Virtuelles Geschenk von Kaufmich.com

Kaufmich.com aktiviert virtuelles Geschenk zum Hurentag – ein Drittel der Einnahmen geht an die Spendenkasse des Berufsverbands für Sexworker.


Viele von uns verbringen während der Corona-Krise mehr Zeit im Internet als üblich, weshalb Online-Kontakte an Wichtigkeit gewonnen haben. Erotische und sexuelle Dienstleistungen sind ebenfalls vermehrt im Netz zu finden und auch der virtuelle Kontakt zwischen Sexarbeiter*innen und ihren Kund*innen hat zugenommen.

Online-Dienstleistungen werden wichtiger

Im Berufsverband tauschen wir uns intensiv über aktuelle Probleme und alternative Geschäftsmodelle aus. Inzwischen orientieren sich viele Kolleg*innen gerade in Richtung Online-Sexwork.

-> Kaufmich.com ist eine in Deutschland von sowohl Sexarbeiter*innen als auch Kund*innen gerne genützte Plattform. Wie in anderen Foren, stehen den Usern hier “virtuelle Geschenke” zum Kauf zur Verfügung.

Virtuelle Geschenke sind kleine Bilder, die das Profil der Beschenkten verschönern und zusätzlich für ein Lächeln sorgen. Teddys, Rosen und Küsschen, ebenso wie Kondome und Lollypops stehen zur Auswahl. Diese werden zur Kontaktaufnahme eingesetzt, sind augenzwinkernde Interessens-Bekundungen oder einfach kleine Komplimente eines Verehrers oder einer Verehrerin.

Corona trifft Sexarbeiter*innen hart

Online-Kommunikation macht Spaß und Sexarbeit am Laptop hat seinen Reiz. Trotzdem ist klar: Die Corona-Zeit macht das Leben für die meisten Sexarbeiter*innen gerade verdammt schwer. Die Einnahmen von normalen Treffen brechen weg. Das Risiko der Arbeitsausübung ist ebenfalls gestiegen. Dienstleister*innen und Kund*innen sind durch die Krise verunsichert und wissen nicht, wie es weitergeht.

Die Plattform Kaufmich.com unterstützt zum diesjährigen Hurentag die Arbeit des BesD mit einer besonderen Geschenk-Aktion. Das Symbol, das ab 2. Juni einen Monat als virtuelles Geschenk auf der Plattform zum Kauf erhältlich ist, zeigt einen Händedruck, der die Solidarität mit Sexarbeiter*innen bildlich darstellt. Von jedem Verkauf geht ein Drittel an die Spendenkasse des Berufsverbands.

Geschenk von Kaufmich.com

Austausch und Workshops beim BesD

Die BesD-Community steht auch in Corona-Zeiten deutschlandweit im Austausch. Unsere Mitglieder treffen sich im eigenen Forum, dazu in unserer Telegram-Gruppe und auch in Videochats. Wir veranstalten Online-Workshops von Sexworkern für Sexworker: Hier können Kolleg*innen neue Fähigkeiten lernen, ihr Wissen auffrischen und somit ihr Angebot an die derzeitige Situation anpassen.  –> Hier erfährst Du mehr zu einer Mitgliedschaft beim BesD. 

Du bist selbst nicht in der Sexarbeit tätig, möchtest aber den Berufsverband unterstützen? Dann wirf einen Blick auf unsere neue Fundraising-Aktion –> “Meet a Sexworker”.

Viele Branchen sind schwer betroffen vom Lockdown im Rahmen der Coronabestimmungen. Hier reihen sich die Prostitutionsstätten ein in die Masse aller anderen geschlossenen oder geschlossen gewesenen Betriebe. Auch die Sexarbeitenden selber werden in diesem Zusammenhang wie alle anderen von Arbeitsverbot betroffenen Soloselbstständigen behandelt. Bis hierhin gilt Gleichbehandlung, was für unsere Branche schon ein Fortschritt ist. Mit den zunehmenden Lockerungen werden die Unterschiede aber wieder deutlicher.

Wenn es um unsere Branche geht, dann gibt es die oben schon genannten beiden Bereiche – die Sexarbeitenden und die Betriebe. Beide Bereiche sind sehr eng verzahnt. Nicht zu vergessen ist der Vielzahl an „Zulieferbetrieben“: Anzeigenportale, Erotik-Fotografen, Kondomhersteller, Erotikshops mit Schwerpunkt Sexarbeit, SM-Möbelbauer, Putzfrauen, Sicherheitskräfte, Hausdamen, ….

Wie ist der aktuelle Stand?


Die Sexarbeitenden teilen sich in drei Gruppen

1. Hauptberuflich Sexarbeit
Das sind diejenigen, die steuerlich gemeldet sind und hauptberuflich der Sexarbeit nachgehen.
Sie gelten als ganz normale Solo-Selbstständige und dürfen die Soforthilfen von Land und Bund in Anspruch nehmen.
Dabei ist ein großes Problem, dass sich die Richtlinien scheinbar täglich ändern und aktuell anscheinend nur noch Betriebskosten durch die Soforthilfen ersetzt werden. Die meisten Soloselbständigen haben kaum Betriebskosten – so auch Sexarbeitende.

Die Zimmermiete im Bordell müssen wir Sexarbeitende ja nur zahlen, wenn wir das Zimmer benutzen. Werbung wird oft vom Bordell übernommen oder ist gratis im Internet. Das Arbeitstelefon ist oft ein Pre-Paid-Handy, denn es werden ja kein Anrufe getätigt, sondern nur empfangen. Dienstwagen und Büromiete fallen nicht an.

Die meisten Sexarbeitenden haben allerdings keine wirklichen Rücklagen, um für längere Zeiträume Miete, Kranken- und Rentenversicherung zu zahlen oder Essen zu kaufen.
Hier auf die vereinfachte Grundsicherung zu verweisen halten wir für unangebracht, denn die der Anregungen von verdi für Soloselbstständige ist, dass ein fiktiver Unternehmerlohn (1.180 Euro) angerechnet wird.
Dies unterstützen wir.
Hier die Infos für Soloselbstaständige  und Corona von verdi

2. Nebenberuflich Sexarbeit
Das sind diejenigen, die neben ihrem Hauptberuf (oft ein Angestelltenverhältnis) der Sexarbeit nachgehen.
Sie können keine Soforthilfen beantragen.
Es handelt sich um eine sehr große Gruppe, die in den meisten Statistiken nicht auftauchen. Oft sind es Frauen, die eine halbe Stelle in sogenannten sytremrelevanten Berufen arbeiten und mit Sexarbeit aufstocken. Auch Studierende und Umschüler*innen fallen in diese Gruppe.

