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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Belgien will sich europaweit für die Entkriminalisierung von Sexarbeit einsetzen

Belgien will sich europaweit für die Entkriminalisierung von Sexarbeit einsetzen

Jedes Land in Euro­pa soll­te Sex­ar­beit ent­kri­mi­na­li­sie­ren.” +++ Eng­lish below +++ ESWA — Euro­pean Sex Workers’ Rights Alli­ance — Kon­gress 2022: Die Trend­wen­de her­bei­füh­ren: Viel­ver­spre­chen­de Per­spek­ti­ven für die Rech­te von Sex­ar­bei­ter­en­den in Euro­pa. Eine Ver­an­stal­tung im Euro­päi­schen Par­la­ment, Brüs­sel, 13.10.2022 Mit­schrift und Über­set­zung eines Vor­tra­ges des Bel­gi­schen Jus­tiz­mi­nis­ters­mi­nis­ters
Gast­ge­be­rin Sophie Int’l Veld, Nie­der­lan­de, Grup­pe RENEW Euro­pe: Ich freue mich sehr, dass Minis­ter van Qui­cken­bor­ne soeben zu uns gesto­ßen ist, und ich schla­ge vor, dass Sie ihm den glei­chen tosen­den Bei­fall geben, den Sie ihm schon in sei­ner Abwe­sen­heit gaben.  Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne, Jus­tiz­mi­nis­ter, Bel­gi­en: Dan­ke, Sophie, dan­ke, mei­ne Damen und Her­ren. Ich dan­ke Ihnen, dass ich heu­te hier sein darf, es ist ein ganz beson­de­rer Anlass. Ich möch­te auch den Mit­glie­dern des Euro­päi­schen Par­la­ments dan­ken, die heu­te hier anwe­send sind. Sie sind aktiv an die­sem Kampf betei­ligt. Mein Dank geht natür­lich auch an Sie, Sophie, als heu­ti­ge Prä­si­den­tin, an die Mit­glie­der der ESWA (Alli­anz für die Rech­te der Sexarbeiter*innen), an die Doktorand*innen und Wissenschaftler*innen. Zunächst ein­mal herz­lich will­kom­men in Brüs­sel, im Her­zen Bel­gi­ens, im Her­zen Euro­pas, aber auch in Bel­gi­en, dem ers­ten euro­päi­schen Land, das die Sex­ar­beit ent­kri­mi­na­li­siert hat (Bei­fall). Vie­len Dank. Ich begrü­ße die­se Initia­ti­ve, alle Sex­ar­bei­ten­den zu ver­sam­meln, in wel­cher Form auch immer. Unab­hän­gig von kul­tu­rel­len oder gesell­schaft­li­chen Nor­men ist und war es immer eine Gewiss­heit: Wo immer Men­schen zusam­men­le­ben, gibt es Men­schen, die sich dafür ent­schie­den haben, Sexarbeiter*innen zu sein, und es gibt Men­schen, die die von ihnen ange­bo­te­nen Dienst­leis­tun­gen nach­fra­gen. Was lei­der auch welt­weit fast immer eine Gewiss­heit ist, ist die Schein­hei­lig­keit im Umgang mit der Sex­ar­beit. Im bes­ten Fall wird sie tole­riert, bleibt aber ver­pönt und exis­tiert in einer recht­li­chen Grau­zo­ne. Im schlimms­ten Fall ver­fol­gen die Regie­run­gen aktiv Men­schen, die bloß das tun, was ein natür­li­ches Gesche­hen zwi­schen ein­ver­nehm­lich han­deln­den Erwach­se­nen ist. Bis vor kur­zem bil­de­te mein Land, Bel­gi­en, kei­ne Aus­nah­me von die­ser Regel. Über 27.000 Sex­ar­bei­ten­de sind in Bel­gi­en tätig. In Bel­gi­en wur­de dies still­schwei­gend gedul­det, unter den Tep­pich gekehrt in den Vier­teln der Spe­di­teu­re, ver­steckt hin­ter den Fas­sa­den zwie­lich­ti­ger Bars. Den Sexarbeiter*innen und ihren Kund*innen wur­de der Ein­druck ver­mit­telt, dass man sich dafür schä­men und nicht dar­über spre­chen soll­te, so