteile über Prostitution und die damit angeblich einhergehende Kriminalität fällen. Es werden in einer Weise Hinweise auf Länder eingestreut, die ein Sexkaufverbot installiert haben, und in Bezug gesetzt zu Zahlen über Menschenhandel und Prostitution. Liest man sich durch die teilweise dummen Kommentare hindurch, gewinnt man den Eindruck, dass dieser Podcast ein Geschenk an die Prostitutionsgegner ist.

Die Verschränkung von Zahlen über Kriegsveteranen und Sexarbeitenden oder von Trauma und Prostitution, die Schlussfolgerung, dass man die Sexarbeit nur betäubt ertragen könnte, die Menschenunwürdigkeit der Verhältnisse in der Prostitution, all das sind Stilmittel und Argumente, die insbesondere aus dem Lager der Prostitutionsgegner angeführt werden. Die allergrößte Mehrzahl ist in dieser verabscheuenswürdigen Tätigkeit gefangen. Opfer, Krankheit, Zwang, und dann die Frage nach der Gesetzgebung und dem Schutzgedanken des ProstSchG: Klar, wenn die Sexarbeit ein solches Schreckgespenst ist, dann muss reguliert und zwangsregistriert werden. Es handelt sich um einen notwenigen Schutz für die Schutzbedürftigen. Und das sind eigentlich alle.

Ist das normal, frage ich mich, ein so einseitiges Bild einer komplexen gesellschaftlichen Frage, wie die nach dem Angebot und der Nachfrage von Sexarbeit zu zeichnen, wie es nach dem Hören dieser beiden Episoden entsteht?

Ist das normal, dass sich Moderator*innen und Expert*innen einerseits so betont neutral geben, aber allernachdrücklichst lediglich Quellen zitieren, die Sexarbeit ins gesellschaftliche Abseits stellen und den Sexarbeitenden Traumatisierung, Belastungsstörungen und Depressionen unterstellen?

Ist das normal, dass man über die Sexarbeit spricht und sich dabei in den schwärzesten Farben die Realität von Sexarbeitenden ausmalt, ohne mal jemand aus der Sexarbeit zu fragen?

Ist das normal, dass in der Zeit Meinung gemacht wird, durch unterschwellige Manipulation und gezielte Verbreitung immer gleicher Quellen, die wir, die Sexarbeitenden in Deutschland, nachdrücklich in Frage stellen?

Hier wird Stimmung gegen Sexarbeit gemacht, hier wird Stigma mediale Realität und ich darf mich am Ende fragen, kann ich eigentlich noch für mich selbst entscheiden, oder bin ich schon reif für die Vormundschaft, wenn ich meinem Beruf als Hure selbstbestimmt und motiviert nachgehe?

KOMPLETT ANONYME SPENDEN SIND MÖGLICH

Vor gut einem Jahr haben wir 3.200 Euro für den Aufbau einer Infoseite zum Thema Sexarbeit in Deutschland gesammelt.
Dafür möchten wir nochmals danken.
Das Geld wurde exakt für den Sammelzweck verwendet und ist aufgebraucht. Hier die damalige Spendenaktion -> https://www.leetchi.com/c/projekt-von-berufsverband-erotische-und-sexuelle-dienstleistungen

 

GRUND FÜR DIE NEUE WEBSEITE
Anlass war der Informationsmangel und die verwirrenden Falschmeldungen bezogen auf das neue Gesetz für Sexarbeitende. Das sogenannte ProstituiertenSchutzGesetz (ProstSchG) verpflichtet alle in Deutschland in der Sexarbeit Tätigen zu einer Gesundheitsberatung und einer anschließenden Registrierung als Prostituierte.

Das Gesetz trat am 1.Juli letzten Jahres in Kraft und ist immer noch nicht in allen Bundesländern umgesetzt.

Wir wollten eine Plattform schaffen, wo Kolleg*innen alle berufsbezogenen Infos verständlich erklärt finden können.

