Durch die Corona-Krise ist deutlich geworden, dass Sexarbeit in Deutschland noch weit von einer breiten gesellschaftlichen und politischen Anerkennung entfernt ist. Nach beinahe 6 Monaten Arbeitsverbot, bleibt trotz Lockerungen ein bitterer Nachgeschmack von Ausgrenzung und Diskriminierung. Einige Bundesländer bestehen nach wie vor auf ein mit Corona begründetes Verbot. Gerade jetzt dürfen wir nicht müde werden, für die Rechte von Sexarbeitenden und die Anerkennung von Sexarbeit zu kämpfen.

Aktion 1: Mahnwache vor dem Tagungsort des „Bündnis Nordisches Modell“
Beginn: 26. September; 11:00 Uhr
Ort: Langer Grabenweg 68, 53175 Bonn (vor Gustav Stresemann Institut)

Bereits im Mai versuchte eine kleine Gruppe aus Bundestagsabgeordneten auf dem Rücken der Corona-Maßnahmen ein dauerhaftes Sexkaufverbot zu forcieren. Wie so oft wurden die Stimmen von Sexarbeitenden dazu ignoriert oder gar nicht erst gehört. (—> siehe Stellungnahme)

Dieses Wochenende trifft sich das „Bündnis Nordisches Modell“ im GSI – der Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung von Prostitutionsgegner*innen, die gemeinsam auf „ein Umdenken in der deutschen Prostitutionspolitik“ hinwirken und „eine Welt ohne Prostitution“ durchsetzen wollen. Unter anderem nehmen mit Leni Breymaier und Elisabeth Winkelmeier-Becker zwei Mitglieder des deutschen Bundestags, die Vorständin von Terre des Femmes sowie die EMMA-Chefredakteurin Alice Schwarzer an der Veranstaltung teil.

Mit einer schweigenden Mahnwache und der Projektion von Videostatements von Sexarbeitenden protestieren wir gegen diese sexarbeitsfeindliche Veranstaltung, in der Nicht-Prostituierte sich über unsere Köpfe hinweg über unser Leben, unsere Arbeit und unsere Existenz zu entscheiden anmaßen.

–> Hier ist der persönliche Brief einer Sexarbeiterin an dass Gustav Stresemann Institut bezüglich der Veranstaltung zu lesen.

Aktion 2: Versammlung am Straßenstrich in der „Immenburg“
Beginn: 26. September; 14:00 Uhr
Ort: Ecke Immenburg Straße / Jonas-Cahn-Straße, 53121 Bonn

Neben einigen Redebeiträgen machen wir gemeinsam mit Mitarbeitenden von Beratungsstellen für Sexarbeitende und der Deutschen AIDS-Hilfe auf die Gefahren eines Sexkaufverbots aufmerksam.
Einzelne Statements aus verschiedenen Bereichen werden wir nach Form einer buddhistischen Gebetsflagge aufhängen und für Umstehende sichtbar machen.

Wir thematisieren die Arbeitsrealität, Bedürfnisse und Rechte von Sexarbeitenden – ob im Laufhaus oder auf dem Straßenstrich. Für Pressegespräche und Foto-Gelegenheiten stehen wir sowohl abseits der Mahnwache als auch bei der anschließenden Versammlung am Straßenstrich gerne zur Verfügung – bitte wenden Sie sich bei Fragen an unseren Presse-Ansprechpartner:

Andre Nolte 
+49 (0) 30 61 65 27 57
presse@besd-ev.de

Sex Worker Pride – ein Tag um die Erfolge von Sexarbeiter*Innen und die Errungenschaften von Sexworker-Organisationen zu feiern!