dass die Sexarbeiter*innen mit der sehr rea­len Gefahr von Miss­brauch, Aus­beu­tung und Dis­kri­mi­nie­rung allein gelas­sen wur­den. Sie waren nicht durch das Gesetz geschützt, ganz im Gegen­teil. Als ich vor zwei Jah­ren das Amt des bel­gi­schen Jus­tiz­mi­nis­ters antrat, woll­te ich, dass die Jus­tiz schnel­ler, huma­ner und effek­ti­ver wird. Und das ist der Ansatz, den wir bei der Gesetz­ge­bung zur Sex­ar­beit ver­folgt haben. Erlau­ben Sie mir, das zu erklä­ren: Das ers­te Prin­zip ist schnel­ler zu wer­den, was man durch­aus wört­lich neh­men kann: Wir haben die Sex­ar­beit seit letz­tem Juni ent­kri­mi­na­li­siert. Und es war kei­nen Moment zu früh. Die COVI­D19-Kri­se hat­te ein­mal mehr die Schwie­rig­kei­ten der Sex­ar­bei­ten­den auf­ge­zeigt, die ohne Ein­kom­men, ohne Arbeits­lo­sen­geld und ohne sozia­les Netz dastan­den, wäh­rend ande­re Beru­fe das alles hat­ten. Mit der Ein­füh­rung des neu­en Sexu­al­straf­rechts in unse­rem Land, das am 1. Juni in Kraft trat, wur­de die Sex­ar­beit aus dem Straf­ge­setz­buch gestri­chen. Und ich bin stolz dar­auf, sagen zu kön­nen, dass der ältes­te Beruf der Welt, wie das Kli­schee besagt, nun der neu­es­te geschütz­te Beruf in Bel­gi­en ist. (Bei­fall.) Ich möch­te UTSOPI, der bel­gi­schen Inter­es­sen­ver­tre­tung der Sexarbeiter*innen, dafür dan­ken, dass sie mit uns dar­an gear­bei­tet hat. (Bei­fall.) Ihrem Rat ist es zu ver­dan­ken, dass wir uns nicht für die Lega­li­sie­rung, son­dern für die Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von Sex­ar­beit ent­schie­den haben. Denn die Ent­kri­mi­na­li­sie­rung sorgt dafür, dass selb­stän­di­ge Sex­ar­bei­ten­de ein­fach unter das nor­ma­le Arbeits­recht fal­len. Die Lega­li­sie­rung funk­tio­niert unse­rer Mei­nung nach nicht, weil sie spe­zi­fi­sche Regeln und Vor­schrif­ten für einen Sek­tor erfor­dert. Und so wider­sin­nig es auch erschei­nen mag, die Erfah­run­gen in ande­ren Län­dern haben gezeigt, dass dies dazu führt, dass zu vie­le Sexarbeiter*innen in der Ille­ga­li­tät blei­ben. Denn die­se Regeln schaf­fen zusätz­li­che Hin­der­nis­se. Die Lega­li­sie­rung, so gut sie in ver­schie­de­nen Län­dern auch gemeint sein mag, beginnt auf dem fal­schen Fuß: Sie sagt den Sexarbeiter*innen, dass sie außer­halb der Lega­li­tät ste­hen. Aber wenn sie sich an bestimm­te Regeln hal­ten, kön­nen sie den Schutz unse­res Geset­zes genie­ßen. Die Ent­kri­mi­na­li­sie­rung hin­ge­gen kehrt die­ses Para­dig­ma um. Sexarbeiter*innen genie­ßen immer den vol­len Schutz des Geset­zes, es sind immer nur  Miss­brauch und Aus­beu­tung von Sexarbeiter*innen, die außer­halb des Geset­zes ste­hen. (Bei­fall.) Das bringt mich zum zwei­ten Leit­prin­zip: Die Jus­tiz muss mensch­li­cher wer­den. Wir haben die Arbeit von Sex­ar­bei­tern aus der Ille­ga­li­tät geholt und ihnen die glei­chen sozia­len Rech­te wie allen ande­ren Erwerbs­tä­ti­gen in unse­rem Land gege­ben. Wir geben ihnen die Aner­ken­nung, die sie schon immer ver­dient haben: Das ist der ein­zig huma­ne Ansatz. Seit der Strei­chung der Sex­ar­beit aus dem Straf­ge­setz­buch kön­nen