 

WICHTIG WAR UND IST

a) Sachliche und fundierte Infos für alle Bundesländer zum Thema ProstituiertenSchutzGesetz. Kurz-Infos in leicht verständlicher Sprache und Details für alle, die es genauer wissen wollen.

b) Im Alltagsgeschäft sind viele Kolleg*innen auf sich selbst gestellt und auch für grundsätzliche branchentypische Probleme finden sich kaum Ansprechpartner*innen. Hier springt nun unser FAQ ein, welches regelmäßig erweitert wird.

c) Übersetzungen der wichtigsten Punkte in die gängigen Sprachen unserer Branche – Daran arbeiten wir weiterhin.

d) Alle für die Branche wichtigen Adressen sind nun zu finden, ebenso Auskünfte zu Themen von Sperrgebieten über Sexarbeits-Stammtische bis hin zu Weiterbildung und einem Terminkalender.

 

ERGEBNIS
Wir sind sehr stolz auf das Resultat, denn unsere Webseite ist von uns komplett erneuert worden:

  • wichtige Infos sind nun zu finden auf der Seite
  • wesentlich höhere Klickrate
  • wesentlich bessere Auffindbarkeit für Suchmaschinen
  • Kolleg*innen schreiben nun regelmäßig Blogbeiträge
  • das interne Forum wurde sehr belebt

 

WAS FEHLT

a) es sind schon fertige Übersetzungstexte vorhanden. Das zeitaufwendige Einpflegen muss gemacht werden

b) Vervollständigung und Aktualisierung der Adressliste bezogen auf das ProstSchG

c) Behebung technischer Fehler

d) Überarbeitung des Bisherigen und Optimierung

 

WIE SOLL DAS GEHEN?
Wir werden Ende Juni ein Webseiten-Wochenende veranstalten, wozu sich 5 Personen angemeldet haben. Dort werden wir 3 Tage intensiv arbeiten.
Wir wissen, dass dies sehr gut klappt, denn wir machen das in der Art schon zum 3. Mal.

Wir brauchen dringend finanzielle Unterstützung bei der Weiterführung unseres Projektes.

Bitte spende jetzt -> https://www.leetchi.com/c/weiterarbeit-an-info-webseite-fuer-sexarbeitende

Du kannst auch anonym spenden. Bei der Mailadresse, die abgefragt wird von diesem Spendentool, kannst du eine Phantasieadresse eingeben. Das spielt keine Rolle. Das Geld kommt trotzdem an.

 


 

KOSTENPLAN:

700 Euro für Webseiten-Wochenende
– Miete Seminarraum- Reisekosten für 5 Personen- Verpflegung für 5 Personen

200 Euro für Programmierung
als Bonus für unsere zum großen Teil ehrenamtlich arbeitende Webmasterin

600 Euro für Übersetzungen
– Korrekturlesen der schon vorhandenen Übersetzungen- Einpflegen auf die Webseite

300 Euro für Aktuelles
– Vervollständigung der Liste mit den bundesweiten Adressen- immer wieder Aktualisierung

SUMME = 1.800 Euro

 

Bitte spende HIER -> https://www.leetchi.com/c/weiterarbeit-an-info-webseite-fuer-sexarbeitende

 

 

Über Kunden im Sex- und Erotikgewerbe wird meistens schlecht berichtet, als wären sie alle perverse, skrupellose, dauergeile Ungeheuer, die das Leben sämtlicher Dienstleisterinnen zur Hölle machen und durch ihre widerliche Lust die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern perpetuieren. Diese Einstellung führt zur Verabschiedung von Gesetzen wie das im April 2016 in Frankreich, in dem die Bestrafung von Freiern eingeführt wird. Laut dem neuen Gesetz wird die Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen bei der ersten Kontrolle mit bis zu 1.500€ bestraft und bei wiederholter Tat mit bis zu 3.750€. Mit dem neuen Gesetz vom 13. April 2016 wurde zum einen das Verbot der (auch passiven) öffentlichen Anbahnung von Kunden aufgehoben, welches 2003 eingeführt worden war und dafür die Bestrafung von Kunden, sowie Ausstiegsprogramme für Prostituierte eingeführt. In einer von Médecins du Monde veröffentlichte Studie letzten Monat werden die Folgen dieses Gesetzes ausgewertet. Zwischen Juni 2016 und Februar 2018 wurden 70 Interviews mit Sexarbeitenden sowie 24 Gruppeninterviews mit Aktivist*innen und Vertreter*innen von Sexarbeitsorganisationen in Frankreich durchgeführt. Anhand ausführlich zitierten Erzählungen der Befragten wird im Bericht der Studie die Situation von (hauptsächlich auf der Straße arbeitende) Sexarbeitenden über die letzten zwei Jahre anschaulich dargestellt. Zu beachten ist, dass die Umfrage hauptsächlich unter Sexarbeitenden, die auf der Straße arbeiten, durchgeführt wurde und die Ergebnisse somit auf die Wahrnehmungen und Erfahrungen aus diesem Arbeitsbereich basieren. Im folgenden Beitrag werden einzelne Ergebnisse der Interviews im Rahmen der Studie nochmal im Detail vorgestellt und zusammengefasst.

