“Am Anfang hatte ich Angst, mich politisch zu engagieren und sichtbar zu sein”, berichtet eine Teilnehmerin auf dem Hurenkongress, der im vergangenen August bereits zum zweiten Mal Sexarbeitende aus Deutschland, Europa und der Welt in Berlin zusammenbrachte. “Aber dadurch, dass ich Sexarbeitende mit anderen Erfahrungen und Biografien getroffen habe, wurde mir klar, dass ich Privilegien habe, die ich nutzen muss, um unsere Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern”, fährt sie fort.

 

Zusammen mit 200 anderen Sexarbeitenden verbrachte die Sexarbeiterin und Aktivistin aus Lateinamerika daher auf dem Hurenkongress zwei Tage damit, sich in einem geschützten Umfeld untereinander auszutauschen, zu vernetzen und Strategien zu entwickeln. Dass die Anzahl der Teilnehmenden im Vergleich zum Vorjahr noch gestiegen war, sehen viele als Zeichen für den zunehmenden Widerstand, der sich gerade unter Sexarbeitenden in Deutschland formiert.

 

Ausschlaggebend hierfür ist insbesondere das neu verabschiedete Gesetz zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen, kurz genannt Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG), das seit 2017 die rechtliche Diskriminierung und zunehmende Stigmatisierung von Sexarbeitenden fortschreibt. Wesentliche Elemente dieses Gesetzes sind eine Anmeldepflicht und die Mitführung einer Anmeldebescheinigung, dem sogenannten Hurenpass; eine verbindliche Gesundheitsberatung sowie die Einführung einer Erlaubnispflicht für Betriebsstätten. Mit Schutz und Unterstützung hat das neue Gesetz aber wenig bis gar nichts zu tun: zum einen greift es unrechtmäßig in das Selbstbestimmungsrecht von sexarbeitenden Menschen ein und ist mit deren Menschenrechten nicht vereinbar. Zum anderen zeigt sich mehr als zwei Jahre nach Einführung des Gesetzes deutlich, wie sehr es die Arbeitsbedingungen für Sexarbeitende verschlechtert.

 

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen war der Hurenkongress 2019 ein besonders bedeutendes Event für Sexarbeitende. Wir als Forschende nutzten ihn auch dazu, die persönlichen Erfahrungen und Perspektiven der Teilnehmenden zu erfragen und zu dokumentieren. Dazu kreierten wir einen anonymen Forschungsraum, in dem Sexarbeitende ihre Sichtweisen zu den Themenschwerpunkten Prostitutionspolitik und Sexarbeitsaktivismus teilen konnten. Wir erfragten insbesondere auch, wie sie die aktuelle politische Entwicklung in Deutschland wahrnehmen. Hier zeigte sich ein deutliches Stimmungsbild. Von vielen Teilnehmenden wurde die Situation als “bedrohlich”, “beängstigend”, „restriktiv“ und “repressiv”, sowie als „existenzbedrohend“ und “gefährlich” beschrieben. Viele sehen in der momentanen Politik außerdem einen Rückschritt im langjährigen Kampf um Rechte und Anerkennung. Sie fordern stattdessen “Respekt”, eine “faire Behandlung, wie andere Arbeitsbereiche auch”, und die Einbeziehung von Sexarbeitende in politische Prozesse. Würde man mit Sexarbeitenden reden, ihre Meinungen ernst nehmen und ihren Empfehlungen folgen, so wäre die komplette Dekriminalisierung und Entstigmatisierung von Sexarbeit unabdingbar, so sind sich viele einig.

 

Um solche politischen und gesellschaftlichen Verbesserungen zu erreichen, organisieren sich Sexarbeitende gemeinsam. Dabei sind unvoreingenommene Begegnungen und ein Austausch auf Augenhöhe besonder wichtig, da es innerhalb der Sexarbeit unterschiedlichste Arbeitsbereiche und Arbeitsformen, und damit auch eine Vielfalt an Erfahrungen und Perspektiven gibt. Beim Hurenkongress kamen diese wie bei keiner anderen Gelegenheit in 2019 zusammen. In 12 unterschiedlichen Workshops lernten die Sexarbeitenden hier Neues, tauschten Expertise aus und hielten Debatten ab. Die Teilnehmer*innen zeigten sich selbst “überrascht, fasziniert, und begeistert von der Vielfältigkeit der Sexarbeit und der Menschen” und beschrieben, wie die unterschiedlichen Selbstbilder der Anwesenden ihren Blick öffneten.

 

Dass sie hierbei zuerst einmal unter sich blieben, ist für viele Sexarbeitende unabdingbar: nur in einem geschützten Raum können sie Perspektiven und Erfahrungen austauschen, ohne die Stigmatisierung und Verurteilung Anderer zu fürchten. Der Hurenkongress bot einen solchen Raum, in dem Sexarbeitende trotz aller Unterschiede und Marginalisierungserfahrungen Gemeinschaft, Solidarität und gegenseitige Hilfe finden konnten, und förderte damit das Verständnis und die Zusammenarbeit unter ihnen.

 

Dabei wurde die Bandbreite an Aktivitäten sichtbar, durch die sich Sexarbeitende politisch einbringen:  dass vor allem Sexarbeitende, die in Vereinen wie dem Berufsverband organisiert sind „öffentlich bei Demonstrationen, Paraden und Soliparties“ aktiv sind und/oder auch „Interviews geben, Vorträge halten, bei Podiumsdiskussionen, politischen Anhörungen und an Dokumentationen teilhaben“. Eine andere Teilnehmerin erzählt, dass sie Sexworker-Frühstückstreffen organisiert und in einem Arbeitskreis zu Sexarbeit tätig ist.

 

Gerade die Vernetzung mit Organisationen und NGO’s ist für viele Sexarbeitende ein erster Schritt zum Aktivismus – öffentlich auf der Straße, aber auch im virtuellen Raum wie auf Twitter, Instagram oder Facebook. So berichtet eine Sexarbeitende aus Argentinien: „Ich helfe bei Veranstaltungen aus, übersetze Texte, gehe zu Demos und mache Interviews mit Journalist*innen”. Eine weitere Sexarbeitende aus Brasilien erzählt, dass in lokalen Gemeinschaften organisiert ist und auch im Web aktiv ist, hier zwar noch “mehr im Alleingang, aber im Kontakt mit anderen”.

 

Das Engagement ist also bereits vielfältig, und doch in anderer Hinsicht noch begrenzt. Dies beschreibt eine weitere Sexarbeiterin, die auch beim BesD sowie auf verschiedenen sozialen Plattformen aktiv ist: „Ich zeige gern mein Gesicht, auch weil andere dies (noch!) nicht können.“ Damit weist sie darauf hin, dass politisches Engagement vor allem in der Öffentlichkeit für viele nicht möglich ist. Auch diejenige unter den Sexarbeitenden, die sich im Sexarbeitsaktivismus bis jetzt noch nicht engagiert haben, nutzten den anonymen Forschungsraum und erzählten, warum es für sie bis dato nicht möglich war. So schildert eine Sexarbeiterin: „Ich habe mich fast noch gar nicht aktivistisch engagiert, außer in den sozialen Medien zu kommentieren, dass aber natürlich auch anonym, da mein Nicht-EU Bürgerin Status es auch nochmals schwieriger macht.“ Eine weitere Teilnehmerin schreibt, dass sie sich „gar nicht aktivistisch engagiert, denn ein Outcoming kann ich mir sozial-gesellschaftlich nicht leisten“. Viele Sexarbeitende, sie sich öffentlich politisch engagieren, sind sich dieser Risiken und Einschränkungen bewusst, und fühlen sich in ihrem Aktivismus mitverantwortlich für diejenigen, die besonders mit Stigma und Rechtlosigkeit zu kämpfen haben.

