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Unter dem roten Regenschirm – News vom BesD e.V. | Februar 2020

Hallo zusammen,

für eine bessere Übersicht haben wir unseren Newsletter optisch verschlankt und einige Kategorien überarbeitet. Du erfährst hier einmal pro Quartal alle wissenswerten Infos vom Berufsverband, erhältst einen Überblick über die Medienberichterstattung zum Thema Sexarbeit und kannst Dir interessante Termine bereits jetzt rot im Kalender anstreichen.

Viel Spaß beim Lesen!

Dein BesD-Team

---Save the Date: Termine

  • 08.03. | Internationaler Frauentag: Wir sind dabei, uns einen Überblick über alle Aktionen, an denen sich der BesD beteiligen könnte, zu verschaffen: Du weißt von Veranstaltungen und Demos, bist vielleicht schon wo vor Ort beteiligt oder hast Pläne? Bitte schick uns Deine Infos an charlie@besd-ev.de.
  • 20.03. | Berlin | Seminar „Mein Erwin gehört mir!“: In den Räumen der Aidshilfe treffen sich hier an gleich 3 Tagen politisch aktive Sexarbeiter*innen und Allies, um die derzeitige Sexdienstleistungs-Politik und Gesellschaftstendenzen dazu konstruktiv zu diskutieren und mögliche Lösungsansätze herauszuarbeiten. Hier findest Du das Seminarprogramm als pdf.
  • 21.03. | Hamburg | World of Whorecraft Workshops & Soliparty: Wir bringen die MS Stubnitz zum Schaukeln – neben einer Reihe von Workshops zu Sex- und Erotikthemen wird es wieder eine Ask-A-Sexworker-Runde und eine anschließende gemeinsame Party geben. Wir freuen uns auf Deine Teilnahme! Hier geht es zum Facebook-Event.
  • 27.03. | Hannover | Seminar „HIV/STI-Prävention in der Beratung für Sexarbeiterinnen“: Die deutsche AIDS-Hilfe bietet in Hannover ein mehrtägiges Seminar für Menschen an, die sich mit Sexarbeit und Sexarbeitenden befassen. Hier gibt es mehr Info dazu.
  • Du hast noch mehr Termine? Diese kannst Du direkt hier eintragen: https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/service/termine/

---Wissenswertes

  • Fundraising für den BesD: Unsere Aktion auf Leetchi hat bereits unsere Erwartungen übertroffen – umso mehr sind wir motiviert, uns auf den letzten Metern weiter ins Zeug zu legen. Jeder Extra-Euro hilft der Schlagkraft unseres Verbands und hält uns am Laufen – bitte teile den Link weiter und spende selbst, falls Du kannst – Tausend Dank!
  • Postkarten & Sticker: Wer will, wer braucht, wer hat noch nicht? Wir haben jede Menge tolle BesD-Materialien, die wir gerne zum Auslegen oder Verteilen an Dich verschicken. Schreib einfach eine kurze Mail mit der gewünschten Menge und Adresse an info@besd-ev.de.
  • Datenleak bei Pornowebsites: Anfang des Monats wurde bekannt, dass hundertausende sensible Dateien von Sexarbeiter*innen frei zugänglich im Netz „aufbewahrt wurden“. Hier liest du mehr: „Eimerweise hochsensible Daten: Schwerschwiegender Leak bei LiveCam-Pornowebsites“
  • Schnüffelei bei AirBnB: Die Plattform durchleuchtet seit kurzem potentielle Gäste. Wer „mit Alkohol, Drogen oder Sex“ zu tun hat, will das Service vielleicht in Zukunft meiden. Hier liest du mehr: Party-Fotos online? Airbnb will auf Facebook schnüffeln“
  • Klage gegen französisches Prostitutionsgesetz 2016: 250 SW klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die repressive Gesetzgebung (hier geht es zur Pressemitteilung)
  • Weniger Steuern in 2020: Geht es nach der Bundesregierung, wird die Grenze von umsatzsteuerpflichtigen Vorjahresumsatz von 17.500 auf 22.000 Euro angehoben – eine wesentliche Information für alle Selbstständigen.
  • Lesetipps: Im September erschienen: „Sexarbeit – Feministische Perspektiven“ (Auch SW selbst kommen zu Wort, unterschiedliche Zugänge) Im Oktober erschienen: „20 Years of Failing Sexworkers“ (beeindruckender Community Report von schwedischer SW-Orga Fuckförbundet)

---#Lobbyhuren

  • 28.01. 1LIVE Podcastfestival: Sexarbeiterin und BesD-MitgliedMadame Kali war gemeinsam mit dem Sexualpädagogen Jo Hamburger zu Gast beim Podcast „Fuck Forward“. Es ging um Freier, offene Beziehungen, schmutzigen Sex und vieles mehr … Hier geht es zur Audioaufnahme Teil 1, hier zum zweiten Teil.
  • 28.01. Amnesty-Podiumsdiskussion „Prostitution – legal, illegal, egal?“: Kristina Marlen und Susanne traten für den BesD gegen gleich drei Sexarbeits-Gegner*innen an.
  • 28.01. Their Bodies – Your Business: Der Ratschlag Prostitution beleuchtete mit  verschiedenen Parteiabgeordneten die Lage für Sexarbeitende in Deutschland und die möglichen Folgen eines Sexkaufverbots. Kurzfilme der Wissen.Macht.Sex-Videojournalistin und Sexarbeiterin Josefa wurden gezeigt, Undine de Rivière diskutierte am Podium mit Vertreter*innen der Grünen, SPD und LINKEN.
  • 17.12. Zum Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen gab es in den sozialen Medien viele schöne Beiträge – zum Beispiel diesen klugen Text auf der Facebookseite von Emma Madlen oder dieses Gedicht in unserem Blog. Außerdem einige Veranstaltung, wie zum Beispiel hier in Rostock.
  • 16.12. Bei dem sexarbeitsfeindlichen Vortrag „Zur Kritik der Prostitution“ der Universität Frankfurt sorgten BesD-Mitglieder für Gegenwind.
  • 14.12. Sexworker Unconference: Eine von BesD und Hydra unterstützte Veranstaltung in einem queeren Safespace in Berlin – mit praktischen Workshops, wichtige Diskussionen, Erfahrungsaustausch und Netzwerken in der Community.
  • 12.12. Terre de Femmes Berlin zeigte den umstrittenen Film „Bordell Deutschland“ – bei der Filmvorführung und anschließenden Diskussion waren auch mehrere BesD-Mitglieder zu Gast und meldeten sich zu Wort.
  • 5.12. Ein erstes Treffen des Runden Tisch zur Prostitution in Baden-Württemberg fand statt. Unter anderem waren BesD-Mitglied Isabelle Fuhrmann und Stephanie Klee Teil des Gremiums.
  • 4.12. Die Fachberatungsstelle für Sexarbeitende in Leipzig veranstaltete eine Filmvorführung sowie ein Podiumsgespräch. Sexarbeiter und BesD-Mitglied Lucien aus Berlin war auf dem Podium zu Gast.
  • 1.12. Josefa Nereus veröffentlichte die 100. Folge ihres Podcasts „Wissen.Macht.Sex.“ und redet darin über Breymeier, SPD & Sexkaufverbot.
  • 2.11. Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in Neumünster/Schleswig-Holstein stimmte bei der Vollversammlung geschlossen gegen das Schwedische Modell. Und das sicher nicht zuletzt aufgrund des Redebeitrags von Josefa Nereus, die der Einladung dorthin folgte und die Positionen und Forderungen des BesD vertrat.
  • 08.11. Aya Velázquez und Salomé Balthus organisierten ein Fotoshooting um die gesellschaftliche Präsenz von Sexarbeiter*innen in all ihren Facetten voranzutreiben. Die Fotos werden nach und nach in unseren sozialen Netzwerken veröffentlicht.
  • 15.11. Bei der Fachtagung SexArbeitGesundheit in Köln nahm Maia als Vertretung des BesD und Mitglied der Steuerungsgruppe teil. Im Vorfeld der Tagung fand eine Befragung von Gesundheitsämtern und Sexarbeitenden zu ersten Erfahrungen mit dem ProstSchG statt – hier geht es zu den Ergebnissen sowie weiteren Präsentationen des Fachtags.
  • 25.11. Am Aktionstag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen setzten wir in den sozialen Medien einen starken Kontrapunkt zur #SexIstUnbezahlbar-Kampagne von Terre des Femmes – hier geht es zu unserem Blogbeitrag „Warum Sexarbeit nicht mit Gewalt gegen Frauen gleichgesetzt werden kann“.
  • 15.09. 200 Sexarbeiter*innen aus ganz Deutschland und aller Welt kamen für 3 Tage zur größten Veranstaltung des BesD zusammen – dem Hurenkongress sowie der öffentlich zugänglichen Sexwork-Messe „World of Whorecraft“ in Berlin! Die Veranstaltung war ein voller Erfolg – einen ausführlichen Bericht dazu liest Du bei uns im Blog.

