Der Berufsverband der SexarbeiterInnen BesD hat den Gerichtsprozess gegen den Großbordell-Betreiber Jürgen Rudloff mit großem Interesse verfolgt. Bereits Ende Februar fiel das Urteil, in dem der 65-jährige unter anderem der Beihilfe zu Zuhälterei, schweren Menschenhandels und Betrugs für schuldig gesprochen wurde.

Das Urteil selbst und die Aussagen des vorsitzenden Richters, dass der Prozess „eine Signalwirkung ins Rotlichtmilieu“ haben könnte, sowie dass „ein sauberes Bordell in dieser Größe (…) nicht vorstellbar“ sei, führen in der Öffentlichkeit derzeit zu einer vermehrten Diskussion über Geschäftsmodelle und Kriminalität in der Branche. Auch GegnerInnen der Sexarbeit untermauern ihre Forderungen nach einem generellen Verbot der Sexarbeit oder weiteren Sondergesetzen für unsere Branche mit solchen öffentlichkeitswirksamen Fällen. Doch Sexarbeit an sich ist nicht das Problem, und selbstverständlich gibt es auch Bordelle verschiedener Größenordnungen mit fairen Arbeitsbedingungen, in denen auch keine Ausbeutung durch Dritte geduldet wird.

Als Interessensvertretung von Sexarbeitenden begrüßt der BesD die Aufdeckung von Gewalt und die damit hoffentlich verbundene Signalwirkung an TäterInnen. Wer von solchen Übergriffen weiss und wegschaut oder sogar davon profitiert, wird zurecht der Beihilfe verurteilt, auch wenn er persönlich nicht gewalttätig geworden ist. Der Berufsverband möchte ein realistisches Bild der Sexarbeit in Deutschland vermitteln und so der Diskrimierung und Kriminalisierung von in der Sexarbeit tätigen Menschen entgegenwirken. Ebenso entschieden, wie wir für die Entkriminalisierung der Sexarbeit und ihre berufliche Anerkennung kämpfen, verurteilen wir jegliche Art von Gewalt, Zwang und Ausbeutung.

Entsprechende Straftaten sind leider – ähnlich wie in Pflegeberufen, im Baugewerbe oder der Landwirtschaft – auch in Teilen der Sexarbeits-Branche ein bekanntes Problem.  Das „Paradise“ wurde wiederholt von verschiedenen Medien unter die Lupe genommen. Die offene Zusammenarbeit der Betreiber mit der Polizei – welcher sie unter anderem die Ausweisdaten aller bei ihnen beschäftigten Sexarbeiterinnen zukommen ließen – wurde medienwirksam zum Teil des Saubermann-Images des Betriebes gemacht.

Der BesD spricht sich für Lösungsansätze und Maßnahmen aus, die allen Betroffenen von Ausbeutung helfen und ein selbstbestimmtes und sichereres Arbeiten für SexarbeiterInnen in Deutschland unterstützen. Die Bekämpfung von Armut, eine Minderung des Wohlstandgefälles, bedarfsorientierte freiwillig aufzusuchende und kompetente – auf Wunsch anonyme – Beratung, sowie eine Stärkung der Rechte für Betroffene, würden die Rahmenbedingungen in der Sexarbeit effektiv verbessern. Außerdem fordern wir eine Stärkung der Selbstorganisation und Selbstvertretung von SexarbeiterInnen.

Branchenspezifische Verbote und Sondergesetze dagegen drängen speziell Sexarbeitende aus ohnehin marginalisierten Gruppen in die Illegalität. Als besonders eklatantes Beispiel lässt sich hier das fehlende, bedingungslose Bleiberecht für illegalisierte Sexarbeitende, die missbräuchliche Verhältnisse melden, nennen. Generell verletzen die derzeit geltenden Sonderregelungen für die Branche das Recht auf freie Berufswahl, verletzen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und zerstören das Vertrauen der von Straftaten betroffenen Sexarbeitenden in die staatlichen Sicherheitsorgane.

Eine rechtliche Gleichstellung der Sexarbeit mit anderen Berufen und in diesem Zuge die Anwendung der bereits für andere Branchen geltenden Strafgesetze, würde neben dem dringend wünschenswerten Abbau der Stigmatisierung unserer Berufsgruppe in der Gesellschaft, auch dem langfristigen Schutz von SexarbeiterInnen vor Straftaten dienen.

Von 15. – 17. August findet der Hurenkongress in Berlin statt – in diesen drei Tage kommen Sexarbeitende aus der ganzen Welt und aus allen Bereichen für Workshops, Vorträge und Netzwerken zusammen. Die Veranstaltung war letztes Jahr ein Riesen-Erfolg, deshalb planen wir dieses Mal eine Wiederholung im größeren Stil. Heißt: Mehr Sexarbeitende sollen eingebunden, mehr Dinge müssen organisiert, und mehr Aufgabenbereiche verteilt werden …

Wir suchen daher eine Allround-Kraft, die uns – in enger Zusammenarbeit mit unser Hauptorganisatorin Charlie – bei der Organisation des Hurenkongress 2019 tatkräftig unterstützen will. 

