Berufsverband-Sexarbeit.de

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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Immer die selben Gesichter! Zum Vorwurf der Privilegiertheit gegenüber sichtbaren Sexarbeitenden

Immer die selben Gesichter! Zum Vorwurf der Privilegiertheit gegenüber sichtbaren Sexarbeitenden

Immer die selben Gesichter! Zum Vorwurf der Privilegiertheit gegenüber sichtbaren Sexarbeitenden
Ich bin Sex­ar­bei­te­rin, und nor­ma­ler­wei­se unter dem Pseud­onym „Madame Simo­ne“ tätig. Ich bin aber auch Part­ne­rin, Mut­ter, Freun­din, Toch­ter und Schwes­ter. Wie die meis­ten mei­ner Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen habe ich ein sozia­les Umfeld, das mir wich­tig ist. Im Gegen­satz zu vie­len mei­ner Kolleg*innen bin ich aller­dings kom­plett geoutet. Gera­de im Anti-Sex­ar­beits-Akti­vis­mus wird immer wie­der ver­sucht, Kolleg*innen, die sich nicht geoutet und unter Pseud­onym, mit Mas­ke oder ver­frem­de­ter Stim­me äußern, als unglaub­wür­dig und „fake“ abzu­wer­ten.  Ihre Authen­ti­zi­tät wird den sex­ar­bei­ten­den Per­so­nen abge­spro­chen, weil sie nicht das Risi­ko eines Outings auf sich neh­men wol­len oder kön­nen. Völ­lig scham­los – und vor allem wis­sent­lich! – wird der Umstand, dass sich nicht vie­le Sex­ar­bei­ten­de outen kön­nen, benutzt, um Pro­pa­gan­da gegen uns zu machen. Sicht­ba­re Sex­ar­bei­ten­de bekom­men im Gegen­zug zu hören, dass wir zu den weni­gen „Pri­vi­le­gier­ten“ gehö­ren, die „es“ frei­wil­lig und selbst­be­stimmt machen. Dass wir ja nur eine klei­ne Pro­zent­zahl wären, nicht reprä­sen­ta­tiv, dass wir nicht für unse­re mehr­fach mar­gi­na­li­sier­ten Kolleg*innen spre­chen könn­ten und ähn­li­ches. Es wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass immer nur die­sel­ben Gesich­ter gezeigt, immer nur die­sel­ben Stim­men gehört wer­den. Selbst für den BesD e.V., den Berufs­ver­band ero­ti­sche und sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen, den größ­ten Ver­band die­ser Art in Euro­pa mit weit über 700 Mit­glie­dern aus über 20 Natio­nen, spre­chen immer wie­der die­sel­ben Per­so­nen. War­um? Weil die rest­li­chen Mit­glie­der sich das ein­fach nicht leis­ten kön­nen! Egal, wie oft wir Inter­view­an­fra­gen, Anfra­gen zu Vor­trä­gen und ähn­li­ches mehr mit unse­ren Mit­glie­dern tei­len, wir haben immer das­sel­be Ergeb­nis – eini­ge weni­ge, die bereits geoutet sind, mel­den sich dafür. Es ist auch kaum vor­stell­bar, wie kom­pli­ziert es ist, Mit­glie­der zu fin­den, die sich, wie bei jedem Ver­ein für einen Vor­stands­pos­ten wäh­len las­sen wür­den. Da wir im Ver­eins­re­gis­ter mit unse­ren rea­len Namen ein­ge­tra­gen sind, fin­den sich von so vie­len Mit­glie­dern immer nur eine klei­ne Hand­voll, die sich das vor­stel­len könn­ten. Und wir hät­ten so vie­le groß­ar­ti­ge, auch mehr­fach mar­gi­na­li­sier­te Mit­glie­der, die ihre ganz wich­ti­gen Posi­tio­nen ein­brin­gen könn­ten! So wie es ist, arbei­ten die­se Kolleg*innen im Hin­ter­grund. In Arbeits­grup­pen, bei Pro­jek­ten, bera­tend. Aber nicht sicht­bar, weil es sie angreif­bar macht. Es gibt vie­le Punk­te, die man als Pri­vi­le­gi­en bei Sex­ar­bei­ten­den auf­zäh­len könn­te, ins­be­son­de­re wenn wir auch noch weiß, nicht migran­tisch, nicht behin­dert oder nicht que­er sind. Man­che von uns könn­ten theo­re­tisch einem ande­ren Beruf nach­ge­hen, den wir viel­leicht mal gelernt haben. Man­che kön­nen es sich leis­ten, nur neben­her in der Sex­ar­beit tätig zu sein, weil sie einen Haupt­job haben. Vie­le von uns sind kei­ne Per­son of Colour oder Schwarz, und wer­den ent­spre­chend nicht selbst tag­täg­lich mit Ras­sis­mus kon­fron­tiert. Ich darf ganz legal in die­sem Land arbei­ten, brau­che schon seit vie­len Jah­ren kei­ne Arbeits­ge­neh­mi­gung mehr und mein Auf­ent­halts­ti­tel ist unbe­schränkt. Ich habe kei­ne nen­nens­wer­te Sprach­bar­rie­re und ich habe vor allem eines – den Sup­port der mir nahe­ste­hen­den Men­schen. Wir wür­den uns alle wün­schen, wenn mehr unter­schied­li­che Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen offen spre­chen könn­ten! Doch die aller­meis­ten kön­nen sich ein Outing nicht trau­en oder leis­ten. Auch wir, die wir unser Gesicht offen zei­gen kön­nen, die wir mit unse­ren ech­ten Namen Vor­trä­ge hal­ten, Work­shops und Inter­views geben kön­nen, haben die Sor­ge vor Aus­gren­zung, auch wir möch­ten nicht auf­grund unse­res Jobs abge­wer­tet und stig­ma­ti­siert wer­den. Aber wir müs­sen in der Regel nicht die Angst haben, dass wir von unse­ren Fami­li­en und Partner*innen ver­sto­ßen wer­den. Dass wir aus dem Land gewor­fen, uns unse­re Exis­tenz­grund­la­ge, unser Job genom­men wird. Des­halb hal­te ich es für eines mei­ner größ­ten Pri­vi­le­gi­en, die Mög­lich­keit zu haben, Gesicht zu zei­gen, die eige­ne Stim­me hör­bar zu machen, und die der Kol­le­gen und Kol­le­gin­nen zu ver­stär­ken, die das eben nicht kön­nen. Ich ver­su­che die­ses Pri­vi­leg zu nut­zen, wo es geht, um über die besag­ten Arbeits- und Lebens­rea­li­tä­ten von Sexarbeiter*innen in Deutsch­land zu spre­chen.
Die­ser Blog­bei­trag ent­hält Aus­zü­ge aus dem Vor­trag „Stig­ma und Dis­kri­mi­nie­rung in der Sex­ar­beit“ (18.04. Oval Office Bar, Bochum) von Lilia­ne Kraft ali­as Madame Simo­ne, geoute­te Sex­ar­bei­te­rin und BesD-Mit­glied.