Das Europäische Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiter*innen (ICRSE) fordert die nationalen Regierungen auf, dringend zu handeln, um sicherzustellen, dass Sexarbeiter*innen zusammen mit ihren Familien und Gemeinschaften während der COVID-19-Pandemie Zugang zum sozialen Sicherheitsnetz haben.

Diese Pandemie zeigt mit äußerster Dringlichkeit, wie Sexarbeiter*innen unter prekären Umständen ins Abseits und an den Rande der Gesellschaft gedrängt werden. Im Gegensatz zu anderen Arbeitnehmern können viele Sexarbeiter*innen auf keinerlei Schutz und Unterstützung zählen.

Während immer mehr Länder Sperren, Quarantäne und Reisebeschränkungen verhängen, verlieren viele Sexarbeiter*innen den größten Teil oder ihr gesamtes Einkommen. Sie sind dadurch finanziellen Schwierigkeiten, erhöhter Verwundbarkeit, Armut oder Obdachlosigkeit ausgesetzt. Dass Sexarbeit in vielen Ländern kriminalisiert wird bedeutet auch, dass viele Sexarbeiter*innen nicht die Möglichkeit haben, auf das soziale Sicherheitsnetz zurück zu greifen, das für andere Arbeitnehmer sehr wohl vorgesehen ist, z. B. Krankengeld.

Viele Sexarbeiter*innen kommen aus Gemeinschaften, die bereits einem hohen Grad an Marginalisierung und sozialer Ausgrenzung ausgesetzt sind. Dazu zählen in Armut lebende Menschen, Migrant*innen, Flüchtlinge, Transsexuelle und Drogenkonsument*innen.

Gerade Sexarbeiter*innen ohne alternative Unterstützungsmöglichkeiten, die in ihrer Familie die Hauptverdiener sind, kämpfen jetzt um ihr Überleben. Sie sind in Gefahr, in noch unsicherere und gefährlichere Situationen gezwungen zu werden.

Sexarbeiter*innen in verschiedenen europäischen Ländern berichten von:

  • Drastischen Einkommensverlusten
  • Schließung von Arbeitsplätzen
  • Mangel an finanziellen Mitteln zur Deckung der Grundbedürfnisse, zur Unterstützung von Familienmitgliedern und Angehörigen
  • Unmöglichkeit, Zugang zu öffentlichen Gesundheitsdiensten zu erhalten, die ihre Aktivitäten eingestellt oder eingeschränkt haben
  • Erhöhter Druck, während der Arbeit Risiken einzugehen, um das Einkommen zu sichern

Der ICRSE befürwortet die Bemühungen der Regierungen, die Übertragung des Virus zu kontrollieren. Doch wenn Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit eine der am stärksten marginalisierten Gruppen nicht berücksichtigen, gefährdet dies den Gesamterfolg dieser Bemühungen.  

Der ICRSE fordert von den Regierungen:

  • Sofortige, angemessene und leicht zugängliche finanzielle Unterstützung in der Krise
  • Ein Stopp der Zwangsräumungen und die Bereitstellung von Notunterkünften
  • Die Bildung eines Schutzschild zwischen Einwanderungsbehörden und Gesundheitsdiensten – zum Schutz von Sexarbeiter*innen ohne Papiere, die medizinische Versorgung benötigen
  • Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Sexarbeiter*innen, unabhängig von ihrem Einwanderungsstatus

Diese beispiellose Krise erfordert eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen allen Bereichen der Gesellschaft, einschließlich den am stärksten ausgegrenzten. Alle Maßnahmen im Zusammenhang mit Sexarbeit müssen . auf den Grundsätzen der öffentlichen Gesundheit und der Menschenrechte beruhen und  in Absprache mit Sexarbeiter*innen und ihren Vertretungen entwickelt werden, um negative Auswirkungen gering zu halten.

Bei Sofortmaßnahmen und Hilfsmaßnahmen müssen die Regierungen sicherstellen, dass sie auch die Arbeitnehmer*innen erreichen, die aus dem offiziellen Wirtschaftsleben ausgeschlossen sind. Nur durch die Einbeziehung von Sexarbeiter*innen haben Regierungen die Chance, die Pandemie zu begrenzen und schließlich auch zu beenden.

 


Quelle: Erklärung zu Covid-19 und seinen Auswirkungen auf Sexarbeiter*innen —> „COVID19 ICRSE STATEMENT“ (18.03.2020)

Bei Thüringen handelt es sich um das letzte Bundesland in Deutschland, in dem keine Beratungsstelle für Sexarbeiter*innen und damit keine Ansprechpartner*innen für jene zur Verfügung stehen.

Diesen Umstand hält der Berufsverband – besonders inmitten einer Pandemie, wo genau diese Menschen auf die Hilfe von niedrigschwelligen, akzeptierenden Beratungsstellen angewiesen sind – für dringend verbesserungswürdig.

Darüber hinaus findet die Sexarbeit in Thüringen fast ausschließlich über Wohnungsbordelle oder Terminwohnungen statt, in denen alleine, zu zweit und in ständigem Wechsel gearbeitet wird. Dies kann zur Vereinzelung führen und einen besonders schlechten Informationsfluss unter Sexarbeitenden zur Folge haben. Viele Sexarbeitende sind wenig bis gar nicht über ihre Rechte auf Gesundheitshilfe und Unterstützung informiert.

Wir unterstützen daher die —> Forderung der frauenpolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion Frau Laura Wahl, nach einer unabhängigen Beratungsstelle für Sexarbeiter*innen in Thüringen. 

Des weiteren halten wir einen Ausbau der —> Fachberatungsstelle Frauenzentrum Brennessel e.V. für sinnvoll – dieses leistet Unterstützung bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und ist auch mit dem Thema Sexarbeit schon vertraut. Bei entsprechender Personalaufstockung könnte auch dort eine fundierte Beratung und Betreuung von Sexarbeiter*innen stattfinden.

Als marginalisierte Berufsgruppe mit einem Anteil von nicht krankenversicherten, nicht angemeldeten, bereits von Armut betroffenen Menschen, trifft die derzeitige Krise Sexarbeiter*innen besonders hart. Durch den Ausfall ihrer Einnahmen fehlt es jenen ohne finanzielle Rücklagen am Nötigsten – teilweise drohen jetzt Wohnungslosigkeit oder gar Obdachlosigkeit.

Anlässlich der Krise haben wir den —> BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen, um Sexarbeitende ohne Anspruch auf staatliche Hilfen in Notsituationen zu unterstützen. Die Vergabe wird zum großen Teil durch die Arbeit der diversen Beratungsstellen koordiniert.


Pressekontakt:

  • Johanna Weber | johanna@besd-ev.de| 0151 1751 9771
  • Lilli Erdbeermund | presse@besd-ev.de 

Fußbereich

For English Version please click here.

Unter dem roten Regenschirm – News vom BesD e.V. | 8. April 2020

Hallo zusammen,

was für eine Zeit! Seit Anfang März beherrscht das Corona-Virus unser aller Alltag, die Medien und auch die Arbeit des Berufsverbands.

Kaum zu glauben, aber es gab ein Leben davor: Wir sind auf den Protestaktionen zum Tag für die Rechte von Sexarbeitenden zusammen gekommen, waren mitten in der Vorbereitung der World of Whorecraft und des nächsten Hurenkongress,  haben uns auf Frauentag-Demos für Sexarbeitende stark gemacht, und so vieles mehr.

Seit Beginn der Krise arbeiten wir unter Einsatz aller Kräfte daran zu informieren, Hilfestellung zu leisten und die Not der Menschen in der Sexarbeit den Behörden und Medien zu kommunizieren.

Bleibt gesund und passt auf euch auf,

Euer BesD-Team

—> hier geht es zum englischen Artikel

  •  Unbürokratische Hilfe für Sexarbeiter*innen, die durch alle Netze fallen
  • Für einen Antrag ist weder ein „Hurenpass“, noch eine Aufenthaltsberechtigung in Deutschland, noch eine Mitgliedschaft beim BesD nötig
  • Sämtliche Spenden an den Fonds gehen an Sexarbeitende in Notsituationen
  • Mitarbeiterin Tamara und Nicole Schulze – BesD Vorständin und Beirätin der Straßen-Sexarbeit – betreuen die Anträge und sind unter notfallfonds@besd-ev.de erreichbar. Sie arbeiten mit Fachberatungsstellen zusammen und werden in Kürze von einer Kommission unterstützt.