Freierbestrafung

Die Prekarisierung der Betroffenen ist das wesentlichste Ergebnis des neuen Gesetzes. Die Mehrheit der Befragten berichteten von einer Verschlechterung ihrer Arbeitssituation durch die Freierkriminalisierung, mit besonders negativen Auswirkungen auf ihrer Sicherheit und Gesundheit. Das neue Gesetz gefährdet die Autonomie von Sexarbeitenden und viele befinden sich folgendermaßen in der Abhängigkeit von Dritten. Dies bestätigt, was Sexarbeitsorganisationen weltweit schon immer als hoch problematisch mit der Freierkriminalisierung eingeschätzt haben. Seit Einführung des neuen Gesetzes senkte die Anzahl der Kunden für viele Sexarbeitende, was zu einer Prekarisierung der Arbeitsbedingungen führte, in dem viele Sexarbeitende auf Grund ihres gesunkenen Einkommens sich genötigt fühlten, Dienste anzubieten, die sie sonst nicht anbieten würden. Insofern schwächt das neue Gesetz die Machtposition der Sexarbeitenden bei Verhandlungen mit Kunden. Daher befinden sich viele Sexarbeitende seit April 2016 in einem Teufelskreis zwischen prekären Arbeitsbedingungen, sexuelle Praktiken auszuüben, die sie sonst nicht anbieten würden, und dem Risiko erhöhter Gewalterfahrungen bei der Arbeit. Öffentliche Beleidigung, körperliche und sexuelle Übergriffe, Diebstahl und Raubüberfälle in Terminwohnungen gehören zu den verschiedenen Formen von Gewalt, die von Sexarbeitenden berichtet worden.

Die Stigmatisierung von Sexarbeitenden ist durch die Freierkriminalisierung auch nicht geringer geworden. Im Gegenteil: das neue Gesetz verfestigt nochmal die Kategorien Sexarbeitende/Opfer und Kunde/Täter, was zu Lasten der Betroffenen das öffentliche Bild vom Sex- und Erotikgewerbe als schmuddeliges, kriminelles Milieu propagiert. Die Wahl an sicheren Arbeitsplätzen ist ebenso durch das neue Gesetz zurückgegangen, denn die Kunden trauen sich nicht mehr an offenen, sichtbaren Orten anzubahnen. Außerdem wird die Solidarität unter den verschiedenen Sexarbeitenden durch die Prekarisierung geschwächt. Dadurch, dass sie um weniger Kunden konkurrieren müssen, werden sich Sexarbeitende gegenseitig eher als Konkurrentinnen und nicht als Mitstreiterinnen für gemeinsame Rechte betrachten.

Ausstiegsprogramme: Mehr Stigmatisierung statt Unterstützung

Neben der Freierbestrafung sorgen auch die Ausstiegsprogramme für viel Kritik von Sexarbeitenden und ihren Alliierten. Auch wenn diese Maßnahme gut gemeint ist, berichtet die Studie, dass sie bisher wenig verbreitet und daher unbekannt und unwirksam gewesen ist. Ähnlich wie in Deutschland, wird das Gesetz je nach „département“ unterschiedlich durchgesetzt, und insbesondere die Ausstiegsprogramme unterschiedlich ausgeführt. Außerdem ist es bedenklich, dass ein wesentliches Kriterium für die Zulassung zum Ausstiegsprogramm, der sofortige Ausstieg aus der Sexarbeit ist. Aus praktischen Gründen ist das für viele Sexarbeitenden nicht möglich, denn die Wartezeiten in vielen Städten bis zur Aufnahme in das Programm über Monate dauern. Es wird den Ausstiegswilligen zwar zu Beginn des Programms finanzielle Hilfe sowie eine kurzfristige Arbeitserlaubnis und eine Unterkunft gegeben, aber bis die bürokratischen Abläufe erledigt werden und die Ausstiegswillige endlich die Vorteile des Programms genießen kann, muss der Lebensunterhalt noch irgendwie bestritten werden.