3. Sexarbeitende ohne Möglichkeit auf staatliche Mittel
Das sind diejenigen, die aus allen Töpfen rausfallen und eh schon größtenteils von der Hand in den Mund gelebt haben. Unsere Branche hat einen sehr hohen Anteil an diesen Marginalisierten. Diese kommen unter normalen Umständen immer irgendwie über den Monat, haben aber keine Versicherung, keine Steuernummer und oft auch keine feste Wohnadresse. Für diese haben wir als BesD einen Nothilfefonds eingerichtet, der erfreulich gut mit Senden gefüllt wird.
-> https://berufsverband-sexarbeit.de/index…fallfonds/
Dies sollte aber nicht die Aufgabe des Berufsverbandes sein, sondern der Staat sollte helfen.



Die Betreibenden unterteilen sich in diverse Gruppen
je nach Größe der Prostitutionsstätte und Art.

Das reicht von Saunaclub über Wohnungsbordelle bis hin zu Wohnwagen.

Alle diese Betriebe, in denen erotische Dienstleistungen angeboten werden, sind aktuell geschlossen.
In einigen wohnen Sexarbeitende weiterhin, die keine Unterkunft haben – oft kostenlos, aber leider nicht immer.

Die Prostitutionsstätten konnten sehr unkompliziert Soforthilfen von Bund und Land bekommen.
Je nach Betriebsgröße ist das Geld aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein und auch Rücklagen helfen nur begrenzt. Das ist bei anderen Branchen nicht anders. Während aber Restaurants, der Tourismus, die Autoindustrie usw. eine breite Lobby haben, wird Sexarbeit ganz weit nach hinten auf den Wiedereröffnungplan der Bundesländer geschoben.

Das Problem für Bordelle ist die eben diese mangelnde Planbarkeit der Schließungsdauer.
Die Betreibenden wissen nicht wann ihre Betreibe an der Reihe sind mit der Wiedereröffnung, und befürchten, dass übertriebene Anforderungen an sie gestellt werden. Auch in Bordellen lassen sich Hygienepläne umsetzten.

Für uns Sexarbeitende ist die Frage nach der Wiedereröffnung der Prostitutionsstätten sehr wichtig, denn wir sind selbstständig und ein Großteil kann kein Geld verdienen, wenn die Arbeitsplätze geschlossen sind.

Das Europäische Netzwerk für die Rechte und Gesundheit Migrantischer Sexarbeiter*innen (TAMPEP) ist in höchster Alarmbereitschaft. Die Pandemie ist für alle besorgniserregend – doch für migrantische Sexarbeiter*innen und Sexarbeiterinnen im Allgemeinen sind deren Auswirkungen bereits jetzt katastrophal.

Migrant*innen und bereits von Armut betroffenen Menschen in der Sexarbeit haben trotz der jetzigen Krise nach wie vor vor nur mangelhaften Zugriff auf öffentliche und staatliche Mittel und Schutzmaßnahmen. Ihnen droht vielerorts der Verlust ihrer Existenzgrundlage und Obdachlosigkeit, außerdem herrscht eine berechtigte Angst vor der Durchsetzung von Einwanderungsbestimmungen. 

Es ist wichtig, weiterhin die Strukturen in Frage zu stellen, die migrantischen Sexarbeiter*innen den Zugang zu finanzieller, gesundheitlicher und sozialer Unterstützung – die anderen zur Verfügung steht – verwehren. Im Licht der Corona-Krise ruft TAMPEP Regierungen in ganz Europa dazu auf,  folgenden dringenden Maßnahmen für den Schutz migrantischer Personen nach zu kommen:


  • Gewährleistung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung

–  die Aufhebung aller anfallenden Gebühren betreffend der Gesundheitsversorgung
–  die sofortige Aussetzung des Datenaustausches mit Einwanderungsbehörden und anderen Strafverfolgungsbehörden
–  eine öffentliche Informationskampagne, die vermittelt, dass Gesundheitsleistungen für alle Migrant*innen und alle potentiell kriminalisierten Communities verfügbar und sicher zugänglich sind
  • Gewährleistung des Zugangs zu allen wesentlichen öffentlichen Dienstleistungen

– Aussetzung von Rechtsklauseln, die migrantischen Personen den Zugriff auf öffentliche Mittel, z.B. für Obdachlosenhilfe oder die Zuweisung von Sozialwohnungen verwehren ( No Recourse to Public Funds, NRPF)
–  Fachliche Unterstützung sowie Zugang zu medizinischen Dienstleistungen und Tests für in Gemeinschaftsunterkünften untergebrachte Personen, darunter viele migrantische und Wander-Sexarbeiter*innen, die aufgrund der Schließung ihrer Arbeitsplätze obdachlos geworden sind
–  Gewährleistung, dass niemand der versucht, Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und Gesundheitsversorgung zu erhalten, für die Ausübung kriminalisierter Arbeit bestraft wird
  • Verlängerung oder Anpassung von Aufenthaltsbestimmungen und Visa

–  Gewährleistung, dass niemand aufgrund von Selbstisolation oder Reisebeschränkungen wegen Verstößen gegen das Aufenthaltsrecht bestraft wird
–  Freilassung aller Personen, die derzeit aufgrund von Einwanderungsverboten inhaftiert sind – dies verringert außerdem das Risiko, dass COVID-19 in die Haftanstalten gelangt und vermeidbare Schäden verursacht
  • Sicherstellung, dass alle Personen, die auf Einkommen aus der Sexarbeit angewiesen sind, in finanzielle Nothilfemaßnahmen mit einbezogen werden – unabhängig von den jeweiligen Sexarbeit betreffenden Gesetzen.


Die Zusammenarbeit von Sexworker-Organisationen, Aktivist*innen, Verbündeten und Menschenrechtsorganisationen im Kampf gegen das Corona-Virus, sehen wir als ein wichtiges Zeichen der Widerstandsfähigkeit und Verbundenheit unserer Community in Krisensituationen. Es ist ebenso wichtig, dass weiterhin über die nationalen und internationalen Auswirkungen der Pandemie auf Sexarbeiter*innen, sowie die Unterstützungsbemühungen der von Sexarbeiter*innen geleiteten Organisationen berichtet wird.

Gerade jetzt hängt das Überleben vieler Menschen von unserer Fähigkeit ab, diejenigen unter uns zu schützen, die Schutz am nötigsten haben.

Mit einem gleichberechtigten Zugang für alle zu öffentlicher und staatlicher Unterstützung können wir die Auswirkungen von COVID-19 gemeinsam verringern.  Mehr denn je ist es daher jetzt an der Zeit, uns zusammen zu schließen und den Forderungen nach dem Schutz von Migrant*innen und migrantischen Sexarbeiter*innen Nachdruck zu verleihen.


Quelle: Migrants Sex Workers Rights in Light of Coronavirus (20.03.2020)

Das Europäische Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiter*innen (ICRSE) fordert die nationalen Regierungen auf, dringend zu handeln, um sicherzustellen, dass Sexarbeiter*innen zusammen mit ihren Familien und Gemeinschaften während der COVID-19-Pandemie Zugang zum sozialen Sicherheitsnetz haben.

Diese Pandemie zeigt mit äußerster Dringlichkeit, wie Sexarbeiter*innen unter prekären Umständen ins Abseits und an den Rande der Gesellschaft gedrängt werden. Im Gegensatz zu anderen Arbeitnehmern können viele Sexarbeiter*innen auf keinerlei Schutz und Unterstützung zählen.

