Sehr geehrter Herr Haug, sehr geehrte Damen und Herren,

vor wenigen Wochen erreichte mich eine Anfrage aus Ihrer Redaktion, ob ich bereit wäre, in einer TV-Produktion mitzuwirken. Mein Name ist Hanna Lakomy, alias Salomé Balthus, ich bin Prostituierte.

Ich möchte Ihnen hier erklären, wie es dazu kam, dass ich diese Anfrage, die mich erst positiv interessiert hatte, nun letztendlich doch abgelehnt habe. Ich habe das Bedürfnis, das zu erklären. Ich möchte nicht für unzuverlässig oder fremdgesteuert gehalten werden, dies wäre mir fatal! Zudem schätze ich die Arbeit von SPIEGEL TV im Allgemeinen und halte Ihre Institution für unbestreitbar seriös.

Zu Wort kommen sollen alle Sparten und Preisklassen meiner KollegInnen in Gewerbe der käuflichen Lust, aber ebenso unsere politischen Gegner, die Abolitionistinnen, selbsternannte Huren-Retter, Aussteigerinnen aus dem Bereich der illegalen Prostitution, die ihre unguten Erfahrungen verallgemeinern, während sie uns dasselbe mit unseren positiven Erfahrungen vorwerfen. Auf gesellschaftliche Widersprüche, Hintergründe sollte eingegangen werden, und, wie ich meinte, dargestellt werden, welche Lücke zwischen Vorstellung und Wirklichkeit der Prostitutionsmythen besteht, wie falsch die (von der Emma aufgebrachten) Zahlen sind, und die Behauptung, 99% der Prostituierten seien Zwangsprostituierte.
Ich war erst sehr dafür, mich zu zeigen, mich darauf einzulassen, einen Tag lang von einem Kamerateam begleitet zu werden, es so zu inszenieren, als würde ich mich an dem Tag auf einen Kunden vorbereiten, diesen auch treffen. Ich hatte bereits für die Dreharbeiten eine Hotelsuite als Drehort gemietet, und meiner Stylistin Bescheid gegeben. Ich hatte mir Mühe gegeben, die Wünsche Ihrer Mitarbeiter nach möglichst viel Nähe, Authentizität und intimen Offenbarungen zu erfüllen.

Doch dann musste ich die Notbremse ziehen:
Grund war zunächst der Titel: Die Produktion soll den Titel tragen „Der große Rotlicht-Report“. Rotlicht-Report – das Rotlicht, das ist doch nur ein Teil der Welt der Prostitution, und zwar gerade nicht meiner. Was hätte ich dazu denn zu sagen?
Dann die Tatsache, dass es nicht gewollt sei, durch die Dokumentation „Prostitution zu verherrlichen“ – aus Gründen des Jugendschutzes, bei einer Sendung zur Prime Time. Jugendlichen darf also eine legale Tätigkeit in der Sexarbeit nicht als etwas präsentiert werden, dass eine berufliche Perspektive darstellen könnte. Es müssten sich die positiven und negativen Aspekte die Waage halten, um ein neutrales, ambivalentes Bild zu zeichnen. – Ginge es um ein anderes Thema als das der Prostitution, etwa die Computerindustrie, Ehegattensplitting, den Politikbetrieb, etc. – ich würde diese Neutralität begrüßen, sie für aufklärerisch halten. Doch im Falle eines Berufes, der historisch und auch aktuell massiver Stigmatisierung ausgesetzt ist, und dessen Vertreterinnen mit den aller schärfsten Konsequenzen für ihr Leben zu rechnen haben, wenn sie so mutig sind, sich zu outen, ist diese Neutralität eben keine echte Neutralität. Sondern ein Zugeständnis an die öffentlich bestehende Meinung, mithin feige und wohlfeil. Stellen Sie sich eine Dokumentation über Homosexualität in den 70er Jahren vor, die sich zur Aufgabe macht, „Homosexualität nicht zu verherrlichen“. Oder eine Sendung im Saudi-Arabischen Staatsfernsehen über Feminismus, die vermeiden will, „Feminismus zu verherrlichen“. Jeweils immer gern mit Hinweis auf den Schutz der Jugend, die in den gesellschaftlich gewollten moralischen Werten aufgezogen werden soll.
Ich habe mir sagen lassen, der SPIEGEL war früher mal kontrovers, politisch engagiert, gegen die Meinungs-Macht der übrigen Leitmedien. Die Annahme, Medien sollten „wertneutral“ sein und „nur die Wirklichkeit abbilden“, halte ich für ebenso falsch wie dumm. Es gibt keine Neutralität. Wer sie für sich beansprucht, führt etwas im Schilde, zu dem er sich nicht bekenntnisoffen verhalten will, sei es aus Feigheit, sei es, um Menschen wie mir Fallen zu stellen, weil man man von ihnen etwas will, nämlich ihr Bild.

