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Dr. Stephan Alder, Mitglied beim Verband der Vertragspsychotherapeuten (BVVP) postulierte vor kurzem auf der Vereins-Website: „Prostitution macht krank“ – und sorgte damit in der Sexworker-Community für eine Menge gerunzelter Stirnen. Wir dürfen hier auszugsweise aus der öffentlichen Antwort von Sonja Dolinsek zitieren – den gesamten Text lest ihr  in ihrem Blog. 

Unter anderem weist die Historikerin und Sexwork-Forscherin Dolinsek darauf hin, dass „Prostituierte historisch schon immer als „kranke“, nicht-normale Frauen, als Menschen zweiter Klasse gesehen wurden, die „krank“ sind und deshalb eine Bevormundung brauchen […] Es war bei Prostitution nicht anders als bei Homosexualität und anderen Formen dessen, was man in der Vergangenheit „sexuelle Devianz“ nannte.“

Sie erklärt, warum sich ein Verbot von Prostitution nicht aus einigen Therapie-Erfahrungen ableiten lässt, denn „schließlich müsste man ja – bei vergleichbaren Diagnosen – sicherlich auch viele andere Realitäten verbieten, die Ehe, die Elternschaft, die Familie, Partnerschaft.“

Sie warnt davor, „jede psychische Symptomatik auf die Sexarbeit zurück[zu]führen“ und betont, dass Prostituierte zwar in höherem Maß Gewalt ausgesetzt sind, die Forschung hierzu aber „[…] einen klaren Befund [bietet]. Die anhaltende Verachtung und oft Kriminalisierung der Prostitution ist die Ursache dafür und Prostituierte erfahren mehr Gewalt, wo Prostitution verboten ist.“

„Herr Alder begeht den Fehler, nicht zwischen Prostitution und unterschiedlichen Arbeitsbedingungen und deren Hintergründe zu differenzieren.“ so Dolinsek, die am Ende ihres Briefes auf zahlreiche Quellen aus der Forschung verlinkt.

Lesenswert: Hier geht es zum kompletten Brief an die BVVP: –> „Die Verachtung der Sexarbeit macht krank“.

Zwei Kämpferinnen für Frauen- und Sexworker-Rechte verstarben in diesem Jahr unerwartet – wir trauern um Emilja Mitrovic und Dr. Elisabeth von Dücker.

Dank und Verbundenheit gelten diesen Frauen, diesen Mit-Streiterinnen, diesen Verbündeten aller Sexarbeiter:innen. Mit ihrer Arbeit bekämpften sie Vorurteile, trugen zur Entabuisierung eines stigmatisierten Themas bei, engagierten sich gegen die Ausgrenzung von Sexarbeit und setzten sich dafür ein, Deutschland zu einem besseren und gerechterem Ort für alle zu machen. In Gedanken sind wir bei ihren Angehörigen, Freund:innen und allen Menschen, die ihnen nahestanden.

Dr. Elisabeth von Dücker war als Kuratorin und Kunstwissenschaftlerin im Museum der Arbeit in Barmbek für den Bereich Alltags- und Frauen-Geschichte zuständig. Ihr Fokus lag darauf, die Arbeitswelten von Frauen sichtbar zu machen – und dazu gehörte auch die Sexarbeit.

Sie besuchte Sexwork Konferenzen in Nürnberg und Hamburg – dort traf ich sie zum ersten Mal. 2005 stellte sie dann die kulturgeschichtlich einmalige Ausstellung „Sexarbeit“ auf die Beine, welche die Lebens- und Arbeitswelt von Sexarbeitenden beschrieb. Als Verbündete hat sie auschlaggebend zur Enttabuisierung des stigmatisierten Themas Sexarbeit beigetragen und dazu aufgefordert, Vorurteile zu hinterfragen.

In diesem Portrait von Juliane Brumberg erfährt man mehr über die Arbeit von Elisabeth von Dücker.

Emilija Mitrovic, in Serbien geboren, war Mutter einer Tochter, Gewerkschafterin und Sozialwissenschaftlerin. Jahrelang begleitete und unterstützte sie die Sexworker-Bewegung und machte sich politisch für die Rechte von Sexarbeitenden stark.

Oft traf ich sie in Berlin – bei Ausstellungen, bei Performances, bei Sexwork Konferenzen. Gut kann ich mich an ihre Führung durch Hamburgs Rotlicht-Bezirk St. Georg erinnern – in welcher wir Details aus der Szene erfuhren, den Hansaplatz und die Beratungsstelle Ragazza besuchten und die  Stundenhotels sahen, wo die Sexworker am Strassenstrich anschaffen. Emilja initiierte die wichtigen Netzwerke „Ratschlag Prostitution Hamburg“ und „MigrAr – Anlaufstelle des DGB für Menschen ohne Papiere“.

