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200 Sexarbeiter*innen aus ganz Deutschland und aller Welt kamen von 15.-16. September zum Hurenkongress in Berlin zusammen.

Am ersten Tag teilten 15 Workshopleiter*innen in insgesamt 12 Workshops ihre Expertise mit Kolleg*innen. Am 2. Tag fanden im Rahmen eines Barcamps weitere 14 spontane Workshops und Gesprächsrunden statt. Workshopleiter*innen sowie Teilnehmer*innen waren alle selbst in der Sexarbeit tätig – in den Workshops wurden Tricks, Tipps und Erfahrungen aller Art geteilt und Raum für Diskussionen und Fragen geboten. Manche Workshops fanden auf Deutsch statt, andere auf Englisch und einige in beiden Sprachen – viele internationale Kolleg*innen kamen zum Kongress und rund ein Drittel der Teilnehmer*innen hatten eine andere Muttersprache als Deutsch.

Der Kongress war eine außergewöhnliche Gelegenheit für Sexworker, sich über wesentliche Themen zu informieren und zu diskutieren: So gab es beispielsweise einen Workspace von Missy-Kolumnist Christian Schmacht, in dem die Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiter*innen , die transgender/transsexuell/nicht-binär/genderqueer sind, diskutiert wurden. Anastacia Ryan von TAMPEP – dem europäischen Netzwerk zur Förderung der Rechte von migrantischen Sexworkern – leitete eine Diskussion über die Auswirkungen von Maßnahmen zur Bekämpfung des Menschenhandels. Nicole Schulze, Sexarbeiterin und seit kurzem auch im Vorstand des BesD e.V. vertreten, organisierte einen Workshop zum Thema Sicherheit am Straßenstrich und berichtete dabei von ihren langjährigen Erfahrungen in diesem Arbeitsbereich.

Ob „Selbstmarketing & Kommunikation”, „Professional BDSM for Beginners”, „Fighting Burn-Out Through Self Love”, „Online Sicherheit für Sex Worker“ oder „Betriebsgründung – Selbstständig machen in der Sexarbeit” – alle Inhalte richteten sich explizit an Menschen, die in der Sexarbeit arbeiten und deren spezifische Bedürfnisse.

Es wurde geschnackt, gelacht, gelernt, vernetzt, informiert und diskutiert. Aktionspläne wurden geschmiedet, Allianzen geformt, alte Freund*innen wiedergetroffen und neue Bekanntschaften geschlossen – insgesamt war der Kongress also eine grandiose Gelegenheit für Austausch und Information zwischen Sexarbeitenden.

Auf der am 17. September anschließenden Sexwork-Messe „World of Whorecraft” zählten wir neben 150 teilnehmenden Sexarbeiter*innen rund 200 Gäste .

Von Verbündeten und interessierten Besucher*innen über Journalist*innen und Forscher*innen bis hin zu Partner*innen und Freund*innen von Sexarbeitenden, war alles unter den Besucher*innen der Messe vertreten. Unter den 17 Ausstellern waren branchenrelevante Dienstleister*innen (z.B. der queere Sexshop Other Nature) Beratungsstellen und Verbündete (z.B. das Beratungsprojekt für männliche Sexarbeiter smart berlin, Hydra e.V., oder Dona Carmen e.V.) und deutsche sowie internationale von Sexworkern geführte Organisationen, die ihre Arbeit und Ressourcen teilten (z.B. Wild Thing aus den Niederlanden).

Die Ausstellung Objects of Desire vom Schwulen Museum und der Bilderzyklus „Das neue Recht“ von Almuth Wessel sorgten für themenbezogene Kunst in der Location. Im Kinozelt konnten Fetisch-Filme aus der Produktion von libido film, die Dokumentation „Whores on Film“ von Sex Worker und Filmemacherin Juliana Piccillo, der Film „H’Or“ von Black Sex Worker Collective-Gründerin Akynos sowie Videos aus dem YouTubeChannel „Wissen.Macht.Sex!“ der Sexarbeiterin und Aktivistin Josefa Nereus bewundert werden.

 

 

Im Research-Zelt sammelten Joana Hofstetter und Sabrina Stranzl vom Netzwerk für Kritische Sexarbeitsforschung Erfahrungen und Meinungen Sexarbeitender für ihre Recherchen.