---#Neues aus unserem Blog

Der BesD zum Fall in Lippstadt-Eickelborn: Der Berufsverband setzt sich für die Stärkung der Rechte von Sexarbeiter*innen ein –  die angemessenen Rechte beziehungsweise Verbote des Alltags für Straftäter im Maßregelvollzug fallen hingegen nicht in unsere Expertise – egal, ob es sich nun um Fragen des Wohnsitzes, der Arbeitserlaubnis oder den Besuch von Bordellen … MEHR

“Am Anfang hatte ich Angst, mich politisch zu engagieren und sichtbar zu sein”, berichtet eine Teilnehmerin auf dem Hurenkongress, der im vergangenen August bereits zum zweiten Mal Sexarbeitende aus Deutschland, Europa und der Welt in Berlin zusammenbrachte. “Aber dadurch, dass ich Sexarbeitende mit anderen Erfahrungen und Biografien getroffen habe, wurde mir klar, dass ich Privilegien habe, die ich … MEHR

Dieser sehr persönliche Blogbeitrag wurde uns von einer Berliner Kollegin zur Verfügung gestellt.  Als ich im vierzigsten Lebensjahr wieder angefangen habe mit der Sexarbeit, las ich überall die Berichte in den Zeitungen von den ganzen Menschenhandelsopfern in Deutschland. Das verunsicherte mich sehr. Ich saß zwar selber im Bordell und habe dort gearbeitet, aber ich dachte, dass diese schlimmen Sachen ja … MEHR

Weitere neue Blog-Beiträge findest Du hier. 

Du magst lieber Videos? BesD-Mitglied und Sexarbeiterin Josefa Nereus postet wöchentlich auf ihrem YouTube-Kanal „Wissen.Macht.Sex!“ über Sexualität, Lifestyle und ihren Alltag als Sexworkerin – dabei interviewt sie auch viele Kolleg*innen. Hier findest du ihren Channel!

---So kannst Du uns unterstützen

AKTUELL – Fundraising für den BesD: Unsere Aktion auf Leetchi hat bereits unsere Erwartungen übertroffen – umso mehr sind wir motiviert, uns auf den letzten Metern weiter ins Zeug zu legen. Jeder Extra-Euro hilft der Schlagkraft unseres Verbands und hält uns am Laufen – bitte teile den Link weiter und spende selbst, falls Du kannst – Tausend Dank!

Stärke uns mit einer Spende.

Der absolute Großteil der Arbeit des BesD wird von ehrenamtlichen Helfer*innen in ihrer Freizeit geleistet.

Um auch weiterhin die Rechte von Sexarbeitenden zu stärken, bewerben wir uns als Verein um Fördergelder und suchen stetig nach Verbündeten, die bereit sind uns finanziell den Rücken zu stärken.

Du kannst die Arbeit des Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen sowohl mit einer einmaligen als auch einer regelmäßigen Spende unterstützen:

Kontoverbindung des BesD e.V.

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BIC:BELADEBEXXX

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Hilf uns dabei, bekannter zu werden.

Wir haben jede Menge tolle Sticker und Postkarten, die wir gerne zum Auslegen oder Verteilen an dich verschicken. Schreib einfach eine kurze Mail mit der gewünschten Menge und Adresse an info@besd-ev.de.

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Öffentliche Aufmerksamkeit hilft uns dabei, unsere Ziele besser durchzusetzen. Wir freuen uns daher sehr, wenn du unsere Beiträge kommentierst, retweetest, teilst oder auf „Gefällt mir” klickst. Vielen Dank!

---Berichterstattung

---Schlagzeilen---

Zoff in der ZEIT: BesD-Mitglied Kristina Marlen trat in der renommierten Wochenzeitung gegen die bekannte Sexarbeitsgegnerin Leni Breymaier an.

Straßenstrich Trier: Vorständin und Straßen-Beirätin Nicole treibt die Berichterstattung um die Sicherheit für Sexarbeiter*innen in Trier weiter voran.

Am 26.11. veröffentlichte das Statistische Bundesamt die ersten konkreten Zahlen zum ProstSchG, seit Januar gehen vorläufige Zahlen für 2020 durch die Presse. 

Sex Sells: Sexarbeiterin Kaylen Ward sorgte mit ihrer Spendenaktion für Australien für weltweite Aufmerksamkeit und viele Kolleg*innen taten es ihr gleich.

Kritik am „Schwedischen Modell“: Auch Stellen, die Prostitution kritisch gegenüber stehen, sind von den Ergebnissen eines Sexkaufverbots unbeindruckt.

Unterschiedliche Wege in der Schweiz: Seit 01.01.2020 gilt in Luzern das neue Gewerbepolizeigesetz und drängt Sexarbeitende dadurch Richtung Großbordelle. In Zürich sind hingegen ab sofort auch Kleinstbordelle erlaubt, um selbstverantwortliches Arbeiten zu fördern.

ProstSchG & Tantra: Unsicherheit bei den Gerichten.

Frauenrechtlerin nimmt Kredit von Bordellchef: Die Prostitutionsgegnerin Seyran Ates geriet medial unter Beschuss und sprach sich in anschließenden Interviews für eine Legalisierung von Sexarbeit aus.

Runder Tisch BW: Dieser fand erstmals im Dezember statt – BesD-Mitglied Isabelle Fuhrmann und Stephanie Klee sind Teil des Gremiums.

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen am 25.11. warnten mehrere Fach- und Beratungsstellen vor der Einführung des Schwedischen Modells in Deutschland. 

Eine Zusammenfassung aller Stellungnahmen findest Du in unserem Blogbeitrag: „Für Frauenrechte aber gegen Prostitution? Warum Sexarbeit nicht mit Gewalt gegen Frauen gleichgesetzt werden kann“

Runder Tisch Berlin: Im November fand die letzte Sitzung statt –  für den BesD nahm Vorständin Johanna Weber an dem Gremium teil.

---Lokales, Meinungen & Berichte---

---Stimmen aus der Sexarbeit---

---Stimmen aus der Forschung und Beratungsstellen---

---Ausland---

---Auch interessant---

“Am Anfang hatte ich Angst, mich politisch zu engagieren und sichtbar zu sein”, berichtet eine Teilnehmerin auf dem Hurenkongress, der im vergangenen August bereits zum zweiten Mal Sexarbeitende aus Deutschland, Europa und der Welt in Berlin zusammenbrachte. “Aber dadurch, dass ich Sexarbeitende mit anderen Erfahrungen und Biografien getroffen habe, wurde mir klar, dass ich Privilegien habe, die ich nutzen muss, um unsere Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern”, fährt sie fort.

 

Zusammen mit 200 anderen Sexarbeitenden verbrachte die Sexarbeiterin und Aktivistin aus Lateinamerika daher auf dem Hurenkongress zwei Tage damit, sich in einem geschützten Umfeld untereinander auszutauschen, zu vernetzen und Strategien zu entwickeln. Dass die Anzahl der Teilnehmenden im Vergleich zum Vorjahr noch gestiegen war, sehen viele als Zeichen für den zunehmenden Widerstand, der sich gerade unter Sexarbeitenden in Deutschland formiert.