---Wissenswertes

---#Lobbyhuren

  • Bordellübernachtungen erlaubt: Mit unserer Anfrage an das Familienministerium konnten wir eine Aussetzung des Übernachtungsverbots in Bordellen in der Krisenzeit erreichen. —> Hier liest Du mehr.
  • Gleiches Recht für alle: Wir haben wir das unfaire Zeitfenster des Prostitutionsverbots in Karlsruhe angeprangert. Mehr —> liest Du hier.
  • Weg mit unfairen Bußgeldern: Verzweifelte Sexarbeitende brauchen Hilfe und Beratung, keine drakonischen Strafen. Unsere Stellungnahme –> liest Du hier. 
  • BesD Notfall Fonds: Um Sexarbeiter*innen finanziell zu unterstützen, die durch alle Netze fallen und keinen Anspruch auf staatliche Hilfen haben, haben wir einen Fonds gegründet und arbeiten mit aller Kraft an dessen Organisation und Verwaltung —> hier liest Du mehr!
  • Leetchi-Aktion für Straßensexarbeiter*innen in Trier: Unsere Vorständin Nicole Schulze hat —> diese Spendenaktion aus dem Boden gestampft und kann damit direkt und unbürokratisch vor Ort helfen. Bravo!

---#Neues aus unserem Blog

Spaltung, Angriff, Spott: Strategien der Prostitutionsgegner­*­innen

Gerade habe ich den Artikel „Corona: Chance zum Ausstieg?“ aus der EMMA gelesen. Und sehr lange darüber nachgedacht, ob ich bei Twitter darauf … Mehr…

Sexarbeit in Corona-Zeiten: Die Krise aus der Perspektive von Selbstständigen

Seit Ende letzter Woche habe ich Arbeitsverbot in meinem Job, um die Infektionsgefahr mit dem Corona-Virus gering zu … Mehr…

Frauen*Kampftag in Rostock: Rede einer Sexarbeiterin zum Frauentag 2020

Wow. Ich bin echt aufgeregt. Ich bin immer aufgeregt, wenn ich vor großen Gruppen sprechen soll. Warum? Weil ich als … Mehr…

---Berichterstattung

Um es im Newsletter etwas knapper zu halten, erhältst Du hier nur einen kleinen Eindruck der „Stimmen aus der Sexarbeit“ -> Hier im Medienspiegel findest Du eine komplette Übersicht der Medienberichterstattung und unserer Pressearbeit im März.

• 200406_tagespiegel.de | „Auf der Straße gibt’s keinen Shutdown“

• 200405_tag24.de | „Ohne Sex kein Geld! Corona-Krise macht Erotikbranche schwer zu schaffen“ 

• 200404_zeit.de | „Nach Vögeln ist gerade den wenigstens zumute“

• 200404_svz.de | „Prostitution in der Corona-Krise: Regierung hat die Ärmsten der Armen vergessen“ 

• 200404_taz.de  „Bedrohte Kultur der Berührung“

• 200403_reuters.com | „Sex workers stranded in Germany as coronavirus shuts brothels“

• 200403_rp-online.de | „Manche Kunden wollen die Not der Prostituierten ausnutzen“

• 200403_sputniknews.com | „Wegen Corona: Tausende ausländische Sexarbeiterinnen in Deutschland obdachlos“

• 200328_donaukurier-digital.de | „Aus Verzweiflung gehen viele auf den Straßenstrich“

• 200327_swr.de | AUDIO ab 01:15 | „Corona-Spätfolgen: Wo die Epidemie die Gesellschaft nachhaltig verändert“

• 200327_abendblatt.de | „Hamburger Bordell-Manager: Es rufen immer noch Freier an“

• 200327_buzzfeed.com | „Anfragen zum halben Preis: Wie Corona die Sexarbeit in Deutschland verändert“

• 200326_ardmediathek.de | VIDEO ab 03:26 | „Existenzen vernichtet: Die sozialen Opfer“

•  200326_deutschlandfunkkultur.de | „Am härtesten trifft es den Straßenstrich“

• 200326_latimes.com | „Corona forces adjustments for sex workers in Germany, where prostitution is legal“

• 200324_refinery29.com | „Ich bin Sexarbeiterin & das Coronavirus ruiniert mein Business“

• 200320_rnd.de | „Sowas in zehn Jahren nie erlebt: Sexarbeiterin Salomé Balthus im Interview über Corona-Auswirkungen“

• 200317_apnews.com | „Sex workers face ruin amid virus fears, brothel closures“

• 200317_plurapolit.de | AUDIO| „Welchen Einfluss hat das Coronavirus auf Ihr Berufsleben?“

• 200316_taz.de | „Große Sorgen in der Sexarbeit“

---

Unterstütze uns mit Deiner Spende.

Der absolute Großteil der Arbeit des BesD wird von ehrenamtlichen Helfer*innen in ihrer Freizeit geleistet.

Um auch weiterhin die Rechte von Sexarbeitenden zu stärken, bewerben wir uns als Verein um Fördergelder und suchen stetig nach Verbündeten, die bereit sind uns finanziell den Rücken zu stärken.

Du kannst die Arbeit des Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen sowohl mit einer einmaligen als auch einer regelmäßigen Spende unterstützen:

Kontoverbindung des BesD e.V.

IBAN:DE49100500000190290862

BIC:BELADEBEXXX

Paypal:In deinem PayPal Konto gibt es den Reiter „Geld senden”. Um zu spenden, gib einfach unsere Adresse zahlung@besd-ev.de und den gewünschten Betrag ein.

Hilf uns dabei, bekannter zu werden.

Wir haben jede Menge tolle Sticker und Postkarten, die wir gerne zum Auslegen oder Verteilen an dich verschicken. Schreib einfach eine kurze Mail mit der gewünschten Menge und Adresse an info@besd-ev.de.

Sprich über uns.

Twitter@SexworkID

FacebookBesD – Berufsverband

Öffentliche Aufmerksamkeit hilft uns dabei, unsere Ziele besser durchzusetzen. Wir freuen uns daher sehr, wenn du unsere Beiträge kommentierst, retweetest, teilst oder auf „Gefällt mir” klickst. Vielen Dank!

In Deutschland wurde Mitte März eine Schließung von Prostitutionsstätten, Bordellen und ähnlichen Einrichtungen  durchgesetzt. Alle körpernahen, nicht medizinisch notwendigen Dienstleistungen sind laut Vorgabe der Bundesregierung derzeit untersagt. Viele Bundesländer und Städte haben darüber hinaus explizit jede Art von
Prostitution verboten.

Weder in Hamburg noch in NRW sieht der Bußgeldkatalog eine Differenzierung zwischen Betreiber*innen einer Prostitutionsstätte und einer*m selbstständig arbeitenden Sexarbeiter*in vor. Alle betreffenden Personen werden mit der gleichen, unverhältnismäßig hohen Strafzahlung von rund 5.000 Euro belegt.

Am Beispiel des Bußgeldkatalogs für Hamburg: Rund 5.000 Euro sind für eine Zuwiderhandlung gegen das Prostitutionsverbot ausgewiesen.

Egal, ob es sich um das „Öffnen einer Prostitutionsstätte für den Publikumsverkehr“, den „Betrieb einer Prostitutionsvermittlung“, die „Durchführung einer Prostitutionsveranstaltung“, die „Bereitstellung eines Prostitutionsfahrzeuges“, oder eben die „Erbringung sexueller Dienstleistungen“ und die „Ausübung der Prostitution“ handelt – der Regelsatz liegt jeweils bei 5.000 Euro. Wohlgemerkt gelten alle Summen im Katalog im Falle eines „Erstverstoßes“. Im Wiederholungsfall darf eine Geldbuße von bis zu 25.000 Euro verhängt werden.

Zum Vergleich die Regelsätze außerhalb von Sexarbeit:

Der Betrieb einer Gaststätte wird mit rund 4.000 Euro Strafe, oder die Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen inklusive „Gemeinschaftsaktivitäten“ mit rund 1.000 Euro Strafe, mäßiger geahndet, als die Annahme eines einzelnen Kunden durch eine*n Sexarbeiter*in. Die Zusammenkunft einer nicht beschränkten Zahl von Menschen in einer Kirche, Moschee, Synagoge oder auch an einem nicht-öffentlichen Ort wird mit 1.000 Euro für den Veranstalter sowie 150 Euro für jeden Teilnehmer bestraft. „Feierlichkeiten“ in Wohnungen oder anderen nicht-öffentlichen Orten schlagen mit 150 – 500 Euro zu Buche.