Während immer mehr Länder Sperren, Quarantäne und Reisebeschränkungen verhängen, verlieren viele Sexarbeiter*innen den größten Teil oder ihr gesamtes Einkommen. Sie sind dadurch finanziellen Schwierigkeiten, erhöhter Verwundbarkeit, Armut oder Obdachlosigkeit ausgesetzt. Dass Sexarbeit in vielen Ländern kriminalisiert wird bedeutet auch, dass viele Sexarbeiter*innen nicht die Möglichkeit haben, auf das soziale Sicherheitsnetz zurück zu greifen, das für andere Arbeitnehmer sehr wohl vorgesehen ist, z. B. Krankengeld.

Viele Sexarbeiter*innen kommen aus Gemeinschaften, die bereits einem hohen Grad an Marginalisierung und sozialer Ausgrenzung ausgesetzt sind. Dazu zählen in Armut lebende Menschen, Migrant*innen, Flüchtlinge, Transsexuelle und Drogenkonsument*innen.

Gerade Sexarbeiter*innen ohne alternative Unterstützungsmöglichkeiten, die in ihrer Familie die Hauptverdiener sind, kämpfen jetzt um ihr Überleben. Sie sind in Gefahr, in noch unsicherere und gefährlichere Situationen gezwungen zu werden.

Sexarbeiter*innen in verschiedenen europäischen Ländern berichten von:

  • Drastischen Einkommensverlusten
  • Schließung von Arbeitsplätzen
  • Mangel an finanziellen Mitteln zur Deckung der Grundbedürfnisse, zur Unterstützung von Familienmitgliedern und Angehörigen
  • Unmöglichkeit, Zugang zu öffentlichen Gesundheitsdiensten zu erhalten, die ihre Aktivitäten eingestellt oder eingeschränkt haben
  • Erhöhter Druck, während der Arbeit Risiken einzugehen, um das Einkommen zu sichern

Der ICRSE befürwortet die Bemühungen der Regierungen, die Übertragung des Virus zu kontrollieren. Doch wenn Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit eine der am stärksten marginalisierten Gruppen nicht berücksichtigen, gefährdet dies den Gesamterfolg dieser Bemühungen.  

Der ICRSE fordert von den Regierungen:

  • Sofortige, angemessene und leicht zugängliche finanzielle Unterstützung in der Krise
  • Ein Stopp der Zwangsräumungen und die Bereitstellung von Notunterkünften
  • Die Bildung eines Schutzschild zwischen Einwanderungsbehörden und Gesundheitsdiensten – zum Schutz von Sexarbeiter*innen ohne Papiere, die medizinische Versorgung benötigen
  • Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Sexarbeiter*innen, unabhängig von ihrem Einwanderungsstatus

Diese beispiellose Krise erfordert eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen allen Bereichen der Gesellschaft, einschließlich den am stärksten ausgegrenzten. Alle Maßnahmen im Zusammenhang mit Sexarbeit müssen . auf den Grundsätzen der öffentlichen Gesundheit und der Menschenrechte beruhen und  in Absprache mit Sexarbeiter*innen und ihren Vertretungen entwickelt werden, um negative Auswirkungen gering zu halten.

Bei Sofortmaßnahmen und Hilfsmaßnahmen müssen die Regierungen sicherstellen, dass sie auch die Arbeitnehmer*innen erreichen, die aus dem offiziellen Wirtschaftsleben ausgeschlossen sind. Nur durch die Einbeziehung von Sexarbeiter*innen haben Regierungen die Chance, die Pandemie zu begrenzen und schließlich auch zu beenden.

 


Quelle: Erklärung zu Covid-19 und seinen Auswirkungen auf Sexarbeiter*innen —> “COVID19 ICRSE STATEMENT” (18.03.2020)

Bei Thüringen handelt es sich um das letzte Bundesland in Deutschland, in dem keine Beratungsstellen für Sexarbeiter*innen und damit keine Ansprechpartner*innen für jene zur Verfügung stehen.

Diesen Umstand hält der Berufsverband – besonders inmitten einer Pandemie, wo genau diese Menschen auf die Hilfe von niedrigschwelligen, akzeptierenden Beratungsstellen angewiesen sind, für dringend verbesserungswürdig.

Darüber hinaus findet die Sexarbeit in Thüringen fast ausschließlich über Wohnungsbordelle oder Terminwohnungen statt, in denen alleine, zu zweit und in ständigem Wechsel gearbeitet wird. Dies kann zur Vereinzelung führen und einen besonders schlechten Informationsfluss unter Sexarbeitenden zur Folge haben. Viele Sexarbeitende sind wenig bis gar nicht über ihre Rechte auf Gesundheitshilfe und Unterstützung informiert.

Wir unterstützen daher die —> Forderung der frauenpolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion Frau Laura Wahl, nach einer unabhängigen Beratungsstelle für Sexarbeiter*innen in Thüringen. 

Des weiteren halten wir einen Ausbau der —> Fachberatungsstelle Frauenzentrum Brennessel e.V. für sinnvoll – diese leistet Unterstützung bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und ist auch mit dem Thema Sexarbeit schon vertraut. Bei entsprechender Personalaufstockung könnte auch dort eine fundierte Beratung und Betreuung von Sexarbeiter*innen stattfinden.

Als marginalisierte Berufsgruppe mit einem Anteil von nicht krankenversicherten, nicht angemeldeten, bereits von Armut betroffenen Menschen, trifft die derzeitige Krise Sexarbeiter*innen besonders hart. Durch den Ausfall ihrer Einnahmen fehlt es jenen ohne finanzielle Rücklagen am Nötigsten – teilweise drohen jetzt Wohnungslosigkeit oder gar Obdachlosigkeit.

Anlässlich der Krise haben wir den —> BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen, um Sexarbeitende ohne Anspruch auf staatliche Hilfen in Notsituationen zu unterstützen. Die Vergabe wird zum großen Teil durch die Arbeit der diversen Beratungsstellen koordiniert.


Pressekontakt:

  • Johanna Weber | johanna@besd-ev.de| 0151 1751 9771
  • Lilli Erdbeermund | presse@besd-ev.de 
Wärend Corona-Krise ist das Wohnen in leerstehenden Bordellen erlaubt

Von Johanna Weber, politische Sprecherin

Verschiedene Meldungen gingen vor einer Woche fast parallel bei uns ein. Auf der einen Seite diverse Anfragen von wohnungslosen Kolleg*innen, die wissen wollten ob sie nicht in ihren Bordellen bleiben können solange diese wegen der Corona-Verordnung geschlossen sind. Auf der anderen Seite ereilten uns Nachrichten von Bordellbetreibern, die sich weigerten, ihre „Frauen“ auf die Straße zu setzen und dadurch zum Teil heftige Probleme mit Ordnungshütern bekamen.

