Berufsverband-Sexarbeit.de

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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Offener Brief von Ban Ying an die 16 Parlamentarier, die ein Sexkaufverbot fordern

Offener Brief von Ban Ying an die 16 Parlamentarier, die ein Sexkaufverbot fordern

Offener Brief von Ban Ying an die 16 Parlamentarier, die ein Sexkaufverbot fordern

Rechte statt Verbote – GEGEN ein Prostitutionsverbot. FÜR den Schutz von Frauen, die Gewalt, Ausbeutung, Menschenhandel erfahren

 

An den Minis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier,

An den Bür­ger­meis­ter und Prä­si­dent des Senats Dr. Andre­as Boven­schul­te,

An die Minis­ter­prä­si­den­tin Malu Drey­er,

An den Minis­ter­prä­si­dent Dani­el Gün­ther,

An den Minis­ter­prä­si­dent Tobi­as Hans,

An den Minis­ter­prä­si­dent Dr. Rei­ner Hasel­off,

An den Minis­ter­prä­si­dent Win­fried Kret­sch­mann,

An den Minis­ter­prä­si­dent Micha­el Kret­schmer,

An den Regie­ren­der Bür­ger­meis­ter Micha­el Mül­ler,

An den Minis­ter­prä­si­dent Armin Laschet,

An den Minis­ter­prä­si­dent Bodo Rame­low,

An den Minis­ter­prä­si­dent Mar­kus Söder,

An die Minis­ter­prä­si­den­tin Manue­la Schwe­sig,

An den Bür­ger­meis­ter Dr. Peter Tsch­ent­scher,

An den Minis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil,

An den Minis­ter­prä­si­dent Dr. Diet­mar Woid­ke,

  Sehr geehr­te Damen und Her­ren,   seit Aus­bruch der Coro­na-Pan­de­mie herrscht in Deutsch­land ein Pro­sti­tu­ti­ons­ver­bot. In einem Brief an Sie for­der­ten nun 16 Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te von CDU und SPD, den Coro­na-beding­ten Shut­down im Pro­sti­tu­ti­ons­ge­wer­be bis auf wei­te­res zu ver­län­gern  – und instru­men­ta­li­sie­ren damit ein kri­sen­be­ding­tes Berufs­ver­bot zu dem Zweck, eine erneu­te Debat­te um ein „Sexkauf­ver­bot“ in Deutsch­land zu ent­fa­chen. Ver­bo­te tref­fen die­je­ni­gen Frau­en* beson­ders hart, die bereits zuvor zu pre­kä­ren Bedin­gun­gen arbei­te­ten: nicht gemel­de­te, mög­li­cher­wei­se undo­ku­men­tier­te Sexarbeiter*innen und sol­che, die sich die teu­re Zim­mer­mie­te ohne Lohn nun nicht mehr leis­ten kön­nen. Ban Ying e.V. berät seit über drei­ßig Jah­ren als Fach­be­ra­tungs­stel­le gegen Men­schen­han­del Frau­en*, die Gewalt und Aus­beu­tung erfah­ren. Vor die­sem Hin­ter­grund for­dern wir statt Ver­bo­ten Zugang zu ihren Rech­ten und rea­len Schutz für Frau­en*, die in Deutsch­land von Zwangs­pro­sti­tu­ti­on und Men­schen­han­del betrof­fen wur­den. Erfah­rungs­wer­te aus der Pra­xis einer Fach­be­ra­tungs­stel­le Die zwei Pro­jek­te von Ban Ying e.V.  – eine Koor­di­na­ti­ons­stel­le gegen Men­schen­han­del und eine Zufluchts­woh­nung für betrof­fe­ne Frau­en und ihre Kin­der –  bie­ten Betrof­fe­nen von Men­schen­han­del Bera­tung, Beglei­tung und Unter­brin­gung in einer anony­men Schutz­woh­nung. Die Bera­tung von Frau­en* aus bis­her über 70 Län­dern ist für die Kli­en­tin­nen* kos­ten­los und ver­trau­lich, auf Wunsch anonym. Sie erfolgt, wenn erfor­der­lich, mit Sprach­mitt­lung. Frau­en*, die bei Ban Ying Hil­fe und Bera­tung suchen, berich­ten fast immer von außer­ge­wöhn­li­chen Schick­sa­len, die sie hin­ter sich haben. Sie sind geprägt von Aus­beu­tung, Gewalt und Dis­kri­mi­nie­rung. Ban Ying berät sie in sozia­ler und juris­ti­scher Hin­sicht je nach Anlie­gen indi­vi­du­ell. Betrof­fe­ne von Men­schen­han­del zum Zweck der sexu­el­len Aus­beu­tung Zwei Bei­spie­le: Eine jun­ge Frau* wird von Ver­wand­ten aus ihrem Hei­mat­land nach Deutsch­land geholt. Sie kommt in der Annah­me, hier als Au-Pair tätig zu wer­den. Auch das von den Ver­wand­ten orga­ni­sier­te Visum trägt offi­zi­ell die­sen Titel und Zweck. Hier ange­kom­men wird sie in einem Mas­sa­ge­sa­lon zur Pro­sti­tu­ti­on gezwun­gen. Eine ande­re Frau* war in ihrem Her­kunfts­land in der Sex­in­dus­trie tätig. Ihr wird ange­bo­ten, nach Deutsch­land zu kom­men, um unter bes­se­ren Bedin­gun­gen zu arbei­ten. Bei ihrer Ankunft stel­len sich die Ver­spre­chen als Lügen her­aus. Sie wird zu lan­gen Arbeits­zei­ten gezwun­gen, um ihren Lohn betro­gen, aus­ge­beu­tet. Bei­de Frau­en* schaf­fen es, sich aus ihrer Zwangs­la­ge zu befrei­en, suchen Hil­fe bei Ban Ying auf und stel­len eine Anzei­ge gegen die Täte­rin­nen und Täter. In bei­den Fäl­len kommt es zu einem Ver­fah­ren wegen Men­schen­han­del zum Zweck der sexu­el­len Aus­beu­tung. Die Unter­schied­lich­keit der Fäl­le zeigt: Men­schen­han­del und extre­me Aus­beu­tung pas­sie­ren unab­hän­gig davon, ob die Per­son ursprüng­lich ein­ge­wil­ligt hat­te, in der Sex­ar­beit tätig zu sein oder nicht. Ban Ying defi­niert sich nicht als Pro-Sex­ar­beit-Ver­ein oder Inter­es­sens­ver­tre­tung der Sex­ar­beit an sich. Viel­mehr geht es uns dar­um, Frau­en* dabei zu unter­stüt­zen, infor­mier­te Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Eine Bera­tung auf Augen­hö­he durch­zu­füh­ren und nicht Teil eines unter dem Begriff „res­cue indus­try“ erforsch­ten Hil­fe­sys­tems wer­den, wel­ches ver­sucht, Frau­en* zu bekeh­ren, die sich sel­ber über­haupt nicht als Opfer ver­ste­hen. Eine Bera­tung, wel­che die Lebens­ent­schei­dun­gen der hil­fe­su­chen­den Frau­en* (bezüg­lich Migra­ti­on, Arbeit oder auch der Ankla­ge der Täter*innen) als sol­che respek­tiert. Zusam­men­hang Men­schen­han­del – Sex­ar­beit Auch über die­se direk­ten Erfah­rungs­wer­te hin­aus wird mit einem Blick auf For­schung zum Zusam­men­hang von Frei­er­be­stra­fung und Men­schen­han­del deut­lich: Das Argu­ment, ein Ver­bot von Pro­sti­tu­ti­on wür­de auch zu einem Rück­gang von Frau­en- und Men­schen­han­del füh­ren, fin­det kei­ne