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Der Beschluss der Bundesregierung für einen neuen Lockdown ist gefallen. Das Zauberwort lautet nun nicht mehr Systemrelevanz, sondern diesmal heißt es „Freizeitaktivitäten einschränken“. Für Prostitutionsstätten gilt dies genauso wie für Kinos, Restaurants, Sportvereine usw.

Ab dem 2.11. werden nun alle Freizeiteinrichtungen geschlossen für vier Wochen. Die Betonung liegt hier auf ALLE. Wir befürchten jedoch, dass es bei den Wiedereröffnungen dieses ALLE nicht mehr geben wird und die Sexarbeitsbranche wie beim letzten Mal ausgenommen wird.

Wir mussten uns nach dem ersten Lockdown in jedem Bundesland durch die Instanzen klagen, um das Geschäft wieder aufnehmen zu dürfen. Erst die Gerichte sorgten für Sachlichkeit und Gleichbehandlung. Unsere Branche steht grundsätzlich unter Generalverdacht, doch entgegen der Annahmen funktionieren die Corona-Maßnahmen bei uns gut.

Mundschutz, Unterarmlänge zwischen den Köpfen und auch die Kontaktdaten sind durchsetzbar – sogar besser als wir selber erwartet haben. Für den Straßenstrich wurde zum Beispiel in Köln ein Hygienekonzept entwickelt: Die Sexarbeitenden schreiben Autokennzeichen, Uhrzeit und ihren Namen auf und werfen diesen Zettel in einen Briefkasten der dortigen Beratungsstelle.

Unsere Branche hat ihren Beitrag geleistet, und so möchten wir auch behandelt werden, wenn es um die Auflösung der Schließungen geht.

Ein weiteres Problem unserer Branche ist, dass wir über einen sehr hohen Anteil an Menschen verfügen, die durch alle Maschen der sozialen Netze durchfallen. Diese leben oft von der Hand in den Mund und waren schon beim letzten Shutdown gezwungen illegal weiter zu arbeiten.

Der Berufsverband hatte hier sehr schnell reagiert und einen Nothilfefonds eingerichtet. In Zusammenarbeit mit Beratungsstellen wurden fast 150.000 Euro ausgeschüttet um die schlimmste Not zu lindern. Der Topf ist leer, und es ist eigentlich eine Schande, dass hier unser Verband eingreifen muss, was eigentlich Aufgabe des Staates sein sollte. Genau diese Bedürftigen trifft das erneute Arbeitsverbot extrem hart.
Unser Nothilfe-Fond kann HIER unterstützt werden.

Eine Regierung, die gegen sämtliche Expertenmeinungen sogenannte ProstituiertenSchutzGesetze verabschiedet, lässt die zu Schützenden in Krisen alleine.

Kommentar von  Johanna Weber (politische Sprecherin des BesD)


Nachfragen

Politik: Johanna Weber  –> johanna@besd-ev.de | +49 (0)151 – 1751 9771
Presse: Andre Nolte –> presse@besd-ev.de | +49 (0) 30 61 65 27 57

Bei allen Lockerungen vielerorts ist für manche Kolleg*innen noch immer kein Ende des Arbeitsverbots in Sicht! 

Wir unterstützen daher den Appell des BSD, sich an der Unterschriften-Aktion „Bordelle öffnen! Sexarbeit gleichstellen!“ zu beteiligen. Bitte teilt dazu diesen Link mit allen Sexarbeitenden und Unterstützer*innen:

—-> https://sexarbeit-gleichstellen.de/ 

Trotz der positiven Berichte aus anderen Bundesländern und der mittlerweile seit vielen Monaten vorhandenen Hygienekonzepte, ist die Sexarbeit in Mecklenburg-Vorpommern und Hessen nach wie vor gänzlich verboten.

In anderen Bundesländern bestehen teils schwere Einschränkungen, zum Beispiel für den Straßenstrich in Niedersachsen. Jene Bundesländer, die immer noch kein Einsehen zeigen, fordern wir auf, endlich der Ungleichbehandlung ein Ende zu setzen und den Sexarbeitenden Perspektiven zu bieten.

Auch ungerechte Einschränkungen der Sexarbeit, die für andere körpernahe Dienstleistungen NICHT gelten, müssen ein Ende finden!

Eine präzise Übersicht über die laufend aktualisierten Verordnungen bezüglich des Gewerbes findet sich auf der Website von Dona Carmen und auf unserer Corona-Hilfeseite.

Durch die Corona-Krise ist deutlich geworden, dass Sexarbeit in Deutschland noch weit von einer breiten gesellschaftlichen und politischen Anerkennung entfernt ist. Nach beinahe 6 Monaten Arbeitsverbot, bleibt trotz Lockerungen ein bitterer Nachgeschmack von Ausgrenzung und Diskriminierung. Einige Bundesländer bestehen nach wie vor auf ein mit Corona begründetes Verbot. Gerade jetzt dürfen wir nicht müde werden, für die Rechte von Sexarbeitenden und die Anerkennung von Sexarbeit zu kämpfen.

