Berufsverband-Sexarbeit.de

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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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RED UMBRELLA STRUGGLES — Eine internationale Kunstausstellung zum Thema Sexarbeit

RED UMBRELLA STRUGGLES — Eine internationale Kunstausstellung zum Thema Sexarbeit

RED UMBRELLA STRUGGLES — Eine internationale Kunstausstellung zum Thema Sexarbeit
Die­ser Bei­trag stammt aus dem Blog von BesD-Mit­glied Ruby, die im Rah­men des Begleit­pro­gramms der Aus­stel­lung „Red Umbrel­la Strug­gles” als Spre­che­rin ein­ge­la­den war. Die Aus­stel­lung ist noch bis 23. Juni die­sen Jah­res im Edith-Russ-Haus für Medi­en­kunst in Olden­burg zu sehen. 
Vor eini­gen Mona­ten las ich im Forum des Berufs­ver­ban­des eine Anfra­ge, wo nach einer Referent*in gesucht wur­de, die anläss­lich einer Grup­pen­aus­stel­lung mit inter­na­tio­na­ler Betei­li­gung bereit wäre, einen Input zum The­ma Sex­ar­beit zu geben. Nach einem total inter­es­san­ten Tele­fo­nat mit Herrn Blum, der für die Städ­ti­schen Muse­en in Olden­burg tätig ist, ent­schied ich mich dazu, teil­zu­neh­men. Ich hat­te nur sehr nebel­haf­te Vor­stel­lun­gen davon, was mich erwar­ten wür­de. Medi­en­kunst, Instal­la­tio­nen, kol­la­bo­ra­ti­ve Arbeits­wei­se, die Ver­bin­dung von Sex­ar­beit und Kunst, das klang alles irgend­wie span­nend, mir fehl­te aber kom­plett eine Idee, wie das gelin­gen könn­te und ja, ich war auch skep­tisch, ob das irgend­wie hoch­tra­bend oder über­kan­di­delt sein wür­de. Als ich ges­tern die Aus­stel­lung vor der Ver­an­stal­tung besuch­te, kam es ganz anders. Die Aus­stel­lung macht mich stolz, stolz auf mei­ne Arbeit, stolz auf die Huren­be­we­gung und stolz auf die Künstler*innen, die sich getraut haben, mal genau­er hin­zu­schau­en. Die Arbei­ten sind meist Kol­la­bo­ra­tio­nen zwi­schen Sex­Wor­kern und Künstler*innen. Petra Bau­er, die Sti­pen­dia­tin des Edith-Russ-Haus für Men­di­en­kunst ist, hat mit SCOT-PEP, der schot­ti­schen Sex­wor­ker­ge­werk­schaft eine Instal­la­ti­on geschaf­fen. Über zwei Lein­wän­den hängt das wun­der­ba­re Ban­ner von SCOT-PEP, also direkt vor der Nase von jedem Besu­cher der Aus­stel­lung. Das Ban­ner ruft zur Ein­heit der Sex­Wor­ker auf. Petra Bau­er hat zwei Lein­wän­de dazu grup­piert, auf der einen wird his­to­ri­sches Film­ma­te­ri­al gezeigt: zum einen die Beset­zung der Kir­che 1975 in Lyon von 200 Sex­ar­bei­te­rin­nen von Caro­le Rous­so­pou­los mit Les Pro­sti­tuées de Lyon Par­lent sowie der Film von Chan­tal Aker­mans Jean­ne Diel­man, 23 Quai du Com­mer­ce, 1080 Bru­xel­les, die die Sex­ar­bei­te­rin Jean­ne in ihrem All­tag zeigt. Auf der ande­ren gro­ßen Lein­wand zeigt die Schwe­din Petra Bau­er ihren Film WORKERS!, in dem Ange­hö­ri­ge von SCOT-PEP einen Tag lang den schot­ti­schen Gewerk­schafts­kon­gress für ihre Arbeit nut­zen. Die Aneig­nung die­ses offi­zi­el­len Gebäu­des macht sofort den Anspruch der Orga­ni­sa­ti­on klar, näm­lich die Rech­te von Sex­ar­bei­ten­den auf Augen­hö­he mit ande­ren Arbeiter*innen zu ver­tei­di­gen. Man­che Akteur*innen wol­len uner­kannt blei­ben, ande­re schüt­zen ihre Gesich­ter mit dem roten Regen­schirm, man­che zei­gen sich der