Datum: 11.07.
Demostart: 22:00 Uhr
Adresse: Herbertstraße|Eingang Davidstraße, St. Pauli, Hamburg

Während nach dem Corona-Lockdown das Leben in anderen Branchen langsam zur Normalität zurückfindet, ist im berühmtesten Rotlichtviertel Deutschlands weiter „tote Hose“ – die Arbeitsplätze von Sexarbeiter*innen sind nach wie vor geschlossen. Das wollen die dort tätigen Sexarbeiter*innen und Bordellbetreiber*innen ändern: Unterstützt von angereisten Kolleg*innen und Unterstützer*innen aus ganz Deutschland, demonstrieren sie am 11.07. um 22:00 Uhr in der bekannten Herbertstraße gegen das Arbeitsverbot und für eine Öffnung der Bordelle.

Masseure dürfen weiterarbeiten – Sexworker seit 4 Monaten ohne Arbeitsplätze

Sexarbeiter*innen sind nicht die einzigen die sich fragen: ist eine weitere Schließung der Bordelle im Vergleich zu den anderen Branchen und den sinkenden Infektionszahlen noch verhältnismäßig? Menschen in der Sexarbeit fühlen sich von der Politik vergessen – während Geschäfte, Hotels, Restaurants, Imbisse, Kinos, Theater und Museen, sowie körpernahe Dienstleistungen wie Frisöre, Kosmetik, Tattoo-Studios und Massage-Salons wieder geöffnet wurden, wird die Öffnung der Prostitutionsbetriebe in Deutschland aus unklaren Motiven in die Länge gezogen. Deutschland bezieht hier eine umso unverständlichere Position, wenn man sich international und in den Nachbarländern umsieht: Unter anderem in Belgien, Schweiz, Holland, Österreich und Tschechien wurde das Prostitutionsgewerbe wieder vollständig im Rahmen der Corona-Lockerungen erlaubt.

Eine ganze Branche fühlt sich von der Politik im Stich gelassen

Irritierenderweise wird gerade Sexarbeiter*innen, die besonders mit Hygiene-und Schutzmaßnahmen vertraut sind, hierzulande scheinbar kein verantwortungsvoller Umgang mit Corona-Schutzmaßnahmen zugetraut. Dabei ist das Achten auf die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Kund*innen bei einer körpernahen Dienstleistung wie Sexarbeit – unabhängig vom Corona-Virus! – maßgeblich für die Vermeidung von Geschlechtskrankheiten, der Bewahrung der eigenen Arbeitsfähigkeit und dem guten Ruf als Dienstleister*in.

Touristen-Magnet St. Pauli weiter im Corona-Lockdown

Bis vor kurzem zog St. Pauli Tourist*innen aus aller Welt an und bereicherte die Stadt Hamburg dadurch mit gewaltigen Steuereinnahmen. Nun wissen die Menschen, die St. Pauli zu dem gemacht haben, was es ist, bereits seit 4 Monaten nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt bezahlen sollen – sie wollen sich endlich Gehör verschaffen.

Kontakt und Nachfragen:

• Johanna Weber, politische Sprecherin | johanna@besd-ev.de 0151 – 1751 9771
• Lilli Erdbeermund, Pressebüro | presse@besd-ev.de oder Presseanfrage über Website

Fußbereich

For English version, please click here. 

Unter dem roten Regenschirm – News vom BesD e.V. | 01. Juli 2020

Hallo zusammen,

unter dem vom BesD gestarteten Hashtag #RotlichtAN demonstrierten Sexarbeiter*innen, Beratungsstellen, Sexdienstleistungs-Betriebe und Unterstützer*innen am diesjährigen Hurentag für mehr Gerechtigkeit und mehr Rechte für Sexarbeiter*innen.

Gleichzeitig bringt das Berufsverbot während der Corona-Zeit verstärkt Befürworter*innen des Schwedischen Modells auf das Spielfeld. Wir arbeiten an allen Fronten intensiv gegen ein Sexkaufverbot und für das Recht, als Branche endlich auch Corona-Lockerungen zu erfahren.

Mehr über den Stand der Dinge für Sexworker und über die Verbandsarbeit erfährst du im aktuellen Newsletter.

Herzlichst,

Dein BesD-Team


#Hilfe gesucht – Nothilfe-Fonds in der Krise

Mithilfe der Spenden an den BesD Nothilfe Fonds konnten wir über 125.000 Euro an Sexarbeitende in Not auszahlen. Nun ist das Geld alle, aber die Krise dauert an. 

Neben privaten Spender*innen suchen wir geeignete Ansprechpartner*innen z.B. von Stiftungen, die weiterhelfen könnten und wollen. Du hast Tipps oder gar einen persönlichen Kontakt für uns? Bitte melde dich bei unserer Mitarbeiterin Tamara unter tamara@besd-ev.de oder +49 179 416 7883 (sms, whatsapp, telegram)

 


#Termine

  • 03.07. | Berlin, Leipziger Straße 3-4 | ab 08:30 Uhr | Protest gegen Arbeitsverbot: Sexarbeiter*innen protestieren gemeinsam mit Betreiber*innen vor dem Bundesrat in Berlin für eine Aufhebung des Arbeitsverbots -> hier geht es zu unserer Pressemeldung
  • 09.07. | Online | 21:00 – 22:30 | Berlin Strippers Collective Show
    Unter dem Motto „United We Strip“ erwartet dich ein glamouröses, sexy, unerhörtes Spektakel mit verführerischen Tänzer*innen, einem Mix aus Strip Shows und Comedy. Hier liest du mehr. Karten für das Soli-Event gibt es hier. PS: Das Berlin Strippers Collective hat jetzt auch einen Patreon-Account.

#Wissenswertes

  • Stand der Dinge: Das Corona-Chaos bleibt leider weiter bestehen – während in Berlin, Bremen, Hamburg, NRW, Saarland und Schleswig-Holstein explizit jede Art von Sexarbeit verboten ist, gibt es uneinheitliche Regelungen und große Unsicherheiten in den anderen Bundesländern. Nach wie vor gibt es deutschlandweit keine sichere Arbeitsgrundlage. In dem Blogbeitrag „Ist eigenständige Sexarbeit in einigen Bundesländern erlaubt oder nicht?“ liest du mehr.
  • Diskriminierung: Während viele Branchen von Corona-Lockerungen profitieren, bewegt sich bezüglich der Sexarbeit wenig bis nichts:  Während Nachbarländer wie die Schweiz, Belgien, Österreich, Tschechien und die Niederlande Sexarbeit bereits insgesamt wieder erlaubt haben, bietet die hiesige Politik keine Perspektiven für die Wiedereröffnung von Prostitutionsstätten und beraubt damit den Großteil der Sexarbeitenden ihrer Arbeitsplätze. Eine geplante Öffnung in Rheinland-Pfalz wurde nach Verkündigung wieder zurückgenommen.
  • Faktencheck zu Verbots-Argumenten: Die GSSG hat vor kurzem einen Faktencheck zu den Argumenten der Sexarbeits-Gegner*innen veröffentlicht.