 

Für viele Sexarbeitende ist der Hurenkongress aber auch ein Beginn, um sich aktivistisch zu engagieren: „Bisher habe ich mich noch gar nicht aktivistisch bewegt, aber das möchte ich hierüber ändern“, so eine der Stimmen aus dem Forschungsraum. Denn beim Hurenkongress mischen sich politische Neulinge mit den Sexarbeitenden, die bereits verschiedenste Erfahrungen im Aktivismus gesammelt haben. Diese sind so vielfältig wie Sexarbeit selbst, wie sich im Forschungsraum zeigte. So sind einerseits Stimmen zu vernehmen, die von positiven Erfahrungen im öffentlichen Umgang mit dem Thema Sexarbeit berichten: „Zu 95% positiv. Interessiert sind die meisten, sehr viele sind respektvoll und einige hinterfragen eigene Vorurteile.“ Eine andere Sexarbeitende schreibt: „Über das Netzwerken und die politische Arbeit, insbesondere in den sozialen Medien und auf Konferenzen, habe ich so viele liebenswerte und interessante Menschen in kürzester Zeit getroffen; sogar potentielle Klienten finden das oft gut und finden da manchmal den Einstieg ins Gespräch leichter.“ Auch auf Neugierde und Beachtung stoßen viele, so schreibt eine weitere Teilnehmende: „Interesse und Neugier, Überraschung über unsere Art der Arbeit und unsere Schwerpunkte (Achtsamkeit, Wertschätzung, Akzeptanz)“.

 

Andere berichten wiederum auch, dass sie auf Ablehnung und Ignoranz stoßen, wenn sie sich politisch engagieren: „Es begegnen mir auch Schweigen und Verurteilungen, meist nicht direkt, sondern es besteht kein Interesse mehr darüber zu erfahren, da Vorurteile (unmoralisch, sollte nur im Privatleben bleiben) vorhanden sind.“ Es wird außerdem deutlich, dass Sexarbeitende sich nicht überall erwünscht fühlen und gerade den Umgang mit Medien oft als schwierig empfinden, wie uns berichtet wird: „Ganz oft sind Menschen überrascht von unserer Vielfältigkeit im sexwork-Bereich und auch begeistert, aber im Kontakt mit Medien sind meine Erfahrungen auch sehr enttäuschend und frustrierend.“ Das politische und aktivistische Engagement ist einerseits von der Wahrnehmung eines Rückschrittes im Kampf um Anerkennung und Rechte begleitetet und von “erschreckenden Beobachtungen, über hysterische und melodramatische Geschichten von ‘Abolitionist*innen’, die immer mehr Gehör finden” und andererseits aber genau dadurch “ Vernetzung mit Kolleg*innen stattfinden” und auch “mehr Interesse von Medien” kommt. Und dennoch wird im Forschungsraum auch auf die Gefahr eines “Aktivismus Burnout” hingewiesen. Es lässt hier festhalten, dass die Erfahrungen mit politischem Engagement oftmals von Gegensätzen geprägt sind.

 

Viele der Teilnehmenden äußerten sich im Forschungsraum auch über den Hurenkongress selbst und beschrieben die Gemeinschaft unter Sexarbeitenden als ausgesprochen positiv. Viele hoben die „Offenheit und Solidarität innerhalb der Sexarbeitscommunity“ hervor, und lobten die Möglichkeiten zur „kollektiven Selbstorganisation“ und den „enormen Erfahrungsaustausch“, den die zwei Tage boten. Eine Teilnehmerin beschrieb, durch den Kongress ein regelrechtes “Gefühl der Selbstermächtigung” erfahren zu haben.

 

Mit ihrer zunehmenden politische Organisierung gliedern sich Sexarbeitende in Deutschland in die Kämpfe um Anerkennung und Rechte ein, die von Sexarbeitenden bereits seit vielen Jahren, über Ländergrenzen hinweg und in globaler Vernetzung geführt werden. Mit den seit Ende 2019 verstärkt aufkommenden Debatten zum “Sexkaufverbot” stehen Sexarbeitenden in Deutschland besonders turbulente politische Zeiten bevor. Doch davon lassen sie sich nicht entmutigen – getragen von den positiven Erfahrungen aus dem letzten Jahr und voller neuer Ideen laufen die Vorbereitungen für den nächsten Hurenkongress in 2020 bereits an.

Zu den Autorinnen:

Joana Hofstetter ist Soziologin und promoviert zum Thema Sexarbeitsaktivismus und Prostitutionspolitik in Deutschland an der Scuola Normale Superiore in Florenz.

Sabrina Stranzl ist Kulturanthropologin und beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit diskursiven Konstruktionen und visuellen Denkfiguren zu Sexarbeit und der Transformation und Handlungsmacht von Sexarbeitenden.

Und hier gehts zum großen Bericht über den Hurenkongress und die World of Whorecraft – Sexwork Messe

Dieser Blog-Beitrag wurde von Tamara verfasst.

Wahrlich gute Vorsätze zum neuen Jahr wollen bestens überlegt sein! Mehr Sport treiben? Dein Körper ist doch wundervoll, genau so wie er ist! Weniger Süßigkeiten? Du hast sicher jedes Stückchen Schokolade verdient! Wieso müssen Vorsätze denn immer nur auf Verzicht und Selbstdisziplin beruhen? Wir haben da eine viel bessere Idee! Zum neuen Jahrzehnt einfach aus den Vollen schöpfen und sich an Selbstlosigkeit erfreuen – mit einer Spende an den Berufsverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen e.V.!

Wir sind aktive sowie ehemalige Sexarbeitende. Wir kämpfen für die Rechte aller in der Sexarbeit tätigen Menschen und für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, wir beziehen Stellung gegen die Stigmatisierung unseres Berufs. 

Wir arbeiten beispielsweise in Bordellen, Wohnungen oder auf der Straße. Wir sind Domina, Hure, Sexualbegleitung oder Escort. Wir bieten erotische Massagen, Sex, Nähe und die Umsetzung von Phantasien und Bedürfnissen. Dabei haben wir die verschiedensten Hintergründe, manche von uns kommen aus dem Ausland, um hier ihr Geld mit Sexarbeit zu verdienen. Viele haben einen anderen Beruf gelernt oder studiert, manche sind nebenbei noch in anderen Berufen tätig. Ob privilegiert oder marginalisiert, gleich welcher Sexualität oder welchen Geschlechts, egal aus welchem Teil der Erde es uns hierher verschlagen hat, egal aus welchen Gründen wir dieser Arbeit nachgehen – gemeinsam vernetzen und organisieren wir uns. 

Im neuen Jahrzehnt wollen wir noch präsenter sein! Wir wollen bei Aktionen über unseren Beruf informieren. Wir wollen an jedem runden Tisch zum Thema „Prostitution“ sitzen, wir wollen Politikerinnen und Politiker darüber informieren, wie eine sichere und selbstbestimmte Sexarbeit möglich ist. Wir wollen Kolleg*Innen, die sich in schlechten Arbeitsbedingungen oder Notlagen befinden, helfen und beraten. Wir wollen eine offene Gesellschaft, sexuelle Selbstbestimmung und vor allem viel, viel mehr Liebe – wie auch immer diese zwischen konsensuellen Menschen aussieht. Dafür benötigen wir Spenden – und haben eine Spendenkampagne gestartet. Teilt sie, verbreitet sie oder spendet selbst! Auf dass die „wilden 20er“ ihrem Namen auch in diesem Jahrhundert alle Ehre erweisen. Und das Beste: Mehr Sport treiben und weniger Süßigkeiten essen könnt ihr trotzdem! 