Die hohen Strafen stürzen jene in den Ruin, die bereits ganz unten sind. Sie führen nicht zu einem Rückgang von Sexarbeit, sondern zu einer Verschlimmerung der Lage für bereits extrem marginalisierte Gruppen.

Ein hoher Anteil von Menschen in der Sexarbeit leben von der Hand in den Mund. Viele sind nicht krankenversichert, nicht angemeldet, haben keine Aufenthaltsberechtigung in Deutschland, oder sind bereits von Armut betroffen. Der
Anteil von Sexarbeiter*innen, die keinen Anspruch auf staatliche Hilfen – wie zum Beispiel die Grundsicherung – haben, ist im Vergleich zu anderen Branchen sehr groß. Aufgrund des Arbeitsverbots und der rückgehenden Nachfrage kämpfen diese Menschen jetzt um ihr Überleben.

Um Sexarbeiter*innen finanziell zu unterstützen, die durch alle Netze fallen und keinen Anspruch auf staatliche Hilfen haben, haben wir den —> BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen – die Ärmsten in der Sexarbeit brauchen rasche und unbürokratische Hilfe anstelle von Strafen.

Denn trotz dem auch für ihr eigenes Leben steigenden Risiko der Arbeitsausübung, wissen sich viele nichts anders zu helfen: Sie suchen weiterhin im Internet und auf der Straße nach Kunden und nehmen weiterhin Anfragen von Kunden an. Einige Kunden nützen die Lage dieser marginalisierten Gruppe von Sexarbeiter*innen aus – sie wissen um deren Not und drücken die ohnehin niedrigen Preise oder versuchen, normalerweise nicht angebotene Leistungen zu erpressen.

Sexarbeiter*innen, die aus ihrer Not heraus gegen die Verordnung verstoßen, müssten nach dem Hamburger Bußgeldkatalog für die „Erbringung sexueller Dienstleistungen“ den gleichen Betrag zahlen, als wenn sie als Veranstalterinnen ein Bordell, einen Jahrmarkt, ein Schwimmbad, einen Tierpark, ein Theater, eine Diskothek oder ein Volksfest betreiben würden. 

Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistung fordert daher:

  • eine drastische Verringerung der unverhältnismäßigen Bußgelder für die Sexarbeits-Branche, insb. für einzelne Sexarbeitende
  • einen Ermessensspielraum für die Behörden und Kontrollorgane gegenüber einzelnen Sexarbeiter*innen, beginnend mit einer Verwarnung für den Erstfall
  • die Schaffung und Vermittlung unbürokratischer, sofortiger
    Überlebenshilfe, unabhängig von Anmelde- oder Aufenthaltsstatus

Insbesondere bei dem Verstoß gegen „Ausübung der Prostitution“ beziehungsweise der „Erbringung sexueller Dienstleistungen“ plädiert der Berufsverband für das Mittel der Wahl im Umgang mit verzweifelten Sexarbeitenden und im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus:

  • Verwarnungen bei Erstverstößen
  • Geldstrafen in Wiederholungsfällen, die 150 Euro nicht überschreiten
  • das Verweisen an Beratungsstellen, deren Mitarbeiter*innen geschult darin sind, mit diesem besonders stigmatisierten und vulnerablen Personenkreis adäquat umzugehen

Pressekontakt:

  • Johanna Weber | 0151 – 1751 – 9771 | johanna@besd-ev.de 
  • Lilli Erdbeermund | presse@besd-ev.de
Wärend Corona-Krise ist das Wohnen in leerstehenden Bordellen erlaubt

Von Johanna Weber, politische Sprecherin

Verschiedene Meldungen gingen vor einer Woche fast parallel bei uns ein. Auf der einen Seite diverse Anfragen von wohnungslosen Kolleg*innen, die wissen wollten ob sie nicht in ihren Bordellen bleiben können solange diese wegen der Corona-Verordnung geschlossen sind. Auf der anderen Seite ereilten uns Nachrichten von Bordellbetreibern, die sich weigerten, ihre „Frauen“ auf die Straße zu setzen und dadurch zum Teil heftige Probleme mit Ordnungshütern bekamen.

In diesem Sinne machte der Betreiber des City-Eroscenter in der Stuttgarter Leonhardstraße und das Pascha in Köln Schlagzeilen, denn sie setzten Niemanden auf die Straße. Einige weitere Bordelle zogen nach, die wir auf unsere Unterseite aufgelistet haben. Eine gute Infoquelle mit Angeobten für „gestrandete Damen“ ist die Webseite kollegin.de. Man mag dies als gelungene Marketingmaßnahme abstempeln, aber es ist eine Maßnahme, die hilft und nicht ohne Risiko ist oder war.

Viele Bordellinhaber*innen trauten sich nicht, die Zimmer zum Wohnen zur Verfügung zu stellen, denn sie fürchteten den Verlust der Lizenz als Prostitutionsstätte. Jeder, der weiß, wie aufwändig es ist diese Genehmigung zu erhalten und auf wie gefühlt wackeligen Beinen diese steht, wird die Sorgen der Betreibenden verstehen. Hinzu kommt, dass in den meisten Bundesländern noch so gut wie gar keine Genehmigungen für Prostitutionsstätten erteilt wurden. Die Mühlen der Behörden mahlen doch oft sehr langsam. Jeder Antragsteller, der in dieser Warteschleife steckt, wird das nicht gefährden wollen.

Wie groß ist denn das Problem der drohenden Obdachlosigkeit nun wirklich?
Eine schnelle Umfrage an die Beratungsstellen im bufas-Verbund ergab, dass viele Sexarbeitende doch noch abgereist seien in ihre Heimatländer. Aber bei weitem nicht alle – mittlerweile gibt es kaum noch Möglichkeiten über die Grenzen zu kommen. Die günstigen Buslinien fahren nicht mehr und Flüge sind extrem eingeschränkt.
Auch gibt es nicht wenige Sexarbeitende, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben und über keinen festen Wohnsitz verfügen. Sie wandern zum Arbeiten von einer Terminwohnung zur nächsten, wo sie dann in der Regel in separaten Zimmern auch Wohnen können. Diese Möglichkeiten fielen nun weg, denn alle Bordelle, Terminwohnungen, Clubs, Studios, usw. sind geschlossen.

Das Londoner Modell kam ins Gespräch. Dabei geht es darum, dass aktuell leerstehende Hotels oder Hostels umfunktioniert werden zur Unterkunft für Menschen ohne Wohnung. Ein wunderbar pragmatischer Ansatz. Allerdings erschien es uns in diesem Fall unkomplizierter, die Sexarbeitenden einfach an ihrem Arbeitsplatz zu belassen.

Dazu müßte im Prinzip nur das im ProstituiertenSchutzGesetz festgeschriebene Übernachtungsverbot ausgesetzt werden. Ob denn sowas überhaupt möglich ist, fragten wir uns.
Vor dem Hintergrund, wie viele Freiheitseinschränkungen und Verbote im Zuge von Corona schon ad hoc und auch wahrscheinlich auch zu Recht beschlossen wurden, sollte doch solch eine Kleinigkeit wie das Übernachtungsverbot auszusetzen wohl möglich sein.

Auf unsere Anfrage beim Familienministerium machte man uns keine großen Hoffnungen aber man leite das weiter. Und siehe da, wir wurden erhört. Vielleicht waren wir auch nicht die Einzigen, die diese Idee hatten. Es gab zumindest gleich am nächsten Tag eine Anfrage zu dem Thema an alle Bundesländer. Es wurde dann erstaunlich schnell gehandelt, und das Übernachten und Wohnen ist nun für die Corona-Zeit in Prostitutionsstätten erlaubt.