Arbeitszeit:

  • Die Stelle ist von April oder Mai bis September 2019 befristet, Weiterbeschäftigung nicht ausgeschlossen
  • 10 Stunden/Woche, die flexibel gestaltet werden können

Arbeitsort:

  • Bevorzugt Berlin, ein Großteil der Arbeit kann aber per Homeoffice bundesweit ausgeübt werden
  • Zum Veranstaltungstermin 15.-17. 08. ist die Anwesenheit vor Ort notwendig

Gehalt:

  • 700 Euro brutto / Monat
  • Alternativ nach Absprache als freie Honorarkraft

Aufgaben:

  • Organisation und Betreuung des Anmeldeverfahrens (u.a. Abrechnung Tickets, Betreuung Buchungssystem, Versand von Infomaterial)
  • Koordination der Unterbringung von Teilnehmer*innen
  • Vollständige Übernahme der Organisation des Messe-Tags (17. August)
  • weitere Aufgaben in Absprache

Anforderungen:

  • Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
  • Ausreichend sichere PC-Kenntnisse
  • Teamfähigkeit – neben den eigenständigen Aufgabenbereichen arbeitest du im Team mit freiwilligen Helfern und unserer Hauptorganisatorin
  • Eigenverantwortliche und selbstständige Arbeitsweise
  • Flexibilität und Koordinationsfähigkeit
  • Hohes Maß an Zuverlässigkeit
  • Englischkenntnisse in Wort und Schrift sind von Vorteil
  • Erfahrung mit (Event-) Organisation oder anderen „Allround-Jobs” sind von Vorteil

Formlose Bewerbungen bitte bis 15.03.19 an Johanna Weber – johanna@besd-ev.de
Fragen an kongress@besd-ev.de oder telefonisch 0152 – 0461 7464 (Charlie Hansen)

Wo: Berlin, 15. August 2019
Deadline: 20. Mai 2019
Kontakt: workshop@hurenkongress.de

Du bist oder warst in der Sexarbeit tätig und hast Lust, dein Wissen mit interessierten Kolleg*innen zu teilen? Dann ist der diesjährige Kongress die perfekte Gelegenheit, um aktiv die Vernetzung, Solidarisierung und den praktischen Wissensaustausch in unserer Branche zu stärken. Im Rahmen von jeweils ungefähr 1,5 – 2 Stunden langen Workshops wollen wir Tricks, Tipps und Skills aller Art untereinander teilen.

Welche Art von Workshops stellt ihr euch vor?

Du …
… hast bereits wertvolle Erfahrung in verschiedenen Branchensegmenten gesammelt?
… bist nach Jahren der Selbstständigkeit ein*e Meister*in Sachen steuerliche Absetzung?
… hast gute Tipps für die Verhandlung mit knallhartem Laufhaus-Management?
… hast dir Gedanken gemacht, wie du langfristig gesund in der Branche arbeitest?
… bringst Kindererziehung und die Arbeit im BDSM-Studio unter einen Hut?
… hast dir schon Gedanken über deine Absicherung und Finanzierung im Alter gemacht?
… weißt genau, wie du deine Werbetexte auf dein Zielpublikum ausrichten kannst?
… hast Erfahrungen zum Thema Outing in Freundeskreis, Familie oder Partnerschaft?
… hast Strategien, wie man aus Neu-Kund*innen Stammgäste macht?
… kennst dich mit bestimmten erotischen Techniken besonders gut aus?

Unsere Branche ist so vielseitig und umfasst so viele verschiedene Arbeitsorte und Arbeitsweisen, dass es auch viele verschiedene Probleme, Lösungsansätze, Strategien und Denkweisen gibt. Entsprechend bunt dürfen auch unsere Workshops sein!

Welchen Mehrwert bieten die Workshops?

Viele Kolleg*innen können von DEINEN Erfahrungen profitieren und sich innerhalb kurzer Zeit wertvolles Wissen aneignen, das ihnen in dieser Form nirgendwo sonst zur Verfügung steht. Sich zu Neuem inspirieren lassen. Einfach etwas Interessantes dazulernen. Oder vielleicht bestimmte teure oder schmerzhafte Fehler selbst vermeiden. Und natürlich bietet ein Workshop auch wieder eine der wichtigsten Gelegenheiten: Um miteinander ins Gespräch zu kommen und sich mit anderen Sexarbeiter*innen zu vernetzen.

Wie sieht es mit Bezahlung aus?

Insbesondere für Workshops mit Bezug zum Thema Gesundheit, haben wir dank der Unterstützung der Deutschen AIDS-Hilfe die Möglichkeit, euch ca. 220 Euro Honorar + freien Eintritt für die anderen beiden Tage. (evtl. sind Fahrtkosten bis 110 Euro möglich).

Gut, ich bin dabei – und jetzt?

Wir sind offen für deine Ideen und freuen uns über jede*n motivierte*n Workshop-Leiter*in! Schick uns einfach bis spätestens 20.05.2019 eine Nachricht mit einer kurzen Beschreibung deiner Workshop-Idee an workshop@hurenkongress.de und wir setzen uns mit dir für die weitere Planung in Verbindung.

Im Rahmen der Unterstützung der schwedischen Sexworker-Vereinigung Fuckförbundet, hat sich der Berufsverband in einer offenen Anfrage an die Schwedische Botschaft in Berlin gewendet. Wir unterstützen darin die Anliegen der schwedischen Kolleg*innen zur Entkriminalisierung von Sexarbeit und die Interessensvertretung von Sexarbeiter*innen.

Die neuesten bürokratischen Hürden, die dem schwedischen Verein in den Weg gelegt werden – diesem wird willkürlich die Eröffnung eines Bankkontos verwehrt – verurteilten wir in unserem Schreiben aufs Schärfste und regten einen Klärungsprozess an.

Im ihrem Antwortschreiben bat die Schwedische Botschaft um Verständnis, dass der Fall Fuckförbundet „leider nicht im Detail“ bekannt und daher keine Einschätzung möglich sei.

