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2. Juni: Hurentag

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Aktionswoche 2026

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Plädoyer gegen die Tabuisierung von Pornografie und anhaltende Sexualmoral

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@Alexas_Fotos
Die Tages­schau berich­tet am 7.4.20 auf twit­ter Zitat von Tobi­as Schmid, Chef Lan­des­an­stalt für Medi­en NRW „Wenn bei Kin­dern der Ein­druck ent­steht, Gang­bang ist eine nor­ma­le Sexu­al­prak­tik, in der die Frau benutzt und gede­mü­tigt wird, dann ist das sicher­lich ein extre­mes Pro­blem.“ Schmid will die reich­wei­ten­stärks­ten Por­no-Por­ta­le dazu zwin­gen, in ihren deutsch­spra­chi­gen Ange­bo­ten eine wirk­sa­me Alters­be­schrän­kung ein­zu­füh­ren. @tagesschau ———————————————————————————————————————————— Ant­wort von Madi­ta Oeming, Uni Pader­born Pro­mo­ti­on zu „Por­no­sucht“ als mora­li­sche Panik Web: https://uni-paderborn.academia.edu/MaditaOemingMA @MsOeming Lie­ber Tobi­as Schmid, da Sie offen­kun­dig weder “Kin­der”, noch das Inter­net, noch Por­nos, NOCH Gang­bangs beson­ders gut ver­ste­hen, hier ein Thread für Sie… #Jugend­schutz (1) Erst­mal zur Wirk­sam­keit: Alters­be­schrän­kun­gen zu umge­hen ist ein (Pun inten­ded) KINDERSPIEL! Den Aus­weis von Mama klau­en, den gro­ßen Bru­der fra­gen, per VP Cli­ent aus ande­rem Land zugrei­fen, und, und, und… Digi­tal Nati­ves sind ver­dammt cle­ver! (2) Wenn auch nur EINE Per­son sich Zugriff ver­schafft, kann sie run­ter­la­den oder scre­en­grab­ben und mit einem Klick an die gan­ze Klas­se per Whats­App-Grup­pe, E‑mail etc. ver­schi­cken und die alle eben­so. Im Nu kön­nen sich Bil­der so trotz­dem ver­brei­ten. (3) Selbst WENN der Online-Zugriff erfolg­reich ver­wehrt wür­de, gibt es immer noch die Off­line-Vari­an­ten: Fest­plat­ten voll mit Por­nos oder DVDs. Glau­ben Sie, vor Breit­band­in­ter­net wur­den von Min­der­jäh­ri­gen kei­ne Por­nos geschaut & getauscht? Wozu gab es LAN-Par­ties? (4) Ver­gleich­bar wie im Inter­net müs­sen die jun­gen Men­schen danach nicht unbe­dingt aktiv suchen. Sie kön­nen über die Samm­lung der Eltern oder Geschwis­ter stol­pern, im Kiosk über Maga­zi­ne, kön­nen in ihrer Peer Group unge­fragt damit kon­fron­tiert wer­den. (5) Kurz gesagt: ES IST UNMÖGLICH, MINDERJÄHRIGE GÄNZLICH VON PORNOGRAFISCHEN INHALTEN ABZUSCHOTTEN! Egal, was Sie sich aus­den­ken. Des­halb müs­sen wir sie anders schüt­zen: mit Auf­klä­rung! (6) Kin­der sind sehr wohl in der Lage zu ver­ste­hen, was Fik­ti­on und was Wirk­lich­keit ist. Sie schaf­fen das auch bei Paw­Pa­t­rol oder Super­man oder Har­ry Pot­ter. Wir soll­ten Kin­der nicht unter­schät­zen! (7) Natür­lich kann das bei Por­nos schwe­rer fal­len, weil ech­te Men­schen mit ech­ten Kör­pern “ech­ten” Sex haben und jun­ge Men­schen zunächst noch kei­ne eige­ne sexu­el­le Erleb­nis­welt haben, mit der sie das Gese­he­ne abglei­chen & Wider­sprü­che erken­nen kön­nen. (8) Des­we­gen muss es ihnen jemand ERKLÄREN: Dass die Men­schen bezahlt und gecas­tet wur­den, um ein Dreh­buch nach­zu­spie­len, inmit­ten eines Teams von Ton, Licht und Kame­ra. Dass wir ganz viel nicht sehen im fer­ti­gen Bild. Das Vor­her, das Nach­her, das Drum­her­um. Das geht. (9) Gleich­zei­tig soll­te ihnen Sexu­al­wis­sen ver­mit­telt wer­den, nicht nur zu Schwan­ger­schaft & Geschlechts­krank­hei­ten, son­dern zu Lust, sexu­el­ler Ori­en­tie­rung und Con­sent. Damit sie das Gese­he­ne wenigs­tens mit dem