Aktion 1: Mahnwache vor dem Tagungsort des „Bündnis Nordisches Modell“
Beginn: 26. September; 11:00 Uhr
Ort: Langer Grabenweg 68, 53175 Bonn (vor Gustav Stresemann Institut)

Bereits im Mai versuchte eine kleine Gruppe aus Bundestagsabgeordneten auf dem Rücken der Corona-Maßnahmen ein dauerhaftes Sexkaufverbot zu forcieren. Wie so oft wurden die Stimmen von Sexarbeitenden dazu ignoriert oder gar nicht erst gehört. (—> siehe Stellungnahme)

Dieses Wochenende trifft sich das „Bündnis Nordisches Modell“ im GSI – der Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung von Prostitutionsgegner*innen, die gemeinsam auf „ein Umdenken in der deutschen Prostitutionspolitik“ hinwirken und „eine Welt ohne Prostitution“ durchsetzen wollen. Unter anderem nehmen mit Leni Breymaier und Elisabeth Winkelmeier-Becker zwei Mitglieder des deutschen Bundestags, die Vorständin von Terre des Femmes sowie die EMMA-Chefredakteurin Alice Schwarzer an der Veranstaltung teil.

Mit einer schweigenden Mahnwache und der Projektion von Videostatements von Sexarbeitenden protestieren wir gegen diese sexarbeitsfeindliche Veranstaltung, in der Nicht-Prostituierte sich über unsere Köpfe hinweg über unser Leben, unsere Arbeit und unsere Existenz zu entscheiden anmaßen.

–> Hier ist der persönliche Brief einer Sexarbeiterin an dass Gustav Stresemann Institut bezüglich der Veranstaltung zu lesen.

Aktion 2: Versammlung am Straßenstrich in der „Immenburg“
Beginn: 26. September; 14:00 Uhr
Ort: Ecke Immenburg Straße / Jonas-Cahn-Straße, 53121 Bonn

Neben einigen Redebeiträgen machen wir gemeinsam mit Mitarbeitenden von Beratungsstellen für Sexarbeitende und der Deutschen AIDS-Hilfe auf die Gefahren eines Sexkaufverbots aufmerksam.
Einzelne Statements aus verschiedenen Bereichen werden wir nach Form einer buddhistischen Gebetsflagge aufhängen und für Umstehende sichtbar machen.

Wir thematisieren die Arbeitsrealität, Bedürfnisse und Rechte von Sexarbeitenden – ob im Laufhaus oder auf dem Straßenstrich. Für Pressegespräche und Foto-Gelegenheiten stehen wir sowohl abseits der Mahnwache als auch bei der anschließenden Versammlung am Straßenstrich gerne zur Verfügung – bitte wenden Sie sich bei Fragen an unseren Presse-Ansprechpartner:

Andre Nolte 
+49 (0) 30 61 65 27 57
presse@besd-ev.de

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein renommiertes Unternehmen wie Ihres, das Events rund um politische Bildung veranstaltet, hat bestimmt auch immer wieder kontroverse Gäste. Ich vermute aber, dass Sie einige aus guten Gründen trotzdem nicht zulassen würden, wie zum Beispiel die AfD.

Umso mehr verwundert mich die Veranstaltung die am kommenden Wochenende bei Ihnen stattfindet – die „Tagung der abolitionistischen Personen, Vereine und Parteien Deutschland 2020“. 

Bei dem Wort Abolitionismus denken Sie sicher zunächst an die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei und Befreiung von People of Color in den USA. Die bei Ihnen tagenden „Abolitionist*Innen“ haben sich hingegen die „Befreiung“ von allen in der Prostitution arbeitenden Frauen auf die Fahne geschrieben – ihnen geht es um die (vermeintliche) Abschaffung der Prostitution. Hier handelt es sich nicht nur um eine anmaßende Aneignung eines Begriffs , sondern auch um übelstes Schubladen-Denken, das alle Prostituierte aus ihrer Tätigkeit „retten“ will, ob sie wollen oder nicht.

Ich gehe mal davon aus, dass Sie nur den „Schutz“-Gedanken dieser Vereinigung auf dem Schirm haben – nichtsahnend, dass hinter den sogenannten „abolitionistischen“ Forderungen in Wahrheit eine komplett abwertende Einstellung zu Bereichen der Sexualität steckt. Es stimmt: Vordergründig möchten diese Menschen Prostituierten aus gegebenenfalls prekären Situationen helfen. Das ist erst mal sehr löblich.

Doch statt die Rechte von Betroffenen zu stärken, fordern sie „eine Welt ohne Prostitution“ und wollen in Deutschland ein Sexkaufverbot einführen. Und das jeglichen Erkenntnissen von Beratungsstellen und Sozialarbeiter*innen zum Trotz.