 

Ausschlaggebend hierfür ist insbesondere das neu verabschiedete Gesetz zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen, kurz genannt Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG), das seit 2017 die rechtliche Diskriminierung und zunehmende Stigmatisierung von Sexarbeitenden fortschreibt. Wesentliche Elemente dieses Gesetzes sind eine Anmeldepflicht und die Mitführung einer Anmeldebescheinigung, dem sogenannten Hurenpass; eine verbindliche Gesundheitsberatung sowie die Einführung einer Erlaubnispflicht für Betriebsstätten. Mit Schutz und Unterstützung hat das neue Gesetz aber wenig bis gar nichts zu tun: zum einen greift es unrechtmäßig in das Selbstbestimmungsrecht von sexarbeitenden Menschen ein und ist mit deren Menschenrechten nicht vereinbar. Zum anderen zeigt sich mehr als zwei Jahre nach Einführung des Gesetzes deutlich, wie sehr es die Arbeitsbedingungen für Sexarbeitende verschlechtert.

 

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen war der Hurenkongress 2019 ein besonders bedeutendes Event für Sexarbeitende. Wir als Forschende nutzten ihn auch dazu, die persönlichen Erfahrungen und Perspektiven der Teilnehmenden zu erfragen und zu dokumentieren. Dazu kreierten wir einen anonymen Forschungsraum, in dem Sexarbeitende ihre Sichtweisen zu den Themenschwerpunkten Prostitutionspolitik und Sexarbeitsaktivismus teilen konnten. Wir erfragten insbesondere auch, wie sie die aktuelle politische Entwicklung in Deutschland wahrnehmen. Hier zeigte sich ein deutliches Stimmungsbild. Von vielen Teilnehmenden wurde die Situation als “bedrohlich”, “beängstigend”, „restriktiv“ und “repressiv”, sowie als „existenzbedrohend“ und “gefährlich” beschrieben. Viele sehen in der momentanen Politik außerdem einen Rückschritt im langjährigen Kampf um Rechte und Anerkennung. Sie fordern stattdessen “Respekt”, eine “faire Behandlung, wie andere Arbeitsbereiche auch”, und die Einbeziehung von Sexarbeitende in politische Prozesse. Würde man mit Sexarbeitenden reden, ihre Meinungen ernst nehmen und ihren Empfehlungen folgen, so wäre die komplette Dekriminalisierung und Entstigmatisierung von Sexarbeit unabdingbar, so sind sich viele einig.

 

Um solche politischen und gesellschaftlichen Verbesserungen zu erreichen, organisieren sich Sexarbeitende gemeinsam. Dabei sind unvoreingenommene Begegnungen und ein Austausch auf Augenhöhe besonder wichtig, da es innerhalb der Sexarbeit unterschiedlichste Arbeitsbereiche und Arbeitsformen, und damit auch eine Vielfalt an Erfahrungen und Perspektiven gibt. Beim Hurenkongress kamen diese wie bei keiner anderen Gelegenheit in 2019 zusammen. In 12 unterschiedlichen Workshops lernten die Sexarbeitenden hier Neues, tauschten Expertise aus und hielten Debatten ab. Die Teilnehmer*innen zeigten sich selbst “überrascht, fasziniert, und begeistert von der Vielfältigkeit der Sexarbeit und der Menschen” und beschrieben, wie die unterschiedlichen Selbstbilder der Anwesenden ihren Blick öffneten.

 

Dass sie hierbei zuerst einmal unter sich blieben, ist für viele Sexarbeitende unabdingbar: nur in einem geschützten Raum können sie Perspektiven und Erfahrungen austauschen, ohne die Stigmatisierung und Verurteilung Anderer zu fürchten. Der Hurenkongress bot einen solchen Raum, in dem Sexarbeitende trotz aller Unterschiede und Marginalisierungserfahrungen Gemeinschaft, Solidarität und gegenseitige Hilfe finden konnten, und förderte damit das Verständnis und die Zusammenarbeit unter ihnen.

 

Dabei wurde die Bandbreite an Aktivitäten sichtbar, durch die sich Sexarbeitende politisch einbringen:  dass vor allem Sexarbeitende, die in Vereinen wie dem Berufsverband organisiert sind „öffentlich bei Demonstrationen, Paraden und Soliparties“ aktiv sind und/oder auch „Interviews geben, Vorträge halten, bei Podiumsdiskussionen, politischen Anhörungen und an Dokumentationen teilhaben“. Eine andere Teilnehmerin erzählt, dass sie Sexworker-Frühstückstreffen organisiert und in einem Arbeitskreis zu Sexarbeit tätig ist.

 

Gerade die Vernetzung mit Organisationen und NGO’s ist für viele Sexarbeitende ein erster Schritt zum Aktivismus – öffentlich auf der Straße, aber auch im virtuellen Raum wie auf Twitter, Instagram oder Facebook. So berichtet eine Sexarbeitende aus Argentinien: „Ich helfe bei Veranstaltungen aus, übersetze Texte, gehe zu Demos und mache Interviews mit Journalist*innen”. Eine weitere Sexarbeitende aus Brasilien erzählt, dass in lokalen Gemeinschaften organisiert ist und auch im Web aktiv ist, hier zwar noch “mehr im Alleingang, aber im Kontakt mit anderen”.

 

Das Engagement ist also bereits vielfältig, und doch in anderer Hinsicht noch begrenzt. Dies beschreibt eine weitere Sexarbeiterin, die auch beim BesD sowie auf verschiedenen sozialen Plattformen aktiv ist: „Ich zeige gern mein Gesicht, auch weil andere dies (noch!) nicht können.“ Damit weist sie darauf hin, dass politisches Engagement vor allem in der Öffentlichkeit für viele nicht möglich ist. Auch diejenige unter den Sexarbeitenden, die sich im Sexarbeitsaktivismus bis jetzt noch nicht engagiert haben, nutzten den anonymen Forschungsraum und erzählten, warum es für sie bis dato nicht möglich war. So schildert eine Sexarbeiterin: „Ich habe mich fast noch gar nicht aktivistisch engagiert, außer in den sozialen Medien zu kommentieren, dass aber natürlich auch anonym, da mein Nicht-EU Bürgerin Status es auch nochmals schwieriger macht.“ Eine weitere Teilnehmerin schreibt, dass sie sich „gar nicht aktivistisch engagiert, denn ein Outcoming kann ich mir sozial-gesellschaftlich nicht leisten“. Viele Sexarbeitende, sie sich öffentlich politisch engagieren, sind sich dieser Risiken und Einschränkungen bewusst, und fühlen sich in ihrem Aktivismus mitverantwortlich für diejenigen, die besonders mit Stigma und Rechtlosigkeit zu kämpfen haben.

 

Für viele Sexarbeitende ist der Hurenkongress aber auch ein Beginn, um sich aktivistisch zu engagieren: „Bisher habe ich mich noch gar nicht aktivistisch bewegt, aber das möchte ich hierüber ändern“, so eine der Stimmen aus dem Forschungsraum. Denn beim Hurenkongress mischen sich politische Neulinge mit den Sexarbeitenden, die bereits verschiedenste Erfahrungen im Aktivismus gesammelt haben. Diese sind so vielfältig wie Sexarbeit selbst, wie sich im Forschungsraum zeigte. So sind einerseits Stimmen zu vernehmen, die von positiven Erfahrungen im öffentlichen Umgang mit dem Thema Sexarbeit berichten: „Zu 95% positiv. Interessiert sind die meisten, sehr viele sind respektvoll und einige hinterfragen eigene Vorurteile.“ Eine andere Sexarbeitende schreibt: „Über das Netzwerken und die politische Arbeit, insbesondere in den sozialen Medien und auf Konferenzen, habe ich so viele liebenswerte und interessante Menschen in kürzester Zeit getroffen; sogar potentielle Klienten finden das oft gut und finden da manchmal den Einstieg ins Gespräch leichter.“ Auch auf Neugierde und Beachtung stoßen viele, so schreibt eine weitere Teilnehmende: „Interesse und Neugier, Überraschung über unsere Art der Arbeit und unsere Schwerpunkte (Achtsamkeit, Wertschätzung, Akzeptanz)“.