#Lobbyhuren

  • Erfolgreiche Aktion #RotlichtAN: Unter diesem Hashtag starteten wir gemeinsam mit dem Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (Bufas e.V.) und weiteren Kooperationspartnern, Aktionen zum Hurentag. Twitter- und Facebook-Feeds wurden mit #RotlichtAN nahezu überflutet, unzählige Kolleg*innen und Unterstützer*innen erstellten eigene Profilbilder und nicht nur der Stern berichtete – mehr Berichte zur #RotlichtAN-Aktion findest du weiter unten in den Schlagzeilen.
  • Taktloser Angriff aus dem Bundestag: Ein Zusammenschluss aus Abgeordneten bemüht(e) sich nach Kräften, ein Sexkaufverbot im Fahrtwind der Corona-Krise durchzuboxen. Hier geht es zu unserer Stellungnahme.
  • Hygiene-Konzept für Sexarbeit während Corona: Wir fordern die Gleichbehandlung von Sexarbeit mit vergleichbaren körpernahen Dienstleistungen und haben uns mit unserem Hygiene-Konzept an die Bundesländer und die zuständigen Behörden gewendet.

Neues aus unserem Blog

Ich+habe+in+der+Sexarbeit+Gewalt+erfahren+-+warum+ich+mich+deshalb+f%C3%BCr+Sexworker+und+gegen+Sexkaufverbote+engagiere

Ich habe in der Sexarbeit Gewalt erfahren – warum ich mich deshalb für Sexworker und gegen Sexkaufverbote engagiere

Als Sexarbeiterin habe ich in vielen Bereichen gearbeitet, unter anderem in Bordellen, als Escort und als Porno- Darstellerin. Zurückgeblieben sind mehr schlechte als gute  Erinnerungen…WEITERLESEN

Gedanken zum ON/OFF bei den Corona-Lockerungen in Rheinland-Pflalz

Ich schreibe Ihnen heute mit drei Gefühlen, möchte Ihnen meine Gedanken zur o. g. Thematik mitteilen und habe wichtige Fragen an Sie. Meine Gefühle sind Wut, Angst und Enttäuschung… WEITERLESEN

I Trafficked Myself to Germany

I am wearing a coral necklace that I bought when I visited the town in Sicily where my father was born—the town from which he emigrated—when he was 3 years old. I wear it to remind me of the strength my grandfather must have had to leave everything he knew behind …  WEITERLESEN


Mach mit bei „Meet a Sexworker“.

Ab einer Mindestsumme von 150 Euro zugunsten des BesD kannst Du an unserer „Meet a Sexworker“-Aktion teilnehmen und erhältst die Gelegenheit, eine Sexarbeiterin privat und „außerhalb der Arbeitszeit“ im Rahmen eines 60-minütigen Treffens kennenzulernen.

Je nachdem wie es Dir besser passt, können wir uns im Text-Chat, oder vor der Webcam treffen. Die perfekte Gelegenheit um im Home Office zu prokrastinieren – und das auch noch für einen guten Zweck!

Unterstütze uns mit Deiner Spende.

Der absolute Großteil der Arbeit des BesD wird von ehrenamtlichen Helfer*innen in ihrer Freizeit geleistet.

Um auch weiterhin die Rechte von Sexarbeitenden zu stärken, bewerben wir uns als Verein um Fördergelder und suchen stetig nach Verbündeten, die bereit sind uns finanziell den Rücken zu stärken.

Du kannst die Arbeit des Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen sowohl mit einer einmaligen als auch einer regelmäßigen Spende unterstützen:

Kontoverbindung des BesD e.V.

IBAN:DE49100500000190290862

BIC:BELADEBEXXX

Paypal: In deinem PayPal Konto gibt es den Reiter „Geld senden”. Um zu spenden, gib einfach unsere Adresse zahlung@besd-ev.de und den gewünschten Betrag ein.

Hilf uns dabei, bekannter zu werden.

Wir haben jede Menge tolle Sticker und Postkarten, die wir gerne zum Auslegen oder Verteilen an dich verschicken. Schreib einfach eine kurze Mail mit der gewünschten Menge und Adresse an charlie@besd-ev.de.

Sprich über uns.

Twitter: @SexworkID

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Instagram: berufsverband-sexarbeit

Öffentliche Aufmerksamkeit hilft uns dabei, unsere Ziele besser durchzusetzen. Wir freuen uns daher sehr, wenn du unsere Beiträge kommentierst, retweetest, teilst oder auf „Gefällt mir” klickst. Vielen Dank!


#Medienspiegel

SCHLAGZEILEN

Diskriminierung: Während viele Branchen von Corona-Lockerungen profitieren, bewegt sich bezüglich der Sexarbeit wenig bis nichts.

Rheinland-Pfalz-Gate: Die versprochene Öffnung der Sexarbeits-Gewerbes fand doch nicht statt.

Hurentag: Mit #RotlichtAn protestierten Sexarbeiter*innen für legales Arbeiten und gegen ein Sexkaufverbot.

Berufsverbot: 16 Bundestagsabgeordnete aus Union und SPD forderten die endgültige Abschaffung der Prostitution im Zuge von Corona.


STIMMEN AUS DER SEXARBEIT


LOKALES, MEINUNGEN, BERICHTE


STIMMEN AUS DER FORSCHUNG UND VON BERATUNGSSTELLEN


BERICHTE ZUR SEXARBEIT AUSSERHALB DEUTSCHLANDS


AUCH INTERESSANT


Termin: 3.Juli – 8:30 Uhr – Bundesrat, Leipziger Straße 3-4, 10117 Berlin – ACHTUNG geänderte Uhrzeit


Am 03.07. ist der letzte Sitzungstag des Bundesrates vor der Sommerpause. Die Sexarbeitsbranche steht immer noch unter Arbeitsverbot und braucht eine Perspektive. Deshalb protestiert der Berufsverband für Sexarbeiter*innen (BesD e.V.) gemeinsam mit dem Bundesverbands für Betreiber*innen (BSD e.V.) vor dem Deutschen Bundesrat.