Ich selber bin Betroffene, ich bin freischaffende Künstlerin und Prostituierte. Ich möchte beide meiner Berufe weiterhin in der Legalität ausüben können. Dazu gehört nicht nur das Musizieren bzw. Sexarbeit sondern gegebenenfalls auch die Möglichkeit, offizielle Konzertsäle bzw. Bordelle benützen zu können! Sicher kann ich heimlich und illegal musizieren oder sexuelle Dienstleistungen einfach auf der Straße anbieten, aber meine Lebens-Qualität, Sicherheit und meine Rechte leiden dann erheblich – das stellt keine Alternative dar.

Das sogenannte Schwedische oder Nordische Modell, das an diesem Wochenende unter Ihrem Dach beklatscht wird, hilft keinem, außer dem „Gewissen“ der Moralapostel.

Die Erfolge des Sexkaufverbots in Schweden sind sehr fraglich, nicht ausreichend wissenschaftlich belegt und stehen auch nicht in Übereinstimmung mit den Berichten von Menschen, die in Schweden in der Sexarbeit tätig waren oder sind.

Dass die vermeintlichen „Retter*innen“ von (marginalisierten) Prostituierten im Falle eines wirklich eintretenden Arbeitsverbots für diese nicht viel mehr als leere Worte haben,  haben wir ja jetzt in der Corona Krise mitbekommen. 

Es wurde sich von diesen Stellen nicht ein Deut um Sexarbeiter*innen gekümmert die, aus welchen Gründen auch immer, durch das soziale Raster gefallen sind. Wir vom Berufsverband BesD e.V. hingegen haben einen Hilfsfond ins Leben gerufen der, einzig finanziert aus Spendengeldern, an den 400 Menschen aus der Sexarbeit in dieser schweren Zeit aus der Bredouille geholfen hat. Mich würde interessieren, ob die Redner*innen bei dem Kongress etwas zur Unterstützung und Hilfe von Menschen vorbereitet haben, zum Beispiel jenen, die in der Sexarbeit sind aber gerne umsteigen würden. Umschulungsprogramme für Prostituierte gibt es leider immer noch viel zu wenige –  hier wären vielleicht auch mal die Arbeitsämter gefragt!

Die angeprangerten Straftaten, die oft mit dem Sexarbeits-Gewerbe in Zusammenhang gebracht werden, sind bereits jetzt schon juristisch belangbar und bedürfen keinerlei weiterer Gesetze. Als da wären: Menschenhandel, Abhängigkeiten, Ausbeutung, miserable Unterbringungsmöglichkeiten etc. Weitere Straftaten, die oft in Zusammenhang mit Prostitution genannt werden, wie Zuhälterei, Vergewaltigung, Nötigung etc. sind ebenso verfolg- und strafbar.

Sämtliche Fachstellen für Migration, Menschenrechte, Ausländerrecht etc warnen vor Einschränkungen und Verboten der Branche.

Nur in der Legalität kann gegen prekäre Missstände vorgegangen werden. Siehe auch das Beispiel der Tönnies Schlachtereien in Gütersloh dieses Frühjahr! Übrigens: Schaut man sich die offiziellen Statistiken des Bundeskriminalamt (BKA) an, so haben alle diese Verbrechen seit der endgültigen Legalisierung der Prostitution im Jahre 2002 kontinuierlich abgenommen, in den letzten 5 Jahren haben sie sich sogar halbiert! Zuhälter sind so gut wie ausgestorben – braucht kein Mensch mehr, da man sich ja nun ganz legal in entsprechende Etablissements einmieten kann.

Kein Mensch darf wegen seiner Sexualität ausgegrenzt oder verfolgt werden.

Das war auch bei den homosexuellen & queeren Menschen so, die lange Zeit auch stigmatisiert und in die Illegalität getrieben wurden, zum Teil sogar verfolgt, bestraft und sogar getötet worden sind. Deutschland hat sich davon zum Glück losgesagt, in Polen und Ungarn geht man gerade wieder tausend Schritte zurück ins Mittelalter, was hierzulande mit Ächtung gestraft wird und sogar bei der Politik angekommen ist. Hoffen wir, dass sich die LGTBQ-Bewegung auch dort durchsetzt.

Das sehen nicht nur ich und meine Kolleg*inen vom BesD e.V. so, sondern auch folgende Institutionen:

Deutsche Aidshilfe e.V.
Deutscher Frauenrat e.V.
Deutscher Juristinnenbund e.V
Diakonie Deutschland
Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.
Dortmunder Mitternachtsmission e.V. Beratungsstelle fr Prostituierte, Ehemalige und Opfer von Menschenhandel
contra e.V. Kiel Fachstelle gegen Frauenhandel in Schleswig-Holstein
Die SPD Schleswig Holstein
Die CDU Nordrhein-Westfalen hat soeben einen offiziellen Antrag eingereicht GEGEN dieses Modell des Sexkaufverbotes
Amnesty International
Menschenhandel-Heute,
Der bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel
uvm.

Für weitere Informationen zu diesem Thema empfehle ich Ihnen meinen gut recherchierten Blogbeitrag mit den entsprechenden Links zu den oben genannten Mitstreiter*innen.