  • Mehr Diversität: Seit Anfang dieses Jahres ist der BesD so breit und stark aufgestellt wie noch nie. Der Vorstand wurde von drei auf fünf Personen aufgestockt, unter anderem mit der ehemaligen Sexarbeiterin Susanne Bleier-Wilp und der Straßensexarbeiterin Nicole Schulze. Die Mitglieder im BesD – alles aktive oder ehemalige Sexarbeitende –  haben unterschiedlichste Hintergründe, sexuelle Identitäten, Arbeitsbereiche und Kund*Innen.
  • Mehr Mitglieder: Seit Monaten können wir uns über wachsende Mitgliederzahlen freuen – mit mittlerweile über 500 Mitgliedern bildet der 2013 gegründete BesD e.V. den größten Sexworkerverbund seiner Art in Europa.
  • Krisenmanagement: Seit Mitte März waren Prostitutionseinrichtungen in Deutschland wegen der Corona-Pandemie geschlossen und alle Formen der Prostitution verboten. Wir haben tonnenweise Arbeit investiert, um unsere politische Arbeit, unser Engagement bei den Behörden, unsere Zusammenarbeit mit Verbündeten und Beratungsstellen und unsere Kommunikation nach außen zu intensivieren. Einen kleinen Eindruck dieser Arbeit bieten unsere Stellungnahmen und Pressemeldungen sowie ein Blick in den diesjährigen Medienspiegel.
  • Professionalisierung: Wir haben unsere Presseabteilung neu organisiert und breiter aufgefächert um noch besser Öffentlichkeitsarbeit leisten zu können.  Wir haben den Informationswert und die Benutzerfreundlichkeit unserer Website verbessert und viele Zoom-Veranstaltungen in unsere Arbeit integriert – von der Spendensammlung über Informationsveranstaltungen für die Öffentlichkeit bis hin zur Organisation und Bereitstellung von Kommunikations-Orten.
  • Informationsquelle: Von Beginn der Pandemie bis Mitte April aktualisierten wir täglich unseren Artikel „Corona-Virus: Das sollten Sexarbeiter*Innen (und alle Anderen) jetzt beachten“ und haben damit die deutschlandweit erste Information zu Sexarbeit und Corona zur Verfügung gestellt. Unsere Informationen wurden  international von Sexarbeiter*Innen und Organisationen geteilt und übersetzt.
  • Hilfe und Unterstützung: Nach wie vor dokumentieren wir die verschiedenen Regelungen in den Bundesländern und bieten weiterhin Hilfe, Unterstützung und Informationen für Sexarbeiter*Innen an.  Wir haben den ersten Corona-Nothilfe Fonds für Sexarbeiter*Innen in Deutschland initiiert und organisiert, der sich speziell an Sexarbeiter*Innen richtet, die von staatlichen Hilfen ausgeschlossen sind. Es gelang uns, viele Spenden zu sammeln, und mit Hilfe eines Großspenders konnten wir 126.000 Euro an 400 Sexarbeiter*Innenin akuten Notlagen geben, bis das Geld im Juli alle war.
  • Lobby: Wir haben erfolgreich dafür gekämpft, dass das Übernachtungsverbot in Prostitutionsstätten für die Corona-Zeit aufgehoben wurde. Wir haben uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass die drakonischen Bußgelder für Verstöße gegen die Corona-Verordnung seitens Sexarbeiter*Innen drastisch gesenkt wurden. Zusammen mit Expert*Innen aus dem Gesundheitssektor erarbeiteten wir bereits im Mai ein Hygienekonzept, das detailliert aufzeigt, wie Sexarbeit während der Pandemie möglich ist. Wir setzen uns aktiv für die Wiederzulassung der Sexarbeit in allen Bundesländern ein und machen uns gegen ein Sexkaufverbot stark.
  • Social Media: Wir haben seit dem Internationalen Hurentag den Hashtag #RotlichtAN ins Leben gerufen – um gegen das schwedische Modell zu kämpfen und gegen das anhaltende Verbot von Sexarbeit zu protestieren.
  • Demos: Unsere Mitglieder haben Demonstrationen von Sexarbeiter*Innen und Verbündeten in mehreren Großstädten in Deutschland (Hamburg, Berlin, Köln, Stuttgart, Düsseldorf) organisiert, die in der Presse und in der Öffentlichkeit eine Menge Aufsehen erregten und aller Wahrscheinlichkeit nach dazu beigetragen haben, das Verbot von Sexarbeit endlich zu lockern.
  • Fortbildung: Wir haben die BesD-Workshops gestartet, wo Sexworker mit anderen Sexworkern online und sicher ihr Wissen teilen können.

Auch nach den teilweisen Lockerungen kämpfen wir weiter gegen die Diskriminierung von Sexarbeitenden und gegen kriminalisierende Gesetze.

Ein großes DANKESCHÖN an unsere Mitglieder und an unsere Verbündeten – für die unermüdliche und oft so anstrengende Arbeit im Kampf für die Rechte von Sexarbeitenden.

Gestern hat die rheinland-pfälzische Landesregierung eine aktualisierte Corona-Verordnung verabschiedet. Im §4 findet sich eine mittlerweile sehr kurze Liste der Tätigkeitsbereiche, deren Ausübung immer noch untersagt sind.*

1. Clubs, Diskotheken und ähnliche Einrichtungen,
2. Kirmes, Volksfesten und ähnliche Einrichtungen,
3. Prostitutionsgewerbe

Was soll man dazu noch sagen?

Jeder der sich mit den Arbeitsabläufen und dem Alltag in der Sexarbeit eine wenig beschäftigt hat, kann nur mit dem Kopf schütteln, bei der Betrachtung dieser Aufzählung.

