Der erneute Lockdown trifft gerade die am härtesten, die auch zuvor schon täglich um ihre Existenz gebangt haben. Gerade die Sexarbeit verzeichnet eine sehr hohe Quote an Menschen, die von der Hand in den Mund leben.

Diesen Menschen ist es bisher gelungen, durch Sexarbeit für sich selbst zu sorgen.
Genau sie fallen oft durch die Maschen des staatlichen Versorgungs-Netzes durch.

Beim ersten Lockdown sprang der zu diesem Anlass gegründete Nothilfe-Fonds des BesD1) ein. Über 150.000 Euro wurden schnell und unbürokratisch an Bedürftige ausgezahlt. Der Topf ist nun leer, und so sind die betroffenen Personen gezwungen, illegal weiter zu arbeiten.

Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) bestätigt unsere Sorge: “Wir wissen von unseren Mitarbeiterinnen, die Frauen in der Prostitution beraten und unterstützen: Die Schließung der Bordellbetriebe und das Verbot dieser Tätigkeit in der Pandemie ist für die meisten Prostituierten eine Katastrophe”, macht die SkF Bundesvorsitzende Hildegard Eckert deutlich.
Die aktuelle Pressemitteilung2) des Sozialdienstes beschreibt auf sehr eindringliche Art die aktuellen Probleme in der Sexarbeit und bietet Lösungsansätze.

Sexarbeitende mit Wohnsitz in Deutschland und Steuernummer gelten als Soloselbstständige und können genau wie andere Branchen nun Coronahilfen beantragen. Ein erster Schritt in Richtung Normalität für die Sexarbeitsbranche, leider bleiben dabei viele Kolleg*innen auf der Strecke.

Simone Heneka (Beratungsstelle PINK, Freiburg): „Für uns als Beratungsstelle ist die Arbeit durch das erneute Verbot fast unmöglich geworden, weil sich alles ins „Private“ verlagert. Die Frauen trauen sich nicht mehr, Beratungsstellen aufzusuchen.“

Sexarbeitende mit Migrationshintergründen gehören oft zu den vulnerablen Gruppen, die keine Ansprüche auf staatliche Hilfen haben. Dies zeigt sich auch auf dem männlichen Straßenstrich in Essen. Seit dem Arbeitsverbot ist die Zahl der Männer sogar gestiegen – so die Beobachtungen der Beratungsstelle Nachtfalke. Die Nachfrage sinkt, und so muss man länger und öfter auf der Straße stehen, weil kaum Verdienst möglich ist.

Sandra Kamitz von Bufas (Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter) sagt hierzu: „Menschen in prekären Lebenssituationen sind grundsätzlich sehr anpassungsfähig und existenzbedrohende Ausnahmesituationen zwingen diese Menschen oftmals in kriminelle Strukturen.“

Der Sozialdienst katholischer Frauen bringt die Situation perfekt auf den Punkt:
Diese Situation macht deutlich, dass das aktuell wieder diskutierte “Sexkaufverbot” keine Alternative ist. Verbote nutzen weder Frauen, die freiwillig in der Prostitution arbeiten, noch denen, die Zwang und Gewalt ausgeliefert sind. Gerade für diese Gruppe würde ein Sexkaufverbot bedeuten, illegal und in größter Unsicherheit arbeiten zu müssen.“2)

Auch der BesD weist drauf hin, dass das Arbeitsverbot durch Corona nicht von der Politik missbraucht werden darf, um durch die Hintertür ein Sexkaufverbot einzuführen oder die komplette Branche zu verbieten.

Es ist eine Schande, dass in der Politik immer vom Schutz der „Prostituierten“ geredet wird, denn in einer wirklich problematischen Situation werden genau diese alleine gelassen,“ erbost sich Johanna Weber, Finanzvorstand des BesD.

So musste der Berufsverband einen Nothilfefonds einrichten, was eigentlich die Aufgabe des Staates wäre. Unser Fonds ist auf Spenden angewiesen, und wir freuen uns auch über staatliche Gelder. Unser Verteilungsverfahren hat sich sehr bewährt und erfolgt gemeinsam mit bundesweiten Beratungsstellen.