 

HIER gehts zur Kampagne!

Als Sexarbeiter*innen haben wir alle etwas gemeinsam: Wir sind selbstbestimmt. Alles andere ist Menschenhandel, ist Nötigung, ist Missbrauch, aber ist keine Sexarbeit.

Logischerweise setzen wir uns als Berufsverband für Sexarbeiter*innen für die Verteidigung und Wahrung von Frauenrechten ein – so wie viele andere Organisationen. Der international am 25. November stattfindende Aktions-Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen beschert dem so wichtigen Thema hoffentlich wieder das dringend benötigte Interesse der breiten Öffentlichkeit.

Doch leider ist nicht bei allen Frauenrechtler*innen mit Solidarität für Sexarbeiter*innen zu rechnen.  Die Prostitutionsgegner*innen von Terre des Femmes nützen den Termin vielmehr, um in einer Aktion vor dem Brandenburger Tor eine „Welt ohne Prostitution“ zu bewerben. Der Verein ordnet Sexarbeit pauschal als Gewalt gegen Frauen ein und setzt sich aufgrund dieser Überzeugungen für die Einführung des Schwedischen Modells der Freierbestrafung ein.

Prostitution ist kein selbstbestimmter, einvernehmlicher Sex, sondern bedeutet, dass Männer sich den Zugang zum Körper einer Frau erkaufen. (Fahnenaktion Terre des Femmes, November 2019)

Wir als Sexarbeiter*innen wehren uns aus guten Gründen gegen das Schwedische Modell – und dagegen, pauschal als Opfer abgestempelt zu werden. Unsere Tätigkeiten sind konsensuelle Dienstleistungen zwischen mündigen Erwachsenen. Und eine Differenzierung zwischen Menschenhandel und Sexarbeit ist dringend nötig, um der Gleichsetzung unserer Arbeit mit Gewalt und Zwang endlich ein Ende zu bereiten.Nicht nur unser Berufsverband lehnt ein Sexkaufverbot, welches Kund*innen kriminalisieren und zu erhöhter Vereinzelung, Gefahr und Vulnerabilität von in der Sexarbeit tätigen Menschen führen würde, entschieden ab. Auch die Fachwelt äußert sich anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen zu dem Thema.

Zum 22.11. veröffentlichten Fachverbände und Beratungsstellen ein gemeinsames Positionspapier, in dem sie für mehr Unterstützung für Sexarbeitende plädieren und ausdrücklich vor jeglicher Kriminalisierung sowie einem Sexkaufverbot warnen. Bei den Unterzeichnenden finden sich unter anderem die Aidshilfe, der Frauenrat, der Juristinnenbund, die Diakonie, sowie Fachstellen für Opfer von Menschen- und Frauenhandel.

Wo Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter_innen heute menschenunwürdig sind, lassen sie sich mit einem Sexkaufverbot nicht verbessern. Im Gegenteil: Es droht, ihre Situation weiter zu  verschlechtern. Was zu ihrem Schutz gedacht sein soll, wird ihnen am Ende zum Verhängnis. Gerade wo Menschen kaum eine Wahl haben, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen, brauchen sie Hilfsangebote, die ihnen Möglichkeiten eröffnen und einen sicheren Rahmen für ihre Tätigkeit fördern. (Gemeinsames Positionspapier v. Deutsche Aidshilfe et al, 22.11.2019)

bufaS e.V, das Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter veröffentlichte zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen eine Stellungnahme zu den politischen Forderungen zur Einführung eines Sexkaufverbots in Deutschland:

[Es] wird häufig dargestellt, dass das Sexkaufverbot keine negativen
Konsequenzen für Sexarbeiter*innen habe, oder deren Situation sogar noch verbessere. Dagegen positioniert sich der Bufas entschieden. Auch innerhalb Deutschlands hat man durch restriktive Verordnungen wie z.B. Sperrbezirksverordnungen oder die Kontaktverbotsverordnung nicht die Prostitution und die Nachfrage vor Ort verhindert, sondern lediglich bewirkt, dass die Arbeitsbedingungen sich verschlechtern und die Vulnerabilität durch Abhängigkeitsverhältnisse und Ausbeutung erhöht werden. (Stellungnahme BufaS e.V., 25.10.2019)

Das Deutsche Institut für Menschenrechte veröffentlichte Mitte Oktober ein Papier, das die Themen Prostitution, Sexkaufverbot sowie die Unterscheidung zwischen Zwang und Freiwilligkeit aus menschenrechtlicher Perspektive beleuchtet. Unter anderem wird der Text des DIMR auf der Website des bundesweiten Koordinierungskreises gegen Menschenhandel geteilt.

(…) Studien zeigen, dass jede Form von Verboten mit einem zweifach erhöhten Risiko einer sexuell übertragbaren Krankeit inklusive HIV zusammenhängt. Darüber hinaus steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Prostituierte da, wo es Verbote gibt, Opfer von sexueller und körperlicher Gewalt werden.  ( Stellungnahme DIMR, 17.10.2019)

Die Diakonie Hamburg erklärt in ihrer aktuellen Stellungnahme, warum ein Sexkaufverbot Sexarbeitende nicht vor Gewalt schützen kann. Im Gegenteil: Gerade die verletzlichsten Gruppen in der Sexarbeit würden mehr gefährdet.In der politischen Diskussion werden zum einen die Begriffe Prostitution, Zwangsprostitution und Menschenhandel vermischt oder gleichgesetzt. Armutsprostitution wird nicht selten als Zwangsprostitution bezeichnet. Zum anderen wird suggeriert, dass Gewalt und Ausbeutung im Zusammenhang mit Prostitution bisher nicht verboten und geahndet werden und es auch deswegen der Einführung des Sexkaufverbots bedarf. Hier ist auf eine genaue begriffliche Trennung zwischen Sexarbeit und Menschenhandel zu achten: Nach dem ProstSchG ist Prostitution das freiwillige Erbringen von sexuellen Dienstleistung gegen Entgelt. Menschenhandel und Zwangsprostitution hingegen stellen schwere Menschenrechtsverletzungen dar,  auf die in Deutschland hohe Haftstrafen stehen. (Stellungnahme Diakonie Hamburg, 22.11.2019)

Auch die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht spricht sich gegen das Schwedische Modell aus und die SPD in Schleswig-Holstein lehnt ein Sexkaufverbot aus den gleichen Gründen ab.

Da, wo man das nordische Modell gewählt hat, hat dies nicht etwa zu einem Rückgang der Prostitution geführt, auch nicht zu mehr Rechten und mehr Sicherheit für die Prostituierten. Im Gegenteil: Sie sind mehr Gewalt und größeren Gefahren ausgesetzt. (Bundesjustizministerin Lambrecht im Interview mit der MAZ, 13.09.2019)

Die Grüne Jugend solidarisiert sich mit Sexarbeiter*innen und kämpft für die Entkriminalisierung und Entstigmatisierung von erotischen Dienstleistung.