Infektionsschutz ist wichtig, aber dieser muss auch sinnvoll sein. Mir geht es um den Versuch einer sachlichen Betrachtung.

Bei den ersten beiden aufgelisteten Punkten handelt es sich um Veranstaltungen, bei denen üblicherweise viele verschiedenen Menschen auf einem Haufen zusammentreffen. Gerade die Gesellschaft mit den anderen Menschen ist ja ein Kern dieser Events. Ob man diese Veranstaltungen vielleicht auch in irgendeiner Art coronasicher durchführen könnte, lassen wir hier jetzt mal außen vor.

Bezogen auf die Sexarbeitsbranche macht der Topf, in den wir da geworfen werden, keinen Sinn.

Bis auf wenige Ausnahmen findet bei der Sexarbeit immer 1 zu 1 Kontakt statt. Die Kunden sind peinlich darum bemüht, dass sie niemanden außer ihrer Erotikpartnerin im Bordell-Flur oder sonstwo treffen. Diskretion wird selbst in provinziellen Kleinstadtbordellen groß geschrieben. Wie viele mögliche Coronaüberträger trifft der Kunde in einem Bordell?

Eigentlich nur eine Person, denn wie in anderen Bundesländern schon erprobt, könnte auch in Rheinland-Pfalz ausschließlich auf Termin gearbeitet werden. Somit holt die Sexarbeiterin ihren Kunden direkt an der Tür ab, und dieser hat keinerlei Kontakt zu anderen Besuchern oder anderen Sexarbeitenden.
Außerdem findet alles mit Mund-Nasenbedeckung statt. Dies funktioniert in anderen Bundesländern problemlos. Dass nach jedem Kunden die Zimmer, Flure und Sanitärbereiche penibel gereinigt und desininfiziert werden, muss anscheinend immer wieder erwähnt werden. Wie sonst würde alleine die Existenz eines Bordells Panikattacken bei Virologen auslösen.

Eine weitere sehr hartnäckige Fehleinschätzung ist, dass jede Sexarbeiterin täglich eine Unmenge an Kunden hat. Dem ist leider nicht so.

Auf die Frage, was sich Sexarbeitende wünschen würden zu Verbesserung ihrer Arbeit, sagen fast alle: „Mehr Kunden“.

Die durchschnittliche Sexarbeiterin in einem durchschnittlichen Wohnungsbordell oder in einer durchschnittlichen Terminwohnung hat im Schnitt 2-3 Kunden pro Tag – eher weniger. Exakt die eben genannten Arbeitsplätze sind das vorherrschende Arbeitsmodell für erotische Dienstleistungen in Rheinland-Pfalz. Es gibt dort keine Massen an Saunaclubs, keine Reeperbahn, keine Großbordelle, keinen vermeintlich ausufernden Drogenstrich. Nein, in der Prostitutionslandschaft von Deutschland besetzt Rheinland-Pfalz eher einen sehr unbedeutenden Platz.

Um so verwunderlicher ist, dass ausgerechnet dieses Bundesland sich so standhaft weigert. Zumal Rheinland-Pfalz das erste Bundesland war, welches nach dem Shutdown die Sexarbeit wieder erlauben wollte. Vor gefühlter Ewigkeit wurde dort eine Gerichtsklage verloren, und das Land sah sich verpflichtet, die Sexarbeit wieder zuzulassen. Daraus wurde dann allerdings nichts. Die Landespolitker befürchteten alles Mögliche, allem voran Sextourismus aus den anderen Bundesländern. Letzterer Punkt ist nun definitiv hinfällig.

Fast alle anderen Bundesländer machen inzwischen vor, dass es geht.

Hygienekonzepte könnten von dort übernommen werden, und vermeintlicher Sextourismus ist auch nicht mehr zu befürchten, denn in den meisten Nachbarländern ist die Sexarbeit schon wieder zugelassen.

In Berlin und Bayern wird schon seit über einem Monat wieder in Bordellen und ähnlichen Einrichtungen gearbeitet. Es gibt sehr strenge und branchenangepaßte Hygienekonzepte, die eingehalten werden. Die pauschale Annahme, dies würde in der Erotikbranche nicht funktionieren, ist somit widerlegt. Auch gibt es in den besagten Bundesländern keinen Hinweis auf steigende Coronazahlen ausgelöst durch Prostitutionsstätten.

Interessanterweise ist in Rheinland-Pfalz die Sexarbeit ja nicht komplett untersagt. Haus- und Hotelbesuche sind erlaubt. Selbige Handlungen in einer gewerberechtlich zugelassenen, mit Hygienekonzepten und Notrufanlagen ausgestatteten Prostitutionsstätte zu tun, ist verboten.