Eine Auflistung der weiteren Forderungen des BesD finden sich hier -> https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2020/11/11/sexarbeit-waehrend-corona-die-politischen-positionen-und-forderungen-des-berufsverbands/


1) Nothilfefonds des BesD – Wer bekommt Geld? Verteilungskriterien? Hier spenden -> https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/wissen/besdnotfallfonds/

2) Pressemitteilung des SkF -> https://www.skf-zentrale.de/aktuelles/presse/sozialdienst-katholischer-frauen-spricht-sich-gegen-ein-prostitutionsverbot-aus–betroffene-frauen-b

Durch die Corona-Krise ist deutlich geworden, dass Sexarbeit in Deutschland noch weit von einer breiten gesellschaftlichen und politischen Anerkennung entfernt ist. Nach beinahe 6 Monaten Arbeitsverbot bleibt trotz Lockerungen ein bitterer Nachgeschmack von Ausgrenzung und Diskriminierung. Einige Bundesländer bestehen nach wie vor auf ein mit Corona begründetes Verbot. Gerade jetzt dürfen wir nicht müde werden, für die Rechte von Sexarbeitenden und die Anerkennung von Sexarbeit zu kämpfen.

Aktion 1: Mahnwache vor dem Tagungsort des „Bündnis Nordisches Modell“
Beginn: 26. September; 11:00 Uhr
Ort: Langer Grabenweg 68, 53175 Bonn (vor Gustav Stresemann Institut)

Bereits im Mai versuchte eine kleine Gruppe aus Bundestagsabgeordneten auf dem Rücken der Corona-Maßnahmen ein dauerhaftes Sexkaufverbot zu forcieren. Wie so oft wurden die Stimmen von Sexarbeitenden dazu ignoriert oder gar nicht erst gehört. (—> siehe Stellungnahme)

Dieses Wochenende trifft sich das „Bündnis Nordisches Modell“ im GSI – der Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung von Prostitutionsgegner*innen, die gemeinsam auf „ein Umdenken in der deutschen Prostitutionspolitik“ hinwirken und „eine Welt ohne Prostitution“ durchsetzen wollen. Unter anderem nehmen mit Leni Breymaier und Elisabeth Winkelmeier-Becker zwei Mitglieder des deutschen Bundestags, die Vorständin von Terre des Femmes sowie die EMMA-Chefredakteurin Alice Schwarzer an der Veranstaltung teil.

Mit einer schweigenden Mahnwache und der Projektion von Videostatements von Sexarbeitenden protestieren wir gegen diese sexarbeitsfeindliche Veranstaltung, in der Nicht-Prostituierte sich über unsere Köpfe hinweg über unser Leben, unsere Arbeit und unsere Existenz zu entscheiden anmaßen.

–> Hier ist der persönliche Brief einer Sexarbeiterin an dass Gustav Stresemann Institut bezüglich der Veranstaltung zu lesen.

Aktion 2: Versammlung am Straßenstrich in der „Immenburg“
Beginn: 26. September; 14:00 Uhr
Ort: Ecke Immenburg Straße / Jonas-Cahn-Straße, 53121 Bonn

Neben einigen Redebeiträgen machen wir gemeinsam mit Mitarbeitenden von Beratungsstellen für Sexarbeitende und der Deutschen AIDS-Hilfe auf die Gefahren eines Sexkaufverbots aufmerksam.
Einzelne Statements aus verschiedenen Bereichen werden wir nach Form einer buddhistischen Gebetsflagge aufhängen und für Umstehende sichtbar machen.

Wir thematisieren die Arbeitsrealität, Bedürfnisse und Rechte von Sexarbeitenden – ob im Laufhaus oder auf dem Straßenstrich. Für Pressegespräche und Foto-Gelegenheiten stehen wir sowohl abseits der Mahnwache als auch bei der anschließenden Versammlung am Straßenstrich gerne zur Verfügung – bitte wenden Sie sich bei Fragen an unseren Presse-Ansprechpartner:

Andre Nolte 
+49 (0) 30 61 65 27 57
presse@besd-ev.de

Ein Roter Stöckelschuh als Symbol für einen akzeptierenden und freundlichen Umgang mit Sexarbeiter*innen im Gesundheitswesen und in Beratungsstellen. Das überlegten sich 2017 die Beratungsstelle für Drogenkonsumentinnen und Sexarbeiterinnen „Ragazza!“ in Hamburg und die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG). Ein Sticker auf dem ein roter Stöckelschuh zu sehen ist, klebte kurze Zeit später an den Türen einiger Praxen und Beratungseinrichtungen in Hamburg. Sexarbeiter*innen sollten hier dann wissen, dass sie keine Angst vor Diskriminierung auf Grund ihrer Berufswahl haben müssen und sich als Sexarbeiter*in outen können.