Unter dem Deckmantel, Frauen vor sexueller Gewalt oder Bedrohungen wie Menschenhandel und Zwangsprostitution schützen zu wollen, werden die Rechte auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen und Queers weiter eingeschränkt und Ressentiments gegenüber Sexarbeiter*innen und Migrant*innen geschürt und damit Gewalt unsichtbar gemacht. (Protokoll 53. Bundeskongress der Grünen Jugend, 02.11.2019)Unser Berufsfeld in der Sexarbeit ist so individuell verschieden wie wir selbst und unsere Kund*innen. Wie andere haben wir einen Berufsalltag, gute und schlechte Arbeitstage. Leider ist Sexarbeit derart stigmatisiert, dass über unsere wirklichen Arbeitsinhalte und Tagesabläufe wenig bekannt ist.

Wir vom Berufsverband möchten mehr Transparenz in das Thema bringen und laden alle engagierten und interessierten Mitmenschen zum Dialog mit uns ein. Hier geht es zu dem von Hydra e.V. und der Kampagne „Sexarbeit ist Arbeit. Respekt!“ unterstütztem Schreiben des BesD e.V: Tag gegen Gewalt an Frauen – Sexarbeit ist keine Gewalt

Redet mit uns. Gesteht uns das Recht zu, selbstbestimmt der von uns gewählten Tätigkeit nachzugehen. Lasst uns gemeinsam gegen Gewalt, Missbrauch und Nötigung kämpfen! Denn wir sind Teil dieser Gesellschaft. Wir sind Teil der Emanzipationsbewegung. Wir sprechen uns als Berufsverband genau so wie Terre des Femmes entschieden gegen jegliche Gewalt an Frauen aus.

Wie die zitierten Verbände und Beratungsstellen, halten wir es aber für falsch und fahrlässig, Sexarbeit pauschal mit Gewalt gleichzusetzen. Wir halten es für gefährlich und kontraproduktiv, Gewalt mit einem Sexkaufverbot bekämpfen zu wollen. Nur Entstigmatisierung, Entkriminalisierung, eine Stärkung unserer Rechte, sowie die Möglichkeit, weiterhin sichtbar und vernetzt zu agieren, gewähren Sexarbeiter*innen eine sichere, würdige Basis.

200 Sexarbeiter*innen aus ganz Deutschland und aller Welt kamen von 15.-16. September zum Hurenkongress in Berlin zusammen.

Am ersten Tag teilten 15 Workshopleiter*innen in insgesamt 12 Workshops ihre Expertise mit Kolleg*innen. Am 2. Tag fanden im Rahmen eines Barcamps weitere 14 spontane Workshops und Gesprächsrunden statt. Workshopleiter*innen sowie Teilnehmer*innen waren alle selbst in der Sexarbeit tätig – in den Workshops wurden Tricks, Tipps und Erfahrungen aller Art geteilt und Raum für Diskussionen und Fragen geboten. Manche Workshops fanden auf Deutsch statt, andere auf Englisch und einige in beiden Sprachen – viele internationale Kolleg*innen kamen zum Kongress und rund ein Drittel der Teilnehmer*innen hatten eine andere Muttersprache als Deutsch.

Der Kongress war eine außergewöhnliche Gelegenheit für Sexworker, sich über wesentliche Themen zu informieren und zu diskutieren: So gab es beispielsweise einen Workspace von Missy-Kolumnist Christian Schmacht, in dem die Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiter*innen , die transgender/transsexuell/nicht-binär/genderqueer sind, diskutiert wurden. Anastacia Ryan von TAMPEP – dem europäischen Netzwerk zur Förderung der Rechte von migrantischen Sexworkern – leitete eine Diskussion über die Auswirkungen von Maßnahmen zur Bekämpfung des Menschenhandels. Nicole Schulze, Sexarbeiterin und seit kurzem auch im Vorstand des BesD e.V. vertreten, organisierte einen Workshop zum Thema Sicherheit am Straßenstrich und berichtete dabei von ihren langjährigen Erfahrungen in diesem Arbeitsbereich.

Ob „Selbstmarketing & Kommunikation”, „Professional BDSM for Beginners”, „Fighting Burn-Out Through Self Love”, „Online Sicherheit für Sex Worker“ oder „Betriebsgründung – Selbstständig machen in der Sexarbeit” – alle Inhalte richteten sich explizit an Menschen, die in der Sexarbeit arbeiten und deren spezifische Bedürfnisse.

Es wurde geschnackt, gelacht, gelernt, vernetzt, informiert und diskutiert. Aktionspläne wurden geschmiedet, Allianzen geformt, alte Freund*innen wiedergetroffen und neue Bekanntschaften geschlossen – insgesamt war der Kongress also eine grandiose Gelegenheit für Austausch und Information zwischen Sexarbeitenden.

Auf der am 17. September anschließenden Sexwork-Messe „World of Whorecraft” zählten wir neben 150 teilnehmenden Sexarbeiter*innen rund 200 Gäste .

Von Verbündeten und interessierten Besucher*innen über Journalist*innen und Forscher*innen bis hin zu Partner*innen und Freund*innen von Sexarbeitenden, war alles unter den Besucher*innen der Messe vertreten. Unter den 17 Ausstellern waren branchenrelevante Dienstleister*innen (z.B. der queere Sexshop Other Nature) Beratungsstellen und Verbündete (z.B. das Beratungsprojekt für männliche Sexarbeiter smart berlin, Hydra e.V., oder Dona Carmen e.V.) und deutsche sowie internationale von Sexworkern geführte Organisationen, die ihre Arbeit und Ressourcen teilten (z.B. Wild Thing aus den Niederlanden).

Die Ausstellung Objects of Desire vom Schwulen Museum und der Bilderzyklus „Das neue Recht“ von Almuth Wessel sorgten für themenbezogene Kunst in der Location. Im Kinozelt konnten Fetisch-Filme aus der Produktion von libido film, die Dokumentation „Whores on Film“ von Sex Worker und Filmemacherin Juliana Piccillo, der Film „H’Or“ von Black Sex Worker Collective-Gründerin Akynos sowie Videos aus dem YouTubeChannel „Wissen.Macht.Sex!“ der Sexarbeiterin und Aktivistin Josefa Nereus bewundert werden.

 

 

Im Research-Zelt sammelten Joana Hofstetter und Sabrina Stranzl vom Netzwerk für Kritische Sexarbeitsforschung Erfahrungen und Meinungen Sexarbeitender für ihre Recherchen.

Das ganztägige Bühnenprogramm wurde von der Journalistin und Sexualforscherin Kuku Schrapnell moderiert. Neben Keynotevorträgen (z.B. von DAH-Frauenreferentin Marianne Rademacher, Sexarbeiterin und Wirtschaftswissenschaftlerin Maya Mistress aus Brasilien und Pesha Shatte aus dem französischen Sexwork-Syndikat STRASS) gab eine spannende Talkrunde zwischen zwei Sexarbeiterinnen und einer aufsuchenden Sozialarbeiterin über die Gefahren des schwedischen Modells, Susanne Bleier Wilp stellte das Big Sister Projekt unter dem Dach von kaufmich.com vor, erotische Performances fanden statt und Lesungen von Sexarbeiterin und Autorin von „Mein HurenmanifestUndine de Rivière sowie der ehemaligen WELT-Kolumnistin und Sexarbeiterin Salomé Balthus sorgten für Begeisterung.