Ganz anders das Bundesland Hamburg. Dort argumentierte die Sozialbehörde, dass es ganz wichtig sei die Prostituonsstätten wieder zu öffnen, denn in den Bordellen ließen sich die Hygieneregeln viel besser umsetzen und kontrollieren.

In diesem Sinne, fordern wir als Berufsverband das Bundesland Rheinland-Pfalz auf, zum nächst möglichen Termin, auch die Arbeit in Prostitutionsstätten wieder zuzulassen.

Natürlich mit Hygienekonzept.

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VERWEISE
* https://corona.rlp.de/fileadmin/msagd/Ge…oBeLVO.pdf

KONTAKT
Johanna Weber:
johanna@besd-ev.de
0151 – 1751 9771

PRESSE
SWR Aktuell – Bordelle bleiben geschlossen – Kritik von Betreibern
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/bordelle-rheinland-pfalz-100.html

Nach unzähligen Demonstrationen und Protesten von Sexarbeitenden ist es diese Woche endlich zu Lockerungen für die Branche gekommen.

Die Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen haben entschieden, dass Prostitutionsstätten wieder öffnen dürfen. Gegen den Widerstand der Entscheidungsträger*Innen musste in NRW erst das Oberverwaltungsgericht durchsetzen, dass die Untersagung von sexuellen Dienstleistungen „gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ verstoße und „keine notwendige Schutzmaßnahme“ sei. Der Norden beschloß, dass Sexarbeit in Hamburg, Schlewsigholstein und Bremen ab 15. September wieder erlaubt sein soll.

Trotz nachvollziehbarer Erleichterung nach beinahe 6 Monaten Arbeitsverbot, bleibt bei Sexarbeitenden ein bitterer Nachgeschmack. Durch die Corona-Krise ist erneut sehr deutlich geworden, dass Sexarbeit in Deutschland noch weit von einer breiten gesellschaftlichen und politischen Anerkennung entfernt ist.

Es bestehen enorme Vorurteile gegenüber, und ein mangelnder politischer Wille zur Verteidigung der Rechte von Menschen in der Sexarbeit, das zeigt nicht zuletzt die eklatante Ungleichbehandlung in der Krise im Vergleich zu anderen Branchen. Zudem gibt es hierzulande wieder stark zunehmende Debatten über ein generelles Verbot der Sexarbeit. Der Berufsverband lehnt ein solches entschieden ab und unterstützt den am 08.09. in NRW von FDP und CDU gestellten Antrag gegen das Schwedische Modell.

Komplexe Sachverhalte werden von Befürworter*Innen des Sexkaufverbotes undifferenziert in den Topf der „Zwangsprostitution“ geworfen.

Völlig egal, ob es sich um die Bekämpfung von Straftaten wie Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung und Freiheitsentzug handelt, um die systemische Ungerechtigkeit gegenüber marginalisierten Sexarbeitenden in Deutschland, um die fehlende juristische Handhabe bei komplexeren Formen der Ausbeutung (Stichwort: Loverboys), oder um Sexarbeitende, die schlicht ihr Recht verteidigen, der von ihnen gewählten Arbeit nachgehen zu dürfen. Sexarbeitsgegner*Innen versuchen die unterschiedlichen Bereiche der Branche gegeneinander auszuspielen, spielen Moralpolizei und leugnen die Agency und Konsensfähigkeit von Sexarbeiter*Innen.

All dies zeigt: Wir Sexarbeitenden brauchen eine starke Vertretung. Die gegenseitige Unterstützung und Vernetzung unter Sexarbeiter*Innen, sowie der Ausbau und die Finanzierung von akzeptierenden Beratungsstellen sind wichtiger denn je.

Der BesD ist die bisher größte derartige Organisation in Europa und 100% organisiert und geleitet von Sexarbeitenden. Alle, die selbst als Sexarbeiter*Innen arbeiten oder gearbeitet haben, können Mitglied im Berufsverband werden. Anonym und kostenlos –  im Rahmen einer einjährigen und unverbindlichen Schnuppermitgliedschaft.

Spätestens seit Corona ist klar: Wenn wir als Sexarbeitende nicht aktiv um unsere Rechte kämpfen, tut es sonst niemand.

Bereits ein halbes Jahr herrscht in den meisten deutschen Bundesländern ein striktes Berufsverbot für Sexarbeiter*Innen. Während zögerlich die ersten Lockerungen eingeführt wurden, stellt sich dem Großteil der Menschen in der Sexarbeit langsam die Frage, ob sie überhaupt noch Arbeitsplätze haben werden, an die sie zurückkehren können.

