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2. Juni: Hurentag

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Aktionswoche 2026

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Zum Problem mit Zahlen und Schätzungen bzgl. Prostitution in Deutschland

Zum Problem mit Zahlen und Schätzungen bzgl. Prostitution in Deutschland

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Ein Twit­ter-Bei­trag von For­sche­rin, Ursu­la Probst, zum The­ma Zah­len in der Sex­ar­beit — @probursula 119 — (Kei­ne) Zah­len zu Prostitution/Sexarbeit in DE für alle! “Die Anzahl der in Deutsch­land täti­gen Pro­sti­tu­ier­ten wird weit über­schätzt. Häu­fig zitiert wird auch heu­te noch eine Zahl von etwa 400.000 Sex­ar­bei­te­rin­nen und Sex­ar­bei­tern mit einer Mil­li­on Kun­den­kon­tak­ten pro Tag. … 219  … Die­se “Schät­zung”, ent­stan­den in der Akti­vis­tin­nen­sze­ne im Rah­men der poli­ti­schen Dis­kus­si­on um die gesell­schaft­li­che Aner­ken­nung und Gleich­stel­lung von Pro­sti­tu­ier­ten Ende der 1980er Jah­re, ent­behrt jeder wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­ge. … 319  … Seriö­se Hoch­rech­nun­gen von Pro­sti­tu­ier­ten in Deutsch­land beweg­ten sich damals in einer Spann­brei­te von 64.000 bis zu 200.000 Pro­sti­tu­ier­ten. … 419  … Seit­dem haben sich Struk­tur und Zusam­men­set­zung der Sze­ne natür­lich stark ver­än­dert. Neue­re Schät­zun­gen lie­gen aller­dings nicht vor. Jedoch darf ange­zwei­felt wer­den, ob tat­säch­lich die Anzahl der in Deutsch­land täti­gen Pro­sti­tu­ier­ten seit­dem sehr stark ange­stie­gen sind.” 519 — Quel­le: Kavemann/Steffan 2013: Zehn Jah­re Pro­sti­tu­ti­ons­ge­setz und die Kon­tro­ver­se um die Aus­wir­kun­gen -> https://www.bpb.de/apuz/155364/zehn-jahre-prostitutionsgesetz-und-die-kontroverse-um-die-auswirkungen?p=all 619 — Nun ist der Arti­kel schon ein paar Jah­re alt und vor dem Pro­st­SchG ent­stan­den, es gilt aber wei­ter­hin, dass es kei­ne zuver­läs­si­gen Schät­zun­gen gibt. 719 — Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt spricht von ca. 32.800 nach Pro­st­SchG ange­mel­de­ten Per­so­nen Ende 2018. -> https://destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Prostituiertenschutz/_inhalt.html Beto­nung auf “ANGEMELDET” — wir wis­sen auch, dass sich Per­so­nen nicht anmel­den, aber es ist voll­kom­men unklar, um wie vie­le es sich dabei han­delt 819 — Das bedeu­tet auch, dass jeg­li­che Anga­ben über Antei­le, also “X% der Pro­sti­tu­ier­ten sind XYZ”, mit Vor­sicht zu genie­ßen sind, da sowas auf­grund der man­geln­den Kennt­nis über die Grund­ge­samt­heit bzw. die gro­ßen Schwan­kungs­brei­ten der Schät­zun­gen nicht berech­net wer­den kann. 919 — Wenn sol­che Anga­ben aus wiss. Stu­di­en kom­men, also bit­te immer genau in den Metho­den­teil gucken, da muss genau auf­ge­lis­tet sein, wie vie­le Leu­te dafür befragt wur­den bzw. wel­che Daten­sät­ze genutzt wur­den — und auch wel­che Ein­schrän­kun­gen sich dadurch erge­ben. 1019 — Bei­spiel: Die Stu­die zu