Bezüglich der Rechte schwedischer Sexarbeitender gewährt die Stellungsnahme der Botschaft jedoch generell einen aussagekräftigen Einblick in das Klima, in dem die Kolleg*innen arbeiten müssen.

„(…) Die Stärkung der Rechte und der Schutz von Sexarbeitenden waren ein zentrales Anliegen in der Ausarbeitung der schwedischen Gesetzgebung. Das Sexkaufverbot erfährt breite Unterstützung aus der Bevölkerung sowie Parteien des gesamten politischen Spektrums.

Mehr darüber, wie und warum es Fuckförbundet schwer gemacht wird, ein eigenes Konto zu eröffnen und was die Schwed*innen im Interview mit dem BesD selbst dazu sagen, lest ihr im Blogbeitrag: „Absurde Welt: Schwedische Sexwork-NGO darf kein Konto eröffnen“.

Wir sind sehr froh darüber, dass wir mit Hilfe der Fördermittel des RedUmbrellaFunds eine zweite halbe Stelle finanzieren können.

Ab Mitte Januar oder Februar 2018 suchen wir eine schreiberfahrene Person für Texte- und Pressearbeit.

 

Anforderungen:

  • eigene Erfahrung in der Sexarbeit sind sehr erwünscht
  • Erfahrung in Schreib- oder Pressearbeit
  • Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten und eigenständig Entscheidungen treffen
  • Teamfähigkeit – regelmäßige Abstimmung mit zuständigen anderen BesD-Mitgliedern
  • Bereitschaft zum kritischen Hinterfragen der eigenen Arbeit
  • Lust sich in neue Themengebiete eigenständig einzuarbeiten
  • Geschick, um die verschiedenen Meinungen innerhalb des BesD zusammenzufassen
  • Bereitschaft Pressekontakte zu knüpfen und zu pflegen
  • Englisch-Kenntnisse in Sprache und Schrift sind von Vorteil

 

Aufgaben:

  • Überarbeitung und Pflege der Texte auf der Berufsverbands-Webseite
  • Mitgliederblog auf der Webseite mit Leben füllen (Interviews)
  • WordPress-Webseite pflegen (interner Kursus dazu)
  • Socialmedia-Kanäle des BesD betreuen
  • BesD-Newsletter verfassen
  • Koordination der internen Pressegruppe
  • Beobachten der Presselandschaft zum Thema Sexarbeit
  • Richtigstellungen und Kommentare verfassen und publik machen
  • Pressemitteilungen zu relevanten Themen vorbereiten und publik machen
  • Text- und Gestaltungsarbeit bei Flyern, Infomaterial usw. des BesD
  • Ideen für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit entwickeln

 

Arbeitsalltag:

  • Es handelt sich um eine Stelle im Homeoffice. Arbeitsmittel können gestellt werden.
  • Die Arbeit wird für alle BesD-Mitglieder im Forum transparent gemacht.
  • Regelmäßige Personalgespräche und Abstimmungen finden in Hamburg und/oder Berlin statt.

 

Bezahlung:

  • 21 Stunden pro Woche
  • 20 Tage Urlaub
  • 1350 butto (BesD-Einheitsgehalt)
  • nebenberufliche Tätigkeiten jeder Art auch Sexarbeit sind erlaubt

 

Aussagefähige Bewerbungen bitte bis 10.01.2019
an Johanna Weber – johanna@besd-ev.de
Fragen 0151 – 1751 9771 (Johanna Weber) oder 0152 – 0461 7464 (Charlie Hansen)

Am 28. & 29. September veranstaltet der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen den Hurenkongress 2018 in Berlin – wir freuen uns sehr, alle Sexworker zum Hurenkongress einladen zu können.

Der Hurenkongress ist eine Veranstaltung von Sexworkern für Sexworker und bietet neben verschiedenen praktischen Workshops die Möglichekeit Kolleg*innen aus verschiedenen Bereichen kennen zu lernen, sich auszutauschen und zu vernetzen.

Der Kongress geht über zwei Tage; am ersten Tag sind verschiedene praktische Workshops geplant, während der zweite Tag mit dem SexworkerCamp offen gestaltet ist und sich nach den Bedürfnissen und Angeboten der Teilnehmer richtet.

Am Workshoptag kannst du zum Beispiel zwischen Grenzsetzung/Psychohygiene, DirtyTalk/Suggestionstechniken oder Selbstverteidigung für Sexworker wählen. Insgesamt stehen acht Workshops zur Auswahl, davon werden zwei in Englisch gehalten. Außerdem besteht an diesem Tag die Möglichkeit sich aktiv an der Forschung über Sexarbeit zu beteiligen; es wird auch zwei Workshops mit Forschenden geben, in denen ihr mit den Wissenschaftlern gemeinsam an dem Bild, das die Forschung über unsere Tätigkeit erstellt mitarbeiten könnt.

Nach diesem inputreichen Tag wollen wir Abends gemeinsam feiern; die Kongressparty ist für Teilnehmer umsonst; nicht-Sexarbeitende können nur in Begleitung von Sexworkern auf die Party.

Das SexworkerCamp am zweiten Tag ist offen für alle Dinge und Fragen, die du schon immer mal mit Kolleg*innen besprechen wolltest:

– Hast du Fragen rund ums ProstSchG?
– Geistert dir schon lange eine Idee im Kopf herum, die du gerne mit Kolleg*innen besprechen und umsetzen wolltest?
– Möchtest du dich zu einem bestimmten Thema mit anderen austauschen?
– Oder hast du Fähigkeiten, die du gerne teilen möchtest?