Ich bin nicht bereit, mein Gesicht, meine Stimme und meine Gestalt herzugeben für jemanden, der nicht für meine bedrohten Rechte eintritt. Ich will nicht mitwirken an einer breit angelegten Groß-Enthüllungs-Show, die hinter dem Schutz journalistischer Neutralität und Distanz nicht mehr tut, als voyeuristische Bedürfnisse zu befriedigen, und zugleich meinen Feinden erneut die Möglichkeit gibt, mir und meinesgleichen zu schaden. Ich möchte Filmszenen mit meinem Körper nicht in einen Kontext stellen, in dem sie kritisch bewertet und zuletzt im Sinne der öffentlichen Meinung gerichtet werden. Ich habe auch meinen Kolleginnen davon abgeraten. Denn dieses „neutrale“ Format zieht uns aus, liefert uns der öffentlichen Meinung aus, stellt unseren Beruf in den Kontext von Elend und Verbrechen, als wären sie unvermeidbarer Teil unseres Gewerbes. Man liefert uns dem Meinung der Masse aus, während die Redaktion sich fein heraushält, und nicht daran denkt, uns zu schützen, erzieherisch zu wirken in unserem Sinne. Das alles soll der Urteil des Publikums eines Privatsenders wie Kabel 1 überlassen bleiben, wobei ich nicht mal weiß, was nach dem Schnitt von dem, was mir persönlich wichtig ist, noch zur Beurteilung übrig bleibt.

Auf meine Bedenken wurde zunächst eingegangen, man wolle gerade mich unbedingt dabei haben, als „einordnende Instanz“.
Also hatte ich zur Güte angeboten, statt eines Begleit-Drehs ein Statement für die Kamera abzugeben, erkennbar mit meinem Gesicht und meiner Stimme. Dies wurde abgelehnt, man sei nicht an einem Interview interessiert, sondern an „Action“ – was mich in meinen Befürchtungen nochmals bestätigte.

Ich kann mich nur über das Thema Prostitution, über mich und mein Leben äußern, wenn eine Haltung dahinter steht, ein Engagement für die Prostitution und somit für die liberale Gesellschaft. Dass die liberale Gesellschaft in Europa bedroht ist, werden Sie als politisch denkender Mensch sicher bemerkt haben.
Sollte sich SPIEGEL-TV dazu entschließen, eine engagierte Sendung Pro-Prostitution und zur Unterstützung von selbstbestimmten, mutigen Sexarbeiterinnen zu machen, stehe ich gern zur Verfügung.

Mit den besten Grüßen

Salomé Balthus

Am 28. & 29. September veranstaltet der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen den Hurenkongress 2018 in Berlin – wir freuen uns sehr, alle Sexworker zum Hurenkongress einladen zu können.

Der Hurenkongress ist eine Veranstaltung von Sexworkern für Sexworker und bietet neben verschiedenen praktischen Workshops die Möglichekeit Kolleg*innen aus verschiedenen Bereichen kennen zu lernen, sich auszutauschen und zu vernetzen.

Der Kongress geht über zwei Tage; am ersten Tag sind verschiedene praktische Workshops geplant, während der zweite Tag mit dem SexworkerCamp offen gestaltet ist und sich nach den Bedürfnissen und Angeboten der Teilnehmer richtet.

Am Workshoptag kannst du zum Beispiel zwischen Grenzsetzung/Psychohygiene, DirtyTalk/Suggestionstechniken oder Selbstverteidigung für Sexworker wählen. Insgesamt stehen acht Workshops zur Auswahl, davon werden zwei in Englisch gehalten. Außerdem besteht an diesem Tag die Möglichkeit sich aktiv an der Forschung über Sexarbeit zu beteiligen; es wird auch zwei Workshops mit Forschenden geben, in denen ihr mit den Wissenschaftlern gemeinsam an dem Bild, das die Forschung über unsere Tätigkeit erstellt mitarbeiten könnt.

Nach diesem inputreichen Tag wollen wir Abends gemeinsam feiern; die Kongressparty ist für Teilnehmer umsonst; nicht-Sexarbeitende können nur in Begleitung von Sexworkern auf die Party.

Das SexworkerCamp am zweiten Tag ist offen für alle Dinge und Fragen, die du schon immer mal mit Kolleg*innen besprechen wolltest:

– Hast du Fragen rund ums ProstSchG?
– Geistert dir schon lange eine Idee im Kopf herum, die du gerne mit Kolleg*innen besprechen und umsetzen wolltest?
– Möchtest du dich zu einem bestimmten Thema mit anderen austauschen?
– Oder hast du Fähigkeiten, die du gerne teilen möchtest?

Für all das ist am zweiten Tag Raum und Zeit 🙂

Wir freuen uns sehr, wenn du dabei bist!

Unter http://www.hurenkongress.de findest du weitere Infos und die Möglichkeit dich anzumelden.

Du Bist kein*e Sexarbeitende*r , möchtest den Hurenkongress aber trotzdem unterstützen?

Wir suchen noch Unterstützer*innen des Hurenkongresses!

Der Hurenkongress ist von Sexworkern für Sexworker und bietet Sexarbeitenden die Möglichkeit sich Wissen anzueignen, sich auszutauschen und sich mit Kolleg*innen zu vernetzen. Dies ist vor allem angesichts des ProstSchG dringend nötig.

Ermögliche Sexarbeitenden am Hurenkongress 2018 in Berlin teilzunehmen, indem Du ein Sponsorenticket kaufst. Für 45€/1 Tag, 85€/ 2 Tage ermöglichst Du vor allem prekär arbeitenden Kolleg*innen die kostenlose Teilnahme und damit den Zugang zu Empowerment. Wir geben dein Ticket dann an Sexworker weiter, die sich selbst keines leisten können.

Um ein Sponsorenticket zu erwerben kannst Du entweder eine Zahlung über paypal vornehmen oder eine Überweisung auf das Konto des BesD tätigen. Als Verwendungszweck/Nachricht bitte Sponsorenticket Hurenkongress oder Sponsorenticket HK angeben.

