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Kommentar zu “Aus der Deckung” von Ann-Katrin Müller (SPIEGEL <sup class="numerator">14</sup>⁄<sub class="denominator">2015</sub>)

Kommentar zu “Aus der Deckung” von Ann-Katrin Müller (SPIEGEL 142015)

Kommentar zu “Aus der Deckung” von Ann-Katrin Müller (SPIEGEL <sup class="numerator">14</sup>⁄<sub class="denominator">2015</sub>)
In der aktu­el­len Aus­ga­be des SPIEGEL (14÷2015) schreibt die Jour­na­lis­tin Ann-Kat­rin Mül­ler über “dubio­se Ver­bän­de”, die sich “gemein­sam mit Bor­dell­be­trei­bern” “gegen Regeln für die Sex­bran­che” ein­setz­ten — und ver­sucht so unter ande­rem auch den BesD zu dis­kre­di­tie­ren. Die­se Vor­ge­hens­wei­se ist nicht neu. Wer sich gegen Berufs­ver­bo­te (wie zum Bei­spiel die Bei­be­hal­tung der Sperr­be­zir­ke) und dis­kri­mi­nie­ren­de Son­der­ge­set­ze, und für Arbeits­rech­te von Sexarbeiter_innen ein­setzt, wird von Sex­ar­beits­geg­nern gern als Teil einer ima­gi­nä­ren “Zuhäl­ter­lob­by” dar­ge­stellt — und sei­en es renom­mier­te inter­na­tio­na­le Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen für Opfer von Men­schen­han­del, die euro­päi­schen AIDS-Hil­fen oder der Deut­sche Frau­en­rat. Wie Ann-Kat­rin Mül­ler schlecht recher­chiert, Fak­ten ver­dreht, Zita­te aus dem Zusam­men­hang reisst und auch nicht davor zurück­schreckt, die Beschrei­bung der Beklei­dung ihrer Inter­view­part­ner frei dem gewünsch­ten Kli­schee anzu­pas­sen, stel­len Fabi­en­ne Frey­madl (BesD) und Hol­ger Ret­tig (UEGD) in ihren per­sön­li­chen Stel­lung­nah­men dar. War­um der BesD die der­zei­ti­gen Plä­ne der Koali­ti­on zu einem “Pro­sti­tu­ier­ten­schutz­ge­setz” weit über­wie­gend für unge­nü­gend bis kon­tra­pro­duk­tiv hält, haben wir bereits in einer sepa­ra­ten Stel­lung­nah­me aus­ge­führt. Was wir statt­des­sen an gesetz­li­chen Ände­run­gen für sinn­voll hal­ten, ist in unse­ren For­de­run­gen nach­zu­le­sen. Dass sich poli­ti­sche For­de­run­gen von Sexarbeiter_innen mit For­de­run­gen von Bordellbetreiber_innen oder auch von Sex­ar­beits-Kun­den in eini­gen (bei wei­tem nicht in allen!) Punk­ten über­schnei­den, ist wenig über­ra­schend, denn sie alle tei­len einen rea­lis­ti­schen Ein­blick in die tat­säch­li­chen Pro­ble­me und Bedürf­nis­se der ver­schie­de­nen Prot­ago­nis­ten in der Bran­che. Eine “Regu­lie­rung” von Betrie­ben, die in der Pra­xis tat­säch­lich viel­mehr der “Pro­sti­tu­ti­ons­ein­däm­mung” nach kom­mu­na­ler Will­kür dient, scha­det bei­spiels­wei­se nicht nur den Inha­bern der weg­re­gu­lier­ten Bor­del­le, son­dern auch den Sexarbeiter_innen, die ihrer Optio­nen beraubt in den weni­gen ver­blei­ben­den Betrie­ben umso weni­ger leicht mit den Füßen abstim­men kön­nen, wenn die Arbeits­be­din­gun­gen zu wün­schen übrig las­sen. Ein Ver­gleich mit dem Arbeits­kampf und den damit ein­her­ge­hen­den Kon­flik­ten zwi­schen Arbeit­ge­bern und Arbeit­neh­mern in ande­ren Bran­chen hinkt inso­fern, als dass Sexarbeiter_innen so gut wie nie ange­stellt arbei­ten, son­dern sich ledig­lich als Selb­stän­di­ge in die Infra­struk­tur eines Betrie­bes ein­mie­ten, oft nur für kur­ze Zeit. Aus­ser­dem