Für all das ist am zweiten Tag Raum und Zeit 🙂

Wir freuen uns sehr, wenn du dabei bist!

Unter http://www.hurenkongress.de findest du weitere Infos und die Möglichkeit dich anzumelden.

Du Bist kein*e Sexarbeitende*r , möchtest den Hurenkongress aber trotzdem unterstützen?

Wir suchen noch Unterstützer*innen des Hurenkongresses!

Der Hurenkongress ist von Sexworkern für Sexworker und bietet Sexarbeitenden die Möglichkeit sich Wissen anzueignen, sich auszutauschen und sich mit Kolleg*innen zu vernetzen. Dies ist vor allem angesichts des ProstSchG dringend nötig.

Ermögliche Sexarbeitenden am Hurenkongress 2018 in Berlin teilzunehmen, indem Du ein Sponsorenticket kaufst. Für 45€/1 Tag, 85€/ 2 Tage ermöglichst Du vor allem prekär arbeitenden Kolleg*innen die kostenlose Teilnahme und damit den Zugang zu Empowerment. Wir geben dein Ticket dann an Sexworker weiter, die sich selbst keines leisten können.

Um ein Sponsorenticket zu erwerben kannst Du entweder eine Zahlung über paypal vornehmen oder eine Überweisung auf das Konto des BesD tätigen. Als Verwendungszweck/Nachricht bitte Sponsorenticket Hurenkongress oder Sponsorenticket HK angeben.

Wir bedanken uns herzlich für Deine Unterstützung

Kontoverbindung des BesD e.V.:
IBAN:DE49100500000190290862
BIC:BELADEBEXXX
Landesbank Berlin – Berliner Sparkasse

Paypal: Einfach Geld an zahlung@besd-ev.de senden.

Vielen Dank an alle Unterstützer*innen!

Unser Dank gilt an dieser Stelle neben den privaten Spendern auch Kaufmich – Kaufmich ermöglicht mit dem Kauf von Sponsorentickets 4 Kolleg*innen die kostenlose 2-Tägige Teilnahme an unserem Kongress.

KOMPLETT ANONYME SPENDEN SIND MÖGLICH

Vor gut einem Jahr haben wir 3.200 Euro für den Aufbau einer Infoseite zum Thema Sexarbeit in Deutschland gesammelt.
Dafür möchten wir nochmals danken.
Das Geld wurde exakt für den Sammelzweck verwendet und ist aufgebraucht. Hier die damalige Spendenaktion -> https://www.leetchi.com/c/projekt-von-berufsverband-erotische-und-sexuelle-dienstleistungen

 

GRUND FÜR DIE NEUE WEBSEITE
Anlass war der Informationsmangel und die verwirrenden Falschmeldungen bezogen auf das neue Gesetz für Sexarbeitende. Das sogenannte ProstituiertenSchutzGesetz (ProstSchG) verpflichtet alle in Deutschland in der Sexarbeit Tätigen zu einer Gesundheitsberatung und einer anschließenden Registrierung als Prostituierte.

Das Gesetz trat am 1.Juli letzten Jahres in Kraft und ist immer noch nicht in allen Bundesländern umgesetzt.

Wir wollten eine Plattform schaffen, wo Kolleg*innen alle berufsbezogenen Infos verständlich erklärt finden können.

 

WICHTIG WAR UND IST

a) Sachliche und fundierte Infos für alle Bundesländer zum Thema ProstituiertenSchutzGesetz. Kurz-Infos in leicht verständlicher Sprache und Details für alle, die es genauer wissen wollen.

b) Im Alltagsgeschäft sind viele Kolleg*innen auf sich selbst gestellt und auch für grundsätzliche branchentypische Probleme finden sich kaum Ansprechpartner*innen. Hier springt nun unser FAQ ein, welches regelmäßig erweitert wird.

c) Übersetzungen der wichtigsten Punkte in die gängigen Sprachen unserer Branche – Daran arbeiten wir weiterhin.

d) Alle für die Branche wichtigen Adressen sind nun zu finden, ebenso Auskünfte zu Themen von Sperrgebieten über Sexarbeits-Stammtische bis hin zu Weiterbildung und einem Terminkalender.

 

ERGEBNIS
Wir sind sehr stolz auf das Resultat, denn unsere Webseite ist von uns komplett erneuert worden:

  • wichtige Infos sind nun zu finden auf der Seite
  • wesentlich höhere Klickrate
  • wesentlich bessere Auffindbarkeit für Suchmaschinen
  • Kolleg*innen schreiben nun regelmäßig Blogbeiträge
  • das interne Forum wurde sehr belebt

 

WAS FEHLT

a) es sind schon fertige Übersetzungstexte vorhanden. Das zeitaufwendige Einpflegen muss gemacht werden

b) Vervollständigung und Aktualisierung der Adressliste bezogen auf das ProstSchG

c) Behebung technischer Fehler

d) Überarbeitung des Bisherigen und Optimierung

 

WIE SOLL DAS GEHEN?
Wir werden Ende Juni ein Webseiten-Wochenende veranstalten, wozu sich 5 Personen angemeldet haben. Dort werden wir 3 Tage intensiv arbeiten.
Wir wissen, dass dies sehr gut klappt, denn wir machen das in der Art schon zum 3. Mal.

Wir brauchen dringend finanzielle Unterstützung bei der Weiterführung unseres Projektes.