Wir bedanken uns herzlich für Deine Unterstützung

Kontoverbindung des BesD e.V.:
IBAN:DE49100500000190290862
BIC:BELADEBEXXX
Landesbank Berlin – Berliner Sparkasse

Paypal: Einfach Geld an zahlung@besd-ev.de senden.

Vielen Dank an alle Unterstützer*innen!

Unser Dank gilt an dieser Stelle neben den privaten Spendern auch Kaufmich – Kaufmich ermöglicht mit dem Kauf von Sponsorentickets 4 Kolleg*innen die kostenlose 2-Tägige Teilnahme an unserem Kongress.

KOMPLETT ANONYME SPENDEN SIND MÖGLICH

Vor gut einem Jahr haben wir 3.200 Euro für den Aufbau einer Infoseite zum Thema Sexarbeit in Deutschland gesammelt.
Dafür möchten wir nochmals danken.
Das Geld wurde exakt für den Sammelzweck verwendet und ist aufgebraucht. Hier die damalige Spendenaktion -> https://www.leetchi.com/c/projekt-von-berufsverband-erotische-und-sexuelle-dienstleistungen

 

GRUND FÜR DIE NEUE WEBSEITE
Anlass war der Informationsmangel und die verwirrenden Falschmeldungen bezogen auf das neue Gesetz für Sexarbeitende. Das sogenannte ProstituiertenSchutzGesetz (ProstSchG) verpflichtet alle in Deutschland in der Sexarbeit Tätigen zu einer Gesundheitsberatung und einer anschließenden Registrierung als Prostituierte.

Das Gesetz trat am 1.Juli letzten Jahres in Kraft und ist immer noch nicht in allen Bundesländern umgesetzt.

Wir wollten eine Plattform schaffen, wo Kolleg*innen alle berufsbezogenen Infos verständlich erklärt finden können.

 

WICHTIG WAR UND IST

a) Sachliche und fundierte Infos für alle Bundesländer zum Thema ProstituiertenSchutzGesetz. Kurz-Infos in leicht verständlicher Sprache und Details für alle, die es genauer wissen wollen.

b) Im Alltagsgeschäft sind viele Kolleg*innen auf sich selbst gestellt und auch für grundsätzliche branchentypische Probleme finden sich kaum Ansprechpartner*innen. Hier springt nun unser FAQ ein, welches regelmäßig erweitert wird.

c) Übersetzungen der wichtigsten Punkte in die gängigen Sprachen unserer Branche – Daran arbeiten wir weiterhin.

d) Alle für die Branche wichtigen Adressen sind nun zu finden, ebenso Auskünfte zu Themen von Sperrgebieten über Sexarbeits-Stammtische bis hin zu Weiterbildung und einem Terminkalender.

 

ERGEBNIS
Wir sind sehr stolz auf das Resultat, denn unsere Webseite ist von uns komplett erneuert worden:

  • wichtige Infos sind nun zu finden auf der Seite
  • wesentlich höhere Klickrate
  • wesentlich bessere Auffindbarkeit für Suchmaschinen
  • Kolleg*innen schreiben nun regelmäßig Blogbeiträge
  • das interne Forum wurde sehr belebt

 

WAS FEHLT

a) es sind schon fertige Übersetzungstexte vorhanden. Das zeitaufwendige Einpflegen muss gemacht werden

b) Vervollständigung und Aktualisierung der Adressliste bezogen auf das ProstSchG

c) Behebung technischer Fehler

d) Überarbeitung des Bisherigen und Optimierung

 

WIE SOLL DAS GEHEN?
Wir werden Ende Juni ein Webseiten-Wochenende veranstalten, wozu sich 5 Personen angemeldet haben. Dort werden wir 3 Tage intensiv arbeiten.
Wir wissen, dass dies sehr gut klappt, denn wir machen das in der Art schon zum 3. Mal.

Wir brauchen dringend finanzielle Unterstützung bei der Weiterführung unseres Projektes.

Bitte spende jetzt -> https://www.leetchi.com/c/weiterarbeit-an-info-webseite-fuer-sexarbeitende

Du kannst auch anonym spenden. Bei der Mailadresse, die abgefragt wird von diesem Spendentool, kannst du eine Phantasieadresse eingeben. Das spielt keine Rolle. Das Geld kommt trotzdem an.

 


 

KOSTENPLAN:

700 Euro für Webseiten-Wochenende
– Miete Seminarraum- Reisekosten für 5 Personen- Verpflegung für 5 Personen

200 Euro für Programmierung
als Bonus für unsere zum großen Teil ehrenamtlich arbeitende Webmasterin

600 Euro für Übersetzungen
– Korrekturlesen der schon vorhandenen Übersetzungen- Einpflegen auf die Webseite

300 Euro für Aktuelles
– Vervollständigung der Liste mit den bundesweiten Adressen- immer wieder Aktualisierung

SUMME = 1.800 Euro

 

Bitte spende HIER -> https://www.leetchi.com/c/weiterarbeit-an-info-webseite-fuer-sexarbeitende

 

 

Liebe Leute von der Jungle World!

Wir haben mit angelegentlichem Interesse den Artikel „Im Auge des Shitstorms“ von Till Randolfs Amelung am 7.12.2017 in Ihrer Online-Ausgabe gelesen.