Mit ihrer Studie über den „Arbeitsplatz Prostitution“ in 2004 unterstützte sie maßgeblich die gewerkschaftliche Organisation von Sexworkern bei Verdi. Sie leitete den Fachbereich 13 für „Besondere Dienstleistungen“, kämpfte gegen Diskriminierung und Doppelmoral und erhob ihre Stimme für marginalisierte Sexarbeitende.

Der taz-Redakteur Kai von Appen schrieb diesen Nachruf über Emilija und ihre unermüdliche Arbeit.


Dieser Text stammt von BesD-Vorständin Susanne Bleier-Wilp, ehemalige Sexarbeiterin und langjährige Aktivistin für die Rechte von Sexworkern. 

Aus der Pressemeldung DAH | 29. Juli 2020 | –> Link


Aufgrund von Corona-Verordnungen dürfen Sexarbeiter_innen in Deutschland zurzeit nicht arbeiten. Prostitutionsstätten sind geschlossen. Während andere körpernahe Dienstleistungen bereits wieder möglich sind, gibt es für die Prostitution bisher so gut wie keine Lockerungen.

Die Deutsche Aidshilfe fordert: Sexarbeiter_innen müssen umgehend wieder ihrer Tätigkeit nachgehen dürfen – in Bordellen, mobil und auf der Straße. Entsprechende Hygienekonzepte liegen vor. Nachbarländer wie Belgien, die Niederlande, Österreich, die Schweiz und Tschechien haben diesen Schritt bereits vollzogen.

„Sexarbeit darf nicht anders behandelt werden als andere Tätigkeiten mit engem Körperkontakt. Der Gleichheitsgrundsatz gilt unabhängig von moralischen Bewertungen. Niemand hat darüber zu urteilen, ob für jemand anderen ein Friseurbesuch oder ein sexuelles Erlebnis wichtiger ist.“ (Ulf Kristal vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe)

Sexarbeiter_innen in Not

Das aktuelle Tätigkeitsverbot bringt Sexarbeiter_innen in Notlagen. Viele sind ohne Einkommen, nicht wenige auch ohne Wohnraum oder Krankenversicherung. Prekäre Lebenssituationen und Abhängigkeitsverhältnisse werden verschärft.

Kund_innen bleibt die sexuelle Dienstleistung vielfach verwehrt – was eine bedeutende Einschränkung ihrer Sexualität sein kann.

Verdrängung in unsichere Verhältnisse

Hinzu kommt: Prostitution findet trotzdem statt. Viele Sexarbeiter_innen müssen arbeiten, um ihr Überleben zu sichern, weil staatliche Hilfen für sie nicht zugänglich sind oder nicht ausreichen. Und sexuelle Bedürfnisse lassen sich nun einmal nicht verbieten.

Die Folge: Sexarbeit geschieht im Verborgenen, wo professionelle Sicherheitsmaßnahmen wegfallen und Prävention und Hilfsangebote die Betroffenen kaum erreichen können. Die ökonomische Notlage schwächt zudem die Verhandlungsposition von Sexarbeiter_innen gegenüber ihren Kund_innen. Dumpinglöhne können ebenso die Folge sein wie der Verzicht auf Safer Sex.

Dazu DAH-Vorstand Ulf Kristal:

„Die Verdrängung in die Illegalität hat fatale Folgen. Menschen in der Sexarbeit brauchen ein sicheres Arbeitsumfeld mit fairen Regeln und rechtlicher Absicherung. Sicherheit lässt sich nur unter legalen Bedingungen herstellen. Dort lässt sich auch Infektionsschutz am besten umsetzen. Gerade jetzt, wo Infektionszahlen wieder steigen, sind klare Spielregeln wichtig.“

Entsprechende Hygienekonzepte zweier Verbände liegen vor. Im Kern basieren sie auf der Formel: Mund-Nasen-Schutz plus eine Unterarmlänge Abstand zwischen Gesichtern plus Safer Sex. Die Konzepte zeigen, dass sich Risiken auch bei der Sexarbeit reduzieren lassen. 100%ige Sicherheit wird auch in anderen Branchen nicht gefordert und wäre ohnehin illusorisch.

„Es geht zurzeit überall darum, die Bedürfnisse nach Alltag und Sicherheit so auszubalancieren, dass wir eine Weile mit der Krise leben können“, stellt Ulf Kristal fest. „Dieses Recht haben Menschen in der Sexarbeit und ihre Kundschaft auch.“

Die Mär vom Superspreader

Politische Akteur_innen, die ein prinzipielles „Sexkaufverbot“ in Deutschland erwirken wollen, haben derweil die Mär von Sexarbeiter_innen als „Superspreadern“ in die Welt gesetzt. Das ist fachlich falsch und stigmatisiert Menschen in der Prostitution.

„Massenübertragungen gab es in Deutschland bisher durch ausbeuterische Arbeitsbedingungen, in beengten Wohnverhältnissen und in Gottesdiensten. Bei der Sexarbeit haben nur wenige Leute engen Kontakt miteinander. Und nirgendwo wird Sex mit so strikten Auflagen praktiziert wie in professionellen Bordellen,“ sagt DAH-Vorstand Ulf Kristal.