Das von Moralist*Innen und Sexarbeitsgegner*Innen forciert andauernde Verbot von Sexarbeit zeigt sich nun in aller Klarheit als systematisches Ausbluten lassen einer ganzen Branche.

Insbesondere kleine und mittelgroße Betriebe werden durch das Corona-bedingte Berufsverbot irreperabel geschädigt. Gerade Etablissments, die von ehemaligen oder selbst aktiven Sexarbeitenden geführt werden, sind aufgrund oft fairer Arbeitsbedingungen und familiärer Atmosphäre als Arbeitsplätze beliebt. Diese Betreiber*Innen werden in den Ruin getrieben; dort arbeitende Sexarbeiter*Innen sind auf sich allein gestellt und müssen größere Risiken, geringeren Schutz und ungewohnte Arbeitsweisen in Kauf nehmen.

Auch die sogenannten „Mega-Bordelle“, die großen Arbeitgeber der Branche, sind an ihrem finanziellen Limit angelangt.

Das „Babylon“, Hamburgs größtes Bordell, musste aufgrund der fehlenden Einnahmen bereits Anfang August dicht machen. Jetzt gibt auch Europas größtes Bordell auf – das bekannte „Pascha“ in Köln gibt an, innerhalb der nächsten Monate Insolvenz anmelden zu müssen, die fehlende verlässliche Öffnungsperspektive mache eine Planung unmöglich.

Für die rund 100 Sexarbeitenden, die normalerweise im „Pascha“ arbeiten, fallen die Sicherheitsvorkehrungen innerhalb des Bordells, die gewohnten Arbeits-Abläufe, der Austausch mit Kolleg*Innen sowie eine nach Hygiene-Vorschriften geregelte Umgebung weg.

So wie alle anderen Sexarbeitenden, deren Arbeitsplätze geschlossen sind, sind sie gezwungen, jetzt aus ihren privaten Wohnungen heraus oder in den Wohnungen von Kunden zu arbeiten:

Ohne Hygiene-Konzept, ohne Schutzsysteme, ohne Rückhalt und – aufgrund der derzeitigen Illegalität ihrer Arbeit – ohne im Fall von Erpressung oder Gewalt Schutz vom Staat in Anspruch nehmen zu können.

Die Diskriminierung und Diffamierung von Sexarbeiter*Innen im Rahmen der Corona-Krise führt also nicht „nur“ dazu, dass eine ganze Branche pleite geht – sie pervertiert darüber hinaus auch jeglichen Schutzgedanken sowie das Prinzip der Gleichbehandlung.


Ihr Ansprechpartner:
Andre Nolte | Leiter Presseabteilung
+49 15 777 555 040
presse@besd-ev.de

–> Kontaktformular Presseanfragen

Einladung zur Kundgebung am Donnerstag, 27.08.2020 in Düsseldorf

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Donnerstag, den 27. August 2020, wollen wir Ihnen demonstrieren, wie Sexarbeit in der Corona-Krise ausgeübt werden kann, zudem teilen wir unsere Forderungen an die Regierung mit.
Dafür kommen wir ab 11 Uhr zu Ihnen, nach Düsseldorf auf die Landtagswiese. (Anbei finden Sie einen Ablaufplan)

Für Gespräche und Rückfragen stehen bei der Kundgebung unter anderem zur Verfügung:

Veranstalterinnen:

Nadine Kopp alias Bibi Drall, reisende Rubens-Sexarbeiterin

Nicole Schulze, Straßen-Sexarbeiterin

Stephanie Klee, Sexualassistentin/  BSD e.V.

Harriet Langanke, GSSG Stiftung, Fachjournalistin sexuelle Gesundheit/ Sexualwissenschaften, 

Madame Kali, Hexengeige

und viele andere.

Wir würden uns sehr freuen wenn Sie sich einen persönlichen Eindruck machen.

Mit freundlichem Gruß

Nicole Schulze (Mobil 0157-83518081 / E-Mail nicole@besd-ev.de)
Nadine Kopp (Mobil 0174-1033684 / E-Mail Nadine.kopp.db@gmail.com)

Ablauf der Düsseldorfer Kundgebung (unter Vorbehalt)

10:00 bis 11:00 Uhr Aufbau

11:15 Uhr Beginn der Kundgebung mit Einführungsredebeitrag (Warum, Wieso, Weshalb) 

11:30 Uhr Pressekonferenz

12:30 Uhr Vorführung/ Demonstration, wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht (unter Corona-Bedingungen, mit dem Hygienekonzept)

12:45 Uhr Redebeitrag 

13:00 Uhr Aufstellung aller mit roten Schirmen und Kundgebung unserer Forderungen, Fragerunde

14 Uhr  Vorführung/ Demonstration, wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht ( unter Corona-Bedingungen, mit Hygienekonzept)

14:15 Uhr Redebeitrag 

15:00 Uhr Geigenspiel

15:15 Vorführung/ Demonstration, wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht (unter Corona-Bedingungen, mit Hygienekonzept)

15:30 Uhr Redebeitrag 

15:45 Uhr Vorführung/ Demonstration wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht (unter Corona-Bedingungen, mit Hygienekonzept)

16:00 Uhr Austauschrunde

17:00 Uhr bis 18:00 Uhr langsamer Abbau und Beendigung der Kundgebung

Der BesD unterstützt diese Veranstaltung.

