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Neulich landete eine E-Mail in meinem Posteingang – eine Einladung zur Teilnahme an einer Diskussionsrunde mit dem Thema: „Warum Sexarbeit echte Arbeit ist“. Ich wurde gebeten, darüber mit zwei radikalen Feministinnen zu diskutieren. Beide unterstützen regelmäßig und lautstark das Schwedische Modell. Beide glauben, dass Sexarbeit bezahlte Vergewaltigung und Ausbeutung ist.

Ich hätte dort auftreten und erklären können, warum Arbeitsrechte für Sexarbeiter*innen lebenswichtig sind. Meine Stimme wäre gehört worden. Doch ich habe abgelehnt teilzunehmen.

Ich glaube nicht, dass Sexarbeiter*innen es Nicht-Sexarbeiter*innen schuldig sind, ihren Platz in der Welt und ihre Existenz zu rechtfertigen. Diese Art von Interessenvertretung wird nicht bezahlt, ist emotional belastend, zeitaufwendig und bewiesenermaßen sinnlos.

Talkshows oder Podiumsdiskussionen erlauben gar keinen Raum für tiefergehende Gespräche. Bei solchen Auftritten hat jeder nur wenige Minuten Zeit, um sich zu äußern. Es werden erfundene Statistiken über das Alter des Eintritts in die Sexindustrie oder Behauptungen über Menschenhandel heruntergerasselt. Innerhalb dieser kurzen Zeit ist es nicht möglich, Fakten zu überprüfen oder fundierte Gegenargumente vorzulegen.

Das ist besonders frustrierend, wenn die Gesprächspartner, wie in diesem Fall, keine „gelebte Erfahrung“ zu dem Thema Sexarbeit haben – sie also selbst keine Sexarbeiter*innen sind.

Wir sollen also Zeit und emotionale Ressourcen aufwenden, um Nicht-Sexarbeiter*innen gegenüber unsere Grundrechte zu verteidigen. Hierbei handelt es sich um eine Form der sogenannten „epistemischen Ausbeutung“. Der Widerwille gegen eine solche Ausbeutung ist der Grund, warum ich und viele andere Sexarbeits-Aktivist*innen nicht an entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen wollen.

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Epistemische Ausbeutung: Was bedeutet das?

 

Der Begriff Epistemologie (auch bekannt als „Erkenntnistheorie“) bezeichnet das Studium des Wissens. Epistemische Ausbeutung ist die Ausbeutung von Wissen, Ressourcen oder Fähigkeiten einer Person mit bestimmten Wissen und Erfahrungen.
Die Philosophin Nora Berenstain argumentiert, dass es epistemisch ausbeuterisch ist, wenn Privilegierte von marginalisierten Gemeinschaften Beweise für ihre Unterdrückung verlangen.
Laut Berenstain findet epistemische Ausbeutung statt „wenn privilegierte Personen marginalisierte Personen zwingen, sie über die Natur ihrer Unterdrückung aufzuklären. [Es] ist gekennzeichnet durch nicht anerkannte, nicht vergütete und emotional anstrengende … epistemische Arbeit”.

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Die Energie der Aktivist*innen wird verbraucht und wir werden gezwungen, wiederholt unsere Daseinsberechtigung zu beweisen und zu erklären – statt uns auf unsere eigene Arbeit zu konzentrieren oder mit Sexarbeiter*innen zu arbeiten, die Unterstützung benötigen.

Warum sollte eine radikale Feministin eine Debatte mit mir oder einer anderen Sexarbeits-Aktivistin führen? Wenn sie nichts lernen wollen, warum sich dann die Mühe machen, überhaupt zu reden? Hier gehen Energie, Arbeit, Zeit und Ressourcen verloren, die besser für soziale Arbeit, gegenseitige Hilfe und Forschung werden könnten. Entweder glaubt man, dass Sexarbeiter*innen Menschen sind, die Arbeitsrechte verdienen, genauso wie jeder andere auch, oder man glaubt es nicht. Es gibt da keine Diskussion.

Was bei Podiumsdiskussion rund um Sexarbeit leider oft stattfindet:

  • Anstatt sich mit Fakten zu beschäftigen, wird – zum Beispiel mit unbewiesenen Behauptungen über die „Zuhälterlobby“ – die Glaubwürdigkeit von Sexarbeiter*innen und die Glaubwürdigkeit ihrer persönlichen Erfahrungen angegriffen.
  • Sexarbeiter*innen haben ein „Glaubwürdigkeitsdefizit“ gegenüber Gegner*innen und zum Teil auch gegenüber den Zuschauer*innen einer Debatte. Uns wird weniger geglaubt, weil wir zu einer Minderheit gehören, deren Erfahrungen oft nicht geglaubt werden. Menschen die KEINE Sexarbeiter*innen sind, wird eher Glauben geschenkt, auch wenn es um Sexarbeit geht.
  • Diese Gespräche setzen den Fokus oft auf die Bedürfnisse der privilegierten Gruppe, nicht auf die der unterdrückten Gruppe. Zum Beispiel indem argumentiert wird, dass Sexarbeit negative Auswirkungen auf Frauen hat, die keine Sexarbeiter*innen sind – „Strip Clubs führen zu mehr Gewalt“, „Männer werden denken, es sei okay, Frauen zu kaufen“, etc.
  • Sexarbeiter*innen wird in öffentlichen Debatten oft vorgeworfen, dass sie nicht repräsentativ für die Mehrheit seien. Unabhängig davon, dass Beweise zeigen, dass die Mehrheit nicht aus dem Menschenhandel kommt, nicht gezwungen wird und das Nordische Modell nicht will.

