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Neulich landete eine E-Mail in meinem Posteingang – eine Einladung zur Teilnahme an einer Diskussionsrunde mit dem Thema: „Warum Sexarbeit echte Arbeit ist“. Ich wurde gebeten, darüber mit zwei radikalen Feministinnen zu diskutieren. Beide unterstützen regelmäßig und lautstark das Schwedische Modell. Beide glauben, dass Sexarbeit bezahlte Vergewaltigung und Ausbeutung ist.

Ich hätte dort auftreten und erklären können, warum Arbeitsrechte für Sexarbeiter*innen lebenswichtig sind. Meine Stimme wäre gehört worden. Doch ich habe abgelehnt teilzunehmen.

Ich glaube nicht, dass Sexarbeiter*innen es Nicht-Sexarbeiter*innen schuldig sind, ihren Platz in der Welt und ihre Existenz zu rechtfertigen. Diese Art von Interessenvertretung wird nicht bezahlt, ist emotional belastend, zeitaufwendig und bewiesenermaßen sinnlos.

Talkshows oder Podiumsdiskussionen erlauben gar keinen Raum für tiefergehende Gespräche. Bei solchen Auftritten hat jeder nur wenige Minuten Zeit, um sich zu äußern. Es werden erfundene Statistiken über das Alter des Eintritts in die Sexindustrie oder Behauptungen über Menschenhandel heruntergerasselt. Innerhalb dieser kurzen Zeit ist es nicht möglich, Fakten zu überprüfen oder fundierte Gegenargumente vorzulegen.

Das ist besonders frustrierend, wenn die Gesprächspartner, wie in diesem Fall, keine „gelebte Erfahrung“ zu dem Thema Sexarbeit haben – sie also selbst keine Sexarbeiter*innen sind.

Wir sollen also Zeit und emotionale Ressourcen aufwenden, um Nicht-Sexarbeiter*innen gegenüber unsere Grundrechte zu verteidigen. Hierbei handelt es sich um eine Form der sogenannten „epistemischen Ausbeutung“. Der Widerwille gegen eine solche Ausbeutung ist der Grund, warum ich und viele andere Sexarbeits-Aktivist*innen nicht an entsprechenden Veranstaltungen teilnehmen wollen.

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Epistemische Ausbeutung: Was bedeutet das?

 

Der Begriff Epistemologie (auch bekannt als „Erkenntnistheorie“) bezeichnet das Studium des Wissens. Epistemische Ausbeutung ist die Ausbeutung von Wissen, Ressourcen oder Fähigkeiten einer Person mit bestimmten Wissen und Erfahrungen.
Die Philosophin Nora Berenstain argumentiert, dass es epistemisch ausbeuterisch ist, wenn Privilegierte von marginalisierten Gemeinschaften Beweise für ihre Unterdrückung verlangen.
Laut Berenstain findet epistemische Ausbeutung statt „wenn privilegierte Personen marginalisierte Personen zwingen, sie über die Natur ihrer Unterdrückung aufzuklären. [Es] ist gekennzeichnet durch nicht anerkannte, nicht vergütete und emotional anstrengende … epistemische Arbeit”.

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Die Energie der Aktivist*innen wird verbraucht und wir werden gezwungen, wiederholt unsere Daseinsberechtigung zu beweisen und zu erklären – statt uns auf unsere eigene Arbeit zu konzentrieren oder mit Sexarbeiter*innen zu arbeiten, die Unterstützung benötigen.

Warum sollte eine radikale Feministin eine Debatte mit mir oder einer anderen Sexarbeits-Aktivistin führen? Wenn sie nichts lernen wollen, warum sich dann die Mühe machen, überhaupt zu reden? Hier gehen Energie, Arbeit, Zeit und Ressourcen verloren, die besser für soziale Arbeit, gegenseitige Hilfe und Forschung werden könnten. Entweder glaubt man, dass Sexarbeiter*innen Menschen sind, die Arbeitsrechte verdienen, genauso wie jeder andere auch, oder man glaubt es nicht. Es gibt da keine Diskussion.

Was bei Podiumsdiskussion rund um Sexarbeit leider oft stattfindet:

  • Anstatt sich mit Fakten zu beschäftigen, wird – zum Beispiel mit unbewiesenen Behauptungen über die „Zuhälterlobby“ – die Glaubwürdigkeit von Sexarbeiter*innen und die Glaubwürdigkeit ihrer persönlichen Erfahrungen angegriffen.
  • Sexarbeiter*innen haben ein „Glaubwürdigkeitsdefizit“ gegenüber Gegner*innen und zum Teil auch gegenüber den Zuschauer*innen einer Debatte. Uns wird weniger geglaubt, weil wir zu einer Minderheit gehören, deren Erfahrungen oft nicht geglaubt werden. Menschen die KEINE Sexarbeiter*innen sind, wird eher Glauben geschenkt, auch wenn es um Sexarbeit geht.
  • Diese Gespräche setzen den Fokus oft auf die Bedürfnisse der privilegierten Gruppe, nicht auf die der unterdrückten Gruppe. Zum Beispiel indem argumentiert wird, dass Sexarbeit negative Auswirkungen auf Frauen hat, die keine Sexarbeiter*innen sind – „Strip Clubs führen zu mehr Gewalt“, „Männer werden denken, es sei okay, Frauen zu kaufen“, etc.
  • Sexarbeiter*innen wird in öffentlichen Debatten oft vorgeworfen, dass sie nicht repräsentativ für die Mehrheit seien. Unabhängig davon, dass Beweise zeigen, dass die Mehrheit nicht aus dem Menschenhandel kommt, nicht gezwungen wird und das Nordische Modell nicht will.

Immer wieder zu sprechen und dabei nie gehört zu werden, ist anstrengend und verletzend.

People of Colour, Trans*menschen und Menschen mit Behinderung kennen es schon lange – die ständige Erwartung ihnen gegenüber, die eigenen Rechte zu verteidigen und andere privilegiertere Gruppen über ihre Unterdrückung zu informieren. Damit kommt die Enttäuschung, Wut und Verletzung, wenn man zum wiederholten Mal nicht gehört wird.

Wenn radikale Feministinnen wirklich daran interessiert wären, über Sexarbeiter*innenrechte zu lernen, könnten sie sich selbst informieren. Anstatt uns immer wieder um eine kostenlose Weiterbildung zu bitten und dann unsere Erfahrungen klein zu reden oder zu leugnen.

Wenn Menschen wirklich den Wunsch haben zu lernen, gibt es so viele Ressourcen und Informationen da draußen. Ich glaube, diese Debatten mit Sexarbeits-Gegner*innen als eine Form der epistemischen Ausbeutung zu begreifen, kann uns helfen, neue Wege des Informationsaustauschs zu finden – mit denjenigen , die lernen wollen, aber auch bei der Auseinandersetzung mit Widerständen.


Dieser Text stammt von der ehemaligen Sexarbeiterin Victoria Bee. Die Doktorandin forscht derzeit an der Londoner Universität Roehampton zu häuslichen und familiären Gewalterfahrungen von Sexarbeiter*innen. Sie ist bei SWARM und beim English Collective of Prostitutes aktiv. Mehr Inhalte von ihr findest du in ihrem Twitter-Account und in ihrem Blog Forged Intimacies.