Das ganztägige Bühnenprogramm wurde von der Journalistin und Sexualforscherin Kuku Schrapnell moderiert. Neben Keynotevorträgen (z.B. von DAH-Frauenreferentin Marianne Rademacher, Sexarbeiterin und Wirtschaftswissenschaftlerin Maya Mistress aus Brasilien und Pesha Shatte aus dem französischen Sexwork-Syndikat STRASS) gab eine spannende Talkrunde zwischen zwei Sexarbeiterinnen und einer aufsuchenden Sozialarbeiterin über die Gefahren des schwedischen Modells, Susanne Bleier Wilp stellte das Big Sister Projekt unter dem Dach von kaufmich.com vor, erotische Performances fanden statt und Lesungen von Sexarbeiterin und Autorin von „Mein HurenmanifestUndine de Rivière sowie der ehemaligen WELT-Kolumnistin und Sexarbeiterin Salomé Balthus sorgten für Begeisterung.

Die Ausgaben für beide Events beliefen sich auf 15.365 Euro – hierbei nicht mit einberechnet sind die Personalkosten für die Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Veranstaltungen. Diese wurden vom BesD getragen und beliefen sich bei einer 50%-Arbeitskraft für den Kongress sowie einer 25%-Arbeitskraft für die Messe auf rund 500 bezahlte Arbeitsstunden und 10.000 Euro.

1000 m² leerer Supermarkt, vier 60 m² Zelte, 844 Meter Kabel, 40 Lampen, 100 Stühle, 100 Bierbänke, 55 Tische – nicht überraschenderweise besetzte die Miete sowie Ausstattung der Location den größten Ausgabe-Posten.

Schon an zweiter Stelle folgten die Honorare und Fahrkosten für Workshopleiter*innen und Moderator*innen am Kongress – da hier ausschließlich aktive und ehemalige Sexworker als Teilnehmer*innen und Workshopleiter*innen anwesend waren, floß also ein beachtlicher Teil der Einnahmen zurück in die Community – an Sexarbeitende, die Kolleg*innen ihre Expertise zur Verfügung stellten.

Die Einnahmen beider Events ließen sich aus Kongress-Tickets, Messe-Eintritt sowie Sponsorengelder addieren und kamen auf 17.795 Euro.

Beinahe ein Viertel des Geldes kam dabei aus der Kasse der Deutschen Aidshilfe, welche drei Workshopleiter*innen, zwei Moderator*innen, sowie einen Zuschuss für die Raum- und Verpflegungskosten finanzierten.

 

Für die großzügige finanzielle Unterstützung von Kongress-Workshops sowie das Sponsoring von Freikarten für prekär arbeitende Kolleg*innen danken wir Autorin Anna Basener, dem Netzwerk Kritische Sexarbeitsforschung, den Erotikportalen berlinintim.de, erotikinsider.com, kaufmich.com, rotlicht.de, escort-advisor.com und escort-galerie.de, dem Serviceprovider zustellanschrift.de sowie der Online Marketing Agentur ImpulsQ.

Rund ein Drittel der Teilnehmer*innen am Kongress nahmen den ermäßigten Preis in Anspruch, ein Teil der Kolleg*innen konnte sich den solidarischen Eintrittpreis leisten. Fast 40% der Teilnehmer*innen konnten als Helfende oder mithilfe der gesponserten Umsonstticket kostenlos den Kongress besuchen.

Wir danken allen Teilnehmer*innen, Besucher*innen Workshopleiter*innen, Aussteller*innen und Mitarbeiter*innen für ihren Einsatz, ihr Interesse und ihr Engagement.

Rund 500 Arbeitsstunden wurden in der Vorbereitung, Organisation und Durchführung von den BesD-Mitarbeiterinnen Charlie Hansen und Tamara Solidor gestemmt.

Ein besonderer Dank gilt auch WAM und seinem großartigen Team, mit der Fläming Kitchen haben sie den Kongress zu einem mehr als solidarischen Preis mit sehr gutem Essen versorgt.

Ein extra Dankeschön geht an die die unermüdlichen Helfer*innen und Unterstützer*innen, unsere Familien, unsere Partner*innen und die vielen BesD-Mitglieder die ehrenamtlich mit angepackt haben. Ohne die viele Unterstützung und gemeinsame Zusammenarbeit wären diese zwei großartigen Events überhaupt nicht möglich gewesen. Wir freuen uns riesig über euer tolles Feedback zu Kongress und Messe – und schmieden natürlich schon Pläne für nächstes Jahr …

TIPP: Auf unserem Facebook-Account unter @Sexarbeit, auf Twitter unter @SexworkID sowie auf der Homepage www.berufsverband-sexarbeit.de bleibt ihr über Aktionen, Veranstaltungen und Sexarbeit in den Medien auf dem Laufenden.