Immer wieder zu sprechen und dabei nie gehört zu werden, ist anstrengend und verletzend.

People of Colour, Trans*menschen und Menschen mit Behinderung kennen es schon lange – die ständige Erwartung ihnen gegenüber, die eigenen Rechte zu verteidigen und andere privilegiertere Gruppen über ihre Unterdrückung zu informieren. Damit kommt die Enttäuschung, Wut und Verletzung, wenn man zum wiederholten Mal nicht gehört wird.

Wenn radikale Feministinnen wirklich daran interessiert wären, über Sexarbeiter*innenrechte zu lernen, könnten sie sich selbst informieren. Anstatt uns immer wieder um eine kostenlose Weiterbildung zu bitten und dann unsere Erfahrungen klein zu reden oder zu leugnen.

Wenn Menschen wirklich den Wunsch haben zu lernen, gibt es so viele Ressourcen und Informationen da draußen. Ich glaube, diese Debatten mit Sexarbeits-Gegner*innen als eine Form der epistemischen Ausbeutung zu begreifen, kann uns helfen, neue Wege des Informationsaustauschs zu finden – mit denjenigen , die lernen wollen, aber auch bei der Auseinandersetzung mit Widerständen.


Dieser Text stammt von der ehemaligen Sexarbeiterin Victoria Bee. Die Doktorandin forscht derzeit an der Londoner Universität Roehampton zu häuslichen und familiären Gewalterfahrungen von Sexarbeiter*innen. Sie ist bei SWARM und beim English Collective of Prostitutes aktiv. Mehr Inhalte von ihr findest du in ihrem Twitter-Account und in ihrem Blog Forged Intimacies.

Mit Victorias Einverständnis haben wir ihren Originaltext Epistemic exploitation of sex workers, or why debates about sex work are never a good idea verkürzt, vereinfacht und dürfen ihn hier veröffentlichen. Vielen Dank für die super Übersetzung ins Deutsche an BesD-Mitglied Emilia Melusine (Website in progress) alias Emily TS (KM-Profil)!

Dieser Beitrag stammt von Sexarbeiterin und BesD-Mitglied Nadine Kopp. Im Rahmenprogramm der kommenden ersten virtuellen Mitgliederversammlung des Vereins leitet sie die Austauschrunde „Sexarbeit und Schönheitsideale“.  BesD-Mitglieder die teilnehmen möchten, finden die Anmeldemöglichkeit im Forum und unserer Telegram-Gruppe, beziehungsweise können sich deshalb bei Charlie unter charlie@besd-ev.de melden. 


Mit meiner wohlgeformten, gut proportionierten Körperfülle, meinen ausgeprägten Rundungen, meiner offensichtlich geprägten Haut, und meiner auffällig langen, weichen, wuschelig in Lila getränkten Haarpracht fühle ich mich wohl. Ich bin humorvoll, lache laut, bin offen und direkt. Ich trete selbstbewusst auf und liebe mich so wie ich bin.

Schon allein das passt nicht jedem und ich werde leider oft diskriminierend behandelt.

Sätze wie: „Oh mein Gott, wie kann man nur so fett sein und so auffällig rumlaufen!“ sind da eher harmlos… Damit kann ich gut umgehen, denn sie haben ja recht, ich bin wirklich auffällig und fett!

Daneben kenne ich, wie wahrscheinlich jede Dicke, noch Beleidigungen wie „Du fette Sau“, „Kuh“, oder sonst was. So weit zum „normalen“ Alltag.

Nun ist es so, dass aufgrund der Corona-Krise lange ein Stillstand in meiner Branche – der Sexarbeit – herrschte. Deshalb haben sich ganz unterschiedliche Menschen zusammengetan, um in die Öffentlichkeit zu gehen. Auch ich nahm meinen ganzen Mut zusammen.

Es ist wahrlich nicht einfach mit meinem Erscheinungsbild und meinem klischeebehafteten Job in die Öffentlichkeit zu treten – dennoch, ich tat es!

Seitdem ich öffentlich mache, dass ich nicht „nur“ dick bin, sondern auch noch seit mehr als 15 Jahren leidenschaftlich als Sexarbeiterin arbeite, ist es meistens endgültig vorbei mit jeder Zurückhaltung – selbst aus den eigenen Reihen.

Ich musste mir Kommentare wie die folgenden anhören und lesen:

„Oh mein Gott, kommt überhaupt jemand zu dir?“
„Verdienst du überhaupt als Dicke Geld?“
„Welcher Mann will denn schon eine dicke Hure?“
„Was für Service bietest du denn an, bleibst du immer wie ein Marienkäfer liegen?“
„Wie sollen bei der Körperfülle andere Stellungen möglich sein?“

 

Gerade weil ich so bin wie ich bin, verbringen viele Menschen – auch meine Kunden – gerne Zeit mit mir.

Ich bin eine gestandene, bodenständige, auffällige, selbstbewusste, authentische, humorvolle Frau, mit einem lauten herzlichen Lachen, das die Sonne scheinen lässt. Mein Körper ist dick, wohlgeformt und kurvenreich. Männer buchen mich, um mit mir eine facettenreiche, ausgeprägte und bewegliche Sexualität zu erleben.

 

 

Als dicke Sexarbeiterin soll ich offenbar am besten unsichtbar bleiben.