Zitate aus dem Rundschreiben des BMFSFJ (Familienministerium)

Maßnahmen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit von Sexarbeitenden

Auslegungshinweise zu § 18 Abs. 2 Nr. 7 ProstSchG im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Beschränkungen zum Zwecke einer langsameren Ausbreitung des Corona

Es wird darauf hingewiesen, dass in der gegenwärtigen Ausnahmesituation und vor dem Hintergrund der akuten Gefährdung von Sexarbeitenden zur Abwendung einer Notlage eine ausnahmsweise Abweichung von der in § 18 Abs. 2 Nr. 7 ProstSchG vorgesehenen räumlichen Trennung derzeit aufgrund der umfassenden Untersagung von Prostitutionsgewerben rechtlich zulässig ist

HIER nachzulesen als Punkt 7 – Prostituierte schützen


16.4.20 – Ergänzung aus aktuellem Anlass:

1. Bei der Ansage des Familienministeriums, dass es aktuell erlaubt ist in Bordellen zu wohnen,
handelt es sich um eine Empfehlung. Diese muss nicht von allen Bundesländern befolgt werden. Fast überall wird das aber so gehandhabt. Leider gibt aber einige Städte und Gemeinden, die die Idee des Familienministeriums nicht aufgetriffen haben.

2. Erfreulich ist, dass es viele Betreibende gibt, die die Sexarbeitenden kostenlos bei sich wohnen lassen in dieser Zeit. Leider gibt es auch Betreibende, die 30 Euro und mehr Miete pro Tag verlangen. Da Sexarbeitende aktuell nicht arbeiten dürfen und somit keine Einnahmen erwirtschaften, ist eine so hohe Miete (über 900 Euro pro Monat) nicht realisierbar.
Der BesD hält eine Beteiligung an Nebenkosten und Miete für akzeptabel sofern es sich um überschaubare Summen handelt.
Betroffene von „Wuchermieten“ können sich dazu bei uns im Mitgliederforum austauschen
oder wenden sich an die politische Sprecherin:
Johanna Weber -> johanna@besd-ev.de oder 0151-1751 9771

 

Bundesweit sind Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 getroffen worden, welche das Leben im öffentlichen Raum stark einschränken und reglementieren. In diesem Kontext bleiben auch Bordelle/ Prostitutionsstätten vorübergehend geschlossen.

Für Stadt und Landkreis Karlsruhe gilt jedoch über die durch die baden-württembergische Regierung erlassenen Maßnahmen und Schließungen hinaus eine Zusatzverordnung, welche „Prostitution und Sexkauf jeder Art“ untersagt. Diese Verordnung gilt nicht wie die anderen landesweiten Regulierungen bis zum 19. April, sondern bis Widerruf.

Eine Untersagung von Sexarbeit halten wir im Rahmen der Corona-Vorsorge für richtig und sinnvoll. Eine Sonderregelung, die ausschließlich fur unsere Berufsgruppe einen anderen Zeitraum festsetzt, halten wir für nicht
rechtens.

Sexarbeitende sind aktuell durch die Maßnahmen gegen Covid-19 wie viele andere Selbstständige/ FreiberuflerInnen einer Situation ausgesetzt, in welcher sie nicht ihrem Beruf nachgehen dürfen. Die Ungewissheit uber die Dauer von Verboten, schmälert das Vertrauen in staatliche Institutionen. Ein nicht nachvollziehbares Beschäfigungsverbot auf unbestimmte Zeit führt gerade bei marginalisierten Sexarbeitenden sehr wahrscheinlich zum Ignorieren der Verordnung. Wir befürworten dies natürlich nicht.

Wir vom Berufsverband BesD fordern daher:
1. Gleiches Zeitenster. Stadt- und Landkreis Karlsruhe mögen bitte für die Einschränkung der Prostitution das gleiche Zeitenster ansetzen wie auch für die anderen Maßnahmen.
2. Unwort Sexkauf. Der Begriff „Sexkauf“ ist ein unüblicher Begrif in juristschen und politschen Texten. Bitte verwenden sie „Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen“
3. Soforthilfen. Wir begrüßen vom Bund und dem Land Baden-Württemberg ausgeschriebenen Soforthilfen fur Solo-Selbstständige. Es bedarf aber der Einrichtung lokaler Notfallhilfe-Töpfe für Sexarbeitende und Betroffene anderer Berufsgruppen, die von der Hand in den Mund leben.

Gerade auch vor dem Hintergrund des aktuell diskutierten Schwedischen Modells eines Sexkaufverbots – gegen dessen Einführung in Deutschland wir uns entschieden aussprechen – ist eine solche Sonderregelung für Prostitution wie hier in Karlsruhe beunruhigend.

Wenn Menschen ihre berufliche Tätigkeit nicht ausüben dürfen, so muss selbstverständlich für ihre Grundsicherung gesorgt werden, im Hinblick auf gelingende Covid-19-Maßnahmen und auf eine gesamtgesellschaftliche Stabilität.

Gruß, Johanna Weber (Politik und Vorstand des BesD)

A. The corona-virus in Germany

  • The risk to the health of the general population currently estimated by Robert Koch Institute: high
  • The risk to the health of people belonging to risk groups currently estimated by Robert Koch Institute: very high
  • Number of confirmed infections in Germany: 108.202
  • Number of confirmed deaths  due to Corona in Germany: 2.107

—> Daily updated case numbers in the federal states and worldwide.


B. The situation for sex workers in Germany

Since mid-March, all prostitution facilities, brothels and similar establishments in Germany have been closed. According to the German government, all services close to the body that are not medically necessary are currently prohibited. In addition, many federal states and cities have explicitly banned all forms of prostitution. In our work we cannot keep a distance from our guests. Therefore the risk of infection is very high for us.

We understand that any kind of sex work with customer contact is prohibited until further notice.  The BesD e.V. recommends sex workers in Germany to temporarily stop any activities that bring them into physical contact with clients.

  • In the case of a violation of the current ban on prostitution, sex workers are threatened with disproportionately high fines – the BesD strongly opposes this. More about this in -> our press release.
  • The BesD has successfully initiated a lifting of the ban on overnight stays in brothels during the Corona period. More about this in -> our press release.
  • For sex workers* who fall through all safety nets and are not entitled to state aid, we have created the -> BesD Emergency Fund – you can find out more under „D. Financial Assistance“.

We know, of course, that many of our colleagues do not have sufficient savings and are urgently dependent on their income from sex work. Read more under „D. Financial Assistance“.

If you don’t see any other option and continue to meet customers in person, find a few tips to reduce your risk further down in this article under „E. Precautions“.


C. What is important to know now

As in other countries, we in Germany are currently trying to delay the spread of the virus with all our strength and a concerted effort from society. On the one hand, this is intended to protect people to whom the corona virus can be particularly harmful. On the other hand, it is essential to avoid overloading the health system as long as possible. The situation is serious.

The time gained will be used to develop protective measures for particularly vulnerable groups, increase treatment capacities and develop antiviral drugs and vaccines.

  • We don’t want to get sick ourselves.
  • We do not want our customers to get sick.
  • Together we want to protect people for whom an infection can be particularly dangerous. We work and live together with many of them.

Particularly at risk are people who:

  • have a chronic disease (e.g. cardiovascular diseases, diabetes and diseases of the respiratory system, liver and kidney as well as cancer)
  • are over 55 years old

Take special care, if you:

  • live together with people over 55 years old
  • live together with people suffering from chronic diseases

If you feel sick and suspect you’ve been infected:

Contact the health department in your area by telephone – regardless of whether you have health insurance or not. You can find the addresses and telephone numbers of the health departments at www.gesundheitsaemter-deutschland.de. Alternatively, you can also contact the hotline of the Independent Patient Advisory Service Germany or google your local Corona Hotline.

To reduce social contacts:

As part of the measures to restrict social contacts, citizens in Germany are required to reduce contacts with other people outside the members of their own household to an absolutely necessary minimum. Here you can find the current guidelines of the government. Stay at home if possible. 

Hygiene:

It is very important to practice good hand hygiene, cough and sneeze properly and to avoid close contact. The main transmission route of the viruses is happening via mucous membranes (mouth, nose, eyes) or indirectly via hands, which are then brought into contact with the mucous membranes. It helps to regularly wash your hands/use disinfectants and to avoid touching your own face. The most important tips for hygiene can be found at the website of infektionschutz.de (here is a direct download of information graphic in English).


D. Financial Assistance

The BesD is in close contact with counselling centres as well as local and national authorities. HERE you can find our constantly updated overview on state financial aid for sex workers.


If you are not entitled to basic income support or other state aid and are in an emergency situation:

Contact a counselling centre for sex workers in your town or region. They can refer you to the right places. You can find the addresses and telephone numbers of many of these counselling centres at www.bufas.net/mitglieder.

If state aid is not applicable, the counsellors can apply for a grant from the BesD Emergency Fund for you, or you can contact our team yourself via notfallfonds@besd-ev.de.