In Deutschland profitieren bereits nahezu alle Branchen von Corona-Lockerungen. Unter anderem durften Friseurläden, Massagesalons, Kosmetikstudios, Tantrainstitute, Fitnessstudios, Tattooläden, Saunen, Gaststätten und Hotels wieder öffnen und je nach Bundesland sind Veranstaltungen mit mehr als 50/100/300 Personen wieder erlaubt. Ungeachtet dessen, dauert die Schließung der Prostitutionsstätten deutschlandweit weiter an.

Dieser fortwährende Lock-Down erscheint angesichts der Entwicklungen in anderen Branchen unverständlich:

  • Sexarbeit findet in der Regel in einem 1:1 Kontakt zwischen Sexarbeiter*innen und Kund*innen statt. Sowohl der BesD e.V. als auch der BSD e.V. haben in Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern Hygienekonzepte für die Sexarbeit innerhalb (z.B. Apartmenthaus, Bordell, Laufhaus) und außerhalb (z.B. Escort, Straßenstrich) von Prostitutionsstätten erarbeitet.
  • Es ist nicht nachvollziehbar, dass Corona-Schutzmaßnahmen zwar in einem Massagesalon, aber nicht in einem Bordell umsetzbar sein sollen. Prostitutionsstätten
    unterliegen besonders rigiden Auflagen und sind verpflichtet, den bei ihnen tätigen Sexarbeiter*innen ein geschütztes, hygienisches Arbeitsumfeld zu bieten.

Während Nachbarländer wie die Schweiz, Belgien, Österreich, Tschechien und die Niederlande Sexarbeit bereits insgesamt wieder erlaubt haben, bietet die hiesige Politik keine Perspektiven für die Wiedereröffnung von Prostitutionsstätten und beraubt damit den Großteil der Sexarbeitenden ihrer Arbeitsplätze.

Entgegen der Behauptungen von Prostitutionsgegner*innen ist die Corona-Krise keine „Chance“ für die Einführung eines Sexkaufverbots und damit die Illegalisierung einer gesamten Branche. Sondern vielmehr eine Gelegenheit die Gemeinsamkeiten von Sexarbeit mit anderen Branchen zu erkennen und stigmatisierende und ineffektive Sondergesetze wie das ProstituiertenSchutzGesetz abzuschaffen.

Kontakt und Nachfragen:

Johanna Weber, politische Sprecherin | johanna@besd-ev.de | 0151 – 1751 9771
Lilli Erdbeermund, Pressebüro | presse@besd-ev.de oder → Presseanfrage über Website

Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. sucht ab sofort eine Verwaltungskraft für das Projekt „Roter Stöckelschuh“. Das Modellprojekt startet im Juli 2020 in Berlin, hat eine Laufzeit von 18 Monaten und wird durch Zuwendungen des Berliner Senats für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung gefördert. Die Besetzung der Stelle erfolgt vorbehaltlich der Mittelzusage.

Das Projekt hat zum Ziel, ein Netzwerk von Anlaufstellen aus verschiedenen Dienstleistungsbereichen zu etablieren und bekannt zu machen, wo Sexarbeiter*innen:

  • sich bei Bedarf ohne Angst outen können
  • professionell behandelt und beraten werden
  • keine negativen Reaktionen aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit befürchten müssen

Hintergrund: 

Wenn Sexarbeiter*innen als Kund*innen oder Patient*innen Dienstleistungen wahrnehmen, kommt es leider viel zu oft vor, dass sie aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit diskriminiert oder verurteilt werden. Die meisten Kolleg*innen outen sich daher nur äußerst ungern – auch wenn es zu Nachteilen für sie führt. Sie verschweigen zum Beispiel beim Arztbesuch ihren Beruf, fühlen sich gedrängt zu lügen oder lassen wichtige Fragen, die im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit stehen, unter den Tisch fallen.

Mit dem Antidiskriminierungslabel rund um das Netzwerk „Roter Stöckelschuh“ wollen wir diesen Umstand ändern und Sexarbeitende dabei unterstützen, sich zu professionalisieren. Zu Beginn konzentrieren wir uns auf Angebote der medizinischen Versorgung (Gynäkologie, Urologie, Allgemeinmedizin, Psychotherapie etc.), die im Zusammenhang mit der Tätigkeit in der Sexarbeit stehen können. Bei Fortführung des Projekts ist eine Ausweitung auf weitere professionelle Angebote Dritter (z.B. Steuerberatung, Anwält*innen etc.) geplant.

Arbeitszeit:

  • 20 Stunden/Woche, die flexibel gestaltet werden können
  • die Stelle ist auf die Projektlaufzeit von Juli 2020 bis Dezember 2021 befristet
  • im Falle einer Projektverlängerung wird eine Weiterbeschäftigung angestrebt

Arbeitsort:

  • Bevorzugt in Berlin, ein Großteil der Arbeit kann aber per Homeoffice bundesweit ausgeübt werden
  • Bei Veranstaltungen im Rahmen des Projekts kann eine Anwesenheit vor Ort notwendig werden

Gehalt:

  • Gehalt je nach Qualifikation und Vorkenntnissen entsprechend TV-L Berlin

Aufgaben:

  • Kassen- und Buchführung des Projekts, Budgetkontrolle
  • Verwaltung des Rechnungs- und Zahlungsverkehrs
  • Erstellung von Leistungs- und Verwendungsnachweisen
  • Mitarbeit an der Projektevaluation
  • Unterstützung bei der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Projekt-Veranstaltungen
  • weitere Aufgaben in Absprache

Anforderungen:

  • Abgeschlossene kaufmännische Ausbildung oder vergleichbare Qualifikation
  • Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift
  • Anwendungssichere PC-Kenntnisse im MS-Office-Paket
  • Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit
  • Eigenverantwortliche und selbstständige Arbeitsweise
  • Flexibilität und Koordinationsfähigkeit
  • Hohes Maß an Zuverlässigkeit
  • Kenntnisse in Buchführung, Kosten- und Leistungsrechnung
  • Erfahrungen mit Projektverwaltung oder -management, insbesondere der Projektfinanzierung durch staatliche Zuwendungen sowie durch Drittmittel
  • Bereitschaft für Veranstaltungen anzureisen, falls Wohnsitz nicht in Berlin ist
  • Eigene Erfahrungen in der Sexarbeit sind sehr willkommen; eine akzeptierende Haltung Sexarbeitenden und ihren Lebenslagen gegenüber wird vorausgesetzt.

Vollständige Bewerbungsunterlagen und Fragen bitte bis 30.06.2020 an Maia Ceres unter: roterstoeckelschuh@besd-ev.de.