Bitte spende jetzt -> https://www.leetchi.com/c/weiterarbeit-an-info-webseite-fuer-sexarbeitende

Du kannst auch anonym spenden. Bei der Mailadresse, die abgefragt wird von diesem Spendentool, kannst du eine Phantasieadresse eingeben. Das spielt keine Rolle. Das Geld kommt trotzdem an.

 


 

KOSTENPLAN:

700 Euro für Webseiten-Wochenende
– Miete Seminarraum- Reisekosten für 5 Personen- Verpflegung für 5 Personen

200 Euro für Programmierung
als Bonus für unsere zum großen Teil ehrenamtlich arbeitende Webmasterin

600 Euro für Übersetzungen
– Korrekturlesen der schon vorhandenen Übersetzungen- Einpflegen auf die Webseite

300 Euro für Aktuelles
– Vervollständigung der Liste mit den bundesweiten Adressen- immer wieder Aktualisierung

SUMME = 1.800 Euro

 

Bitte spende HIER -> https://www.leetchi.com/c/weiterarbeit-an-info-webseite-fuer-sexarbeitende

 

 

Liebe Leute von der Jungle World!

Wir haben mit angelegentlichem Interesse den Artikel „Im Auge des Shitstorms“ von Till Randolfs Amelung am 7.12.2017 in Ihrer Online-Ausgabe gelesen.

Herr Amelung macht es sich zur Aufgabe, in diesem bündigen Text gleich zwei diskriminierten Randgruppen eins auf die Mütze zu geben – den Transfrauen (das sind Frauen, denen die Natur einen Penis, und zwar einen eigenen, samt Zubehör geschenkt hat), einerseits.
Und andrerseits den Sexarbeiter*innen, die Herr Amelung nicht so nennt, er bevorzugt den eher konservativen Begriff Prostituierte. Im Namen der letzteren wenden wir als der einzige Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen uns an die Redaktion der Jungen World und an Herrn Amelung persönlich.

Die weit verbreitete Meinung, dass viele Prostituierte nicht selbstbestimmt und frei arbeiten, veranlasst ihn, uns den Terminus „Arbeiter*innen“ abzusprechen. Till Randolf Amelung sympathisiert mit der abolitionistischen Bewegung insofern, als er ihre Begrifflichkeit übernimmt und ihre Kritiker kritisiert. Das Kritisieren von Kritikern Dritter schreibt einem selbst nicht unbedingt eine klare Position zu. Herr Amelung nimmt wenn, dann indirekt Stellung. Dies werfen wir ihm nicht vor. Wohl aber, dass er versäumt, zu konkretisieren, wen er mit den Kritikern der Radikalfeministinnen, bzw. von „Einzelpersonen und Organisationen, die unermüdlich auf die offensichtlichen Probleme im Rotlichtmilieu hinweisen, etwa dass dieses fest in der Hand krimineller Banden von Menschenhändlern ist“ (Zitat Amelung), eigentlich meint.

Zitat Amelung: „Selbstbestimmung ist jedoch für viele Prostituierte eine hohle Phrase, denn der Großteil des hart verdienten Geldes wandert in die Taschen von Bordell­betreibern, Zuhältern und Menschenhändlern. Warum die Gesetzesmä­ßigkeiten des Kapitalismus ausgerechnet die Prostitution umgehen und aus ihr einen rosaroten Ponyhof machen sollten, wie viele Queerfeministinnen offenbar glauben, bleibt deren Geheimnis.“
– Auf welche Quellen, welche Thesen bezieht er sich? Wer sind die Queerfeminsitinnen, die Amelung meint, und was haben Sie gesagt, das ihn zu der Aussage veranlasst, sie würden die Probleme, die in ihrem Gewerbe existieren, nicht sehen? Das Versäumnis, dies eindeutig zu benennen, stellt die gesamte internationale Bewegung der Sexarbeiter*innen an den Pranger.

Wir vom BesD e.V. verwahren uns gegen den Vorwurf der Verharmlosung von Missständen, Unterdrückung und Gewalt im Kontext der Sexarbeit. Die Einsicht in diese Probleme, die auch gerade durch Kriminalisierung des Gewerbes, den Mangel an guten Arbeitsbedingungen und Beratungsstellen und das Fehlen von gewerkschaftlichen Strukturen verursacht sind; und der Wille, diesen abzuhelfen, ist ja gerade das Anliegen des BesD e.V.!

Im BesD e.V. sind keine Betreiber oder Nutznießer von ausbeuterischen Strukturen, sondern ausschließlich aktive oder ehemalige Sexarbeiter*innen. Wir kämpfen für ein (ja, tatsächlich immer noch viel zu seltenes!) selbstbestimmtes Arbeiten und gegen Stigmatisierung. Wir sind dafür, dass jede*r den Beruf der Sexarbeite*in frei wählen kann, die sich dazu berufen fühlt. Wir sind für eine klare Abgrenzung der Sexarbeit von den kriminellen Strukturen von Menschenhandel und Zuhälterei, die juristisch weiterhin bekämpft werden müssen.
Wir sind aus eigener Erfahrung überzeugt davon, dass die pauschalisierende Gleichung von Sexarbeit = Sklaverei oder Prostitution = Vergewaltigung falsch ist und nicht dazu angetan, die Missstände zu beseitigen. Menschenhandel und Ausbeutung haben gesellschaftliche Ursachen wie Armut, Bildungsferne und Migration auf Grund von politischer Verfolgung und sexueller Diskriminierung in den Heimatländern. Diesen Ursachen ist nicht beizukommen, indem man die Prostituierten oder ihre Kunden gesetzlich verbietet.

