Das Wichtigste in Kürze!

In Deutschland gibt es eine Steuerpflicht, die auch für das Anbieten von sexuellen Dienstleistungen gilt. Man muss sich beim Finanzamt eine Steuernummer holen und unter dieser Nummer die Umsätze melden.
Das Finanzamt teilt einem mit wie viel Steuern dann gezahlt werden müssen.
Eine Anmeldung beim Gewerbeamt ist für unsere Branche nicht notwendig.

Angestellt oder Selbstständig?

Beide Beschäftigungsformen sind für sexuelle Dienstleistungen aller Art in Deutschland möglich.
In der Praxis gibt es kaum Angestelltenverhältnisse, sondern Sexarbeiter*innen sind selbstständig tätig. Im Bezug auf Steuern gelten für die selbstständige Arbeit folgende Dinge:

Buchführungs- und Aufzeichnungspflicht

Jede in Deutschland selbstständige Person muss die Einnahmen aufschreiben und somit nachweisen.
Ebenso sollten die Ausgaben aufgeschrieben werden. Diese kann man steuerlich geltend machen. Das heißt man zieht die Betriebsausgaben von den Einnahmen ab. Hierdurch wird die zu versteuernde Summe geringer und man muss weniger Steuern zahlen. Jede Ausgabe muss mit einem Beleg (Kassenbon oder Rechnung) nachgewiesen werden.

Düsseldorfer Verfahren

Infos über diesen Steuer-Verfahren:
Auch wenn du nach dem Düsseldorfer Modell abrechnest mußt du eine Steuererklärung machen. Diese Zahlungen über das Düsseldorfer Modell befreien nicht davon, sondern gelten als Vorauszahlung.
ACHTUNG: hier werden oft Fehlinformationen verbreitet!

Wie und wo muss ich mich steuerlich anmelden?

Seit dem 1. Juli 2017 gilt das ProstituiertenSchutzGesetz

Alle Personen, die nach diesem Termin mit der Sexarbeit beginnen, müssen sich bei einer Meldebehörde anmelden. Welche das ist, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Die konkreten Adressen sind leider noch nicht klar.
Es sieht eher so aus, als ob es erst im Herbst oder noch später flächendeckend Anmeldestellen geben wird.
Am 1.1.2018 müssen sich alle in Deutschland in der Sexarbeit Tätigen angemeldet haben. Die betreffende Anmeldebehörde meldet dann die Tätigkeit automatisch weiter an das Finanzamt. So steht es zumindest im Gesetz (ProstSchG §34, Abs. 8 )
Im Moment sieht es aber so aus, als ob diverse Städte und Gemeinden oder komplette Bundesländer die technischen Mittel für solch eine datensichere Weiterleitung nicht haben. Somit wird dies wohl an vielen Orten nicht erfolgen oder zunächst nicht erfolgen.

Neuanfänger*innen müssen also sehr wahrscheinlich eine eigenständige Anmeldung beim Finanzamt machen. Im Grunde müßte auch hier die alte Regelung gelten, dass man bei der Anmeldung nicht die Berufsbezeichnung Prostituierte angeben muss. Aber auch dazu gibt es noch keine konkreten Aussagen vom Gesetzesgeber.
Nach der Anmeldung beim Finanzamt bekommt man automatisch eine Steuernummer zugeschickt.

Informationen zur Meldepflicht des PostSchG findest Du hier.

Muss ich mich auch beim Gewerbeamt melden?

Sexarbeitende müssen sich NICHT beim Gewerbeamt anmelden und benötigen auch keinen Gewerbeschein. Auf Grund der hohen Stigmatisierung muss nur eine Steuernummer beim Finanzamt beantragt werden.
Dies gilt auch, wenn man sich nicht als Prostituierte, sondern vorsichtshalber unter einer andern Berufsbezeichnung angemeldet hat.

Auch nach der Einführung des neuen Gesetzes (01.07.2017) müssen Sexarbeitende keine Gewerbeanmeldung tätigen.

ProstSchG – B.Besonderer Teil, Erklärung zu §3 (Anmeldepflicht für Prostituierte)
„Nach wohl überwiegender Auffassung ist die selbständige persönliche Ausübung der Prostitution kein „Beruf wie jeder andere“ und kein Gewerbe im Sinne der Gewerbeordnung, sondern eine höchstpersönliche Dienstleistung. Auch wenn einzelne Kommunen Gewerbeanzeigen von Prostituierten entgegennehmen, besteht im Verwaltungsvollzug weitgehend Einigkeit darüber, dass Prostituierte kein nach § 14 Absatz 1 der Gewerbeordnung anmeldepflichtiges Gewerbe ausüben. Angesichts der Besonderheiten der Prostitution kann dies auch als sach- gerecht angesehen werden, da anderenfalls z. B. die Grunddaten des Gewerbes (Name, betriebliche Anschrift, angezeigte Tätigkeit) gemäß § 14 Absatz 5 Satz 2 der Gewerbeordnung allgemein zugänglich gemacht werden dürften.“

Wir raten von einer Meldung als Prostituierte beim Gewerbeamt ab.

Das Gewerbeamt leitet die Daten automatisch an diverse Behörden weiter.
Für das Finanzamt gilt das Steuergeheimnis, und die Daten bleiben dort. Manche Finanzämter leiten die Anmeldung an die IHK (Industrie und Handelskammer) weiter.

Welche Steuern muss ich zahlen?