Als hoch stigmatisierte Berufsgruppe sprechen Sexarbeitender*innen aus Angst vor Ablehnung und Diskriminierung oft nicht mal im engsten sozialen Umfeld über ihre Tätigkeit. Viele erleben im Gesundheitswesen Diskriminierung, Ablehnung oder Überforderung wenn sie sich als Sexarbeiter*in outen. „Wenn Sexarbeitende Ärzt*Innen aufsuchen, ist es für sie oft schwierig abzuschätzen, wie diese auf ihre Tätigkeit reagieren. Offen sprechen zu können, wertschätzende Beratung zu erfahren – das sind Voraussetzungen für eine gute Behandlung.

Risiken können so aus medizinisch-fachlicher Perspektive differenzierter abgeschätzt werden und der Gesundheitsschutz wird erhöht“, erklärt Maia Ceres, Gesundheitsbeirätin des Berufsverbands. „Sexarbeitende müssen immer wieder die Erfahrung machen, dass ihnen mit einseitigen, meist negativen Vorurteilen begegnet wird, die in Berührungsängsten auf beiden Seiten resultieren“, ergänzt Caspar Schumacher, Projektmitarbeiter des Roten Stöckelschuhs. „Das Zeichen des Roten Stöckelschuhs soll Sexarbeitenden die Möglichkeit signalisieren, mit weniger Vorbehalten wichtige Informationen über ihren Beruf und eventuell damit verbundene gesundheitliche Risiken teilen zu können und somit ihren Gesundheitsschutz verbessern.“

Nun läuft diese Initiative der Antidiskriminierungsarbeit im Gesundheitswesen weiter. Seit Juli arbeiten Deborah Hacke und seit August Caspar Schumacher in Berlin für den BesD e.V. an dem „Roten Stöckelschuh“. Auf einer eigenen Webseite wird bald eine Datenbank zu finden sein, in der sexarbeitsfreundliche Adressen recherchiert und Informationen über das Projekt abgerufen werden können. Außerdem sollen Fortbildungen für interessierte Mediziner*innen angeboten werden, die den Wunsch haben, Sexarbeitende akzeptierend zu beraten und zu behandeln. Es sollen Stigmata und Sexarbeitsfeindlichkeit bekämpft werden und darüber informiert werden, was für Barrieren für das Aufsuchen medizinischer Hilfe vorhanden sein können und welche inhaltlichen und medizinischen Bedarfe oft bestehen. Zunächst wird der Schwerpunkt auf gynäkologische Praxen und Angebote liegen und das in Berlin, denn es handelt sich um eine Förderung der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung von Berlin.

Nach dem Schwerpunkt „Gynäkologie“ wird auch u.a. mit Allgemeinmediziner*innen, Psychotherapeut*innen und Mediziner*innen die mit obdachlosen Patient*innen arbeiten in den Austausch getreten werden und Fortbildungen speziell für diese Bereiche angeboten. Sexarbeit ist zudem nicht ein Thema was nur Frauen betrifft. Deborah Hacke und Caspar Schumacher ist es wichtig, auch die Erfahrungen und Bedürfnisse von männlichen, trans-, inter- und nicht-binären Sexarbeiter*innen Raum zu geben und zu thematisieren. In fernerer Zukunft erhoffen sie sich dieses Projekt auf Dienstleistungen jenseits des Gesundheitswesens auszuweiten. Sexarbeiter*innen gehen nicht nur zu Ärzt*innen und Therapeut*innen, sondern wie andere Menschen auch zu Steuerberater*innen, Anwält*innen, diversen Beratungsstellen und haben Kontakt zu Ämtern wie z.B. Jugendämtern oder dem Jobcenter. Auch hier soll Diskriminierung und Unverständnis endgegengewirkt werden.

Ab 2022 soll dieses Projekt auf das gesamte Bundesgebiet ausgeweitet werden. Mediziner*innen und Beratungsstellen die gerne mehr Informationen zu diesem Projekt und den Fortbildungsmöglichkeiten erhalten möchten, sowie Sexarbeiter*innen auf der Suche nach Empfehlungen oder mit Erfahrungen zu empfehlenswerte Adressen, bitten wir Kontakt aufzunehmen (roterstoeckelschuh(at)besd-ev.de).