Die Ausgaben für beide Events beliefen sich auf 15.365 Euro – hierbei nicht mit einberechnet sind die Personalkosten für die Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Veranstaltungen. Diese wurden vom BesD getragen und beliefen sich bei einer 50%-Arbeitskraft für den Kongress sowie einer 25%-Arbeitskraft für die Messe auf rund 500 bezahlte Arbeitsstunden und 10.000 Euro.

1000 m² leerer Supermarkt, vier 60 m² Zelte, 844 Meter Kabel, 40 Lampen, 100 Stühle, 100 Bierbänke, 55 Tische – nicht überraschenderweise besetzte die Miete sowie Ausstattung der Location den größten Ausgabe-Posten.

Schon an zweiter Stelle folgten die Honorare und Fahrkosten für Workshopleiter*innen und Moderator*innen am Kongress – da hier ausschließlich aktive und ehemalige Sexworker als Teilnehmer*innen und Workshopleiter*innen anwesend waren, floß also ein beachtlicher Teil der Einnahmen zurück in die Community – an Sexarbeitende, die Kolleg*innen ihre Expertise zur Verfügung stellten.

Die Einnahmen beider Events ließen sich aus Kongress-Tickets, Messe-Eintritt sowie Sponsorengelder addieren und kamen auf 17.795 Euro.

Beinahe ein Viertel des Geldes kam dabei aus der Kasse der Deutschen Aidshilfe, welche drei Workshopleiter*innen, zwei Moderator*innen, sowie einen Zuschuss für die Raum- und Verpflegungskosten finanzierten.

 

Für die großzügige finanzielle Unterstützung von Kongress-Workshops sowie das Sponsoring von Freikarten für prekär arbeitende Kolleg*innen danken wir Autorin Anna Basener, dem Netzwerk Kritische Sexarbeitsforschung, den Erotikportalen berlinintim.de, erotikinsider.com, kaufmich.com, rotlicht.de, escort-advisor.com und escort-galerie.de, dem Serviceprovider zustellanschrift.de sowie der Online Marketing Agentur ImpulsQ.

Rund ein Drittel der Teilnehmer*innen am Kongress nahmen den ermäßigten Preis in Anspruch, ein Teil der Kolleg*innen konnte sich den solidarischen Eintrittpreis leisten. Fast 40% der Teilnehmer*innen konnten als Helfende oder mithilfe der gesponserten Umsonstticket kostenlos den Kongress besuchen.

Wir danken allen Teilnehmer*innen, Besucher*innen Workshopleiter*innen, Aussteller*innen und Mitarbeiter*innen für ihren Einsatz, ihr Interesse und ihr Engagement.

Rund 500 Arbeitsstunden wurden in der Vorbereitung, Organisation und Durchführung von den BesD-Mitarbeiterinnen Charlie Hansen und Tamara Solidor gestemmt.

Ein besonderer Dank gilt auch WAM und seinem großartigen Team, mit der Fläming Kitchen haben sie den Kongress zu einem mehr als solidarischen Preis mit sehr gutem Essen versorgt.

Ein extra Dankeschön geht an die die unermüdlichen Helfer*innen und Unterstützer*innen, unsere Familien, unsere Partner*innen und die vielen BesD-Mitglieder die ehrenamtlich mit angepackt haben. Ohne die viele Unterstützung und gemeinsame Zusammenarbeit wären diese zwei großartigen Events überhaupt nicht möglich gewesen. Wir freuen uns riesig über euer tolles Feedback zu Kongress und Messe – und schmieden natürlich schon Pläne für nächstes Jahr …

TIPP: Auf unserem Facebook-Account unter @Sexarbeit, auf Twitter unter @SexworkID sowie auf der Homepage www.berufsverband-sexarbeit.de bleibt ihr über Aktionen, Veranstaltungen und Sexarbeit in den Medien auf dem Laufenden.

WANN: 15.10.2019, 18:00 Uhr

WO: Bundestag „Paul-Löbe-Haus“, Paul-Löbe-Allee, 10557 Berlin

INTERVIEWS: Vor, während und nach der Kundgebung möglich, sprechen Sie uns einfach an. Erste Teilnehmer*innen werden ab circa 17:00 Uhr erwartet.

FOTOS: Wir bieten Ihnen vor Ort jederzeit Möglichkeiten für Gruppen- oder Einzelfotos.

KONTAKT: Schreiben Sie uns per Mail an presse@besd-ev.de oder melden Sie sich telefonisch bei unserer politischen Sprecherin Johanna Weber: 0151 – 1751 9771.


HINTERGRÜNDE:

Bundestagsabgeordnete von SPD und CDU/CSU planen die Kriminalisierung von Prostitution

Am Dienstag beruft die Bundestagsabgeordnete und Sexarbeits-Gegnerin Leni Breymaier (SPD) im Berliner Bundestag die erste Sitzung des Arbeitskreises Prostitution ein. Dieser Arbeitskreis ist nicht ergebnisoffen – die teilnehmenden Politiker*innen der CDU/SCU und der SPD positionieren sich bereits im Vorfeld klar gegen die Interessen und Rechte von Sexarbeiter*innen. Geht es nach ihnen, soll ein Sexkaufverbot – das sogenannte „schwedische Modell“ –in Deutschland eingeführt werden.

Das schwedische Modell verbietet das Bezahlen (den Kauf) von sexuellen Dienstleistungen und jegliche Unterstützung von Sexarbeitenden – auch gegenseitige Unterstützung und Schutzmaßnahmen von Sexarbeiter*innen untereinander. Unter dem Vorwand der Verfolgung von Kund*innen und der Verhinderung von Menschenhandel werden Sexarbeitende diskriminiert und entrechtet.

Eine Einführung dieser gesetzlichen Regelungen in Deutschland sind nicht „nur“ ein Angriff auf eine riesige Berufsgruppe, sondern auch:

– ein Angriff auf das sexuelle Selbstbestimmungsrecht

– ein Angriff auf das Freizügigkeitsrecht von Bürger*innen anderer EU-Staaten

– eine Verschleierung der Tatsache, dass es wirksamere Mittel gegen Menschenhandel und Gewalt gibt

Forschungsergebnisse von zahlreichen Menschenrechtsorganisationen und Expert*innen in der Bekämpfung von Menschenhandel belegen seit Jahren, dass ein Sexkaufverbot das denkbar ungeeignetste Mittel zur Verhinderung von Menschenhandel und Gewalt an Frauen ist. Im Gegenteil schaden entsprechende gesetzliche Regelungen insbesondere bereits besonders marginalisierten und gefährdeten Personengruppen, wie z.B. migrantischen Sexarbeitenden sowie LGBTQ-Sexarbeitenden.

Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserem Blogbeitrag : Strategien gegen Gewalt und Ausbeutung 

In unserem Blogbeitrag zur Kundgebung: Protest gegen die Einführung des Schwedischen Modells

Sowie in unserer Stellungnahme bezüglich eines Sexkaufsverbots in Deutschland.

Freierbestrafung nimmt uns unsere Kunden und somit die Arbeitsgrundlage

WANN?      15.10.2019, 18:00 Uhr

WO?            Bundestag „Paul-Löbe-Haus“, Paul-Löbe-Allee, 10557 Berlin

WER?         Alle Sexarbeitenden und Unterstützer

WARUM?
An diesem Dienstag findet im Bundestag die erste Sitzung des parlamentarischen Arbeitskreises zum Thema Prostitution statt. Einberufen von der Bundestagsabgeordneten Leni Breymaier (SPD). Sie engagiert sich auch in der Organisation ‚Sisters‘ für das Verbot von Sexarbeit. Auch andere teilnehmende Politiker*innen der CDU/CSU und der SPD haben sich bereits positioniert: Sie wollen das „nordische Modell“ das sogenannte „Sexkaufverbot“ einführen.