In diesem Sinne machte der Betreiber des City-Eroscenter in der Stuttgarter Leonhardstraße und das Pascha in Köln Schlagzeilen, denn sie setzten Niemanden auf die Straße. Einige weitere Bordelle zogen nach, die wir auf unsere Unterseite aufgelistet haben. Eine gute Infoquelle mit Angeobten für “gestrandete Damen” ist die Webseite kollegin.de. Man mag dies als gelungene Marketingmaßnahme abstempeln, aber es ist eine Maßnahme, die hilft und nicht ohne Risiko ist oder war.

Viele Bordellinhaber*innen trauten sich nicht, die Zimmer zum Wohnen zur Verfügung zu stellen, denn sie fürchteten den Verlust der Lizenz als Prostitutionsstätte. Jeder, der weiß, wie aufwändig es ist diese Genehmigung zu erhalten und auf wie gefühlt wackeligen Beinen diese steht, wird die Sorgen der Betreibenden verstehen. Hinzu kommt, dass in den meisten Bundesländern noch so gut wie gar keine Genehmigungen für Prostitutionsstätten erteilt wurden. Die Mühlen der Behörden mahlen doch oft sehr langsam. Jeder Antragsteller, der in dieser Warteschleife steckt, wird das nicht gefährden wollen.

Wie groß ist denn das Problem der drohenden Obdachlosigkeit nun wirklich?
Eine schnelle Umfrage an die Beratungsstellen im bufas-Verbund ergab, dass viele Sexarbeitende doch noch abgereist seien in ihre Heimatländer. Aber bei weitem nicht alle – mittlerweile gibt es kaum noch Möglichkeiten über die Grenzen zu kommen. Die günstigen Buslinien fahren nicht mehr und Flüge sind extrem eingeschränkt.
Auch gibt es nicht wenige Sexarbeitende, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben und über keinen festen Wohnsitz verfügen. Sie wandern zum Arbeiten von einer Terminwohnung zur nächsten, wo sie dann in der Regel in separaten Zimmern auch Wohnen können. Diese Möglichkeiten fielen nun weg, denn alle Bordelle, Terminwohnungen, Clubs, Studios, usw. sind geschlossen.

Das Londoner Modell kam ins Gespräch. Dabei geht es darum, dass aktuell leerstehende Hotels oder Hostels umfunktioniert werden zur Unterkunft für Menschen ohne Wohnung. Ein wunderbar pragmatischer Ansatz. Allerdings erschien es uns in diesem Fall unkomplizierter, die Sexarbeitenden einfach an ihrem Arbeitsplatz zu belassen.

Dazu müßte im Prinzip nur das im ProstituiertenSchutzGesetz festgeschriebene Übernachtungsverbot ausgesetzt werden. Ob denn sowas überhaupt möglich ist, fragten wir uns.
Vor dem Hintergrund, wie viele Freiheitseinschränkungen und Verbote im Zuge von Corona schon ad hoc und auch wahrscheinlich auch zu Recht beschlossen wurden, sollte doch solch eine Kleinigkeit wie das Übernachtungsverbot auszusetzen wohl möglich sein.

Auf unsere Anfrage beim Familienministerium machte man uns keine großen Hoffnungen aber man leite das weiter. Und siehe da, wir wurden erhört. Vielleicht waren wir auch nicht die Einzigen, die diese Idee hatten. Es gab zumindest gleich am nächsten Tag eine Anfrage zu dem Thema an alle Bundesländer. Es wurde dann erstaunlich schnell gehandelt, und das Übernachten und Wohnen ist nun für die Corona-Zeit in Prostitutionsstätten erlaubt.

Zitate aus dem Rundschreiben des BMFSFJ (Familienministerium)

Maßnahmen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit von Sexarbeitenden

Auslegungshinweise zu § 18 Abs. 2 Nr. 7 ProstSchG im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Beschränkungen zum Zwecke einer langsameren Ausbreitung des Corona

Es wird darauf hingewiesen, dass in der gegenwärtigen Ausnahmesituation und vor dem Hintergrund der akuten Gefährdung von Sexarbeitenden zur Abwendung einer Notlage eine ausnahmsweise Abweichung von der in § 18 Abs. 2 Nr. 7 ProstSchG vorgesehenen räumlichen Trennung derzeit aufgrund der umfassenden Untersagung von Prostitutionsgewerben rechtlich zulässig ist

HIER nachzulesen als Punkt 7 – Prostituierte schützen


16.4.20 – Ergänzung aus aktuellem Anlass:

1. Bei der Ansage des Familienministeriums, dass es aktuell erlaubt ist in Bordellen zu wohnen,
handelt es sich um eine Empfehlung. Diese muss nicht von allen Bundesländern befolgt werden. Fast überall wird das aber so gehandhabt. Leider gibt aber einige Städte und Gemeinden, die die Idee des Familienministeriums nicht aufgetriffen haben.

2. Erfreulich ist, dass es viele Betreibende gibt, die die Sexarbeitenden kostenlos bei sich wohnen lassen in dieser Zeit. Leider gibt es auch Betreibende, die 30 Euro und mehr Miete pro Tag verlangen. Da Sexarbeitende aktuell nicht arbeiten dürfen und somit keine Einnahmen erwirtschaften, ist eine so hohe Miete (über 900 Euro pro Monat) nicht realisierbar.
Der BesD hält eine Beteiligung an Nebenkosten und Miete für akzeptabel sofern es sich um überschaubare Summen handelt.
Betroffene von „Wuchermieten“ können sich dazu bei uns im Mitgliederforum austauschen
oder wenden sich an die politische Sprecherin:
Johanna Weber -> johanna@besd-ev.de oder 0151-1751 9771

 

Bundesweit sind Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 getroffen worden, welche das Leben im öffentlichen Raum stark einschränken und reglementieren. In diesem Kontext bleiben auch Bordelle/ Prostitutionsstätten vorübergehend geschlossen.

Für Stadt und Landkreis Karlsruhe gilt jedoch über die durch die baden-württembergische Regierung erlassenen Maßnahmen und Schließungen hinaus eine Zusatzverordnung, welche „Prostitution und Sexkauf jeder Art“ untersagt. Diese Verordnung gilt nicht wie die anderen landesweiten Regulierungen bis zum 19. April, sondern bis Widerruf.

Eine Untersagung von Sexarbeit halten wir im Rahmen der Corona-Vorsorge für richtig und sinnvoll. Eine Sonderregelung, die ausschließlich fur unsere Berufsgruppe einen anderen Zeitraum festsetzt, halten wir für nicht
rechtens.

Sexarbeitende sind aktuell durch die Maßnahmen gegen Covid-19 wie viele andere Selbstständige/ FreiberuflerInnen einer Situation ausgesetzt, in welcher sie nicht ihrem Beruf nachgehen dürfen. Die Ungewissheit uber die Dauer von Verboten, schmälert das Vertrauen in staatliche Institutionen. Ein nicht nachvollziehbares Beschäfigungsverbot auf unbestimmte Zeit führt gerade bei marginalisierten Sexarbeitenden sehr wahrscheinlich zum Ignorieren der Verordnung. Wir befürworten dies natürlich nicht.