Sexarbeiter*innen in unse­rem Land end­lich lega­le Ver­trä­ge mit einer Bank, einem Steu­er­be­ra­ter, einem Fah­rer, einem Anwalt, einem Ver­mie­ter abschlie­ßen, denn nach dem alten Straf­recht lie­fen die­se Per­so­nen, die ich erwähnt habe, for­mell Gefahr, straf­recht­lich ver­folgt zu wer­den, weil sie Sex­ar­beit ermög­lich­ten und davon pro­fi­tier­ten. Heu­te sind Sexarbeiter*innen geschützt, und sie kön­nen sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen auf selb­stän­di­ger Basis anbie­ten. Das Gesetz sieht auch vor, dass Sexarbeiter*innen einen Arbeits­ver­trag abschlie­ßen kön­nen. Auf­grund der Natur des bel­gi­schen Arbeits­rechts bedeu­tet dies aber, dass ein Sozi­al­sta­tut für Sexarbeiter*innen als Arbeitnehmer*innen ent­wi­ckelt wer­den muss, so wie es auch für jeden ande­ren Beruf not­wen­dig ist. Was ich will, ist die Trans­pa­renz der glei­chen Rech­te für Sexarbeiter*innen wie für alle ande­ren Arbeitnehmer*innen in unse­rem Land und in Euro­pa, ein anstän­di­ger Lohn, eine Ober­gren­ze für die Wochen­ar­beits­zeit, Gewerk­schaf­ten, Streik­recht, Mut­ter­schafts­ur­laub und vie­les mehr. Das sind alles Din­ge, die für jeden ande­ren Arbeit­neh­mer in Bel­gi­en selbst­ver­ständ­lich sind, die es aber für Sexarbeiter*innen noch nicht gibt. Dies fällt in den Zustän­dig­keits­be­reich mei­ner bei­den Kol­le­gen, des Arbeits­mi­nis­ters Pierre-Yves Der­ma­gne von der Sozia­lis­ti­schen Par­tei und des Minis­ters für Selbst­stän­di­ge, David Clar­in­val von der fran­ko­pho­nen Libe­ra­len Par­tei. Und bei­de haben mei­ne vol­le Unter­stüt­zung bei der Ver­wirk­li­chung die­ses Vor­ha­bens. Ende die­ses Monats wer­den sich unse­re Kabi­net­te dazu erneut tref­fen. Mit Ihrem Druck und Ihrem Tem­po soll­te dies natür­lich so schnell wie mög­lich rea­li­siert wer­den. Natür­lich bin ich gespannt auf Ihre Emp­feh­lun­gen zum Sozi­al­sta­tut für Sex­ar­bei­te­rIn­nen, das ist mir wich­tig. Und dann der drit­te Grund­satz, eine Jus­tiz, die effek­ti­ver wird: 80 % der Sex­ar­bei­te­rin­nen in Bel­gi­en tun dies aus frei­en Stü­cken — 80 %, 80 %! Aber wir dür­fen nicht ver­ges­sen, dass eini­ge Frau­en und manch­mal auch Män­ner zur Sex­ar­beit gezwun­gen wer­den. Den­ken Sie an die Opfer des Men­schen­han­dels oder an Min­der­jäh­ri­ge. Aus die­sem Grund stellt das neue Straf­ge­setz­buch den Miss­brauch und die Aus­beu­tung von Sex­ar­beit, die Arbeit von Min­der­jäh­ri­gen und die erzwun­ge­ne Sex­ar­beit (Zwangs­pro­sti­tu­ti­on) klar als Straf­ta­ten dar. Glück­li­cher­wei­se macht die Ent­kri­mi­na­li­sie­rung unse­re Geset­ze effek­ti­ver bei der Ver­fol­gung von Per­so­nen, die Sexarbeiter*innen aus­beu­ten. Durch die Besei­ti­gung der Grau­zo­ne wird die Unter­schei­dung zwi­schen Schwarz und Weiß kla­rer. Und Straf­ta­ten wie Miss­brauch, Men­schen­han­del und Pro­sti­tu­ti­on von Min­der­jäh­ri­gen las­sen sich viel leich­ter auf­de­cken und geben den Opfern, unse­ren Zeu­gen, die Mög­lich­keit, die­se Ver­bre­chen anzu­zei­gen. Das haben wir in Neu­see­land erlebt, denn als die Sexarbeiter*innen ent­kri­mi­na­li­siert