Ich musste feststellen, dass ich von Reportern, Journalisten usw. gar nicht wirklich wahrgenommen werde. Ich habe mehr als einmal mitbekommen dass diskutiert wurde, ob sie „überhaupt ein Interview mit mir aufnehmen sollen“. Auch „ob sie mich wirklich ablichten sollen“ oder „ob sie mich öffentlich zeigen sollen“.

Mein persönliches Highlight: „Boah, eine dicke Prostituierte will doch keiner im Fernsehen sehen…“.

Ich frage mich, liebe Gesellschaft was läuft bei euch falsch? Habe ich als dicke Sexarbeiterin weniger zu sagen als ne schlanke? Bin ich weniger schön? Bin ich weniger attraktiv? Ist meine Not geringer? Ich finde es an diesem Punkt auch unglaublich wichtig, dass wir Sexarbeitende, die wir uns Akzeptanz für unsere Arbeit wünschen, auch selbst mehr Akzeptanz für einander aufbringen.

Nur wenn wir uns gegenseitig als Menschen achten und nicht gegenseitig niedermachen – egal wie unterschiedlich wir aussehen, wo wir arbeiten, wieviel wir verdienen etc. –  können wir dies auch von der Gesellschaft erwarten.

Ich hab genug davon, nicht gesehen und nicht gehört zu werden. Damit greift ihr nicht nur mich als Mensch an, sondern auch gleichgesinnte Sexarbeiterinnen, die sich weiterhin verstecken, weil sie Angst vor eurer Diskriminierung haben!  Andere haben vielleicht nicht das Selbstbewusstsein und die Stärke sich immer wieder zu beweisen.

Ich gebe mich jedenfalls nicht geschlagen, ich kämpfe weiter!

 

@JohannaWeber

Ein KOMMENTAR von Aya Velázquez (Nachtrag 10. Dez 20: Da Ayas anderweitiger Aktivismus im Verband Unverständnis und Kritik hervorgerufen hat, ist Aya mittlerweile aus dem BesD e.V. ausgetreten.)

BERLIN 01.10.2020 | Das Verhalten der SPD-Abgeordneten Leni Breymaier gegenüber Sexarbeitenden in Deutschland erreicht einen neuen Tiefpunkt: „War ja recht erbärmlich.“ spottet die Sozialdemokratin am 27. September unter einem Tweet der Berliner Sexarbeits- Aktivistin @hauptstadtdiva. Breymaier stellt hiermit erneut ihre Verachtung von Sexarbeitenden offen zur Schau. Kurzer Abriss eines Shitstorms:

Ein weit verbreitetes Twitter-Gesetz besagt: Wenn die Anzahl der Kommentare unter einem Tweet die der Likes übersteigt, handelt es sich entweder um eine kontroverse Satire, einen Shitstorm, oder beides zusammen. Beträgt der Wert Kommentare geteilt durch Likes >1, hat der Tweet die Öffentlichkeit jedenfalls stark polarisiert.

Leni Breymaiers Wert für ihren „War-ja-recht-erbärmlich“-Tweet liegt bis dato bei 7,4 – 52 Kommentare und ganze 7(!) Likes. Und nein, wie für jeden klar ersichtlich hat die baden- württembergische SPD-Frau hier keine geistreiche, kontroverse Satire hingelegt. Dafür fehlt ihr – bei allem Respekt – ganz offensichtlich der Sinn, das Talent und eine gewisse Distanz zu sich selbst.

Screenshot Twitter

Die Resonanz auf ihren Tweet wirft kein besonders glanzvolles Licht auf die SPD-Abgeordnete. Wo bleiben eigentlich Frau Breymaiers Unterstützer? Selbst diese haben sich nur spärlich zu einem Kommentar oder einem Like hinreißen lassen. Evtl. ja nach diesem Kommentar. Nur zu, es verstärkt die herablassende Haltung gegenüber ein paar Sexarbeitern, die um ihre Rechte kämpfen.

Die jüngste Äußerung Leni Breymaiers folgt einer ganzen Reihe Sexworker-verhöhnender Tweets. Unmittelbar zu Beginn des Corona-Lockdowns und existenzbedrohender Berufsverbote für ganze Branchen, darunter auch der Sexarbeit – verlieh Leni Breymaier ganz unverhohlen ihrer Schadenfreude Ausdruck:

„Stuttgart verbietet Prostitution wegen Corona. Geht doch. Man(n) kann doch schon mal üben.

Plötzliche Armut und Not für Betroffene? Für die Sozialdemokratin Breymaier kein Anlass zur Betrübnis.

In einem ZEIT-Streitgespräch mit der Berliner Sexarbeiterin, Sexwork-Aktivistin und Autorin Kristina Marlen am 30.01.2020 tätigte Leni Breymaier eine Aussage, die inzwischen in Sexarbeits-Kreisen als paradigmatisch für ihre Haltung gilt und eigentlich jedem redlichen Sozialdemokraten das Blut in den Adern gefrieren lassen sollte. Auf den Hinweis Marlens, Leni Breymaier würde Frauen wie ihr die Unterstützung entziehen, erwidert diese in einem Anflug unverblümter Schamlosigkeit:

„Ich entziehe Ihnen nicht meine Unterstützung. Sie haben meine Unterstützung noch nie gehabt.“

Man mag nun einwenden – immerhin ehrlich! Bedenklich ist ein solches Minderheiten-Mobbing seitens eines SPDVorstandsmitglieds dennoch, denn es erodiert schleichend und unmerklich die letzten noch verbliebenen Grundwerte der einstigen Arbeiterpartei SPD.