Wir vom Berufsverband BesD fordern daher:
1. Gleiches Zeitenster. Stadt- und Landkreis Karlsruhe mögen bitte für die Einschränkung der Prostitution das gleiche Zeitenster ansetzen wie auch für die anderen Maßnahmen.
2. Unwort Sexkauf. Der Begriff „Sexkauf“ ist ein unüblicher Begrif in juristschen und politschen Texten. Bitte verwenden sie “Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen“
3. Soforthilfen. Wir begrüßen vom Bund und dem Land Baden-Württemberg ausgeschriebenen Soforthilfen fur Solo-Selbstständige. Es bedarf aber der Einrichtung lokaler Notfallhilfe-Töpfe für Sexarbeitende und Betroffene anderer Berufsgruppen, die von der Hand in den Mund leben.

Gerade auch vor dem Hintergrund des aktuell diskutierten Schwedischen Modells eines Sexkaufverbots – gegen dessen Einführung in Deutschland wir uns entschieden aussprechen – ist eine solche Sonderregelung für Prostitution wie hier in Karlsruhe beunruhigend.

Wenn Menschen ihre berufliche Tätigkeit nicht ausüben dürfen, so muss selbstverständlich für ihre Grundsicherung gesorgt werden, im Hinblick auf gelingende Covid-19-Maßnahmen und auf eine gesamtgesellschaftliche Stabilität.

Gruß, Johanna Weber (Politik und Vorstand des BesD)

A. The corona-virus in Germany

  • The risk to the health of the general population currently estimated by Robert Koch Institute: high
  • The risk to the health of people belonging to risk groups currently estimated by Robert Koch Institute: very high
  • Number of confirmed infections in Germany: 108.202
  • Number of confirmed deaths  due to Corona in Germany: 2.107

—> Daily updated case numbers in the federal states and worldwide.


B. The situation for sex workers in Germany

Since mid-March, all prostitution facilities, brothels and similar establishments in Germany have been closed. According to the German government, all services close to the body that are not medically necessary are currently prohibited. In addition, many federal states and cities have explicitly banned all forms of prostitution. In our work we cannot keep a distance from our guests. Therefore the risk of infection is very high for us.

We understand that any kind of sex work with customer contact is prohibited until further notice.  The BesD e.V. recommends sex workers in Germany to temporarily stop any activities that bring them into physical contact with clients.

  • In the case of a violation of the current ban on prostitution, sex workers are threatened with disproportionately high fines – the BesD strongly opposes this. More about this in -> our press release.
  • The BesD has successfully initiated a lifting of the ban on overnight stays in brothels during the Corona period. More about this in -> our press release.
  • For sex workers* who fall through all safety nets and are not entitled to state aid, we have created the -> BesD Emergency Fund – you can find out more under “D. Financial Assistance”.

We know, of course, that many of our colleagues do not have sufficient savings and are urgently dependent on their income from sex work. Read more under “D. Financial Assistance”.

If you don’t see any other option and continue to meet customers in person, find a few tips to reduce your risk further down in this article under “E. Precautions”.


C. What is important to know now

As in other countries, we in Germany are currently trying to delay the spread of the virus with all our strength and a concerted effort from society. On the one hand, this is intended to protect people to whom the corona virus can be particularly harmful. On the other hand, it is essential to avoid overloading the health system as long as possible. The situation is serious.

The time gained will be used to develop protective measures for particularly vulnerable groups, increase treatment capacities and develop antiviral drugs and vaccines.

  • We don’t want to get sick ourselves.
  • We do not want our customers to get sick.
  • Together we want to protect people for whom an infection can be particularly dangerous. We work and live together with many of them.

Particularly at risk are people who:

  • have a chronic disease (e.g. cardiovascular diseases, diabetes and diseases of the respiratory system, liver and kidney as well as cancer)
  • are over 55 years old

Take special care, if you:

  • live together with people over 55 years old
  • live together with people suffering from chronic diseases

If you feel sick and suspect you’ve been infected:

Contact the health department in your area by telephone – regardless of whether you have health insurance or not. You can find the addresses and telephone numbers of the health departments at www.gesundheitsaemter-deutschland.de. Alternatively, you can also contact the hotline of the Independent Patient Advisory Service Germany or google your local Corona Hotline.

To reduce social contacts:

As part of the measures to restrict social contacts, citizens in Germany are required to reduce contacts with other people outside the members of their own household to an absolutely necessary minimum. Here you can find the current guidelines of the government. Stay at home if possible. 

Hygiene:

It is very important to practice good hand hygiene, cough and sneeze properly and to avoid close contact. The main transmission route of the viruses is happening via mucous membranes (mouth, nose, eyes) or indirectly via hands, which are then brought into contact with the mucous membranes. It helps to regularly wash your hands/use disinfectants and to avoid touching your own face. The most important tips for hygiene can be found at the website of infektionschutz.de (here is a direct download of information graphic in English).


D. Financial Assistance

The BesD is in close contact with counselling centres as well as local and national authorities. HERE you can find our constantly updated overview on state financial aid for sex workers.


If you are not entitled to basic income support or other state aid and are in an emergency situation:

Contact a counselling centre for sex workers in your town or region. They can refer you to the right places. You can find the addresses and telephone numbers of many of these counselling centres at www.bufas.net/mitglieder.

If state aid is not applicable, the counsellors can apply for a grant from the BesD Emergency Fund for you, or you can contact our team yourself via notfallfonds@besd-ev.de.

It does not matter whether you are registered, or what your residence status is. Neither a “whore passport” nor a membership with BesD is necessary to apply for help from our fund.


With a percentage of uninsured, already poor people and people without residence status, sex workers are hit particularly hard in the current crisis. Many of foreign sexworkers have been residing in brothels –  since their sudden closure, many of them are homeless. They cannot return to their home countries at the moment as there are entry stops and in most cases there is no money for an unplanned trip anyway.

We also have a high percentage of people in sex work, who have just enough money  to pay for food and rent. There is a percentage of survival sexwork.  Combining lack of a personal financial emergency fund and the lack of entitlement to state benefits means, that even now, as the crisis is coming to a head, some people still have to engage in sex work and look for customers on the street or on the internet. The poorest of the poor are in existential difficulties due to the current crisis. They need immediate financial help to secure housing and food. In the current situation, no sex worker should (have to) continue to work out of money pressure and thus endanger her- or himself and others!

Therefore we have created the BesD Emergency Fund. All donations go to sex workers in emergency situations, who are not entitled to state aid. Please follow THIS LINK or click on the picture below, to learn more on how you can help.


E. Precautions for sex workers

What sex workers, who see no other possibility than to meet customers in person, should be aware of:

  • Never accept clients with a cold, cough or other cold symptoms. If you notice that a customer has symptoms, decline the job.
  • Wash your hands thoroughly with soap for at least 30 seconds or use an antiviral disinfectant spray on your hands.
  • Ensure that each guest first washes their hands with soap for at least 30 seconds or, if necessary, uses an antiviral disinfectant spray on their hands.