Zum Internationalen Hurentag starten der Berufsverband und Bufas am 2. Juni die Aktion #RotlichtAN – mit Treffen vor Ort, einer öffentlichen Online-Gesprächsrunde und auf Social Media. 

Jährlich wird am 2.Juni dem Protest jener Prostituierten gedacht, die 1975 in Lyon eine Kirche besetzten, um auf ihre schlechten Lebens-und Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Doch noch heute leiden die in den vielfältigen Bereichen der Sexarbeit tätigen Menschen unter Strafmaßnahmen des Staates, kriminalisierender Gesetzgebung (z.B. Sexkaufverbot, Schwedisches Modell) und gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Hurentag 2020: Wir machen das #RotlichtAN!

Unter dem Hashtag #RotlichtAN vereint der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD e.V.) gemeinsam mit dem Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (Bufas e.V.) und weiteren Kooperationspartnern, Aktionen zum diesjährigen Hurentag.

Am 2. Juni finden bundesweit Events vor Ort statt, die unter der Beachtung der derzeitig nötigen Vorsichtsmaßnahmen stattfinden und zu denen Sexarbeiter*innen,  Unterstützer*innen, interessierte Menschen sowie Vertreter*innen der Presse herzlich willkommen sind. So organisieren Beratungsstellen, Betriebe und Künstler*innen unter anderem in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Bielefeld und Nürnberg Betriebsbesichtigungen, Kunstausstellungen oder Mahnwachen. Auf der –> #RotlichtAN-Seite des BesD findet sich eine Übersicht aller regionalen Veranstaltungen.

Online-Fragerunde zum diesjährigen Hurentag

Auch online ist einiges los: Der BesD veranstaltet ab 18:30 Uhr mit –> „Ask a Sexworker“ eine frei zugängliche Gesprächsrunde auf Zoom, in der mehrere Sexarbeiter*innen Fragen beantworten und einen Einblick in ihre Arbeits- und Lebenswelt geben. Wer mit in der Sexarbeit tätigen Menschen sprechen und mehr über Sexarbeit erfahren will, hat hier die Gelegenheit dazu. Der Teilnahme-Link wird am Veranstaltungstag auf der Website des BesD veröffentlicht.

Social-Media-Aktion mit Hashtag #RotlichtAN

Nicht nur Sexarbeitende sind eingeladen, Flagge zu zeigen: Jeder der ein Zeichen „Für legales Arbeiten – gegen Sexkaufverbot“ setzen will, kann sich an der Social-Media-Aktion #RotlichtAN beteiligen und den Hashtag posten, auf das eigene Profilbild setzen und/oder –> uns schicken und auf der BesD-Website veröffentlichen. 

Der diesjährige Hurentag findet im Zeichen der Corona-Krise statt. Seit März diesen Jahres sind Menschen, die in Deutschland der Sexarbeit nachgehen, von einem Arbeitsverbot im Rahmen der Corona-Maßnahmen betroffen. Während Nachbarländer die Sexarbeit bereits wieder zulassen – die Schweiz ab 6. Juni, Österreich ab 1. Juli –  und Arbeitnehmer und Selbstständige in anderen körpernahen Branchen in Deutschland sich über erste Lockerungen freuen, heißt es für Sexarbeitende hier noch: Warten.

Corona: Forderung nach Gleichbehandlung von Sexarbeit

Unsere Arbeitsplätze bleiben nach wie vor geschlossen und auch Selbstständigen ist die Wiederaufnahme der Arbeit noch nicht erlaubt. Viele Sexarbeitende sind von Armut bedroht und hoffen seit mittlerweile zwei Monaten auf echte  Hilfen und Unterstützung seitens des Staates. Der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen hat bereits ein  –> Hygiene-Konzept für die Lockerung der Corona-Maßnahmen vorgelegt und fordert eine Gleichbehandlung von Sexarbeit mit anderen Branchen – während und nach der Corona-Krise.

Eine Aktion der Sexarbeiterin Ruby Rebelde
Auf ihrer Webseite findet sich auch der vollständigen Offenen Brief -> mademoiselleruby.com/offener-brief/


Liebe Antilopen Gang,

mein Name ist Ruby, ich bin intersektionelle Feministin und aktive Sexworkerin. Ich wende mich an Euch als unabhängige Sexarbeits-Aktivistin und weil ich Eure Musik mag. Mit großer Erschütterung habe ich festgestellt, dass Ihr Huschke Mau, die sich in Deutschland massiv für die Abschaffung von Sexarbeit und damit für eine Repression von Sexualität einsetzt sehr viel Raum und Sichtbarkeit eingeräumt habt. Erst im Februar habe ich Euer Konzert besucht und hatte so viel Spaß. Umso mehr möchte ich Missverständnisse ansprechen, die mit der Person Huschke Mau und ihren politischen Positionen verbunden sind. Ich hege die Hoffnung, dass Euch, wie vielen anderen diese Punkte auf die ich gleich eingehen werde, nicht bewusst waren. Bitte nehmt diesen Offenen Brief zum Anlass, zu überdenken, ob Ihr wirklich nur einer einseitigen Meinung auf das komplexes Thema Sexarbeit eine Plattform bieten wollt? Für einen inklusiven Feminismus und Achtung der Menschenrechte Huschke Mau solidarisiert sich in ihrem Text, den ihr an den Schluss Eures Videos „Kleine, miese Type“ gestellt habt scheinbar mit Kolleginnen, die Oliver Pocher zuvor zwangsgeoutet hat. Doch gleichzeitig nutzt sie den Raum dafür ein Sexkaufverbot zu fordern, eine „Welt ohne Prostitution“. Für Tausende Sexarbeiterinnen ist die Selbstdarstellung von Huschke Mau als Aktivistin für Frauenrechte ein Schlag ins Gesicht. Für noch mehr Menschen, die einen inklusiven Feminismus vertreten, der die Rechte von LGBTQIA*Personen respektiert, ebenso.

Es gibt bereits einige Länder, z.B. Kanada und Frankreich in denen ein Sexkaufverbot gilt. Es heißt: Die Sexarbeiterinnen würden nicht bestraft, sondern „nur“ die Kundinnen von sexuellen Dienstleistungen. Doch wie sieht die Realität in diesen Ländern aus? Jeder, der Sexarbeitende dort unterstützt, egal ob Eltern, Freundinnen, Partnerinnen, Dienstleisterinnen macht sich der „Förderung der Prostitution“ oder gar der Zuhälterei schuldig. Beispiele? Sexarbeiterin möchte eine private Wohnung mieten: Nein, das ist ein „Sittenwidriges Bordell“.
Sexarbeitende Person hat ein Kind: Es kann ihr entzogen werden, weil sie keinen „moralisch einwandfreien Lebenswandel“ vorweisen kann!
Sexarbeitende bezahlt ein Taxi: Vorschub der Prostitution!
Es geht soweit, dass Unterstützungsorganisationen kein Bankkonto eröffnen dürfen um Fördermittel zu empfangen. Es ist eine furchtbare Stigmatisierung, die dort gesetzlich verankerte Realität ist.

