Rezension: Fleisch mit weißer Soße von Christian Schmacht

Persönlich würde ich es ja gerne untertiteln mit: ein Berliner Rebllenleben unter der Gürtelinie, aber das würde den vielschichtigen Geschichten, die Schmacht alle naselang anreisst nicht gerecht werden.
Schmacht, Transmann, Berlin ist auch Leonie, sexy Nixe im Meer der Berliner Bordellhuren. In Fragmenten navigieren wir die Tiefen und Untiefen des Berliner Tag- und Nachtlebens, surfen auf Wellen aus Genderdiskurs, Feminismus, Sexworker-Activism, Beziehungen, WG-Leben und Kapitalismuskritik. Wer einen Roman erwartet, ist hier grundfalsch, eine gehörige Portion Voyeurismus versüßt das Lese-Erlebnis aber ungemein.
Wir begleiten Christian und Leonie überall hin: in die WG, ins Bordell, zum Feiern, ein klein bischen in die Vergangenheit aber hauptsächlich in die Banalitäten (?) des Hier und Jetzt.
Beeindruckend wie nüchtern und vielschichtig die Arbeit im Bordell beschrieben wird: ungeschönt, auf den Punkt, nachvollziehbar.
Das ist keine Bordelliteratur, keine skandalisierende Beschreibung von „Hinter den Kulissen“, hier wird nicht vorgeführt oder ans Licht gezerrt. Christian nimmt uns mit in seinen Alltag, beschreibt wirklich tiefsinnig seine Sicht der Dinge, wir dürfen ihn bei seinen Abenteuern begleiten.
Ich habe nur eine einzige Sache am gesamten Buch auszusetzen: Es ist zu kurz. Ich könnte noch 2 weitere Bände weiterlesen.
Meine Empfehlung, für alle, die mal über ihren eigenen Tellerrand hinaussehen wollen und authentische Literatur zu schätzen wissen.

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