F. Alternative earning opportunities

Webcamming, phone and direct chats as well as the sale of adult content (photos, videos) on platforms, where no physical contact takes place, are obvious choices within the industry. An exemplary selection of platforms are: adultwork, streamate, Big7, my dirty hobby, onlymevip, chaturbate, sexpanther or adulttime.

In our members’ forum we exchange information about alternative earning opportunities and support each other. Here you can fill out the membership application form easily, anonymously and online – we also have a free trial membership.


G. More information

If you can read German, you can find the daily updated information – as well as all currently available answers to questions about the coronavirus and how to deal with it – on these official sites: Government | www.infektionsschutz.de. There are english versions of all articles from the Robert Koch Institute. In this (german) podcast Christian Drosten, Head of Virology at the Charité hospital in Berlin, provides daily updates on new developments.

Difference to influenza and other viruses:

  • In contrast to seasonal influenza viruses, there is still no basic immunity to the new corona virus in the population.
  • A specific therapy or vaccination directed against the corona virus is not yet available.
  • More people can become infected more quickly.
  • Particularly vulnerable groups are protected neither by drugs nor by vaccination.
  • Depending on the spread of the infection, the available capacities and the countermeasures taken, a high burden on the health care system may arise.
  • The symptoms of coronavirus differ from a cold/flu in that coronavirus is often accompanied by fever and dry cough, but rarely by a dripping nose.

In the long run, the corona virus – like the already known flu – will occur worldwide. The individual risk of falling seriously ill in the event of an infection still seems to be low. However, we now know that an infection with the new virus poses a higher risk, especially for the elderly and people with chronic illnesses, and increasingly leads to severe disease progression.

State of Research:

The danger of an infection draws its threat mainly from the fact that no immunity to it yet exists in our species. A specific therapy or vaccination against the novel coronavirus is not currently available, but international research – among others between the Health Security Committee of the EU, the Global Health Security Initiative of the G7 and CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – is working hard to develop a vaccine and research more about the virus.

A. Das Corona-Virus in Deutschland

  • Gefährdung für die Gesundheit der allgemeinen Bevölkerung laut Robert-Koch-Institut: hoch
  • Gefährdung für die Gesundheit von Personen, die Risikogruppen angehören: sehr hoch
  • Zahl der bestätigten Infektionen in Deutschland: 108.202 Menschen 
  • Bisher bestätigte Todesfälle aufgrund von Corona in Deutschland: 2.107 Menschen

—> Täglich aktualisierte Fallzahlen in den Bundesländern und weltweit. 


B. Die Lage für Sexarbeiter*innen in Deutschland

Mitte März wurden in Deutschland sämtliche Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnlichen Einrichtungen geschlossen. Alle körpernahen, nicht medizinisch notwendigen Dienstleistungen sind laut Vorgabe der Bundesregierung derzeit untersagt. Viele Bundesländer und Städte haben darüber hinaus explizit jede Art von Prostitution verboten. Bei unserer Arbeit können wir keinen Abstand zu den Gästen halten. Deswegen ist das Risiko für eine Ansteckung für uns sehr hoch.

Wir verstehen das derzeit geltende Kontaktverbot so, dass deutschlandweit jegliche Art der Sexarbeit mit Kundenkontakt verboten ist. Der Berufsverband empfiehlt allen Sexarbeiter*innen in Deutschland körpernahe sexuelle Dienstleistungen vorübergehend einzustellen.

  • Im Falle eines Verstoßes gegen das derzeitige Prostitutionsverbot drohen Sexarbeiter*innen unverhältnismäßig hohe Bußgelder – der BesD spricht sich entschieden dagegen aus. Mehr hierzu in —> unserer Stellungnahme.
  • Der BesD hat erfolgreich eine Aufhebung des Übernachtungsverbots in Bordellen während der Corona-Zeit initiiert. Mehr hierzu in —> unserer Pressemitteilung.
  • Für Sexarbeiter*innen, die durch alle Netze fallen und keinen Anspruch auf staatliche Hilfen haben, haben wir den —> BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen – unter “D. Finanzielle Hilfen” erfährst du mehr.

Wir wissen natürlich, dass viele Kolleg*innen über keine ausreichenden Rücklagen verfügen und auf die Einnahmen aus der Sexarbeit dringend angewiesen sind. Lies mehr unter “D. Finanzielle Hilfen”.

Falls du trotzdem keine andere Möglichkeit siehst und weiterhin Kund*innen persönlich triffst, ist es wichtig ein paar Tipps zu beachten um dein Risiko und das deiner Kund*innen zu vermindern. Lies mehr unter “E. Vorsichtsmaßnahmen”.


C. Was jetzt wichtig zu wissen ist

Wie auch andere Länder, versuchen wir in Deutschland derzeit in einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung und mit aller Kraft die Ausbreitung des Virus zu verzögern. Dadurch sollen einerseits Menschen, denen das Corona-Virus besonders schaden kann, geschützt werden und andererseits eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst vermieden werden. Es handelt sich  um eine ernst zu nehmende Situation.

Die gewonnene Zeit wird für die Entwicklung von Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen, die Erhöhung von Behandlungskapazitäten und die Entwicklung von antiviralen Medikamenten und Impfstoffen genützt.

  • Wir wollen selbst nicht krank werden.
  • Wir wollen nicht, dass unsere Kund*innen krank werden.
  • Wir wollen gemeinsam Menschen schützen, für die eine Ansteckung besonders gefährlich werden kann. Mit vielen arbeiten wir zusammen, leben wir zusammen, oder wohnen wir zusammen.

Insbesondere gefährdet sind Menschen, die:

  • eine chronische Krankheit haben (zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber und der Niere sowie Krebserkrankungen)
  • über 55 Jahre alt sind

Achte ebenfalls besonders auf dich, wenn du:

  • mit Menschen über 55 Jahren zusammenlebst
  • mit Menschen, die an chronischen Krankheiten leiden, zusammenlebst

Falls du dich krank fühlst, oder vermutest, dich angesteckt zu haben:

Wende dich telefonisch an ein Gesundheitsamt in deiner Region – egal ob du krankenversichert bist, oder nicht. Die Adressen und Telefonnummern der Gesundheitsämter findest du auf www.gesundheitsaemter-deutschland.de. Alternativ kannst du dich auch an die Hotline der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland, oder deine lokale Corona-Hotline wenden.

Zur Reduktion sozialer Kontakte:

Im Rahmen der Maßnahmen zur Beschränkung sozialer Kontakte sind die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland dazu angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Hier findest du die derzeit geltenden Leitlinien der Regierung. Bleibe nach Möglichkeit zuhause. 

Hygiene:

Es ist jetzt maßgeblich, eine gute Händehygiene zu praktizieren, eine Husten- und Niesetikette einzuhalten und enge Kontakte zu meiden. Hauptübertragungsweg der Viren ist die Tröpfcheninfektion. Diese kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut oder Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden. Zur Prävention hilft es außerdem, so wenig wie irgendwie möglich ins eigene Gesicht zu fassen. In dieser Infografik finden sich die wichtigsten Hygienetipps.