Ein Sexkaufverbot schafft Sexarbeit nicht ab, denn die Kolleginnen arbeiten weiter, nur eben in der Grauzone, ohne Unterstützung, schützende Gesetze und Rechte.

Ergo, es verschlimmert die Situation der Sexarbeitenden und das ist schon lange bekannt. Die Forderung nach Sexkaufverbot in der Corona-Krise Gerade jetzt in der Corona – Pandemie sind die Befürworterinnen eines Sexkaufverbotes in Deutschland besonders laut.
Wir Sexarbeitenden sind seit 14.03. mit Berufsverbot zur Eindämmung des Corona-Virus belegt und daher vollkommen damit beschäftigt halbwegs unbeschadet durch diese Krise zu kommen. Aktivistinnen wie Huschke Mau nutzen diese Situation schamlos aus, um ihre Forderung Sexkaufverbot zu platzieren. Dabei scheuen sie auch nicht davor zurück, Sexarbeitende vor ihren ideologischen Karren zu spannen, deren Existenzgrundlage sie sonst bekämpfen. Mit Aktivistinnen wie Mau können wir Sexarbeiterinnen uns nicht einmal auf den Begriff unserer Tätigkeit einigen. Für sie ist Prostitution Vergewaltigung, doch wir fordern „Sexarbeit ist Arbeit – Respekt!“ Statt von Prostitution sprechen wir von Sexarbeit um den Arbeitscharakter unseres Berufs zu betonen und Anerkennung statt Verbote zu fordern.
Wollt ihr wirklich Leute pushen, die gegen Transpersonen, Migrantinnen und gegen die Selbstbestimmung der Frau agieren? Huschke Mau steht für einen Feminismus, der ausgrenzt und verbietet. In der Welt von Mau und Co wird gegen Transpersonen gehetzt, sie nehmen in Kauf, dass in Ländern mit Sexkaufverbot dieses dazu instrumentalisiert wird, Migrantinnen abzuschieben und Menschen mit nicht-synchroner Sexualität zu diskriminieren.
Wenn ich Euer musikalisches Schaffen und Eure Texte betrachte, kann ich nicht glauben, dass Ihr als Antilopen Gang Position gegen Frauenrechte bezieht? Ich glaube nicht, dass Euch TransPersonen gleichgültig sind, und ihr die Repression von Sexualität fördern möchtet. Ich denke: Euch ging es wie vielen, denen die Botschaft von Huschke Mau auf den ersten Blick unterstützenswert erscheint. Doch ihre Botschaft ist rassistisch, diskriminierend und moralistisch. Was könnt Ihr als Antilopen Gang tun? Ich und andere Sexarbeiterinnen, sowie viele Organisationen sind bereit, mit Euch zu diskutieren. Ich fände es schlimm, wenn bei Euren Fans und anderen Menschen der Eindruck entsteht, Ihr wärt gegen uns. Bitte redet mit uns statt über uns uns.

Es grüßt Euch, Ruby Rebelde

Begründung

Ein Sexkaufverbot in Deutschland? Wir sind entschieden dagegen.

Ein Sexkaufverbot in Deutschland hieße die Menschenrechte mit Füßen zu treten, Tausende Sexworker zu entmündigen und ihre potentielle Verarmung in Kauf zu nehmen. Sexarbeitende haben ein Recht auf freie Berufswahl, egal ob Moralistinnen dies anerkennen können, oder religiöse Fanatikerinnen ihnen dies zugestehen. Ich bin nicht allein mit dieser Sichtweise, in Forschung und Beratung haben die Sexarbeiter*innen in Europa starke Verbündete wie Amnesty International, Deutsche Aidshilfe, STI-Gesellschaft und viele mehr, die seit Jahre fordern Rechte statt Rettung. Sie treten ein für eine Entkriminalisierung und Anerkennung der Sexarbeit.

Die Forderung nach Sexkaufverbot entbehrt nicht nur jeglicher wissenschaftlicher Grundlage, sie beruht auch auf verdrehten Zahlen. Es wird unterstellt, dass es viel mehr Opfer von Zwangsprostitution geben würde als Menschen, die aus den gleichen Gründen in der Sexarbeit tätig sind, wie andere ihrem Broterwerb nachgehen, nämlich um Geld zu verdienen. Die Zahlen, die Huschke Mau vorgibt zu kennen, die gibt es nicht und kann es aufgrund der komplexen Zusammensetzung der Branche auch nicht geben. Hantieren die Befürworter*innen des Sexkaufverbots also mit Zahlen ist Vorsicht geboten. Verweisen sie auf Studien, handelt es sich um grobe Vereinfachungen und die Ergebnisse sind bereits mehrfach von renommierten Forschenden entkräftet worden. Es hindert unsere Gegnerinnen nicht daran, jene Forschenden mit dem Generalvorwurf „Zuhälterlobby“ zu überziehen. Mau und Co. argumentieren in einem geschlossenen System und sind keinerlei faktischen Argumenten zugänglich. Ihr Ziel ist einzig und allein die Durchsetzung ihrer politischen Agenda.

Wenn Ihr diese Petition/Offenen Brief unterschreibt, appelliert Ihr an die Antilopen Gang Ihre Haltung zum Thema Sexkaufverbot zu überdenken. Statt Verbote fordert Ihr Recht für Sexarbeitende. Ihr tretet damit für Differenzierung statt Vereinfachung des komplexen Themas Sexarbeit ein und achtet die Menschenrechte der Sexarbeiter*innen. Seid Ihr auch für einen inklusiven Feminismus ohne Diskriminierung? Fordert Ihr die Entkriminalisierung der Sexarbeit? Bedeuten Euch Menschenrechte etwas? Seid Ihr auch gegen sexuelle Repression und beschränkten Moralismus? Ist Euch Differenzierung wichtiger als Argumente im geschlossenen System?

Dann setzt Eure Unterschrift unter dieses Anliegen und tretet dafür ein, unserem Anliegen mehr Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit zu verleihen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung,
Ruby Rebelde aus Berlin


Hier Pedtition unterschreiben

Sexkaufverbot auf Grundlage von Corona

Eine kleine Gruppe aus Bundestagsabgeordneten versucht in den Wirren der Corona-Krise ein dauerhaftes Sexkaufverbot einzuführen – ein taktloser Angriff mitten in der Katastrophe für Sexarbeiter*innen.