Mit Victorias Einverständnis haben wir ihren Originaltext Epistemic exploitation of sex workers, or why debates about sex work are never a good idea verkürzt, vereinfacht und dürfen ihn hier veröffentlichen. Vielen Dank für die super Übersetzung ins Deutsche an BesD-Mitglied Emilia Melusine (Website in progress) alias Emily TS (KM-Profil)!

Ende September lud das Orga-Team von Trans*Aktiv zu einer bundesweiten Tagung mit dem Thema „Möglichkeiten und Grenzen einer Trans*Politik in Deutschland“ – eine Gelegenheit zum Netzwerken, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Ich machte mich gemeinsam mit Caspar Tate, der sich neben dem Berufsverband für Trans*Sexworks engagiert, auf den Weg zur Akademie Waldschlösschen nach Göttingen. Leute, die Welt ist bunt und das Waldschlösschen ist wirklich schön. Also, wenn man sich als IT-Beauftragte einfach mal wegdenkt, dass es dort null Handyempfang gibt.

Insgesamt waren um die vierzig Teilnehmer*Innen vor Ort – nicht nur Menschen die selbst trans* oder inter sind, sondern auch allierte Cis-Menschen, die z.B. Eltern von trans*- oder intersexuellen Kindern sind. Die Atmosphäre war einfach schön, die Sprache angenehm inklusiv und es gab reichliche Angebote und Themen.

Da dies meine erste aber sicherlich nicht die letzte Teilnahme war, haben mich vor allem auch die Gespräche mit den Menschen und ihre Geschichten interessiert. Leider konnte ich nicht an allen Workshops teilnehmen, aber nur, weil ich zusammen mit Caspar selbst einen gehalten habe! Natürlich stieg am Ende die Technik aus und wir konnten die Präse nicht zeigen… Deswegen veröffentliche ich das mal hier: Präsentation „Sexarbeit und Trans“.

Alle Teilnehmenden engagieren sich an verschiedenen Orten und sind auf verschiedene Arten für die Rechte von Trans*- und Intermenschen aktiv – beraten, vertreten, kennen oder lieben sie.

Mich hat anfangs ein wenig gewurmt, dass alle Änderungen am Plan einstimmig im Plenum verabschiedet werden mussten. Basisdemokratie statt Mehrheitsmeinung war angesagt. Aber dann habe ich verstanden, warum dies hier sinnvoll ist. Wenn in einer Gruppe nur die Lauten bestimmen, gehen leisere Stimmen und Menschen die lieber mal zuhören schnell unter – und das kann nicht das Ziel sein. Wenn alle gehört und beachtet werden, haben wir alle was davon.

Natürlich waren auch amtliche Regelungen für Trans*- und Intermenschen in Deutschland Thema – diese ermöglichen (oder verunmöglichen) es in der Identität aufzutreten, in welcher man sich wirklich wohl und normal fühlt.

Rechtlich ist es absolut verbindlich, wenn ich einen Arbeitsvertrag mit Sarah Blume unterzeichne. Doch in amtlichen Dokumenten bin ich (noch) mit meiner männlichen Existenz eingetragen.

Das gilt zum Beispiel für die Rentenversicherung, die gesetzliche Krankenversicherung oder den Eintrag im Personenstandsregister. Seit 1998 bietet der Ergänzungsausweis der dgti e.V. Trans*- und Intermenschen die Möglichkeit, sich korrekt auszuweisen. Das bewahrt bei einer allgemeinen Personenkontrolle vor einem unfreiwilligem Outing. Der bundesweite Erlass der dahinter steht, gilt allerdings nur für Behörden – ich würde mir wünschen, dass daraus eine auf die Privatwirtschaft ausgeweitete Verordnung würde.

Dazu sei gesagt, dass seit meinem beruflichen Outing Ende 2019 keine meiner Arbeitgeber*Innen Probleme mit meiner weiblichen Existenz hatten oder haben. Aber leider läuft das nicht immer so.

Eine Verordnung würde jeden Betrieb verpflichten uns so anzunehmen, wie wir uns wohl und sicher fühlen. Wir hätten dadurch ein Stück Recht mehr gewonnen – ohne dass es Cis-Menschen auch nur im Mindesten schaden würde.

Wir wollen niemandem Rechte streitig machen oder wegnehmen, sondern benötigen einfach ebenfalls Rechte. Und, große Überraschung: Trotz der Ehe für Alle dürfen erstaunlicherweise auch Cis-Menschen immer noch heiraten.

Die meisten Trans*- und Intermenschen sind es leider gewohnt, im beruflichen und/oder familiären Umfeld mit Menschen umgehen zu müssen, die nicht wissen oder akzeptieren wollen, wo und wann eine Grenze überschritten wird.

Beim Trans*Aktiv-Treffen achtete hingegen jeder auf den anderen – allein das machte es für mich zu einer sehr angenehmen Veranstaltung. Klar gab es auch ein paar hitzige Diskussionen, aber bei Meinungsverschiedenheiten gelang es eigentlich immer sachlich zu bleiben. Wenn es doch mal persönlich wurde, reichten wenige Signale und wer über die Stränge geschlagen hatte, wusste sofort, was Sache war und nahm sich zurück.

Amtliche Regelungen sind das eine – die Akzeptanz von Trans*- und Intermenschen ist eine ganz andere Baustelle.

Ich habe nach meinem Coming-Out Blut geleckt und mich in die politische Arbeit gestürzt. Für den BesD sitze ich als Trans*-Vertretung am „Runden Tisch Prostitution“ in Köln. Ich habe mich als „Sachkundige Einwohnerin“ in den Ausschuss „Gesundheit und Inklusion“ beworben. Gerade „quäle“ ich mich durch die Niederungen der Partei „Die Linke“, um für diesen ganzen Zauber bestens vernetzt und vertreten zu sein. Und wer weiß, vielleicht lächelt mich mein Gesicht mal von einem Wahlplakat an?

Ich finde es extrem wichtig, für die Rechte von Trans*- und Intermenschen zu kämpfen. Wir mögen zwar eine relative Minderheit in der Gesellschaft sein, aber wir sind dennoch Teil der Gesellschaft. Wir gehen arbeiten, zahlen Steuern, hüten unsere Brut. Alltag eben.

Einige Menschen sagen zu uns, dass wir nicht normal seien. Und nicht nur meine Antwort darauf lautet: „Ja, ich bin nicht normal, aber ich bin auf dem Weg dorthin“.

 


Dieser Text stammt von der Kölner Sexarbeiterin Sarah Blume, Trans*-Beirätin und IT-Beauftragte beim BesD e.V. Mehr von ihr liest du auf ihrem Blog sarah-blume.de.

Anfang März 2020 gründete der Berufsverband den BesD Nothilfe Fond, um die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise auf Sexarbeitende ein wenig zu mildern. Die deutschlandweite Schließung aller Prostitutionsstätten, Arbeitsverbote, der Rückgang der Nachfrage und ein steigendes Risiko der Arbeitsausübung stürzten auf einen Schlag eine ganze Branche in die Krise. Ein großer Anteil an Sexarbeiter*Innen hat gleichzeitig keinen Zugriff auf staatliche oder andere finanzielle Hilfsangebote.