It does not matter whether you are registered, or what your residence status is. Neither a „whore passport“ nor a membership with BesD is necessary to apply for help from our fund.


With a percentage of uninsured, already poor people and people without residence status, sex workers are hit particularly hard in the current crisis. Many of foreign sexworkers have been residing in brothels –  since their sudden closure, many of them are homeless. They cannot return to their home countries at the moment as there are entry stops and in most cases there is no money for an unplanned trip anyway.

We also have a high percentage of people in sex work, who have just enough money  to pay for food and rent. There is a percentage of survival sexwork.  Combining lack of a personal financial emergency fund and the lack of entitlement to state benefits means, that even now, as the crisis is coming to a head, some people still have to engage in sex work and look for customers on the street or on the internet. The poorest of the poor are in existential difficulties due to the current crisis. They need immediate financial help to secure housing and food. In the current situation, no sex worker should (have to) continue to work out of money pressure and thus endanger her- or himself and others!

Therefore we have created the BesD Emergency Fund. All donations go to sex workers in emergency situations, who are not entitled to state aid. Please follow THIS LINK or click on the picture below, to learn more on how you can help.


E. Precautions for sex workers

What sex workers, who see no other possibility than to meet customers in person, should be aware of:

  • Never accept clients with a cold, cough or other cold symptoms. If you notice that a customer has symptoms, decline the job.
  • Wash your hands thoroughly with soap for at least 30 seconds or use an antiviral disinfectant spray on your hands.
  • Ensure that each guest first washes their hands with soap for at least 30 seconds or, if necessary, uses an antiviral disinfectant spray on their hands.

F. Alternative earning opportunities

Webcamming, phone and direct chats as well as the sale of adult content (photos, videos) on platforms, where no physical contact takes place, are obvious choices within the industry. An exemplary selection of platforms are: adultwork, streamate, Big7, my dirty hobby, onlymevip, chaturbate, sexpanther or adulttime.

In our members‘ forum we exchange information about alternative earning opportunities and support each other. Here you can fill out the membership application form easily, anonymously and online – we also have a free trial membership.


G. More information

If you can read German, you can find the daily updated information – as well as all currently available answers to questions about the coronavirus and how to deal with it – on these official sites: Government | www.infektionsschutz.de. There are english versions of all articles from the Robert Koch Institute. In this (german) podcast Christian Drosten, Head of Virology at the Charité hospital in Berlin, provides daily updates on new developments.

Difference to influenza and other viruses:

  • In contrast to seasonal influenza viruses, there is still no basic immunity to the new corona virus in the population.
  • A specific therapy or vaccination directed against the corona virus is not yet available.
  • More people can become infected more quickly.
  • Particularly vulnerable groups are protected neither by drugs nor by vaccination.
  • Depending on the spread of the infection, the available capacities and the countermeasures taken, a high burden on the health care system may arise.
  • The symptoms of coronavirus differ from a cold/flu in that coronavirus is often accompanied by fever and dry cough, but rarely by a dripping nose.

In the long run, the corona virus – like the already known flu – will occur worldwide. The individual risk of falling seriously ill in the event of an infection still seems to be low. However, we now know that an infection with the new virus poses a higher risk, especially for the elderly and people with chronic illnesses, and increasingly leads to severe disease progression.

State of Research:

The danger of an infection draws its threat mainly from the fact that no immunity to it yet exists in our species. A specific therapy or vaccination against the novel coronavirus is not currently available, but international research – among others between the Health Security Committee of the EU, the Global Health Security Initiative of the G7 and CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – is working hard to develop a vaccine and research more about the virus.

A. Das Corona-Virus in Deutschland

  • Gefährdung für die Gesundheit der allgemeinen Bevölkerung laut Robert-Koch-Institut: hoch
  • Gefährdung für die Gesundheit von Personen, die Risikogruppen angehören: sehr hoch
  • Zahl der bestätigten Infektionen in Deutschland: 108.202 Menschen 
  • Bisher bestätigte Todesfälle aufgrund von Corona in Deutschland: 2.107 Menschen

—> Täglich aktualisierte Fallzahlen in den Bundesländern und weltweit. 


B. Die Lage für Sexarbeiter*innen in Deutschland

Mitte März wurden in Deutschland sämtliche Prostitutionsstätten, Bordelle und ähnlichen Einrichtungen geschlossen. Alle körpernahen, nicht medizinisch notwendigen Dienstleistungen sind laut Vorgabe der Bundesregierung derzeit untersagt. Viele Bundesländer und Städte haben darüber hinaus explizit jede Art von Prostitution verboten. Bei unserer Arbeit können wir keinen Abstand zu den Gästen halten. Deswegen ist das Risiko für eine Ansteckung für uns sehr hoch.

Wir verstehen das derzeit geltende Kontaktverbot so, dass deutschlandweit jegliche Art der Sexarbeit mit Kundenkontakt verboten ist. Der Berufsverband empfiehlt allen Sexarbeiter*innen in Deutschland körpernahe sexuelle Dienstleistungen vorübergehend einzustellen.

  • Im Falle eines Verstoßes gegen das derzeitige Prostitutionsverbot drohen Sexarbeiter*innen unverhältnismäßig hohe Bußgelder – der BesD spricht sich entschieden dagegen aus. Mehr hierzu in —> unserer Stellungnahme.
  • Der BesD hat erfolgreich eine Aufhebung des Übernachtungsverbots in Bordellen während der Corona-Zeit initiiert. Mehr hierzu in —> unserer Pressemitteilung.
  • Für Sexarbeiter*innen, die durch alle Netze fallen und keinen Anspruch auf staatliche Hilfen haben, haben wir den —> BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen – unter „D. Finanzielle Hilfen“ erfährst du mehr.

Wir wissen natürlich, dass viele Kolleg*innen über keine ausreichenden Rücklagen verfügen und auf die Einnahmen aus der Sexarbeit dringend angewiesen sind. Lies mehr unter „D. Finanzielle Hilfen“.

Falls du trotzdem keine andere Möglichkeit siehst und weiterhin Kund*innen persönlich triffst, ist es wichtig ein paar Tipps zu beachten um dein Risiko und das deiner Kund*innen zu vermindern. Lies mehr unter „E. Vorsichtsmaßnahmen“.


C. Was jetzt wichtig zu wissen ist

Wie auch andere Länder, versuchen wir in Deutschland derzeit in einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung und mit aller Kraft die Ausbreitung des Virus zu verzögern. Dadurch sollen einerseits Menschen, denen das Corona-Virus besonders schaden kann, geschützt werden und andererseits eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst vermieden werden. Es handelt sich  um eine ernst zu nehmende Situation.

Die gewonnene Zeit wird für die Entwicklung von Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen, die Erhöhung von Behandlungskapazitäten und die Entwicklung von antiviralen Medikamenten und Impfstoffen genützt.

  • Wir wollen selbst nicht krank werden.
  • Wir wollen nicht, dass unsere Kund*innen krank werden.
  • Wir wollen gemeinsam Menschen schützen, für die eine Ansteckung besonders gefährlich werden kann. Mit vielen arbeiten wir zusammen, leben wir zusammen, oder wohnen wir zusammen.

Insbesondere gefährdet sind Menschen, die:

  • eine chronische Krankheit haben (zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber und der Niere sowie Krebserkrankungen)
  • über 55 Jahre alt sind

Achte ebenfalls besonders auf dich, wenn du:

  • mit Menschen über 55 Jahren zusammenlebst
  • mit Menschen, die an chronischen Krankheiten leiden, zusammenlebst

Falls du dich krank fühlst, oder vermutest, dich angesteckt zu haben:

Wende dich telefonisch an ein Gesundheitsamt in deiner Region – egal ob du krankenversichert bist, oder nicht. Die Adressen und Telefonnummern der Gesundheitsämter findest du auf www.gesundheitsaemter-deutschland.de. Alternativ kannst du dich auch an die Hotline der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland, oder deine lokale Corona-Hotline wenden.

Zur Reduktion sozialer Kontakte:

Im Rahmen der Maßnahmen zur Beschränkung sozialer Kontakte sind die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland dazu angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. Hier findest du die derzeit geltenden Leitlinien der Regierung. Bleibe nach Möglichkeit zuhause. 