Leni Breymaier vertritt in keinster Weise eine evidenzbasierte Sichtweise auf Sexarbeit, sondern schlichtweg gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

In Bonn als Sexarbeiter sein Gesicht zu zeigen, frierend bei garstigem Wetter den niveaulosesten Beschimpfungen als Kriminelle der Gegenseite zu trotzen, sowie der demokratische Einsatz für die Grundrechte von Sexarbeitenden verdient zunächst einmal Respekt und sicher nicht die offen zur Schau gestellte Häme seitens einer Abgeordneten. Wir bitten Frau Breymaier daher freundlichst um ein wenig mehr staatsbürgerliche Contenance.

Herzlichst, Aya Velázquez

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein renommiertes Unternehmen wie Ihres, das Events rund um politische Bildung veranstaltet, hat bestimmt auch immer wieder kontroverse Gäste. Ich vermute aber, dass Sie einige aus guten Gründen trotzdem nicht zulassen würden, wie zum Beispiel die AfD.

Umso mehr verwundert mich die Veranstaltung die am kommenden Wochenende bei Ihnen stattfindet – die „Tagung der abolitionistischen Personen, Vereine und Parteien Deutschland 2020“. 

Bei dem Wort Abolitionismus denken Sie sicher zunächst an die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei und Befreiung von People of Color in den USA. Die bei Ihnen tagenden „Abolitionist*Innen“ haben sich hingegen die „Befreiung“ von allen in der Prostitution arbeitenden Frauen auf die Fahne geschrieben – ihnen geht es um die (vermeintliche) Abschaffung der Prostitution. Hier handelt es sich nicht nur um eine anmaßende Aneignung eines Begriffs , sondern auch um übelstes Schubladen-Denken, das alle Prostituierte aus ihrer Tätigkeit „retten“ will, ob sie wollen oder nicht.

Ich gehe mal davon aus, dass Sie nur den „Schutz“-Gedanken dieser Vereinigung auf dem Schirm haben – nichtsahnend, dass hinter den sogenannten „abolitionistischen“ Forderungen in Wahrheit eine komplett abwertende Einstellung zu Bereichen der Sexualität steckt. Es stimmt: Vordergründig möchten diese Menschen Prostituierten aus gegebenenfalls prekären Situationen helfen. Das ist erst mal sehr löblich.

Doch statt die Rechte von Betroffenen zu stärken, fordern sie „eine Welt ohne Prostitution“ und wollen in Deutschland ein Sexkaufverbot einführen. Und das jeglichen Erkenntnissen von Beratungsstellen und Sozialarbeiter*innen zum Trotz.

Ich selber bin Betroffene, ich bin freischaffende Künstlerin und Prostituierte. Ich möchte beide meiner Berufe weiterhin in der Legalität ausüben können. Dazu gehört nicht nur das Musizieren bzw. Sexarbeit sondern gegebenenfalls auch die Möglichkeit, offizielle Konzertsäle bzw. Bordelle benützen zu können! Sicher kann ich heimlich und illegal musizieren oder sexuelle Dienstleistungen einfach auf der Straße anbieten, aber meine Lebens-Qualität, Sicherheit und meine Rechte leiden dann erheblich – das stellt keine Alternative dar.

Das sogenannte Schwedische oder Nordische Modell, das an diesem Wochenende unter Ihrem Dach beklatscht wird, hilft keinem, außer dem „Gewissen“ der Moralapostel.

Die Erfolge des Sexkaufverbots in Schweden sind sehr fraglich, nicht ausreichend wissenschaftlich belegt und stehen auch nicht in Übereinstimmung mit den Berichten von Menschen, die in Schweden in der Sexarbeit tätig waren oder sind.

Dass die vermeintlichen „Retter*innen“ von (marginalisierten) Prostituierten im Falle eines wirklich eintretenden Arbeitsverbots für diese nicht viel mehr als leere Worte haben,  haben wir ja jetzt in der Corona Krise mitbekommen. 

Es wurde sich von diesen Stellen nicht ein Deut um Sexarbeiter*innen gekümmert die, aus welchen Gründen auch immer, durch das soziale Raster gefallen sind. Wir vom Berufsverband BesD e.V. hingegen haben einen Hilfsfond ins Leben gerufen der, einzig finanziert aus Spendengeldern, an den 400 Menschen aus der Sexarbeit in dieser schweren Zeit aus der Bredouille geholfen hat. Mich würde interessieren, ob die Redner*innen bei dem Kongress etwas zur Unterstützung und Hilfe von Menschen vorbereitet haben, zum Beispiel jenen, die in der Sexarbeit sind aber gerne umsteigen würden. Umschulungsprogramme für Prostituierte gibt es leider immer noch viel zu wenige –  hier wären vielleicht auch mal die Arbeitsämter gefragt!

Die angeprangerten Straftaten, die oft mit dem Sexarbeits-Gewerbe in Zusammenhang gebracht werden, sind bereits jetzt schon juristisch belangbar und bedürfen keinerlei weiterer Gesetze. Als da wären: Menschenhandel, Abhängigkeiten, Ausbeutung, miserable Unterbringungsmöglichkeiten etc. Weitere Straftaten, die oft in Zusammenhang mit Prostitution genannt werden, wie Zuhälterei, Vergewaltigung, Nötigung etc. sind ebenso verfolg- und strafbar.

Sämtliche Fachstellen für Migration, Menschenrechte, Ausländerrecht etc warnen vor Einschränkungen und Verboten der Branche.