Hier die Facebook-Veranstaltung

 

Termin: 06.08.2020
Uhrzeit öffentliche Demo: ab 16:00 Uhr
Ort: Wilhelmsplatz, 70182 Stuttgart


Details:

  • Uhrzeit Pressekonferenz: 14 Uhr
    Ort Pressekonferenz: Table-Dance-Club Messalina | Leonhardstraße 7, 70182 Stuttgart
    Anmeldung bei Organisatorin Daria: daria@miss-daria.de
  • Uhrzeit Laufhausführung: 15 Uhr + 15:30 Uhr
    Ort: Laufhaus City-Eros Center | Leonhardstraße 7, 70182 Stuttgart
    Zur Einhaltung der Corona-Regelungen verpflichtende Anmeldung bei Organisatorin Alraune: 0151-59447074
  • Uhrzeit Kundgebung: ab 16:00 Uhr
    Ort: Wilhelmsplatz, 70182 Stuttgart

Während es in  wenigen Städten und Bundesländern kleinere „Lichtblicke“ für Sexarbeiter*Innen und Betreiber*Innen zu geben scheint, wurde die Situation in Stuttgart im Gegenteil noch einmal verschärft: Seit dem 19. Juli hat die Stadt ein Komplett-Verbot der Prostitution ausgerufen.

Selbstständige Prostitution als „Lücke im Infektionsschutzgesetz“ verboten

Mit der neuen Allgemeinverfügung (–> siehe hier) schließe man „eine Lücke im Infektionsschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg“. Während sich die Verordnung des Landes „nur“ auf Prostitution in Gewerberäumen bezieht, gilt das neue Verbot in Stuttgart auch für Sexarbeiter*Innen die selbstständig und allein tätig sind. Verstöße von Sexarbeiter*Innen und Kund*Innen werden mit 350 Euro bestraft.

Keine wirksamen finanziellen Hilfen für die Betroffenen

Das Gros der Sexarbeitenden ist selbstständig tätig und hat keine finanziellen Rücklagen für einen derart langen Total-Verdienstausfall – bereits seit 4 Monaten sind unsere Arbeitsplätze geschlossen! Sexarbeiter*Innen und ihren Kund*Innen werden im Gegensatz zu bspw. Massagestudios oder Tattoostudios die Einhaltung von Hygienekonzepten nicht zugetraut – wirksame finanzielle Hilfen für die vielen Menschen, die bereits in Not geraten sind, gibt es auch nicht.

Demonstrationen in den deutschen Großstädten gehen weiter

In Hamburg und Berlin fanden bereits große Demos statt. Heute Abend geht es auf der Reeperbahn in die zweite Runde, Donnerstags wehren sich Sexarbeiter*Innen in Köln  gegen das unverhältnismäßig andauernde Berufsverbot. Am 6. August fordern auch Sexarbeiter*Innen in Stuttgart die umgehende Legalisierung der Wiederaufnahme ihrer Arbeit. Unzählige Sexarbeitende aus ganz Deutschland sowie Betreiber*Innen von Prostitutionsstätten haben sich den deutschlandweiten Protesten angeschlossen.


Kontaktpersonen:

Pressekonferenz: Miss Daria -> daria@miss-daria.de

Laufhausführung: Alraune -> 0151-59447074

Politik&Presse allgemein: Johanna Weber -> 0151-1751 9771 oder johanna@besd-ev.de

29.Juli | 16:50 – 19:00 Uhr | Bahnhofsvorplatz-Domseite, 50667 Köln

Trotz Corona-Lockerungen für andere Branchen bleiben Prostitutionsstätten deutschlandweit geschlossen. Während Nachbarländer wie die Schweiz, Belgien, Österreich, Tschechien und die Niederlande Sexarbeit bereits insgesamt wieder erlaubt haben, bietet die hiesige Politik keine Perspektiven für die Wiedereröffnung von Prostitutionsstätten und beraubt damit den Großteil der Sexarbeitenden ihrer Arbeitsplätze.