Hygiene:

Es ist jetzt maßgeblich, eine gute Händehygiene zu praktizieren, eine Husten- und Niesetikette einzuhalten und enge Kontakte zu meiden. Hauptübertragungsweg der Viren ist die Tröpfcheninfektion. Diese kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut oder Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden. Zur Prävention hilft es außerdem, so wenig wie irgendwie möglich ins eigene Gesicht zu fassen. In dieser Infografik finden sich die wichtigsten Hygienetipps.


D. Finanzielle Hilfen

Der BesD steht in engem Austausch mit Beratungsstellen sowie kommunalen und landesweiten Behörden. HIER findest du unsere ständig aktualisierte Übersicht zu den bundesweiten und bundeslandspezifischen finanziellen Hilfen für Sexarbeiter*innen.


Falls du keinen Anspruch auf Grundsicherung oder andere staatliche Hilfen hast und dich in einer Notsituation befindest: 

Wende dich an eine Beratungsstelle für Sexarbeiter*innen in deiner Stadt oder Region. Diese können dich an die richtigen Stellen weiterverweisen. Adressen und Telefonnummern vieler dieser Beratungsstellen findest du auf www.bufas.net/mitglieder

Sind sämtliche staatlichen Hilfen ausgeschöpft, können die Berater*innen für dich einen Antrag beim BesD Nothilfe Fonds stellen oder du kontaktierst selbst unser Team unter notfallfonds@besd-ev.de.

Es ist dabei egal, ob du angemeldet bist, oder welchen Aufenthaltsstatus du hast. Um Hilfe bei unserem Fonds zu beantragen, sind weder ein „Hurenpass“ noch eine Mitgliedschaft beim BesD notwendig.


Mit einem Anteil von nicht krankenversicherten, nicht angemeldeten, bereits von Armut betroffenen Menschen, trifft es Sexarbeitende in der jetztigen Krise besonders hart. Viele der nicht in Deutschland ansässigen Sexarbeiterinnen haben in Bordellen übernachtet – seit deren Schließung sitzen sie von einem Tag auf den anderen auf der Straße und sind teilweise obdachlos. Sie können aktuell auch nicht in ihre Heimatländer zurück, es bestehen Einreisestopps und in den meisten Fällen fehlt ohnehin das Geld für eine ungeplante Reise.

Wir haben einen hohen Anteil an Menschen in der Sexarbeit, die von der Hand in den Mund leben. Es gibt einen Anteil an Beschaffungs- und Überlebensprostitution. Komplett fehlende Rücklagen und fehlender Anspruch auf staatliche Grundsicherung führen dazu, dass Menschen auch jetzt, während sich die Krise zuspitzt, weiterhin der Sexarbeit nachgehen müssen und auf der Straße oder über das Internet nach Kunden suchen. Die Ärmsten der Armen kämpfen um ihr Überleben. Sie benötigen finanzielle Soforthilfe, mit welcher Wohnraum und Ernährung sichergestellt werden können. In der jetztigen Lage darf kein Sexworker aus Gelddruck weiter arbeiten (müssen) und damit sich und andere gefährden!

Deshalb haben wir den BesD Nothilfe Fonds ins Leben gerufen. Alle Spenden gehen an Sexarbeitende, die nicht auf staatliche Hilfsfonds oder –darlehen Zugriff haben. Bitte folge DIESEM LINK oder klicke auf das Bild unten, um mehr zu erfahren oder zu unterstützen.


E. Vorsichtsmaßnahmen für Sexarbeiter*innen

Was Sexarbeiter*innen beachten sollten, die derzeit trotzdem keine andere Möglichkeit sehen, als jetzt noch Kund*innen persönlich zu treffen:

  • Nimm auf keinen Fall Kunden mit Schnupfen, Husten und anderen Erkältungssymptomen an. Wenn du bemerkst, dass ein Kunde Symptome hat, weise ihn oder sie ab.
  • Wasche Dir öfters mindestens 30 Sekunden gründlich die Hände mit Seife oder benütze notfalls ein antivirales Desinfektionsspray auf deinen Händen.
  • Sorge dafür, dass jeder Gast sich als erstes mindestens 30 Sekunden die Hände mit Seife wäscht oder notfalls ein antivirales Desinfektionsspray auf seinen Händen benützt.

F. Alternative Verdienstmöglichkeiten

Innerhalb der Branche bieten sich Webcamming, Phone und Direct Chats sowie der Verkauf von Adult Content (Fotos, Videos) auf Plattformen an, wo kein Körperkontakt stattfindet. Eine Auswahl von Plattformen sind zum Beispiel adultwork, streamate, Big7, my dirty hobby, onlymevip oder chaturbate, sexpanther und adulttime.

In unserem Mitgliederforum tauschen wir uns über alternative Verdienstmöglichkeiten aus und unterstützen uns gegenseitig. Hier kannst du den Mitgliedsantrag unkompliziert, anonym und online ausfüllen – wir haben auch eine kostenlose Schnuppermitgliedschaft.


G. Mehr Information

Auf diesen offiziellen Seiten finden sich die tagesaktuellen Informationen sowie alle derzeit verfügbaren Antworten zu Fragen rund um das Coronavirus und dem Umgang damit: Bundesregierung | Robert-Koch-Institut | www.infektionsschutz.de. In diesem Podcast informiert Christian Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité, täglich über neue Entwicklungen.

Unterschied zu Grippe und anderen Viren:

  • Im Gegensatz zu den saisonalen Grippeviren gibt es gegen das neue Corona-Virus noch keine Grundimmunität in der Bevölkerung.
  • Eine spezifische, gegen das Corona-Virus gerichtete Therapie oder Impfung steht derzeit noch nicht zur Verfügung.
  • Mehr Menschen können sich schneller anstecken.
  • Besonders gefährdete Gruppen sind weder durch Medikamente noch durch Impfung geschützt. 
  • Abhängig von der Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen, kann es zu einer hohen Belastung des Gesundheitswesen kommen. 

Die Symptome des Coronavirus unterscheiden sich von einer Erkältung/Grippe insofern, als Coronavirus oft mit Fieber und trockenem Husten einhergeht, jedoch eher selten mit tropfender Nase.

Auf Dauer wird der Corona-Virus – so wie die bereits bekannte Grippe –  weltweit auftreten. Die individuelle Gefahr, im Falle einer Infektion schlimm zu erkranken, scheint nach wie vor niedrig zu sein. Doch wir wissen mittlerweile, dass eine Infektion mit dem neuen Virus besonders für alte Menschen und Menschen mit chronischen Erkrankungen ein höheres Risiko darstellt und vermehrt zu schweren Krankheitsverläufen führt.

Stand der Forschung:

Die Gefahr einer Infektion zieht ihre Bedrohlichkeit vor allem aus der Tatsache, dass noch keine Immunität in unserer Spezies dagegen existiert. Eine spezifische, gegen das neuartige Coronavirus gerichtete Therapie oder Schutzimpfung steht derzeit nicht zur Verfügung, doch in der internationalen Forschung – unter anderem zwischen Health Security Committee der EU, Global Health Security Initiative der G7 und CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – wird mit aller Kraft an der Entwicklung eines Impffstoffs und an der Erforschung des Virus gearbeitet.

Fußbereich

Unter dem roten Regenschirm – News vom BesD e.V. | Februar 2020

Hallo zusammen,

für eine bessere Übersicht haben wir unseren Newsletter optisch verschlankt und einige Kategorien überarbeitet. Du erfährst hier einmal pro Quartal alle wissenswerten Infos vom Berufsverband, erhältst einen Überblick über die Medienberichterstattung zum Thema Sexarbeit und kannst Dir interessante Termine bereits jetzt rot im Kalender anstreichen.

Viel Spaß beim Lesen!