 

Andere berichten wiederum auch, dass sie auf Ablehnung und Ignoranz stoßen, wenn sie sich politisch engagieren: „Es begegnen mir auch Schweigen und Verurteilungen, meist nicht direkt, sondern es besteht kein Interesse mehr darüber zu erfahren, da Vorurteile (unmoralisch, sollte nur im Privatleben bleiben) vorhanden sind.“ Es wird außerdem deutlich, dass Sexarbeitende sich nicht überall erwünscht fühlen und gerade den Umgang mit Medien oft als schwierig empfinden, wie uns berichtet wird: „Ganz oft sind Menschen überrascht von unserer Vielfältigkeit im sexwork-Bereich und auch begeistert, aber im Kontakt mit Medien sind meine Erfahrungen auch sehr enttäuschend und frustrierend.“ Das politische und aktivistische Engagement ist einerseits von der Wahrnehmung eines Rückschrittes im Kampf um Anerkennung und Rechte begleitetet und von “erschreckenden Beobachtungen, über hysterische und melodramatische Geschichten von ‘Abolitionist*innen’, die immer mehr Gehör finden” und andererseits aber genau dadurch “ Vernetzung mit Kolleg*innen stattfinden” und auch “mehr Interesse von Medien” kommt. Und dennoch wird im Forschungsraum auch auf die Gefahr eines “Aktivismus Burnout” hingewiesen. Es lässt hier festhalten, dass die Erfahrungen mit politischem Engagement oftmals von Gegensätzen geprägt sind.

 

Viele der Teilnehmenden äußerten sich im Forschungsraum auch über den Hurenkongress selbst und beschrieben die Gemeinschaft unter Sexarbeitenden als ausgesprochen positiv. Viele hoben die „Offenheit und Solidarität innerhalb der Sexarbeitscommunity“ hervor, und lobten die Möglichkeiten zur „kollektiven Selbstorganisation“ und den „enormen Erfahrungsaustausch“, den die zwei Tage boten. Eine Teilnehmerin beschrieb, durch den Kongress ein regelrechtes “Gefühl der Selbstermächtigung” erfahren zu haben.

 

Mit ihrer zunehmenden politische Organisierung gliedern sich Sexarbeitende in Deutschland in die Kämpfe um Anerkennung und Rechte ein, die von Sexarbeitenden bereits seit vielen Jahren, über Ländergrenzen hinweg und in globaler Vernetzung geführt werden. Mit den seit Ende 2019 verstärkt aufkommenden Debatten zum “Sexkaufverbot” stehen Sexarbeitenden in Deutschland besonders turbulente politische Zeiten bevor. Doch davon lassen sie sich nicht entmutigen – getragen von den positiven Erfahrungen aus dem letzten Jahr und voller neuer Ideen laufen die Vorbereitungen für den nächsten Hurenkongress in 2020 bereits an.

Zu den Autorinnen:

Joana Hofstetter ist Soziologin und promoviert zum Thema Sexarbeitsaktivismus und Prostitutionspolitik in Deutschland an der Scuola Normale Superiore in Florenz.

Sabrina Stranzl ist Kulturanthropologin und beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit diskursiven Konstruktionen und visuellen Denkfiguren zu Sexarbeit und der Transformation und Handlungsmacht von Sexarbeitenden.

Und hier gehts zum großen Bericht über den Hurenkongress und die World of Whorecraft – Sexwork Messe

Dieser Blog-Beitrag wurde von Tamara verfasst.

Wahrlich gute Vorsätze zum neuen Jahr wollen bestens überlegt sein! Mehr Sport treiben? Dein Körper ist doch wundervoll, genau so wie er ist! Weniger Süßigkeiten? Du hast sicher jedes Stückchen Schokolade verdient! Wieso müssen Vorsätze denn immer nur auf Verzicht und Selbstdisziplin beruhen? Wir haben da eine viel bessere Idee! Zum neuen Jahrzehnt einfach aus den Vollen schöpfen und sich an Selbstlosigkeit erfreuen – mit einer Spende an den Berufsverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen e.V.!

Wir sind aktive sowie ehemalige Sexarbeitende. Wir kämpfen für die Rechte aller in der Sexarbeit tätigen Menschen und für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, wir beziehen Stellung gegen die Stigmatisierung unseres Berufs. 

Wir arbeiten beispielsweise in Bordellen, Wohnungen oder auf der Straße. Wir sind Domina, Hure, Sexualbegleitung oder Escort. Wir bieten erotische Massagen, Sex, Nähe und die Umsetzung von Phantasien und Bedürfnissen. Dabei haben wir die verschiedensten Hintergründe, manche von uns kommen aus dem Ausland, um hier ihr Geld mit Sexarbeit zu verdienen. Viele haben einen anderen Beruf gelernt oder studiert, manche sind nebenbei noch in anderen Berufen tätig. Ob privilegiert oder marginalisiert, gleich welcher Sexualität oder welchen Geschlechts, egal aus welchem Teil der Erde es uns hierher verschlagen hat, egal aus welchen Gründen wir dieser Arbeit nachgehen – gemeinsam vernetzen und organisieren wir uns. 

Im neuen Jahrzehnt wollen wir noch präsenter sein! Wir wollen bei Aktionen über unseren Beruf informieren. Wir wollen an jedem runden Tisch zum Thema „Prostitution“ sitzen, wir wollen Politikerinnen und Politiker darüber informieren, wie eine sichere und selbstbestimmte Sexarbeit möglich ist. Wir wollen Kolleg*Innen, die sich in schlechten Arbeitsbedingungen oder Notlagen befinden, helfen und beraten. Wir wollen eine offene Gesellschaft, sexuelle Selbstbestimmung und vor allem viel, viel mehr Liebe – wie auch immer diese zwischen konsensuellen Menschen aussieht. Dafür benötigen wir Spenden – und haben eine Spendenkampagne gestartet. Teilt sie, verbreitet sie oder spendet selbst! Auf dass die „wilden 20er“ ihrem Namen auch in diesem Jahrhundert alle Ehre erweisen. Und das Beste: Mehr Sport treiben und weniger Süßigkeiten essen könnt ihr trotzdem! 

 

HIER gehts zur Kampagne!

Als Sexarbeiter*innen haben wir alle etwas gemeinsam: Wir sind selbstbestimmt. Alles andere ist Menschenhandel, ist Nötigung, ist Missbrauch, aber ist keine Sexarbeit.

Logischerweise setzen wir uns als Berufsverband für Sexarbeiter*innen für die Verteidigung und Wahrung von Frauenrechten ein – so wie viele andere Organisationen. Der international am 25. November stattfindende Aktions-Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen beschert dem so wichtigen Thema hoffentlich wieder das dringend benötigte Interesse der breiten Öffentlichkeit.

Doch leider ist nicht bei allen Frauenrechtler*innen mit Solidarität für Sexarbeiter*innen zu rechnen.  Die Prostitutionsgegner*innen von Terre des Femmes nützen den Termin vielmehr, um in einer Aktion vor dem Brandenburger Tor eine „Welt ohne Prostitution“ zu bewerben. Der Verein ordnet Sexarbeit pauschal als Gewalt gegen Frauen ein und setzt sich aufgrund dieser Überzeugungen für die Einführung des Schwedischen Modells der Freierbestrafung ein.

Prostitution ist kein selbstbestimmter, einvernehmlicher Sex, sondern bedeutet, dass Männer sich den Zugang zum Körper einer Frau erkaufen. (Fahnenaktion Terre des Femmes, November 2019)

Wir als Sexarbeiter*innen wehren uns aus guten Gründen gegen das Schwedische Modell – und dagegen, pauschal als Opfer abgestempelt zu werden. Unsere Tätigkeiten sind konsensuelle Dienstleistungen zwischen mündigen Erwachsenen. Und eine Differenzierung zwischen Menschenhandel und Sexarbeit ist dringend nötig, um der Gleichsetzung unserer Arbeit mit Gewalt und Zwang endlich ein Ende zu bereiten.Nicht nur unser Berufsverband lehnt ein Sexkaufverbot, welches Kund*innen kriminalisieren und zu erhöhter Vereinzelung, Gefahr und Vulnerabilität von in der Sexarbeit tätigen Menschen führen würde, entschieden ab. Auch die Fachwelt äußert sich anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen zu dem Thema.