Ein paar Abgeordnete aus den Reihen der SPD und CDU/CSU fordern ein Sexkaufverbot – so weit, so altbekannt. Doch der aktuellste Vorstoß gegen die Rechte von Sexarbeiter*innen geht weiter unter die Gürtellinie als gewohnt. In dem von 16 Bundestagsmitgliedern gezeichneten Brief an die deutschen Ministerpräsident*innen, wird Prostitution „die Wirkung eines epidemiologischen Super-Spreaders“ zugeschrieben .

Zu deutsch: Sexarbeiter*innen, die in weit größerem Maße mit Infektionschutz und Hygiene vertraut sind, als Mitarbeiter*innen anderer Branchen, werden als Virenschleudern diffamiert.

Der für die Zeit der Corona-Krise verhängte Shutdown soll – geht es nach den Vorstellungen einzelner Abgeordneter – für die Branche der Sexarbeit auf unbegrenzte Zeit verlängert werden und in ein Totalverbot der Prostitution in Deutschland münden. Ein solcher Angriff zu einer Zeit, in der sämtliche Branchen finanziell erschüttert sind und Sexarbeitende zu den größten Verlierer*innen der Krise gehören, wird bereits –> aus den eigenen Reihen kritisiert und empört nicht nur –> die politische Opposition, sondern auch uns als Berufsverband.

Einschränkungen sind gegen Corona – nicht gegen Sexarbeit

Die Einschränkungen der privaten und beruflichen sozialen Kontakte sind ein notwendiges Übel. Sie sollen Leben  retten, bis andere Maßnahmen greifen – zum Beispiel Hygienekonzepte und die Kontaktnachverfolgung im Fall einer Infektion. Es gibt weder eine Grundlage noch eine Begründung dafür, solche Maßnahmen in irgendeiner Branche länger durchzuführen, als es für das Ziel der Bekämpfung von Corona unbedingt erforderlich ist.

Schon die derzeitigen Maßnahmen wirken sich katastrophal auf die Menschen in der Sexarbeit aus –> hier weiterlesen. Dies ist nicht nur in Deutschland sondern weltweit der Fall, wie die –> Stellungnahme des ICRSE zur Lage in Europa oder der –> Bericht von Tampep über migrantische Sexworker deutlich zeigt.

Ein Erfolg der Verbots-Initiative würde vielen tausende Sexarbeiter*innen endgültig den Boden unter den Füßen wegziehen.

Umstiegshilfen JA – Berufsverbot NEIN!

Im Gegensatz zu einem Sexkaufverbot verweigert die Existenz von Umstiegshilfen nicht das Recht von Sexarbeitenden, sich gegen diese zu entscheiden. Der Berufsverband unterstützt die Forderung nach Umstiegshilfen – wer jetzt den Jobwechsel wagen möchte, sollte die vollste staatliche Unterstützung erhalten.  Und wie schon vor der Krise, fordert der Berufsverband auch weiterhin einen deutschlandweiten Ausbau der Beratungsstellen für Sexarbeitende und eine finanzielle Aufstockung derer Mittel.

Finanzielle Unterstützung und Soforthilfen

Die Krise zeigt, wie unabdingbar die Arbeit von engagierten Beratungsstellen ist. Vor allem die Unterstützung von bereits prekär arbeitenden Sexarbeiter*innen (z.B. Straßenstrich) funktioniert nachweislich am besten durch niedrigschwellige und akzeptierende Kontakt- und Hilfsangebote. Das Gegenteil bewirken Bußgelder, amtlich verordneten Termine und Berufsverbote, wie sie gerade gefordert werden –> Stellungnahme gegen horrende Bußgelder für Sexworker.

Während der Corona-Krise benötigen Sexarbeitende finanzielle Unterstützung und Soforthilfen – unabhängig von ihrem Anmelde- oder Aufenthaltsstatus. Ein Großteil der ausgezahlten Hilfsbeiträge des —> BesD Nothilfe Fonds kommt über die Zusammenarbeit mit genau diesen Beratungsstellen zustande.

Gleichbehandlung mit anderen Branchen – Hygienekonzept für Sexarbeit

Seit Jahren gehört es zu den erklärten Zielen der Regierung, eine Entstigmatisierung von Sexarbeitenden voranzutreiben. Wenn der Schutz und die Stärkung der Selbstbestimmung von Sexarbeitenden ernst genommen wird,  geht an rechtlicher Gleichbehandlung kein Weg vorbei. Beispielsweise besteht im Sinne der Corona-Maßnahmen kein Unterschied zwischen erotischen und nicht-medizinischen Massagen –> hier weiterlesen.

Analog zu vergleichbaren körpernahen Dienstleistungen sollte eine Freigabe von Sexarbeit zusammen mit der Einführung eines Hygienekonzepts möglich sein.

Der BesD hat gemeinsam mit verschiedenen Gesundheitsämtern ein Hygienekonzept für erotische Dienstleistungen im Rahmen der Corona-Krise entwickelt –> Hier geht es zum Konzept für Sexarbeit in Bordellen, Wohnungen, Hotels und dem Straßenstrich.

Integration statt Totalverbot

Sexarbeit findet überall auf der Welt statt – auch unter Androhung strengster Sanktionen. In der Illegalität sind Maßnahmen wie die derzeit erforderliche Kontaktverfolgung erst recht nicht durchsetzbar. Das –> schwedische Modell ist eine Geschichte des Scheiterns, die –> Nachteile eines Sexkaufverbots sind durch unzählige Studien belegt.

Wir fordern ein Licht am Ende des Corona-Tunnels – auch für Sexarbeiter*innen

Es ist ganz klar, dass die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie von allen Branchen ernst genommen werden müssen. Wenn das für eine Zeit lang den Verzicht auf vollständig anonyme sexuelle Begegnungen bedeutet, ist das einem länger andauernden generellen Verbot der Sexarbeit auch aus gesamtgesellschaftlicher Sicht unbedingt vorzuziehen.

Hier zeigt sich auch wieder deutlich, dass das oberste Ziel ein Abbau der Stigmatisierung von Sexdienstleistenden und ihren Kunden und Kundinnen sein muss. Die gesellschaftliche Integration von Menschen in der Sexarbeit würde auch dazu führen, dass die Beteiligten am Tausch von Sex gegen Geld nicht aus Scham oder der berechtigten Angst vor Diskriminierung versuchen, ihre Identität zu verschleiern.