Kristal weiter: „Sexarbeiter_innen sind seit jeher Profis, wenn es darum geht, sich vor Infektionen zu schützen und daran gewöhnt, Safer Sex durchzusetzen. Sie könnten vielleicht sogar Vorbilder werden für einen unaufgeregten und vernünftigen Umgang mit dem Corona-Risiko.“


Mehr Informationen:

Positionspapier der Deutschen Aidshilfe: „Corona-Krise: Sexarbeit wieder zulassen“

Appell der Deutschen Aidshilfe: „Sexarbeiter_innen brauchen Hilfe!“

 

Anfang März 2020 gründete der Berufsverband den BesD Nothilfe Fond, um die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise auf Sexarbeitende ein wenig zu mildern. Die deutschlandweite Schließung aller Prostitutionsstätten, Arbeitsverbote, der Rückgang der Nachfrage und ein steigendes Risiko der Arbeitsausübung stürzten auf einen Schlag eine ganze Branche in die Krise. Ein großer Anteil an Sexarbeiter*Innen hat gleichzeitig keinen Zugriff auf staatliche oder andere finanzielle Hilfsangebote.

Die gute Nachricht – Die viele Arbeit hat sich gelohnt

Wir danken von ganzem Herzen allen Spender*Innen – ihr habt es ermöglicht! Dank eurer Spenden konnten wir rund 126.000 Euro an knapp 400 Sexarbeiter*Innen in akuten Notsituationen weitergeben.

Die schlechte Nachricht – Das Geld ist alle, aber die Krise dauert an

Nun, über 4 Monate später, spitzt sich die Lage sogar weiter zu. Trotz der Erarbeitung von Hygienekonzepten für selbstständige Sexarbeit und für Prostitutionsbetriebe, verzweifelter Aufrufe an die Landesregierungen, großer Social-Media-Aktionen zum Internationalen Hurentag und öffentlicher Demonstrationen und Proteste, gibt es keine Corona-Lockerungen für Sexarbeiter*Innen und ihre Arbeitsplätze bleiben geschlossen.


Dringend gesucht: Spender*Innen und Verbündete

Bis eine Verbesserung der Lage eintritt, wird die Zahl derjenigen Sexarbeiter*Innen, die weiter auf niedrigschwellige Unterstützung angewiesen sind, leider nicht weniger. Um weiter helfen zu können, benötigen wir weitere Spenden und bleiben auf der Suche nach Unterstützer*Innen , die gemeinsam mit uns den Nothilfe Fonds am Leben halten können.

Neben privaten Spender*Innen suchen wir geeignete Ansprechpartner*Innen z.B. von Stiftungen, die weiterhelfen könnten und wollen. Du hast Tipps oder gar einen persönlichen Kontakt für uns? Bitte melde dich bei unserer Mitarbeiterin Tamara unter tamara@besd-ev.de oder +49 179 416 7883 (sms, whatsapp, telegram, signal)


Eine Flut an Anträgen – Zur Organisation innerhalb des BesD

Zwei Ansprechpartner*Innen aus dem Verband, die sich mit besonders viel Erfahrung im Umgang mit Sozialarbeiter*Innen und marginalisierten Gruppen aus dem Bereich der Sexarbeit auszeichnen, erklärten sich bereit, rund um die Uhr für die Prüfung und Weiterverarbeitung der täglich eintreffenden Anträge auf Nothilfe zu sorgen. Gemeinsam wurden Abläufe konzeptioniert, ein Logo entworfen, Texte geschrieben, der Fonds wurde innerhalb der Sexworker-Community sowie auf Social Media und anderen Kanälen beworben. Angesichts der großen Anzahl an Anträgen bildeten wir ein Komitee aus drei Sexworkern und drei externen Berater*Innen mit entsprechender Expertise, das nach dem Mehrheitsprinzip über Anträge entschied.

Lebensmittel, Medikamente, Notunterkünfte – Zur Verteilung des Geldes

Eine Beantragung fand entweder über den Direktkontakt oder über eine Vermittler*In – z.B. über Beratungsstellen und/oder aufsuchende Sozialarbeiter*Innen – statt, die im Namen der von ihnen vertretenen Sexworker Kontakt aufnahmen. Fast alle Anträge an den Fonds wurden mit „persönlichem Bedarf und Bedarf nach Lebensmittel“ begründet. In ergänzenden Gründen ging es am häufigsten um die Beschaffung von Medikamenten und/oder medizinische Versorgung, um die Versorgung von Kindern vor Ort und/oder in einem anderen Herkunftsland, sowie um die Kosten von Notunterkünften beziehungsweise Wohnverhältnissen ohne legalen Mietvertrag.

Wer erhält Geld aus dem Fonds?