Nur in der Legalität kann gegen prekäre Missstände vorgegangen werden. Siehe auch das Beispiel der Tönnies Schlachtereien in Gütersloh dieses Frühjahr! Übrigens: Schaut man sich die offiziellen Statistiken des Bundeskriminalamt (BKA) an, so haben alle diese Verbrechen seit der endgültigen Legalisierung der Prostitution im Jahre 2002 kontinuierlich abgenommen, in den letzten 5 Jahren haben sie sich sogar halbiert! Zuhälter sind so gut wie ausgestorben – braucht kein Mensch mehr, da man sich ja nun ganz legal in entsprechende Etablissements einmieten kann.

Kein Mensch darf wegen seiner Sexualität ausgegrenzt oder verfolgt werden.

Das war auch bei den homosexuellen & queeren Menschen so, die lange Zeit auch stigmatisiert und in die Illegalität getrieben wurden, zum Teil sogar verfolgt, bestraft und sogar getötet worden sind. Deutschland hat sich davon zum Glück losgesagt, in Polen und Ungarn geht man gerade wieder tausend Schritte zurück ins Mittelalter, was hierzulande mit Ächtung gestraft wird und sogar bei der Politik angekommen ist. Hoffen wir, dass sich die LGTBQ-Bewegung auch dort durchsetzt.

Das sehen nicht nur ich und meine Kolleg*inen vom BesD e.V. so, sondern auch folgende Institutionen:

Deutsche Aidshilfe e.V.
Deutscher Frauenrat e.V.
Deutscher Juristinnenbund e.V
Diakonie Deutschland
Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.
Dortmunder Mitternachtsmission e.V. Beratungsstelle fr Prostituierte, Ehemalige und Opfer von Menschenhandel
contra e.V. Kiel Fachstelle gegen Frauenhandel in Schleswig-Holstein
Die SPD Schleswig Holstein
Die CDU Nordrhein-Westfalen hat soeben einen offiziellen Antrag eingereicht GEGEN dieses Modell des Sexkaufverbotes
Amnesty International
Menschenhandel-Heute,
Der bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel
uvm.

Für weitere Informationen zu diesem Thema empfehle ich Ihnen meinen gut recherchierten Blogbeitrag mit den entsprechenden Links zu den oben genannten Mitstreiter*innen.

Mit freundlichen Grüßen

Mechthild HEXENGEIGE Janda alias MadameKALI


Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein persönliches Anschreiben der Sexarbeiterin Madame Kali an das Stresemann-Institut in Bonn, anlässlich der Tagung des „Bündnis Nordisches Modell“ am 26./27. September 2020. 

Sex Worker Pride – ein Tag um die Erfolge von Sexarbeiter*Innen und die Errungenschaften von Sexworker-Organisationen zu feiern!

  • Mehr Diversität: Seit Anfang dieses Jahres ist der BesD so breit und stark aufgestellt wie noch nie. Der Vorstand wurde von drei auf fünf Personen aufgestockt, unter anderem mit der ehemaligen Sexarbeiterin Susanne Bleier-Wilp und der Straßensexarbeiterin Nicole Schulze. Die Mitglieder im BesD – alles aktive oder ehemalige Sexarbeitende –  haben unterschiedlichste Hintergründe, sexuelle Identitäten, Arbeitsbereiche und Kund*Innen.
  • Mehr Mitglieder: Seit Monaten können wir uns über wachsende Mitgliederzahlen freuen – mit mittlerweile über 500 Mitgliedern bildet der 2013 gegründete BesD e.V. den größten Sexworkerverbund seiner Art in Europa.
  • Krisenmanagement: Seit Mitte März waren Prostitutionseinrichtungen in Deutschland wegen der Corona-Pandemie geschlossen und alle Formen der Prostitution verboten. Wir haben tonnenweise Arbeit investiert, um unsere politische Arbeit, unser Engagement bei den Behörden, unsere Zusammenarbeit mit Verbündeten und Beratungsstellen und unsere Kommunikation nach außen zu intensivieren. Einen kleinen Eindruck dieser Arbeit bieten unsere Stellungnahmen und Pressemeldungen sowie ein Blick in den diesjährigen Medienspiegel.
  • Professionalisierung: Wir haben unsere Presseabteilung neu organisiert und breiter aufgefächert um noch besser Öffentlichkeitsarbeit leisten zu können.  Wir haben den Informationswert und die Benutzerfreundlichkeit unserer Website verbessert und viele Zoom-Veranstaltungen in unsere Arbeit integriert – von der Spendensammlung über Informationsveranstaltungen für die Öffentlichkeit bis hin zur Organisation und Bereitstellung von Kommunikations-Orten.
  • Informationsquelle: Von Beginn der Pandemie bis Mitte April aktualisierten wir täglich unseren Artikel „Corona-Virus: Das sollten Sexarbeiter*Innen (und alle Anderen) jetzt beachten“ und haben damit die deutschlandweit erste Information zu Sexarbeit und Corona zur Verfügung gestellt. Unsere Informationen wurden  international von Sexarbeiter*Innen und Organisationen geteilt und übersetzt.
  • Hilfe und Unterstützung: Nach wie vor dokumentieren wir die verschiedenen Regelungen in den Bundesländern und bieten weiterhin Hilfe, Unterstützung und Informationen für Sexarbeiter*Innen an.  Wir haben den ersten Corona-Nothilfe Fonds für Sexarbeiter*Innen in Deutschland initiiert und organisiert, der sich speziell an Sexarbeiter*Innen richtet, die von staatlichen Hilfen ausgeschlossen sind. Es gelang uns, viele Spenden zu sammeln, und mit Hilfe eines Großspenders konnten wir 126.000 Euro an 400 Sexarbeiter*Innenin akuten Notlagen geben, bis das Geld im Juli alle war.
  • Lobby: Wir haben erfolgreich dafür gekämpft, dass das Übernachtungsverbot in Prostitutionsstätten für die Corona-Zeit aufgehoben wurde. Wir haben uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass die drakonischen Bußgelder für Verstöße gegen die Corona-Verordnung seitens Sexarbeiter*Innen drastisch gesenkt wurden. Zusammen mit Expert*Innen aus dem Gesundheitssektor erarbeiteten wir bereits im Mai ein Hygienekonzept, das detailliert aufzeigt, wie Sexarbeit während der Pandemie möglich ist. Wir setzen uns aktiv für die Wiederzulassung der Sexarbeit in allen Bundesländern ein und machen uns gegen ein Sexkaufverbot stark.
  • Social Media: Wir haben seit dem Internationalen Hurentag den Hashtag #RotlichtAN ins Leben gerufen – um gegen das schwedische Modell zu kämpfen und gegen das anhaltende Verbot von Sexarbeit zu protestieren.
  • Demos: Unsere Mitglieder haben Demonstrationen von Sexarbeiter*Innen und Verbündeten in mehreren Großstädten in Deutschland (Hamburg, Berlin, Köln, Stuttgart, Düsseldorf) organisiert, die in der Presse und in der Öffentlichkeit eine Menge Aufsehen erregten und aller Wahrscheinlichkeit nach dazu beigetragen haben, das Verbot von Sexarbeit endlich zu lockern.
  • Fortbildung: Wir haben die BesD-Workshops gestartet, wo Sexworker mit anderen Sexworkern online und sicher ihr Wissen teilen können.