AG MEDIA
BesD e.V.

Das ProstituiertenSchutzGesetz ist da und immer noch ist vieles unklar! Die ganze Tragweite des ProstSchG ist kaum zu überblicken. Vor allem durch die automatische Meldung an das Finanzamt ergeben sich verschiedene Fragen, die vor allem den Datenschutz betreffen. So ist damit zu rechnen, dass uns das Finanzamt zukünftig mit der Gewerbebezeichnung ‚Prostituierte*r‘ führt. Diese Information findet sich dann auch in den Dokumenten des Finanzamtes, die an uns nach Hause geschickt werden und aufzuheben sind. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Berufsbezeichnung an die Industrie- und Handelskammer weitergegeben wird. Es ist schwer zu überblicken, wo diese Information dann noch überall landet.

Um auf diese Problematik aufmerksam zu machen und Antworten auf unsere Fragen zu bekommen, haben wir eine Anfrage an die Fraktionsvorstände der Parteien gestellt.

Durch das ProstSchG ergeben sich einige weitere Fragen in Bezug auf die Finanzbehörden und deren Umgang mit uns. Neben den Fragen zum Datenschutz interessiert uns auch, ob das Düsseldorfer Verfahren, bei dem vorab Steuern erhoben werden, weiter notwendig ist. Und wir machen zum Beispiel auf die zu hohen Sätze bei Steuerschätzungen aufmerksam. Um diese offenen, für uns alle wichtigen Fragen zu klären, hat sich der BesD mit einer umfangreichen Anfrage an die Landesfinanzministerien gewendet.

Wir sind auf die Antworten gespannt und halten euch auf dem Laufenden …

Hier sind die von uns formulierten Anschreiben in ganzer Länge:

Anfrage an die Fraktionsvorstände

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Juli diesen Jahres ist das ProstituiertenSchutzGesetz in Kraft; es wurde trotz massiver Bedenken der Betroffenen verabschiedet, eine umfangreiche Kritik (auch in deutscher Sprache) finden Sie hier: http://www.sexworkeurope.org/news/general-news/germany-sex-workers-rights-day-icrse-launches-briefing-paper-germanys-new

Aktuell herrscht eine große Verunsicherung unter den Kolleg*innen; die vom ProstSchG versprochene Rechtssicherheit ist nicht absehbar, bei vielen Einzelfällen ist eine klare Einordnung in die Rechtsvorschriften kaum möglich. Viele selbstbestimmte Bereiche werden durch das neue Gesetz eingeschränkt oder illegalisiert (vor allem kleine Inhaber*innengeführte Wohnungsbordelle, die in Zukunft an den Bauvorschriften scheitern). Nicht Deutsch sprechenden Kolleg*innen fällt es schwer überhaupt zu verstehen, was das komplexe ProstSchG für sie bedeutet – einige werden auf die Hilfe von Dritten angewiesen sein, um die bürokratischen Hürden bewältigen zu können, manche werden sich nicht anmelden können, weil sie keine Aufenthalts- oder Arbeitsgenehmigung haben. In diesen Fällen erhöht das ProstSchG die Abhängigkeit von Dritten und drängt einen großen Teil der in Deutschland tätigen Sexarbeiter*innen in illegale Bereiche, ohne Anmeldung können sie in keinem ‚offiziellen‘ Bordell mehr arbeiten. Wir alle sind extrem um die Sicherheit unserer Daten besorgt; für viele ist es existentiell die Art ihrer Tätigkeit zum Teil auch vor den engsten Angehörigen (Freunde, Partner, Kinder, Eltern, Arbeitskollegen…) geheim zu halten, zu groß ist die (häufig nicht unbegründete) Angst vor sozialer Ächtung oder auch Erpressung – Sexarbeit ist wohl einer der stigmatisiertesten Berufe überhaupt, auch in einer liberalen Gesellschaft wie Deutschland! Zukünftig einen ‚Hurenausweis‘ bei uns tragen zu müssen, ist eine unglaubliche Zumutung! An Stelle von ‚Schutz‘ birgt dieser die Gefahr eines ungewollten Outings und in den falschen Händen kann er zum diskreditierenden Erpressungsinstrument werden.

An all diesen Punkten lässt sich seit der Verabschiedung des ProstSchG nicht mehr viel ändern; eine Verfassungsbeschwerde ist eingereicht, dieser Prozess wird allerdings viel Zeit in Anspruch nehmen, bis ggf. Änderungen am ProstSchG vorgenommen werden. In Bezug auf den Schutz unserer Daten möchten wir allerdings noch auf einen Punkt aufmerksam machen, an dem es unserer Ansicht nach durchaus möglich wäre Maßnahmen zu ergreifen, die uns vor allem vor einem ungewollten Outing und/oder Erpressung schützen:

Bei den Finanzämtern haben sich in der Vergangenheit viele Sexarbeitende unter anderen Gewerbebezeichnungen (Hostess, Model, Masseur, Coach…) angemeldet und ihre Einkünfte aus der Sexarbeit so versteuert.
Es kam gelegentlich vor, dass ein*e Sexarbeiter*in vom Finanzamt angeschrieben wurde, um seine*ihre Gewerbebezeichnung gemäß dem Gewerbekennzahlenregister auf ‚Prostituierte*r‘ anzupassen. Das ist häufig sehr problematisch, denn wenn in Schreiben des Finanzamtes als Tätigkeit ‚Prostituierte*r‘ genannt wird, kann diese (potentiell diskreditierende) Information in die Hände Dritter gelangen.