Darüber hinaus werden die Ausstiegsprogramme im Bericht als Beispiel der „sozialen Kontrolle“ kritisiert, denn einige der Befragten äußerten Bedenken wegen der Erhebung ihrer persönlichen Daten durch die Teilnahme an dem Programm. Ähnlich wie bei der Registrierungspflicht hier in Deutschland, stellt die Teilnahme an dem Ausstiegsprogramm das Risiko des Outings dar, die viele Sexarbeitende nicht bereit sind einzugehen. Auch wird die Rolle bisher vertrauter Beratungsstellen in Frankreich in Frage gestellt, wenn sie im Rahmen der Vermittlung des Ausstiegsprogramms verpflichtet werden, persönliche Daten der Ausstiegswilligen an die Behörden weiterzugeben. Durch die Einführung dieser Programme wird viel mehr durch einen moralisierenden Ansatz gegen die Sexarbeit vorgegangen, als eine wirksame soziale Maßnahme im Interesse der Sexarbeitenden. Das Ergebnis wird daher leider eine zunehmende Stigmatisierung von Sexarbeit und Sexarbeitenden sein und keine Ausstiegswelle, wie durch diese Maßnahme erzielt wird.

Fazit

Was bringt es, die Freier zu kriminalisieren? Die Ergebnisse der Studie sind leider nicht überraschend. Die Anzahl der Sexarbeitenden in Frankreich ist durch das neue Gesetz nicht weniger geworden. Allerdings ist die Anzahl der Kunden seit Einführung des neuen Gesetzes deutlich gesunken, so dass die Konkurrenz zwischen den Dienstleister*innen und dabei die Prekarität in der Sexarbeit gestiegen ist. Durch das neue Gesetz wird der Kunde als Täter anstatt als Geschäftsteilnehmer behandelt, was im Endeffekt der Erbringung von sexuellen Dienstleistungen gegen Geld als legitime Arbeitsform entgegenwirkt. In den Gesprächen mit Sexarbeitenden wurden die Freier allerdings nicht unbedingt als perverse Ungeheuer dargestellt, sondern einige schilderten auch positive Erfahrungen mit ihren Kunden und die Möglichkeit, durchaus menschliche Geschäftsverhältnisse mit ihren Kunden pflegen zu können.

Hinter der Freierkriminalisierung steckt die Unterdrückung männ(ensch)licher Sexualität, welches ein höchst unwirksamer und kontraproduktiver Ansatz für das behauptete Ziel dieser Maßnahme (die Bekämpfung von Zwang und Menschenhandel im Sex- und Erotikgewerbe) darstellt. Der BesD steht ausdrücklich für Maßnahmen für die Stärkung von Menschenrechten anstatt für die Unterdrückung menschlicher Wünsche und Bedürfnisse, um die Probleme, die es in der Sexarbeit gibt, anzugehen. Wir plädieren stark gegen die Kriminalisierung unserer Kunden und somit gegen die Einführung des nordischen Modells in Deutschland.