Auch nach den teilweisen Lockerungen kämpfen wir weiter gegen die Diskriminierung von Sexarbeitenden und gegen kriminalisierende Gesetze.

Ein großes DANKESCHÖN an unsere Mitglieder und an unsere Verbündeten – für die unermüdliche und oft so anstrengende Arbeit im Kampf für die Rechte von Sexarbeitenden.

Zwei Kämpferinnen für Frauen- und Sexworker-Rechte verstarben in diesem Jahr unerwartet – wir trauern um Emilja Mitrovic und Dr. Elisabeth von Dücker.

Dank und Verbundenheit gelten diesen Frauen, diesen Mit-Streiterinnen, diesen Verbündeten aller Sexarbeiter:innen. Mit ihrer Arbeit bekämpften sie Vorurteile, trugen zur Entabuisierung eines stigmatisierten Themas bei, engagierten sich gegen die Ausgrenzung von Sexarbeit und setzten sich dafür ein, Deutschland zu einem besseren und gerechterem Ort für alle zu machen. In Gedanken sind wir bei ihren Angehörigen, Freund:innen und allen Menschen, die ihnen nahestanden.

Dr. Elisabeth von Dücker war als Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin im Museum der Arbeit in Barmbek für den Bereich Alltags- und Frauen-Geschichte zuständig. Ihr Fokus lag darauf, die Arbeitswelten von Frauen sichtbar zu machen – und dazu gehörte auch die Sexarbeit.

Sie besuchte Sexwork Konferenzen in Nürnberg und Hamburg – dort traf ich sie zum ersten Mal. 2005 stellte sie dann die kulturgeschichtlich einmalige Ausstellung „Sexarbeit“ auf die Beine, welche die Lebens- und Arbeitswelt von Sexarbeitenden beschrieb. Als Verbündete hat sie auschlaggebend zur Enttabuisierung des stigmatisierten Themas Sexarbeit beigetragen und dazu aufgefordert, Vorurteile zu hinterfragen.

In diesem Portrait von Juliane Brumberg erfährt man mehr über die Arbeit von Elisabeth von Dücker.

Emilija Mitrovic, in Serbien geboren, war Mutter einer Tochter, Gewerkschafterin und Sozialwissenschaftlerin. Jahrelang begleitete und unterstützte sie die Sexworker-Bewegung und machte sich politisch für die Rechte von Sexarbeitenden stark.

Oft traf ich sie in Berlin – bei Ausstellungen, bei Performances, bei Sexwork Konferenzen. Gut kann ich mich an ihre Führung durch Hamburgs Rotlicht-Bezirk St. Georg erinnern – in welcher wir Details aus der Szene erfuhren, den Hansaplatz und die Beratungsstelle Ragazza besuchten und die  Stundenhotels sahen, wo die Sexworker am Strassenstrich anschaffen. Emilja initiierte die wichtigen Netzwerke „Ratschlag Prostitution Hamburg“ und „MigrAr – Anlaufstelle des DGB für Menschen ohne Papiere“.

Mit ihrer Studie über den „Arbeitsplatz Prostitution“ in 2004 unterstützte sie maßgeblich die gewerkschaftliche Organisation von Sexworkern bei Verdi. Sie leitete den Fachbereich 13 für „Besondere Dienstleistungen“, kämpfte gegen Diskriminierung und Doppelmoral und erhob ihre Stimme für marginalisierte Sexarbeitende.

Der taz-Redakteur Kai von Appen schrieb diesen Nachruf über Emilija und ihre unermüdliche Arbeit.


Dieser Text stammt von BesD-Vorständin Susanne Bleier-Wilp, ehemalige Sexarbeiterin und langjährige Aktivistin für die Rechte von Sexworkern. 