1. Viele Krankenversicherungen lehnen trotz des ProstG, welches Sexarbeitenden das Recht auf Sozialversicherungen zuspricht, Mitgliedsanträge von ‚Prostituierten‘ ab.

2. Häufig wissen nicht mal die engsten Angehörigen (oder nur ein kleiner Teil) von der Tätigkeit; ein Schriftstück, selbst wenn man es gut verstaut, kann z.B. in die Hände von Kindern oder unwissenden Partnern fallen und so großen Schaden im privaten Umfeld der Betroffenen anrichten.

3. Die Finanzämter übermitteln häufig die Daten an die örtlichen IHKs, wir würden gerne sicherstellen, dort nicht als ‚Prostituierte‘ gelistet zu sein.

4. Für Sexdienstleister*innen aus dem Ausland kann es besonders gefährlich werden, wenn die heimische Finanzbehörde Daten über die Art der Tätigkeit erhält und Sexarbeit in dem Land illegal ist! Dies ist in so gut wie allen süd-osteuropäischen Ländern der Fall, Sexarbeiter*innen werden dort strafrechtlich verfolgt und sozial extrem geächtet.

Im Zuge des Prostituiertenschutzgesetzes, nachdem bei der verpflichtenden Anmeldung als Prostituierte*r eine automatische Meldung an das Finanzamt erteilt wird, ist damit zu rechnen, dass diese Fälle vermehrt und flächendeckend passieren. Wir haben nun schon ein wenig zu dem Thema recherchiert und können verstehen, dass es dem Finanzamt aus statistischen Gründen wichtig ist, die Tätigkeit unter diesem (diskriminierenden) Begriff zu führen.

An dieser Stelle wollen wir nochmals darauf hinweisen, dass die Speicherung persönlicher Daten in Verbindung mit Informationen zum Sexualleben einer Person das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und die Richtlinie des Europäischen Parlaments zum „Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten“ verletzt (Siehe Artikel 8; Europäisches Parlament „Richtlinie 95/46/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 24. October 1995). Insofern sollte neben dem ‚Hurenausweis‘ soweit wie möglich darauf geachtet werden, dass keine weiteren Dokumente, die persönliche Daten im Zusammenhang mit der Tätigkeit als ‚Prostituierte*r‘ enthalten produziert und in Umlauf gebracht werden!

Wir bitten sie die Umsetzung folgender Punkte zu klären:

a) Inwieweit ist es notwendig die Bezeichnung ‚Prostituierte*r‘ für den internen Gebrauch bei den Finanzämtern zu benutzen?

b) Wie kann sichergestellt werden, dass die Bezeichnung der Tätigkeit in sämtlichen Daten- und Briefverkehr nach außen nicht genannt wird? Dies betrifft sowohl die Post an den Haushalt der betroffenen Person, als auch den Austausch von Daten mit ausländischen Behörden und die Meldungen an die IHKs.

Wir schlagen einen generellen Vorgang vor: Grundsätzlich sollte der Begriff ‚Prostituierte*r‘ in jedem Daten- und Schriftverkehr nach außen durch ’selbstständige Tätigkeit‘ oder ’sonstige Dienstleistung‘ ersetzt werden.

Schon im Voraus vielen Dank für ihre Bemühungen,

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Bölts Finanzvorstand
Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V

 

Anfrage an die Landesfinanzministerien

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen ist aktuell sehr beschäftigt mit den Auswirkungen des neu in Kraft getretenen ProstituiertenSchutzGesetzes. Hierbei ergeben sich auch Fragen im Zusammenhang mit dem Thema Steuern:

1. Datenschutz bezüglich der Gewerbebezeichnung Laut §36 Absatz 8 ProstSchG wird jede Anmeldung weitergeleitet an das FA. Da es sich bei der Prostitution nach wie vor um einen extrem stigmatisierten Beruf handelt, ist es für den Lebensalltag und die weiteren Perspektiven aller in der Sexarbeit Tätigen sehr wichtig, keine nachweisbaren Spuren zu hinterlassen. So können selbst Schriftstücke vom Finanzamt, auf denen der Begriff ‚Prostitution‘ steht zum Beispiel zu einem Outing vor nahen Angehörigen (Kindern, Partnern, Eltern) führen. Für Sexdienstleister*innen aus dem Ausland kann es besonders gefährlich werden, wenn die heimische Finanzbehörde Daten über die Art der Tätigkeit erhält und Sexarbeit in dem Land illegal ist! Dies ist in so gut wie allen süd-osteuropäischen Ländern der Fall, Sexarbeiter*innen werden dort strafrechtlich verfolgt und sozial extrem geächtet. Wir bitten sie die Umsetzung folgender Punkte zu klären: a) Inwieweit ist es notwendig die Bezeichnung ‚Prostituierte*r‘ für den internen Gebrauch bei den Finanzämtern zu benutzen? b) Wie kann sichergestellt werden, dass die Bezeichnung der Tätigkeit in sämtlichen Daten- und Briefverkehr nach außen nicht genannt wird? Dies betrifft sowohl die Post an den Haushalt der betroffenen Person, als auch den Austausch von Daten mit ausländischen Behörden und die Meldungen an die IHKs.

