Berufsverband-Sexarbeit.de

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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Offener Brief an das Stresemann Institut in Bonn zur Anti-Sexarbeits-Konferenz am 26./27.9.2020

Offener Brief an das Stresemann Institut in Bonn zur Anti-Sexarbeits-Konferenz am 26./27.9.2020

Offener Brief an das Stresemann Institut in Bonn zur Anti-Sexarbeits-Konferenz am 26./27.9.2020
Sehr geehr­te Damen und Her­ren, ein renom­mier­tes Unter­neh­men wie Ihres, das Events rund um poli­ti­sche Bil­dung ver­an­stal­tet, hat bestimmt auch immer wie­der kon­tro­ver­se Gäs­te. Ich ver­mu­te aber, dass Sie eini­ge aus guten Grün­den trotz­dem nicht zulas­sen wür­den, wie zum Bei­spiel die AfD. Umso mehr ver­wun­dert mich die Ver­an­stal­tung die am kom­men­den Wochen­en­de bei Ihnen statt­fin­det — die “Tagung der aboli­tio­nis­ti­schen Per­so­nen, Ver­ei­ne und Par­tei­en Deutsch­land 2020”.  Bei dem Wort Aboli­tio­nis­mus den­ken Sie sicher zunächst an die Bewe­gung zur Abschaf­fung der Skla­ve­rei und Befrei­ung von Peo­p­le of Color in den USA. Die bei Ihnen tagen­den “Abolitionist*Innen” haben sich hin­ge­gen die “Befrei­ung” von allen in der Pro­sti­tu­ti­on arbei­ten­den Frau­en auf die Fah­ne geschrie­ben — ihnen geht es um die (ver­meint­li­che) Abschaf­fung der Pro­sti­tu­ti­on. Hier han­delt es sich nicht nur um eine anma­ßen­de Aneig­nung eines Begriffs , son­dern auch um übels­tes Schub­la­den-Den­ken, das alle Pro­sti­tu­ier­te aus ihrer Tätig­keit “ret­ten” will, ob sie wol­len oder nicht. Ich gehe mal davon aus, dass Sie nur den “Schutz”-Gedanken die­ser Ver­ei­ni­gung auf dem Schirm haben — nichts­ah­nend, dass hin­ter den soge­nann­ten “aboli­tio­nis­ti­schen” For­de­run­gen in Wahr­heit eine kom­plett abwer­ten­de Ein­stel­lung zu Berei­chen der Sexua­li­tät steckt. Es stimmt: Vor­der­grün­dig möch­ten die­se Men­schen Pro­sti­tu­ier­ten aus gege­be­nen­falls pre­kä­ren Situa­tio­nen hel­fen. Das ist erst mal sehr löb­lich. Doch statt die Rech­te von Betrof­fe­nen zu stär­ken, for­dern sie “eine Welt ohne Pro­sti­tu­ti­on” und wol­len in Deutsch­land ein Sexkauf­ver­bot ein­füh­ren. Und das jeg­li­chen Erkennt­nis­sen von Bera­tungs­stel­len und Sozialarbeiter*innen zum Trotz. Ich sel­ber bin Betrof­fe­ne, ich bin frei­schaf­fen­de Künst­le­rin und Pro­sti­tu­ier­te. Ich möch­te bei­de mei­ner Beru­fe wei­ter­hin in der Lega­li­tät aus­üben kön­nen. Dazu gehört nicht nur das Musi­zie­ren bzw. Sex­ar­beit son­dern gege­be­nen­falls auch die Mög­lich­keit, offi­zi­el­le Kon­zert­sä­le bzw. Bor­del­le benüt­zen zu kön­nen! Sicher kann ich heim­lich und ille­gal musi­zie­ren oder sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen ein­fach auf der Stra­ße anbie­ten, aber mei­ne Lebens-Qua­li­tät, Sicher­heit und mei­ne Rech­te lei­den dann erheb­lich — das stellt kei­ne Alter­na­ti­ve dar. Das soge­nann­te Schwe­di­sche oder Nor­di­sche Modell, das an die­sem Wochen­en­de unter Ihrem Dach beklatscht wird, hilft kei­nem, außer dem “Gewis­sen” der Moral­apos­tel. Die Erfol­ge des Sexkauf­ver­bots in Schwe­den sind sehr frag­lich, nicht aus­rei­chend wis­sen­schaft­lich belegt und ste­hen auch nicht in Über­ein­stim­mung mit den Berich­ten von Men­schen, die in Schwe­den in der Sex­ar­beit tätig waren oder sind. Dass die ver­meint­li­chen „Retter*innen“ von (mar­gi­na­li­sier­ten) Pro­sti­tu­ier­ten im Fal­le eines wirk­lich ein­tre­ten­den Arbeits­ver­bots für die­se nicht viel mehr als lee­re Wor­te haben,  haben wir ja jetzt in der Coro­na Kri­se mit­be­kom­men.  