Sexarbeitende wehren sich gegen kulturelle Ausbeutung durch “The Poetry Brothel Berlin”

Sexarbeit

“Using imagery and symbols from a criminalized industry where the human and labour rights of marginalized people are ignored is at the very least extremely poor taste, and at most, colluding in the violence of oppression of sex workers.”
R, migrant indoor worker, former brother employee

“The poetry brothel are capitalising on the labour of sex workers at a time when the german state is taking very active steps to repress workers rights with the introduction of the prostitutes protection law. poetry brothel cannot claim to be working in the interests of sex workers when we ourselves are seeing no direct benefit from their event.” intermittent brothel worker, independent indoor worker.

Sexarbeitende kritisieren die Ausbeutung und Unsichtbarmachung von Sexarbeiter*innen, um kommerzielle Lyrikveranstaltungen zu bewerben.

Die von Nathalie Dewalhens organisierte Veranstaltung ‘The Poetry Brothel Berlin’ bedient sich massiv an den Bildern aus der Erlebenswelt von Indoorsexarbeitenden, um ihrem kommerziellen Event zum Erfolg zu verhelfen. Eine Einbeziehung oder Unterstützung von Sexarbeitenden ist nicht vorgesehen oder wird von Frau Dewalhens, entgegen konträrer Ankündigungen, bewusst ignoriert.
Der zum zweiten Mal stattfindende Event einer internationalen Veranstaltungsreihe ignoriert die globalen Vorgaben der Hauptinitiatorin, Stephanie Berger, und findet “weder Zeit noch Ruhe” proaktiv auf die Sexarbeitsbewegung zuzugehen, bzw. deren berechtigte Kritik umzusetzen.
Die Veranstalterin arbeitet gewinnorientiert, auf Kosten der Marginalisierung von Sexarbeitenden. Bei Ticketpreisen von bis zu 60,-€ pro Stück ist es besonders zynisch, dass weder Gelder zur Unterstützung von Sexarbeits-Rechts-Bewegungen vorhanden sein sollen, noch Raum geschaffen wird, Sexarbeitenden auf der Bühne Gehör zu verschaffen.
Wir, eine unabhängige Gruppe von Sexarbeitenden, betrachtet diese Veranstaltung als äusserst problematisch und fordert die sofortige Umsetzung der von Frau Berger erstellten Statuten:

“a, durch Spenden an Organisationen, die Ressourcen für Sexarbeitende zur Verfügung stellen (Das geht in Berlin nicht, denn wir machen noch kein Geld ND) b, durch Zusammenarbeit mit Künstlern aus der Pornoindustry um sichere, nicht-ausbeuterische, kreative und empowernde Pornographie zu erschaffen, und c, indem wir Raum für den künstlerischen Ausdruck aktiver Sexarbeitender zur Verfügung stellen.”
“At this point The Poetry Brothel as a global entity does support the sex worker movement
a) by donating money to organizations that provide resources for sex workers, (This is not possible in Berlin since we don’t make any money yet, ND) b) by collaborating with artists in the porn industry to create safe, non-exploitative, artistic and empowering pornography, and c) by providing a place for artistic expression to active sex workers. “ (Ohne ursprüngliche Quellenangabe, zu finden hier: https://www.facebook.com/poetrybrothelberlin/posts/1752576881451594)
Wir stellen fest:
Unreflektierter Gebrauch von Symbolen und Bildern aus der Lebenswelt von Sexarbeitenden, ohne aktive Sexarbeitende zu unterstützen, ihnen proaktiv Mitspracherecht und Mitgestaltungsrecht anzubieten, sondern sich aus rein kommerziellen Interessen zur Aufwertung der eigenen Kunst zu bedienen, ist abzulehnen. Dieses Vorgehen schadet Sexarbeitenden und ist stigmatisierend, und diskrimnierend. Diese Benutzung und Ausgrenzung trägt zur strukturellen Gewalt gegen Sexarbeitende bei.
Wir fordern eine Einbeziehung von aktiven Sexarbeitenden in Planung und Umsetzung des Events. Das reine beschwichtigend gemeinte Anbieten einiger Gästelistenplätze wird unserem Anliegen nicht gerecht.
Wir fordern die Umsetzung der an ‘The Poetry Brothel Berlin’ herangetragene Kritik, bzw. die Bereitschaft, diese auch umzusetzen. “Gut gemeint” ist auch hier nicht gut genug. Das bloße Zuhören und anschliessende Ignorieren der Kritikpunkte ist weder inklusiv noch unterstützend.
Eine verbandsübergreifende Gruppe aus individuellen und organisierten Sexarbeiter*innen verschiedener Indoorarbeitsplätze

Presseanfragen bitte an:
Fabienne Freymadl fabienne@berufsverband-sexarbeit.de, 0152/23295646