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2. Juni: Hurentag

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Die Frau als Kundin

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Die­ser Bei­trag stammt aus der Feder unse­res Mit­glie­des Micha­el König. Ber­lin im Novem­ber 2013: Ein sel­te­nes Ver­gnü­gen wur­de mir gegönnt. Ich durf­te Frau A. Schwar­zer für ein paar Sekun­den sprach­los erle­ben. Eben hat­te sie in der Ura­nia von der Büh­ne her­ab ca. 400 Zuhörer*innen erklärt „alle Frei­er sol­len geäch­tet wer­den“. Bevor nun die Meu­te, so ange­feu­ert, zur Lynch­jus­tiz aus­zie­hen konn­te, lie­ßen mich Anzug und Kra­wat­te sowie eine gewis­se Rou­ti­ne im „seri­ös-naiv-drein­schau­en“ das Saal­mi­kro­phon ergat­tern. „Mei­ne Kun­din­nen sei­en Frau­en, ergo weib­li­che Frei­er und wie es mit deren Äch­tung aus­se­he?“. Da waren sie, die­se köst­li­chen 5 Sekun­den der Sprach­lo­sig­keit. Ein gefühl­te süße Ewig­keit. Eine Ant­wort von A. Schwar­zer? – Fehl­an­zei­ge. Wir reden hier schließ­lich über Nicht­exis­ten­tes. Frau­en, die sich sexu­el­le Erleb­nis­se kau­fen und das bei einem Mann. Dop­pel­ter Tabu­bruch. Die Erfah­run­gen mit weib­li­chen Kun­din­nen, die ich hier zusam­men­fas­se, beru­hen auf mei­ner nun­mehr 12jährigen Arbeit als Tan­tra­mas­seur. Ich lie­be mei­ne Arbeit. Ich bin begeis­tert von den muti­gen Frau­en, wel­che sich in unse­re klei­ne Frei­bur­ger Mas­sa­ge­pra­xis trau­en. Sie kom­men zu Frau­en und zu Män­nern. Sie machen in etwa 10% unse­rer Kund­schaft aus — mit stei­gen­der Ten­denz. Ihre Moti­ve – viel­fäl­tig wie das Leben und die Lust. Oft benannt: • Sich wie­der als Frau spü­ren wol­len, mit dem gan­zen Poten­ti­al weib­li­cher Erle­bens­fä­hig­keit in der Lust. Was gute ana­to­mi­sche Kennt­nis­se, pro­fes­sio­nel­les Durch­hal­te­ver­mö­gen, men­schen­freund­li­ches Ein­füh­lungs­ver­mö­gen und eine lie­be­vol­le, nicht wer­ten­de Zuge­wand­heit sei­tens des Mas­seurs for­dert. • Die ob die­ses Anfor­de­rungs­pro­fils über­for­der­ten Partner*innen, denen sich Frau nicht mehr zumu­ten möch­te oder kann oder darf (so emp­fin­det sie es, lei­der). Und sie, die Partner*innen, ihren Frau­en emp­feh­len, es doch mal mit einer Tan­tra­mas­sa­ge zu ver­su­chen. Eine win/win/win Stra­te­gie. • Schlicht der Man­gel an geeig­ne­ten Partner*innen für sexu­el­les Erle­ben und defi­ni­tiv kein Inter­es­se an mit sexu­el­lem Genuss ein­her­ge­hen­den Bezie­hungs­deals. Sowie ein ordent­li­ches Päck­chen an Frus­t­er­leb­nis­sen, gepackt in der Welt der Kon­takt­bör­sen. • Neu­gier. Oh ja – die wun­der­ba­re Neu­gier der Wei­ber. Sie lässt ger­ne mal die Angst vor dem Tabu­bruch ver­blas­sen. Und bevor