Am 20.05.2014 lud der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Bundestages zu einer öffentlichen Anhörung zum Thema „Menschenhandel und Zwangsprostitution in Europa“. Als Sachverständige wurden ein Buchautor, ein Polizist, eine Menschenrechtlerin und Vertreterinnen der Nichtregierungsorganisationen „La Strada“ und“ FiM“ angehört.

Obwohl es eigentlich um Menschenhandel gehen sollte, widmeten sich die Fragen der Abgeordneten fast ausschließlich der Prostitutionsregulierung. Dennoch war keine einzige Sexarbeiterin als Sachverständige geladen. Damit bleibt der Bundestag seiner Tradition einer eindimensionalen Kontextualisierung der Themen Prostitution und Menschenhandel von vor einem Jahr treu. Der Rechtsausschusses hatte bereits 2013 wenig Gespür für eine Differenzierung der beiden Sachgebiete bewiesen. [1] Die seit einem Jahr überfällige Umsetzung der EU-Richtlinie zum Schutz der Opfer von Menschenhandel fand lediglich am Rande Erwähnung.

„Wenn wir hören, dass die Abgeordneten Steinbach und Ulrich zum Schutze der Kunden die Wiedereinführung von Zwangsuntersuchungen fordern, erkennen wir, dass es nicht um die Stärkung von Menschenrechten geht. Die Angst vor der Zunahme legaler und illegaler Migration und der davon geleitete Wunsch nach Einschränkung der Prostitution waren spürbar. Dass nicht jede Migrantin in der Sexarbeit Opfer sexueller Ausbeutung und dass das Bedürfnis nach finanzieller Absicherung durch Lohnarbeit kein Beleg für Zwang ist, wird ignoriert“, faßte Carmen Amicitiae, Vorstand des BesD e.V., nach der Anhörung ihre Kritik zusammen.

Bereits in seiner Stellungnahme zum Bundesratsbeschluß vom April diesen Jahres sprach sich der Berufsverband für die konsequente Entkriminalisierung und die berufliche Anerkennung der Prostitution aus. [2] Diese kämen auch den Opfern von Menschenhandel und Ausbeutung in der Sexarbeit zugute. Die Rechte von Menschen in der Sexarbeit sind nicht nur durch Zuhälter und Menschenhändler bedroht, sondern auch durch die ganz alltägliche Diskriminierung und rechtliche Ungleichbehandlung von Prostituierten und Migranten.

Kontakt: Undine de Rivière, presse[AT]berufsverband-sexarbeit[DOT]de

[1] http://berufsverband-sexarbeit.de/alles/kommentar-zur-gesetzesnovelle-zur-bekaempfung-des-menschenhandels/
[2] http://berufsverband-sexarbeit.de/alles/stellungnahme-zum-beschluss-des-bundesrates-vom-11-04-2014/

PRESSEMITTEILUNG: Es geht nicht um Menschenrechte im Bundestag

Öffentliche Anhörung zur Bekämpfung des Menschenhandels

Am 21.05.2014 beschäftigte sich der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Bundestages mit dem Thema „Menschenhandel und Zwangsprostitution in Europa“. Als Sachverständige wurden ein Buchautor, ein Polizist, eine Menschenrechtlerin und Vertreterinnen der Nichtregierungsorganisationen „La Strada“ und“ FiM“ angehört.Obwohl es eigentlich um Menschenhandel gehen sollte, widmeten sich die Fragen der Abgeordneten fast ausschließlich der Prostitutionsregulierung. Dennoch war keine einzige Sexarbeiterin als Sachverständige geladen. Damit bleibt der Bundestag seiner Tradition einer eindimensionalen Kontextualisierung der Themen Prostitution und Menschenhandel von vor einem Jahr treu. Der Rechtsausschusses hatte bereits 2013 wenig Gespür für eine Differenzierung der beiden Sachgebiete bewiesen. [1] Die seit einem Jahr überfällige Umsetzung der EU-Richtlinie zum Schutz der Opfer von Menschenhandel fand lediglich am Rande Erwähnung.“Wenn wir hören, dass die Abgeordneten Steinbach und Ulrich zum Schutze der Kunden die Wiedereinführung von Zwangsuntersuchungen fordern, erkennen wir, dass es nicht um die Stärkung von Menschenrechten geht. Die Angst vor der Zunahme legaler und illegaler Migration und der davon geleitete Wunsch nach Einschränkung der Prostitution waren spürbar. Dass nicht jede Migrantin in der Sexarbeit Opfer sexueller Ausbeutung und dass das Bedürfnis nach finanzieller Absicherung durch Lohnarbeit kein Beleg für Zwang ist, wird ignoriert“, faßte Carmen Amicitiae, Vorstand des BesD e.V., nach der Anhörung ihre Kritik zusammen.