Einkommenssteuer

Es gibt ein steuerfreies Existenzminimum , es beträgt 8.820,00 ,- Euro Gewinn pro Jahr (Angabe für 2017 – Hier der Link zu den jeweils aktuellen Zahlen).
Wer also weniger als diese Summe Gewinn gemacht hat muss keine Steuern zahlen.

Ansonsten beträgt der „Eingangssteuersatz“ zur Zeit ca. 17%.
Der Steuersatz ist „progressiv“. Das heißt je mehr man verdient, umso höher wird der Steuersatz. Bei ca. 52.000,- €/Jahr muss man etwa 48% Steuern zahlen.

Die Höhe der Steuern muss man nicht selber ausrechnen, sondern bekommt diese vom Finanzamt mitgeteilt. Zuvor muss man seine Einkünfte dort melden.
Wir empfehlen, dies von einer*m Steuerberater*in erledigen zu lassen.
Wer sich in Steuerdingen gut auskennt, kann die Steuererklärung auch alleine machen.

Nach der Anmeldung wünscht das Finanzamt eine Angabe, wie viel Gewinn im ersten Jahr erwartet wird.
Tipp: am besten eine Summe unter dem steuerfreiem Existenzminimum (< 8.800€, Stand 06/2017) angeben, denn sonst will das Finanzamt Steuervorauszahlungen haben. [/av_textblock] [/av_one_full] [av_one_full first min_height='' vertical_alignment='' space='' custom_margin='' margin='0px' padding='0px' border='' border_color='' radius='0px' background_color='' src='' background_position='top left' background_repeat='no-repeat' animation='' mobile_breaking='' mobile_display=''] [av_heading heading='Umsatzsteuer' tag='h4' style='blockquote modern-quote' size='' subheading_active='' subheading_size='15' padding='10' color='' custom_font='' av-medium-font-size-title='' av-small-font-size-title='' av-mini-font-size-title='' av-medium-font-size='' av-small-font-size='' av-mini-font-size='' custom_class='' admin_preview_bg=''][/av_heading] [av_textblock size='' font_color='' color='' av-medium-font-size='' av-small-font-size='' av-mini-font-size='' custom_class='' admin_preview_bg=''] Was ist das?
Die Umsatzsteuer ist eigentlich das selbe wie die Mehrwertsteuer. Der Satz ist zur Zeit in Deutschland bei 19%. Es gibt auch einen ermäßigten Steuersatz von 7%. Der gilt für Taxifahrten, Zeitschriften und Bücher, Übernachtungsbetriebe, usw.
Für sexuelle Dienstleistungen gilt 19%. Jede Dienstleistung, die ich anbiete, beinhaltet automatisch diese 19% Umsatzsteuer, die ich an das Finanzamt abführen muss.
Man kann dabei noch Vorsteuern geltend machen, aber es empfiehlt sich, einen Steuerberater fragen.

Muss jeder Umsatzsteuer zahlen?
Nein, erst ab einem Jahresumsatz von 17.500,- Euro muss Umsatzsteuer gezahlt werden.
Achtung: Umsatz ist nicht gleich Gewinn.
Hier ein Erklärungsversuch:
Umsatz ist die Summe, die ich von meinen Kunden (Freiern) in bar erhalte. Das ist ja nicht der Gewinn, denn davon gibt man ja einen Teil an das Bordell, Studio, sonstige Prostitutionsstätte oder die Escort-Agentur ab. Außerdem hat man ja noch weitere berufsbezogene Ausgaben wie Arbeitshandy, Arbeitsklamotten, Kondome, Erotiktoys, Webseite, Taxikosten, Fortbildungen, usw.
Dies alles zieht man am Ende des Monats von den Umsätzen ab. Dann hat man den Gewinn. Oft hört man auch den Begriff „Gewinn vor Steuer“, denn davon werden dann die Steuern berechnet.

Was ist die Kleinunternehmerregelung?
Alle, die weniger als 17.500,- Euro Umsatz pro Jahr machen gelten als „Kleinunternehmer“.
Sobald diese Grenze überschritten wird, muß im darauf folgenden Jahr Umsatzsteuer gezahlt werden.

Im ersten Jahr der Selbstständigkeit werden die Umsätze steuerlich auf das ganze Jahr verteilt. Ich darf also pro Monat nicht mehr als 1.458 Euro Umsatz machen. Dies auch, wenn ich erst im August anfange.
Bei Beginn der selbständigen Tätigkeit gilt:

Wenn im ersten Kalenderjahr der Umsatz 17.500 Euro nicht überschritten wird und man im zweiten Kalenderjahr nicht mehr als 50.000 Euro Umsatz macht, dann wird braucht man in den ersten beiden Jahren keine Umsatzsteuer zahlen.

Gewerbesteuer

Achtung: anders als die Umsatzsteuer richtet sich die Gewebesteuer nach dem Gewinn. Dieser ist in der Regel wesentlich niedriger als der Umsatz.
Erst ab 24.500,- Euro mußt du als Einzelunternehmer*in Gewerbesteuer zahlen.
Diese Summe wird aber vom Großteil der Sexarbeitenden nicht erreicht.
Solltest du diese Summe doch überschreiten, dann meldet sich das Finanzamt automatisch bei dir.

Zusammenfassung:
3 wichtige „Grenzen“
8.840,- = bis dahin steuerfreies Existenzminimum (Stand 06/17)
17.500,- = Umsatzsteuerpflicht entsteht
24.500,- = Gewerbesteuer entsteht