Zum 22.11. veröffentlichten Fachverbände und Beratungsstellen ein gemeinsames Positionspapier, in dem sie für mehr Unterstützung für Sexarbeitende plädieren und ausdrücklich vor jeglicher Kriminalisierung sowie einem Sexkaufverbot warnen. Bei den Unterzeichnenden finden sich unter anderem die Aidshilfe, der Frauenrat, der Juristinnenbund, die Diakonie, sowie Fachstellen für Opfer von Menschen- und Frauenhandel.

Wo Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter_innen heute menschenunwürdig sind, lassen sie sich mit einem Sexkaufverbot nicht verbessern. Im Gegenteil: Es droht, ihre Situation weiter zu  verschlechtern. Was zu ihrem Schutz gedacht sein soll, wird ihnen am Ende zum Verhängnis. Gerade wo Menschen kaum eine Wahl haben, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen, brauchen sie Hilfsangebote, die ihnen Möglichkeiten eröffnen und einen sicheren Rahmen für ihre Tätigkeit fördern. (Gemeinsames Positionspapier v. Deutsche Aidshilfe et al, 22.11.2019)

bufaS e.V, das Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter veröffentlichte zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen eine Stellungnahme zu den politischen Forderungen zur Einführung eines Sexkaufverbots in Deutschland:

[Es] wird häufig dargestellt, dass das Sexkaufverbot keine negativen
Konsequenzen für Sexarbeiter*innen habe, oder deren Situation sogar noch verbessere. Dagegen positioniert sich der Bufas entschieden. Auch innerhalb Deutschlands hat man durch restriktive Verordnungen wie z.B. Sperrbezirksverordnungen oder die Kontaktverbotsverordnung nicht die Prostitution und die Nachfrage vor Ort verhindert, sondern lediglich bewirkt, dass die Arbeitsbedingungen sich verschlechtern und die Vulnerabilität durch Abhängigkeitsverhältnisse und Ausbeutung erhöht werden. (Stellungnahme BufaS e.V., 25.10.2019)

Das Deutsche Institut für Menschenrechte veröffentlichte Mitte Oktober ein Papier, das die Themen Prostitution, Sexkaufverbot sowie die Unterscheidung zwischen Zwang und Freiwilligkeit aus menschenrechtlicher Perspektive beleuchtet. Unter anderem wird der Text des DIMR auf der Website des bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel geteilt.

(…) Studien zeigen, dass jede Form von Verboten mit einem zweifach erhöhten Risiko einer sexuell übertragbaren Krankeit inklusive HIV zusammenhängt. Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Prostituierte da, wo es Verbote gibt, Opfer von sexueller und körperlicher Gewalt werden.  ( Stellungnahme DIMR, 17.10.2019)

Die Diakonie Hamburg erklärt in ihrer aktuellen Stellungnahme, warum ein Sexkaufverbot Sexarbeitende nicht vor Gewalt schützen kann. Im Gegenteil: Gerade die verletzlichsten Gruppen in der Sexarbeit würden mehr gefährdet.In der politischen Diskussion werden zum einen die Begriffe Prostitution, Zwangsprostitution und Menschenhandel vermischt oder gleichgesetzt. Armutsprostitution wird nicht selten als Zwangsprostitution bezeichnet. Zum anderen wird suggeriert, dass Gewalt und Ausbeutung im Zusammenhang mit Prostitution bisher nicht verboten und geahndet werden und es auch deswegen der Einführung des Sexkaufverbots bedarf. Hier ist auf eine genaue begriffliche Trennung zwischen Sexarbeit und Menschenhandel zu achten: Nach dem ProstSchG ist Prostitution das freiwillige Erbringen von sexuellen Dienstleistung gegen Entgelt. Menschenhandel und Zwangsprostitution hingegen stellen schwere Menschenrechtsverletzungen dar,  auf die in Deutschland hohe Haftstrafen stehen. (Stellungnahme Diakonie Hamburg, 22.11.2019)

Auch die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht spricht sich gegen das Schwedische Modell aus und die SPD in Schleswig-Holstein lehnt ein Sexkaufverbot aus den gleichen Gründen ab.

Da, wo man das nordische Modell gewählt hat, hat dies nicht etwa zu einem Rückgang der Prostitution geführt, auch nicht zu mehr Rechten und mehr Sicherheit für die Prostituierten. Im Gegenteil: Sie sind mehr Gewalt und größeren Gefahren ausgesetzt. (Bundesjustizministerin Lambrecht im Interview mit der MAZ, 13.09.2019)

Die Grüne Jugend solidarisiert sich mit Sexarbeiter*innen und kämpft für die Entkriminalisierung und Entstigmatisierung von erotischen Dienstleistung.

Unter dem Deckmantel, Frauen vor sexueller Gewalt oder Bedrohungen wie Menschenhandel und Zwangsprostitution schützen zu wollen, werden die Rechte auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen und Queers weiter eingeschränkt und Ressentiments gegenüber Sexarbeiter*innen und Migrant*innen geschürt und damit Gewalt unsichtbar gemacht. (Protokoll 53. Bundeskongress der Grünen Jugend, 02.11.2019)Unser Berufsfeld in der Sexarbeit ist so individuell verschieden wie wir selbst und unsere Kund*innen. Wie andere haben wir einen Berufsalltag, gute und schlechte Arbeitstage. Leider ist Sexarbeit derart stigmatisiert, dass über unsere wirklichen Arbeitsinhalte und Tagesabläufe wenig bekannt ist.

Wir vom Berufsverband möchten mehr Transparenz in das Thema bringen und laden alle engagierten und interessierten Mitmenschen zum Dialog mit uns ein. Hier geht es zu dem von Hydra e.V. und der Kampagne „Sexarbeit ist Arbeit. Respekt!“ unterstütztem Schreiben des BesD e.V: Tag gegen Gewalt an Frauen – Sexarbeit ist keine Gewalt

Redet mit uns. Gesteht uns das Recht zu, selbstbestimmt der von uns gewählten Tätigkeit nachzugehen. Lasst uns gemeinsam gegen Gewalt, Missbrauch und Nötigung kämpfen! Denn wir sind Teil dieser Gesellschaft. Wir sind Teil der Emanzipationsbewegung. Wir sprechen uns als Berufsverband genau so wie Terre des Femmes entschieden gegen jegliche Gewalt an Frauen aus.

Wie die zitierten Verbände und Beratungsstellen, halten wir es aber für falsch und fahrlässig, Sexarbeit pauschal mit Gewalt gleichzusetzen. Wir halten es für gefährlich und kontraproduktiv, Gewalt mit einem Sexkaufverbot bekämpfen zu wollen. Nur Entstigmatisierung, Entkriminalisierung, eine Stärkung unserer Rechte, sowie die Möglichkeit, weiterhin sichtbar und vernetzt zu agieren, gewähren Sexarbeiter*innen eine sichere, würdige Basis.

200 Sexarbeiter*innen aus ganz Deutschland und aller Welt kamen von 15.-16. September zum Hurenkongress in Berlin zusammen.

Am ersten Tag teilten 15 Workshopleiter*innen in insgesamt 12 Workshops ihre Expertise mit Kolleg*innen. Am 2. Tag fanden im Rahmen eines Barcamps weitere 14 spontane Workshops und Gesprächsrunden statt. Workshopleiter*innen sowie Teilnehmer*innen waren alle selbst in der Sexarbeit tätig – in den Workshops wurden Tricks, Tipps und Erfahrungen aller Art geteilt und Raum für Diskussionen und Fragen geboten. Manche Workshops fanden auf Deutsch statt, andere auf Englisch und einige in beiden Sprachen – viele internationale Kolleg*innen kamen zum Kongress und rund ein Drittel der Teilnehmer*innen hatten eine andere Muttersprache als Deutsch.

Der Kongress war eine außergewöhnliche Gelegenheit für Sexworker, sich über wesentliche Themen zu informieren und zu diskutieren: So gab es beispielsweise einen Workspace von Missy-Kolumnist Christian Schmacht, in dem die Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiter*innen , die transgender/transsexuell/nicht-binär/genderqueer sind, diskutiert wurden. Anastacia Ryan von TAMPEP – dem europäischen Netzwerk zur Förderung der Rechte von migrantischen Sexworkern – leitete eine Diskussion über die Auswirkungen von Maßnahmen zur Bekämpfung des Menschenhandels. Nicole Schulze, Sexarbeiterin und seit kurzem auch im Vorstand des BesD e.V. vertreten, organisierte einen Workshop zum Thema Sicherheit am Straßenstrich und berichtete dabei von ihren langjährigen Erfahrungen in diesem Arbeitsbereich.