Nach lautstarken Protesten in Berlin und Hamburg fordern Sexarbeiter*Innen, Betreiber*innen, Fachberatungsstellen sowie der Berufsverband für Sexarbeiter*innen (BesD e.V.) und der Bundesverband für Betreiber*innen (BSD e.V.) nun auch in Köln ein Ende des Berufsverbot.


ABLAUF DEMO

  • ab 14:00 Uhr | Orga-Treffen
  • 16:50 Uhr | Aufstellung auf Dom-Treppe – Fotomöglichkeit
  • 17:00 Uhr | Beginn der Kundgebung
  • 17:05 Uhr | Geigenspiel von Sexarbeiterin und Musikerin Madame Kali
  • 17:15 Uhr | Redebeitrag Nicole Schulze (Sexarbeiterin im Bereich Straßenstrich, Vorständin des BesD e.V.) und Nadine Kopp (Sexarbeiterin)
  • 17:25 Uhr | Redebeitrag Johanna Weber (Sexarbeiterin im Bereich BDSM, Betreiberin, Vorständin und politische Sprecherin des BesD e.V.)
  • 17:30 Uhr | Redebeitrag Stephanie Klee (Sexarbeiterin im Bereich Sexualassistenz, Sprecherin des BSD e.V.)
  • 17:35 Uhr | Redebeitrag Harriet Langanke (Sexualwissenschaftlerin, Geschäftsführerin der Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit)
  • 17:40 Uhr | Redebeitrag Lou (Sexarbeiterin)
  • 17:45 Uhr | Zeit für Interviews und Bürger-, Pressegespräche
  • 19:00 Uhr | Auflösung der Demo

ANMELDUNG FÜR PRESSE UND NACHFRAGEN ZUR TEILNAHME

  • Nicole Schulze, Vorständin BesD e.V. | nicole@besd-ev.de
  • Nadine Kopp | Nadine.kopp.db@gmail.com

Termin: 28.07.2020
Uhrzeit: 22:00 Uhr
Ort: Herbertstraße | Ecke Davidstraße


Nach der aufsehenserregenden Demo am 11. Juli,  wo rund 500 Menschen und Sexarbeiter*Innen aus ganz Deutschland für die Wiedereröffnung der Bordelle auf die Straße gingen, geht es Dienstag Abend mit Furore weiter.

Sexarbeiter*innen seit 4 Monaten arbeitslos

Die Sexarbeiter*Innen, die sich unter der Fahne „Sexy Aufstand Reeperbahn“ zusammengeschlossen haben, fordern die sofortige Legalisierung der Wiederaufnahme ihrer Arbeit und die Öffnung ihrer Arbeitsplätze.

Vertreter*Innen aus Sexarbeit, Gastronomie und Politik vor Ort

Sexarbeiter*Innen stellen sich den Fragen der Medien, Anrainer und Gastronomen berichten von der Lage vor Ort und stehen ebenfalls für Interviews zur Verfügung. Neben Politiker*Innen aus mehreren Parteien werden Vertreter*Innen der Interessengemeinschaft St. Pauli und der Hamburgischen Bürgerschaft vor Ort sein.

Aus der Meldung von www.sexy-aufstand-reeperbahn.de:

Wir „sexy Aufstand Reeperbahn“ laden euch recht herzlich zu unserer Demonstration „ Herr Tschentscher, wir müssen reden. Im Sinne der Pandemie Bekämpfung! Lieber Legal und kontrolliert- als Illegal und unkontrolliert!“ in die Davidstraße/ Ecke Herbertstraße in Hamburg am 28.07.2020 um 22 Uhr ein. Es lohnt sich, pünktlich zu sein.

Dieses Mal wird eine Ansprache von der IG St. Pauli gehalten und von Vertretern der Hamburgischen Bürgerschaft. Unter anderem kommen Politiker von der SPD und Grünen, die sich natürlich auch zu spontanen Interviews bereitstellen. Unsere 2. Bürgermeisterin, Frau Fegebank, ist auch eingeladen, ob sie kommt? Es bleibt spannend …

Auswirkungen des Arbeitsverbots auf den Kiez

Des Weiteren stellen sich Frauen für Interviews bereit, die über Schicksale berichten und viel zu der heutigen Situation sagen können.
Es sind auch Gastronom vor Ort, die berichten, wie Prostitution und Gastronomie auf St. Pauli zusammenhängen und was für Auswirkungen die Pandemie und unser Arbeitsverbot auf dem Kiez mit sich bringt.

Es wird eine spektakuläre Demonstration, die man so noch nie gesehen hat! Wir freuen uns auf euer Kommen!