Die gute Nachricht – Die viele Arbeit hat sich gelohnt

Wir danken von ganzem Herzen allen Spender*Innen – ihr habt es ermöglicht! Dank eurer Spenden konnten wir rund 126.000 Euro an knapp 400 Sexarbeiter*Innen in akuten Notsituationen weitergeben.

Die schlechte Nachricht – Das Geld ist alle, aber die Krise dauert an

Nun, über 4 Monate später, spitzt sich die Lage sogar weiter zu. Trotz der Erarbeitung von Hygienekonzepten für selbstständige Sexarbeit und für Prostitutionsbetriebe, verzweifelter Aufrufe an die Landesregierungen, großer Social-Media-Aktionen zum Internationalen Hurentag und öffentlicher Demonstrationen und Proteste, gibt es keine Corona-Lockerungen für Sexarbeiter*Innen und ihre Arbeitsplätze bleiben geschlossen.


Dringend gesucht: Spender*Innen und Verbündete

Bis eine Verbesserung der Lage eintritt, wird die Zahl derjenigen Sexarbeiter*Innen, die weiter auf niedrigschwellige Unterstützung angewiesen sind, leider nicht weniger. Um weiter helfen zu können, benötigen wir weitere Spenden und bleiben auf der Suche nach Unterstützer*Innen , die gemeinsam mit uns den Nothilfe Fonds am Leben halten können.

Neben privaten Spender*Innen suchen wir geeignete Ansprechpartner*Innen z.B. von Stiftungen, die weiterhelfen könnten und wollen. Du hast Tipps oder gar einen persönlichen Kontakt für uns? Bitte melde dich bei unserer Mitarbeiterin Tamara unter tamara@besd-ev.de oder +49 179 416 7883 (sms, whatsapp, telegram, signal)


Eine Flut an Anträgen – Zur Organisation innerhalb des BesD

Zwei Ansprechpartner*Innen aus dem Verband, die sich mit besonders viel Erfahrung im Umgang mit Sozialarbeiter*Innen und marginalisierten Gruppen aus dem Bereich der Sexarbeit auszeichnen, erklärten sich bereit, rund um die Uhr für die Prüfung und Weiterverarbeitung der täglich eintreffenden Anträge auf Nothilfe zu sorgen. Gemeinsam wurden Abläufe konzeptioniert, ein Logo entworfen, Texte geschrieben, der Fonds wurde innerhalb der Sexworker-Community sowie auf Social Media und anderen Kanälen beworben. Angesichts der großen Anzahl an Anträgen bildeten wir ein Komitee aus drei Sexworkern und drei externen Berater*Innen mit entsprechender Expertise, das nach dem Mehrheitsprinzip über Anträge entschied.

Lebensmittel, Medikamente, Notunterkünfte – Zur Verteilung des Geldes

Eine Beantragung fand entweder über den Direktkontakt oder über eine Vermittler*In – z.B. über Beratungsstellen und/oder aufsuchende Sozialarbeiter*Innen – statt, die im Namen der von ihnen vertretenen Sexworker Kontakt aufnahmen. Fast alle Anträge an den Fonds wurden mit „persönlichem Bedarf und Bedarf nach Lebensmittel“ begründet. In ergänzenden Gründen ging es am häufigsten um die Beschaffung von Medikamenten und/oder medizinische Versorgung, um die Versorgung von Kindern vor Ort und/oder in einem anderen Herkunftsland, sowie um die Kosten von Notunterkünften beziehungsweise Wohnverhältnissen ohne legalen Mietvertrag.

Wer erhält Geld aus dem Fonds?

Die Möglichkeit, Geld aus dem BesD Nothilfe Fonds zu erhalten, haben Personen, bei denen alle folgenden Sachverhalte zutreffen:

● finanzielle Notsituation (insb. in Folge des Corona-Arbeitsverbots)
● Tätigkeit in der Sexarbeit (insb. wenn die Gesamtheit oder der Großteil der Einnahmen aus der Sexarbeit erwirtschaftet wird, z.B. bei hauptberuflichen Sexworkern)
● derzeitiger Aufenthalt in Deutschland
● derzeit kein Erhalt von Soforthilfen von Bund oder Land

Sie werden – womöglich anlässlich der Corona-Pandemie – gebeten, einen Aufruf gegen Prostitution („Sexkaufverbot“) zu unterzeichnen? Bevor Sie das tun, hier ein kleiner Faktencheck.

Köln, 27. Juni 2020

(Die kursiven Passagen stammen aus einem Schreiben, das Prostitutionsgegner:innen im Mai 2020 an die Ministerpräsident:innen aller Bundesländer geschickt haben.)

1. Es dürfte zum einen auf der Hand liegen, dass Prostitution die epidemiologische Wirkung eines Super-Spreaders hätte.
Nein, das ist reine Mutmaßung, für die es keinerlei Anhaltspunkte gibt. Super-Spreading-Ereignisse wurden bisher vor allem für Gottesdienste, Fleischverarbeitung, Traditions- und Familienfeiern berichtet. All das dürfte dann auch nicht wieder zugelassen werde. Die GSSG geht davon aus, dass die meisten Begegnungen in der Sexarbeit zwischen jeweils zwei Personen stattfinden, was ein denkbares Infektionsgeschehen überschaubar hält. Im Übrigen sind professionelle Sexdienstleistende auch Profis für den Umgang mit Infektionen, wie die Forschungslage am Beispiel von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) zeigt.

2. Social Distancing ist i.d.R. mit sexuellen Handlungen nicht vereinbar.
Das klingt zunächst korrekt, gilt allerdings auch für alle privaten, also nicht bezahlten sexuellen Handlungen. Die GSSG weist ausdrücklich darauf hin, dass das Gestalten einer selbstbestimmten Sexualität zu den Menschenrechten gehört und prinzipiell der Gesundheit förderlich ist.

3. Bei Nachverfolgung der Ansteckung dürfte dieser Kontakt oftmals verschwiegen werden.
Je stärker Prostitution tabuisiert und stigmatisiert wird, desto eher wird diese Behauptung zutreffen. Daher sollten die Menschen in der Sexarbeit nicht durch weitere Verbote kriminalisiert werden, sondern durch Rechtssicherheit gestärkt werden. Übrigens: Rund die Hälfte aller Freier hat keine private Beziehung.

4. Wir halten die Zustände in der Prostitution für die dort Tätigen in der großen Mehrzahl der Fälle für menschenunwürdig, zerstörerisch und frauenfeindlich. Entgegen einem weit verbreiteten Klischee sind die meisten Prostituierten (v.a. osteuropäische oder afrikanische Frauen) keinesfalls freiwillig in der Prostitution, sondern wurden und werden getäuscht, erpresst und bedroht.
Wo immer dies der Fall ist, muss energisch dagegen vorgegangen werden. Dafür reichen die bestehenden Gesetze prinzipiell aus: Ausbeutung, Erpressung, Bedrohung – all das sind Straftaten, die als solche verfolgbar sind. Zudem ist die Behauptung, es handele sich „um eine große Mehrzahl“ ist nicht belegt. Eine ganze Branche mit derzeit 33.000 registrierten Sexarbeitenden wegen unbelegter Vermutungen unter Generalverdacht zu stellen, ist keinesfalls zielführend. Im Gegenteil: Je attraktiver eine legale und gesicherte Arbeit in der Prostitution ist, desto weniger attraktiv ist sie für ausbeuterische, kriminelle und gesundheitsgefährdende Strukturen.