wur­den, hat­ten sie den Mut, sich an die Poli­zei zu wen­den, und die Poli­zei in Neu­see­land ist heu­te Part­ner der Sex­ar­bei­te­rin­nen. … Wir haben der föde­ra­len Poli­zei in unse­rem Land mehr Poli­zis­ten zur Ver­fü­gung gestellt, spe­zi­ell für die­sen Zweck. Wir haben zusätz­li­che Mit­tel für die drei Zen­tren bereit­ge­stellt, die Opfern von Miss­brauch in der Sex­ar­beit hel­fen und sie beher­ber­gen. Denn die Grau­zo­ne ist der Ort, an dem sich Kri­mi­nel­le wohl­füh­len. Und indem wir Sexarbeiter*innen, die sich für die­sen Beruf ent­schei­den, als freie Erwach­se­ne aner­ken­nen und respek­tie­ren, kön­nen wir gegen die Kri­mi­nel­len vor­ge­hen, die Sexarbeiter*innen aus­beu­ten. Mei­ne Damen und Her­ren, las­sen Sie mich ganz klar sagen: Jedes Land in Euro­pa soll­te Sex­ar­beit ent­kri­mi­na­li­sie­ren. (Bei­fall.) In jedem Land in Euro­pa und in jedem Land der Welt gibt es Tau­sen­de und Aber­tau­sen­de von Sexarbeiter*innen. Geset­ze, die sie in Gefahr brin­gen, Geset­ze, die ihnen das Gefühl ver­mit­teln, dass sie sich dafür schä­men müs­sen, wer sie sind, haben in einer zivi­li­sier­ten Gesell­schaft nichts zu suchen. Sexarbeiter*innen sind Men­schen mit ganz nor­ma­len und erfül­len­den Beru­fen, sie ver­die­nen über­all glei­chen Schutz. Las­sen Sie uns die­se Bot­schaft in der gan­zen Welt ver­brei­ten, ange­fan­gen bei der Euro­päi­schen Uni­on. Des­halb ist die­ses Euro­päi­sche Par­la­ment viel­leicht der geeig­nets­te Ort dafür. Ich for­de­re hier­mit alle hier anwe­sen­den Abge­ord­ne­ten auf, die­ses Anlie­gen nach­drück­lich zu unter­stüt­zen, damit die Euro­päi­sche Uni­on ein Ort sein kann, an dem Sexarbeiter*innen erho­be­nen Haup­tes daste­hen und stolz dar­auf sein kön­nen, wer sie sind, ohne eine Straf­ver­fol­gung fürch­ten zu müs­sen und den vol­len Schutz des Geset­zes genie­ßen. Ich bin sicher, dass die­ser Tag kom­men wird. Und Sie kön­nen sich dar­auf ver­las­sen, dass ich dafür sor­ge, dass er eher frü­her als spä­ter kommt. Ich dan­ke Ihnen! (Gro­ßer Bei­fall.) Sophie Int’l Veld: Ich dan­ke Ihnen viel­mals. Ich den­ke, der Bei­fall sagt alles. Ich den­ke, der bel­gi­sche Ansatz ist in jeder Hin­sicht vor­bild­lich. Ich freue mich auch sehr dar­über, dass die­ser gan­ze Pro­zess in sehr enger Abspra­che mit den Betrof­fe­nen durch­ge­führt wor­den ist. Denn das ist eines der Din­ge, die mich immer stö­ren: wenn man über Sexarbeiter*innen spricht, dann spricht man *über* Sexarbeiter*innen; ich sage immer, war­um spre­chen wir nicht *mit* ihnen? Die Leu­te kön­nen sel­ber sagen, was sie brau­chen, was sie wol­len, sie kön­nen ihre Ansich­ten kund­tun, wie Sabri­na es schon sehr elo­quent getan hat. Und Sie haben auch die Heu­che­lei erwähnt: Gera­de in die­sen Tagen ist es uner­träg­lich, dass die glei­chen Leu­te, die mei­nen, dass Sex­ar­beit kri­mi­na­li­siert wer­den soll­te, es für in Ord­nung hal­ten, mit dem Kriegs­ver­bre­cher im Kreml Geschäf­te zu machen. (Bei­fall.) Ich mei­ne, wenn es einen ech­ten Ver­bre­cher gibt, wer von bei­den ist dann wirk­lich unmo­ra­lisch? Okay, vie­len Dank für die­sen Bei­trag.   Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne: Ich muss jetzt ins bel­gi­sche Par­la­ment … Sophie Int’l Veld: Sie müs­sen ins bel­gi­sche Par­la­ment gehen, ok, aber ich den­ke, wir ver­zei­hen Ihnen, denn Ihr Bei­trag war groß­ar­tig, und ich den­ke, Sie kön­nen auf unse­re Unter­stüt­zung zäh­len. Ich mei­ne, sei­en wir ehr­lich: Es liegt noch ein lan­ger Weg vor uns, auch im Euro­päi­schen Par­la­ment. Aber wenn ich mir die heu­ti­ge Ver­an­stal­tung anschaue und sie mit der aller­ers­ten ver­glei­che, die wir vor vie­len Jah­ren zu die­sem The­ma orga­ni­siert haben, als wir eine sehr klei­ne Grup­pe von Leu­ten hat­ten und viel Kri­tik ein­ste­cken muss­ten, dann hat sich etwas ver­än­dert. Und ich den­ke, Sie haben bewie­sen, dass es sich ändern kann. Bel­gi­en geht mit gutem Bei­spiel vor­an, und wir wer­den unser Mög­lichs­tes tun, um sicher­zu­stel­len, dass ande­re Tei­le Euro­pas fol­gen wer­den.  Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne: Gibt es Plä­ne für eine euro­päi­sche Reso­lu­ti­on, die eine Ent­kri­mi­na­li­sie­rung der Sex­ar­beit in Euro­pa for­dert? Sophie Int’l Veld: Nun, es gibt Plä­ne für eine Reso­lu­ti­on, und wenn es nach uns geht, dann wird sie eine Ent­kri­mi­na­li­sie­rung for­dern. Wir wer­den sehr, sehr hart arbei­ten, um eine Mehr­heit zu bekom­men, aber es wird ein heiß umstrit­te­nes The­ma sein, da bin ich mir sicher.  Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne: Glau­ben Sie nicht, dass es im Euro­päi­schen Par­la­ment eine Mehr­heit für die­ses Anlie­gen geben könn­te? Nein? Sophie Int’l Veld: Wenn Sie uns heu­te fra­gen … aber wir wer­den mit jedem ein­zel­nen unse­rer Kol­le­gen spre­chen und ver­su­chen, sie zu über­zeu­gen. Wie ich schon sag­te: Sie wis­sen, dass wir vor lan­ger Zeit ange­fan­gen haben, und damals war das The­ma tabu. Jetzt haben wir einen Raum vol­ler Men­schen, wir haben vier ver­schie­de­ne Frak­tio­nen aus dem Euro­päi­schen Par­la­ment hier ver­tre­ten. Die Zeit wird kom­men und wir wer­den es so schnell wie mög­lich tun.  Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne: Nun, wenn Bel­gi­en Anfang 2024 Prä­si­dent des Euro­päi­schen Rates sein wird, habe ich als Jus­tiz­mi­nis­ter jeden­falls vor, das auf die Tages­ord­nung eines infor­mel­len Rates zu brin­gen, zum ers­ten Mal. Sophie Int’l Veld: Wow! (Gro­ßer Bei­fall.)  Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne: Ich wer­de mei­ne Amts­kol­le­gen, und es sind ins­ge­samt 27, aus allen euro­päi­schen Län­dern, bit­ten, vor­zu­tre­ten und laut und deut­lich zu sagen, was sie dar­über den­ken. Denn ich bin über­zeugt, dass vie­le von ihnen, nicht alle, aber vie­le von ihnen, die­se Initia­ti­ve begrü­ßen wer­den, wenn sie per­sön­lich mit ihnen spre­chen, des­sen bin ich mir sicher. Las­sen Sie uns also die­se Bewe­gung aus dem Euro­päi­schen Par­la­ment her­aus star­ten, um alle euro­päi­schen Län­der zu über­zeu­gen, sich zu ändern und das zu tun, was wir tun. Ich dan­ke Ihnen! Sophie Int’l Veld: Ich dan­ke Ihnen viel­mals. (Bei­fall.)  