Ob „Selbstmarketing & Kommunikation”, „Professional BDSM for Beginners”, „Fighting Burn-Out Through Self Love”, „Online Sicherheit für Sex Worker“ oder „Betriebsgründung – Selbstständig machen in der Sexarbeit” – alle Inhalte richteten sich explizit an Menschen, die in der Sexarbeit arbeiten und deren spezifische Bedürfnisse.

Es wurde geschnackt, gelacht, gelernt, vernetzt, informiert und diskutiert. Aktionspläne wurden geschmiedet, Allianzen geformt, alte Freund*innen wiedergetroffen und neue Bekanntschaften geschlossen – insgesamt war der Kongress also eine grandiose Gelegenheit für Austausch und Information zwischen Sexarbeitenden.

Auf der am 17. September anschließenden Sexwork-Messe „World of Whorecraft” zählten wir neben 150 teilnehmenden Sexarbeiter*innen rund 200 Gäste .

Von Verbündeten und interessierten Besucher*innen über Journalist*innen und Forscher*innen bis hin zu Partner*innen und Freund*innen von Sexarbeitenden, war alles unter den Besucher*innen der Messe vertreten. Unter den 17 Ausstellern waren branchenrelevante Dienstleister*innen (z.B. der queere Sexshop Other Nature) Beratungsstellen und Verbündete (z.B. das Beratungsprojekt für männliche Sexarbeiter smart berlin, Hydra e.V., oder Dona Carmen e.V.) und deutsche sowie internationale von Sexworkern geführte Organisationen, die ihre Arbeit und Ressourcen teilten (z.B. Wild Thing aus den Niederlanden).

Die Ausstellung Objects of Desire vom Schwulen Museum und der Bilderzyklus „Das neue Recht“ von Almuth Wessel sorgten für themenbezogene Kunst in der Location. Im Kinozelt konnten Fetisch-Filme aus der Produktion von libido film, die Dokumentation „Whores on Film“ von Sex Worker und Filmemacherin Juliana Piccillo, der Film „H’Or“ von Black Sex Worker Collective-Gründerin Akynos sowie Videos aus dem YouTubeChannel „Wissen.Macht.Sex!“ der Sexarbeiterin und Aktivistin Josefa Nereus bewundert werden.

 

 

Im Research-Zelt sammelten Joana Hofstetter und Sabrina Stranzl vom Netzwerk für Kritische Sexarbeitsforschung Erfahrungen und Meinungen Sexarbeitender für ihre Recherchen.

Das ganztägige Bühnenprogramm wurde von der Journalistin und Sexualforscherin Kuku Schrapnell moderiert. Neben Keynotevorträgen (z.B. von DAH-Frauenreferentin Marianne Rademacher, Sexarbeiterin und Wirtschaftswissenschaftlerin Maya Mistress aus Brasilien und Pesha Shatte aus dem französischen Sexwork-Syndikat STRASS) gab eine spannende Talkrunde zwischen zwei Sexarbeiterinnen und einer aufsuchenden Sozialarbeiterin über die Gefahren des schwedischen Modells, Susanne Bleier Wilp stellte das Big Sister Projekt unter dem Dach von kaufmich.com vor, erotische Performances fanden statt und Lesungen von Sexarbeiterin und Autorin von „Mein HurenmanifestUndine de Rivière sowie der ehemaligen WELT-Kolumnistin und Sexarbeiterin Salomé Balthus sorgten für Begeisterung.

Die Ausgaben für beide Events beliefen sich auf 15.365 Euro – hierbei nicht mit einberechnet sind die Personalkosten für die Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Veranstaltungen. Diese wurden vom BesD getragen und beliefen sich bei einer 50%-Arbeitskraft für den Kongress sowie einer 25%-Arbeitskraft für die Messe auf rund 500 bezahlte Arbeitsstunden und 10.000 Euro.

1000 m² leerer Supermarkt, vier 60 m² Zelte, 844 Meter Kabel, 40 Lampen, 100 Stühle, 100 Bierbänke, 55 Tische – nicht überraschenderweise besetzte die Miete sowie Ausstattung der Location den größten Ausgabe-Posten.

Schon an zweiter Stelle folgten die Honorare und Fahrkosten für Workshopleiter*innen und Moderator*innen am Kongress – da hier ausschließlich aktive und ehemalige Sexworker als Teilnehmer*innen und Workshopleiter*innen anwesend waren, floß also ein beachtlicher Teil der Einnahmen zurück in die Community – an Sexarbeitende, die Kolleg*innen ihre Expertise zur Verfügung stellten.

Die Einnahmen beider Events ließen sich aus Kongress-Tickets, Messe-Eintritt sowie Sponsorengelder addieren und kamen auf 17.795 Euro.

Beinahe ein Viertel des Geldes kam dabei aus der Kasse der Deutschen Aidshilfe, welche drei Workshopleiter*innen, zwei Moderator*innen, sowie einen Zuschuss für die Raum- und Verpflegungskosten finanzierten.

 

Für die großzügige finanzielle Unterstützung von Kongress-Workshops sowie das Sponsoring von Freikarten für prekär arbeitende Kolleg*innen danken wir Autorin Anna Basener, dem Netzwerk Kritische Sexarbeitsforschung, den Erotikportalen berlinintim.de, erotikinsider.com, kaufmich.com, rotlicht.de, escort-advisor.com und escort-galerie.de, dem Serviceprovider zustellanschrift.de sowie der Online Marketing Agentur ImpulsQ.

Rund ein Drittel der Teilnehmer*innen am Kongress nahmen den ermäßigten Preis in Anspruch, ein Teil der Kolleg*innen konnte sich den solidarischen Eintrittpreis leisten. Fast 40% der Teilnehmer*innen konnten als Helfende oder mithilfe der gesponserten Umsonstticket kostenlos den Kongress besuchen.

Wir danken allen Teilnehmer*innen, Besucher*innen Workshopleiter*innen, Aussteller*innen und Mitarbeiter*innen für ihren Einsatz, ihr Interesse und ihr Engagement.

Rund 500 Arbeitsstunden wurden in der Vorbereitung, Organisation und Durchführung von den BesD-Mitarbeiterinnen Charlie Hansen und Tamara Solidor gestemmt.

Ein besonderer Dank gilt auch WAM und seinem großartigen Team, mit der Fläming Kitchen haben sie den Kongress zu einem mehr als solidarischen Preis mit sehr gutem Essen versorgt.

Ein extra Dankeschön geht an die die unermüdlichen Helfer*innen und Unterstützer*innen, unsere Familien, unsere Partner*innen und die vielen BesD-Mitglieder die ehrenamtlich mit angepackt haben. Ohne die viele Unterstützung und gemeinsame Zusammenarbeit wären diese zwei großartigen Events überhaupt nicht möglich gewesen. Wir freuen uns riesig über euer tolles Feedback zu Kongress und Messe – und schmieden natürlich schon Pläne für nächstes Jahr …

TIPP: Auf unserem Facebook-Account unter @Sexarbeit, auf Twitter unter @SexworkID sowie auf der Homepage www.berufsverband-sexarbeit.de bleibt ihr über Aktionen, Veranstaltungen und Sexarbeit in den Medien auf dem Laufenden.

Der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen ist ein Verein von Sexworkern für Sexworker. Wir wollen ein realistisches Bild der Sexarbeit in Deutschland vermitteln und der gesellschaftlichen und rechtlichen Diskrimierung von Menschen in der Sexarbeit entgegenwirken. Nach langer und guter Zusammenarbeit mit unserer bisherigen IT-Expertin, suchen wir ab sofort eine neue Person für dieses wichtige Amt.