5. Wie Freier denken und handeln, die ihr vermeintlich erkauftes Recht auch gegen erkennbaren Widerwillen und Ekel durchsetzen und die Frauen demütigen, lässt sich beispielsweise in Freierforen nachlesen, in denen Freier die „Ware“ Frau und ihre „Dienstleistung“ bewerten.
Die GSSG warnt davor, einzelnen Äußerungen aus Internet-Foren gesellschaftsbildende Funktion zuzuschreiben. Vermeintlich abwertende Äußerungen in Freierforen lassen nicht automatisch auf Missachtung von Frauen im allgemeinen Leben schließen. Hier gilt es wie bei allen Themenforen, doppelt zu differenzieren: Sprache im Internet und Haltung im wahren Leben korrelieren nur sehr bedingt. Und wer eine bestimmte Formulierung für frauenverachtend hält, kennt sich womöglich einfach nur nicht mit dem Fachjargon aus.

6. Eine Entschließung des Europäischen Parlaments fordert Deutschland dringend dazu auf, die geltende gesetzliche Regelung zu revidieren.
Die „Entschließung“ des EU-Parlaments aus dem Jahr 2014 blieb aus gutem Grund lediglich eine „nicht bindende Resolution“. Sie basiert auf einem Bericht der Britin Mary Honeyball, dessen Faktenbasis als nicht gesichert, sondern als politisch motiviert gilt.

7. Zu authentischen Berichten von Polizisten, Aussteigerinnen und (echten) Hilfsorganisationen verweisen wir auf die beigefügten Links.
Dramatische Fallbeispiele sind (sofern zutreffend) selbstverständlich bedauernswert und streng zu ahnden. Aus ihnen müssen jedoch die richtigen Konsequenzen gezogen werden – und das sind nach Auffassung der GSSG weder eine Diskreditierung, noch eine Stigmatisierung und schon gar nicht eine Kriminalisierung bezahlter Sexualität. Sondern Rechtssicherheit, Stärkung der Betroffenen und die Beseitigung von Armut.

8. Vieles spricht für die Einführung des Nordischen Modells, mit dem erstmals in Schweden der Sexkauf unter Strafe gestellt wurde.
Ein „Nordisches Modell“ gibt es nicht, alle Staaten Nordeuropa haben unterschiedliche Gesetzgebungen zur Prostitution. Aus Sicht der GSSG spricht nichts für ein Verbot bezahlter Sexualität – im Gegenteil. Solche Verbote bewirken nachweislich eine Verschlechterung der Bedingungen. Das gilt im Übrigen auch für andere prohibitionistische Regelungen, die wir aus Schweden kennen. Der dort gesellschaftlich akzeptierte, restriktive Umgang z.B. mit Alkohol passt nicht zu den Public-Health- Ansätzen, mit denen die Bundesrepublik spätestens seit dem Beginn der HIV-Epidemie in den 1980er Jahren gute Erfahrungen macht.

Die Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit (GSSG) entwickelt und fördert seit 2007 vorrangig Projekte im Bereich „Sexual Health and Rights“. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf gesundheitlicher Aufklärung. Die Stiftung arbeitet mit Expert:innen aus aller Welt zusammen. Sie betrachtet Sexarbeit auch als Aufgabenfeld, um das Recht auf sexuelle Gesundheit zu schützen. Deshalb setzt sich die Stiftung für die Rechte von Sexarbeiter:innen und ihren Kund:innen ein. Dafür klärt sie auf, forscht und bezieht Stellung in öffentlichen Debatten zu Sexarbeit. Die Stifterin der GSSG, Harriet Langanke, begleitete als Sexualwissenschaftlerin an der Universität Malmö, Schweden, zehn Jahre lang ein Forschungsprojekt über Kunden von Sexarbeiterinnen.

Hier findet sich der Faktencheck der GSSG online.

Zum Internationalen Hurentag starten der Berufsverband und Bufas am 2. Juni die Aktion #RotlichtAN – mit Treffen vor Ort, einer öffentlichen Online-Gesprächsrunde und auf Social Media. 

Jährlich wird am 2.Juni dem Protest jener Prostituierten gedacht, die 1975 in Lyon eine Kirche besetzten, um auf ihre schlechten Lebens-und Arbeitsbedingungen hinzuweisen. Doch noch heute leiden die in den vielfältigen Bereichen der Sexarbeit tätigen Menschen unter Strafmaßnahmen des Staates, kriminalisierender Gesetzgebung (z.B. Sexkaufverbot, Schwedisches Modell) und gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Hurentag 2020: Wir machen das #RotlichtAN!

Unter dem Hashtag #RotlichtAN vereint der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD e.V.) gemeinsam mit dem Bündnis der Fachberatungsstellen für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter (Bufas e.V.) und weiteren Kooperationspartnern, Aktionen zum diesjährigen Hurentag.

Am 2. Juni finden bundesweit Events vor Ort statt, die unter der Beachtung der derzeitig nötigen Vorsichtsmaßnahmen stattfinden und zu denen Sexarbeiter*innen,  Unterstützer*innen, interessierte Menschen sowie Vertreter*innen der Presse herzlich willkommen sind. So organisieren Beratungsstellen, Betriebe und Künstler*innen unter anderem in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Bielefeld und Nürnberg Betriebsbesichtigungen, Kunstausstellungen oder Mahnwachen. Auf der –> #RotlichtAN-Seite des BesD findet sich eine Übersicht aller regionalen Veranstaltungen.

Online-Fragerunde zum diesjährigen Hurentag

Auch online ist einiges los: Der BesD veranstaltet ab 18:30 Uhr mit –> „Ask a Sexworker“ eine frei zugängliche Gesprächsrunde auf Zoom, in der mehrere Sexarbeiter*innen Fragen beantworten und einen Einblick in ihre Arbeits- und Lebenswelt geben. Wer mit in der Sexarbeit tätigen Menschen sprechen und mehr über Sexarbeit erfahren will, hat hier die Gelegenheit dazu. Der Teilnahme-Link wird am Veranstaltungstag auf der Website des BesD veröffentlicht.

Social-Media-Aktion mit Hashtag #RotlichtAN

Nicht nur Sexarbeitende sind eingeladen, Flagge zu zeigen: Jeder der ein Zeichen „Für legales Arbeiten – gegen Sexkaufverbot“ setzen will, kann sich an der Social-Media-Aktion #RotlichtAN beteiligen und den Hashtag posten, auf das eigene Profilbild setzen und/oder –> uns schicken und auf der BesD-Website veröffentlichen. 