Intitiert wurde diese Aktion von der Initiative „Sexarbeit ist Arbeit“.
Hier deren Aufruf

Der BesD schließt sich an deren Aktion an.
Stellungnahme des Berufsverbandes zu den Bestrebungen der oben genannten Politker*innen.

Die Justizministerin, Christine Lambrecht, hat sich allerdings schon gegen die Strafregelung im Sinne der Freierbestrafung ausgesprochen.
„Da, wo man das nordische Modell gewählt hat, hat dies nicht etwa zu einem Rückgang der Prostitution geführt, auch nicht zu mehr Rechten und mehr Sicherheit für die Prostituierten. Im Gegenteil: Sie sind mehr Gewalt und größeren Gefahren ausgesetzt.“ 1)

Der Name „nordisches Modell“ ist irreführend,
denn es handelt sich um das schwedische Modell
.
In Schweden geht man davon aus, dass Prostitution nur unter Zwang erfolgen kann. Die Frau wird als Opfer gesehen und soll geschützt werden, während der Mann pauschal als Täter veruteilt wird. Der Kauf sexueller Dienstleistungen steht unter Strafe, während Prostituierte ihre Dienstleistungen legal anbieten dürfen.
Was nicht gesagt wird ist, dass jegliche Unterstützung von Sexarbeitenden illegal ist. So z.B. Fahrservice zu einem Escort-Date ins Hotel und wenn Kolleginnen sich gegenseitig Schutz bieten wollen. Auch Bordellbetriebe sind verboten, und Arbeiten in Privatwohnungen ist sehr schwierig, denn es darf nicht an Sexarbeitende vermietet werden. Es gibt Fälle, dass Sexarbeitenden das Sorgerecht für ihre Kinder aberkannt wurde. Es gibt Fälle, dass Kinder der Zuhälterei angeklagt wurden, weil sie vom „Hurenlohn“ ihrer Eltern leben. In Irland sitzen zwei Sexarbeiterinnen im Gefängnis, weil sie sich zum Schutz eine Arbeitswohnung teilten und dies als illegales Bordell gewertet wurde.
Daß der Straßenstrich kaum noch existiert wird als Erfolg des schwedischen Modells verkauft, ist aber eine natürliche Folge, wenn Sexkauf unter Strafe steht. Um überhaupt noch Kunden zu erreichen weichen die Sexarbeitenden aus an verlassene Plätze und Orte außerhalb der dichtbevölkerten Städte.
Die Arbeitsbedingungen in den Ländern mit Schwedischem Modell sind schlecht. Die Gewalt nimmt zu 2). Es gibt keine wissenschaftlich haltbaren Zahlen, dass der Menschenhandel in den Ländern zurückgegangen ist. Die Sexarbeit insgesamt verlagert sich in den Untergrund und in das Internet.
Infos dazu liefert die Schwedische Sexarbeits-Organisation Fuckförbundet: www.fuckforbundet.com

„Die guten Kunden sind weg, und die schlechten sind geblieben!“

r
esignierte Aussage einer schwedischen Sexarbeiterin einige Jahre nach der Einführung der Freierbestrafung.

Bei den Bestrebungen diese gesetzlichen Regelungen auch in Deutschland einzuführen, geht es nicht darum den Sexarbeitenden zu helfen, sondern die Prostitution soll abgeschafft werden – unter dem Deckmantel des Schutzes.
Den Sexarbeitenden sollen „Ausstiegs-Programme“ angeboten werden. Ein Jahr nach der Einführung der Freierbestrafung in Frankreich ermittelte eine Untersuchung  nur eine verschwindend kleine Zahl an erfolgreichen Umsteigerinnen 3)
Die angebliche Zielgruppe wird nicht erreicht, denn ein großer Teil der Sexarbeitenden möchte ihre Tätigkeit gar nicht beenden.
„Meine Arbeit ist nicht mein Problem, sondern wie die Gesellschaft damit umgeht.“

Deshalb kommt alle am Dienstag zur Protestaktion vor dem Abgeordnetenhaus.

FLUGBLATT Download

Hier eine Erklärung von Sexarbeit-ist-Arbeit,
warum der Ausschuss nicht ergebnisoffen ist, sondern die Ziele schon klar auf dem Tisch liegen.
Ziel: 1. Schwedisches Modell
2. Abschaffung Prostitution

 

Fragen zur Aktion: www.sexarbeit-ist-arbeit.de

Fragen allgemein: Johanna Weber, politische Sprecherin des BesD
0151-1751 9771 oder johanna@besd-ev.de

 


1) Justizministerin, Christine Lambrecht, gegen das nordische Modell:
https://www.maz-online.de/Nachrichten/Politik/Bundesjustizministerin-warnt-vor-Prostitution-in-dunklen-Ecken

2) Extreme Zunahme von Gewalt an Sexarbeitenden nach Einführung des schwedischen Modells in Irland:
https://www.belfasttelegraph.co.uk/news/republic-of-ireland/crime-against-sex-workers-almost-doubles-since-law-change-37957334.html

3) wenig erfolgreiches Exit-Programm für Sexarbeitende in Frankreich
https://twnews.co.uk/gb-news/searching-for-the-entrance-to-france-s-prostitution-exit-programme

 


 

Hintergrundinformationen:

Fakten und Hintergründe über das Schwedische Modell:
https://menschenhandelheute.net/2014/07/01/prostitution-und-menschenhandel-1-die-wahrheit-uber-das-nordische-und-schwedische-modell/

Wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Schwedischen Modell (S.Dodillet,P.Östergren)
http://www.petraostergren.com/upl/files/54259.pdf

Bundeszentrale für politische Bildung: Vergleich zwischen der deutschen und der schwedischen Prostitutionsdebatte
http://www.bpb.de/apuz/155371/deutschland-schweden-unterschiedliche-ideologische-hintergruende-in-der-prostitutionsgesetzgebung?p=all

Sexarbeit in der EU und Auswirkungen für Deutschland
https://berufsverband-sexarbeit.de/wp-content/uploads/2017/11/SPEICHERN-Workshop-Sexarbiet-in-Europa-und-Schwedisches-Modell.pdf

Warum das Sexkaufverbot vor allem migrantischen Sexarbeitenden schadet
https://berufsverband-sexarbeit.de/index.php/2019/09/04/strategien-gegen-ausbeutung-und-gewalt-warum-ein-sexkaufverbot-vor-allem-migrantischen-sexarbeiterinnen-schadet/

CDU/CSU-Bundestagsfraktion überlegt Sexkaufverbot in Deutschland: Eine Stellungnahme des Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen.