Der BesD hat gemeinsam mit verschiedenen Gesundheitsämtern ein Hygienekonzept für erotische Dienstleistungen im Rahmen der Corona-Krise entwickelt.


Viele Branchen sind vom Lockdown schwer betroffen – doch gerade in der Sexarbeit lebt ein hoher Anteil von der Hand in den Mund und hat wenig bis keine Rücklagen. Besonders im Bereich Straßen-Sexarbeit sind viele Beschäftigte zusätzlich nicht krankenversichert und bereits von Armut betroffen.

Wir fordern die Gleichbehandlung von Sexarbeit mit vergleichbaren körpernahen Dienstleistungen. Im Sinne der Übertragung und Bekämpfung des Corona-Virus besteht kein Unterschied zwischen einer nichtmedizinischen Massage und einer erotischen Massage. Im zweiten Schritt plädieren wir für eine geordnete Öffnung aller Bereiche der Sexarbeit unter Anwendung entsprechender Hygiene-Konzepte für den Schutz von Dienstleister*innen und Kund*innen sowie die Vorbeugung von Neu-Ansteckungen.

Mit unserem Anliegen haben wir uns an die Bundesländer und die zuständigen Behörden gewendet: —> Unsere Pressemitteilung zum Download 

Sexarbeiter*innen hoffen auf Lockerung des Arbeitsverbots

„Auch unsere Branche möchte Licht am Ende des Tunnels sehen. Seit der Einführung des Prostitutionsgesetzes gehört es zu den erklärten Zielen der Regierung, auf die Entstigmatisierung von Sexarbeiter*innen hinzuwirken – hier besteht die Chance, für Gleichberechtigung zu sorgen.“ (Zitat Johanna Weber, politische Sprecherin BesD)

Das Hygiene-Konzept des BesD umfasst Regelungen für Arbeiten in Terminwohnungen/eigener Wohnung/Wohnwagen, Haus- und Hotelbesuche (Escort) sowie Hygiene-Regeln für die Arbeit auf Straßenstrichen.


–> HIER LESEN: Hygiene-Konzept für Sexarbeit während Corona


Vorbeugende Maßnahmen gehören zu unserem Arbeitsalltag – schon vor der Krise

Konkrete Konzeptvorschläge für alle Arten von Prostitutionsstätten sind Aufgabe der zuständigen Betreiberverbänden und -zusammenschlüsse. Diese sind aufgrund des
Prostituiertenschutzgesetzes (ProstSchG) und ganz unabhängig von Corona bereits zu passgenauen Hygiene-Konzepten und der Hinwirkung auf die Vermeidung von sexuell übertragbaren Krankheiten jeder Art verpflichtet.

„Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen, die nun erst einen verstärkten Umgang mit Hygiene erlernen müssen, gehören vorbeugende Maßnahmen gegen Übertragung von sexuell übertragbaren Krankheiten zu unserem Arbeitsalltag. Sexarbeitende sind gewohnt und in der Lage, mit dem Thema Infektionsschutz verantwortungsvoll umzugehen.“ (Zitat Undine de Rivière, BesD-Mitglied)

Hilfe durch Gleichbehandlung bei Corona-Lockerungen

Der Fakt bleibt: Ein Großteil der Sexarbeiter*innen kann kein Geld verdienen, solange unsere Arbeitsplätze geschlossen sind. Der Berufsverband hat für jene Sexarbeitende, die keinen Anspruch auf staatliche Hilfen haben, den –> Nothilfe Fonds ins Leben gerufen und bis dato bereits über 200 notleidenden Sexarbeitenden geholfen. Doch die Mittel unseres Verbands sind bald erschöpft. Hier sollte der Staat einspringen. Noch besser wäre es wenn wir uns selber helfen können, indem wir wieder unserer Arbeit nachgehen können.


Hygienekonzepte für Prostitutionsstätten:

UEGD
-> Hygienekonzept mit Stufenplan -> https://uegd.de/uegd-fordert-wiedereroeffnung-der-branche/

BSD
-> Hygienekonzept mit schrittweiser Öffnung -> https://bsd-ev.info/corona-hygienekonzept/

Zusammenschluss der Laufhäuser Stuttgart
-> Laufhäuser Stuttgart – Anschreiben Ministerpraes. Lucha wegen Hygienekonzept

Virtuelles Geschenk von Kaufmich.com

Kaufmich.com aktiviert virtuelles Geschenk zum Hurentag – ein Drittel der Einnahmen geht an die Spendenkasse des Berufsverbands für Sexworker.


Viele von uns verbringen während der Corona-Krise mehr Zeit im Internet als üblich, weshalb Online-Kontakte an Wichtigkeit gewonnen haben. Erotische und sexuelle Dienstleistungen sind ebenfalls vermehrt im Netz zu finden und auch der virtuelle Kontakt zwischen Sexarbeiter*innen und ihren Kund*innen hat zugenommen.

Online-Dienstleistungen werden wichtiger

Im Berufsverband tauschen wir uns intensiv über aktuelle Probleme und alternative Geschäftsmodelle aus. Inzwischen orientieren sich viele Kolleg*innen gerade in Richtung Online-Sexwork.

-> Kaufmich.com ist eine in Deutschland von sowohl Sexarbeiter*innen als auch Kund*innen gerne genützte Plattform. Wie in anderen Foren, stehen den Usern hier „virtuelle Geschenke“ zum Kauf zur Verfügung.

Virtuelle Geschenke sind kleine Bilder, die das Profil der Beschenkten verschönern und zusätzlich für ein Lächeln sorgen. Teddys, Rosen und Küsschen, ebenso wie Kondome und Lollypops stehen zur Auswahl. Diese werden zur Kontaktaufnahme eingesetzt, sind augenzwinkernde Interessens-Bekundungen oder einfach kleine Komplimente eines Verehrers oder einer Verehrerin.

Corona trifft Sexarbeiter*innen hart

Online-Kommunikation macht Spaß und Sexarbeit am Laptop hat seinen Reiz. Trotzdem ist klar: Die Corona-Zeit macht das Leben für die meisten Sexarbeiter*innen gerade verdammt schwer. Die Einnahmen von normalen Treffen brechen weg. Das Risiko der Arbeitsausübung ist ebenfalls gestiegen. Dienstleister*innen und Kund*innen sind durch die Krise verunsichert und wissen nicht, wie es weitergeht.

Die Plattform Kaufmich.com unterstützt zum diesjährigen Hurentag die Arbeit des BesD mit einer besonderen Geschenk-Aktion. Das Symbol, das ab 2. Juni einen Monat als virtuelles Geschenk auf der Plattform zum Kauf erhältlich ist, zeigt einen Händedruck, der die Solidarität mit Sexarbeiter*innen bildlich darstellt. Von jedem Verkauf geht ein Drittel an die Spendenkasse des Berufsverbands.