Der diesjährige Hurentag findet im Zeichen der Corona-Krise statt. Seit März diesen Jahres sind Menschen, die in Deutschland der Sexarbeit nachgehen, von einem Arbeitsverbot im Rahmen der Corona-Maßnahmen betroffen. Während Nachbarländer die Sexarbeit bereits wieder zulassen – die Schweiz ab 6. Juni, Österreich ab 1. Juli –  und Arbeitnehmer und Selbstständige in anderen körpernahen Branchen in Deutschland sich über erste Lockerungen freuen, heißt es für Sexarbeitende hier noch: Warten.

Corona: Forderung nach Gleichbehandlung von Sexarbeit

Unsere Arbeitsplätze bleiben nach wie vor geschlossen und auch Selbstständigen ist die Wiederaufnahme der Arbeit noch nicht erlaubt. Viele Sexarbeitende sind von Armut bedroht und hoffen seit mittlerweile zwei Monaten auf echte  Hilfen und Unterstützung seitens des Staates. Der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen hat bereits ein  –> Hygiene-Konzept für die Lockerung der Corona-Maßnahmen vorgelegt und fordert eine Gleichbehandlung von Sexarbeit mit anderen Branchen – während und nach der Corona-Krise.

Virtuelles Geschenk von Kaufmich.com

Kaufmich.com aktiviert virtuelles Geschenk zum Hurentag – ein Drittel der Einnahmen geht an die Spendenkasse des Berufsverbands für Sexworker.


Viele von uns verbringen während der Corona-Krise mehr Zeit im Internet als üblich, weshalb Online-Kontakte an Wichtigkeit gewonnen haben. Erotische und sexuelle Dienstleistungen sind ebenfalls vermehrt im Netz zu finden und auch der virtuelle Kontakt zwischen Sexarbeiter*innen und ihren Kund*innen hat zugenommen.

Online-Dienstleistungen werden wichtiger

Im Berufsverband tauschen wir uns intensiv über aktuelle Probleme und alternative Geschäftsmodelle aus. Inzwischen orientieren sich viele Kolleg*innen gerade in Richtung Online-Sexwork.

-> Kaufmich.com ist eine in Deutschland von sowohl Sexarbeiter*innen als auch Kund*innen gerne genützte Plattform. Wie in anderen Foren, stehen den Usern hier „virtuelle Geschenke“ zum Kauf zur Verfügung.

Virtuelle Geschenke sind kleine Bilder, die das Profil der Beschenkten verschönern und zusätzlich für ein Lächeln sorgen. Teddys, Rosen und Küsschen, ebenso wie Kondome und Lollypops stehen zur Auswahl. Diese werden zur Kontaktaufnahme eingesetzt, sind augenzwinkernde Interessens-Bekundungen oder einfach kleine Komplimente eines Verehrers oder einer Verehrerin.

Corona trifft Sexarbeiter*innen hart

Online-Kommunikation macht Spaß und Sexarbeit am Laptop hat seinen Reiz. Trotzdem ist klar: Die Corona-Zeit macht das Leben für die meisten Sexarbeiter*innen gerade verdammt schwer. Die Einnahmen von normalen Treffen brechen weg. Das Risiko der Arbeitsausübung ist ebenfalls gestiegen. Dienstleister*innen und Kund*innen sind durch die Krise verunsichert und wissen nicht, wie es weitergeht.

Die Plattform Kaufmich.com unterstützt zum diesjährigen Hurentag die Arbeit des BesD mit einer besonderen Geschenk-Aktion. Das Symbol, das ab 2. Juni einen Monat als virtuelles Geschenk auf der Plattform zum Kauf erhältlich ist, zeigt einen Händedruck, der die Solidarität mit Sexarbeiter*innen bildlich darstellt. Von jedem Verkauf geht ein Drittel an die Spendenkasse des Berufsverbands.

Geschenk von Kaufmich.com

Austausch und Workshops beim BesD

Die BesD-Community steht auch in Corona-Zeiten deutschlandweit im Austausch. Unsere Mitglieder treffen sich im eigenen Forum, dazu in unserer Telegram-Gruppe und auch in Videochats. Wir veranstalten Online-Workshops von Sexworkern für Sexworker: Hier können Kolleg*innen neue Fähigkeiten lernen, ihr Wissen auffrischen und somit ihr Angebot an die derzeitige Situation anpassen.  –> Hier erfährst Du mehr zu einer Mitgliedschaft beim BesD. 

Du bist selbst nicht in der Sexarbeit tätig, möchtest aber den Berufsverband unterstützen? Dann wirf einen Blick auf unsere neue Fundraising-Aktion –> „Meet a Sexworker“.

Das Europäische Netzwerk für die Rechte und Gesundheit Migrantischer Sexarbeiter*innen (TAMPEP) ist in höchster Alarmbereitschaft. Die Pandemie ist für alle besorgniserregend – doch für migrantische Sexarbeiter*innen und Sexarbeiterinnen im Allgemeinen sind deren Auswirkungen bereits jetzt katastrophal.

Migrant*innen und bereits von Armut betroffenen Menschen in der Sexarbeit haben trotz der jetzigen Krise nach wie vor vor nur mangelhaften Zugriff auf öffentliche und staatliche Mittel und Schutzmaßnahmen. Ihnen droht vielerorts der Verlust ihrer Existenzgrundlage und Obdachlosigkeit, außerdem herrscht eine berechtigte Angst vor der Durchsetzung von Einwanderungsbestimmungen. 

Es ist wichtig, weiterhin die Strukturen in Frage zu stellen, die migrantischen Sexarbeiter*innen den Zugang zu finanzieller, gesundheitlicher und sozialer Unterstützung – die anderen zur Verfügung steht – verwehren. Im Licht der Corona-Krise ruft TAMPEP Regierungen in ganz Europa dazu auf,  folgenden dringenden Maßnahmen für den Schutz migrantischer Personen nach zu kommen:


  • Gewährleistung des Zugangs zur Gesundheitsversorgung

–  die Aufhebung aller anfallenden Gebühren betreffend der Gesundheitsversorgung
–  die sofortige Aussetzung des Datenaustausches mit Einwanderungsbehörden und anderen Strafverfolgungsbehörden
–  eine öffentliche Informationskampagne, die vermittelt, dass Gesundheitsleistungen für alle Migrant*innen und alle potentiell kriminalisierten Communities verfügbar und sicher zugänglich sind
  • Gewährleistung des Zugangs zu allen wesentlichen öffentlichen Dienstleistungen

– Aussetzung von Rechtsklauseln, die migrantischen Personen den Zugriff auf öffentliche Mittel, z.B. für Obdachlosenhilfe oder die Zuweisung von Sozialwohnungen verwehren ( No Recourse to Public Funds, NRPF)
–  Fachliche Unterstützung sowie Zugang zu medizinischen Dienstleistungen und Tests für in Gemeinschaftsunterkünften untergebrachte Personen, darunter viele migrantische und Wander-Sexarbeiter*innen, die aufgrund der Schließung ihrer Arbeitsplätze obdachlos geworden sind
–  Gewährleistung, dass niemand der versucht, Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und Gesundheitsversorgung zu erhalten, für die Ausübung kriminalisierter Arbeit bestraft wird
  • Verlängerung oder Anpassung von Aufenthaltsbestimmungen und Visa

–  Gewährleistung, dass niemand aufgrund von Selbstisolation oder Reisebeschränkungen wegen Verstößen gegen das Aufenthaltsrecht bestraft wird
–  Freilassung aller Personen, die derzeit aufgrund von Einwanderungsverboten inhaftiert sind – dies verringert außerdem das Risiko, dass COVID-19 in die Haftanstalten gelangt und vermeidbare Schäden verursacht
  • Sicherstellung, dass alle Personen, die auf Einkommen aus der Sexarbeit angewiesen sind, in finanzielle Nothilfemaßnahmen mit einbezogen werden – unabhängig von den jeweiligen Sexarbeit betreffenden Gesetzen.