Herr Amelung macht es sich zur Aufgabe, in diesem bündigen Text gleich zwei diskriminierten Randgruppen eins auf die Mütze zu geben – den Transfrauen (das sind Frauen, denen die Natur einen Penis, und zwar einen eigenen, samt Zubehör geschenkt hat), einerseits.
Und andrerseits den Sexarbeiter*innen, die Herr Amelung nicht so nennt, er bevorzugt den eher konservativen Begriff Prostituierte. Im Namen der letzteren wenden wir als der einzige Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen uns an die Redaktion der Jungen World und an Herrn Amelung persönlich.

Die weit verbreitete Meinung, dass viele Prostituierte nicht selbstbestimmt und frei arbeiten, veranlasst ihn, uns den Terminus „Arbeiter*innen“ abzusprechen. Till Randolf Amelung sympathisiert mit der abolitionistischen Bewegung insofern, als er ihre Begrifflichkeit übernimmt und ihre Kritiker kritisiert. Das Kritisieren von Kritikern Dritter schreibt einem selbst nicht unbedingt eine klare Position zu. Herr Amelung nimmt wenn, dann indirekt Stellung. Dies werfen wir ihm nicht vor. Wohl aber, dass er versäumt, zu konkretisieren, wen er mit den Kritikern der Radikalfeministinnen, bzw. von „Einzelpersonen und Organisationen, die unermüdlich auf die offensichtlichen Probleme im Rotlichtmilieu hinweisen, etwa dass dieses fest in der Hand krimineller Banden von Menschenhändlern ist“ (Zitat Amelung), eigentlich meint.

Zitat Amelung: „Selbstbestimmung ist jedoch für viele Prostituierte eine hohle Phrase, denn der Großteil des hart verdienten Geldes wandert in die Taschen von Bordell­betreibern, Zuhältern und Menschenhändlern. Warum die Gesetzesmä­ßigkeiten des Kapitalismus ausgerechnet die Prostitution umgehen und aus ihr einen rosaroten Ponyhof machen sollten, wie viele Queerfeministinnen offenbar glauben, bleibt deren Geheimnis.“
– Auf welche Quellen, welche Thesen bezieht er sich? Wer sind die Queerfeminsitinnen, die Amelung meint, und was haben Sie gesagt, das ihn zu der Aussage veranlasst, sie würden die Probleme, die in ihrem Gewerbe existieren, nicht sehen? Das Versäumnis, dies eindeutig zu benennen, stellt die gesamte internationale Bewegung der Sexarbeiter*innen an den Pranger.

Wir vom BesD e.V. verwahren uns gegen den Vorwurf der Verharmlosung von Missständen, Unterdrückung und Gewalt im Kontext der Sexarbeit. Die Einsicht in diese Probleme, die auch gerade durch Kriminalisierung des Gewerbes, den Mangel an guten Arbeitsbedingungen und Beratungsstellen und das Fehlen von gewerkschaftlichen Strukturen verursacht sind; und der Wille, diesen abzuhelfen, ist ja gerade das Anliegen des BesD e.V.!

Im BesD e.V. sind keine Betreiber oder Nutznießer von ausbeuterischen Strukturen, sondern ausschließlich aktive oder ehemalige Sexarbeiter*innen. Wir kämpfen für ein (ja, tatsächlich immer noch viel zu seltenes!) selbstbestimmtes Arbeiten und gegen Stigmatisierung. Wir sind dafür, dass jede*r den Beruf der Sexarbeite*in frei wählen kann, die sich dazu berufen fühlt. Wir sind für eine klare Abgrenzung der Sexarbeit von den kriminellen Strukturen von Menschenhandel und Zuhälterei, die juristisch weiterhin bekämpft werden müssen.
Wir sind aus eigener Erfahrung überzeugt davon, dass die pauschalisierende Gleichung von Sexarbeit = Sklaverei oder Prostitution = Vergewaltigung falsch ist und nicht dazu angetan, die Missstände zu beseitigen. Menschenhandel und Ausbeutung haben gesellschaftliche Ursachen wie Armut, Bildungsferne und Migration auf Grund von politischer Verfolgung und sexueller Diskriminierung in den Heimatländern. Diesen Ursachen ist nicht beizukommen, indem man die Prostituierten oder ihre Kunden gesetzlich verbietet.

AG MEDIA
BesD e.V.

Das ProstituiertenSchutzGesetz ist da und immer noch ist vieles unklar! Die ganze Tragweite des ProstSchG ist kaum zu überblicken. Vor allem durch die automatische Meldung an das Finanzamt ergeben sich verschiedene Fragen, die vor allem den Datenschutz betreffen. So ist damit zu rechnen, dass uns das Finanzamt zukünftig mit der Gewerbebezeichnung ‚Prostituierte*r‘ führt. Diese Information findet sich dann auch in den Dokumenten des Finanzamtes, die an uns nach Hause geschickt werden und aufzuheben sind. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Berufsbezeichnung an die Industrie- und Handelskammer weitergegeben wird. Es ist schwer zu überblicken, wo diese Information dann noch überall landet.

Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen und Antworten auf unsere Fragen zu bekommen, haben wir eine Anfrage an die Fraktionsvorstände der Parteien gestellt.

Durch das ProstSchG ergeben sich einige weitere Fragen in Bezug auf die Finanzbehörden und deren Umgang mit uns. Neben den Fragen zum Datenschutz interessiert uns auch, ob das Düsseldorfer Verfahren, bei dem vorab Steuern erhoben werden, weiter notwendig ist. Und wir machen zum Beispiel auf die zu hohen Sätze bei Steuerschätzungen aufmerksam. Um diese offenen, für uns alle wichtigen Fragen zu klären, hat sich der BesD mit einer umfangreichen Anfrage an die Landesfinanzministerien gewendet.