Es wur­de sich von die­sen Stel­len nicht ein Deut um Sexarbeiter*innen geküm­mert die, aus wel­chen Grün­den auch immer, durch das sozia­le Ras­ter gefal­len sind. Wir vom Berufs­ver­band BesD e.V. hin­ge­gen haben einen Hilfs­fond ins Leben geru­fen der, ein­zig finan­ziert aus Spen­den­gel­dern, an den 400 Men­schen aus der Sex­ar­beit in die­ser schwe­ren Zeit aus der Bre­douil­le gehol­fen hat. Mich wür­de inter­es­sie­ren, ob die Redner*innen bei dem Kon­gress etwas zur Unter­stüt­zung und Hil­fe von Men­schen vor­be­rei­tet haben, zum Bei­spiel jenen, die in der Sex­ar­beit sind aber ger­ne umstei­gen wür­den. Umschu­lungs­pro­gram­me für Pro­sti­tu­ier­te gibt es lei­der immer noch viel zu weni­ge —  hier wären viel­leicht auch mal die Arbeits­äm­ter gefragt! Die ange­pran­ger­ten Straf­ta­ten, die oft mit dem Sex­ar­beits-Gewer­be in Zusam­men­hang gebracht wer­den, sind bereits jetzt schon juris­tisch belang­bar und bedür­fen kei­ner­lei wei­te­rer Geset­ze. Als da wären: Men­schen­han­del, Abhän­gig­kei­ten, Aus­beu­tung, mise­ra­ble Unter­brin­gungs­mög­lich­kei­ten etc. Wei­te­re Straf­ta­ten, die oft in Zusam­men­hang mit Pro­sti­tu­ti­on genannt wer­den, wie Zuhäl­te­rei, Ver­ge­wal­ti­gung, Nöti­gung etc. sind eben­so ver­folg- und straf­bar. Sämt­li­che Fach­stel­len für Migra­ti­on, Men­schen­rech­te, Aus­län­der­recht etc war­nen vor Ein­schrän­kun­gen und Ver­bo­ten der Bran­che. Nur in der Lega­li­tät kann gegen pre­kä­re Miss­stän­de vor­ge­gan­gen wer­den. Sie­he auch das Bei­spiel der Tön­nies Schlach­te­rei­en in Güters­loh die­ses Früh­jahr! Übri­gens: Schaut man sich die offi­zi­el­len Sta­tis­ti­ken des Bun­des­kri­mi­nal­amt (BKA) an, so haben alle die­se Ver­bre­chen seit der end­gül­ti­gen Lega­li­sie­rung der Pro­sti­tu­ti­on im Jah­re 2002 kon­ti­nu­ier­lich abge­nom­men, in den letz­ten 5 Jah­ren haben sie sich sogar hal­biert! Zuhäl­ter sind so gut wie aus­ge­stor­ben — braucht kein Mensch mehr, da man sich ja nun ganz legal in ent­spre­chen­de Eta­blis­se­ments ein­mie­ten kann. Kein Mensch darf wegen sei­ner Sexua­li­tät aus­ge­grenzt oder ver­folgt wer­den. Das war auch bei den homo­se­xu­el­len & quee­ren Men­schen so, die lan­ge Zeit auch stig­ma­ti­siert und in die Ille­ga­li­tät getrie­ben wur­den, zum Teil sogar ver­folgt, bestraft und sogar getö­tet wor­den sind. Deutsch­land hat sich davon zum Glück los­ge­sagt, in Polen und Ungarn geht man gera­de wie­der tau­send Schrit­te zurück ins Mit­tel­al­ter, was hier­zu­lan­de mit Äch­tung gestraft wird und sogar bei der Poli­tik ange­kom­men ist. Hof­fen wir, dass sich die LGTBQ-Bewe­gung auch dort durch­setzt. Das sehen nicht nur ich und mei­ne Kolleg*inen vom BesD e.V. so, son­dern auch fol­gen­de Insti­tu­tio­nen: Deut­sche Aids­hil­fe e.V. Deut­scher Frau­en­rat e.V. Deut­scher Juris­tin­nen­bund e.V Dia­ko­nie Deutsch­land Evan­ge­li­sches Werk für Dia­ko­nie und Ent­wick­lung e.V. Dort­mun­der Mit­ter­nachts­mis­si­on e.V. Bera­tungs­stel­le fr Pro­sti­tu­ier­te, Ehe­ma­li­ge und Opfer von Men­schen­han­del con­tra e.V. Kiel Fach­stel­le gegen Frau­en­han­del in Schles­wig-Hol­stein Die SPD Schles­wig Hol­stein Die CDU Nord­rhein-West­fa­len hat soeben einen offi­zi­el­len Antrag ein­ge­reicht GEGEN die­ses Modell des Sexkauf­ver­bo­tes Amnes­ty Inter­na­tio­nal Men­schen­han­del-Heu­te, Der bun­des­wei­te Koor­di­nie­rungs­kreis gegen Men­schen­han­del uvm. Für wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu die­sem The­ma emp­feh­le ich Ihnen mei­nen gut recher­chier­ten Blog­bei­trag mit den ent­spre­chen­den Links zu den oben genann­ten Mitstreiter*innen. Mit freund­li­chen Grü­ßen Mecht­hild HEXENGEIGE Jan­da ali­as Madame­KA­LI
Bei die­sem Bei­trag han­delt es sich um ein per­sön­li­ches Anschrei­ben der Sex­ar­bei­te­rin Madame Kali an das Stre­se­mann-Insti­tut in Bonn, anläss­lich der Tagung des “Bünd­nis Nor­di­sches Modell” am 26./27. Sep­tem­ber 2020.