Bereits in seiner Stellungnahme zum Bundesratsbeschluß vom April diesen Jahres sprach sich der Berufsverband für die konsequente Entkriminalisierung und die berufliche Anerkennung der Prostitution aus. [2] Diese kämen auch den Opfern von Menschenhandel und Ausbeutung in der Sexarbeit zugute. Die Rechte von Menschen in der Sexarbeit sind nicht nur durch Zuhälter und Menschenhändler bedroht, sondern auch durch die ganz alltägliche Diskriminierung und rechtliche Ungleichbehandlung von Prostituierten und Migranten.

Kontakt:

Pressesprecherin: Undine de Rivière, 01520 − 485 09 09, presse@berufsverband-sexarbeit.de

Regelungsinhalte eines neuen Prostitutionsregulierungsgesetzes

Die Unionsfraktion hat einen Maßnahmenkatalog verfaßt, den sie rasch gesetzlich verankern und konsequent umsetzen wollen.
Fast alle Punkte hält der Berufsverband für nicht zweckdienlich.

                                                   Link zum Originaltext:
Regelungsinhalte eines neuen Prostitutionsregulierungsgesetzes der CDU

  Weiterlesen

Berufsverband der Sexarbeiter_innen kritisiert Europapolitik

Auf seiner Mitgliederversammlung vom 7.-9. Februar 2014 in Göttingen befasste sich
der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen auch mit der aktuellen
Europapolitik zur Sexarbeit. Der Ausschuss des Europäischen Parlaments für die
Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter FEMM spricht sich unter
anderem für die europaweite Einführung des sogenannten „Schwedischen Modells“ in
der Prostitutionspolitik aus. Das Schwedische „Sexkaufverbot“ steht für die
Kriminalisierung der Kunden von Sexarbeiter_innen.

Der Berufsverband unterstützt das Internationale Komitee für die Rechte der
Sexarbeiter_innen in Europa (ICRSE), das den FEMM-Ausschuss scharf kritisiert.

„Der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter des
Europäischen Parlamentes folgt leider dem Trend, Ideologie höher zu gewichten als die
Gesundheit und Sicherheit von Sexarbeiter_innen, und ignoriert dabei die Vielzahl und
die Bandbreite der Erfahrungen von Sexarbeiter_innen und Sozialarbeiter_innen
genauso wie die Empfehlungen internationaler Organisationen“, schreibt Luca
Stevenson, Koordinator des ICRSE.

In Deutschland haben sich bereits 34 Organisationen, darunter die Deutsche Aidshilfe
und der Deutsche Frauenrat, dem offenen Brief des ICRSE angeschlossen. Die
deutsche Übersetzung des Briefes: http://sexwork-deutschland.de/brief-an-das-eu-parlament-gegen-den-antrag-auf-freierbestrafung/

Weitere Themen der Mitgliederversammlung des BesD waren neben internen Peer-to-
Peer-Weiterbildungen die bundespolitischen Entwicklungen zur Regulierung der
Sexarbeit in Deutschland. Drohende Maßnahmen zur „Prostitutionseindämmung“ sieht
der Berufsverband mit Besorgnis.

Der Verband wird voraussichtlich Ende September in Berlin eine große Fachtagung
zum Thema Sexarbeit mitorganisieren. Die dortigen Infoveranstaltungen und
Expertenvorträge werden auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein.
Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen wurde im Oktober 2013 von
aktiven und ehemaligen Sexarbeiter_innen gegründet.
Hintergrundinformationen zum Thema Freierbestrafung finden sie hier:
http://sexwork-deutschland.de/politik/forderungen/freierbestrafung/
____________________________________________________________________
Kontakt: Presse                                               Allgemein
Undine de Rivière                                         Johanna Weber
undine@sexwork-deutschland.de         info@sexwork-deutschland.de
01520 – 485 09 09                                       0151 – 1751 9771
www.sexwork-deutschland.de

 

Download als PDF

++ PRESSEMITTEILUNG +++ PRESSEMITTEILUNG +++ PRESSEMITTEILUNG +

Sexarbeiter_innen gründen Berufsverband

Gründung BesD in Köln AuisschnittAktive und ehemalige Sexarbeiter_innen gründen am 13. Oktober 2013 in
Köln den „Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen“.

Der bundesweite Verband verfolgt das Ziel, die Arbeits- und Lebensbedingungen von
Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern zu verbessern. Er möchte über die
unterschiedlichen Aspekte von Prostitution informieren und gegenüber
Politik, Medien und Öffentlichkeit ein realistisches Bild der
Sexarbeit vermitteln. Damit will er der Diskriminierung und
Kriminalisierung von Menschen in der Sexarbeit entgegen wirken. Weiterlesen