Einladung zur Kundgebung am Donnerstag, 27.08.2020 in Düsseldorf

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Donnerstag, den 27. August 2020, wollen wir Ihnen demonstrieren, wie Sexarbeit in der Corona-Krise ausgeübt werden kann, zudem teilen wir unsere Forderungen an die Regierung mit.
Dafür kommen wir ab 11 Uhr zu Ihnen, nach Düsseldorf auf die Landtagswiese. (Anbei finden Sie einen Ablaufplan)

Für Gespräche und Rückfragen stehen bei der Kundgebung unter anderem zur Verfügung:

Veranstalterinnen:

Nadine Kopp alias Bibi Drall, reisende Rubens-Sexarbeiterin

Nicole Schulze, Straßen-Sexarbeiterin

Stephanie Klee, Sexualassistentin/  BSD e.V.

Harriet Langanke, GSSG Stiftung, Fachjournalistin sexuelle Gesundheit/ Sexualwissenschaften, 

Madame Kali, Hexengeige

und viele andere.

Wir würden uns sehr freuen wenn Sie sich einen persönlichen Eindruck machen.

Mit freundlichem Gruß

Nicole Schulze (Mobil 0157-83518081 / E-Mail nicole@besd-ev.de)
Nadine Kopp (Mobil 0174-1033684 / E-Mail Nadine.kopp.db@gmail.com)

Ablauf der Düsseldorfer Kundgebung (unter Vorbehalt)

10:00 bis 11:00 Uhr Aufbau

11:15 Uhr Beginn der Kundgebung mit Einführungsredebeitrag (Warum, Wieso, Weshalb) 

11:30 Uhr Pressekonferenz

12:30 Uhr Vorführung/ Demonstration, wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht (unter Corona-Bedingungen, mit dem Hygienekonzept)

12:45 Uhr Redebeitrag 

13:00 Uhr Aufstellung aller mit roten Schirmen und Kundgebung unserer Forderungen, Fragerunde

14 Uhr  Vorführung/ Demonstration, wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht ( unter Corona-Bedingungen, mit Hygienekonzept)

14:15 Uhr Redebeitrag 

15:00 Uhr Geigenspiel

15:15 Vorführung/ Demonstration, wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht (unter Corona-Bedingungen, mit Hygienekonzept)

15:30 Uhr Redebeitrag 

15:45 Uhr Vorführung/ Demonstration wie eine Sexarbeiterin ihre Arbeit nachgeht (unter Corona-Bedingungen, mit Hygienekonzept)

16:00 Uhr Austauschrunde

17:00 Uhr bis 18:00 Uhr langsamer Abbau und Beendigung der Kundgebung

Der BesD unterstützt diese Veranstaltung.

Hier die Facebook-Veranstaltung

 

Termin: 06.08.2020
Uhrzeit öffentliche Demo: ab 16:00 Uhr
Ort: Wilhelmsplatz, 70182 Stuttgart


Details:

  • Uhrzeit Pressekonferenz: 14 Uhr
    Ort Pressekonferenz: Table-Dance-Club Messalina | Leonhardstraße 7, 70182 Stuttgart
    Anmeldung bei Organisatorin Daria: daria@miss-daria.de
  • Uhrzeit Laufhausführung: 15 Uhr + 15:30 Uhr
    Ort: Laufhaus City-Eros Center | Leonhardstraße 7, 70182 Stuttgart
    Zur Einhaltung der Corona-Regelungen verpflichtende Anmeldung bei Organisatorin Alraune: 0151-59447074
  • Uhrzeit Kundgebung: ab 16:00 Uhr
    Ort: Wilhelmsplatz, 70182 Stuttgart

Während es in  wenigen Städten und Bundesländern kleinere „Lichtblicke“ für Sexarbeiter*Innen und Betreiber*Innen zu geben scheint, wurde die Situation in Stuttgart im Gegenteil noch einmal verschärft: Seit dem 19. Juli hat die Stadt ein Komplett-Verbot der Prostitution ausgerufen.

Selbstständige Prostitution als „Lücke im Infektionsschutzgesetz“ verboten

Mit der neuen Allgemeinverfügung (–> siehe hier) schließe man „eine Lücke im Infektionsschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg“. Während sich die Verordnung des Landes „nur“ auf Prostitution in Gewerberäumen bezieht, gilt das neue Verbot in Stuttgart auch für Sexarbeiter*Innen die selbstständig und allein tätig sind. Verstöße von Sexarbeiter*Innen und Kund*Innen werden mit 350 Euro bestraft.

Keine wirksamen finanziellen Hilfen für die Betroffenen

Das Gros der Sexarbeitenden ist selbstständig tätig und hat keine finanziellen Rücklagen für einen derart langen Total-Verdienstausfall – bereits seit 4 Monaten sind unsere Arbeitsplätze geschlossen! Sexarbeiter*Innen und ihren Kund*Innen werden im Gegensatz zu bspw. Massagestudios oder Tattoostudios die Einhaltung von Hygienekonzepten nicht zugetraut – wirksame finanzielle Hilfen für die vielen Menschen, die bereits in Not geraten sind, gibt es auch nicht.

Demonstrationen in den deutschen Großstädten gehen weiter

In Hamburg und Berlin fanden bereits große Demos statt. Heute Abend geht es auf der Reeperbahn in die zweite Runde, Donnerstags wehren sich Sexarbeiter*Innen in Köln  gegen das unverhältnismäßig andauernde Berufsverbot. Am 6. August fordern auch Sexarbeiter*Innen in Stuttgart die umgehende Legalisierung der Wiederaufnahme ihrer Arbeit. Unzählige Sexarbeitende aus ganz Deutschland sowie Betreiber*Innen von Prostitutionsstätten haben sich den deutschlandweiten Protesten angeschlossen.