Ori­gi­nal­auf­nah­me -> ab ca. 1Std 57 -> https://www.youtube.com/watch?v=s8mrc3ibHHs  

  Eng­lish ESWA — Euro­pan Sex­wor­kers’ Rights Alli­ance — #esawacongress2022: Tur­ning the tide: pro­mi­sing per­spec­ti­ves for sex workers’ rights in Euro­pe, an event at the Euro­pean Par­lia­ment, Brussels, 13.10.2022.   Host Sophie Int’l Veld, the Net­her­lands, RENEW Euro­pe Group: I am very plea­sed that we have just been joi­n­ed by Minis­ter van Qui­cken­bor­ne, and I sug­gest that you give him the same roaring applau­se that you gave him in his absence. (Applau­se.) (…) Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne, Minis­ter of Jus­ti­ce, Bel­gi­um: Thank you Sophia, thank you, Ladies & Gen­tle­men, thank you for having me here today, it’s a very spe­cial occa­si­on. I would also like to thank the mem­bers of the Euro­pean Par­lia­ment here pre­sent today that are acti­ve in the batt­le. Of cour­se, also to you, Sophia, as pre­si­dent for today, mem­bers also of the Euro­pean Sex­wor­kers’ Alli­ance, repre­sen­ta­ti­ves, you, of cour­se, PhDs, Aca­de­mics. First of all, of cour­se wel­co­me to Brussels, the heart of Bel­gi­um, the heart of Euro­pe, but also Bel­gi­um, the first euro­pean coun­try to decri­mi­na­li­ze sex work (applau­se). Well, thank you, I applaud this initia­ti­ve to gather all sex workers, right, in one form or ano­ther. No mat­ter the cul­tu­ral or socie­tal norms, it is and has always been a cer­tain­ty: Whe­re­ver the­re are peo­p­le living tog­e­ther, the­re are peo­p­le who choo­se to be sex­wor­kers and the­re are peo­p­le loo­king for the ser­vices they offer. What is almost always a cer­tain­ty around the world as well, unfort­u­na­te­ly, is the hypo­cri­sy with which it is often trea­ted. At best it’s tole­ra­ted but frow­ned upon, exis­ting in a legal gray zone. At worst, govern­ments actively pur­sue peo­p­le, enga­ging in what is a natu­ral phe­no­me­non bet­ween con­sen­ting adults. Until recent­ly, my coun­try, Bel­gi­um, was not an excep­ti­on to that rule. Over 27000 sex­wor­kers are acti­ve in Bel­gi­um. And in Bel­gi­um it was quiet­ly tole­ra­ted, swept under the rug in the ship­pers’ quar­ters, hid­den behind the faca­des of shadowy bars. Giving the impres­si­on to sex­wor­kers and their cli­ents that it’s some­thing to be asha­med about, not tal­ked about, lea­ving sex­wor­kers on their own to deal with the very real thre­ats of abu­se, of explo­ita­ti­on and dis­cri­mi­na­ti­on. Not pro­tec­ted by the law, on the con­tra­ry. When I took office as a minis­ter of jus­ti­ce of Bel­gi­um two years ago, I wan­ted jus­ti­ce to be fas­ter, more huma­ne, and more effec­ti­ve. And that is the approach we took in legis­la­ting sex­work. Allow me to explain: The first prin­ci­ple is fas­ter which you can take quite lite­ral­ly: We’­ve decri­mi­na­li­zed sex­work sin­ce last June. And it was­n’t a moment too soon. The COVID19 cri­sis had high­ligh­ted once again the dif­fi­cul­ties faced by sex­wor­kers, who had been left wit­hout an inco­me, wit­hout unem­ploy­ment bene­fits, or a social safe­ty net, some­thing which other pro­fes­si­ons all did recei­ve. When the intro­duc­tion of the new sexu­al cri­mi­nal law in our coun­try went effec­ti­ve from the 1st of June, sex­work was remo­ved from the penal code. And I am proud to say that the oldest job in the world, as the cli­ché has it, is now the newest pro­tec­ted pro­fes­si­on in Bel­gi­um. (Applau­se.) I want to thank UTSOPI, the Bel­gi­um sex­wor­kers’ advo­ca­cy group, for working with us on that. (Applau­se.) It was thanks to their advice that we did not choo­se to lega­li­ze sex­work but to decri­mi­na­li­ze it. Becau­se decri­mi­na­liza­ti­on ensu­res that self­em­ploy­ed sex­wor­kers just fall under nor­mal labour laws. Lega­liza­ti­on does not work in our view becau­se it requi­res spe­ci­fic rules and regu­la­ti­ons for a sec­tor. And con­tra­ry as it may seem, expe­ri­en­ces in other count­ries have shown that this results in too many sex­wor­kers that remain in ille­ga­li­ty. Becau­se the­se rules crea­te extra bar­riers. Lega­liza­ti­on, how well inten­ded it may be in dif­fe­rent count­ries, starts on the wrong foot: It is tel­ling sex­wor­kers that they are out­side of the law. But if they com­ply with