In aller Kürze: Falls du als aktive*r oder ehemalige*r Sexarbeiter*in am Kongress (15.+16.08.2019) teilnehmen willst – hier geht’s zu den Tickets. Falls du als Sexarbeiter*in/Unterstützer*in/Organisation  zur Messe (17.08.2019) beitragen möchtest – schreib uns einfach an messe@worldofwhorecraft.de. Falls du selbst den Kongress und die Messe unterstützen willst/kannst, oder da jemanden kennst – hier findest du mehr Infos […]

Wer immer schon mehr über Sexarbeit und die darin tätigen Menschen erfahren wollte, sollte sich den 17. August rot im Kalender anstreichen: Denn nächsten Monat lädt der Berufsverband für sexuelle und erotische Dienstleistungen Sexarbeiter*innen zum jährlichen „Hurenkongress“ in die Hauptstadt ein. Die Teilnahme am Kongress steht wie schon letztes Jahr ausschließlich aktiven und ehemaligen Sexworkern offen, doch am anschließenden Messetag sind alle Interessierten willkommen.

In der Gesellschaft und den Medien haftet der Sexarbeit oft ein „schmuddeliger“, „perverser“ oder gar gefährlicher Ruf an. Kein Wunder also, dass Menschen, die aktiv im Erotikgewerbe tätig sind oder waren, sich oft mit jeder Menge Vorurteilen herumschlagen müssen. Mit dem Hurenkongress bietet der Berufsverband Sexarbeiter*innen eine in Deutschland einmalige Gelegenheit für Austausch, Netzwerken und Weiterbildung. Auf der World of Whorecraft-Messe am 17. August haben dann auch alle interessierten Besucher*innen die Gelegenheit, Sexworker aus allen möglichen Bereichen der Branche selbst zum Thema sprechen zu hören und sich eine eigene Meinung zu dem umstrittenen Berufsfeld und den den darin tätigen Menschen zu bilden.

Da sich einige Sexarbeiter*innen leider keine Reise- oder Ticketkosten, beziehungsweise einen Verdienstausfall leisten können, sucht der Berufsverband noch nach Veranstaltungssponsor*innen, die die Teilnahme marginalisierter Kolleg*innen am Kongress ermöglichen und die Messe-Veranstaltung unterstützen wollen (mehr Infos hier). Zu den bisherigen Sponsor*innen zählen unter anderem die Deutsche Aids-Hilfe, die Autorin Anna Basener sowie das Dienstleistungsportal kaufmich.com.

Besucher*innen der World of Whorecraft-Messe erwartet ein buntes Programm: Sexworker und ihre Unterstützer*innen zeigen im Rahmen von Infoständen, Workshops, Filmen, Lesungen und Keynote-Vorträgen die vielfältige Welt der Sexarbeit. Neben dem BesD informieren auf der Messe auch andere Sexarbeits-Vereinigungen und Netzwerke über die politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen für Sexarbeitende in Deutschland. Zum Beispiel die Aktivist*innen von Sexarbeit ist Arbeit, die mit ihrem aktuellem Projekt „Strich/Code/Move“ eine Brücke zwischen Politik und Kunst schlagen.

Viele internationale Kolleg*innen, zum Beispiel von der Sexworker-Bewegung SWARM aus London oder dem Black Sex Worker Collective aus New York, werden auf dem Berliner Event erwartet. Unterschiedlichste Beratungs- und Anlaufstellen (unter anderem bufas e.V., Hydra, smartberlin und ragazza) sind mit eigenen Messeständen vertreten.

Auch branchenrelevante Anbieter, wie beispielsweise der queere Sexshop Other Nature, sind vor Ort zu finden. Des Weiteren geplant sind Performances, ein Kino&Film-Bereich, ein eigener Kunst-Bereich u.a. in Kooperation mit der Ausstellung „Objects of Desire“, ein Space für Forscher*innen (einige davon Teil des europaweiten ICRSE-Netzwerk) und vieles mehr – das finale Programm wird in Kürze auf der Website www.worldofwhorecraft.de veröffentlicht.Pressekontakt:

messe@worldofwhorecraft.de | +49 152 04617 464 (Charlie Hansen, Messe & Kongress) | presse@besd-ev.de (Lilli Erdbeermund, Redaktion)

Am 28. & 29. September veranstaltet der Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen den Hurenkongress 2018 in Berlin – wir freuen uns sehr, alle Sexworker zum Hurenkongress einladen zu können.