Im Juni sprachen sich zwei SPD-Politikerinnen für ein Sexkaufverbot in Deutschland aus, nun zieht der Koalitionspartner CSU/CDU nach. Der stellvertretende Vorsitzende Thorsten Frei und die Sprecherin Elisabeth Winkelmeier-Becker wollen „den Kampf gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel wirksam fortführen, ohne dabei die Prostitutierten selbst zu kriminalisieren.“

Schwedisches Modell als Nährboden für Kriminalität und Ausbeutung

Das im gleichen Atemzug von ihnen geforderte Schwedische Modell (zum Teil auch als Nordisches Modell bezeichnet) ist als Mittel der Wahl denkbar ungeeignet und pervertiert jeglichen Schutzgedanken. Im Rahmen des Schwedischen Modells bleibt nur das Anbieten sexueller Dienstleistungen legal. Der Kauf dieser Dienstleistungen sowie jede Unterstützung von Sexarbeitenden, auch untereinander, wird unter Strafe gestellt. BesD-Vorstandsmitglied und Sexarbeiterin Johanna Weber sagt: „Die Freierbestrafung führt dazu, dass wir wesentlich weniger Kunden haben und somit wesentlich weniger verdienen.“

Es gibt keine Belege für eine verbesserte Strafverfolgung von Menschenhandel innerhalb oder außerhalb der Sexarbeitsbranche durch das Schwedische Modell. Das Verbot von Menschenhandel, (sexueller) Ausbeutung und Zwangsprostitution ist in Deutschland bereits seit Jahren im Strafgesetzbuch verankert und Verstöße werden strafrechtlich verfolgt. Zahlreiche Studien aus den bisher betroffenen Ländern wie Schweden, Norwegen und Frankreich weisen zudem nach, dass das Schwedische Modell die Gefahr von sexueller Gewalt und Ausbeutung erhöht.

Organisationen gegen Menschenhandel warnen geschlossen vor dem Schwedischen Modell

Amnesty International ist führend im Kampf gegen Menschenhandel und Menschenrechtsverletzungen und positioniert sich aus genau diesem Grund klar gegen strafrechtliche Restriktionen wie die Freierbestrafung und für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen – genau so, wie zahlreiche andere Menschenrechts-Organisationen, Sexworker-Verbände, sowie Kooperationen der Vereinten Nationen wie WHO und UNAIDS.

Elisabeth Winkelmeier-Becker spricht von selbstbestimmter Prostitution als „Ausnahme in der Praxis“ und sieht das „Frauenbild vieler Männer durch käuflichen Sex geprägt“. Thorsten Frei findet Flatrates in unserer Arbeit so „entwürdigend“, dass er dabei vergisst, dass diese durch das seit zwei Jahren in Kraft befindliche Prostituiertenschutzgesetz bereits verboten wurden. In der Anti-Trafficking Review, eine wichtige Publikation der Globalen Allianz gegen Frauenhandel (GAATW) lässt sich nachlesen, welche Schäden genau solche vereinfachten Narrative in Form von Anti-Prostitutionsmaßnahmen bereits seit Jahren anrichten.

Arbeiten des europaweiten Global Network of Sex Work Projects (NSWP) berichten, wie sogenannte privilegierte Sexarbeiter*innen von Prostitutionsgegner*innen als „Ausnahme“ gegen ihre marginalisierten Kolleg*innen ausgespielt und mundtot gemacht werden, um moralistische Agenden durchzusetzen.

Anti-Prostitutionsgesetze gefährden insbesondere migrantische Sexarbeiter*innen 

In Deutschland wie in vielen anderen westeuropäischen Ländern, stellen Migrantinnen den größten Anteil an weiblichen Sexarbeiterinnen. Doch in keiner anderen Branche steht zur Diskussion, die Nachfrage nach Dienstleistungen oder Waren zu unterbinden und so Opfer von Menschenhandel in Fischerei und Seefahrt, Baugewerbe, Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung oder Pflegeberufen zu schützen.

BesD-Pressesprecherin und Sexarbeiterin Undine de Rivière hat sich in ihrem Fachbuch zum Thema Hurenbewegung und Prostitutiertenschutzgesetz intensiv mit den Fallstricken von Anti-Prostitutionsgesetzen in Europa auseinandergesetzt: „Die Rhetorik von Prostitutionsgegner*innen gaukelt einfache Lösungen für komplexe Probleme vor. Sondergesetze wie das Schwedische Modell verschärfen Stigmatisierung, entrechten Sexarbeiter*innen und gefährden die Existenzgrundlage von tausenden Menschen.“

Von Befürworter*innen des Schwedischen Modells wird fälschlicherweise immer wieder von der Entkriminalisierung von Sexarbeitenden gesprochen. Expert*innen -­ unter anderem das TAMPEP-Netzwerk, das sich seit 1993 für die Rechte von Migrant*innen in der Sexarbeit einsetzt – weisen hingegen seit Jahren darauf hin, dass das Schwedische Modell in Europa zur Diskriminierung und Entrechtung von Sexarbeiter*innen führt und damit die Verbreitung von Kriminalität erhöht. Das sinnvollste Instrument gegen sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel ist keine restriktive Gesetzgebung, sondern die Entkriminalisierung aller Aspekte einvernehmlicher Sexarbeit und die Stärkung der Rechte und des Schutzes von Sexarbeiter*innen.

Pressekontakt:

  • Johanna Weber | 0151 – 1751 – 9771
  • Lilli Erdbeermund | presse@besd-ev.de

—UPDATE —

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht lehnt die geforderte Einführung des “nordischen Modells” bei Prostitution ab: https://www.kn-online.de/Nachrichten/Politik/Justizministerin-Lambrecht-warnt-vor-Verbot-von-Prostitution

TAMPEP ist ein von Sexarbeiter*innen geleitetes Netzwerk, das sich seit 1993 für die Rechte von Migrant*innen in der Sexarbeit einsetzt. Anlässlich des internationalen Hurentages hat die Organisation dieses Jahr einen Newsletter veröffentlicht, der die wichtigsten Aspekte der Situation von Arbeitsmigrant*innen und mobilen Sexarbeiter*innen in ganz Europa beleuchtet. Für unseren Blog haben wir die wichtigsten Stichpunkte auf Deutsch zusammengefasst, der gesamte Newsletter steht in englischer Sprache hier zum Download zur Verfügung.

In vielen westeuropäischen Ländern stellen Migrantinnen den größten Anteil an weiblichen Sexarbeiterinnen, in einigen Fällen ist von bis zu 70% die Rede. Migrant*innen in der Sexarbeit stehen vor extremen Herausforderungen: Durch einen beschränkten Zugang zu Rechten und Gerechtigkeit sind sie isolierter und verwundbarer als ihre deutschen Kolleg*innen. Das erhöht wiederum ihre Anfälligkeit für Ausbeutung, Missbrauch und Gewalt.

Prostitutionsgegner*innen, darunter wenige politische Entscheidungsträger*innen, vertreten die Meinung, dass eine Beendigung der Nachfrage nach sexuellen Diensten auch den Menschenhandel beenden wird. Gleichzeitig werden aber keine Maßnahmen ergriffen, um die Nachfrage nach Dienstleistungen oder Waren in anderen Branchen zu unterbinden und mit dieser „Lösung“ Opfer von Menschenhandel in Fischerei und Seefahrt, Baugewerbe, Landwirtschaft, Lebensmittelverarbeitung oder Pflegeberufen zu schützen. Es gibt ebenfalls keine Versuche, die Entkriminalisierung von Sexarbeit als Strategie zur Bekämpfung des Menschenhandels zu nützen und in diesem Rahmen die Arbeitsrechte und den Schutz von migrantischen Sexarbeiter*innen zu stärken.

Im Februar 2019 präsentierte TAMPEP in Genf ein Positionspapier mit Handlungsempfehlungen zur Förderung der Rechte von migrantischen Sexarbeiter*innen und zur Bekämpfung des Menschenhandels. Die Präsentation fand vor der UN-Frauenkonvention (CEDAW) im Rahmen einer von den Vereinten Nationen für Menschenrechte organisierten Diskussion statt:

1) Opfer von Menschenhandel sollten nicht als Zeug*innen ausgebeutet werden. Die Staaten sollten sich verpflichten diesen Personen Unterstützung und Schutz zu bieten – und zwar unabhängig von der Fähigkeit oder Bereitschaft zur Zusammenarbeit oder zur Aussage in Gerichtsverfahren. Anstelle einer auf Aussagen folgenden Abschiebung, sollte Opfern von Menschenhandel ein sicheres Umfeld bereit gestellt werden.