An dieser Stelle wollen wir nochmals darauf hinweisen, dass die Speicherung persönlicher Daten in Verbindung mit Informationen zum Sexualleben einer Person das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung und die Richtlinie des Europäischen Parlaments zum „Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten“ verletzt (Siehe Artikel 8; Europäisches Parlament „Richtlinie 95/46/EG des europäischen Parlaments und des Rates vom 24. October 1995). Insofern sollte neben dem ‚Hurenausweis‘ soweit wie möglich darauf geachtet werden, dass keine weiteren Dokumente, die persönliche Daten im Zusammenhang mit der Tätigkeit als ‚Prostituierte*r‘ enthalten produziert und in Umlauf gebracht werden!

Wir schlagen einen generellen Vorgang vor: Grundsätzlich sollte der Begriff ‚Prostituierte*r‘ in jedem Daten- und Schriftverkehr nach außen durch ’selbstständige Tätigkeit‘ oder ’sonstige Dienstleistung‘ ersetzt werden.

2. Umsatzsteuerheft Müssen Prostituierte als naturgemäße Unternehmer*innen ohne gewerbliche Niederlassung ein Umsatzsteuerheft führen? Falls JA, mit welcher Begründung?

3. Weiterleitung an die IHK Erfolgt eine Weiterleitung der Anmeldung an die zuständige IHK? Wenn JA, mit welcher Begründung und wie kann dafür gesorgt werden, dass zum Beispiel die Bezeichnung ‚Sonstige Dienstleistungen‘ verwendet wird und nicht ‚Prostituierte‘?

4. Neue Steuernummer für schon bestehende Meldungen? Die meisten in Deutschland wohnenden Sexarbeiter*innen sind steuerlich angemeldet – allerdings unter einer anderen Berufsbezeichnung. Bekommen diese eine neue Steuernummer? Wenn JA, müssen diese Personen sich selber um eine neue Anmeldung beim zuständigen FA kümmern oder läuft dieser Prozess automatisch? Können weitere Tätigkeiten auf derselben Steuernummer getätigt werden? Und auch hier gab es schon Fälle, in denen Betroffene durch die Post des Finanzamtes, welche darauf hinweist, dass die Tätigkeit unter der falschen Gewerbebezeichnung betrieben wurde und nun auf ‚Prostituierte*r‘ korrigiert wird in problematische Situationen gebracht wurden.

5. Steuer-Anmeldung bei neu in der Branche Tätige? Muss eine Person, die als Prostituierte anfängt, sich selbst um eine neue Anmeldung beim zuständigen FA kümmern oder fällt dies nun weg, denn es erfolgt ja eine Meldung an das FA von der Registrierungsstelle?

6. Steuernummer für EU-Bürger Nicht in Deutschland Wohnende aber in Deutschland beruflich Tätige können die hiesigen Einnahmen laut EU-Doppelbesteuerungs-Abkommen in ihrem EU-Heimatland (oder Schweiz) versteuern. Müssen sie aufgrund des ProstSchG nun auch in Deutschland eine Steuernummer beantragen oder erhalten sie diese automatisch? Wenn JA, müssen sie eine Steuererklärung abgeben und was muss drin stehen? Vor allem in Fällen des Doppelbesteuerungsabkommens ist es extrem wichtig, dass keine Informationen bezüglich der Tätigkeit an ausländische Finanzbehörden übermittelt werden!!

7. Steuernummer ohne festen Wohnsitz Ein großer Teil der Sexarbeitenden stammt aus dem EU-Ausland und hat keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Gilt die von der Registrierungsstelle akzeptierte Adresse auch für die steuerliche Anmeldung? In einigen Bundesländern darf z.B. das Bordell als Adresse genutzt werden oder bei Kolleg*innen vom Straßenstrich eine Beratungsstelle.

8. Düsseldorfer Modell Der Bundesrechnungshof schlägt die Einführung des „Düsseldorfer Modells“ Deutschlandweit vor. Ist diese Einführung geplant? In einigen Städten sind für Sexarbeitende Zahlungen laut Düsseldorfer Modell Pflicht. Gibt es eine bundeseinheitliche, praktikable Regelung für Sexarbeitende, die nur gelegentlich an diesen Orten tätig sind und ihren steuerlichen Hauptwohnsitz in einer anderen Stadt oder Gemeinde haben? Wie können die durch das Düsseldorfer Modell in die regionale Steuerkasse gezahlten Beiträge bei der Steuererklärung am Heimatort geltend gemacht werden? Wir halten diese Sonderform der Steuererhebung generell für eine nicht rechtskonforme Ungleichbehandlung; durch die Regelung des ProstSchG, bei der die Anmeldebehörde eine Meldung an das zuständige FA zu übermittelt, wird das Düsseldorfer Modell überflüssig und sollte nicht weiter angewendet werden. Diese Ansicht wird auch von dem niedersächsischen Finanzministerium unterstützt.

9. Zu hohe Sätze bei Steuerschätzungen Die Umsätze in unserer Branche haben sich wesentlich verschlechtert. Die Tagessätze, die von den Steuerbehörden angenommen werden, sind in der Regel viel zu hoch. Immer wieder kommt es deshalb zu Problemen bei Steuererklärungen, überhöhten Schätzungen und folglich Verschuldung. Welche Möglichkeiten bestehen, dass die von den örtlichen Steuerbehörden angenommenen Umsatzwerte, neu berechnet werden?

Unser Berufsverband bietet dabei gerne die Zusammenarbeit an.

Wir freuen uns über eine kurzfristige Beantwortung der Fragen, denn es besteht große Unruhe innerhalb unserer Branche, und wir als Berufsverband sehen es als unsere Aufgabe hierbei sachlich aufzuklären.

Schon im Voraus vielen Dank für ihre Bemühungen,

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Bölts Finanzvorstand
Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V