Der Hurenkongress ist eine Veranstaltung von Sexworkern für Sexworker und bietet neben verschiedenen praktischen Workshops die Möglichekeit Kolleg*innen aus verschiedenen Bereichen kennen zu lernen, sich auszutauschen und zu vernetzen.

Der Kongress geht über zwei Tage; am ersten Tag sind verschiedene praktische Workshops geplant, während der zweite Tag mit dem SexworkerCamp offen gestaltet ist und sich nach den Bedürfnissen und Angeboten der Teilnehmer richtet.

Am Workshoptag kannst du zum Beispiel zwischen Grenzsetzung/Psychohygiene, DirtyTalk/Suggestionstechniken oder Selbstverteidigung für Sexworker wählen. Insgesamt stehen acht Workshops zur Auswahl, davon werden zwei in Englisch gehalten. Außerdem besteht an diesem Tag die Möglichkeit sich aktiv an der Forschung über Sexarbeit zu beteiligen; es wird auch zwei Workshops mit Forschenden geben, in denen ihr mit den Wissenschaftlern gemeinsam an dem Bild, das die Forschung über unsere Tätigkeit erstellt mitarbeiten könnt.

Nach diesem inputreichen Tag wollen wir Abends gemeinsam feiern; die Kongressparty ist für Teilnehmer umsonst; nicht-Sexarbeitende können nur in Begleitung von Sexworkern auf die Party.

Das SexworkerCamp am zweiten Tag ist offen für alle Dinge und Fragen, die du schon immer mal mit Kolleg*innen besprechen wolltest:

– Hast du Fragen rund ums ProstSchG?
– Geistert dir schon lange eine Idee im Kopf herum, die du gerne mit Kolleg*innen besprechen und umsetzen wolltest?
– Möchtest du dich zu einem bestimmten Thema mit anderen austauschen?
– Oder hast du Fähigkeiten, die du gerne teilen möchtest?

Für all das ist am zweiten Tag Raum und Zeit 🙂

Wir freuen uns sehr, wenn du dabei bist!

Unter http://www.hurenkongress.de findest du weitere Infos und die Möglichkeit dich anzumelden.

Du Bist kein*e Sexarbeitende*r , möchtest den Hurenkongress aber trotzdem unterstützen?

Wir suchen noch Unterstützer*innen des Hurenkongresses!

Der Hurenkongress ist von Sexworkern für Sexworker und bietet Sexarbeitenden die Möglichkeit sich Wissen anzueignen, sich auszutauschen und sich mit Kolleg*innen zu vernetzen. Dies ist vor allem angesichts des ProstSchG dringend nötig.

Ermögliche Sexarbeitenden am Hurenkongress 2018 in Berlin teilzunehmen, indem Du ein Sponsorenticket kaufst. Für 45€/1 Tag, 85€/ 2 Tage ermöglichst Du vor allem prekär arbeitenden Kolleg*innen die kostenlose Teilnahme und damit den Zugang zu Empowerment. Wir geben dein Ticket dann an Sexworker weiter, die sich selbst keines leisten können.

Um ein Sponsorenticket zu erwerben kannst Du entweder eine Zahlung über paypal vornehmen oder eine Überweisung auf das Konto des BesD tätigen. Als Verwendungszweck/Nachricht bitte Sponsorenticket Hurenkongress oder Sponsorenticket HK angeben.

Wir bedanken uns herzlich für Deine Unterstützung

Kontoverbindung des BesD e.V.:
IBAN:DE49100500000190290862
BIC:BELADEBEXXX
Landesbank Berlin – Berliner Sparkasse

Paypal: Einfach Geld an zahlung@besd-ev.de senden.

Vielen Dank an alle Unterstützer*innen!

Unser Dank gilt an dieser Stelle neben den privaten Spendern auch Kaufmich – Kaufmich ermöglicht mit dem Kauf von Sponsorentickets 4 Kolleg*innen die kostenlose 2-Tägige Teilnahme an unserem Kongress.