Mit freundlichen Grüßen

Mechthild HEXENGEIGE Janda alias MadameKALI


Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein persönliches Anschreiben der Sexarbeiterin Madame Kali an das Stresemann-Institut in Bonn, anlässlich der Tagung des „Bündnis Nordisches Modell“ am 26./27. September 2020. 

Datum: 25.09. + 26.09.2020
Check-In: Jeweils ab 18 Uhr
Veranstaltungsbeginn: 19 Uhr (Einlass jederzeit möglich)
Veranstaltungsort: Kampnagel
Adresse: Jarrestraße 20, 22303 Hamburg-Winterhude
Preis: 12 Euro (Tickets sind hier noch verfügbar)
PROGRAMM-FLYER

Das Thema des diesmal im Hamburg stattfindenden „Markt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen“ lautet: „Coronäische Zeiten – über Zustände, Strategien und Körper in der Krise“. Die BesD-Vorständin, ehemalige Sexarbeiterin und TAMPEP-Vorsitzende Susanne Bleier-Wilp wurde zum diesjährigen „Markt“ in Hamburg als Expertin eingeladen.

Nach wie vor gibt es aufgrund von Corona teilweise ein Berufsverbot für Sexarbeiter*innen, das auch Escort und erotische Massagen betrifft. Obwohl schon früh Hygienekonzepte entwickelt wurden, wird Sexworker*innen nachgesagt „Superspreader“ zu sein – und erst recht seien sie nicht systemrelevant. Am Wochenende stellt sich Bleier-Wilp den Fragen der Besucher*Innen und teilt die Sorgen und Strategien der internationalen, heterogenen Sexwork-Community.

Bei der von der Mobilen Akademie Berlin organisierten Veranstaltung  bieten bis zu 100 vorrangig lokale Expert*innen aus verschiedenen Bereichen und Disziplinen ihr Wissen in 30-minütigen Vieraugengesprächen an Einzeltischen an. Das Publikum kann entweder Dialoge mit den Expert*innen führen oder per sogenanntem „Markt-Radio“ über Kopfhörer in ausgewählte Gesprächen hineinhören .

Zwischen intimer Unterhaltung und konzentriertem Austausch einerseits und öffentlicher Unterhaltung andererseits, soll so ein gemeinsamer Diskurs- oder Kommunikationsraum entstehen, in dem Lernen und Verlernen, Wissen und Nicht-Wissen, auf nicht-institutionellem Weg ihren Besitzer wechseln.

Am besten drückt es der Satz von Oswald Wiener aus, der über jedem der Märkte auf einem Transparent zu sehen ist: Erst wie ich hörte wie du mich verstehst, wusste ich, was ich gesagt habe. 

Unter dem Künstlernamen Ron Hades bin ich seit knapp drei Jahren in der Sexindustrie tätig. Mein Schwerpunkt liegt im Bereich Dominanz und Bondage – ich bezeichne mich selbst als „Sensual Sadist“ und „Meditative Bondage Master“.

Ich bin auf den erotischen Einsatz von Seilen, insbesondere Shibari, spezialisiert. Sadismus und Intimität gehen für mich dabei Hand in Hand.

Die meisten Menschen, die meine Zeit buchen, wollen eine etwas andere Art der Intimität erleben oder kennenlernen, die über die „klassische“ Sexualität hinausgeht. Bei sinnlicher Dominanz kann es um vieles gehen – zum Beispiel darum Sinne zu intensivieren, Demütigung zu erfahren, Kontrolle abzugeben, körperliche Überwältigung, Dirty Talk, …

Solche BDSM-Sessions sind für mich persönlich nicht nur beruflich sondern auch privat ein fester Bestandteil meiner Sexualität und ausschlaggebend dafür, dass ich mich wohl und entspannt fühle.

Als Corona kam und ich plötzlich nicht mehr arbeiten konnte, war das deshalb nicht nur finanziell ein Schlag für mich.

„Dank“ rassistischer Vorurteile traf mich die Flaute unglücklicherweise sogar ein wenig früher als meine Kolleg*Innen – ich habe asiatische Wurzeln und bekanntlich hatte das neue Virus in China seinen Ursprung. Die letzten Monaten waren schwer, die staatlichen Hilfen reichten gerade zum Überleben.

Am 08.08.2020 traten in Berlin die Corona-Lockerungen in Kraft – das BDSM-Studio in dem ich mich einmiete, durfte seine Türen wieder öffnen und ich durfte endlich wieder arbeiten.

Erlaubt waren und sind derzeit „erotische Dienstleistungen mit Happy End“ – aber „ohne Geschlechtsverkehr und Gesichtsnähe“! Eine ungewohnte Situation.

In den Sessions mit meinen Gästen hatte ich zwar nur selten „normalen“ Sex, aber bisher jede Menge körperliche Nähe. Wie meine Kolleginnen und Kollegen musste ich mir nun also überlegen, ob und wie meine Arbeit im Rahmen des Hygienekonzepts stattfinden kann.