Anfang März 2020 gründete der Berufsverband den BesD Nothilfe Fond, um die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise auf Sexarbeitende ein wenig zu mildern. Die deutschlandweite Schließung aller Prostitutionsstätten, Arbeitsverbote, der Rückgang der Nachfrage und ein steigendes Risiko der Arbeitsausübung stürzten auf einen Schlag eine ganze Branche in die Krise. Ein großer Anteil an Sexarbeiter*Innen hat gleichzeitig keinen Zugriff auf staatliche oder andere finanzielle Hilfsangebote.

Die gute Nachricht – Die viele Arbeit hat sich gelohnt

Wir danken von ganzem Herzen allen Spender*Innen – ihr habt es ermöglicht! Dank eurer Spenden konnten wir rund 126.000 Euro an knapp 400 Sexarbeiter*Innen in akuten Notsituationen weitergeben.

Die schlechte Nachricht – Das Geld ist alle, aber die Krise dauert an

Nun, über 4 Monate später, spitzt sich die Lage sogar weiter zu. Trotz der Erarbeitung von Hygienekonzepten für selbstständige Sexarbeit und für Prostitutionsbetriebe, verzweifelter Aufrufe an die Landesregierungen, großer Social-Media-Aktionen zum Internationalen Hurentag und öffentlicher Demonstrationen und Proteste, gibt es keine Corona-Lockerungen für Sexarbeiter*Innen und ihre Arbeitsplätze bleiben geschlossen.


Dringend gesucht: Spender*Innen und Verbündete

Bis eine Verbesserung der Lage eintritt, wird die Zahl derjenigen Sexarbeiter*Innen, die weiter auf niedrigschwellige Unterstützung angewiesen sind, leider nicht weniger. Um weiter helfen zu können, benötigen wir weitere Spenden und bleiben auf der Suche nach Unterstützer*Innen , die gemeinsam mit uns den Nothilfe Fonds am Leben halten können.

Neben privaten Spender*Innen suchen wir geeignete Ansprechpartner*Innen z.B. von Stiftungen, die weiterhelfen könnten und wollen. Du hast Tipps oder gar einen persönlichen Kontakt für uns? Bitte melde dich bei unserer Mitarbeiterin Tamara unter tamara@besd-ev.de oder +49 179 416 7883 (sms, whatsapp, telegram, signal)


Eine Flut an Anträgen – Zur Organisation innerhalb des BesD

Zwei Ansprechpartner*Innen aus dem Verband, die sich mit besonders viel Erfahrung im Umgang mit Sozialarbeiter*Innen und marginalisierten Gruppen aus dem Bereich der Sexarbeit auszeichnen, erklärten sich bereit, rund um die Uhr für die Prüfung und Weiterverarbeitung der täglich eintreffenden Anträge auf Nothilfe zu sorgen. Gemeinsam wurden Abläufe konzeptioniert, ein Logo entworfen, Texte geschrieben, der Fonds wurde innerhalb der Sexworker-Community sowie auf Social Media und anderen Kanälen beworben. Angesichts der großen Anzahl an Anträgen bildeten wir ein Komitee aus drei Sexworkern und drei externen Berater*Innen mit entsprechender Expertise, das nach dem Mehrheitsprinzip über Anträge entschied.

Lebensmittel, Medikamente, Notunterkünfte – Zur Verteilung des Geldes

Eine Beantragung fand entweder über den Direktkontakt oder über eine Vermittler*In – z.B. über Beratungsstellen und/oder aufsuchende Sozialarbeiter*Innen – statt, die im Namen der von ihnen vertretenen Sexworker Kontakt aufnahmen. Fast alle Anträge an den Fonds wurden mit „persönlichem Bedarf und Bedarf nach Lebensmittel“ begründet. In ergänzenden Gründen ging es am häufigsten um die Beschaffung von Medikamenten und/oder medizinische Versorgung, um die Versorgung von Kindern vor Ort und/oder in einem anderen Herkunftsland, sowie um die Kosten von Notunterkünften beziehungsweise Wohnverhältnissen ohne legalen Mietvertrag.

Wer erhält Geld aus dem Fonds?

Die Möglichkeit, Geld aus dem BesD Nothilfe Fonds zu erhalten, haben Personen, bei denen alle folgenden Sachverhalte zutreffen:

● finanzielle Notsituation (insb. in Folge des Corona-Arbeitsverbots)
● Tätigkeit in der Sexarbeit (insb. wenn die Gesamtheit oder der Großteil der Einnahmen aus der Sexarbeit erwirtschaftet wird, z.B. bei hauptberuflichen Sexworkern)
● derzeitiger Aufenthalt in Deutschland
● derzeit kein Erhalt von Soforthilfen von Bund oder Land