Beim Mitgliedertreffen des BesD im Herbst 2016 lernte ich Violett kennen. Witzigerweise leben und arbeiten wir beide in Leipzig und müssen bis nach Göttingen fahren, um uns kennenzulernen. Allein diese Tatsache schrie schon danach, endlich ein Sexarbeiter*innen-Treffen in Leipzig zu organisieren. Schon lange wünschte ich mir sowas, nachdem ich von Kolleg*innen aus anderen Städten viel Positives gehört hatte über diese ungezwungenen Treffen unter Sexarbeiter*innen.
Allerdings war ich im Jahr 2016 gerade nicht aktiv als Sexdienstleisterin und viel mit mir selbst beschäftigt. Auch Violett arbeitete viel, so dass wir nur in sehr großen Abständen miteinander Kontakt hatten. Wir sprachen aber das Thema Stammtisch immer wieder an und dass wir das doch endlich mal organisieren müssten …

2017 begann ich wieder als Independent Escort zu arbeiten, das ProstSchG trat in Kraft und so langsam bewegte sich in Sachsen und Leipzig etwas. Vom Gesundheitsamt Leipzig und weiteren Organisationen wurde der Arbeitskreis „Sexarbeit in Leipzig“ ins Leben gerufen. Da Violett und ich mit diesem spätestens seit letzten Sommer in engem Kontakt stehen, wurden wir dazu eingeladen und waren natürlich dabei. Das erste Treffen fand Ende Februar statt, wo auch jemand vom Verein „RosaLinde e. V.“ dabei war. Und wie das immer so ist … es werden vor Allem während der Pausen Kontakte geknüpft und so hatte Violett einfach mal gefragt, ob man nicht Räume von RosaLinde nutzen könnte, um ein Sexarbeiter*innen-Frühstück zu veranstalten.

Die Idee mit dem Frühstück war ihr zwischendurch gekommen. Wir hatten immer von einem Stammtisch gesprochen, der abends stattfindet, aber das ist für die meisten Kolleg*innen natürlich schwierig, weil sie abends arbeiten oder sich nach einem langen Tag ausruhen wollen. Außerdem finden Stammtische ja oft in Bars oder Kneipen statt und Violett hatte sich überlegt, ob das nicht abschreckend für Manche sein könnte, so in der Öffentlichkeit. Ich selbst hatte das Ganze nur am Rande mitbekommen, erhielt aber einige Zeit später eine Mail von RosaLinde. Man bat uns, sich doch dem Vereins-Plenum einmal vorzustellen und zu erklären, was wir vorhaben. Da musste ich nochmal bei Violett anrufen und nachfragen, was sie das eigentlich besprochen und gefragt hatte.

Der Verein RosaLinde e. V. ist toll – setzt sich für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans*, Inter*, Asexuelle und queere Menschen (LSBTIAQ*) in Leipzig ein und leistet seit seiner Gründung 1988/1990 Antidiskriminierungs- und Lobbyarbeit in diesem Bereich. Und so war unsere Vorstellung eigentlich eine reine Formsache, denn bei der Unterstützung einer weitreichend diskriminierten Gruppe, wie bei Sexdienstleister*innen war der Verein sofort dabei. Wir bekamen die Zusage, an einem Sonntag Vormittag im Monat endlich das erste Sexarbeiter*innen-Treffen in Leipzig abzuhalten.

Das Frühstück ist einfach ein offener Treff ausschließlich unter Kolleg*innen. Wir wollen uns über Alles austauschen, was uns mehr oder weniger unter den Nägeln brennt, über die Arbeit sprechen, über Schönes, Lustiges, aber auch Schwierigkeiten und Probleme können angesprochen werden. Violett und ich verstehen uns dabei auch als Sprachrohr, welches die Anliegen der sächsischen und Leipziger Sexarbeiter*innen in den neu gegründeten Arbeitskreis trägt. Auch können wir Infos zum ProstSchG und zum aktuellen Stand der Ausführung geben. Die Räume des RosaLinde e. V. bieten uns dafür einen geschützten Rahmen, indem wir komplett unter uns sind. Ort und Datum geben wir nur bei Anmeldung bekannt.

Das erste Frühstück hatten wir im Mai bereits. Es kam extra eine Kollegin aus dem Umkreis von Leipzig und wir hatten einen regen Austausch.
Ich freue mich schon riesig auf das nächste Frühstück mit hoffentlich noch einigen Kolleg*innen mehr.