Geschenk von Kaufmich.com

Austausch und Workshops beim BesD

Die BesD-Community steht auch in Corona-Zeiten deutschlandweit im Austausch. Unsere Mitglieder treffen sich im eigenen Forum, dazu in unserer Telegram-Gruppe und auch in Videochats. Wir veranstalten Online-Workshops von Sexworkern für Sexworker: Hier können Kolleg*innen neue Fähigkeiten lernen, ihr Wissen auffrischen und somit ihr Angebot an die derzeitige Situation anpassen.  –> Hier erfährst Du mehr zu einer Mitgliedschaft beim BesD. 

Du bist selbst nicht in der Sexarbeit tätig, möchtest aber den Berufsverband unterstützen? Dann wirf einen Blick auf unsere neue Fundraising-Aktion –> „Meet a Sexworker“.

Viele Branchen sind schwer betroffen vom Lockdown im Rahmen der Coronabestimmungen. Hier reihen sich die Prostitutionsstätten ein in die Masse aller anderen geschlossenen oder geschlossen gewesenen Betriebe. Auch die Sexarbeitenden selber werden in diesem Zusammenhang wie alle anderen von Arbeitsverbot betroffenen Soloselbstständigen behandelt. Bis hierhin gilt Gleichbehandlung, was für unsere Branche schon ein Fortschritt ist. Mit den zunehmenden Lockerungen werden die Unterschiede aber wieder deutlicher.

Wenn es um unsere Branche geht, dann gibt es die oben schon genannten beiden Bereiche – die Sexarbeitenden und die Betriebe. Beide Bereiche sind sehr eng verzahnt. Nicht zu vergessen ist der Vielzahl an „Zulieferbetrieben“: Anzeigenportale, Erotik-Fotografen, Kondomhersteller, Erotikshops mit Schwerpunkt Sexarbeit, SM-Möbelbauer, Putzfrauen, Sicherheitskräfte, Hausdamen, ….

Wie ist der aktuelle Stand?


Die Sexarbeitenden teilen sich in drei Gruppen

1. Hauptberuflich Sexarbeit
Das sind diejenigen, die steuerlich gemeldet sind und hauptberuflich der Sexarbeit nachgehen.
Sie gelten als ganz normale Solo-Selbstständige und dürfen die Soforthilfen von Land und Bund in Anspruch nehmen.
Dabei ist ein großes Problem, dass sich die Richtlinien scheinbar täglich ändern und aktuell anscheinend nur noch Betriebskosten durch die Soforthilfen ersetzt werden. Die meisten Soloselbständigen haben kaum Betriebskosten – so auch Sexarbeitende.

Die Zimmermiete im Bordell müssen wir Sexarbeitende ja nur zahlen, wenn wir das Zimmer benutzen. Werbung wird oft vom Bordell übernommen oder ist gratis im Internet. Das Arbeitstelefon ist oft ein Pre-Paid-Handy, denn es werden ja kein Anrufe getätigt, sondern nur empfangen. Dienstwagen und Büromiete fallen nicht an.

Die meisten Sexarbeitenden haben allerdings keine wirklichen Rücklagen, um für längere Zeiträume Miete, Kranken- und Rentenversicherung zu zahlen oder Essen zu kaufen.
Hier auf die vereinfachte Grundsicherung zu verweisen halten wir für unangebracht, denn die der Anregungen von verdi für Soloselbstständige ist, dass ein fiktiver Unternehmerlohn (1.180 Euro) angerechnet wird.
Dies unterstützen wir.
Hier die Infos für Soloselbstaständige  und Corona von verdi

2. Nebenberuflich Sexarbeit
Das sind diejenigen, die neben ihrem Hauptberuf (oft ein Angestelltenverhältnis) der Sexarbeit nachgehen.
Sie können keine Soforthilfen beantragen.
Es handelt sich um eine sehr große Gruppe, die in den meisten Statistiken nicht auftauchen. Oft sind es Frauen, die eine halbe Stelle in sogenannten sytremrelevanten Berufen arbeiten und mit Sexarbeit aufstocken. Auch Studierende und Umschüler*innen fallen in diese Gruppe.

3. Sexarbeitende ohne Möglichkeit auf staatliche Mittel
Das sind diejenigen, die aus allen Töpfen rausfallen und eh schon größtenteils von der Hand in den Mund gelebt haben. Unsere Branche hat einen sehr hohen Anteil an diesen Marginalisierten. Diese kommen unter normalen Umständen immer irgendwie über den Monat, haben aber keine Versicherung, keine Steuernummer und oft auch keine feste Wohnadresse. Für diese haben wir als BesD einen Nothilfefonds eingerichtet, der erfreulich gut mit Senden gefüllt wird.
-> https://berufsverband-sexarbeit.de/index…fallfonds/
Dies sollte aber nicht die Aufgabe des Berufsverbandes sein, sondern der Staat sollte helfen.



Die Betreibenden unterteilen sich in diverse Gruppen
je nach Größe der Prostitutionsstätte und Art.

Das reicht von Saunaclub über Wohnungsbordelle bis hin zu Wohnwagen.

Alle diese Betriebe, in denen erotische Dienstleistungen angeboten werden, sind aktuell geschlossen.
In einigen wohnen Sexarbeitende weiterhin, die keine Unterkunft haben – oft kostenlos, aber leider nicht immer.

Die Prostitutionsstätten konnten sehr unkompliziert Soforthilfen von Bund und Land bekommen.
Je nach Betriebsgröße ist das Geld aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein und auch Rücklagen helfen nur begrenzt. Das ist bei anderen Branchen nicht anders. Während aber Restaurants, der Tourismus, die Autoindustrie usw. eine breite Lobby haben, wird Sexarbeit ganz weit nach hinten auf den Wiedereröffnungplan der Bundesländer geschoben.

Das Problem für Bordelle ist die eben diese mangelnde Planbarkeit der Schließungsdauer.
Die Betreibenden wissen nicht wann ihre Betreibe an der Reihe sind mit der Wiedereröffnung, und befürchten, dass übertriebene Anforderungen an sie gestellt werden. Auch in Bordellen lassen sich Hygienepläne umsetzten.

Für uns Sexarbeitende ist die Frage nach der Wiedereröffnung der Prostitutionsstätten sehr wichtig, denn wir sind selbstständig und ein Großteil kann kein Geld verdienen, wenn die Arbeitsplätze geschlossen sind.