D. Finanzielle Hilfen

Der BesD steht in engem Austausch mit Beratungsstellen sowie kommunalen und landesweiten Behörden. HIER findest du unsere ständig aktualisierte Übersicht zu den bundesweiten und bundeslandspezifischen finanziellen Hilfen für Sexarbeiter*innen.


Falls du keinen Anspruch auf Grundsicherung oder andere staatliche Hilfen hast und dich in einer Notsituation befindest: 

Wende dich an eine Beratungsstelle für Sexarbeiter*innen in deiner Stadt oder Region. Diese können dich an die richtigen Stellen weiterverweisen. Adressen und Telefonnummern vieler dieser Beratungsstellen findest du auf www.bufas.net/mitglieder

Sind sämtliche staatlichen Hilfen ausgeschöpft, können die Berater*innen für dich einen Antrag beim BesD Nothilfe Fonds stellen oder du kontaktierst selbst unser Team unter notfallfonds@besd-ev.de.

Es ist dabei egal, ob du angemeldet bist, oder welchen Aufenthaltsstatus du hast. Um Hilfe bei unserem Fonds zu beantragen, sind weder ein “Hurenpass” noch eine Mitgliedschaft beim BesD notwendig.


Mit einem Anteil von nicht krankenversicherten, nicht angemeldeten, bereits von Armut betroffenen Menschen, trifft es Sexarbeitende in der jetztigen Krise besonders hart. Viele der nicht in Deutschland ansässigen Sexarbeiterinnen haben in Bordellen übernachtet – seit deren Schließung sitzen sie von einem Tag auf den anderen auf der Straße und sind teilweise obdachlos. Sie können aktuell auch nicht in ihre Heimatländer zurück, es bestehen Einreisestopps und in den meisten Fällen fehlt ohnehin das Geld für eine ungeplante Reise.

Wir haben einen hohen Anteil an Menschen in der Sexarbeit, die von der Hand in den Mund leben. Es gibt einen Anteil an Beschaffungs- und Überlebensprostitution. Komplett fehlende Rücklagen und fehlender Anspruch auf staatliche Grundsicherung führen dazu, dass Menschen auch jetzt, während sich die Krise zuspitzt, weiterhin der Sexarbeit nachgehen müssen und auf der Straße oder über das Internet nach Kunden suchen. Die Ärmsten der Armen kämpfen um ihr Überleben. Sie benötigen finanzielle Soforthilfe, mit welcher Wohnraum und Ernährung sichergestellt werden können. In der jetztigen Lage darf kein Sexworker aus Gelddruck weiter arbeiten (müssen) und damit sich und andere gefährden!

Deshalb haben wir den BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen. Alle Spenden gehen an Sexarbeitende, die nicht auf staatliche Hilfsfonds oder –darlehen Zugriff haben. Bitte folge DIESEM LINK oder klicke auf das Bild unten, um mehr zu erfahren oder zu unterstützen.


E. Vorsichtsmaßnahmen für Sexarbeiter*innen

Was Sexarbeiter*innen beachten sollten, die derzeit trotzdem keine andere Möglichkeit sehen, als jetzt noch Kund*innen persönlich zu treffen:

  • Nimm auf keinen Fall Kunden mit Schnupfen, Husten und anderen Erkältungssymptomen an. Wenn du bemerkst, dass ein Kunde Symptome hat, weise ihn oder sie ab.
  • Wasche Dir öfters mindestens 30 Sekunden gründlich die Hände mit Seife oder benütze notfalls ein antivirales Desinfektionsspray auf deinen Händen.
  • Sorge dafür, dass jeder Gast sich als erstes mindestens 30 Sekunden die Hände mit Seife wäscht oder notfalls ein antivirales Desinfektionsspray auf seinen Händen benützt.

F. Alternative Verdienstmöglichkeiten

Innerhalb der Branche bieten sich Webcamming, Phone und Direct Chats sowie der Verkauf von Adult Content (Fotos, Videos) auf Plattformen an, wo kein Körperkontakt stattfindet. Eine Auswahl von Plattformen sind zum Beispiel adultwork, streamate, Big7, my dirty hobby, onlymevip oder chaturbate, sexpanther und adulttime.

In unserem Mitgliederforum tauschen wir uns über alternative Verdienstmöglichkeiten aus und unterstützen uns gegenseitig. Hier kannst du den Mitgliedsantrag unkompliziert, anonym und online ausfüllen – wir haben auch eine kostenlose Schnuppermitgliedschaft.


G. Mehr Information

Auf diesen offiziellen Seiten finden sich die tagesaktuellen Informationen sowie alle derzeit verfügbaren Antworten zu Fragen rund um das Coronavirus und dem Umgang damit: Bundesregierung | Robert-Koch-Institut | www.infektionsschutz.de. In diesem Podcast informiert Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité, täglich über neue Entwicklungen.

Unterschied zu Grippe und anderen Viren:

  • Im Gegensatz zu den saisonalen Grippeviren gibt es gegen das neue Corona-Virus noch keine Grundimmunität in der Bevölkerung.
  • Eine spezifische, gegen das Corona-Virus gerichtete Therapie oder Impfung steht derzeit noch nicht zur Verfügung.
  • Mehr Menschen können sich schneller anstecken.
  • Besonders gefährdete Gruppen sind weder durch Medikamente noch durch Impfung geschützt. 
  • Abhängig von der Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen, kann es zu einer hohen Belastung des Gesundheitswesen kommen. 

Die Symptome des Coronavirus unterscheiden sich von einer Erkältung/Grippe insofern, als Coronavirus oft mit Fieber und trockenem Husten einhergeht, jedoch eher selten mit tropfender Nase.

Auf Dauer wird der Corona-Virus – so wie die bereits bekannte Grippe –  weltweit auftreten. Die individuelle Gefahr, im Falle einer Infektion schlimm zu erkranken, scheint nach wie vor niedrig zu sein. Doch wir wissen mittlerweile, dass eine Infektion mit dem neuen Virus besonders für alte Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen ein höheres Risiko darstellt und vermehrt zu schweren Krankheitsverläufen führt.

Stand der Forschung:

Die Gefahr einer Infektion zieht ihre Bedrohlichkeit vor allem aus der Tatsache, dass noch keine Immunität in unserer Spezies dagegen existiert. Eine spezifische, gegen das neuartige Coronavirus gerichtete Therapie oder Schutzimpfung steht derzeit nicht zur Verfügung, doch in der internationalen Forschung – unter anderem zwischen Health Security Committee der EU, Global Health Security Initiative der G7 und CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – wird mit aller Kraft an der Entwicklung eines Impffstoffs und an der Erforschung des Virus gearbeitet.