Meldet euch einfach bei mir oder Victoria an.
Gruß,
Lydia


Infos und Kontakt:
Lydia: info@versuchung-lydia.de
Viktoria: 0176-32808941

Dieser Beitrag schildert die Eindrücke eines unserer neusten Mitglieder von der Mitgliederversammlung Mitte April:

Am Bahnhof erkannte ich das Gesicht von Johanna und quatschte sie an. Ich war viel zu neugierig und wollte mich sofort vorstellen. Wir waren mit demselben Zug aus Berlin hergefahren und nun mussten wir in die Regionalbahn umsteigen. Mein erster persönlicher Kontakt mit dem BesD… Aufregend!

Vor einem halben Jahr bekam ich beim Gesundheitsamt den Flyer des Vereins mit einer herzlichen Empfehlung. Es verging eine Zeit, bis ich die Entscheidung traf. Zuerst kontaktierte ich Charlie aber mir war es vor allem wichtig, die Leute persönlich kennenzulernen. Ich hatte Glück, nämlich sollte die Mitgliederversammlung ein Monat später stattfinden.

Johanna freute sich sehr über meine Anwesenheit und antwortete freundlich all meine ungeduldigen Fragen. Auf dem Bahnsteig stellte sie mir Fabienne und Nadine vor. Bald saßen wir zu viert im Zug. Draußen war es regnerisch, die Gespräche drinnen entspannt und witzig. Ganz normale Menschen halt, wie ich. Bald bombardierte ich Nadine mit Fragen über ihre spannende Forschungsarbeit, bis wir das Ziel erreichten…

Ich weiß nicht mehr, wann ich zu einer Einzelgängerin wurde. Schon am Ende meines Philosophiestudiums in Spanien hatte ich Politik satt. Gruppen mag ich i.d.R. nicht. Entweder bin ich zu anspruchsvoll oder zu empfindlich. Nach sieben Jahren und offensichtlich bei dem richtigen Anlass kam das Bedürfnis, die meinesgleichen zu suchen. Allerdings hatte ich die geringste Ahnung, wie eine Mitgliederversammlung überhaupt aussieht oder was für Menschen ich dort begegnen würde. Eins wusste ich nur: Die Erfahrung würde mich nicht kaltlassen.

Die Mischung war bemerkenswert, drei verschiedene Generationen und alle möglichen Berufsbilder. Die Geschlechter waren auch repräsentiert. Unser anfangs introvertierter Koch würde uns fleißig über das Wochenende mit selbstgemachten Leckereien besorgen, wie der Willkommensapfelstreuselkuchen, die Burgerstraße bei der Grillparty oder die Abschiedspizza. Ziemlich schnell würde er sich einer von uns fühlen und mir mit einem strahlenden Lächeln verraten, er hätte nie zuvor so ein nettes Publikum gehabt.

Ich komme aus Spanien und wohne seit 5 Jahren in Deutschland. Wie viele Umwege das Leben für mich bereit hatte, hätte ich nie geahnt. Gottes Wege sind unergründlich, sagt man gern in katholischen Ländern. In Deutschland kann ich atmen und fühle mich frei. Ja, ich liebe Deutschland. Aber vor allem liebe ich deutsche Frauen. Zumal sie mein ehemaliges sexistisches Frauenbild änderten… (Mehr dazu ein anders Mal)

Das Haus war großzügig und gemütlich. Drinnen oder draußen in der Sonne liefen die Termine und Workshops nach Plan. Es wurde fleißig geackert. Universitäres Arbeiten durch Sexarbeiter! Leidenschaftlich diskutiert wurde es auch. Die Gruppe fand sich aber immer wieder zusammen. Damit hatte bestimmt Fabiennes strenge aber zugleich auf den Punkt bringende Moderation zu tun. Demokratie ist nun mal auch anstrengend, das weiß jeder. Besonders schön war der letzte Abend am Lagerfeuer, manche von uns trugen schwarze Gesichtsmasken am Gesicht, die Fabienne uns besorgte. Die unterschiedlichsten Lebensgeschichten flogen durch die Luft. Der Wein und der Tiefgang der Beteiligten sorgten für eine großartige Stimmung…

Nun muss ich meine Meinung über Versammlungen und Gruppen definitiv revidieren. Kluge Sachen zu sagen oder guten Ideen zu haben ist doch keine Kunst. Die Mischung aus echtem Engagement, Respekt, Bescheidenheit und Warmherzigkeit, die ich beim BesD fand, wohl.

Ich danke euch und freue mich auf „mehr“ von und mit dem BesD!

Lola