HIER geht es zur Website des Projekts Roter Stöckelschuh

Nach unzähligen Demonstrationen und Protesten von Sexarbeitenden ist es diese Woche endlich zu Lockerungen für die Branche gekommen.

Die Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen haben entschieden, dass Prostitutionsstätten wieder öffnen dürfen. Gegen den Widerstand der Entscheidungsträger*Innen musste in NRW erst das Oberverwaltungsgericht durchsetzen, dass die Untersagung von sexuellen Dienstleistungen „gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ verstoße und „keine notwendige Schutzmaßnahme“ sei. Der Norden beschloß, dass Sexarbeit in Hamburg, Schlewsigholstein und Bremen ab 15. September wieder erlaubt sein soll.

Trotz nachvollziehbarer Erleichterung nach beinahe 6 Monaten Arbeitsverbot, bleibt bei Sexarbeitenden ein bitterer Nachgeschmack. Durch die Corona-Krise ist erneut sehr deutlich geworden, dass Sexarbeit in Deutschland noch weit von einer breiten gesellschaftlichen und politischen Anerkennung entfernt ist.

Es bestehen enorme Vorurteile gegenüber, und ein mangelnder politischer Wille zur Verteidigung der Rechte von Menschen in der Sexarbeit, das zeigt nicht zuletzt die eklatante Ungleichbehandlung in der Krise im Vergleich zu anderen Branchen. Zudem gibt es hierzulande wieder stark zunehmende Debatten über ein generelles Verbot der Sexarbeit. Der Berufsverband lehnt ein solches entschieden ab und unterstützt den am 08.09. in NRW von FDP und CDU gestellten Antrag gegen das Schwedische Modell.

Komplexe Sachverhalte werden von Befürworter*Innen des Sexkaufverbotes undifferenziert in den Topf der „Zwangsprostitution“ geworfen.

Völlig egal, ob es sich um die Bekämpfung von Straftaten wie Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung und Freiheitsentzug handelt, um die systemische Ungerechtigkeit gegenüber marginalisierten Sexarbeitenden in Deutschland, um die fehlende juristische Handhabe bei komplexeren Formen der Ausbeutung (Stichwort: Loverboys), oder um Sexarbeitende, die schlicht ihr Recht verteidigen, der von ihnen gewählten Arbeit nachgehen zu dürfen. Sexarbeitsgegner*Innen versuchen die unterschiedlichen Bereiche der Branche gegeneinander auszuspielen, spielen Moralpolizei und leugnen die Agency und Konsensfähigkeit von Sexarbeiter*Innen.

All dies zeigt: Wir Sexarbeitenden brauchen eine starke Vertretung. Die gegenseitige Unterstützung und Vernetzung unter Sexarbeiter*Innen, sowie der Ausbau und die Finanzierung von akzeptierenden Beratungsstellen sind wichtiger denn je.

Der BesD ist die bisher größte derartige Organisation in Europa und 100% organisiert und geleitet von Sexarbeitenden. Alle, die selbst als Sexarbeiter*Innen arbeiten oder gearbeitet haben, können Mitglied im Berufsverband werden. Anonym und kostenlos –  im Rahmen einer einjährigen und unverbindlichen Schnuppermitgliedschaft.

Spätestens seit Corona ist klar: Wenn wir als Sexarbeitende nicht aktiv um unsere Rechte kämpfen, tut es sonst niemand.

Bereits ein halbes Jahr herrscht in den meisten deutschen Bundesländern ein striktes Berufsverbot für Sexarbeiter*Innen. Während zögerlich die ersten Lockerungen eingeführt wurden, stellt sich dem Großteil der Menschen in der Sexarbeit langsam die Frage, ob sie überhaupt noch Arbeitsplätze haben werden, an die sie zurückkehren können.

Das von Moralist*Innen und Sexarbeitsgegner*Innen forciert andauernde Verbot von Sexarbeit zeigt sich nun in aller Klarheit als systematisches Ausbluten lassen einer ganzen Branche.