Ehrlich gesagt war ich anfangs sehr skeptisch. Kann hier noch eine erotische Stimmung aufkommen, mit Abstand halten und Mund-Nasen-Schutz?

Nach über einem Monat Wieder-Arbeiten kann ich sagen: Das ist nicht nur „machbar“ – es funktioniert sogar richtig gut! Kurz nachdem ich wieder Werbung schalten durfte, kamen die ersten Gäste auf mich zu – ein Pärchen. Wir besprachen die neuen Regeln und wie sich die Session dadurch verändern würde.

Klar war das ein wenig komplizierter als gewohnt, aber nicht halb so störend, wie ich gefürchtet hatte.

Während der zweistündigen Session trugen wir alle drei Masken. Meine Gäste tragen darüber hinaus meistens Augenbinden, sehr nützlich, um die Sinne für andere Empfindungen zu schärfen! Natürlich, wenn ich jemand fessele, muss ich ihn oder sie anfassen und körperlich nah kommen. Aber da ich meistens von hinten fessele, ist trotzdem Abstand zwischen unseren Gesichtern. Die Sache mit dem Abstand war kein Problem – bei meinem letzten Haarschnitt war ich meinem Friseur näher!

Auf das Feedback meiner Gäste nach der ersten Session „inklusive Schutzmaßnahmen“ war ich besonders gespannt.

Ich fühlte mich wohl und war glücklich, wieder loslegen zu können – aber wie haben meine Gäste die neuen Regeln empfunden?

Die Frau sagte: „Ich könnte wirklich spüren, dass du von am Anfang bis Ende bei mir warst – trotz Abstand. Ich fühlte mich trotzdem umarmt von dir und von meinem Freund, umarmt durch die Seile.“

Ihr Freund legte nach: „Ich konnte mich noch nie so entspannen. Und ich fühle mich gerade meiner Freundin noch näher, obwohl auch wir Abstand zwischen uns hatten. So wie sie gesagt hat, du warst die ganze Zeit bei uns, ohne uns anzufassen. Das war sehr beeindruckend.“

Ich würde sagen: Job accomplished.

Ich freue mich natürlich, wieder arbeiten zu können. Aber ich finde es nach wie vor schlimm, wie viele Vorurteile gegen Sexworker in der Pandemie wieder hervorgeholt wurden. Spätestens als die Friseur und Tattoo Studios auf gemacht haben und Online Dating Apps wieder erlaubt waren, machte das Arbeitsverbot für Sexworker keinen Sinn mehr.

Nachdem ich jetzt schon über ein Monat wieder arbeiten darf, weiß ich, dass ich die Bedürfnisse meiner Gäste trotz Maske, Abstand und Hygienekonzept erfüllen kann.

Und das ist ein wunderbares Gefühl.


Dieser Text stammt von Ron Hades, Dominus und Bondage Meditation Instructor. Er empfängt seine Gäste im Berliner Studio Lux . Hier geht es zu seiner Website ronhades.com .

Gestern hat die rheinland-pfälzische Landesregierung eine aktualisierte Corona-Verordnung verabschiedet. Im §4 findet sich eine mittlerweile sehr kurze Liste der Tätigkeitsbereiche, deren Ausübung immer noch untersagt sind.*

1. Clubs, Diskotheken und ähnliche Einrichtungen,
2. Kirmes, Volksfesten und ähnliche Einrichtungen,
3. Prostitutionsgewerbe

Was soll man dazu noch sagen?

Jeder der sich mit den Arbeitsabläufen und dem Alltag in der Sexarbeit eine wenig beschäftigt hat, kann nur mit dem Kopf schütteln, bei der Betrachtung dieser Aufzählung.

Infektionsschutz ist wichtig, aber dieser muss auch sinnvoll sein. Mir geht es um den Versuch einer sachlichen Betrachtung.

Bei den ersten beiden aufgelisteten Punkten handelt es sich um Veranstaltungen, bei denen üblicherweise viele verschiedenen Menschen auf einem Haufen zusammentreffen. Gerade die Gesellschaft mit den anderen Menschen ist ja ein Kern dieser Events. Ob man diese Veranstaltungen vielleicht auch in irgendeiner Art coronasicher durchführen könnte, lassen wir hier jetzt mal außen vor.

Bezogen auf die Sexarbeitsbranche macht der Topf, in den wir da geworfen werden, keinen Sinn.

Bis auf wenige Ausnahmen findet bei der Sexarbeit immer 1 zu 1 Kontakt statt. Die Kunden sind peinlich darum bemüht, dass sie niemanden außer ihrer Erotikpartnerin im Bordell-Flur oder sonstwo treffen. Diskretion wird selbst in provinziellen Kleinstadtbordellen groß geschrieben. Wie viele mögliche Coronaüberträger trifft der Kunde in einem Bordell?