Die Zusammenarbeit von Sexworker-Organisationen, Aktivist*innen, Verbündeten und Menschenrechtsorganisationen im Kampf gegen das Corona-Virus, sehen wir als ein wichtiges Zeichen der Widerstandsfähigkeit und Verbundenheit unserer Community in Krisensituationen. Es ist ebenso wichtig, dass weiterhin über die nationalen und internationalen Auswirkungen der Pandemie auf Sexarbeiter*innen, sowie die Unterstützungsbemühungen der von Sexarbeiter*innen geleiteten Organisationen berichtet wird.

Gerade jetzt hängt das Überleben vieler Menschen von unserer Fähigkeit ab, diejenigen unter uns zu schützen, die Schutz am nötigsten haben.

Mit einem gleichberechtigten Zugang für alle zu öffentlicher und staatlicher Unterstützung können wir die Auswirkungen von COVID-19 gemeinsam verringern.  Mehr denn je ist es daher jetzt an der Zeit, uns zusammen zu schließen und den Forderungen nach dem Schutz von Migrant*innen und migrantischen Sexarbeiter*innen Nachdruck zu verleihen.


Quelle: Migrants Sex Workers Rights in Light of Coronavirus (20.03.2020)

Das Europäische Netzwerk für die Rechte von Sexarbeiter*innen (ICRSE) fordert die nationalen Regierungen auf, dringend zu handeln, um sicherzustellen, dass Sexarbeiter*innen zusammen mit ihren Familien und Gemeinschaften während der COVID-19-Pandemie Zugang zum sozialen Sicherheitsnetz haben.

Diese Pandemie zeigt mit äußerster Dringlichkeit, wie Sexarbeiter*innen unter prekären Umständen ins Abseits und an den Rande der Gesellschaft gedrängt werden. Im Gegensatz zu anderen Arbeitnehmern können viele Sexarbeiter*innen auf keinerlei Schutz und Unterstützung zählen.

Während immer mehr Länder Sperren, Quarantäne und Reisebeschränkungen verhängen, verlieren viele Sexarbeiter*innen den größten Teil oder ihr gesamtes Einkommen. Sie sind dadurch finanziellen Schwierigkeiten, erhöhter Verwundbarkeit, Armut oder Obdachlosigkeit ausgesetzt. Dass Sexarbeit in vielen Ländern kriminalisiert wird bedeutet auch, dass viele Sexarbeiter*innen nicht die Möglichkeit haben, auf das soziale Sicherheitsnetz zurück zu greifen, das für andere Arbeitnehmer sehr wohl vorgesehen ist, z. B. Krankengeld.

Viele Sexarbeiter*innen kommen aus Gemeinschaften, die bereits einem hohen Grad an Marginalisierung und sozialer Ausgrenzung ausgesetzt sind. Dazu zählen in Armut lebende Menschen, Migrant*innen, Flüchtlinge, Transsexuelle und Drogenkonsument*innen.

Gerade Sexarbeiter*innen ohne alternative Unterstützungsmöglichkeiten, die in ihrer Familie die Hauptverdiener sind, kämpfen jetzt um ihr Überleben. Sie sind in Gefahr, in noch unsicherere und gefährlichere Situationen gezwungen zu werden.

Sexarbeiter*innen in verschiedenen europäischen Ländern berichten von:

  • Drastischen Einkommensverlusten
  • Schließung von Arbeitsplätzen
  • Mangel an finanziellen Mitteln zur Deckung der Grundbedürfnisse, zur Unterstützung von Familienmitgliedern und Angehörigen
  • Unmöglichkeit, Zugang zu öffentlichen Gesundheitsdiensten zu erhalten, die ihre Aktivitäten eingestellt oder eingeschränkt haben
  • Erhöhter Druck, während der Arbeit Risiken einzugehen, um das Einkommen zu sichern

Der ICRSE befürwortet die Bemühungen der Regierungen, die Übertragung des Virus zu kontrollieren. Doch wenn Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit eine der am stärksten marginalisierten Gruppen nicht berücksichtigen, gefährdet dies den Gesamterfolg dieser Bemühungen.  

Der ICRSE fordert von den Regierungen:

  • Sofortige, angemessene und leicht zugängliche finanzielle Unterstützung in der Krise
  • Ein Stopp der Zwangsräumungen und die Bereitstellung von Notunterkünften
  • Die Bildung eines Schutzschild zwischen Einwanderungsbehörden und Gesundheitsdiensten – zum Schutz von Sexarbeiter*innen ohne Papiere, die medizinische Versorgung benötigen
  • Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Sexarbeiter*innen, unabhängig von ihrem Einwanderungsstatus

Diese beispiellose Krise erfordert eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen allen Bereichen der Gesellschaft, einschließlich den am stärksten ausgegrenzten. Alle Maßnahmen im Zusammenhang mit Sexarbeit müssen . auf den Grundsätzen der öffentlichen Gesundheit und der Menschenrechte beruhen und  in Absprache mit Sexarbeiter*innen und ihren Vertretungen entwickelt werden, um negative Auswirkungen gering zu halten.

Bei Sofortmaßnahmen und Hilfsmaßnahmen müssen die Regierungen sicherstellen, dass sie auch die Arbeitnehmer*innen erreichen, die aus dem offiziellen Wirtschaftsleben ausgeschlossen sind. Nur durch die Einbeziehung von Sexarbeiter*innen haben Regierungen die Chance, die Pandemie zu begrenzen und schließlich auch zu beenden.

 


Quelle: Erklärung zu Covid-19 und seinen Auswirkungen auf Sexarbeiter*innen —> „COVID19 ICRSE STATEMENT“ (18.03.2020)

Wer sind wir?

Wir sind eine Gruppe von Tänzer*innen, die neben- oder hauptberuflich im Bereich erotische Dienstleistung tätig sind und unseren Hauptarbeits- und Wohnsitz in Berlin haben. Mit dem BSC wollen wir ein Unterstützungsnetzwerk für Stripper*innen aufbauen und den Austausch unter Kolleg*innen fördern. Bisher sind die meisten von uns Migrant*innen, die schon in verschiedenen europäischen Städten gearbeitet haben. Bei der Gründung des BSC haben wir uns vom Erfolg des –> East London Strippers Collective inspirieren lassen – übrigens teilen wir auch ein Gründungsmitglied mit den englischen Kolleg*innen.

Warum haben wir uns zusammengeschlossen?