2) Regierungen sollten die Bekämpfung der Armut von Frauen, die Förderung der Bildung von Mädchen und den Schutz von Frauenrechten im Rahmen einer globalen Strategie zur Bekämpfung des Menschenhandels einbetten.

3) Sexarbeit und Zwangsarbeit sollten als zwei voneinander getrennte Phänomene betrachtet werden. Gesetze zur Bekämpfung des Menschenhandels dürfen nicht dazu verwendet werden, Sexarbeiter*innen – insbesondere ausländische Sexarbeiter*innen – anzugreifen und ihre Rechte zu beschränken.

4) Die Realität von (Arbeits-)Migration ist anzuerkennen, auch wenn es sich um Sexarbeit handelt. Gesetze und Strategien, die Migration und Sexarbeit kriminalisieren, sollten aufgehoben werden. Um die Unabhängigkeit von migrantischen Sexarbeiter*innen zu erhöhen und deren Ausbeutung zu verhindern sollten die Möglichkeiten geboten werden, Aufenthaltserlaubnis sowie Arbeitserlaubnis zu erlangen.

5) Die Achtung und der Schutz der Menschenrechte von migrantischen Sexarbeiter*innen sollte gefördert werden.Das inkludiert deren Rechte auf:

  • gleichen Schutz nach dem Gesetz
  • Freizügigkeit und Aufenthaltsfreiheit
  • Arbeit
  • freie Wahl der Beschäftigung
  • gerechte und annehmbare Arbeitsbedingungen
  • die höchsten erreichbaren Standards von körperlicher und geistiger Gesundheit

6) Eine klare Trennung zwischen der Durchsetzung der Einwanderungspolitik und der Bereitstellung von wesentlichen Versorgungsleistungen sollte gefördert werden. Solange Einwanderungsregeln mehr Gewicht haben als Grundrechte, sind Arbeitsmigrant*innen ohne legalen Aufenthaltsstatus von grundlegenden Leistungen, der Meldung von Straftaten und von Rechtsbeistand abgeschnitten.

7) Restriktive Einwanderungsgesetze und Anti-Prostitutionsgesetze sollten als wesentliche Faktoren in der Förderung von Menschenhandel und damit zusammenhängenden Missbrauch erkannt werden.

Es ist an der Zeit anzuerkennen, dass Migrant*innen ein integraler Bestandteil des Arbeitsmarktes sind. Aufgrund von Sprachbarrieren, dem Mangel an Fachkenntnissen oder fehlender Arbeitserlaubnis ist Sexarbeit für viele von ihnen eine pragmatische Lösung, um für ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familien aufzukommen.

Aktuelle Gesetze zur Verhinderung von Arbeitsmigration und Fluchtmigration erhöhen die Verbreitung von Menschenhandel, auch zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung. Unter dem Deckmantel der Bekämpfung des Menschenhandels werden migrantische Sexarbeiter*innen routinemäßig von der Polizei anvisiert und in Folge aufgegriffen und abgeschoben.

Die Diskriminierung und Entrechtung von Sexarbeiter*innen bereitet einen fruchtbaren Boden für Kriminalität. Ein umfassender Ansatz, der alle sozialen, ökonomischen und rechtlichen Aspekte berücksichtigt und Betroffene in Problemlösungen miteinbezieht, bleibt das effektivste Instrument im Kampf gegen Ausbeutung und Menschenhandel.

Auf der World of Whorecraft-Messe am 17. August in Berlin sind neben den Teilnehmer*innen des vorangehenden Hurenkongresses auch Nicht-Sexarbeiter*innen und generell die interessierte Öffentlichkeit willkommen. HIER FINDEN SIE DAS MESSE-PROGRAMM, sowie den Lageplan innerhalb der Location.

Wann startet die Messe und wie komme ich dort hin?

Die World of Whorecraft-Messe läuft von 11:00 bis 18:00 Uhr und findet in der Eventlocation „SUPERMARKT“ in der Holzmarktstraße 66, 10179 Berlin statt. Sie erreichen uns am einfachsten über die direkt gegenüberliegenden S-Bahn Station Jannowitzbrücke.

Ist meine Anwesenheit als Journalist*in, Blogger*in, Vlogger*in auf der Messe überhaupt erlaubt?

Nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht! Medienschaffende haben am Messetag eine einmalige Gelegenheit, mehr zu dem Berufsfeld der Sexarbeit direkt von den darin tätigen Menschen zu erfahren, Hintergrundrecherche zu betreiben und mit Sexarbeiter*innen direkt ins Gespräch zu kommen. Kommen Sie einfach zu Beginn beim Presse-CheckIn vorbei (siehe nächste Frage). Sie können als Berichterstatter*in im übrigen wie alle anderen Besucher*innen an der Messe teilnehmen und sämtlichen Programmpunkten beiwohnen.

Gibt es die Möglichkeit, sich für die Messe als Journalist*in akkreditieren zu lassen?

Bitte wenden Sie sich bei Ankunft an den Presse-CheckIn am Eingang – Sie erhalten nach Vorlage ihres Presseausweises kostenfreien Eintritt sowie einen Stempel. Falls Sie über die Messe berichten wollen, aber keinen Presseausweis besitzen, wenden Sie sich zur Klärung an die Betreuerin oder den Betreuer des Presse-CheckIns. Diese oder dieser hilft Ihnen auch gerne mit grundlegenden Informationen zur Veranstaltung einen Überblick zu gewinnen und steht Ihnen, soweit möglich, auch bei der Vermittlung eines Interviewpartners oder einer Interviewpartnerin bei.

Darf ich einen Fotografen/eine Fotografin mitbringen, oder selbst Fotos machen?

Bitte beachten Sie dabei unsere Fotorichtlinien: Auf der Messe herrscht generelles Fotoverbot. Ausnahmen müssen persönlich mit Interviewpartner*innen besprochen werden und keine Fotos dürfen Personen beinhalten (auch nicht im Hintergrund), die dazu nicht ihr ausdrückliches Einverständnis gegeben haben. Über solche persönlichen Vereinbarungen hinausgehend, stehen Ihnen von 11:00 bis 12:00 an einer vor Ort ausgewiesenen Stelle mit entsprechendem Hintergrund Messe-Teilnehmer*innen für Fotos zur Verfügung.

Sie haben noch Rückfragen?

Bitte schreiben Sie uns per E-Mail an presse@besd-ev.de oder melden Sie sich telefonisch bei unseren Messe-Organisatorinnen Charlie Hansen (0152 – 0461 7464) oder Tamara (0179 41 67883).

In aller Kürze: Falls du als aktive*r oder ehemalige*r Sexarbeiter*in am Kongress (15.+16.08.2019) teilnehmen willst – hier geht’s zu den Tickets. Falls du als Sexarbeiter*in/Unterstützer*in/Organisation  zur Messe (17.08.2019) beitragen möchtest – schreib uns einfach an messe@worldofwhorecraft.de. Falls du selbst den Kongress und die Messe unterstützen willst/kannst, oder da jemanden kennst – hier findest du mehr Infos […]