Quelle

Dieser Text wurde von unserer Forschungsbeauftragten Nadine übersetzt und zusammen gefasst

Beim Mitgliedertreffen des BesD im Herbst 2016 lernte ich Violett kennen. Witzigerweise leben und arbeiten wir beide in Leipzig und müssen bis nach Göttingen fahren, um uns kennenzulernen. Allein diese Tatsache schrie schon danach, endlich ein Sexarbeiter*innen-Treffen in Leipzig zu organisieren. Schon lange wünschte ich mir sowas, nachdem ich von Kolleg*innen aus anderen Städten viel Positives gehört hatte über diese ungezwungenen Treffen unter Sexarbeiter*innen.
Allerdings war ich im Jahr 2016 gerade nicht aktiv als Sexdienstleisterin und viel mit mir selbst beschäftigt. Auch Violett arbeitete viel, so dass wir nur in sehr großen Abständen miteinander Kontakt hatten. Wir sprachen aber das Thema Stammtisch immer wieder an und dass wir das doch endlich mal organisieren müssten …

2017 begann ich wieder als Independent Escort zu arbeiten, das ProstSchG trat in Kraft und so langsam bewegte sich in Sachsen und Leipzig etwas. Vom Gesundheitsamt Leipzig und weiteren Organisationen wurde der Arbeitskreis „Sexarbeit in Leipzig“ ins Leben gerufen. Da Violett und ich mit diesem spätestens seit letzten Sommer in engem Kontakt stehen, wurden wir dazu eingeladen und waren natürlich dabei. Das erste Treffen fand Ende Februar statt, wo auch jemand vom Verein „RosaLinde e. V.“ dabei war. Und wie das immer so ist … es werden vor Allem während der Pausen Kontakte geknüpft und so hatte Violett einfach mal gefragt, ob man nicht Räume von RosaLinde nutzen könnte, um ein Sexarbeiter*innen-Frühstück zu veranstalten.

Die Idee mit dem Frühstück war ihr zwischendurch gekommen. Wir hatten immer von einem Stammtisch gesprochen, der abends stattfindet, aber das ist für die meisten Kolleg*innen natürlich schwierig, weil sie abends arbeiten oder sich nach einem langen Tag ausruhen wollen. Außerdem finden Stammtische ja oft in Bars oder Kneipen statt und Violett hatte sich überlegt, ob das nicht abschreckend für Manche sein könnte, so in der Öffentlichkeit. Ich selbst hatte das Ganze nur am Rande mitbekommen, erhielt aber einige Zeit später eine Mail von RosaLinde. Man bat uns, sich doch dem Vereins-Plenum einmal vorzustellen und zu erklären, was wir vorhaben. Da musste ich nochmal bei Violett anrufen und nachfragen, was sie das eigentlich besprochen und gefragt hatte.

Der Verein RosaLinde e. V. ist toll – setzt sich für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter*, Asexuelle und queere Menschen (LSBTIAQ*) in Leipzig ein und leistet seit seiner Gründung 1988/1990 Antidiskriminierungs- und Lobbyarbeit in diesem Bereich. Und so war unsere Vorstellung eigentlich eine reine Formsache, denn bei der Unterstützung einer weitreichend diskriminierten Gruppe, wie bei Sexdienstleister*innen war der Verein sofort dabei. Wir bekamen die Zusage, an einem Sonntag Vormittag im Monat endlich das erste Sexarbeiter*innen-Treffen in Leipzig abzuhalten.

Das Frühstück ist einfach ein offener Treff ausschließlich unter Kolleg*innen. Wir wollen uns über Alles austauschen, was uns mehr oder weniger unter den Nägeln brennt, über die Arbeit sprechen, über Schönes, Lustiges, aber auch Schwierigkeiten und Probleme können angesprochen werden. Violett und ich verstehen uns dabei auch als Sprachrohr, welches die Anliegen der sächsischen und Leipziger Sexarbeiter*innen in den neu gegründeten Arbeitskreis trägt. Auch können wir Infos zum ProstSchG und zum aktuellen Stand der Ausführung geben. Die Räume des RosaLinde e. V. bieten uns dafür einen geschützten Rahmen, indem wir komplett unter uns sind. Ort und Datum geben wir nur bei Anmeldung bekannt.

Das erste Frühstück hatten wir im Mai bereits. Es kam extra eine Kollegin aus dem Umkreis von Leipzig und wir hatten einen regen Austausch.
Ich freue mich schon riesig auf das nächste Frühstück mit hoffentlich noch einigen Kolleg*innen mehr.

Meldet euch einfach bei mir oder Victoria an.
Gruß,
Lydia


Infos und Kontakt:
Lydia: info@versuchung-lydia.de
Viktoria: 0176-32808941