das Fürch­ten sein Stamm­ter­rain wie­der­ge­winnt und kul­ti­vier­ter Sexua­li­tät den Weg ver­sperrt, ist es zu spät und der ent­schei­den­de Schritt schon getan. Dann war es so über­ra­schend wun­der­bar, dass sich nun die Angst nur noch bla­mie­ren kann und recht­schaf­fen lächer­lich macht. • Ja und auch und nicht zu sel­ten: der Wunsch, ein ver­lo­ren gegan­ge­nes, sinn­li­ches, femi­ni­nes Wun­der­land wie­der zurück­zu­er­obern. Ver­lo­ren ging es durch Trau­ma­ti­sie­rung, Ver­nach­läs­si­gung, kör­per­li­che Lei­den, eine beschä­dig­te sexu­el­le Bio­gra­fie, mora­lin­saure Erzie­hung, Stig­ma­ti­sie­rung oder schlicht den Man­gel an sexu­el­ler Kul­tur. Die Rück­erobe­rung geschieht über unmit­tel­ba­re kör­per­li­che Erfah­rung. Auf einem gefühlt dün­nen Eis geht es, Schritt für Schritt, zurück zu Mut­ter Erde‘s hei­li­gen, siche­ren und fri­vo­len Boden. Klar geführt am Händ­chen des Mas­seurs oder der Mas­seu­rin. Ger­ne in Ergän­zung zur The­ra­pie mit Wor­ten. Das Kli­schee möch­te es ger­ne so gere­gelt wis­sen: Frau­en kom­men zum Wei­nen in die Tan­tra­mas­sa­ge, Män­ner aus Geil­heit. So hüllt ein nicht so klei­nes Semi­nar­zen­trum den Kurs zur Yoni­mas­sa­ge ( Das ist der Tan­tra­jar­gon für die Intim­mas­sa­ge der Frau ) sprach­lich ein in: „Vom Los­las­sen, Trä­nen & tie­fer Her­zens­lust“. Und zur Lingam­m­as­sa­ge (glei­cher Jar­gon, jetzt der intim berühr­te Mann) lesen wir dort: “20 Tech­ni­ken, um ihn lust­voll zu ver­wöh­nen“. Es scheint so, als brau­che Frau noch eine Zusatz­le­gi­ti­ma­ti­on, um sich erfüll­te Lust gegen Bezah­lung zu gön­nen. Lei­der geil, ein­fach so — geht nicht für die Frau, ist nicht salon­fä­hig. Frau­en­geil­heit wur­de mit der Auf­klä­rung abge­schafft. Ein paar ihrer Trän­chen braucht es heu­te schon, damit die Sache akzep­ta­bel bleibt. Nach ein paar hun­dert gege­be­nen Mas­sa­gen darf ich zusam­men­fas­sen: FakeN­ews. Bei uns kom­men Män­ner wie Frau­en in ihre eige­ne, indi­vi­du­el­le Kraft und Lust. Sexu­el­les Refe­renz­erleb­nis nen­nen es man­che. Das kann geil, tief, berau­schend, erfül­lend sein. Trä­nen, aus Freu­de, aus Trau­er, aus Erkennt­nis flie­ßen bei „Ihr“ und „Ihm“ und den „Drit­ten“ glei­cher­ma­ßen. Sie sind kein weib­li­ches Pri­vi­leg. Aller­dings, es gibt schon Unter­schie­de: So scheint es, als müs­se Frau eine höhe­re (mora­li­sche?, finan­zi­el­le?) Hür­de über­win­den, um den Weg zu uns zu fin­den. Ich mei­ne, wir haben 50% Frau­en in der Gesell­schaft und 10% Frau­en als Kun­din­nen. Was für ein Rie­sen-Fuck­ing-Gen­derg­ap. Wenn Frau aber da ist, dann ist sie da! In Pracht und Fül­le. Fällt die Ein­gangs­tü­re zur Pra­xis ins Schloss, schei­nen ver­meint­li­cher Tabu­bruch