Dein BesD-Team

---Save the Date: Termine

  • 08.03. | Internationaler Frauentag: Wir sind dabei, uns einen Überblick über alle Aktionen, an denen sich der BesD beteiligen könnte, zu verschaffen: Du weißt von Veranstaltungen und Demos, bist vielleicht schon wo vor Ort beteiligt oder hast Pläne? Bitte schick uns Deine Infos an charlie@besd-ev.de.
  • 20.03. | Berlin | Seminar „Mein Erwin gehört mir!“: In den Räumen der Aidshilfe treffen sich hier an gleich 3 Tagen politisch aktive Sexarbeiter*innen und Allies, um die derzeitige Sexdienstleistungs-Politik und Gesellschaftstendenzen dazu konstruktiv zu diskutieren und mögliche Lösungsansätze herauszuarbeiten. Hier findest Du das Seminarprogramm als pdf.
  • 21.03. | Hamburg | World of Whorecraft Workshops & Soliparty: Wir bringen die MS Stubnitz zum Schaukeln – neben einer Reihe von Workshops zu Sex- und Erotikthemen wird es wieder eine Ask-A-Sexworker-Runde und eine anschließende gemeinsame Party geben. Wir freuen uns auf Deine Teilnahme! Hier geht es zum Facebook-Event.
  • 27.03. | Hannover | Seminar „HIV/STI-Prävention in der Beratung für Sexarbeiterinnen“: Die deutsche AIDS-Hilfe bietet in Hannover ein mehrtägiges Seminar für Menschen an, die sich mit Sexarbeit und Sexarbeitenden befassen. Hier gibt es mehr Info dazu.
  • Du hast noch mehr Termine? Diese kannst Du direkt hier eintragen: https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/service/termine/

---Wissenswertes

  • Fundraising für den BesD: Unsere Aktion auf Leetchi hat bereits unsere Erwartungen übertroffen – umso mehr sind wir motiviert, uns auf den letzten Metern weiter ins Zeug zu legen. Jeder Extra-Euro hilft der Schlagkraft unseres Verbands und hält uns am Laufen – bitte teile den Link weiter und spende selbst, falls Du kannst – Tausend Dank!
  • Postkarten & Sticker: Wer will, wer braucht, wer hat noch nicht? Wir haben jede Menge tolle BesD-Materialien, die wir gerne zum Auslegen oder Verteilen an Dich verschicken. Schreib einfach eine kurze Mail mit der gewünschten Menge und Adresse an info@besd-ev.de.
  • Datenleak bei Pornowebsites: Anfang des Monats wurde bekannt, dass hundertausende sensible Dateien von Sexarbeiter*innen frei zugänglich im Netz „aufbewahrt wurden“. Hier liest du mehr: „Eimerweise hochsensible Daten: Schwerschwiegender Leak bei LiveCam-Pornowebsites“
  • Schnüffelei bei AirBnB: Die Plattform durchleuchtet seit kurzem potentielle Gäste. Wer „mit Alkohol, Drogen oder Sex“ zu tun hat, will das Service vielleicht in Zukunft meiden. Hier liest du mehr: Party-Fotos online? Airbnb will auf Facebook schnüffeln“
  • Klage gegen französisches Prostitutionsgesetz 2016: 250 SW klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen die repressive Gesetzgebung (hier geht es zur Pressemitteilung)
  • Weniger Steuern in 2020: Geht es nach der Bundesregierung, wird die Grenze von umsatzsteuerpflichtigen Vorjahresumsatz von 17.500 auf 22.000 Euro angehoben – eine wesentliche Information für alle Selbstständigen.
  • Lesetipps: Im September erschienen: „Sexarbeit – Feministische Perspektiven“ (Auch SW selbst kommen zu Wort, unterschiedliche Zugänge) Im Oktober erschienen: „20 Years of Failing Sexworkers“ (beeindruckender Community Report von schwedischer SW-Orga Fuckförbundet)

---#Lobbyhuren

  • 28.01. 1LIVE Podcastfestival: Sexarbeiterin und BesD-MitgliedMadame Kali war gemeinsam mit dem Sexualpädagogen Jo Hamburger zu Gast beim Podcast „Fuck Forward“. Es ging um Freier, offene Beziehungen, schmutzigen Sex und vieles mehr … Hier geht es zur Audioaufnahme Teil 1, hier zum zweiten Teil.
  • 28.01. Amnesty-Podiumsdiskussion „Prostitution – legal, illegal, egal?“: Kristina Marlen und Susanne traten für den BesD gegen gleich drei Sexarbeits-Gegner*innen an.
  • 28.01. Their Bodies – Your Business: Der Ratschlag Prostitution beleuchtete mit  verschiedenen Parteiabgeordneten die Lage für Sexarbeitende in Deutschland und die möglichen Folgen eines Sexkaufverbots. Kurzfilme der Wissen.Macht.Sex-Videojournalistin und Sexarbeiterin Josefa wurden gezeigt, Undine de Rivière diskutierte am Podium mit Vertreter*innen der Grünen, SPD und LINKEN.
  • 17.12. Zum Tag gegen Gewalt an Sexarbeiter*innen gab es in den sozialen Medien viele schöne Beiträge – zum Beispiel diesen klugen Text auf der Facebookseite von Emma Madlen oder dieses Gedicht in unserem Blog. Außerdem einige Veranstaltung, wie zum Beispiel hier in Rostock.
  • 16.12. Bei dem sexarbeitsfeindlichen Vortrag „Zur Kritik der Prostitution“ der Universität Frankfurt sorgten BesD-Mitglieder für Gegenwind.
  • 14.12. Sexworker Unconference: Eine von BesD und Hydra unterstützte Veranstaltung in einem queeren Safespace in Berlin – mit praktischen Workshops, wichtige Diskussionen, Erfahrungsaustausch und Netzwerken in der Community.
  • 12.12. Terre de Femmes Berlin zeigte den umstrittenen Film „Bordell Deutschland“ – bei der Filmvorführung und anschließenden Diskussion waren auch mehrere BesD-Mitglieder zu Gast und meldeten sich zu Wort.
  • 5.12. Ein erstes Treffen des Runden Tisch zur Prostitution in Baden-Württemberg fand statt. Unter anderem waren BesD-Mitglied Isabelle Fuhrmann und Stephanie Klee Teil des Gremiums.
  • 4.12. Die Fachberatungsstelle für Sexarbeitende in Leipzig veranstaltete eine Filmvorführung sowie ein Podiumsgespräch. Sexarbeiter und BesD-Mitglied Lucien aus Berlin war auf dem Podium zu Gast.
  • 1.12. Josefa Nereus veröffentlichte die 100. Folge ihres Podcasts „Wissen.Macht.Sex.“ und redet darin über Breymeier, SPD & Sexkaufverbot.
  • 2.11. Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in Neumünster/Schleswig-Holstein stimmte bei der Vollversammlung geschlossen gegen das Schwedische Modell. Und das sicher nicht zuletzt aufgrund des Redebeitrags von Josefa Nereus, die der Einladung dorthin folgte und die Positionen und Forderungen des BesD vertrat.
  • 08.11. Aya Velázquez und Salomé Balthus organisierten ein Fotoshooting um die gesellschaftliche Präsenz von Sexarbeiter*innen in all ihren Facetten voranzutreiben. Die Fotos werden nach und nach in unseren sozialen Netzwerken veröffentlicht.
  • 15.11. Bei der Fachtagung SexArbeitGesundheit in Köln nahm Maia als Vertretung des BesD und Mitglied der Steuerungsgruppe teil. Im Vorfeld der Tagung fand eine Befragung von Gesundheitsämtern und Sexarbeitenden zu ersten Erfahrungen mit dem ProstSchG statt – hier geht es zu den Ergebnissen sowie weiteren Präsentationen des Fachtags.
  • 25.11. Am Aktionstag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen setzten wir in den sozialen Medien einen starken Kontrapunkt zur #SexIstUnbezahlbar-Kampagne von Terre des Femmes – hier geht es zu unserem Blogbeitrag „Warum Sexarbeit nicht mit Gewalt gegen Frauen gleichgesetzt werden kann“.
  • 15.09. 200 Sexarbeiter*innen aus ganz Deutschland und aller Welt kamen für 3 Tage zur größten Veranstaltung des BesD zusammen – dem Hurenkongress sowie der öffentlich zugänglichen Sexwork-Messe „World of Whorecraft“ in Berlin! Die Veranstaltung war ein voller Erfolg – einen ausführlichen Bericht dazu liest Du bei uns im Blog.

---#Neues aus unserem Blog

Der BesD zum Fall in Lippstadt-Eickelborn: Der Berufsverband setzt sich für die Stärkung der Rechte von Sexarbeiter*innen ein –  die angemessenen Rechte beziehungsweise Verbote des Alltags für Straftäter im Maßregelvollzug fallen hingegen nicht in unsere Expertise – egal, ob es sich nun um Fragen des Wohnsitzes, der Arbeitserlaubnis oder den Besuch von Bordellen … MEHR

“Am Anfang hatte ich Angst, mich politisch zu engagieren und sichtbar zu sein”, berichtet eine Teilnehmerin auf dem Hurenkongress, der im vergangenen August bereits zum zweiten Mal Sexarbeitende aus Deutschland, Europa und der Welt in Berlin zusammenbrachte. “Aber dadurch, dass ich Sexarbeitende mit anderen Erfahrungen und Biografien getroffen habe, wurde mir klar, dass ich Privilegien habe, die ich … MEHR

Dieser sehr persönliche Blogbeitrag wurde uns von einer Berliner Kollegin zur Verfügung gestellt.  Als ich im vierzigsten Lebensjahr wieder angefangen habe mit der Sexarbeit, las ich überall die Berichte in den Zeitungen von den ganzen Menschenhandelsopfern in Deutschland. Das verunsicherte mich sehr. Ich saß zwar selber im Bordell und habe dort gearbeitet, aber ich dachte, dass diese schlimmen Sachen ja … MEHR

Weitere neue Blog-Beiträge findest Du hier. 