Eigentlich nur eine Person, denn wie in anderen Bundesländern schon erprobt, könnte auch in Rheinland-Pfalz ausschließlich auf Termin gearbeitet werden. Somit holt die Sexarbeiterin ihren Kunden direkt an der Tür ab, und dieser hat keinerlei Kontakt zu anderen Besuchern oder anderen Sexarbeitenden.
Außerdem findet alles mit Mund-Nasenbedeckung statt. Dies funktioniert in anderen Bundesländern problemlos. Dass nach jedem Kunden die Zimmer, Flure und Sanitärbereiche penibel gereinigt und desininfiziert werden, muss anscheinend immer wieder erwähnt werden. Wie sonst würde alleine die Existenz eines Bordells Panikattacken bei Virologen auslösen.

Eine weitere sehr hartnäckige Fehleinschätzung ist, dass jede Sexarbeiterin täglich eine Unmenge an Kunden hat. Dem ist leider nicht so.

Auf die Frage, was sich Sexarbeitende wünschen würden zu Verbesserung ihrer Arbeit, sagen fast alle: „Mehr Kunden“.

Die durchschnittliche Sexarbeiterin in einem durchschnittlichen Wohnungsbordell oder in einer durchschnittlichen Terminwohnung hat im Schnitt 2-3 Kunden pro Tag – eher weniger. Exakt die eben genannten Arbeitsplätze sind das vorherrschende Arbeitsmodell für erotische Dienstleistungen in Rheinland-Pfalz. Es gibt dort keine Massen an Saunaclubs, keine Reeperbahn, keine Großbordelle, keinen vermeintlich ausufernden Drogenstrich. Nein, in der Prostitutionslandschaft von Deutschland besetzt Rheinland-Pfalz eher einen sehr unbedeutenden Platz.

Um so verwunderlicher ist, dass ausgerechnet dieses Bundesland sich so standhaft weigert. Zumal Rheinland-Pfalz das erste Bundesland war, welches nach dem Shutdown die Sexarbeit wieder erlauben wollte. Vor gefühlter Ewigkeit wurde dort eine Gerichtsklage verloren, und das Land sah sich verpflichtet, die Sexarbeit wieder zuzulassen. Daraus wurde dann allerdings nichts. Die Landespolitker befürchteten alles Mögliche, allem voran Sextourismus aus den anderen Bundesländern. Letzterer Punkt ist nun definitiv hinfällig.

Fast alle anderen Bundesländer machen inzwischen vor, dass es geht.

Hygienekonzepte könnten von dort übernommen werden, und vermeintlicher Sextourismus ist auch nicht mehr zu befürchten, denn in den meisten Nachbarländern ist die Sexarbeit schon wieder zugelassen.

In Berlin und Bayern wird schon seit über einem Monat wieder in Bordellen und ähnlichen Einrichtungen gearbeitet. Es gibt sehr strenge und branchenangepaßte Hygienekonzepte, die eingehalten werden. Die pauschale Annahme, dies würde in der Erotikbranche nicht funktionieren, ist somit widerlegt. Auch gibt es in den besagten Bundesländern keinen Hinweis auf steigende Coronazahlen ausgelöst durch Prostitutionsstätten.

Interessanterweise ist in Rheinland-Pfalz die Sexarbeit ja nicht komplett untersagt. Haus- und Hotelbesuche sind erlaubt. Selbige Handlungen in einer gewerberechtlich zugelassenen, mit Hygienekonzepten und Notrufanlagen ausgestatteten Prostitutionsstätte zu tun, ist verboten.

Ganz anders das Bundesland Hamburg. Dort argumentierte die Sozialbehörde, dass es ganz wichtig sei die Prostituonsstätten wieder zu öffnen, denn in den Bordellen ließen sich die Hygieneregeln viel besser umsetzen und kontrollieren.

In diesem Sinne, fordern wir als Berufsverband das Bundesland Rheinland-Pfalz auf, zum nächst möglichen Termin, auch die Arbeit in Prostitutionsstätten wieder zuzulassen.

Natürlich mit Hygienekonzept.

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VERWEISE
* https://corona.rlp.de/fileadmin/msagd/Ge…oBeLVO.pdf

KONTAKT
Johanna Weber:
johanna@besd-ev.de
0151 – 1751 9771

PRESSE
SWR Aktuell – Bordelle bleiben geschlossen – Kritik von Betreibern
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/bordelle-rheinland-pfalz-100.html

Nach unzähligen Demonstrationen und Protesten von Sexarbeitenden ist es diese Woche endlich zu Lockerungen für die Branche gekommen.

Die Länder Sachsen-Anhalt und Niedersachsen haben entschieden, dass Prostitutionsstätten wieder öffnen dürfen. Gegen den Widerstand der Entscheidungsträger*Innen musste in NRW erst das Oberverwaltungsgericht durchsetzen, dass die Untersagung von sexuellen Dienstleistungen „gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit“ verstoße und „keine notwendige Schutzmaßnahme“ sei. Der Norden beschloß, dass Sexarbeit in Hamburg, Schlewsigholstein und Bremen ab 15. September wieder erlaubt sein soll.