Wir sind auf die Antworten gespannt und halten euch auf dem Laufenden …

Hier sind die von uns formulierten Anschreiben in ganzer Länge:

Anfrage an die Fraktionsvorstände

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Juli diesen Jahres ist das ProstituiertenSchutzGesetz in Kraft; es wurde trotz massiver Bedenken der Betroffenen verabschiedet, eine umfangreiche Kritik (auch in deutscher Sprache) finden Sie hier: http://www.sexworkeurope.org/news/general-news/germany-sex-workers-rights-day-icrse-launches-briefing-paper-germanys-new

Aktuell herrscht eine große Verunsicherung unter den Kolleg*innen; die vom ProstSchG versprochene Rechtssicherheit ist nicht absehbar, bei vielen Einzelfällen ist eine klare Einordnung in die Rechtsvorschriften kaum möglich. Viele selbstbestimmte Bereiche werden durch das neue Gesetz eingeschränkt oder illegalisiert (vor allem kleine Inhaber*innengeführte Wohnungsbordelle, die in Zukunft an den Bauvorschriften scheitern). Nicht Deutsch sprechenden Kolleg*innen fällt es schwer überhaupt zu verstehen, was das komplexe ProstSchG für sie bedeutet – einige werden auf die Hilfe von Dritten angewiesen sein, um die bürokratischen Hürden bewältigen zu können, manche werden sich nicht anmelden können, weil sie keine Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigung haben. In diesen Fällen erhöht das ProstSchG die Abhängigkeit von Dritten und drängt einen großen Teil der in Deutschland tätigen Sexarbeiter*innen in illegale Bereiche, ohne Anmeldung können sie in keinem ‚offiziellen‘ Bordell mehr arbeiten. Wir alle sind extrem um die Sicherheit unserer Daten besorgt; für viele ist es existentiell die Art ihrer Tätigkeit zum Teil auch vor den engsten Angehörigen (Freunde, Partner, Kinder, Eltern, Arbeitskollegen…) geheim zu halten, zu groß ist die (häufig nicht unbegründete) Angst vor sozialer Ächtung oder auch Erpressung – Sexarbeit ist wohl einer der stigmatisiertesten Berufe überhaupt, auch in einer liberalen Gesellschaft wie Deutschland! Zukünftig einen ‚Hurenausweis‘ bei uns tragen zu müssen, ist eine unglaubliche Zumutung! An Stelle von ‚Schutz‘ birgt dieser die Gefahr eines ungewollten Outings und in den falschen Händen kann er zum diskreditierenden Erpressungsinstrument werden.

An all diesen Punkten lässt sich seit der Verabschiedung des ProstSchG nicht mehr viel ändern; eine Verfassungsbeschwerde ist eingereicht, dieser Prozess wird allerdings viel Zeit in Anspruch nehmen, bis ggf. Änderungen am ProstSchG vorgenommen werden. In Bezug auf den Schutz unserer Daten möchten wir allerdings noch auf einen Punkt aufmerksam machen, an dem es unserer Ansicht nach durchaus möglich wäre Maßnahmen zu ergreifen, die uns vor allem vor einem ungewollten Outing und/oder Erpressung schützen:

Bei den Finanzämtern haben sich in der Vergangenheit viele Sexarbeitende unter anderen Gewerbebezeichnungen (Hostess, Model, Masseur, Coach…) angemeldet und ihre Einkünfte aus der Sexarbeit so versteuert.
Es kam gelegentlich vor, dass ein*e Sexarbeiter*in vom Finanzamt angeschrieben wurde, um seine*ihre Gewerbebezeichnung gemäß dem Gewerbekennzahlenregister auf ‚Prostituierte*r‘ anzupassen. Das ist häufig sehr problematisch, denn wenn in Schreiben des Finanzamtes als Tätigkeit ‚Prostituierte*r‘ genannt wird, kann diese (potentiell diskreditierende) Information in die Hände Dritter gelangen.

1. Viele Krankenversicherungen lehnen trotz des ProstG, welches Sexarbeitenden das Recht auf Sozialversicherungen zuspricht, Mitgliedsanträge von ‚Prostituierten‘ ab.

2. Häufig wissen nicht mal die engsten Angehörigen (oder nur ein kleiner Teil) von der Tätigkeit; ein Schriftstück, selbst wenn man es gut verstaut, kann z.B. in die Hände von Kindern oder unwissenden Partnern fallen und so großen Schaden im privaten Umfeld der Betroffenen anrichten.

3. Die Finanzämter übermitteln häufig die Daten an die örtlichen IHKs, wir würden gerne sicherstellen, dort nicht als ‚Prostituierte‘ gelistet zu sein.

4. Für Sexdienstleister*innen aus dem Ausland kann es besonders gefährlich werden, wenn die heimische Finanzbehörde Daten über die Art der Tätigkeit erhält und Sexarbeit in dem Land illegal ist! Dies ist in so gut wie allen süd-osteuropäischen Ländern der Fall, Sexarbeiter*innen werden dort strafrechtlich verfolgt und sozial extrem geächtet.