Du magst lieber Videos? BesD-Mitglied und Sexarbeiterin Josefa Nereus postet wöchentlich auf ihrem YouTube-Kanal „Wissen.Macht.Sex!“ über Sexualität, Lifestyle und ihren Alltag als Sexworkerin – dabei interviewt sie auch viele Kolleg*innen. Hier findest du ihren Channel!

---So kannst Du uns unterstützen

AKTUELL – Fundraising für den BesD: Unsere Aktion auf Leetchi hat bereits unsere Erwartungen übertroffen – umso mehr sind wir motiviert, uns auf den letzten Metern weiter ins Zeug zu legen. Jeder Extra-Euro hilft der Schlagkraft unseres Verbands und hält uns am Laufen – bitte teile den Link weiter und spende selbst, falls Du kannst – Tausend Dank!

Stärke uns mit einer Spende.

Der absolute Großteil der Arbeit des BesD wird von ehrenamtlichen Helfer*innen in ihrer Freizeit geleistet.

Um auch weiterhin die Rechte von Sexarbeitenden zu stärken, bewerben wir uns als Verein um Fördergelder und suchen stetig nach Verbündeten, die bereit sind uns finanziell den Rücken zu stärken.

Du kannst die Arbeit des Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen sowohl mit einer einmaligen als auch einer regelmäßigen Spende unterstützen:

Kontoverbindung des BesD e.V.

IBAN:DE49100500000190290862

BIC:BELADEBEXXX

Paypal:In deinem PayPal Konto gibt es den Reiter „Geld senden”. Um zu spenden, gib einfach unsere Adresse zahlung@besd-ev.de und den gewünschten Betrag ein.

Hilf uns dabei, bekannter zu werden.

Wir haben jede Menge tolle Sticker und Postkarten, die wir gerne zum Auslegen oder Verteilen an dich verschicken. Schreib einfach eine kurze Mail mit der gewünschten Menge und Adresse an info@besd-ev.de.

Sprich über uns.

Twitter@SexworkID

FacebookBesD – Berufsverband

Öffentliche Aufmerksamkeit hilft uns dabei, unsere Ziele besser durchzusetzen. Wir freuen uns daher sehr, wenn du unsere Beiträge kommentierst, retweetest, teilst oder auf „Gefällt mir” klickst. Vielen Dank!

---Berichterstattung

---Schlagzeilen---

Zoff in der ZEIT: BesD-Mitglied Kristina Marlen trat in der renommierten Wochenzeitung gegen die bekannte Sexarbeitsgegnerin Leni Breymaier an.

Straßenstrich Trier: Vorständin und Straßen-Beirätin Nicole treibt die Berichterstattung um die Sicherheit für Sexarbeiter*innen in Trier weiter voran.

Am 26.11. veröffentlichte das Statistische Bundesamt die ersten konkreten Zahlen zum ProstSchG, seit Januar gehen vorläufige Zahlen für 2020 durch die Presse. 

Sex Sells: Sexarbeiterin Kaylen Ward sorgte mit ihrer Spendenaktion für Australien für weltweite Aufmerksamkeit und viele Kolleg*innen taten es ihr gleich.

Kritik am „Schwedischen Modell“: Auch Stellen, die Prostitution kritisch gegenüber stehen, sind von den Ergebnissen eines Sexkaufverbots unbeindruckt.

Unterschiedliche Wege in der Schweiz: Seit 01.01.2020 gilt in Luzern das neue Gewerbepolizeigesetz und drängt Sexarbeitende dadurch Richtung Großbordelle. In Zürich sind hingegen ab sofort auch Kleinstbordelle erlaubt, um selbstverantwortliches Arbeiten zu fördern.

ProstSchG & Tantra: Unsicherheit bei den Gerichten.

Frauenrechtlerin nimmt Kredit von Bordellchef: Die Prostitutionsgegnerin Seyran Ates geriet medial unter Beschuss und sprach sich in anschließenden Interviews für eine Legalisierung von Sexarbeit aus.

Runder Tisch BW: Dieser fand erstmals im Dezember statt – BesD-Mitglied Isabelle Fuhrmann und Stephanie Klee sind Teil des Gremiums.

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen am 25.11. warnten mehrere Fach- und Beratungsstellen vor der Einführung des Schwedischen Modells in Deutschland. 

Eine Zusammenfassung aller Stellungnahmen findest Du in unserem Blogbeitrag: „Für Frauenrechte aber gegen Prostitution? Warum Sexarbeit nicht mit Gewalt gegen Frauen gleichgesetzt werden kann“

Runder Tisch Berlin: Im November fand die letzte Sitzung statt –  für den BesD nahm Vorständin Johanna Weber an dem Gremium teil.

---Lokales, Meinungen & Berichte---

---Stimmen aus der Sexarbeit---

---Stimmen aus der Forschung und Beratungsstellen---

---Ausland---

---Auch interessant---

Der BesD zum Fall in Lippstadt-Eickelborn: Der Berufsverband setzt sich für die Stärkung der Rechte von Sexarbeiter*innen ein –  die angemessenen Rechte beziehungsweise Verbote des Alltags für Straftäter im Maßregelvollzug fallen hingegen nicht in unsere Expertise – egal, ob es sich nun um Fragen des Wohnsitzes, der Arbeitserlaubnis oder den Besuch von Bordellen handelt.

Der BesD zum Therapieexperiment in Osnabrück: Wir raten, direkten Kontakt zu der betreffenden Kollegin aufzunehmen. In Ermangelung einer persönlichen Stellungnahme der Kollegin, ohne nähere Informationen zu deren Teilnahme an dem genannten Experiment und ohne nähere Informationen zu dessen Inhalten, ist es uns nicht möglich, ein Urteil über diesen speziellen Fall abzugeben oder daraus generelle Rückschlüsse auf die Sinnhaftigkeit einer solchen Therapie zu ziehen.

Jedoch gilt generell: Der Berufsverband steht der Entwicklung eines Konzepts beziehungsweise einer Ausbildung, die Sexarbeitenden erlaubt ihre Kenntnisse als Lehrende einzusetzen  – ob im Rahmen von Workshops, Therapien, an Schulen und anderen Fortbildungsstätten – sehr positiv gegenüber. 

Sexarbeiter*innen besitzen die verschiedensten beruflichen Hintergründe und Fähigkeiten. Grundsätzlich sind viele in der Sexarbeit tätige Menschen auch im Bereich Sexualcoaching und/oder Sexualbegleitung aktiv und in der Lage, einen verantwortungsvollen und positiven Umgang mit eigener und fremder Sexualität zu fördern.

Jede Gesellschaft profitiert von offener und ehrlicher Kommunikation und leidet tendentiell unter „Tabuthemen“ –  Sexarbeiter*innen sind durch ihre Tätigkeit oft besonders geschult darin Themen zu vermitteln, über die leider noch immer viel zu oft geschwiegen wird.

Dabei kann es zum Beispiel um das komplexe Thema Konsens, den Umgang mit Sicherheit, den Schutz vor Geschlechtskrankheiten oder schlicht die „richtige“ Kommunikation von sexuellen Wünschen gehen.  Auch denkbar ist für uns der Einsatz von Sexarbeiter*innen als Vortragende an Schulen, beziehungsweise vor Jugendlichen – um zum Beispiel Aufklärung über die Loverboy-Masche zu leisten oder den Unterschied zwischen Realität und Pornografie zu besprechen.

Für weitere Informationen zu der Thematik vermitteln wir Ihnen gerne den Kontakt zu einer Kollegin/einem Kollegen die/der auch in dem Bereich Coaching tätig ist.

Pressekontakt:
Lilli Erdbeermund
presse@besd-ev.de