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Berlin, 9. Juli 2014: Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD), die Interessenvertretung der Sexarbeiter_innen in Deutschland, begrüßt die Ablehnung der Freierbestrafung durch eine beratende Expertenkommisson des französischen Senats.

„Diese Entscheidung sendet eine wichtige Botschaft nach Europa: Eine Verfolgung unserer Kunden trägt nicht zur Besserung der Situation von Sexarbeiter_innen bei!“, kommentiert die Pressesprecherin des BesD, Undine de Rivière. Johanna Weber, politische Sprecherin des BesD: „Es ist noch nicht ganz ausgestanden. Ich hoffe, dass der französische Senat das geplante Gesetz nun gänzlich ablehnt, da es Sexarbeiter_innen fälschlicherweise pauschal zu Opfern deklarieren würde.“

Das Gesetzesvorhaben der französischen Nationalversammlung vom Dezember 2013, das unter anderen vorsah, Prostitutionskunden strafrechtlich zu belangen, wurde von der vom Senat eingesetzten Kommission, die erstmals auch Sexarbeiter_innen als Experten anhörte, als Verschwendung von Ressourcen abgelehnt. Das Gesetz wird nun ohne die beiden strittigen Paragraphen zur Abstimmung in den Senat gegeben. Ein Abstimmungstermin steht bisher noch nicht fest.

Die französische Sexarbeiterorganisation Strass hatte bereits im Vorfeld den prohibitionistischen Denkansatz des Gesetzentwurfes kritisiert und eindringlich die Teilnahme an jeglichen Vorhaben eingefordert, die sich auf die Arbeitsbedingungen von Prostituierten auswirken. Statt für Verbote setzt Strass sich für den menschenrechtsbasierten Ansatz der vollständigen Entkriminalisierung von Sexarbeit ein, für mehr Rechte für migrantische und transsexuelle Sexarbeiter_innen und für eine Aufhebung des Werbe- und Anbahnungsverbots in Frankreich. Dies seien wirkungsvollere Maßnahmen zur Verbesserung von prekären Lebensbedingungen als Kriminalisierung und Stigmatisierung von Huren und ihren Kunden.

Weitere Informationen auf der Website des ICRSE

Berufsverband der Sexarbeiter_innen kritisiert Europapolitik

Auf seiner Mitgliederversammlung vom 7.-9. Februar 2014 in Göttingen befasste sich
der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen auch mit der aktuellen
Europapolitik zur Sexarbeit. Der Ausschuss des Europäischen Parlaments für die
Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter FEMM spricht sich unter
anderem für die europaweite Einführung des sogenannten „Schwedischen Modells“ in
der Prostitutionspolitik aus. Das Schwedische „Sexkaufverbot“ steht für die
Kriminalisierung der Kunden von Sexarbeiter_innen.

Der Berufsverband unterstützt das Internationale Komitee für die Rechte der
Sexarbeiter_innen in Europa (ICRSE), das den FEMM-Ausschuss scharf kritisiert.

„Der Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter des
Europäischen Parlamentes folgt leider dem Trend, Ideologie höher zu gewichten als die
Gesundheit und Sicherheit von Sexarbeiter_innen, und ignoriert dabei die Vielzahl und
die Bandbreite der Erfahrungen von Sexarbeiter_innen und Sozialarbeiter_innen
genauso wie die Empfehlungen internationaler Organisationen“, schreibt Luca
Stevenson, Koordinator des ICRSE.

In Deutschland haben sich bereits 34 Organisationen, darunter die Deutsche Aidshilfe
und der Deutsche Frauenrat, dem offenen Brief des ICRSE angeschlossen. Die
deutsche Übersetzung des Briefes: http://sexwork-deutschland.de/brief-an-das-eu-parlament-gegen-den-antrag-auf-freierbestrafung/

Weitere Themen der Mitgliederversammlung des BesD waren neben internen Peer-to-
Peer-Weiterbildungen die bundespolitischen Entwicklungen zur Regulierung der
Sexarbeit in Deutschland. Drohende Maßnahmen zur „Prostitutionseindämmung“ sieht
der Berufsverband mit Besorgnis.

Der Verband wird voraussichtlich Ende September in Berlin eine große Fachtagung
zum Thema Sexarbeit mitorganisieren. Die dortigen Infoveranstaltungen und
Expertenvorträge werden auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich sein.
Der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen wurde im Oktober 2013 von
aktiven und ehemaligen Sexarbeiter_innen gegründet.
Hintergrundinformationen zum Thema Freierbestrafung finden sie hier:
http://sexwork-deutschland.de/politik/forderungen/freierbestrafung/
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Kontakt: Presse                                               Allgemein
Undine de Rivière                                         Johanna Weber
undine@sexwork-deutschland.de         info@sexwork-deutschland.de
01520 – 485 09 09                                       0151 – 1751 9771
www.sexwork-deutschland.de

 

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Kanadablätter-Pixelio-426424_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de Während ganz Europa härtere Restriktionen oder gar Verbote für die Sexarbeitsbranche einführt, schlägt Kanada einen anderen Weg ein. Sexworker Interessenvertreter haben einen grundsätzlichen Rechtsstreit vor dem obersten Gericht von Kanada gewonnen.
Die seit 2007 laufenden Prozesse gelten als Meilenstein im Punkto Legalisierung der Sexarbeit. Damit ist in Zukunft das Führen eines Bordells ebenso gestattet, wie das Anwerben von Freiern auf der Strasse. Auch ist es nicht mehr verboten, von Einnahmen, die aus der Prostitution stammen zu leben. Prostitution war auch zuvor in Kanada nicht illegal, doch viele der damit verbundenen Aktivitäten wurden als Verstösse angesehen. Das soll sich nun ändern.

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Nicht nur hier bei uns in Deutschland müssen Sexarbeiter um ihre Rechte und freie Ausübung der selbst gewählten Tätigkeit fürchten. Unsere Kolleg_innen in Frankreich sehen sich gerade konfrontiert mit einer geplanten Gesetzesänderung, der am 29. November 2013 vor dem französischen Parlament zur Diskussion gebracht wurde und am 4. Dezember 2013 zur Abstimmung gestellt wird.

Dieser Gesetzentwurf beinhaltet unter anderem die pauschale Bestrafung von Kunden von Sexarbeiter_innen nach dem „schwedischen Modell“. Wer sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nimmt, müsste dem neuen Gesetz zur Folge mit einer Strafe von 1500 Euro rechnen. Weiterlesen