Trotz nachvollziehbarer Erleichterung nach beinahe 6 Monaten Arbeitsverbot, bleibt bei Sexarbeitenden ein bitterer Nachgeschmack. Durch die Corona-Krise ist erneut sehr deutlich geworden, dass Sexarbeit in Deutschland noch weit von einer breiten gesellschaftlichen und politischen Anerkennung entfernt ist.

Es bestehen enorme Vorurteile gegenüber, und ein mangelnder politischer Wille zur Verteidigung der Rechte von Menschen in der Sexarbeit, das zeigt nicht zuletzt die eklatante Ungleichbehandlung in der Krise im Vergleich zu anderen Branchen. Zudem gibt es hierzulande wieder stark zunehmende Debatten über ein generelles Verbot der Sexarbeit. Der Berufsverband lehnt ein solches entschieden ab und unterstützt den am 08.09. in NRW von FDP und CDU gestellten Antrag gegen das Schwedische Modell.

Komplexe Sachverhalte werden von Befürworter*Innen des Sexkaufverbotes undifferenziert in den Topf der „Zwangsprostitution“ geworfen.

Völlig egal, ob es sich um die Bekämpfung von Straftaten wie Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung und Freiheitsentzug handelt, um die systemische Ungerechtigkeit gegenüber marginalisierten Sexarbeitenden in Deutschland, um die fehlende juristische Handhabe bei komplexeren Formen der Ausbeutung (Stichwort: Loverboys), oder um Sexarbeitende, die schlicht ihr Recht verteidigen, der von ihnen gewählten Arbeit nachgehen zu dürfen. Sexarbeitsgegner*Innen versuchen die unterschiedlichen Bereiche der Branche gegeneinander auszuspielen, spielen Moralpolizei und leugnen die Agency und Konsensfähigkeit von Sexarbeiter*Innen.

All dies zeigt: Wir Sexarbeitenden brauchen eine starke Vertretung. Die gegenseitige Unterstützung und Vernetzung unter Sexarbeiter*Innen, sowie der Ausbau und die Finanzierung von akzeptierenden Beratungsstellen sind wichtiger denn je.

Der BesD ist die bisher größte derartige Organisation in Europa und 100% organisiert und geleitet von Sexarbeitenden. Alle, die selbst als Sexarbeiter*Innen arbeiten oder gearbeitet haben, können Mitglied im Berufsverband werden. Anonym und kostenlos –  im Rahmen einer einjährigen und unverbindlichen Schnuppermitgliedschaft.

Spätestens seit Corona ist klar: Wenn wir als Sexarbeitende nicht aktiv um unsere Rechte kämpfen, tut es sonst niemand.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Armin Laschet!

Ich habe einige Fragen an Sie, auf die ich bisher eine schlüssige Antwort vermisse. Ich erwarte von einem Spitzenpolitiker, dass er willens und in der Lage ist, seine Entscheidungen rational zu begründen. Das ist aber leider nicht der Fall, wenn es um meinen Berufsstand geht.

Seit März diesen Jahres stehe ich dank Ihrer Anordnung unter Berufsverbot, viele meiner Kolleginnen haben Sie ohne Not zu Almosenempfängerinnen degradiert und unser gesamtes Metier unter dem Deckmäntelchen des Gesundheitsschutzes unter Generalverdacht gestellt.

Gleichzeitig haben Sie Tausenden von Erntehelfern aus Osteuropa die Einreise gestattet, ohne nach einem Corona-Test auch nur zu fragen.

Gleichzeitig haben Sie und Ihre Vorgängerin Hannelore Kraft über Jahre die Augen verschlossen, vor den unsäglichen und würdelosen Arbeits-und Lebensbedingungen in der Fleisch verarbeitenden Industrie.

Die Infektionszahlen in einem der größten Schlachthöfe Europas, die dem Kreis, in dem ich wohne, einen zweiten Lockdown beschert haben, sprechen für sich und bedürfen hier keiner weiteren Erörterung.

Sie begründen die Ächtung und Kriminalisierung meines Gewerbes damit:

a) dass wir  nicht in der Lage seien, die nötigen Abstandsregelungen einzuhalten.

Spätestens die Demonstration in der vergangenen Woche vor Ihrem Amtssitz hätte Sie vom Gegenteil überzeugen können – wenn Sie sich die Mühe gemacht hätten, uns zur Kenntnis zu nehmen.

Überdies gibt es in unserem Metier einen Berufszweig, nämlich die Dominanz, in dem sich die Frage nach dem gebotenen Abstand von allein erledigt.

b)  dass es angeblich unmöglich sei, meine Besucher für den Bedarf an einer Nachverfolgbarkeit zu registrieren

Auch DA gibt es Mittel und Wege, bei denen weder die Sicherheitsvorschriften noch die in unserem Berufsstand erforderliche Diskretion gefährdet ist. Im übrigen: wie steht es mit der Nachverfolgbarkeit von Besucherdaten in Restaurants? Da soll es ja durchaus schon passiert sein, dass sich Gäste unter falschem Namen oder mit gefakten Telefonnummern eingetragen haben …

c) dass „beim Geschlechtsverkehr notwendigerweise mit einer erhöhten Atemfrequenz zu rechnen sei.“

Zunächst einmal ist es in meinen Augen fraglich, ob ein einzelner Herr, der sich bei einer einzelnen Dame diskret seine Streicheleinheiten holt, einer größeren Anstrengung unterworfen ist als der Besucher eines Fitnesstudios, der dort keuchend seine Hanteln stemmt .

