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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Aktionswoche 2026

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Zur Solidarität in der Krise: Wie es Sexarbeiter*innen “wagen können”, nach Spenden zu fragen

Zur Solidarität in der Krise: Wie es Sexarbeiter*innen “wagen können”, nach Spenden zu fragen

Zur Solidarität in der Krise: Wie es Sexarbeiter*innen “wagen können”, nach Spenden zu fragen
Lei­der lässt sich in den jet­zi­gen Tagen neben einem man­cher­orts etwas hoh­len Ver­ständ­nis von Soli­da­ri­tät — Stich­wort: Applau­die­ren vom Bal­kon aus  — auch dezi­dier­te Anti-Soli­da­ri­tät beob­ach­ten: Die Medi­en­be­rich­te rund um den BesD Not­hil­fe Fonds  — und die Bit­te um Spen­den für pre­ka­ri­sier­te Kolleg*innen — sor­gen in den sozia­len Medi­en nicht nur für Zuspruch. Eben­falls reich­lich vor­han­den sind: Ableh­nung, Zynis­mus, Spott, Hass. In viel zu vie­len Kom­men­tar­spal­ten muss ich lesen, wie der Hilfs­fonds bezie­hungs­wei­se das Spen­den an not­lei­den­de Sex­ar­bei­ten­de von Nicht-Sex­ar­bei­ten­den baga­tel­li­siert wer­den und Betrof­fe­nen ihre Not abge­spro­chen wird. Ein sol­ches hass­erfüll­tes Ver­hal­ten igno­riert jed­we­den Sach­ver­halt und Umstand, der Men­schen in die Armut und teil­wei­se auch ille­ga­le Arbeit zwingt.  In Zei­ten von Coro­na sind die aller­meis­ten Men­schen ver­schie­de­nen Pro­ble­men aus­ge­setzt. Sei es finan­zi­ell, psy­chisch oder exis­ten­zi­ell. Ein Schick­sal, das den Groß­teil der Bevöl­ke­rung trifft. War­um soll­ten also gra­de Sex­wor­ker Spen­den erhal­ten, wo sie doch bei Wei­tem nicht die Ein­zi­gen sind, die unter der Situa­ti­on lei­den? Dafür muss man sich zunächst anschau­en, wer in der Sex­ar­beit tätig ist. Auf­fäl­lig ist die kras­se Viel­falt und Diver­si­tät an Men­schen und auch Dienst­leis­tun­gen. Das Spek­trum ist rie­sig und eine Pau­scha­li­sie­rung über die gesam­te Bran­che unmög­lich. Im Kon­text der Kri­se sticht aber beson­ders ein Punkt her­vor: Es gibt ein immenses Gefäl­le zwi­schen pri­vi­le­giert Arbei­ten­den und mar­gi­na­li­sier­ten Sex­wor­kern. Es gibt eini­ge Huren, die im höher­prei­si­gen Seg­ment arbei­ten und viel Geld ver­die­nen. Die­se sind meist ange­mel­det, haben eine Steu­er­num­mer, eine Woh­nung, eine aka­de­mi­sche Bil­dung, ver­mut­lich sogar finan­zi­el­le Rück­la­gen und vor allem die Mög­lich­keit, staat­li­che Unter­stüt­zung zu bean­tra­gen. Dane­ben gibt es aber auch eine Men­ge Men­schen, die die Arbeit mit weni­ger Pri­vi­le­gi­en durch­füh­ren. Die­je­ni­gen, die kei­ne Mög­lich­keit haben sich anzu­mel­den, kaum Deutsch spre­chen, kei­ne Alter­na­ti­ve auf dem Arbeits­markt haben. Dar­an sind nicht sie Schuld, denn sie ver­su­chen nur, ihre Exis­tenz (und mög­li­cher­wei­se die ihrer Kin­der) zu sichern. Auf­grund men­schen­feind­li­cher Migra­ti­ons­ge­set­ze und einem aus­beu­te­ri­schen Nied­rig­lohn-Sek­tor in einem kapi­ta­lis­ti­schen Natio­nal­staat sind sie dar­auf ange­wie­sen, eine Arbeit zu fin­den, die sie auch mit ihren gege­be­nen Vor­aus­set­zun­gen finan­ziert. Wir spre­chen hier also von einer sys­te­ma­ti­schen Mar­gi­na­li­sie­rung von Men­schen, die selbst kei­ne Schuld an ihrer Armut haben. Sie ver­su­chen ledig­lich, in einem aus­beu­te­ri­schen Sys­tem, wel­ches zuver­läs­sig Elend und Armut pro­du­ziert, zu über­le­ben. Wer die­sen Men­schen ernst­haft einen Vor­wurf macht und sie ver­ant­wort­lich für ihre Lage macht, kann nur ver­blen­det oder men­schen­feind­lich sein. Sex­ar­bei­ten­de wer­den auf gan­zer Stre­cke im Stich gelas­sen, sys­te­ma­tisch dis­kri­mi­niert und schi­ka­niert. Wie so oft gilt: eine ganz­heit­li­che Betrach­tung ist nötig, um sich eine fun­dier­te Mei­nung über einen Sach­ver­halt erlau­ben zu kön­nen. Dar­über hin­aus ist es ein Armuts­zeug­nis für einen soge­nann­ten „Sozi­al­staat“, dass Sex­wor­ker eigen­stän­dig einen Not­hil­fe-Fonds grün­den müs­sen, um zumin­dest einen Teil des Elends abzu­fan­gen, das der Staat pro­du­ziert. Wer den Wil­len und die Mög­lich­keit hat zu hel­fen, fin­det alle Infos und die Kon­to­da­ten für unse­ren gera­de in der jet­zi­gen Kri­se sehr not­wen­di­gen Not­hil­fe-Fonds HIER.
Die­ser Blog-Bei­trag stammt von Sex­wor­ker und BesD-Mit­glied Lou Vio­len­cia.