Kame­ra kom­plett. Petra Bau­ers Film ist sehr nah dran und schafft durch die Kame­ra­füh­rung das Gefühl, Teil der Ver­samm­lung zu sein. Zwi­schen den bei­den Lein­wän­den ist ein Semi­nar­tisch auf­ge­stellt wor­den mit aktu­el­ler Lite­ra­tur und Pads zur Huren­be­we­gung. Es lädt ein, sich an den Tisch zu set­zen und ins The­ma ein­zu­stei­gen. 5 wei­te­re Arbei­ten wer­den in der Aus­stel­lung gezeigt. Beson­ders span­nend für mich war dabei der slo­we­ni­sche Künst­ler Tadej Pogačar, der 2001 auf der Bien­na­le von Vene­dig einen Pavil­lon für den ers­ten Welt­kon­gress der Sex­ar­bei­ten­den nutz­te, aus dem dann auch der RED UMBRELLA MARCH resul­tier­te. Von die­sem Zeit­punkt an war der rote Regen­schirm fest als das Sym­bol unse­rer Bewe­gung instal­liert. Es folg­ten wei­te­re Aktio­nen bis heu­te. Der Ober­be­griff für die­se Instal­la­tio­nen ist CODE:RED, unter die­sem Titel begann Tadej Pogačar 1999 sein par­ti­zi­pa­to­ri­sches Lang­zeit-Pro­jekt, das eine Art Platt­form für Expert*innen, Künstler*innen, Aktivist*innen und Sexarbeiter*innen dar­stellt. Es gab CODE:RED-Beiträge in Zagreb, Bang­kok, Madrid und Sao Pao­lo. In Bra­si­li­en gab es die Akti­on mit dem Mode­la­bel DASPU, das eine Kol­lek­ti­on von Sex­ar­bei­ten­den ent­wer­fen und prä­sen­tie­ren ließ. Zusam­men­ge­ar­bei­tet hat Pogačar dort mit Davi­da, einer bra­si­lia­ni­schen NGO, die sich mit den Rech­ten von Sex­ar­bei­ten­den befasst. Neben der span­nen­den Aus­stel­lung hat­ten wir eine abso­lut anre­gen­de Dis­kus­si­on. Doro von Phö­nix e.V. und ihre Kol­le­gin und ich unter­stüt­zen den Rund­gang durch die Aus­stel­lung mit Ein­wür­fen, Ergän­zun­gen und Anmer­kun­gen. Bei dem schon vor­ge­stell­ten Werk von Petra Bau­er kam mir natür­lich gleich der Huren­kon­gress in den Sinn, wo wir ja auch ein eta­blier­tes Gebäu­de zwei Tage lang für unse­re The­men mit Beschlag beleg­ten, und bei CODE:RED kam dann auch das Schwarm­kunst­pro­jekt STRICH:CODE:MOVE zu Wort. Wir haben uns mit den Ver­an­stal­tungs­be­su­chern über Arbeits­be­din­gun­gen von Sexarbeiter*innen unter­hal­ten, über das all­ge­gen­wär­ti­ge Stig­ma, die Situa­ti­on mit dem Pro­st­SchG und unse­re Ver­net­zung in der Bewe­gung. Eine Dame warf manch­mal stark aggres­siv immer wie­der Zita­te von Ali­ce Schwar­zer ein, frag­te mich, was den Sex für mich per­sön­lich sei und wie ich es wagen kön­ne, für Frisch­fleisch, Men­schen­han­del und die Frau als Ware ganz ande­re Sicht­wei­sen und Per­spek­ti­ven zu haben. Es ging also hoch her. Mich hat das Publi­kum begeis­tert, das sehr rege mit­dis­ku­tiert hat. Die Besucher*innen blei­ben immer reflek­tiert, und inter­es­siert. Sie woll­ten Zusam­men­hän­ge bes­ser ver­ste­hen und konn­ten auch für Außen­ste­hen­de schwie­ri­ge Zusam­men­hän­ge gut aus­hal­ten. Sol­che Ver­an­stal­tun­gen nut­zen uns, glau­be ich, viel mehr als irgend­wel­che Schlag­zei­len in den Mas­sen­me­di­en. Es war ein gran­dio­ser Abend mit­ten in der nord­deut­schen Pro­vinz und ich habe vie­le Anre­gun­gen für mei­nen eige­nen Akti­vis­mus mit­ge­gan­gen. In die­sen tris­ten Zei­ten ein ech­ter Licht­blick! Dan­ke an das Edith-Russ-Haus für Medi­en­kunst, das Team vor Ort und an die Kolleg*innen von Phö­nix e.V.