und die damit ver­bun­de­ne Scham außen vor zu blei­ben. Frau läuft schnel­ler, als wir sie hal­ten könn­ten, und unge­niert durch die Räu­me der Pra­xis. Wie es scheint, ohne Sor­ge vor even­tu­el­len Begeg­nun­gen. Män­ner sind da deut­lich gen­an­ter. Frau guckt gleich mal ins Bad und hin­ter sons­ti­ge Kulis­sen, ob‘s sau­ber ist. Äußert oft recht klar Erwar­tun­gen an die Mas­sa­ge. Frau kommt tadel­los gepflegt in die Mas­sa­ge. Män­ner müs­sen wir schon mal zum Duschen schi­cken. Frau plant ihren Ter­min Wochen im Vor­aus. Meist mit aus­ge­klü­gel­ter Eisprung­pa­ra­me­trie oder scharf berech­ne­tem Blu­tung­s­ti­ming. Frau kommt zuver­läs­sig zum Ter­min oder sagt ab. Mann ruft an und frägt ob heu­te, also unge­fähr jetzt, noch ein Ter­min zu haben sei. Um dann schon mal in letz­ter Sekun­de und ohne Absa­ge zu knei­fen. Frau gibt sel­ten Trink­geld, und sei sie noch so zufrie­den. Män­ner sind da groß­zü­gi­ger. (Sor­ry Mädels, klingt komisch, ist aber so!). Frau kommt auf Emp­feh­lung der bes­ten Freun­din oder einer The­ra­peu­tin. Mann hat die Anzei­ge im Ero­tik­teil der Lokal­zei­tung gele­sen. Ach ja, und Frau, lie­be Prophet*innen des tro­cke­nen und saft­frei­en männ­li­chen Orgas­mus, wer­te Tan­tra­hei­li­ge: Frau kommt ger­ne sowas von nass, dass der männ­li­che Erguss dage­gen, rein men­gen­mä­ßig betrach­tet, bes­ten­falls als Amu­se-Gueu­le auf der Lust­kar­te durch­geht. (Gibt es schon den Big­Draw gegen Freu­den­fluss — sor­ry, ein Insi­der­witz, magichhier­nicht­er­klä­ren­ger­ne­ein­an­der­mal). Wie wei­ter? Ama­ki­do Berüh­rungs­kunst hat 2006 damit begon­nen, Tan­tra Mas­sa­gen für Frau­en von Mas­seu­ren anzu­bie­ten. Vier Kun­din­nen, das war die Bilanz des ers­ten Jah­res. Heu­te, nach zwölf Jah­ren, zäh­len wir ca. 80 Kun­din­nen im Jahr. Das sind zwan­zig­mal mehr. Immer­hin! Wir blei­ben dran und las­sen erst locker, wenn der Gen­derg­ap geschlos­sen ist. Es macht uns glück­lich, wenn wir sehen und erle­ben, wie die Frau­en nach der Mas­sa­ge von uns gehen: In weib­li­cher Fül­le, stolz, leuch­tend und schön. Bereit, die Män­ner­welt freund­lich aber unmiss­ver­ständ­lich mit der gan­zen Wucht ihrer weib­li­chen Potenz bekannt zu machen. Ihnen jen­seits von Opfer­rol­le und reflex­ar­ti­gem Feind­schafts­ge­ba­ren auf Augen­hö­he zu begeg­nen. Dann ruht das Kriegs­beil des Geschlech­ter­kampfs für einen gött­li­chen Moment. Und wir fin­den, dass wir mit unse­rer schö­nen Arbeit auch ein Stück­chen Frie­den stif­ten. Wem das zu abge­tral­lert klingt, der lese sich doch noch in unse­rem femi­ni­nen Gäs­te­buch an den Rück­mel­dun­gen zu Tan­tra­mas­sa­gen besof­fen. Das fin­det ihr hier: Femi­ni­nes Gäs­te­buch Micha­el König