gibt es in kei­ner ande­ren Bran­che ein ver­gleich­ba­res Stig­ma, all­täg­li­che Dis­kri­mi­nie­run­gen und unvor­her­seh­ba­re recht­li­che Stol­per­stei­ne, denen alle Betei­lig­ten auf die eine oder ande­re Wei­se aus­ge­setzt sind. Wenn Ver­bän­de von Sexarbeiter_innen, Ver­bän­de von Bordellinhaber_innen, das Bünd­nis der Fach­be­ra­tungs­stel­len, der Deut­sche Frau­en­rat, der Deut­sche Juris­tin­nen­bund, die Deut­sche AIDS-Hil­fe, die Deut­sche Gesell­schaft zur För­de­rung der sexu­el­len Gesund­heit oder der Bun­des­ver­band der Ärz­tin­nen und Ärz­te des öffent­li­chen Gesund­heits­diens­tes in vie­len Kri­tik­punk­ten an einem geplan­ten Gesetz zur Sex­ar­beit über­ein­stim­men, dann wäre eine mög­li­che Schluss­fol­ge­rung durch­aus, dass die­se Kri­tik berech­tigt ist. Eine Ver­schwö­rungs­theo­rie, nach der all die­se Orga­ni­sa­tio­nen von Bor­dell­be­trei­bern unter­wan­dert oder gekauft sind, macht dage­gen viel­leicht mehr Auf­la­ge, dient aber ansons­ten aus­schließ­lich der Agen­da der­je­ni­gen, die Sex­ar­beit in jeder Form am liebs­ten ganz abschaf­fen wür­den. Ein häu­fig von Sex­ar­beits­geg­nern ver­wen­de­tes Stil­mit­tel, das auch Ann-Kat­rin Mül­ler ver­sucht anzu­brin­gen, ist die angeb­li­che Dicho­to­mie von selbst­be­stimm­ter und dabei sich selbst ver­wirk­li­chen­der Sex­ar­bei­te­rin (“Frey­madl grinst. Sie hat die Ober­hand, so soll es wir­ken. Es ist ihr Geschäfts­mo­dell: Frey­madl ist Domi­na.”) auf der einen, und dem hilf­lo­sen Opfer (“Sie habe sich in den fal­schen Mann ver­liebt, er habe sie in die Bran­che gebracht, sagt sie. Wenn man ein­mal in dem Job sei, dann gelin­ge der Aus­stieg nur schwer. “Ich ken­ne nie­man­den, der den Beruf aus Spaß oder sexu­el­ler Erfül­lung her­aus macht”, sagt Lui­sa.”) auf der ande­ren Sei­te. Dass Betrof­fe­ne von Men­schen­han­del, kri­mi­nel­ler Aus­beu­tung oder Armut auf die­se Wei­se gegen Sexarbeiter_innen aus­ge­spielt wer­den, die mit ihrem Job zufrie­den sind, ist tra­gisch, denn es scha­det bei­den — genau­so wie dem gro­ßen Feld dazwi­schen, das gern igno­riert wird, weil in einer dif­fe­ren­zier­ten Betrach­tung weder Ver­schwö­rungs­theo­rien noch por­no­gra­phisch-detail­lier­te Schil­de­run­gen sexu­el­len Miss­brauchs einen Platz haben. “Das ist als wür­de man glück­li­che Ehe­frau­en für das Leid jener Ehe­frau­en ver­ant­wort­lich machen, die Gewalt erfah­ren. Das ist so, als wür­de man Frau­en, die Spaß am Sex haben, für die Ver­ge­wal­ti­gung ande­rer Frau­en ver­ant­wort­lich machen.”, schreibt Son­ja Dolin­sek für das Online-Maga­zin men­schen­han­del heu­te. Tat­säch­lich wider­spre­chen sich Rech­te für Betrof­fe­ne von Men­schen­han­del und Rech­te für Sexarbeiter_innen dage­gen in keins­ter Wei­se, ganz im Gegen­teil. Ann-Kat­rin Mül­ler opfert in ihrem Arti­kel unter dem Vor­wand eines angeb­lich nöti­gen pater­na­lis­ti­schen “Schutz­ge­dan­kens” die Belan­ge aller in der Bran­che Täti­gen einer sex­ar­beits­feind­li­chen Ideo­lo­gie. Eine inzwi­schen trau­ri­ge Tra­di­ti­on des SPIEGEL, der in der Ver­gan­gen­heit beim The­ma Sex­ar­beit bereits mehr­fach durch “Jour­na­lis­mus auf Lücke” glänz­te.