Und außerdem:

Sie erlauben den Betrieb von Massagepraxen, können aber nicht begründen, inwieweit sich eine Wellnessmassage von einer Tantramassage wesentlich unterscheidet.

Sie gestatten den Betrieb von Dating-Plattformen, können aber nicht begründen , warum ein One-Night-Stand der via Tinder oder auf anderem Wege zustande gekommen ist, nicht infektiös ist – aber in DEM Augenblick , in dem die daran beteiligte Frauensperson Honorar kassiert, AUF EINMAL infektiös sein soll und somit illegal wird.

Auf all diese Fragen, die nicht nur ich , sondern auch viele meiner Kolleginnen an Sie stellen, sind Sie bislang eine schlüssige und nachvollziehbare Antwort schuldig geblieben. Statt dessen versuchen Sie , uns zu ignorieren.

Wenn Sie wenigstens zugeben würden, dass Ihnen mein Gewerbe ein Dorn im Auge ist und dass Sie mich und meinesgleichen am liebsten wieder dorthin verbannen möchten, wo wir bis zum Jahre 2002 unser Dasein gefristet haben: zurück in die muffigen Hinterzimmer, die öden Industriegebiete und die verwahrlosten Randzonen der Städte und zurück unter die Fuchtel der Zuhälter …

Nach dem Motto: „Aus den Augen aus dem Sinn – Hauptsache , der brave Bürger merkt so wenig wie möglich vom Vorhandensein dieser verworfenen Geschöpfe.“

Dann wäre das doch immerhin eine klare Ansage. Stattdessen ducken Sie sich weg, versuchen uns zu ignorieren und verschanzen sich hinter Ausreden, die fadenscheinig und einfach nur peinlich sind.

Ich hoffe, dass Sie sich anhand meines Schreibens zu schlüssigen und nachvollziehbaren Antworten auf meine Fragen durchringen können.

„Hochachtungsvoll“,
Sibille Schäfer – Sexualassistentin


Der obenstehende Text wurde von einer Sexarbeiterin im Nachgang der Sexworker-Demo vor dem Düsseldorfer Landtag am 27. August verfasst. Kopien gingen via Email an RP ONLINE, Bild, TAZ, WDR und Der Freitag – außerdem an sämtliche Fraktionen im Düsseldorfer Landtag.

Aus der Pressemitteilung der Hamburger Sexworker-Vereinigung „Sexy Aufstand Reeperbahn“ vom 02.09.


Das Bezirksamt Mitte hat gestern bewiesen, dass es seinen Stadtteil kennt und mit seinen Bürgern und Betrieben kommuniziert. Eine vom gegenseitigen Respekt getragene Kommunikation ist nicht selbstverständlich. Dieses wissen wir sehr zu schätzen und danken euch von ganzem Herzen. Und nun kommen wir zu dem Thema, das uns schon etwas länger beschäftigt!

Nach einem 6 Monate langen Lockdown ist es für uns absolut inakzeptabel,überhaupt noch einen einzigen Tag an der Ausübung unserer Tätigkeit, die uns ernährt, gehindert zu werden.

Wir haben mittlerweile Politikern, Medizinern und einer sehr hohen Zahl von Bürgern bewiesen, dass unser Hygienekonzept ausgereift ist. Kein Wunder: Auch vor der Corona-Pandemie war Hygiene für uns selbstverständlich, um uns und unsere Kunden keinem Ansteckungsrisiko auszusetzen. Während alle anderen noch üben: Wir sind die Hygiene-Profis! Ein Friseurbesuch ist deshalb wahrscheinlich gefährlicher als ein Bordellbesuch. Friseure haben seit über 3 Monaten wieder geöffnet, wir warten immer noch. Einige Politiker versuchen, die Änderung für Prostitutionsstätten zeitlich hinauszuzögern.

Wir lassen uns aber nicht einfach von der Tagesordnung wischen. Wir wehren uns und haben die Rechtsanwälte Klemm & Partner für unsere Sache gewonnen.

–> HIER GEHT ES ZUR STELLUNGNAHME DER KANZLEI

Wir würden uns wünschen, dass unsere Hansestadt so viel Menschlichkeit wie das Bezirksamt Mitte zeigt. Jeder qualvoller, erniedrigender und diskriminierender Tag,
ist ein Tag zu viel! Was wäre Hamburg ohne die Reeperbahn, was die Reeperbahn ohne uns? Genug ist jetzt genug, Herr Tschentscher!