Dein Profil:

– Du bist derzeit oder warst schon einmal als Sexarbeiter*in tätig
– Du bist bereits Mitglied beim BesD oder kannst Dich mit den Zielen des Vereins identifizieren
– Erfahrung im IT-Bereich
– Du kannst eigenverantwortlich und selbstständig arbeiten
– Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
– Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift von Vorteil

Deine Aufgaben:

– Ansprechpartner*in für IT-Fragen der Mitglieder und Mitarbeiter*innen
– Betreuung und Wartung unserer Websites (WordPress)
– Betreuung und Verwaltung des Mitgliederforums (MyBB)
– Betreuung und Anlegen von Email-Accounts

Wenn möglich:

– Organisation von regelmäßigen Teamtreffen zur Aktualisierung von Websites
– Bei Bedarf: Umstrukturierung von Forum und Websites

Arbeitszeit:

– nach Bedarf
– völlig freie Zeiteinteilung

Der regelmäßige Zeitaufwand beträgt je nach Aktivität der Mitglieder ca. 4-6 Stunden/Monat für Wartung und Betreuung (Back-Ups, Updates, Fragen beantworten, Forum, etc.). Falls möglich, soll es regelmäßige Webwochenenden geben. Dabei kannst du zusätzlich mit circa 4 Stunden Vorbereitung rechnen. Für Webseitenbau bzw. Umstellungen können mehrmals pro Jahr einige Stunden anfallen.

Die Arbeit kann per Homeoffice bundesweit ausgeübt werden. Teamtreffen können vorzugsweise in Berlin oder Hamburg, aber natürlich auch per Videokonferenz o.ä. stattfinden.

Bezahlung:

Der BesD wird vorwiegend von ehrenamtlich Tätigen am Laufen gehalten, unser Gesamt-Budget hängt daher stark von Förderungen ab. Die  monatliche Aufwandsentschädigung für den beschriebenen IT-Support liegt derzeit bei 100 €.

Formlose Bewerbungen bitte bis 31.08.2019 an Johanna Weber unter johanna@besd-ev.de. Du erreichst uns bei Fragen auch telefonisch unter 0152 – 0461 7464 (Charlie Hansen)

Wie die taz vor wenigen Tagen in dem Artikel „SPD-Frauen wollen Sexkaufverbot“ offenlegte, findet derzeit scheinbar ein Paradigmenwechsel bei einigen Sozialdemokratinnen statt: Während ein SPD-Beschluss aus 2014 noch auf die Gefahren des Nordischen Modells für Sexarbeitende hinwies, spricht sich AsF-Bundesvorsitzende Maria Noichl mittlerweile öffentlich für ein Sexkaufverbot und Freierbestrafung in Deutschland aus. Als Berufsverband für ehemalige und aktive Sexarbeiter*innen lehnen wir jegliche Verschärfung der bereits durch das sogenannte „Prostituiertenschutzgesetz“ vorhandenen Kriminalisierung von Sexarbeiter*innen entschieden ab.

Die Rhetorik von Prostitutionsgegner*innen gaukelt einfache Lösungen für hochkomplexe Probleme vor. In Wirklichkeit verschärft das nordische Modell europaweit die Stigmatisierung und Diskriminierung von Sexarbeiter*innen und macht vor allem den besonders schützenswertesten Personen in der Branche das Leben und die Arbeit schwerer.“ (Johanna Weber, Vorstandsmitglied BesD)

Noichl ist nicht die einzige prominente Sozialdemokratin, die sich gegen die Sexarbeit stark macht. Auch Leni Breymaier – Bundestagsabgeordnete der SPD, Beiratsmitglied der Evangelischen Akademie und Vorstandsmitglied des prostitutionsfeindlichen Verbands SISTERS e.V. – setzt sich massiv für die Einführung der Freierbestrafung in Deutschland ein. Das Nordische Modell wird von angeblichen „Feminist*innen“ bereits seit Jahren und europaweit als Methode zur Verhinderung von sexueller Gewalt und Menschenhandel angepriesen – zu den lautesten Stimmen in Deutschland zählen neben dem bereits erwähnten SISTERS e.V. unter anderem Vereine wie SOLWODI, TERRE DES FEMMES, das Magazin EMMA und Initiativen wie „Stop Sexkauf!“ und „Rotlicht Aus“.

Es gibt keine Belege für eine verbesserte Strafverfolgung von Menschenhandel und Gewalt innerhalb oder außerhalb der Sexarbeitsbranche durch das Nordische Modell. Studien, Evaluationen und Community Reports zeigen vielmehr, dass Verbote und Sondergesetze speziell Sexarbeitende aus ohnehin marginalisierten Gruppen in die Illegalität drängen.

Akademiker*innen, Menschenrechts-Organisationen wie Amnesty International, LGBTI+- Organisationen, Sexworker-Verbände, Organisationen zur Bekämpfung des Menschenhandels sowie Kooperationen der Vereinten Nationen wie WHO und UNAIDS empfehlen seit Jahren die Stärkung der Rechte und des Schutzes von Sexarbeiter*innen. Sie dokumentieren die negativen Auswirkungen einer kriminalisierenden Rechtssprechung auf die Lebens- und Arbeitsqualität von in der Sexarbeit tätigen Menschen. Branchenspezifische Sondergesetze, wie sie in Frankreich, Schweden oder Norwegen zum Einsatz kommen, erhöhen nachweislich die Gefahr von sexueller Gewalt und Ausbeutung. Als effektivstes Instrument gegen Ausbeutung und Menschenhandel wird hingegen die Entkriminalisierung von Sexarbeit genannt.

Nach weiteren Berichte, unter anderem im Tagesspiegel, im Print-Spiegel (hier der Link zum Spiegel+ Artikel) und der taz formiert sich hierzulande unter Oppositionspolitiker*innen, Expert*innen und Sexarbeiter*innen der Widerstand gegen die Pläne aus Teilen der SPD. Cornelia Mehring, frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion bringt die Stimmung auf den Punkt: „Für SexarbeiterInnen wäre die Einführung des nordischen Modells eine Katastrophe“.

Der BesD spricht sich für eine rechtliche Gleichstellung der Sexarbeit mit anderen Berufen und in diesem Zuge die Anwendung der bereits für andere Branchen geltenden Strafgesetze aus – Menschenhandel und (sexuelle) Ausbeutung sind in Deutschland bereits strafbar! Alternative Maßnahmen und Lösungsansätze, die zu einer Stärkung der Rechte von Sexarbeiter*innen führen, würden neben dem dringend wünschenswerten Abbau der Stigmatisierung unserer Berufsgruppe in der Gesellschaft, auch dem langfristigen Schutz vor Straftaten dienen.

Der Berufsverband der SexarbeiterInnen BesD hat den Gerichtsprozess gegen den Großbordell-Betreiber Jürgen Rudloff mit großem Interesse verfolgt. Bereits Ende Februar fiel das Urteil, in dem der 65-jährige unter anderem der Beihilfe zu Zuhälterei, schweren Menschenhandels und Betrugs für schuldig gesprochen wurde.

Das Urteil selbst und die Aussagen des vorsitzenden Richters, dass der Prozess „eine Signalwirkung ins Rotlichtmilieu“ haben könnte, sowie dass „ein sauberes Bordell in dieser Größe (…) nicht vorstellbar“ sei, führen in der Öffentlichkeit derzeit zu einer vermehrten Diskussion über Geschäftsmodelle und Kriminalität in der Branche. Auch GegnerInnen der Sexarbeit untermauern ihre Forderungen nach einem generellen Verbot der Sexarbeit oder weiteren Sondergesetzen für unsere Branche mit solchen öffentlichkeitswirksamen Fällen. Doch Sexarbeit an sich ist nicht das Problem, und selbstverständlich gibt es auch Bordelle verschiedener Größenordnungen mit fairen Arbeitsbedingungen, in denen auch keine Ausbeutung durch Dritte geduldet wird.

Als Interessensvertretung von Sexarbeitenden begrüßt der BesD die Aufdeckung von Gewalt und die damit hoffentlich verbundene Signalwirkung an TäterInnen. Wer von solchen Übergriffen weiss und wegschaut oder sogar davon profitiert, wird zurecht der Beihilfe verurteilt, auch wenn er persönlich nicht gewalttätig geworden ist. Der Berufsverband möchte ein realistisches Bild der Sexarbeit in Deutschland vermitteln und so der Diskrimierung und Kriminalisierung von in der Sexarbeit tätigen Menschen entgegenwirken. Ebenso entschieden, wie wir für die Entkriminalisierung der Sexarbeit und ihre berufliche Anerkennung kämpfen, verurteilen wir jegliche Art von Gewalt, Zwang und Ausbeutung.

