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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Doppelt stigmatisiert: Meine Erfahrungen als dicke Sexarbeiterin

Doppelt stigmatisiert: Meine Erfahrungen als dicke Sexarbeiterin

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Die­ser Bei­trag stammt von Sex­ar­bei­te­rin und BesD-Mit­glied Nadi­ne Kopp. Im Rah­men­pro­gramm der kom­men­den ers­ten vir­tu­el­len Mit­glie­der­ver­samm­lung des Ver­eins lei­tet sie die Aus­tausch­run­de “Sex­ar­beit und Schön­heits­idea­le”.  BesD-Mit­glie­der die teil­neh­men möch­ten, fin­den die Anmel­de­mög­lich­keit im Forum und unse­rer Tele­gram-Grup­pe, bezie­hungs­wei­se kön­nen sich des­halb bei Char­lie unter mel­den. 
Mit mei­ner wohl­ge­form­ten, gut pro­por­tio­nier­ten Kör­per­fül­le, mei­nen aus­ge­präg­ten Run­dun­gen, mei­ner offen­sicht­lich gepräg­ten Haut, und mei­ner auf­fäl­lig lan­gen, wei­chen, wusche­lig in Lila getränk­ten Haar­pracht füh­le ich mich wohl. Ich bin humor­voll, lache laut, bin offen und direkt. Ich tre­te selbst­be­wusst auf und lie­be mich so wie ich bin. Schon allein das passt nicht jedem und ich wer­de lei­der oft dis­kri­mi­nie­rend behan­delt. Sät­ze wie: “Oh mein Gott, wie kann man nur so fett sein und so auf­fäl­lig rum­lau­fen!” sind da eher harm­los… Damit kann ich gut umge­hen, denn sie haben ja recht, ich bin wirk­lich auf­fäl­lig und fett! Dane­ben ken­ne ich, wie wahr­schein­lich jede Dicke, noch Belei­di­gun­gen wie “Du fet­te Sau”, “Kuh”, oder sonst was. So weit zum “nor­ma­len” All­tag. Nun ist es so, dass auf­grund der Coro­na-Kri­se lan­ge ein Still­stand in mei­ner Bran­che – der Sex­ar­beit – herrsch­te. Des­halb haben sich ganz unter­schied­li­che Men­schen zusam­men­ge­tan, um in die Öffent­lich­keit zu gehen. Auch ich nahm mei­nen gan­zen Mut zusam­men. Es ist wahr­lich nicht ein­fach mit mei­nem Erschei­nungs­bild und mei­nem kli­schee­be­haf­te­ten Job in die Öffent­lich­keit zu tre­ten – den­noch, ich tat es! Seit­dem ich öffent­lich mache, dass ich nicht “nur” dick bin, son­dern auch noch seit mehr als 15 Jah­ren lei­den­schaft­lich als Sex­ar­bei­te­rin arbei­te, ist es meis­tens end­gül­tig vor­bei mit jeder Zurück­hal­tung — selbst aus den eige­nen Rei­hen. Ich muss­te mir Kom­men­ta­re wie die fol­gen­den anhö­ren und lesen: “Oh mein Gott, kommt über­haupt jemand zu dir?” “Ver­dienst du über­haupt als Dicke Geld?” “Wel­cher Mann will denn schon eine dicke Hure?” “Was für Ser­vice bie­test du denn an, bleibst du immer wie ein Mari­en­kä­fer lie­gen?” “Wie sol­len bei der Kör­per­fül­le ande­re Stel­lun­gen mög­lich sein?”   Gera­de weil ich so bin wie ich bin, ver­brin­gen vie­le Men­schen – auch mei­ne Kun­den — ger­ne Zeit mit mir. Ich bin eine gestan­de­ne, boden­stän­di­ge, auf­fäl­li­ge, selbst­be­wuss­te, authen­ti­sche, humor­vol­le Frau, mit einem lau­ten herz­li­chen Lachen, das die Son­ne schei­nen lässt. Mein Kör­per ist dick, wohl­ge­formt und kur­ven­reich. Män­ner buchen mich, um mit mir eine facet­ten­rei­che, aus­ge­präg­te und beweg­li­che Sexua­li­tät zu erle­ben.     Als dicke Sex­ar­bei­te­rin soll ich offen­bar am bes­ten unsicht­bar blei­ben. Ich muss­te fest­stel­len, dass ich von Repor­tern, Jour­na­lis­ten usw. gar nicht wirk­lich wahr­ge­nom­men wer­de. Ich habe mehr als ein­mal mit­be­kom­men dass dis­ku­tiert wur­de, ob sie “über­haupt ein Inter­view mit mir auf­neh­men sol­len”. Auch “ob sie mich wirk­lich ablich­ten sol­len” oder “ob sie mich öffent­lich zei­gen sol­len”. Mein per­sön­li­ches High­light: “Boah, eine dicke Pro­sti­tu­ier­te will doch kei­ner im Fern­se­hen sehen…”. Ich fra­ge mich, lie­be Gesell­schaft was läuft bei euch falsch? Habe ich als dicke Sex­ar­bei­te­rin weni­ger zu sagen als né schlan­ke? Bin ich weni­ger schön? Bin ich weni­ger attrak­tiv? Ist mei­ne Not gerin­ger? Ich fin­de es an die­sem Punkt auch unglaub­lich wich­tig, dass wir Sex­ar­bei­ten­de, die wir uns Akzep­tanz für unse­re Arbeit wün­schen, auch selbst mehr Akzep­tanz für ein­an­der auf­brin­gen. Nur wenn wir uns gegen­sei­tig als Men­schen ach­ten und nicht gegen­sei­tig nie­der­ma­chen — egal wie unter­schied­lich wir aus­se­hen, wo wir arbei­ten, wie­viel wir ver­die­nen etc. —  kön­nen wir dies auch von der Gesell­schaft erwar­ten. Ich hab genug davon, nicht gese­hen und nicht gehört zu wer­den. Damit greift ihr nicht nur mich als Mensch an, son­dern auch gleich­ge­sinn­te Sex­ar­bei­te­rin­nen, die sich wei­ter­hin ver­ste­cken, weil sie Angst vor eurer Dis­kri­mi­nie­rung haben!  Ande­re haben viel­leicht nicht das Selbst­be­wusst­sein und die Stär­ke sich immer wie­der zu bewei­sen. Ich gebe mich jeden­falls nicht geschla­gen, ich kämp­fe wei­ter!