Die persönlichen Hintergründe, die Kolleg*innen in diesem Bereich mitbringen, sind vielfältig: Da gibt es die Studentin aus Süddeutschland, die ihre frivole Seite ausleben und dabei ihre Rechnungen zahlen möchte. Da ist die Künstlerin aus Australien, die sich durch das Strippen ihren Freiraum für andere Projekte finanziert. Die Ur-Berlinerin, die unter der Woche eine Ausbildung als Bürokauffrau macht und am Wochenende im Stripclub arbeitet, um ihr Einkommen aufzustocken. Die junge Mutter aus Rumänien, die jeden Monat ihre Einnahmen nach Hause schickt, um ihre Familie zu unterstützen.

Wir sind alle unterschiedlich, doch wir haben auch viel gemeinsam: Als Sexarbeiter*innen werden wir gerne von der Gesellschaft übersehen oder von den Medien in schlechtem Licht dargestellt. Viele von uns müssen ihre Arbeit im privaten Umfeld verstecken.

Leider ist der Austausch unter den Tänzer*innen in der Berliner Striptease-Szene bisher gering. Mit dem BSC wollen wir das ändern! Jeder und jedem von uns kann das Gefühl von Gemeinschaft, Solidarität und Unterstützung untereinander helfen. Indem wir uns austauschen und zusammen halten, können wir unsere Stimme in der Gesellschaft hörbar machen und für die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen und die Akzeptanz von Menschen aus der Sex- und Erotikarbeit kämpfen.

Was sind unsere Ziele?

  • Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Stripclubs und Tabledancebars
  • Akzeptanz und Entstigmatisierung unserer Tätigkeiten
  • Die Anerkennung von Striptease – nicht nur als Arbeit, sondern auch als Kunst!
  • eine stärkere Vernetzung untereinander: z.B. für Erfahrungsaustausch, Diskussion von Arbeitsweisen, Austausch über zusätzliche oder unabhängige Einkommensquellen, hilfreiche Tipps & Tricks für Einsteiger*innen usw.
  • gemeinsame Aktionen und Treffen
  • eine Plattform für Unterstützung und hilfreiche Angebote für Stripper*innen

Erste Initiativen des BSC

  • Life Drawing Sessions / Mal-Abende 

Seit seiner Gründung veranstaltet das BSC regelmäßige „Life Drawing Sessions“, Mal-Gelegenheiten der besonderen Art für Künstler*innen und alle, die gerne Menschen live zeichnen. Ob wir im klassischen Stripclub oder im queer-feministischen Nachtclub waren – das Echo auf die Aktion war jedes Mal extrem positiv. Ein BSC-Mitglied tanzt dabei an der Stange, während Kolleg*innen verschiedene Posen vorschlagen und zwischen den zeichnenden Gästen und ihrem Modell vermitteln. Zum Schluss inszeniert die Tänzerin oder der Tänzer einen Lapdance, der ebenfalls auf Zeichenpapier gebannt werden darf.

Die bisher sieben Veranstaltungstermine waren gut besucht und haben eine Menge Student*innen der Universität der Künste angelockt, die normalerweise wahrscheinlich eher selten in Kontakt mit Stripper*innen kommen – ein erster Erfolg in Sachen Sichtbarkeit und gesellschaftliche Akzeptanz. Aufgrund der Corona-Krise planen wir gerade, weitere Termine über Online-Streaming anzubieten. Sobald es so weit ist, —> findet ihr hier mehr.

  • „Ask a Stripper“ – Öffentliche Fragerunden

Seit seiner Veröffentlichung verbreitet der Hollywood-Film „Hustlers“ (2019) leider jede Menge negative Stereotype über Stripperinnen. Dem wollten wir entgegenwirken: Als der Film in Deutschland ins Kino kam, wurde das BSC von verschiedenen Kinos in Berlin eingeladen. Unsere Mitglieder standen nach den Vorführungen für offene Fragerunden im Publikum bereit, unter anderem auch im Soho House Berlin anlässlich des Internationalen Frauentags. So konnten wir zumindest einigen Kino-Besucher*innen ein realitätsnäheres Bild unserer Tätigkeit vermitteln, Stigmatisierung entgegenwirken und unsere Arbeit auch ein Stück weit „ent-sensationalisieren“. Motto: Sprecht mit uns, nicht über uns! 🙂

Weitere Aktionen sind bereits in Arbeit …

  • Vernetzung mit Veranstalter*innen in der Musik- und Partyszene

Ein wichtiges Thema im BSC ist der Zugang zu vielfältigeren und unabhängigen Einkommensquellen. Viele Stripper*innen tolerieren mangels Alternativen die teilweise schlechten Arbeitsbedingungen in der Branche. Einige von uns fahren hingegen bereits „mehrgleisig“ und sind auch in Betrieben außerhalb der klassischen Sexarbeit, zum Beispiel in Szeneclubs wie dem Kit Kat Club oder dem Kater Blau tätig. Der BSC will sich als Anlaufpunkt für verschiedene Veranstalter*innen und Clubs etablieren und unseren Mitgliedern die Sicht für Arbeitsmöglichkeiten außerhalb des „klassischen“ Stripclubs ermöglichen.

  • „Pop Up-Stripclub“

Die Idee ist, per spontan entstehendem Stripclub einem vielfältigeren Publikum das Stripclub-Konzept  und unsere Arbeit näher zu bringen. Langfristig suchen wir nach Wegen, einen Arbeitsplatz nach unseren eigenen Regeln zu realisieren: Ein Raum wo Kreativität und Innovation willkommen sind und Tänzer*innen, die das wollen, auch in unternehmerische Entscheidungen eingebunden sein können.

  • Gemeinsame Aktionen mit dem Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen

Sobald die Coronakrise vorbei ist und wir Menschen uns wieder persönlich näher kommen können, wünscht sich das BSC eine baldige Vernetzung und Zusammenarbeit mit dem BesD. Manche unserer Mitglieder sind auch in anderen Bereichen der Sexarbeit tätig oder daran interessiert. Obwohl reine Stripperinnen zum Beispiel nicht direkt nicht vom Prostituiertenschutzgesetz betroffen sind, verstehen viele von uns sich als Sexarbeiter*innen. Wir alle verkaufen erotische und sexuelle Fantasien – dass wir dies auf unterschiedliche Art und Weise tun, sollte uns nicht davon abhalten, zusammen zu halten!

Updates zum BSC

Hier  geht es —> zu unserer Website und —> Blogbeiträgen unserer Mitglieder. Um keine Neuigkeiten zu verpassen, kannst du hier  —> unsere Facebook-Seite abonnieren.

 


Dieser Beitrag stammt aus der Feder der Berliner Sexarbeiterin Trixie. Sie ist als Beirätin für Forschung & Wissenschaft im Berufsverband tätig und seit letztem Herbst auch Gründungsmitglied des —> Berlin Strippers Collective (BSC).

(c) Titelbild:  Ida Marie Tangeraas

A. The corona-virus in Germany

  • The risk to the health of the general population currently estimated by Robert Koch Institute: high
  • The risk to the health of people belonging to risk groups currently estimated by Robert Koch Institute: very high
  • Number of confirmed infections in Germany: 108.202
  • Number of confirmed deaths  due to Corona in Germany: 2.107

—> Daily updated case numbers in the federal states and worldwide.