Die Möglichkeit, Geld aus dem BesD Nothilfe Fonds zu erhalten, haben Personen, bei denen alle folgenden Sachverhalte zutreffen:

● finanzielle Notsituation (insb. in Folge des Corona-Arbeitsverbots)
● Tätigkeit in der Sexarbeit (insb. wenn die Gesamtheit oder der Großteil der Einnahmen aus der Sexarbeit erwirtschaftet wird, z.B. bei hauptberuflichen Sexworkern)
● derzeitiger Aufenthalt in Deutschland
● derzeit kein Erhalt von Soforthilfen von Bund oder Land

Sehr geehrte 16 Bundestagsabgeordnete,

nur gut drei Jahre nach der Einführung des ProstSchG am 01.07.2017 erklären Sie das bisher nicht evaluierte ProstSchG für gescheitert und fordern die sofortige Einführung des Sexkaufverbotes in Deutschland.

Die vorübergehenden bundesweiten Schließungen von Prostitutionsstätten und teilweise Verbote der Sexarbeit aufgrund der Corona-Krise geben einen Vorgeschmack davon, was durch die Einführung des Sexkaufsverbotes passieren würde. Überwiegend unterfinanzierte Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter fangen derzeit den Beratungsbedarf unzähliger Menschen in prekären Arbeits- und Lebenssituationen ab. Ein dauerhaftes Sexkaufverbot geht aufgrund der Beratungserfahrungen aller unserer Mitgliedorganisationen vollständig an Menschen vorbei, die hier regulär der Sexarbeit nachgehen. Es schürt zudem tiefgreifende Existenzängste bei allen, die ihren Lebensunterhalt mit Sexarbeit sichern unabhängig von Herkunft, Alter und Geschlecht. Zudem fördert ein Sexkaufverbot gesellschaftliche Stigmatisierung von Menschen in der Sexarbeit und reproduziert das jahrhunderte alte Hurenstigma.

Den Fokus richtig lenken

Der Bufas e.V. stellt klar, dass die Effekte des Sexkaufverbotes von Ihnen nur verkürzt und oftmals auch falsch dargestellt werden: So kommt es regelmäßig zu einer Vermischung der Begriffe Sexarbeit und Zwangsprostitution. Sexarbeit ist eine selbstbestimmte Dienstleistung zwischen Erwachsenen gegen Entgelt, während Menschenhandel/Zwangsprostitution Menschrechtsverletzungen sind, die in Deutschland hart bestraft werden. Auch Kund*innen, die die Zwangslage von Sexarbeitenden ausnutzen, werden in Deutschland seit 2016 bestraft.

Zum Anderen wird von Ihnen dargestellt, dass das Sexkaufverbot keine negativen Konsequenzen für Sexarbeiter*innen habe, oder deren Situation sogar noch verbessere. Dagegen positioniert sich der Bufas entschieden.

Auch innerhalb Deutschlands hat man durch restriktive Verordnungen wie z.B. Sperrbezirksverordnungen oder die Kontaktverbotsverordnung nicht die Prostitution und die Nachfrage vor Ort verhindert, sondern lediglich bewirkt, dass die Arbeitsbedingungen sich verschlechtern und die Vulnerabilität durch Abhängigkeitsverhältnisse und Ausbeutung erhöht werden.

Wie das Deutsche Institut für Menschenrechte1 und amnesty international2 lehnen wir die Einführung eines Sexkaufverbotes ab. Denn es wird gerade die Situation der Menschen verschlechtern, die innerhalb der Sexarbeit am verletzlichsten sind:

Die Kriminalisierung von Kund*innen hat immer auch verheerende Folgen für die Sexarbeiter*innen selbst: Weder das Angebot, noch die Nachfrage nach Sexarbeit sinken durch ein Sexkaufverbot3. Um ihre Kund*innen zu schützen, können Sexarbeiter*innen keine offenen, legalen Verhandlungen mehr führen, sondern müssen verdeckte Anbahnungswege finden. Dies verschiebt die Machtverhältnisse zwischen Sexarbeiter*innen und Kund*innen zum Nachteil der Sexarbeiter*innen. Insbesondere prekär arbeitende und lebende Menschen sind gezwungen, Schutz und Anbindung in den Strukturen zu suchen, die selbstbestimmte Arbeit verhindern und Abhängigkeitsverhältnisse fördern. Durch die Arbeit im Verborgenen steigt die Gefahr, von Ausbeutung und Gewalt betroffen zu werden. Gleichzeitig sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich erlebte Gewalt angezeigt wird.

Das Sexkaufverbot verschärft gesellschaftliche Stigmatisierung, anstatt sie abzubauen. Stigmatisierung, Diskriminierung und gesellschaftliche Marginalisierung von Sexarbeiter*innen sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass Sexarbeiter*innen vorhandene Rechte nicht wahrnehmen, verdeckt arbeiten und verletzlich sind.