Anlässlich des Europäischen Tages gegen den Menschenhandel am 18. Oktober haben die Mitglieder von La Strada International  – einer europäischen NGO-Plattform gegen Menschenhandel – ein Schreiben an die europäischen Regierungen gesandt, in dem sie diese auffordern, sich zur Umsetzung eines 6-Punkte-Aktionsplans zu verpflichten. Der BesD unterstützt diese Forderungen (Übersetzung von uns):


1. Forderung: Unterstützung aller von Menschenhandel betroffenen und ausgebeuteten Personen bei der Meldung von Ausbeutung sowie Zugang zur Justiz, auch für Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus

Opfer von Menschenhandel sind oft nicht in der Lage, Ausbeutung zu melden, da sie mit Verhaftungen konfrontiert sind und Abschiebung wegen ihres irregulären Status fürchten müssen. Wir fordern eine “Firewall”, die es Arbeitern ermöglicht auf sichere Art und Weise eine Beschwerde bei Polizei- oder Arbeitsbehörden und Gerichten einzureichen und Zugang zu Dienstleistungen und Justiz erhalten, ohne sich dadurch der Gefahr von Abschiebung auszusetzen. Dies wäre ein Empowerment, eine Wahrung der Grundrechte, Bekämpfung von Missbrauch und Förderung fairer Geschäftspraktiken. Es würde auch sicherstellen, dass alle Fälle gründlich untersucht werden und dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

2. Forderung: Den betroffenen und ausgebeuteten Personen ist Zugang zu Informationen und kostenlosen Rechtsbeistand zu gewähren, sowie Unterstützung bei der Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen

Information und Rechtsbeistand sind entscheidend für die Durchsetzung von Verfahren, den Zugang zu Entschädigungen und zu anderen Rechte. Für die Geltendmachung von Schadenersatz in Strafsachen, zivilrechtlichen und strafrechtlichen Angelegenheiten ist eine spezialisierte Rechtsvertretung erforderlich. Staatlich finanzierter Rechtsbeistand ist jedoch nicht immer verfügbar und kann
im Umfang begrenzt sein oder von der Aufenthaltsberechtigung und dem Wohnsitz des Opfers abhängen. Darüber hinaus ist im Allgemeinen die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigem, spezialisiertem Rechtsbeistand begrenzt.

Die Opfer sollten mit folgendem versorgt werden:

– Informationen über ihre Rechte in verständlicher Form bei der ersten Kontaktaufnahme
– Prozesskostenhilfe sollte geleistet werden für alle Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung verfügbar sind
– des Weiteren sollte es Maßnahmen zur Unterstützung der Spezialisierung von Juristen zur Unterstützung und Vertretung von Betroffenen von Menschenhandel und Opfern anderer damit zusammenhängender Straftaten geben, auch für Verfahren zur Geltendmachung von Schadenersatz

3. Forderung: Sicherstellen, dass die Berechnung des Schadenersatzes fair, angemessen, transparent und auf der Grundlage einer klaren und klaren Vorgehensweise erfolgt

Derzeit gibt es wesentliche Diskrepanzen zwischen den geforderten Beträgen und den ausgezahlten Beträgen für Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung von Arbeitskraft. Darüber hinaus werden bestimmte Arten von Schäden, z.B. Verdienstausfall durch Prostitution, in einigen europäischen Ländern abgelehnt. Bisher gibt keine übergreifenden Leitlinien auf europäischer Ebene für die Berechnung von Schadenersatz für Opfer. Eine solche Berechnung sollte entwickelt werden, um die Grundsätze von Rechtsgleichheit und -sicherheit zu gewährleisten.

4. Forderung: Erweiterung der Untersuchungen für Schadensersatzforderungen und für die Wiederherstellung von Vermögenswerten

Ein wesentliches Hindernis für den Zugang zur Entschädigung für Opfer von Menschenhandel und Opfer von damit zusammenhängenden Straftaten ist, dass Täter nicht gefunden werden, nicht strafrechtlich verfolgt werden, ihr Vermögen ins Ausland verlagert haben, oder sich selbst für zahlungsunfähig erklärt haben, um die Beschlagnahmung ihres Vermögens und Zahlungen zu vermeiden.

Ermittlungen zur Identifizierung, Verfolgung und Beschlagnahme von kriminellen Vermögenswerten sind bisher in Umfang und Wirksamkeit begrenzt. Wir fordern, dass die strafrechtlichen Ermittlungen auch eine finanzielle Untersuchung in einem frühen Stadium des Verfahrens ausüben, um das Ausmaß der rechtswidrigen Aneignung von Vermögenswerten sowie den Schadensausmaß festzustellen. In einem solchen Fall können Staatsanwalt oder der Anwalt des Opfers die Beschlagnahmung von Vermögenswerten verlangen, die dem Opfer nach der Verurteilung des Täters zukommen.

5. Forderung: Förderung einer wirksamen transnationalen Zusammenarbeit zur Unterstützung von grenzüberschreitenden Schadensersatz-Ansprüchen

Eine Zusammenarbeit zwischen allen relevanten Interessengruppen auf nationaler und internationaler Ebene ist unerlässlich, um den Zugang zur Entschädigung zu gewährleisten. Opfer stehen bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen
oft vor Herausforderungen – zum Beispiel nach freiwilliger oder erzwungener Rückkehr in andere Länder. In diesem Rahmen müssen auch Fragen im Zusammenhang mit der Kontinuität der Rechtshilfe und -vertretung, der Durchführung von Europäischen Vollstreckungsmaßnahmen und der Übermittlung von Entschädigungsanträgen von einem Land in ein anderes gestellt werden.

Wir fordern wirksame internationale Kooperations- und Überweisungsmechanismen zwischen Strafverfolgungsbehörden, Finanzbehörden, NGOs und Anwälten, um eine “mobile Justiz” zu gewährleisten und das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Opfer auch nachdem sie das Land verlassen haben noch Anspruch auf Entschädigung haben.

6. Forderung: Aufhebung/Überarbeitung der Kriterien für staatliche Kompensationsfonds, um allen Betroffenen von Menschenhandel und Ausbeutung den Zugang zu gewährleisten – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus

Die meisten verfügbaren staatlichen Entschädigungssysteme für Opfer von (Gewalt-)Verbrechen gewähren nur finanzielle Unterstützung für materielle Schäden, wie z.B. medizinische Kosten, Sachschäden und manchmal entgangenen Gewinn. Opfer von Menschenhandel und Ausbeutung werden oft vom Zugang ausgeschlossen – entweder da sie den Kriterien nicht entsprechen oder aufgrund ihres Aufenthaltsstatus, oder weil ihre Beschäftigungssituation irregulär ist. Oft benötigen sie den Nachweis körperlicher Gewalt, mit Ausnahme von Opfern, die durch subtile Formen von Zwang oder Täuschung geschädigt wurden.

Wir fordern, dass Opfern eine Entschädigung für unbezahlte Löhne oder Einkommensverluste gewährt wird, sowie Entschädigung für immaterielle Schäden. Länder, die diese noch nicht haben, sollten staatliche Entschädigungsssysteme einrichten und die Förderkriterien überprüfen. Staatliche Entschädigung sollte unabhängig vom Aufenthaltsstatus und Art der Arbeit/Services gewährleistet sein.


Originaltext hier zum Download