Gelern­ten, wenn noch nicht mit dem Erleb­ten, abglei­chen kön­nen. (10) Ich sage es noch­mal: CONSENT!!! Wür­den alle jun­gen Men­schen ler­nen, ihre eige­nen sexu­el­len Gren­zen zu ken­nen, klar zu kom­mu­ni­zie­ren und zu schüt­zen, sowie die ande­rer abzu­fra­gen und zu respek­tie­ren, könn­ten wir uns so vie­le die­ser Unter­hal­tun­gen gänz­lich spa­ren. (11) Zu guter Letzt muss fest­ge­hal­ten wer­den, dass Por­nos auch ein wich­ti­ges Hilfs­mit­tel sein kön­nen, die eige­nen Vor­lie­ben & Fan­ta­sien, und durch Mas­tur­ba­ti­on auch den eige­nen Kör­per, sicher zu erkun­den — durch­aus auch vor der Voll­jäh­rig­keit. (12) Ins­be­son­de­re que­e­re Men­schen, die ihre Sexua­li­tät im Main­stream kaum reflek­tiert sehen, beschrei­ben immer wie­der, wie zen­tral Por­nos in ihrer Selbst­fin­dung und Selbst­ak­zep­tanz waren — durch­aus auch vor der Voll­jäh­rig­keit. (13) Sowie­so soll­ten wir auf­hö­ren, so zu tun, als wür­de Sexua­li­tät erst mit dem Ein­tre­ten des 18. Lebens­jah­res ange­knipst wer­den (bzw. in ande­ren Län­dern mit 21). Wir ent­wi­ckeln viel frü­her sexu­el­les Ver­lan­gen und soll­ten damit nicht allein gelas­sen wer­den! (14) Eben­so ist es ein Irr­glau­be, dass Men­schen mit Ein­tre­ten der Voll­jäh­rig­keit auto­ma­tisch einen gesun­den kri­ti­schen Umgang mit por­no­gra­fi­schen Inhal­ten hät­ten. Die meis­ten Erwach­se­nen haben ihn nicht! Auch für uns ist das The­ma in Scham, Schwei­gen & Unwis­sen gehüllt. (15) Ihr eige­nes Fehl­ver­ständ­nis von Por­no­gra­fie zeigt sich u.a. in Ihrer For­mu­lie­rung der dar­ge­stell­ten “abnor­ma­len Sexu­al­prak­ti­ken” — das ist eine Wer­tung und Patho­lo­gi­sie­rung, auch “Kink Shaming” genannt, die sich jemand in Ihrer Posi­ti­on nicht erlau­ben soll­te. (16) Auch bei einem Gang­bang han­delt es sich um eine viel­leicht sel­te­ne­re aber kei­nes­wegs abnor­ma­le Pra­xis, bei der auch eine Frau im kon­trol­lier­ten Set­ting nach Abste­cken ihrer Gren­zen ver­schie­de­ne Fan­ta­sien erfül­len kann. Pas­siert dies unein­ver­nehm­lich, ist das sexu­el­le Gewalt. (17) Ihre Dar­stel­lung als eine Pra­xis, die Frau­en aus­schließ­lich “benutzt und demü­tigt”, schreibt ein über­hol­tes Nar­ra­tiv der Frau als Opfer fort, in dem weib­li­che Sexua­li­tät gänz­lich aus­ge­klam­mert wird. Hier zeigt sich ein viel schäd­li­che­res Kern­pro­blem. (18) Im übri­gen bedeu­tet das Inter­es­se dar­an, sich einen Gang­bang im Por­no anzu­schau­en kei­nes­wegs, dass man auch ger­ne selbst einen Gang­bang erle­ben möch­te. Das gilt für vie­le Fan­ta­sien, die Men­schen aus­schließ­lich im Por­no aus­le­ben. (19) Natür­lich stimmt es, dass uns im Por­no vie­le sexis­ti­sche Nar­ra­ti­ve begeg­nen (wie in ALLEN Medi­en!). Aber gin­ge es Ihnen tat­säch­lich um Sexis­mus-Bekämp­fung, wür­den Sie woan­ders anset­zen. Zum Bei­spiel alter­na­ti­ve Por­no­gra­fie und deren ethi­schen Kon­sum för­dern. (20) Statt­des­sen machen Sie Por­nos zum ein­fa­chen Sün­den­bock und mobi­li­sie­ren exis­tie­ren­de Ängs­te. Auch die Ver­wen­dung des Begriffs “Kin­der,” obwohl es pri­mär um Teen­ager geht, scheint mir hier ein rhe­to­ri­scher Kniff zu sein, den ich irre­füh­rend und pro­ble­ma­tisch fin­de. (21) Was ich mit all dem sagen will: Die Tabui­sie­rung von Por­no­gra­fie, anhal­ten­de Sexu­al­mo­ral und Gen­der­ste­reo­ty­pe sowie der ekla­tan­te Man­gel an umfas­sen­der, que­er-inklu­si­ver, sex-posi­ti­ver Sexu­al­auf­klä­rung — DAS ist ein “extre­mes Pro­blem,” das wir ange­hen soll­ten. Punkt. Madi­ta Oeming