Unterstützungsstrukturen im Allgemeinen und insbesondere auch unter den Sexarbeiter*innen selbst, stellen wichtige Wirkfaktoren für sicheres Arbeiten dar. Mit dem Sexkaufverbot einhergehende gesetzliche Regelungen verschärfen die gesellschaftliche Stigmatisierung von Sexarbeiterinnen noch und verhindern gegenseitige Unterstützung. So ist es in Schweden verboten, von den Einnahmen von Sexarbeiter*innen zu profitieren. Dies betrifft z.B. Vermieter*innen, Babysitter*innen und auch Sexarbeiter*innen selbst, die sich gegenseitig unterstützen.

Die mit dem Sexkaufverbot einhergehenden Regelungen verschärfen das Leben und Arbeiten von Arbeitsmigrant*innen in der Sexarbeit mit und ohne legalen Aufenthaltsstatus noch einmal deutlich. Die Folge eines Verbots wäre die mögliche Verwehrung der Einreise oder die Abschiebung. Migrant*innen würden noch häufiger als Opfer wahrgenommen werden, obwohl sie ohnehin schon als marginalisierte Gruppe an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Sexarbeit ist gesellschaftliche und soziale Realität in Deutschland. Sexarbeit ist Arbeit. Eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter*innen kann nicht durch Kriminalisierung, sondern durch die Stärkung ihrer Rechte und durch den Kampf gegen Stigmatisierung gelingen.

Das Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter fordert Sie deswegen auf:

Sexarbeit als Arbeit anzuerkennen

Deutschlandweit angelegte Anti-Stigmatisierungskampagnen zu fördern

Den Ausbau von Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen zu gewährleisten, die niedrigschwellig, ergebnisoffen und akzeptierend mit Sexarbeiter*innen arbeiten

Den Zugang für Sexarbeiter*innen zu Fachberatung, Gesundheitsberatung und gesundheitlicher Versorgung flächendeckend zu ermöglichen.

Wenn Sie Interesse haben mit uns ins Gespräch zu kommen, wenden Sie sich gerne an info@bufas.net zur Terminabsprache.

Freundliche Grüße
der Bufas Vorstand

1 Stellungsnahme des Deutschen Instituts für Menschenrechte „Prostitution und Sexkaufverbot“ vom 17.10.2019

2 https://www.amnesty.org.uk/policy-protect-human-rights-sex-workers-qa#Q7 (18.06.2020)

3 Susanne Dodillet, „Das schwedische Sexkaufverbot – beanspruchte Erfolge und dokumentierte Effekte“, Universität Göteborg.

Wer sind wir?

Wir sind eine Gruppe von Tänzer*innen, die neben- oder hauptberuflich im Bereich erotische Dienstleistung tätig sind und unseren Hauptarbeits- und Wohnsitz in Berlin haben. Mit dem BSC wollen wir ein Unterstützungsnetzwerk für Stripper*innen aufbauen und den Austausch unter Kolleg*innen fördern. Bisher sind die meisten von uns Migrant*innen, die schon in verschiedenen europäischen Städten gearbeitet haben. Bei der Gründung des BSC haben wir uns vom Erfolg des –> East London Strippers Collective inspirieren lassen – übrigens teilen wir auch ein Gründungsmitglied mit den englischen Kolleg*innen.

Warum haben wir uns zusammengeschlossen?

Die persönlichen Hintergründe, die Kolleg*innen in diesem Bereich mitbringen, sind vielfältig: Da gibt es die Studentin aus Süddeutschland, die ihre frivole Seite ausleben und dabei ihre Rechnungen zahlen möchte. Da ist die Künstlerin aus Australien, die sich durch das Strippen ihren Freiraum für andere Projekte finanziert. Die Ur-Berlinerin, die unter der Woche eine Ausbildung als Bürokauffrau macht und am Wochenende im Stripclub arbeitet, um ihr Einkommen aufzustocken. Die junge Mutter aus Rumänien, die jeden Monat ihre Einnahmen nach Hause schickt, um ihre Familie zu unterstützen.

Wir sind alle unterschiedlich, doch wir haben auch viel gemeinsam: Als Sexarbeiter*innen werden wir gerne von der Gesellschaft übersehen oder von den Medien in schlechtem Licht dargestellt. Viele von uns müssen ihre Arbeit im privaten Umfeld verstecken.

Leider ist der Austausch unter den Tänzer*innen in der Berliner Striptease-Szene bisher gering. Mit dem BSC wollen wir das ändern! Jeder und jedem von uns kann das Gefühl von Gemeinschaft, Solidarität und Unterstützung untereinander helfen. Indem wir uns austauschen und zusammen halten, können wir unsere Stimme in der Gesellschaft hörbar machen und für die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen und die Akzeptanz von Menschen aus der Sex- und Erotikarbeit kämpfen.

Was sind unsere Ziele?

  • Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Stripclubs und Tabledancebars
  • Akzeptanz und Entstigmatisierung unserer Tätigkeiten
  • Die Anerkennung von Striptease – nicht nur als Arbeit, sondern auch als Kunst!
  • eine stärkere Vernetzung untereinander: z.B. für Erfahrungsaustausch, Diskussion von Arbeitsweisen, Austausch über zusätzliche oder unabhängige Einkommensquellen, hilfreiche Tipps & Tricks für Einsteiger*innen usw.
  • gemeinsame Aktionen und Treffen
  • eine Plattform für Unterstützung und hilfreiche Angebote für Stripper*innen

Erste Initiativen des BSC

  • Life Drawing Sessions / Mal-Abende 

Seit seiner Gründung veranstaltet das BSC regelmäßige „Life Drawing Sessions“, Mal-Gelegenheiten der besonderen Art für Künstler*innen und alle, die gerne Menschen live zeichnen. Ob wir im klassischen Stripclub oder im queer-feministischen Nachtclub waren – das Echo auf die Aktion war jedes Mal extrem positiv. Ein BSC-Mitglied tanzt dabei an der Stange, während Kolleg*innen verschiedene Posen vorschlagen und zwischen den zeichnenden Gästen und ihrem Modell vermitteln. Zum Schluss inszeniert die Tänzerin oder der Tänzer einen Lapdance, der ebenfalls auf Zeichenpapier gebannt werden darf.

Die bisher sieben Veranstaltungstermine waren gut besucht und haben eine Menge Student*innen der Universität der Künste angelockt, die normalerweise wahrscheinlich eher selten in Kontakt mit Stripper*innen kommen – ein erster Erfolg in Sachen Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz. Aufgrund der Corona-Krise planen wir gerade, weitere Termine über Online-Streaming anzubieten. Sobald es so weit ist, —> findet ihr hier mehr.

  • „Ask a Stripper“ – Öffentliche Fragerunden

Seit seiner Veröffentlichung verbreitet der Hollywood-Film „Hustlers“ (2019) leider jede Menge negative Stereotype über Stripperinnen. Dem wollten wir entgegenwirken: Als der Film in Deutschland ins Kino kam, wurde das BSC von verschiedenen Kinos in Berlin eingeladen. Unsere Mitglieder standen nach den Vorführungen für offene Fragerunden im Publikum bereit, unter anderem auch im Soho House Berlin anlässlich des Internationalen Frauentags. So konnten wir zumindest einigen Kino-Besucher*innen ein realitätsnäheres Bild unserer Tätigkeit vermitteln, Stigmatisierung entgegenwirken und unsere Arbeit auch ein Stück weit „ent-sensationalisieren“. Motto: Sprecht mit uns, nicht über uns! 🙂

Weitere Aktionen sind bereits in Arbeit …

  • Vernetzung mit Veranstalter*innen in der Musik- und Partyszene

Ein wichtiges Thema im BSC ist der Zugang zu vielfältigeren und unabhängigen Einkommensquellen. Viele Stripper*innen tolerieren mangels Alternativen die teilweise schlechten Arbeitsbedingungen in der Branche. Einige von uns fahren hingegen bereits „mehrgleisig“ und sind auch in Betrieben außerhalb der klassischen Sexarbeit, zum Beispiel in Szeneclubs wie dem Kit Kat Club oder dem Kater Blau tätig. Der BSC will sich als Anlaufpunkt für verschiedene Veranstalter*innen und Clubs etablieren und unseren Mitgliedern die Sicht für Arbeitsmöglichkeiten außerhalb des „klassischen“ Stripclubs ermöglichen.

  • „Pop Up-Stripclub“

Die Idee ist, per spontan entstehendem Stripclub einem vielfältigeren Publikum das Stripclub-Konzept  und unsere Arbeit näher zu bringen. Langfristig suchen wir nach Wegen, einen Arbeitsplatz nach unseren eigenen Regeln zu realisieren: Ein Raum wo Kreativität und Innovation willkommen sind und Tänzer*innen, die das wollen, auch in unternehmerische Entscheidungen eingebunden sein können.

  • Gemeinsame Aktionen mit dem Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen

Sobald die Coronakrise vorbei ist und wir Menschen uns wieder persönlich näher kommen können, wünscht sich das BSC eine baldige Vernetzung und Zusammenarbeit mit dem BesD. Manche unserer Mitglieder sind auch in anderen Bereichen der Sexarbeit tätig oder daran interessiert. Obwohl reine Stripperinnen zum Beispiel nicht direkt nicht vom Prostituiertenschutzgesetz betroffen sind, verstehen viele von uns sich als Sexarbeiter*innen. Wir alle verkaufen erotische und sexuelle Fantasien – dass wir dies auf unterschiedliche Art und Weise tun, sollte uns nicht davon abhalten, zusammen zu halten!

Updates zum BSC

Hier  geht es —> zu unserer Website und —> Blogbeiträgen unserer Mitglieder. Um keine Neuigkeiten zu verpassen, kannst du hier  —> unsere Facebook-Seite abonnieren.

 


Dieser Beitrag stammt aus der Feder der Berliner Sexarbeiterin Trixie. Sie ist als Beirätin für Forschung & Wissenschaft im Berufsverband tätig und seit letztem Herbst auch Gründungsmitglied des —> Berlin Strippers Collective (BSC).