Insbesondere kleine und mittelgroße Betriebe werden durch das Corona-bedingte Berufsverbot irreperabel geschädigt. Gerade Etablissments, die von ehemaligen oder selbst aktiven Sexarbeitenden geführt werden, sind aufgrund oft fairer Arbeitsbedingungen und familiärer Atmosphäre als Arbeitsplätze beliebt. Diese Betreiber*Innen werden in den Ruin getrieben; dort arbeitende Sexarbeiter*Innen sind auf sich allein gestellt und müssen größere Risiken, geringeren Schutz und ungewohnte Arbeitsweisen in Kauf nehmen.

Auch die sogenannten „Mega-Bordelle“, die großen Arbeitgeber der Branche, sind an ihrem finanziellen Limit angelangt.

Das „Babylon“, Hamburgs größtes Bordell, musste aufgrund der fehlenden Einnahmen bereits Anfang August dicht machen. Jetzt gibt auch Europas größtes Bordell auf – das bekannte „Pascha“ in Köln gibt an, innerhalb der nächsten Monate Insolvenz anmelden zu müssen, die fehlende verlässliche Öffnungsperspektive mache eine Planung unmöglich.

Für die rund 100 Sexarbeitenden, die normalerweise im „Pascha“ arbeiten, fallen die Sicherheitsvorkehrungen innerhalb des Bordells, die gewohnten Arbeits-Abläufe, der Austausch mit Kolleg*Innen sowie eine nach Hygiene-Vorschriften geregelte Umgebung weg.

So wie alle anderen Sexarbeitenden, deren Arbeitsplätze geschlossen sind, sind sie gezwungen, jetzt aus ihren privaten Wohnungen heraus oder in den Wohnungen von Kunden zu arbeiten:

Ohne Hygiene-Konzept, ohne Schutzsysteme, ohne Rückhalt und – aufgrund der derzeitigen Illegalität ihrer Arbeit – ohne im Fall von Erpressung oder Gewalt Schutz vom Staat in Anspruch nehmen zu können.

Die Diskriminierung und Diffamierung von Sexarbeiter*Innen im Rahmen der Corona-Krise führt also nicht „nur“ dazu, dass eine ganze Branche pleite geht – sie pervertiert darüber hinaus auch jeglichen Schutzgedanken sowie das Prinzip der Gleichbehandlung.


Ihr Ansprechpartner:
Andre Nolte | Leiter Presseabteilung
+49 15 777 555 040
presse@besd-ev.de

–> Kontaktformular Presseanfragen

Einladung zur Kundgebung am Donnerstag, 27.08.2020 in Düsseldorf

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Donnerstag, den 27. August 2020, wollen wir Ihnen demonstrieren, wie Sexarbeit in der Corona-Krise ausgeübt werden kann, zudem teilen wir unsere Forderungen an die Regierung mit.
Dafür kommen wir ab 11 Uhr zu Ihnen, nach Düsseldorf auf die Landtagswiese. (Anbei finden Sie einen Ablaufplan)

Für Gespräche und Rückfragen stehen bei der Kundgebung unter anderem zur Verfügung:

Veranstalterinnen:

Nadine Kopp alias Bibi Drall, reisende Rubens-Sexarbeiterin

Nicole Schulze, Straßen-Sexarbeiterin

Stephanie Klee, Sexualassistentin/  BSD e.V.

Harriet Langanke, GSSG Stiftung, Fachjournalistin sexuelle Gesundheit/ Sexualwissenschaften, 

Madame Kali, Hexengeige

und viele andere.

Wir würden uns sehr freuen wenn Sie sich einen persönlichen Eindruck machen.

Mit freundlichem Gruß

Nicole Schulze (Mobil 0157-83518081 / E-Mail nicole@besd-ev.de)
Nadine Kopp (Mobil 0174-1033684 / E-Mail Nadine.kopp.db@gmail.com)

Ablauf der Düsseldorfer Kundgebung (unter Vorbehalt)

10:00 bis 11:00 Uhr Aufbau

11:15 Uhr Beginn der Kundgebung mit Einführungsredebeitrag (Warum, Wieso, Weshalb) 

11:30 Uhr Pressekonferenz

12:30 Uhr Vorführung/ Demonstration, wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht (unter Corona-Bedingungen, mit dem Hygienekonzept)

12:45 Uhr Redebeitrag 

13:00 Uhr Aufstellung aller mit roten Schirmen und Kundgebung unserer Forderungen, Fragerunde