Im Zuge des Prostituiertenschutzgesetzes, nachdem bei der verpflichtenden Anmeldung als Prostituierte*r eine automatische Meldung an das Finanzamt erteilt wird, ist damit zu rechnen, dass diese Fälle vermehrt und flächendeckend passieren. Wir haben nun schon ein wenig zu dem Thema recherchiert und können verstehen, dass es dem Finanzamt aus statistischen Gründen wichtig ist, die Tätigkeit unter diesem (diskriminierenden) Begriff zu führen.

An dieser Stelle wollen wir nochmals darauf hinweisen, dass die Speicherung persönlicher Daten in Verbindung mit Informationen zum Sexualleben einer Person das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und die Richtlinie des Europäischen Parlaments zum „Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten“ verletzt (Siehe Artikel 8; Europäisches Parlament „Richtlinie 95/46/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 24. October 1995). Insofern sollte neben dem ‚Hurenausweis‘ soweit wie möglich darauf geachtet werden, dass keine weiteren Dokumente, die persönliche Daten im Zusammenhang mit der Tätigkeit als ‚Prostituierte*r‘ enthalten produziert und in Umlauf gebracht werden!

Wir bitten sie die Umsetzung folgender Punkte zu klären:

a) Inwieweit ist es notwendig die Bezeichnung ‚Prostituierte*r‘ für den internen Gebrauch bei den Finanzämtern zu benutzen?

b) Wie kann sichergestellt werden, dass die Bezeichnung der Tätigkeit in sämtlichen Daten- und Briefverkehr nach außen nicht genannt wird? Dies betrifft sowohl die Post an den Haushalt der betroffenen Person, als auch den Austausch von Daten mit ausländischen Behörden und die Meldungen an die IHKs.

Wir schlagen einen generellen Vorgang vor: Grundsätzlich sollte der Begriff ‚Prostituierte*r‘ in jedem Daten- und Schriftverkehr nach außen durch ’selbstständige Tätigkeit‘ oder ’sonstige Dienstleistung‘ ersetzt werden.

Schon im Voraus vielen Dank für ihre Bemühungen,

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Bölts Finanzvorstand
Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V

 

Anfrage an die Landesfinanzministerien

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen ist aktuell sehr beschäftigt mit den Auswirkungen des neu in Kraft getretenen ProstituiertenSchutzGesetzes. Hierbei ergeben sich auch Fragen im Zusammenhang mit dem Thema Steuern:

1. Datenschutz bezüglich der Gewerbebezeichnung Laut §36 Absatz 8 ProstSchG wird jede Anmeldung weitergeleitet an das FA. Da es sich bei der Prostitution nach wie vor um einen extrem stigmatisierten Beruf handelt, ist es für den Lebensalltag und die weiteren Perspektiven aller in der Sexarbeit Tätigen sehr wichtig, keine nachweisbaren Spuren zu hinterlassen. So können selbst Schriftstücke vom Finanzamt, auf denen der Begriff ‚Prostitution‘ steht zum Beispiel zu einem Outing vor nahen Angehörigen (Kindern, Partnern, Eltern) führen. Für Sexdienstleister*innen aus dem Ausland kann es besonders gefährlich werden, wenn die heimische Finanzbehörde Daten über die Art der Tätigkeit erhält und Sexarbeit in dem Land illegal ist! Dies ist in so gut wie allen süd-osteuropäischen Ländern der Fall, Sexarbeiter*innen werden dort strafrechtlich verfolgt und sozial extrem geächtet. Wir bitten sie die Umsetzung folgender Punkte zu klären: a) Inwieweit ist es notwendig die Bezeichnung ‚Prostituierte*r‘ für den internen Gebrauch bei den Finanzämtern zu benutzen? b) Wie kann sichergestellt werden, dass die Bezeichnung der Tätigkeit in sämtlichen Daten- und Briefverkehr nach außen nicht genannt wird? Dies betrifft sowohl die Post an den Haushalt der betroffenen Person, als auch den Austausch von Daten mit ausländischen Behörden und die Meldungen an die IHKs.

An dieser Stelle wollen wir nochmals darauf hinweisen, dass die Speicherung persönlicher Daten in Verbindung mit Informationen zum Sexualleben einer Person das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und die Richtlinie des Europäischen Parlaments zum „Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten“ verletzt (Siehe Artikel 8; Europäisches Parlament „Richtlinie 95/46/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 24. October 1995). Insofern sollte neben dem ‚Hurenausweis‘ soweit wie möglich darauf geachtet werden, dass keine weiteren Dokumente, die persönliche Daten im Zusammenhang mit der Tätigkeit als ‚Prostituierte*r‘ enthalten produziert und in Umlauf gebracht werden!

Wir schlagen einen generellen Vorgang vor: Grundsätzlich sollte der Begriff ‚Prostituierte*r‘ in jedem Daten- und Schriftverkehr nach außen durch ’selbstständige Tätigkeit‘ oder ’sonstige Dienstleistung‘ ersetzt werden.

2. Umsatzsteuerheft Müssen Prostituierte als naturgemäße Unternehmer*innen ohne gewerbliche Niederlassung ein Umsatzsteuerheft führen? Falls JA, mit welcher Begründung?

3. Weiterleitung an die IHK Erfolgt eine Weiterleitung der Anmeldung an die zuständige IHK? Wenn JA, mit welcher Begründung und wie kann dafür gesorgt werden, dass zum Beispiel die Bezeichnung ‚Sonstige Dienstleistungen‘ verwendet wird und nicht ‚Prostituierte‘?