(c) Titelbild:  Ida Marie Tangeraas

KOK Policy Menschenhandel Flucht

Policy Paper »Flucht & Menschenhandel – Betroffene erkennen, unterstützen, schützen«

Der bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK e.V.) hat einen neuen Bericht über die Identifizierung von Opfern von Menschenhandel in Deutschland veröffentlicht. Hintergrund für diesen Bericht ist die Beobachtung, dass in den letzten drei Jahren die Zahl der Asylsuchenden in Europa stark angestiegen ist. Laut dem Bericht wurden in 2016 in Deutschland 745.545 Asylanträge gestellt, davon 34,3% von Frauen. Es wird auf Reportagen von der UNO hingewiesen, die berichten, dass viele Menschen auf der Flucht oft ausbeuterischen Situationen ausgesetzt und von Menschenhandel betroffen sind, jedoch bleibt die Identifizierung und Unterstützung der Betroffenen eine große Herausforderung. Hauptursachen hierfür wären eine fehlende Sensibilisierung der behördlichen Mitarbeiter*innen im Asylverfahren und ein Mangel an Wissen unter den Betroffenen über ihre Rechte in Deutschland.

Es wurden mehrere Interviews mit Mitarbeitenden bei verschiedenen KOK-Beratungsstellen für Opfer von Menschenhandel geführt, um herauszufinden, aus welchen Ländern die meisten Ratsuchenden kommen und welche Erfahrungen geschildert werden. Ein interessantes Ergebnis der Interviews ist, dass die Herkunftsländer der meisten Ratsuchenden zum Thema Menschenhandel in den Beratungsstellen sich nicht mit der Statistik vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu den Hauptherkunftsländern der Geflüchteten deckt. Laut dem BAMF sind Geflüchteten aus den drei Hauptherkunftstländern Syrien, Afghanistan und Irak häufig vor, während und nach der Flucht ausbeuterischen Situationen ausgesetzt, unter anderem sexueller Ausbeutung. Die Beratungsstellen berichteten hingegen, dass die meisten Fällen von sexueller Ausbeutung aus westafrikanischen Ländern, wie z.B. Nigeria kommen. Alle befragten Beratungsstellen berichteten von einem Anstieg der Fälle sexueller Ausbeutung seit 2015. Es werden dann Gründe präsentiert, wieso viel weniger Opfer von Menschenhandel aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak als aus Nigeria nach Hilfe gegen sexuelle Ausbeutung suchen und wie diese besser erreicht werden können.

Ein Grund, der ausführlich beschrieben wird, ist die fehlenden Informationen bei Betroffenen über ihre Rechte. Die meisten Asylsuchenden verfügen zum größten Teil nicht über ausreichendes Wissen zu ihren rechtlichen Möglichkeiten in Deutschland, obwohl nach den Bestimmungen der EU-Asylverfahrensrichtlinie, Geflüchtete einen Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung während des gesamten Asylverfahrens haben. Wenn Betroffenen nicht mal bewusst ist, dass sie rechtlich gegen ihre Ausbeuter vorgehen können, erzählen sie oft nicht von ihren Erfahrungen. Im Paper wird auch betont, dass viele aus Scham oder Verunsicherung ihre Fluchtgründe weder vor den Behörden noch vor den Sozialberater*innen offenlegen wollen. Was nicht im Paper behandelt wird und was für eine Folgestudie eventuell interessant wäre, ist die Frage, wie es kommt, dass Betroffene aus westafrikanischen Ländern eher als Betroffene aus anderen Ländern dazu neigen von ihrer sexuellen Ausbeutung zu erzählen. Vielleicht könnte aus einer Untersuchung dieser Tatsache etwas über die unterschiedliche Wahrnehmung und Erfahrung des Asylverfahrens verschiedener Herkunftsgruppen gelernt werden.

Zum Schluss werden sinnvolle (aber nicht unbedingt neuartige) Handlungsempfehlungen vorgeschlagen:
Die Betroffenen müssten irgendwie besser über ihre Rechte in Deutschland aufgeklärt werden, damit sie auf die Idee kommen eine Beratung in Anspruch zu nehmen.
Asylberater/innen müssten mehr sensibilisiert werden um Betroffene besser identifizieren zu können.
Die Vernetzung von Beratungsstellen und Flüchtlingsheime müsste verbessert werden.
Verkürzte Asylverfahren sollten nicht zu Lasten einer gerechten Anhörung gehen. Betroffene sollten auch bei einem beschleunigten Verfahren genug Ruhe und Zeit haben um „erlittene Menschenrechtsverletzungen als Asylgründe vorbringen zu können.“

Interessant sind die Nachteile eines beschleunigten Asylverfahrens, die im letzten Teil des Papers betont werden. Es wird sonst oft über die (zu) langen Asylverfahren berichtet, die Asylsuchende in eine aussichtslose Warteschleife ohne klaren Aufenthaltsstatus zwingen. Ein verkürztes Asylverfahren sollte dann eigentlich im Sinne der Asylbewerber*innen sein, aber wie im Paper ausgeführt wird, kann ein voreiliges Verfahren sogar Nachteile für Betroffene von Menschenhandel bringen.