Entsprechende Straftaten sind leider – ähnlich wie in Pflegeberufen, im Baugewerbe oder der Landwirtschaft – auch in Teilen der Sexarbeits-Branche ein bekanntes Problem.  Das „Paradise“ wurde wiederholt von verschiedenen Medien unter die Lupe genommen. Die offene Zusammenarbeit der Betreiber mit der Polizei – welcher sie unter anderem die Ausweisdaten aller bei ihnen beschäftigten Sexarbeiterinnen zukommen ließen – wurde medienwirksam zum Teil des Saubermann-Images des Betriebes gemacht.

Der BesD spricht sich für Lösungsansätze und Maßnahmen aus, die allen Betroffenen von Ausbeutung helfen und ein selbstbestimmtes und sichereres Arbeiten für SexarbeiterInnen in Deutschland unterstützen. Die Bekämpfung von Armut, eine Minderung des Wohlstandgefälles, bedarfsorientierte freiwillig aufzusuchende und kompetente – auf Wunsch anonyme – Beratung, sowie eine Stärkung der Rechte für Betroffene, würden die Rahmenbedingungen in der Sexarbeit effektiv verbessern. Außerdem fordern wir eine Stärkung der Selbstorganisation und Selbstvertretung von SexarbeiterInnen.

Branchenspezifische Verbote und Sondergesetze dagegen drängen speziell Sexarbeitende aus ohnehin marginalisierten Gruppen in die Illegalität. Als besonders eklatantes Beispiel lässt sich hier das fehlende, bedingungslose Bleiberecht für illegalisierte Sexarbeitende, die missbräuchliche Verhältnisse melden, nennen. Generell verletzen die derzeit geltenden Sonderregelungen für die Branche das Recht auf freie Berufswahl, verletzen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und zerstören das Vertrauen der von Straftaten betroffenen Sexarbeitenden in die staatlichen Sicherheitsorgane.

Eine rechtliche Gleichstellung der Sexarbeit mit anderen Berufen und in diesem Zuge die Anwendung der bereits für andere Branchen geltenden Strafgesetze, würde neben dem dringend wünschenswerten Abbau der Stigmatisierung unserer Berufsgruppe in der Gesellschaft, auch dem langfristigen Schutz von SexarbeiterInnen vor Straftaten dienen.

Von 15. – 17. August findet der Hurenkongress in Berlin statt – in diesen drei Tage kommen Sexarbeitende aus der ganzen Welt und aus allen Bereichen für Workshops, Vorträge und Netzwerken zusammen. Die Veranstaltung war letztes Jahr ein Riesen-Erfolg, deshalb planen wir dieses Mal eine Wiederholung im größeren Stil. Heißt: Mehr Sexarbeitende sollen eingebunden, mehr Dinge müssen organisiert, und mehr Aufgabenbereiche verteilt werden …

Wir suchen daher eine Allround-Kraft, die uns – in enger Zusammenarbeit mit unser Hauptorganisatorin Charlie – bei der Organisation des Hurenkongress 2019 tatkräftig unterstützen will. 

Arbeitszeit:

  • Die Stelle ist von April oder Mai bis September 2019 befristet, Weiterbeschäftigung nicht ausgeschlossen
  • 10 Stunden/Woche, die flexibel gestaltet werden können

Arbeitsort:

  • Bevorzugt Berlin, ein Großteil der Arbeit kann aber per Homeoffice bundesweit ausgeübt werden
  • Zum Veranstaltungstermin 15.-17. 08. ist die Anwesenheit vor Ort notwendig

Gehalt:

  • 700 Euro brutto / Monat
  • Alternativ nach Absprache als freie Honorarkraft

Aufgaben:

  • Organisation und Betreuung des Anmeldeverfahrens (u.a. Abrechnung Tickets, Betreuung Buchungssystem, Versand von Infomaterial)
  • Koordination der Unterbringung von Teilnehmer*innen
  • Vollständige Übernahme der Organisation des Messe-Tags (17. August)
  • weitere Aufgaben in Absprache

Anforderungen:

  • Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
  • Ausreichend sichere PC-Kenntnisse
  • Teamfähigkeit – neben den eigenständigen Aufgabenbereichen arbeitest du im Team mit freiwilligen Helfern und unserer Hauptorganisatorin
  • Eigenverantwortliche und selbstständige Arbeitsweise
  • Flexibilität und Koordinationsfähigkeit
  • Hohes Maß an Zuverlässigkeit
  • Englischkenntnisse in Wort und Schrift sind von Vorteil
  • Erfahrung mit (Event-) Organisation oder anderen „Allround-Jobs” sind von Vorteil

Formlose Bewerbungen bitte bis 15.03.19 an Johanna Weber – johanna@besd-ev.de
Fragen an kongress@besd-ev.de oder telefonisch 0152 – 0461 7464 (Charlie Hansen)

Wo: Berlin, 15. August 2019
Deadline: 20. Mai 2019
Kontakt: workshop@hurenkongress.de

Du bist oder warst in der Sexarbeit tätig und hast Lust, dein Wissen mit interessierten Kolleg*innen zu teilen? Dann ist der diesjährige Kongress die perfekte Gelegenheit, um aktiv die Vernetzung, Solidarisierung und den praktischen Wissensaustausch in unserer Branche zu stärken. Im Rahmen von jeweils ungefähr 1,5 – 2 Stunden langen Workshops wollen wir Tricks, Tipps und Skills aller Art untereinander teilen.

Welche Art von Workshops stellt ihr euch vor?

Du …
… hast bereits wertvolle Erfahrung in verschiedenen Branchensegmenten gesammelt?
… bist nach Jahren der Selbstständigkeit ein*e Meister*in Sachen steuerliche Absetzung?
… hast gute Tipps für die Verhandlung mit knallhartem Laufhaus-Management?
… hast dir Gedanken gemacht, wie du langfristig gesund in der Branche arbeitest?
… bringst Kindererziehung und die Arbeit im BDSM-Studio unter einen Hut?
… hast dir schon Gedanken über deine Absicherung und Finanzierung im Alter gemacht?
… weißt genau, wie du deine Werbetexte auf dein Zielpublikum ausrichten kannst?
… hast Erfahrungen zum Thema Outing in Freundeskreis, Familie oder Partnerschaft?
… hast Strategien, wie man aus Neu-Kund*innen Stammgäste macht?
… kennst dich mit bestimmten erotischen Techniken besonders gut aus?

Unsere Branche ist so vielseitig und umfasst so viele verschiedene Arbeitsorte und Arbeitsweisen, dass es auch viele verschiedene Probleme, Lösungsansätze, Strategien und Denkweisen gibt. Entsprechend bunt dürfen auch unsere Workshops sein!

Welchen Mehrwert bieten die Workshops?

Viele Kolleg*innen können von DEINEN Erfahrungen profitieren und sich innerhalb kurzer Zeit wertvolles Wissen aneignen, das ihnen in dieser Form nirgendwo sonst zur Verfügung steht. Sich zu Neuem inspirieren lassen. Einfach etwas Interessantes dazulernen. Oder vielleicht bestimmte teure oder schmerzhafte Fehler selbst vermeiden. Und natürlich bietet ein Workshop auch wieder eine der wichtigsten Gelegenheiten: Um miteinander ins Gespräch zu kommen und sich mit anderen Sexarbeiter*innen zu vernetzen.

Wie sieht es mit Bezahlung aus?

Insbesondere für Workshops mit Bezug zum Thema Gesundheit, haben wir dank der Unterstützung der Deutschen AIDS-Hilfe die Möglichkeit, euch ca. 220 Euro Honorar + freien Eintritt für die anderen beiden Tage. (evtl. sind Fahrtkosten bis 110 Euro möglich).

Gut, ich bin dabei – und jetzt?

Wir sind offen für deine Ideen und freuen uns über jede*n motivierte*n Workshop-Leiter*in! Schick uns einfach bis spätestens 20.05.2019 eine Nachricht mit einer kurzen Beschreibung deiner Workshop-Idee an workshop@hurenkongress.de und wir setzen uns mit dir für die weitere Planung in Verbindung.