4. Neue Steuernummer für schon bestehende Meldungen? Die meisten in Deutschland wohnenden Sexarbeiter*innen sind steuerlich angemeldet – allerdings unter einer anderen Berufsbezeichnung. Bekommen diese eine neue Steuernummer? Wenn JA, müssen diese Personen sich selber um eine neue Anmeldung beim zuständigen FA kümmern oder läuft dieser Prozess automatisch? Können weitere Tätigkeiten auf derselben Steuernummer getätigt werden? Und auch hier gab es schon Fälle, in denen Betroffene durch die Post des Finanzamtes, welche darauf hinweist, dass die Tätigkeit unter der falschen Gewerbebezeichnung betrieben wurde und nun auf ‚Prostituierte*r‘ korrigiert wird in problematische Situationen gebracht wurden.

5. Steuer-Anmeldung bei neu in der Branche Tätige? Muss eine Person, die als Prostituierte anfängt, sich selbst um eine neue Anmeldung beim zuständigen FA kümmern oder fällt dies nun weg, denn es erfolgt ja eine Meldung an das FA von der Registrierungsstelle?

6. Steuernummer für EU-Bürger Nicht in Deutschland Wohnende aber in Deutschland beruflich Tätige können die hiesigen Einnahmen laut EU-Doppelbesteuerungs-Abkommen in ihrem EU-Heimatland (oder Schweiz) versteuern. Müssen sie aufgrund des ProstSchG nun auch in Deutschland eine Steuernummer beantragen oder erhalten sie diese automatisch? Wenn JA, müssen sie eine Steuererklärung abgeben und was muss drin stehen? Vor allem in Fällen des Doppelbesteuerungsabkommens ist es extrem wichtig, dass keine Informationen bezüglich der Tätigkeit an ausländische Finanzbehörden übermittelt werden!!

7. Steuernummer ohne festen Wohnsitz Ein großer Teil der Sexarbeitenden stammt aus dem EU-Ausland und hat keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Gilt die von der Registrierungsstelle akzeptierte Adresse auch für die steuerliche Anmeldung? In einigen Bundesländern darf z.B. das Bordell als Adresse genutzt werden oder bei Kolleg*innen vom Straßenstrich eine Beratungsstelle.

8. Düsseldorfer Modell Der Bundesrechnungshof schlägt die Einführung des „Düsseldorfer Modells“ Deutschlandweit vor. Ist diese Einführung geplant? In einigen Städten sind für Sexarbeitende Zahlungen laut Düsseldorfer Modell Pflicht. Gibt es eine bundeseinheitliche, praktikable Regelung für Sexarbeitende, die nur gelegentlich an diesen Orten tätig sind und ihren steuerlichen Hauptwohnsitz in einer anderen Stadt oder Gemeinde haben? Wie können die durch das Düsseldorfer Modell in die regionale Steuerkasse gezahlten Beiträge bei der Steuererklärung am Heimatort geltend gemacht werden? Wir halten diese Sonderform der Steuererhebung generell für eine nicht rechtskonforme Ungleichbehandlung; durch die Regelung des ProstSchG, bei der die Anmeldebehörde eine Meldung an das zuständige FA zu übermittelt, wird das Düsseldorfer Modell überflüssig und sollte nicht weiter angewendet werden. Diese Ansicht wird auch von dem niedersächsischen Finanzministerium unterstützt.

9. Zu hohe Sätze bei Steuerschätzungen Die Umsätze in unserer Branche haben sich wesentlich verschlechtert. Die Tagessätze, die von den Steuerbehörden angenommen werden, sind in der Regel viel zu hoch. Immer wieder kommt es deshalb zu Problemen bei Steuererklärungen, überhöhten Schätzungen und folglich Verschuldung. Welche Möglichkeiten bestehen, dass die von den örtlichen Steuerbehörden angenommenen Umsatzwerte, neu berechnet werden?

Unser Berufsverband bietet dabei gerne die Zusammenarbeit an.

Wir freuen uns über eine kurzfristige Beantwortung der Fragen, denn es besteht große Unruhe innerhalb unserer Branche, und wir als Berufsverband sehen es als unsere Aufgabe hierbei sachlich aufzuklären.

Schon im Voraus vielen Dank für ihre Bemühungen,

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Bölts Finanzvorstand
Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V

Am 21. Juni haben Sexarbeiter*innen im Rahmen einer Kundgebung die Verfassungsbeschwerde gegen das umstrittende und diskriminierende ProstSchG eingereicht.

Die Beschwerde ist hier nachzulesen:

[download_link link=“https://berufsverband-sexarbeit.de/blog/wp-content/uploads/VERFASSUNGSBESCHWERDE-ProtSchG-2017.pdf“ variation=“red“ target=“blank“]Verfassungsbeschwerde ProstSchG[/download_link]

Unterstützer*innen wenden sich bitte an [fancy_link link=“http://www.donacarmen.de/“ variation=“red“ target=“blank“]Doña Carmen e.V.[/fancy_link], oder spenden direkt auf dieses Konto:

Spendenkonto für Verfassungsbeschwerde
gegen das ‚Prostituiertenschutzgesetz‘:

Doña Carmen e.V.
IBAN DE44 5005 0201 1245 8863 61
BIC   HELADEF1822
Frankfurter Sparkasse

Das neue Gesetz, auch “Prostituierten-Schutz-Gesetz” genannt, wird uns in einigen Grundrechten beschneiden. Darum unterstützt auch der BesD Dona Carmen bei der Verfassungsklage. Zunächst wird es eine Beschwerde beim Verfassungsgericht geben und diese gilt es zusammen mit dem Anwalt Meinhard Starostik vorzubereiten.