Der BesD befürwortet eine bessere Unterstützung von Betroffenen von Menschenhandel zur Arbeits- oder sexuellen Ausbeutung und erkennt die Wichtigkeit der Wissensverbreitung bei den Betroffenen an. Wir fordern konkrete und hilfreiche Maßnahmen zum Schutz der Betroffenen von Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, anstelle von diskriminierenden Gesetzen zur Eindämmung der Sexarbeit.

Morgen am 1.7.2017 tritt das heftig umstrittene und viel kritisierte ProstituiertenSchutzGesetz in Kraft.

Bundesweit protestieren Mitglieder des neuen Bündnis „Sexarbeit ist Arbeit. Respekt!“ mit plakativen Aktionen. Auch der BesD ist Bündnispartener.

Die offizielle Presseerklärung gibt es hier zum Download: Presseerklärung 30.06.2017 Sexarbeit ist Arbeit BERLIN

by Freddy Strack

 

Berlin, 31.05.2017. Die Proteste gegen das neue „Prostituiertenschutzgesetz“ halten an. Am Freitag, dem 2.6., am internationalen Hurentag, finden folgende Veranstaltungen mit Unterstützung des Berufsverbandes erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. statt:

Berlin: Vorstellung der Kampagne SEXARBEIT IST ARBEIT. RESPEKT!

Pressekonferenz am 2. Juni 2017 um 11.00 Uhr

HUZUR Nachbarschaftstreffpunkt
Bülowstraße 94/ Ecke Frobenstraße
10783 Berlin.

Vollständige Einladung als pdf

Berlin: Prostituierte laden ein

Netzwerke von Prostituierten (ICRSE, Hydra e.V., BesD) (1) werden am Freitag, dem 2. Juni in Berlin-Kreuzberg auf einer öffentlichen Veranstaltung mit Podiumsdiskussion und Filmen ein Positionspapier zum neuen „Prostituiertenschutzgesetz“(2) veröffentlichen, das von den meisten Betroffenen als würdelos und als Zumutung gesehen wird.

2. Juni 2017
17.00 Uhr
bei Triq, Glogauerstr. 19, Berlin-Kreuzberg

Vollständige Einladung als pdf

Hamburg: Registrierungsbehörde am Hauptbahnhof

„Achtung, Sie betreten nun einen Sexarbeitsplatz! Haben Sie denn auch Ihren Hurenausweis dabei?“

Auf der St. Georg-Seite des Hauptbahnhofes, gegenüber dem Schauspielhaus, werden Aktivist_innen zwischen 11:00 Uhr und 14:00 Uhr eine „Registrierungsbehörde“ einrichten, „Hurenausweise“ ausstellen und interessierte Passanten als Hure oder Stricher „abstempeln“. Pressebegleitung erwünscht!

Ebenfalls am internationalen Hurentag wird im Bundesrat die „Verordnung über das Verfahren zur Anmeldung einer Tätigkeit als Prostituierte“ verkündet, die die Details zum Anmeldeverfahren regeln soll. Hier wurden bisher nicht einmal die von vielen Experten angemahnten Maßnahmen zur Schadensbegrenzung berücksichtigt, wie zum Beispiel den „Hurenpass“ optisch neutral zu gestalten, um die Gefahr eines zufälligen Outings geringer zu halten.

Wie in unseren schlimmsten Befürchtungen soll es sich um ein von jedermann lesbares Papierdokument handeln, das nicht nur ein biometrisches Lichtbild enthalten, sondern auch auf der Vorderseite den Text „Die Inhaberin/der Inhaber dieses Dokumentes hat eine Tätigkeit nach §3 ProstSchG angemeldet“ enthalten soll.

Bundesrat-Drucksachen

Unser Widerstand gegen diesen „Schutz“, der vielmehr eine Diskriminierung, Verletzung unserer Grundrechte und Gefahr für uns bedeutet, wird nicht nachlassen. Mitglieder des BesD und viele weitere Sexarbeiter_innen bereiten derzeit eine Verfassungsbeschwerde gegen das ProstSchG vor.

Infos zum „Prostituiertenschutzgesetz“

Gesetzestext

Verfassungsbeschwerde gegen das ProstSchG

Der BesD e.V. unterstützt den Spendenaufruf zur Finanzierung der Verfassungsbeschwerde, organisiert von Doña Carmen e.V.

Das Prostituierten-„Schutz“-Gesetz tritt zum 1.7.2017 in Kraft und wird die Rechte von Sexarbeiter*innen massiv einschränken. Es bestehen erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken, die im Rahmen einer Verfassungsbeschwerde geklärt werden müssen.

Helfen Sie uns Sexarbeiter*innen, für unsere Grund- und Menschenrechte zu kämpfen.

Spenden Sie jetzt!