ein­deu­ti­gen Bele­ge. In Frank­reich wur­de 2016 das soge­nann­te nor­di­sche Modell ein­ge­führt, also ein Gesetz, wel­ches Frei­er bestraft, für Sexarbeiter*innen sel­ber jedoch Straf­frei­heit vor­sieht. Eine Befra­gung von über 500 Sexarbeiter*innen zeig­te, dass sich das neue Gesetz sowohl auf die Arbeits­be­din­gun­gen als auch auf die gesund­heit­li­chen und sicher­heits­be­zo­ge­nen Lebens­um­stän­de nega­tiv aus­wirk­te. Statt bes­se­ren Schutz für in der Pro­sti­tu­ti­on Täti­ge bewirk­te das Gesetz im Gegen­teil: Mehr Stig­ma, mehr finan­zi­el­le Unsi­cher­heit. Die Aus­stiegs­pro­gram­me der Regie­rung bie­ten mit der rigi­den Vor­ga­be, bereits nicht mehr in der Sex­ar­beit tätig zu sein, kei­ne rea­lis­ti­sche, schritt­wei­se Auf­nah­me einer ande­ren Beschäf­ti­gung und wer­den ver­mut­lich u.a. aus die­sem Grund in sehr klei­nen Zah­len auf­ge­sucht. Fazit Ein „Sexkauf-Ver­bot“, wie es die ein­gangs erwähn­ten Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten for­dern, wür­de auch in Deutsch­land dazu füh­ren, die­je­ni­gen wei­ter in die Ille­ga­li­tät zu drän­gen, die ohne­hin schon unter pre­kä­ren Arbeits­be­din­gun­gen tätig sind und daher auch einer höhe­ren Gefahr der Aus­beu­tung und des Zwangs aus­ge­setzt sind. Ziel­füh­ren­der ist es, Sexarbeiter*innen sel­ber als Alli­ier­te im Kampf gegen Aus­beu­tung und Men­schen­han­del anzu­er­ken­nen und sie an der poli­ti­schen Debat­te zu betei­li­gen. Und den­je­ni­gen, die Opfer von Men­schen­han­del und Aus­beu­tung wur­den, müs­sen Ent­schä­di­gun­gen und rea­ler Schutz gebo­ten wer­den – unab­hän­gig davon, ob sie als Zeug*innen in einem Straf­ver­fah­ren aus­sa­gen oder eine gül­ti­ge Auf­ent­halts­er­laub­nis in Deutsch­land besit­zen. Der For­de­rung nach einem „Sexkauf­ver­bot“ setzt Ban Ying e.V. fol­gen­de For­de­run­gen ent­ge­gen:
  • Das Recht auf Sex­ar­beit,
  • die Ein­bin­dung von Sexarbeiter*innen in die poli­ti­schen Vor­stö­ße der Pro­sti­tu­ti­ons­ge­setz­ge­bung,
  • die Rech­te von Betrof­fe­nen von Men­schen­han­del nicht an die Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft mit den Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den zu knüp­fen,
  • wei­te­re Finan­zie­rung von Fach­be­ra­tungs­stel­len gegen Men­schen­han­del,
  • die Ein­hal­tung der EU-Richt­li­nie zur Bekämp­fung des Men­schen­han­dels, u.a. Wei­ter­ver­mitt­lung an eine kos­ten­lo­se Bera­tung für undo­ku­men­tier­te Men­schen, wel­che mög­li­cher­wei­se von Aus­beu­tung oder Men­schen­han­del betrof­fen sind – bevor eine auf­ent­halts­recht­li­che Ent­schei­dung getrof­fen wird.
  Livia Valen­sise für Ban Ying e.V. Die Ban Ying e.V. Zufluchts­woh­nung und Koor­di­na­ti­ons- und Bera­tungs­stel­le gegen Men­schen­han­del wer­den von der Senats­ver­wal­tung für Gesund­heit, Pfle­ge und Gleich­stel­lung finan­ziert.