Darum suchen wir weitere Kolleginnen und Kollegen, die sich mit ihrer Geschichte beteiligen oder gerne eine Spenden leisten wollen.

Wir werden es wahrscheinlich nicht schaffen, das gesamte Gesetz zu kippen, aber wir können für folgende Rechte kämpfen, die uns zustehen:

 

  • Art. 12 Grundgesetz „Freiheit der Berufswahl”
  • Art. 13 Grundgesetz „Unverletzlichkeit der Wohnung“
  • Art.   2 Grundgesetz „Allgemeines Persönlichkeitsrecht“
  • Art.   3 Grundgesetz „Gleichheit vor dem Gesetz“

 

Ich möchte mitmachen, was kostet mich das und muß ich mich dafür outen?

Für dich als Mitkläger entstehen keine Kosten, diese werden von Spenden finanziert und du wirst dich nur einmal gegenüber dem Gericht mit deinem Realnamen ausweisen. Im weiteren Verfahren werden deine Daten sehr sensibel behandelt (Schweigepflicht bei allen Beteiligten) und tauchen weder im Urteil noch in irgendwelchen anderen Akten auf.

 

Was kann ich tun?

Da Herr Starostik unsere Beschwerde schriftlich einreichen wird ist es hilfreich, wenn du dich mit einem Brief, Aufsatz oder Abhandlung beteiligst, wie dich das Gesetz in deinen oben beschrieben Rechten einschränkt und welche negativen Konsequenzen sich daraus für dich ergeben könnten. Das Verfassungsgericht besteht aus 8 Männern und Frauen, die sich in das Thema Sexarbeit einarbeiten. Helfen wir ihnen dabei unsere Welt zu verstehen und welchen Schaden das Gesetz uns zufügen kann, wenn es nicht geändert wird.

 

  • Stellen dich die Bestimmungen vor das Problem weiterhin wirtschaftlich arbeiten zu können, da deine Kosten bei Reisen sich erhöhen um z.B. eine zusätzliche Übernachtsungsmöglichkeit zu haben oder fürchtest du die Investitionen um deinem kleines Studio oder Bordell weiter betreiben zu können?

 

  • Fürchtest du, dass grundlose Kontrollen in deiner Privatwohnung zu einem ungewollten Outing führen und Arbeitgeber, Familienmitglieder oder Nachbarn sich von dir abwenden?

 

  • Du kommst aus dem Ausland um in Deutschland zu arbeiten und in deinem Heimatland ist Sexarbeit ein Verbrechen, das mit Gefängnis bestraft wird?

 

Schreib für deine Grundrechte und erzähle von deinen Befürchtungen, deiner Einstellung oder Gedanken zu dem Gesetz und sende ihn an

kanzlei@starostik.de

oder

Kanzlei Starostik Berlin

Wittestr. 30 E

13509 Berlin

 

Der BesD e.V. unterstützt den Spendenaufruf zur Finanzierung der Verfassungsbeschwerde, organisiert von Doña Carmen e.V.

Das Prostituierten-„Schutz“-Gesetz tritt zum 1.7.2017 in Kraft und wird die Rechte von Sexarbeiter*innen massiv einschränken. Es bestehen erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken, die im Rahmen einer Verfassungsbeschwerde geklärt werden müssen.

Helfen Sie uns Sexarbeiter*innen, für unsere Grund- und Menschenrechte zu kämpfen.

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Der 2. Sexarbeits-Kongress vom 02. bis 04. März 2016 in Hamburg bot ein Forum für kritische Auseinandersetzung jenseits der Pro- und Kontra-Debatte. Unter dem Motto „Sexarbeit im Zeichen des Prostituiertenschutzgesetzes“ tauschten sich rund 300 Besucher und zahlreiche Vortragende auf Augenhöhe aus, darunter Sexdienstleistende, Wissenschaftler_innen und Jurist_innen. In der Hochschule für angewandte Wissenschaften fanden Themen wie Mann-männliche Sexarbeit, die juristische Bewertung des „Prostituiertenschutzgesetzes“ und Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Menschen in der Branche einen Platz. Die Expert_innen entwickelten in Workshops Alternativen zur geplanten restriktiven Regulierung. Statt auf Zwangsmaßnahmen und Bußgelder zu setzten, empfahlen sie unter anderem einen Ausbau von bedarfsgerechten Beratungs- und Informationsangeboten. In der Innenstadt verteilten Aktivist_innen am Donnerstag Morgen „Hurenausweise“, um auf die Stigmatisierung durch eine Zwangsregistrierung aufmerksam zu machen.

„Wir haben lange darüber gesprochen, wie wir den Schaden minimieren können, den das geplante Gesetz für uns Sexdienstleister anrichten würde“, so Undine de Rivière, Presseprecherin des BesD. „Noch besser wäre es allerdings, es würde nicht verabschiedet werden. Das ganze ein „Schutzgesetz“ zu nennen, ist zynisch.“

Viele der anwesenden Expert_innen bemängelten, dass das Gesetzesvorhaben trotz massiver Proteste der Betroffenen, aus Beratungsstellen, aus dem Gesundheitswesen, von kirchlicher und von juristischer Seite unbeirrt weiter verfolgt werde.

Der 2. Sexarbeits-Kongress wurde an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen und Bufas, dem Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter veranstaltet. Das Programm und in Kürze auch die Ergebnisse der Workshops finden sich unter sexarbeits-kongress.de