Kontaktpersonen:

Pressekonferenz: Miss Daria -> daria@miss-daria.de

Laufhausführung: Alraune -> 0151-59447074

Politik&Presse allgemein: Johanna Weber -> 0151-1751 9771 oder johanna@besd-ev.de

29.Juli | 16:50 – 19:00 Uhr | Bahnhofsvorplatz-Domseite, 50667 Köln

Trotz Corona-Lockerungen für andere Branchen bleiben Prostitutionsstätten deutschlandweit geschlossen. Während Nachbarländer wie die Schweiz, Belgien, Österreich, Tschechien und die Niederlande Sexarbeit bereits insgesamt wieder erlaubt haben, bietet die hiesige Politik keine Perspektiven für die Wiedereröffnung von Prostitutionsstätten und beraubt damit den Großteil der Sexarbeitenden ihrer Arbeitsplätze.

Nach lautstarken Protesten in Berlin und Hamburg fordern Sexarbeiter*Innen, Betreiber*innen, Fachberatungsstellen sowie der Berufsverband für Sexarbeiter*innen (BesD e.V.) und der Bundesverband für Betreiber*innen (BSD e.V.) nun auch in Köln ein Ende des Berufsverbot.


ABLAUF DEMO

  • ab 14:00 Uhr | Orga-Treffen
  • 16:50 Uhr | Aufstellung auf Dom-Treppe – Fotomöglichkeit
  • 17:00 Uhr | Beginn der Kundgebung
  • 17:05 Uhr | Geigenspiel von Sexarbeiterin und Musikerin Madame Kali
  • 17:15 Uhr | Redebeitrag Nicole Schulze (Sexarbeiterin im Bereich Straßenstrich, Vorständin des BesD e.V.) und Nadine Kopp (Sexarbeiterin)
  • 17:25 Uhr | Redebeitrag Johanna Weber (Sexarbeiterin im Bereich BDSM, Betreiberin, Vorständin und politische Sprecherin des BesD e.V.)
  • 17:30 Uhr | Redebeitrag Stephanie Klee (Sexarbeiterin im Bereich Sexualassistenz, Sprecherin des BSD e.V.)
  • 17:35 Uhr | Redebeitrag Harriet Langanke (Sexualwissenschaftlerin, Geschäftsführerin der Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit)
  • 17:40 Uhr | Redebeitrag Lou (Sexarbeiterin)
  • 17:45 Uhr | Zeit für Interviews und Bürger-, Pressegespräche
  • 19:00 Uhr | Auflösung der Demo

ANMELDUNG FÜR PRESSE UND NACHFRAGEN ZUR TEILNAHME

  • Nicole Schulze, Vorständin BesD e.V. | nicole@besd-ev.de
  • Nadine Kopp | Nadine.kopp.db@gmail.com

Termin: 28.07.2020
Uhrzeit: 22:00 Uhr
Ort: Herbertstraße | Ecke Davidstraße


Nach der aufsehenserregenden Demo am 11. Juli,  wo rund 500 Menschen und Sexarbeiter*Innen aus ganz Deutschland für die Wiedereröffnung der Bordelle auf die Straße gingen, geht es Dienstag Abend mit Furore weiter.

Sexarbeiter*innen seit 4 Monaten arbeitslos

Die Sexarbeiter*Innen, die sich unter der Fahne „Sexy Aufstand Reeperbahn“ zusammengeschlossen haben, fordern die sofortige Legalisierung der Wiederaufnahme ihrer Arbeit und die Öffnung ihrer Arbeitsplätze.

Vertreter*Innen aus Sexarbeit, Gastronomie und Politik vor Ort

Sexarbeiter*Innen stellen sich den Fragen der Medien, Anrainer und Gastronomen berichten von der Lage vor Ort und stehen ebenfalls für Interviews zur Verfügung. Neben Politiker*Innen aus mehreren Parteien werden Vertreter*Innen der Interessengemeinschaft St. Pauli und der Hamburgischen Bürgerschaft vor Ort sein.

Aus der Meldung von www.sexy-aufstand-reeperbahn.de:

Wir „sexy Aufstand Reeperbahn“ laden euch recht herzlich zu unserer Demonstration „ Herr Tschentscher, wir müssen reden. Im Sinne der Pandemie Bekämpfung! Lieber Legal und kontrolliert- als Illegal und unkontrolliert!“ in die Davidstraße/ Ecke Herbertstraße in Hamburg am 28.07.2020 um 22 Uhr ein. Es lohnt sich, pünktlich zu sein.

Dieses Mal wird eine Ansprache von der IG St. Pauli gehalten und von Vertretern der Hamburgischen Bürgerschaft. Unter anderem kommen Politiker von der SPD und Grünen, die sich natürlich auch zu spontanen Interviews bereitstellen. Unsere 2. Bürgermeisterin, Frau Fegebank, ist auch eingeladen, ob sie kommt? Es bleibt spannend …

Auswirkungen des Arbeitsverbots auf den Kiez

Des Weiteren stellen sich Frauen für Interviews bereit, die über Schicksale berichten und viel zu der heutigen Situation sagen können.
Es sind auch Gastronom vor Ort, die berichten, wie Prostitution und Gastronomie auf St. Pauli zusammenhängen und was für Auswirkungen die Pandemie und unser Arbeitsverbot auf dem Kiez mit sich bringt.

Es wird eine spektakuläre Demonstration, die man so noch nie gesehen hat! Wir freuen uns auf euer Kommen!