Lebens­si­tua­ti­on, Sicher­heit und Gesund­heit von Frau­en, im Auf­trag des BMFSFJ aus dem Jahr 2005, Voll­text hier -> https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/studie–lebenssituation–sicherheit-und-gesundheit-von-frauen-in-deutschland/80694 1119 — Die Stu­die “Lebens­si­tua­ti­on, Sicher­heit und Gesund­heit von Frau­en in Deutsch­land” Laut deren Kurz­fas­sung haben z.B. 43% der Pro­sti­tu­ier­ten sexu­el­len Miss­brauch in der Kind­heit erlebt. Heißt das, dass grund­sätz­lich 43% der Pro­sti­tu­ier­ten sexu­el­len Miss­brauch in der Kind­heit erlebt haben? Kann man nicht sagen, denn: 1219 — In der Lang­fas­sung wird erklärt, dass es kei­ne reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­ge ist: “Eine tat­säch­li­che Reprä­sen­ta­ti­vi­tät ist mit einer sol­chen Unter­su­chung jedoch ohne­hin kaum mög­lich, da über den Umfang und die Zusam­men­set­zung der Stich­pro­be kei­ne genau­en Infor­ma­tio­nen vor­lie­gen” 1319 — “Durch die­se Art der Stich­pro­ben-Selek­ti­on besteht eine Ein­schrän­kung in der Reprä­sen­ta­ti­vi­tät der gewon­ne­nen Daten inso­fern, als sie jenen Teil der Gesamt­grup­pe der Pro­sti­tu­ier­ten stär­ker abbil­den, die Hilfs­ein­rich­tun­gen und Gesund­heits­äm­ter kon­tak­tie­ren.” “Durch die Koope­ra­ti­on der jewei­li­gen Hilfs­ein­rich­tun­gen konn­ten ins­ge­samt 110 Pro­sti­tu­ier­te zur Mit­ar­beit an die­ser Unter­su­chung gewon­nen wer­den” 1419 — Aber, nach­dem ich ja als qua­li­ta­ti­ve Sozi­al­for­sche­rin sowie­so nicht an Zah­len glau­be, muss man auch das zur Kennt­nis neh­men: “Auch wenn die­se Erhe­bung somit kei­nen Anspruch auf Reprä­sen­ta­ti­vi­tät erhebt, so bie­tet der Umfang der Stich­pro­be doch… 1519  … einen Ein­blick in die Lebens- und Arbeits­be­din­gun­gen sowie auch die Gewalt­prä­va­len­zen und beson­de­ren Gewalt­er­fah­run­gen unse­rer Unter­su­chungs­grup­pe. ” 1619 —  Ins­ge­samt müs­sen wir uns fra­gen, war­um gera­de die­se Zah­len für uns oder die Debat­te so wich­tig sind, denn Gewalt, Aus­beu­tung, Men­schen­han­del wer­den jetzt nicht schlim­mer oder bes­ser, wenn mehr oder weni­ger Per­so­nen davon betrof­fen sind. 1719 — Ob es nun 1, 10 oder 1000 Per­so­nen oder 10%, 40% oder 90% sind, die davon betrof­fen sind, ändert nichts an deren Erle­ben, je nach Prä­sen­ta­ti­on der Zah­len macht das aller­dings etwas mit unse­rer Wahr­neh­mung des Pro­blems als Außen­ste­hen­de. 1819 — Hohe Pro­zent­an­ga­ben (90%!!!) klin­gen immer sehr dra­ma­tisch, aber so lan­ge nicht klar ist, *wovon* es 90% sind, sagt das eigent­lich nichts aus. 19/19 — Long Sto­ry short: Zah­len sind nicht ein­fach so objek­tiv, neu­tral und rich­tig — wir haben noch gar nicht die Fra­ge ange­schnit­ten, wie das, was gemes­sen wer­den soll, defi­niert wird — also weder im Bezug auf Sexarbeit/Prostitution noch all­ge­mein blind irgend­wel­chen Num­mern fol­gen.
Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung von Ursu­la Probst Mit­glied der Gesell­schaft für Kri­ti­sche Sex­ar­beits-For­schung, GSPF Dan­ke