14 Uhr  Vorführung/ Demonstration, wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht ( unter Corona-Bedingungen, mit Hygienekonzept)

14:15 Uhr Redebeitrag 

15:00 Uhr Geigenspiel

15:15 Vorführung/ Demonstration, wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht (unter Corona-Bedingungen, mit Hygienekonzept)

15:30 Uhr Redebeitrag 

15:45 Uhr Vorführung/ Demonstration wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht (unter Corona-Bedingungen, mit Hygienekonzept)

16:00 Uhr Austauschrunde

17:00 Uhr bis 18:00 Uhr langsamer Abbau und Beendigung der Kundgebung

Der BesD unterstützt diese Veranstaltung.

Hier die Facebook-Veranstaltung

 

Termin: 06.08.2020
Uhrzeit öffentliche Demo: ab 16:00 Uhr
Ort: Wilhelmsplatz, 70182 Stuttgart


Details:

  • Uhrzeit Pressekonferenz: 14 Uhr
    Ort Pressekonferenz: Table-Dance-Club Messalina | Leonhardstraße 7, 70182 Stuttgart
    Anmeldung bei Organisatorin Daria: daria@miss-daria.de
  • Uhrzeit Laufhausführung: 15 Uhr + 15:30 Uhr
    Ort: Laufhaus City-Eros Center | Leonhardstraße 7, 70182 Stuttgart
    Zur Einhaltung der Corona-Regelungen verpflichtende Anmeldung bei Organisatorin Alraune: 0151-59447074
  • Uhrzeit Kundgebung: ab 16:00 Uhr
    Ort: Wilhelmsplatz, 70182 Stuttgart

Während es in  wenigen Städten und Bundesländern kleinere “Lichtblicke” für Sexarbeiter*Innen und Betreiber*Innen zu geben scheint, wurde die Situation in Stuttgart im Gegenteil noch einmal verschärft: Seit dem 19. Juli hat die Stadt ein Komplett-Verbot der Prostitution ausgerufen.

Selbstständige Prostitution als “Lücke im Infektionsschutzgesetz” verboten

Mit der neuen Allgemeinverfügung (–> siehe hier) schließe man “eine Lücke im Infektionsschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg”. Während sich die Verordnung des Landes “nur” auf Prostitution in Gewerberäumen bezieht, gilt das neue Verbot in Stuttgart auch für Sexarbeiter*Innen die selbstständig und allein tätig sind. Verstöße von Sexarbeiter*Innen und Kund*Innen werden mit 350 Euro bestraft.

Keine wirksamen finanziellen Hilfen für die Betroffenen

Das Gros der Sexarbeitenden ist selbstständig tätig und hat keine finanziellen Rücklagen für einen derart langen Total-Verdienstausfall – bereits seit 4 Monaten sind unsere Arbeitsplätze geschlossen! Sexarbeiter*Innen und ihren Kund*Innen werden im Gegensatz zu bspw. Massagestudios oder Tattoostudios die Einhaltung von Hygienekonzepten nicht zugetraut – wirksame finanzielle Hilfen für die vielen Menschen, die bereits in Not geraten sind, gibt es auch nicht.

Demonstrationen in den deutschen Großstädten gehen weiter

In Hamburg und Berlin fanden bereits große Demos statt. Heute Abend geht es auf der Reeperbahn in die zweite Runde, Donnerstags wehren sich Sexarbeiter*Innen in Köln  gegen das unverhältnismäßig andauernde Berufsverbot. Am 6. August fordern auch Sexarbeiter*Innen in Stuttgart die umgehende Legalisierung der Wiederaufnahme ihrer Arbeit. Unzählige Sexarbeitende aus ganz Deutschland sowie Betreiber*Innen von Prostitutionsstätten haben sich den deutschlandweiten Protesten angeschlossen.


Kontaktpersonen:

Pressekonferenz: Miss Daria -> daria@miss-daria.de

Laufhausführung: Alraune -> 0151-59447074

Politik&Presse allgemein: Johanna Weber -> 0151-1751 9771 oder johanna@besd-ev.de

29.Juli | 16:50 – 19:00 Uhr | Bahnhofsvorplatz-Domseite, 50667 Köln

Trotz Corona-Lockerungen für andere Branchen bleiben Prostitutionsstätten deutschlandweit geschlossen. Während Nachbarländer wie die Schweiz, Belgien, Österreich, Tschechien und die Niederlande Sexarbeit bereits insgesamt wieder erlaubt haben, bietet die hiesige Politik keine Perspektiven für die Wiedereröffnung von Prostitutionsstätten und beraubt damit den Großteil der Sexarbeitenden ihrer Arbeitsplätze.