a cer­tain set of rules, they can then enjoy the pro­tec­tion of our law. Decri­mi­na­liza­ti­on, howe­ver, turns that para­digm around. Sex­wor­kers always enjoy the full pro­tec­tion of the law, it is always abu­se and exploit sex­wor­kers that are out­side of the law. (Applau­se.) That brings me to the second gui­ding prin­ci­ple: Jus­ti­ce should be more huma­ne. We have taken the job of sex­wor­kers out of ille­ga­li­ty and given them equal social rights like all other working peo­p­le in our coun­try. We give them the reco­gni­ti­on they always deser­ved: this is the only huma­ne approach. Sin­ce the rem­oval of sex­work from the penal codes, sex­wor­kers in our coun­try can final­ly enter into legal con­tracts with a bank, with an accoun­tant, with a dri­ver, with a lawy­er, with a land­lord, becau­se under the old cri­mi­nal law the­se peo­p­le I men­tio­ned, were for­mal­ly at risk of being pro­se­cu­ted, becau­se they faci­li­ta­ted sex­work and pro­fi­ted from it. Today sex­wor­kers are pro­tec­ted, and they can offer sexu­al ser­vices on a self-employ­ed basis. The law also sta­tes that sex­wor­kers are allo­wed to enter into an employ­ment con­tract. Howe­ver, due to the natu­re of Bel­gi­um labour laws, this means that a social sta­tu­te for sex­wor­kers as employees needs to be deve­lo­ped, just as it is neces­sa­ry for every other pro­fes­si­on. What I want is trans­pa­ren­cy in the same rights for sex­wor­kers as every other employee in our coun­try and in Euro­pe, a decent wage, a cap on the num­ber of hours work in the week, syn­di­ca­tes, the right to strike, mate­r­ni­ty lea­ve, and much, much more. The­se are all things that every other employee in Bel­gi­um takes for gran­ted, but does not yet exist for sex­wor­kers. This falls under the aut­ho­ri­ty of my two col­le­agues, the minis­ter of work, Pierre-Yves Der­ma­gne of the Socia­list par­ty, and the minis­ter for the Self-Employ­ed, David Clar­in­val for the French Spea­king Libe­ral Par­ty. And they both have my full sup­port in rea­li­zing this. At the end of this month our cabi­nets will meet again for that. Of cour­se, with your pres­su­re and your speed, this should be allo­wed as soon as pos­si­ble. Of cour­se I look for­ward to hear your recom­men­da­ti­on on the social sta­tu­te for sex­wor­kers, that is important for me. And then the third prin­ci­ple, a jus­ti­ce that is more effec­ti­ve: 80% of sex­wor­kers in Bel­gi­um do so by their own free choice — 80%, 80%! But we must not for­get that some women, and some­ti­mes men, are forced into sex­work. Think of vic­tims of human traf­fi­cking or minors. That is why the new penal code cle­ar­ly sta­tes that abu­se and explo­ita­ti­on of sex­work, underage sex­work, and forced sex­work, are cri­mi­nal offen­ses. Lucki­ly, decri­mi­na­liza­ti­on makes our laws more effec­ti­ve in pur­suing the peo­p­le who take advan­ta­ge of sex­wor­kers. Remo­ving the gray area lea­ves behind a more black and white distinc­tion. And cri­mi­nal offen­ses like abu­se, human traf­fi­cking, and pro­sti­tu­ti­on of minors are much easier to detect and empowers vic­tims, our wit­nesses, to report the­se cri­mes. That is what we have wit­nessed in New Zea­land, becau­se when they decri­mi­na­li­zed sex­wor­kers, they had the cou­ra­ge to go to the poli­ce, and the poli­ce today in New Zea­land are part­ners of sex­wor­kers. … We’­ve given more detec­ti­ves to the fede­ral judi­cial poli­ce in our coun­try, espe­ci­al­ly for that pur­po­se. We’­ve given extra funds to the three cen­ters that help and shel­ter vic­tims of sex­work abu­se. Becau­se the gray zone is that cri­mi­nals thri­ve in. And by reco­gni­zing and respec­ting sex­wor­kers who choo­se this pro­fes­si­on as free adults, we can go after the cri­mi­nals that exploit sex­wor­kers. Ladies and Gen­tle­men, let me be very clear: Every coun­try in Euro­pe should decri­mi­na­li­ze sex­work. (Applau­se.) In every coun­try in Euro­pe and every coun­try in the world are thou­sands upon thou­sands of sex­wor­kers. Laws that put them at risk, laws that make them feel asha­med of who they choo­se to be, they have no place in a civi­li­zed socie­ty. Sex­wor­kers are peo­p­le with per­fect­ly nor­mal and ful­fil­ling jobs, they deser­ve equal