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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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József Szájer tut mir leid — Ein Blogbeitrag

József Szájer tut mir leid — Ein Blogbeitrag

József Szájer tut mir leid — Ein Blogbeitrag
Es ist leicht, sich über Józ­sef Szá­jer lus­tig zu machen. Als Fideszmit­glied (die pro­to-faschis­ti­sche Par­tei in Ungarn) unter­stützt er LGBTIQ-Hass und wird in einer schwu­len Gang-Bang-Par­ty in Brüs­sel erwischt, beim Ver­such durch das Fens­ter zu flie­hen, mit Dro­gen an sich. Mit Ver­stoß gegen die Brüss­ler Covid-Auf­la­gen. Es gibt eine lan­ge Geschich­te von Schwu­len, die ihre Gefüh­le unter­drü­cken und ver­su­chen in einer hete­ro­nor­ma­ti­ven Welt zu leben. Und um zu bewei­sen, wie hete­ro sie sind, anfan­gen Schwu­le zu dis­sen. Und auch rech­te homo­se­xu­el­le Politiker*innen, die offen Poli­tik gegen Homo­se­xu­el­le machen, gibt es ziem­lich häu­fig. Ein Stück weit tun mir die­se Men­schen leid. War­um? Ich bin auf einem Bau­ern­hof in Ost­deutsch­land auf­ge­wach­sen. Eine Gegend, die immer noch eher nicht so “open min­ded” ist, was Sexua­li­tät angeht. Eini­ge Zeit habe ich selbst ver­sucht mög­lichst “hete­ro” zu wir­ken — und das ging am bes­ten, in dem ich ande­re Schwu­le beschimp­fe. Die­ses “auf Schwu­le schimp­fen, um selbst als hete­ro zu gel­ten” ist die gän­gi­ge Erklä­rung für die­ses Ver­hal­ten. Aber da gehört noch mehr zu. Es ist oft auch Neid. Neid auf die, die ihre Sexua­li­tät offen aus­le­ben. Neid auf die, die stolz auf ihre Sexua­li­tät sind und ihre sexu­el­len Fan­ta­sien ver­wirk­li­chen. Ich ken­ne die­sen Zustand. Es fühlt sich unfair an. War­um sind die­se Men­schen glück­lich mit ihrem Sex­le­ben? War­um kön­nen sie zu CSDs gehen und offen mit­ein­an­der flir­ten, wäh­rend ich nicht die Sicher­heit habe, das zu tun. Wäh­rend ich zu viel Angst vor Ableh­nug und Aus­gren­zung von Freun­den, Fami­lie, Kol­le­gen habe. Als Per­son der Öffent­lich­keit (wie z.B. ein Poli­ti­ker) wird die­se Angst nur schlim­mer. Wird er abge­wählt, wenn er offen schwul ist? Und dann gibt es noch den Kink-Aspekt der Unter­wer­fung. Schwu­le Beschimp­fun­gen lösen bei mir häu­fig ein Gefühl der Unter­wer­fung aus. Wer nicht über die eige­ne Sexua­li­tät reden kann, wird schwer kein gutes Umfeld für die eige­nen Lüs­te schaf­fen. Ins­be­son­de­re unter­wür­fi­ge Men­schen (auch “Sub” genannt), haben eine Ten­denz zu miss­bräuch­li­chen Bezie­hun­gen, weil die Ernied­ri­gung in ihnen sexu­el­le Rei­ze aus­löst. Wer nicht über die eige­ne Sexua­li­tät redet, kann auch kei­ne Spielpartner*innen für Rol­len­spie­le fin­den. “Was ist, wenn ich für mei­nen Wunsch aus­ge­lacht wer­de? Oder noch schlim­mer: mich vor Freun­den oder Bekann­ten als per­vers beschimp­fen?” Also wird nicht dar­über gere­det, son­dern es braucht ande­re Wege, die eige­nen Vor­lie­ben zu errei­chen. Einer die­ser Wege ist Selbst-Hass. Sich selbst ver­ach­ten für das, was begehrt wird. Und dazu gehört auch die Unter­stüt­zung für eine Poli­tik, die das eige­ne Leben schwe­rer macht. Aber, die­ses “schwe­res Leben haben” ist auch ein biss­chen sexu­el­le Befrie­di­gung. Ich ken­ne Józ­sef Szá­jer nicht per­sön­lich. Er ist (noch) kein Kun­de von mir. Aber ich ken­ne die­ses Ver­hal­ten von mir und ich habe eini­ge Kun­den, die sich genau­so ver­hal­ten. Für die­se Kun­den bin ich wahn­sin­nig glück­lich, dass sie den Mut gefun­den haben, zu mir zu kom­men. Und es füllt mich mit Demut zu sehen, wie sehr sie mir ver­trau­en. Wie ich es schaf­fe einen siche­ren Rah­men zu schaf­fen, in dem sie ihre Sexua­li­tät aus­le­ben kön­nen, wenn sie sonst zu viel Angst davor haben, ihre Vor­lie­ben mit wem anders zu tei­len. Men­schen, wie Józ­sef Szá­jer, kommt zu mir! Ihr müsst den Sex bezah­len, aber ich oute mei­ne Kund­schaft nie­mals. Und es gibt eine gan­ze Band­brei­te an sexu­el­len Vor­lie­ben, die ger­ne mit mir aus­ge­lebt wer­den kön­nen. Am meis­ten an mei­nem Job mag ich es, die sexu­el­len Vor­lie­ben von Kun­den zu erfül­len. Sie glück­lich machen. Einen siche­ren Rah­men schaf­fen, in dem sich Kund*innen wohl und öff­nen. Vie­le kom­men ängst­lich und gehen erleich­tert und glück­lich. Und ganz viel­leicht sor­gen Sexarbeiter*innen so auch für eine etwas inklu­si­ve­re, freund­li­che­re Poli­tik.
Click here to read the who­le text in Eng­lish on Den­nis’ blog. Die­ser Text stammt von BesD-Mit­glied und Escort Den­nis Deep und wur­de zuerst auf sei­nem Blog ver­öf­fent­licht. Den­nis lebt und arbei­tet in Ber­lin — er wünscht sich, dass die Gesell­schaft offe­ner mit kon­sen­sua­lem Sex umgeht. Hin­weis für Sex­wor­ker, die sich enga­gie­ren: Den­nis hält am 16. Dezem­ber den Online-BesD-Work­shop: “Zwi­schen Welt­ret­tung und Burn­out: Wie­viel Akti­vis­mus tut gut?” — eine Teil­nah­me steht allen akti­ven und/oder ehe­ma­li­gen Sexarbeiter*innen offen.