Nach lautstarken Protesten in Berlin und Hamburg fordern Sexarbeiter*Innen, Betreiber*innen, Fachberatungsstellen sowie der Berufsverband für Sexarbeiter*innen (BesD e.V.) und der Bundesverband für Betreiber*innen (BSD e.V.) nun auch in Köln ein Ende des Berufsverbot.


ABLAUF DEMO

  • ab 14:00 Uhr | Orga-Treffen
  • 16:50 Uhr | Aufstellung auf Dom-Treppe – Fotomöglichkeit
  • 17:00 Uhr | Beginn der Kundgebung
  • 17:05 Uhr | Geigenspiel von Sexarbeiterin und Musikerin Madame Kali
  • 17:15 Uhr | Redebeitrag Nicole Schulze (Sexarbeiterin im Bereich Straßenstrich, Vorständin des BesD e.V.) und Nadine Kopp (Sexarbeiterin)
  • 17:25 Uhr | Redebeitrag Johanna Weber (Sexarbeiterin im Bereich BDSM, Betreiberin, Vorständin und politische Sprecherin des BesD e.V.)
  • 17:30 Uhr | Redebeitrag Stephanie Klee (Sexarbeiterin im Bereich Sexualassistenz, Sprecherin des BSD e.V.)
  • 17:35 Uhr | Redebeitrag Harriet Langanke (Sexualwissenschaftlerin, Geschäftsführerin der Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit)
  • 17:40 Uhr | Redebeitrag Lou (Sexarbeiterin)
  • 17:45 Uhr | Zeit für Interviews und Bürger-, Pressegespräche
  • 19:00 Uhr | Auflösung der Demo

ANMELDUNG FÜR PRESSE UND NACHFRAGEN ZUR TEILNAHME

  • Nicole Schulze, Vorständin BesD e.V. | nicole@besd-ev.de
  • Nadine Kopp | Nadine.kopp.db@gmail.com

Datum: 11.07.
Demostart: 22:00 Uhr
Adresse: Herbertstraße|Eingang Davidstraße, St. Pauli, Hamburg

Während nach dem Corona-Lockdown das Leben in anderen Branchen langsam zur Normalität zurückfindet, ist im berühmtesten Rotlichtviertel Deutschlands weiter “tote Hose” – die Arbeitsplätze von Sexarbeiter*innen sind nach wie vor geschlossen. Das wollen die dort tätigen Sexarbeiter*innen und Bordellbetreiber*innen ändern: Unterstützt von angereisten Kolleg*innen und Unterstützer*innen aus ganz Deutschland, demonstrieren sie am 11.07. um 22:00 Uhr in der bekannten Herbertstraße gegen das Arbeitsverbot und für eine Öffnung der Bordelle.

Masseure dürfen weiterarbeiten – Sexworker seit 4 Monaten ohne Arbeitsplätze

Sexarbeiter*innen sind nicht die einzigen die sich fragen: ist eine weitere Schließung der Bordelle im Vergleich zu den anderen Branchen und den sinkenden Infektionszahlen noch verhältnismäßig? Menschen in der Sexarbeit fühlen sich von der Politik vergessen – während Geschäfte, Hotels, Restaurants, Imbisse, Kinos, Theater und Museen, sowie körpernahe Dienstleistungen wie Frisöre, Kosmetik, Tattoo-Studios und Massage-Salons wieder geöffnet wurden, wird die Öffnung der Prostitutionsbetriebe in Deutschland aus unklaren Motiven in die Länge gezogen. Deutschland bezieht hier eine umso unverständlichere Position, wenn man sich international und in den Nachbarländern umsieht: Unter anderem in Belgien, Schweiz, Holland, Österreich und Tschechien wurde das Prostitutionsgewerbe wieder vollständig im Rahmen der Corona-Lockerungen erlaubt.