B. The situation for sex workers in Germany

Since mid-March, all prostitution facilities, brothels and similar establishments in Germany have been closed. According to the German government, all services close to the body that are not medically necessary are currently prohibited. In addition, many federal states and cities have explicitly banned all forms of prostitution. In our work we cannot keep a distance from our guests. Therefore the risk of infection is very high for us.

We understand that any kind of sex work with customer contact is prohibited until further notice.  The BesD e.V. recommends sex workers in Germany to temporarily stop any activities that bring them into physical contact with clients.

  • In the case of a violation of the current ban on prostitution, sex workers are threatened with disproportionately high fines – the BesD strongly opposes this. More about this in -> our press release.
  • The BesD has successfully initiated a lifting of the ban on overnight stays in brothels during the Corona period. More about this in -> our press release.
  • For sex workers* who fall through all safety nets and are not entitled to state aid, we have created the -> BesD Emergency Fund – you can find out more under „D. Financial Assistance“.

We know, of course, that many of our colleagues do not have sufficient savings and are urgently dependent on their income from sex work. Read more under „D. Financial Assistance“.

If you don’t see any other option and continue to meet customers in person, find a few tips to reduce your risk further down in this article under „E. Precautions“.


C. What is important to know now

As in other countries, we in Germany are currently trying to delay the spread of the virus with all our strength and a concerted effort from society. On the one hand, this is intended to protect people to whom the corona virus can be particularly harmful. On the other hand, it is essential to avoid overloading the health system as long as possible. The situation is serious.

The time gained will be used to develop protective measures for particularly vulnerable groups, increase treatment capacities and develop antiviral drugs and vaccines.

  • We don’t want to get sick ourselves.
  • We do not want our customers to get sick.
  • Together we want to protect people for whom an infection can be particularly dangerous. We work and live together with many of them.

Particularly at risk are people who:

  • have a chronic disease (e.g. cardiovascular diseases, diabetes and diseases of the respiratory system, liver and kidney as well as cancer)
  • are over 55 years old

Take special care, if you:

  • live together with people over 55 years old
  • live together with people suffering from chronic diseases

If you feel sick and suspect you’ve been infected:

Contact the health department in your area by telephone – regardless of whether you have health insurance or not. You can find the addresses and telephone numbers of the health departments at www.gesundheitsaemter-deutschland.de. Alternatively, you can also contact the hotline of the Independent Patient Advisory Service Germany or google your local Corona Hotline.

To reduce social contacts:

As part of the measures to restrict social contacts, citizens in Germany are required to reduce contacts with other people outside the members of their own household to an absolutely necessary minimum. Here you can find the current guidelines of the government. Stay at home if possible. 

Hygiene:

It is very important to practice good hand hygiene, cough and sneeze properly and to avoid close contact. The main transmission route of the viruses is happening via mucous membranes (mouth, nose, eyes) or indirectly via hands, which are then brought into contact with the mucous membranes. It helps to regularly wash your hands/use disinfectants and to avoid touching your own face. The most important tips for hygiene can be found at the website of infektionschutz.de (here is a direct download of information graphic in English).


D. Financial Assistance

The BesD is in close contact with counselling centres as well as local and national authorities. HERE you can find our constantly updated overview on state financial aid for sex workers.


If you are not entitled to basic income support or other state aid and are in an emergency situation:

Contact a counselling centre for sex workers in your town or region. They can refer you to the right places. You can find the addresses and telephone numbers of many of these counselling centres at www.bufas.net/mitglieder.

If state aid is not applicable, the counsellors can apply for a grant from the BesD Emergency Fund for you, or you can contact our team yourself via notfallfonds@besd-ev.de.

It does not matter whether you are registered, or what your residence status is. Neither a „whore passport“ nor a membership with BesD is necessary to apply for help from our fund.


With a percentage of uninsured, already poor people and people without residence status, sex workers are hit particularly hard in the current crisis. Many of foreign sexworkers have been residing in brothels –  since their sudden closure, many of them are homeless. They cannot return to their home countries at the moment as there are entry stops and in most cases there is no money for an unplanned trip anyway.

We also have a high percentage of people in sex work, who have just enough money  to pay for food and rent. There is a percentage of survival sexwork.  Combining lack of a personal financial emergency fund and the lack of entitlement to state benefits means, that even now, as the crisis is coming to a head, some people still have to engage in sex work and look for customers on the street or on the internet. The poorest of the poor are in existential difficulties due to the current crisis. They need immediate financial help to secure housing and food. In the current situation, no sex worker should (have to) continue to work out of money pressure and thus endanger her- or himself and others!

Therefore we have created the BesD Emergency Fund. All donations go to sex workers in emergency situations, who are not entitled to state aid. Please follow THIS LINK or click on the picture below, to learn more on how you can help.


E. Precautions for sex workers

What sex workers, who see no other possibility than to meet customers in person, should be aware of:

  • Never accept clients with a cold, cough or other cold symptoms. If you notice that a customer has symptoms, decline the job.
  • Wash your hands thoroughly with soap for at least 30 seconds or use an antiviral disinfectant spray on your hands.
  • Ensure that each guest first washes their hands with soap for at least 30 seconds or, if necessary, uses an antiviral disinfectant spray on their hands.

F. Alternative earning opportunities

Webcamming, phone and direct chats as well as the sale of adult content (photos, videos) on platforms, where no physical contact takes place, are obvious choices within the industry. An exemplary selection of platforms are: adultwork, streamate, Big7, my dirty hobby, onlymevip, chaturbate, sexpanther or adulttime.

In our members‘ forum we exchange information about alternative earning opportunities and support each other. Here you can fill out the membership application form easily, anonymously and online – we also have a free trial membership.


G. More information

If you can read German, you can find the daily updated information – as well as all currently available answers to questions about the coronavirus and how to deal with it – on these official sites: Government | www.infektionsschutz.de. There are english versions of all articles from the Robert Koch Institute. In this (german) podcast Christian Drosten, Head of Virology at the Charité hospital in Berlin, provides daily updates on new developments.

Difference to influenza and other viruses:

  • In contrast to seasonal influenza viruses, there is still no basic immunity to the new corona virus in the population.
  • A specific therapy or vaccination directed against the corona virus is not yet available.
  • More people can become infected more quickly.
  • Particularly vulnerable groups are protected neither by drugs nor by vaccination.
  • Depending on the spread of the infection, the available capacities and the countermeasures taken, a high burden on the health care system may arise.
  • The symptoms of coronavirus differ from a cold/flu in that coronavirus is often accompanied by fever and dry cough, but rarely by a dripping nose.

In the long run, the corona virus – like the already known flu – will occur worldwide. The individual risk of falling seriously ill in the event of an infection still seems to be low. However, we now know that an infection with the new virus poses a higher risk, especially for the elderly and people with chronic illnesses, and increasingly leads to severe disease progression.

State of Research:

The danger of an infection draws its threat mainly from the fact that no immunity to it yet exists in our species. A specific therapy or vaccination against the novel coronavirus is not currently available, but international research – among others between the Health Security Committee of the EU, the Global Health Security Initiative of the G7 and CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations) – is working hard to develop a vaccine and research more about the virus.