pro­tec­tion ever­y­whe­re. Let’s spread that mes­sa­ge around the world, start­ing with the Euro­pean Uni­on. That is why this Euro­pean Par­lia­ment is per­haps the most appro­pria­te set­ting. I her­eby ask all MEPs pre­sent here today to firm­ly sup­port this cau­se so that the Euro­pean Uni­on can be a place whe­re sex­wor­kers can stand tall, can be proud of who they are, wit­hout having to fear pro­se­cu­ti­on, and enjoy­ing the full pro­tec­tion of the law. I am cer­tain that this day will come. And you can count on me for making sure that they come soo­ner rather than later. Thank you! (Big Applau­se.) Sophie Int’l Veld: Thank you very much. I think the applau­se says it all. I think the Bel­gi­um approach is exem­pla­ry in every way. I am also very plea­sed to see that this who­le pro­cess has been done in very clo­se con­sul­ta­ti­on with the peo­p­le con­cer­ned. Becau­se that is one of the things that always bugs me: that when you’­re tal­king about sex­wor­kers then peo­p­le are tal­king *about* sex­wor­kers; I always say why don’t we talk with them? You know peo­p­le can say what it is that they need, that they want, they can make their views known as Sabri­na has done very elo­quent­ly befo­re. And you also men­tio­ned hypo­cri­sy: in par­ti­cu­lar­ly the­se days, it’s unpa­lata­ble that the same peo­p­le who think that sex­work should be cri­mi­na­li­zed are the peo­p­le who think it’s ok to do busi­ness with the war cri­mi­nal in the Kreml­in. (Applau­se.) I mean if there’s a real cri­mi­nal which of the two is real­ly immo­ral? Okay, thank you very much for this. Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne:  I have to go to the Bel­gi­an Par­lia­ment now. Sophie Int’l Veld: You’­ve to go to the Bel­gi­an Par­lia­ment, ok, but I think we for­gi­ve you, becau­se your con­tri­bu­ti­on has been mas­si­ve, and I think you can count on us. I mean, let’s be real: the­re is still a long road ahead of us, also in the Euro­pean Par­lia­ment. But if I see today’s event, and I compa­re it to the very first time many years ago when we orga­ni­zed some­thing around this the­me, when we had a very small group of peo­p­le, and we got a lot of cri­ti­cism, things are chan­ging. And I think you have pro­ven that it can chan­ge. Bel­gi­um is lea­ding the way, and we are going to do our utmost to make sure that other parts of Euro­pe will fol­low. Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne: Are the­re any plans for a Euro­pean Reso­lu­ti­on on the table to ask for a decri­mi­na­liza­ti­on of sex­work in Euro­pe? Sophie Int’l Veld: Well, the­re are plans for a reso­lu­ti­on, and if it’s up to us, then it will call for decri­mi­na­liza­ti­on. We’ll work very, very hard to get a majo­ri­ty but it’s going to be a hot­ly dis­pu­ted topic, I’m sure. Vicent Van Qui­cken­bor­ne: Don’t you think the­re could be a majo­ri­ty at the Euro­pean Par­lia­ment for this cau­se? No? Sophie Int’l Veld: If you ask today … but we’­re going to talk to every sin­gle one of our col­le­agues and try to con­vin­ce them. As I said: you know we star­ted a long time ago, and then the topic was taboo. Now we have a room full of peo­p­le, we have four dif­fe­rent par­lia­men­ta­ry groups repre­sen­ted here. The time will come and we’ll do it as quick­ly as we can. Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne: Well, any­way, when Bel­gi­um will be the pre­si­dent of the Euro­pean Coun­cil in the begin­ning of 2024, I as a minis­ter of jus­ti­ce plan to pull it on the table of an infor­mal coun­cil, for the first time. Sophie Int’l Veld: Wow! (Big Applau­se.) Vin­cent Van Qui­cken­bor­ne: I will ask my col­le­agues, and the­re are 27 in total, all of them, of all Euro­pean count­ries, to come for­ward, and to speak clear and loud what they think about it. Becau­se I am con­vin­ced that when you have a per­so­nal talk to them, many of them, not all of them, but many of them, will applaud this initia­ti­ve, I am sure of that. So let’s start this move­ment out of the Euro­pean Par­lia­ment to con­vin­ce all Euro­pean count­ries to chan­ge and to do what we’­re doing. Thank you! Sophie Int’l Veld: Thank you very much. (Applau­se.)  
Ori­gi­nal video -> from ca. 1h 57min  -> https://www.youtube.com/watch?v=s8mrc3ibHHs