Eine ganze Branche fühlt sich von der Politik im Stich gelassen

Irritierenderweise wird gerade Sexarbeiter*innen, die besonders mit Hygiene-und Schutzmaßnahmen vertraut sind, hierzulande scheinbar kein verantwortungsvoller Umgang mit Corona-Schutzmaßnahmen zugetraut. Dabei ist das Achten auf die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Kund*innen bei einer körpernahen Dienstleistung wie Sexarbeit – unabhängig vom Corona-Virus! – maßgeblich für die Vermeidung von Geschlechtskrankheiten, der Bewahrung der eigenen Arbeitsfähigkeit und dem guten Ruf als Dienstleister*in.

Touristen-Magnet St. Pauli weiter im Corona-Lockdown

Bis vor kurzem zog St. Pauli Tourist*innen aus aller Welt an und bereicherte die Stadt Hamburg dadurch mit gewaltigen Steuereinnahmen. Nun wissen die Menschen, die St. Pauli zu dem gemacht haben, was es ist, bereits seit 4 Monaten nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt bezahlen sollen – sie wollen sich endlich Gehör verschaffen.

Kontakt und Nachfragen:

• Johanna Weber, politische Sprecherin | johanna@besd-ev.de 0151 – 1751 9771
• Lilli Erdbeermund, Pressebüro | presse@besd-ev.de oder Presseanfrage über Website


Termin: 3.Juli – 8:30 Uhr – Bundesrat, Leipziger Straße 3-4, 10117 Berlin – ACHTUNG geänderte Uhrzeit


Am 03.07. ist der letzte Sitzungstag des Bundesrates vor der Sommerpause. Die Sexarbeitsbranche steht immer noch unter Arbeitsverbot und braucht eine Perspektive. Deshalb protestiert der Berufsverband für Sexarbeiter*innen (BesD e.V.) gemeinsam mit dem Bundesverbands für Betreiber*innen (BSD e.V.) vor dem Deutschen Bundesrat.

In Deutschland profitieren bereits nahezu alle Branchen von Corona-Lockerungen. Unter anderem durften Friseurläden, Massagesalons, Kosmetikstudios, Tantrainstitute, Fitnessstudios, Tattooläden, Saunen, Gaststätten und Hotels wieder öffnen und je nach Bundesland sind Veranstaltungen mit mehr als 50/100/300 Personen wieder erlaubt. Ungeachtet dessen, dauert die Schließung der Prostitutionsstätten deutschlandweit weiter an.

Dieser fortwährende Lock-Down erscheint angesichts der Entwicklungen in anderen Branchen unverständlich:

  • Sexarbeit findet in der Regel in einem 1:1 Kontakt zwischen Sexarbeiter*innen und Kund*innen statt. Sowohl der BesD e.V. als auch der BSD e.V. haben in Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern Hygienekonzepte für die Sexarbeit innerhalb (z.B. Apartmenthaus, Bordell, Laufhaus) und außerhalb (z.B. Escort, Straßenstrich) von Prostitutionsstätten erarbeitet.
  • Es ist nicht nachvollziehbar, dass Corona-Schutzmaßnahmen zwar in einem Massagesalon, aber nicht in einem Bordell umsetzbar sein sollen. Prostitutionsstätten
    unterliegen besonders rigiden Auflagen und sind verpflichtet, den bei ihnen tätigen Sexarbeiter*innen ein geschütztes, hygienisches Arbeitsumfeld zu bieten.

Während Nachbarländer wie die Schweiz, Belgien, Österreich, Tschechien und die Niederlande Sexarbeit bereits insgesamt wieder erlaubt haben, bietet die hiesige Politik keine Perspektiven für die Wiedereröffnung von Prostitutionsstätten und beraubt damit den Großteil der Sexarbeitenden ihrer Arbeitsplätze.

Entgegen der Behauptungen von Prostitutionsgegner*innen ist die Corona-Krise keine „Chance“ für die Einführung eines Sexkaufverbots und damit die Illegalisierung einer gesamten Branche. Sondern vielmehr eine Gelegenheit die Gemeinsamkeiten von Sexarbeit mit anderen Branchen zu erkennen und stigmatisierende und ineffektive Sondergesetze wie das ProstituiertenSchutzGesetz abzuschaffen.

Kontakt und Nachfragen:

Johanna Weber, politische Sprecherin | johanna@besd-ev.de | 0151 – 1751 9771
Lilli Erdbeermund, Pressebüro | presse@besd-ev.de oder → Presseanfrage über Website