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Wir sind etwas wert! Zu Preisdiskussionen und “Feilschen” in der Sexarbeit

Wir sind etwas wert! Zu Preisdiskussionen und “Feilschen” in der Sexarbeit

Wir sind etwas wert! Zu Preisdiskussionen und “Feilschen” in der Sexarbeit
Ein per­sön­li­cher Bei­trag aus dem Blog von Sex­ar­bei­te­rin und BesD-Mit­glied Madame Simo­ne.
Es gab schon immer Men­schen, die an den Prei­sen etwas zu mäkeln haben und hat­ten, die unter­schied­li­che Sex­ar­bei­ten­de auf­ru­fen. Hart­nä­cki­ges Feil­schen und der Ver­such an den Prei­sen „was zu machen“ ist jetzt sicher nichts Neu­es. Jede*r von uns kennt das, und auch die teil­wei­se arg belei­di­gen­den und unver­schäm­ten Reak­tio­nen, wenn man nicht auf Dum­ping­preis-Vor­schlä­ge ein­ge­hen möch­te. Seit einer Wei­le, nicht zuletzt sicher durch die Pan­de­mie und die gera­de sehr deut­lich spür­ba­re Erhö­hung der Lebens­hal­tungs­kos­ten, lese ich in unter­schied­li­chen Foren ver­mehrt Dis­kus­sio­nen zu den Prei­sen von Sexarbeiter*innen, über­wie­gend initi­iert von unse­ren Kund*innen. Da wird gefragt „Kön­nen wir uns unse­re Lei­den­schaft bald über­haupt noch leis­ten?“, es wird dar­über gemault, dass man­che Kolleg*innen ihre Prei­se ange­ho­ben haben usw.

Ich habe eine sehr deutliche Meinung dazu: Sexarbeit ist ein Luxus, keine Selbstverständlichkeit.

Sex­ar­beit in Anspruch zu neh­men, in wel­cher Form auch immer, ist kei­ne Lebens­not­wen­dig­keit. Es ist ein Luxus, ähn­lich dem Spa Day, dem Kurz­trip, dem aus­ge­dehn­ten Besuch bei der Thai oder Hot Stone Mas­sa­ge oder im Kos­me­tik­stu­dio. Wenn das Geld knapp wird, dann kürzt man dort, wo es nicht not­wen­dig ist. Voll­kom­men logisch. Wir strei­chen alle zuerst bei den gera­de nicht für unse­re Exis­tenz wich­ti­gen Din­gen, wenn es eng im Geld­beu­tel wird. Das geht auch uns Sex­ar­bei­ten­den so. Wenn uns die Koh­le aus­geht, dann machen wir uns unse­re Nägel selbst, statt ins Nagel­stu­dio zu gehen. Wir kau­fen uns Mas­ken im Dro­ge­rie­markt, statt die Kos­me­ti­ke­rin zu bemü­hen, wir gehen bei Lidl statt bei Rewe ein­kau­fen usw. Auch wir sind ganz nor­ma­le Men­schen, und auch wir spü­ren die Preis­er­hö­hun­gen!

Sexarbeit ist keine karitative Arbeit

Auf der ande­ren Sei­te ist Sex­ar­beit eine über­wie­gend frei­be­ruf­li­che Dienst­leis­tungs­bran­che und kei­ne kari­ta­ti­ve Arbeit. Nie­mand hat Anspruch dar­auf, und wenn man es sich halt nicht leis­ten kann, dann hilft es auch nicht, sich über die Prei­se zu beschwe­ren. Dadurch wird es auch nicht preis­wer­ter. Ja, vie­le von uns üben den Beruf echt ger­ne aus, ganz ent­ge­gen der Mei­nung von Sexarbeitsgegner*innen, die nicht müde wer­den zu behaup­ten, dass wir „das ja unter kei­nen Umstän­den ger­ne oder frei­wil­lig machen kön­nen“. Wir lie­ben die Fle­xi­bi­li­tät, die Tat­sa­che, dass wir kei­ne Vor­ge­setz­ten haben, den Umgang und Aus­tausch mit unse­ren Kund*innen und nicht zuletzt auch den Ver­dienst. Ohne eine mone­tä­re Gegen­leis­tung wür­den wir den Job halt doch nicht machen. Wer wür­de schon arbei­ten, wenn es dafür kein Geld geben wür­de, jetzt mal ernst­haft? Ich ver­ste­he zwar den Unmut, wenn Men­schen sich eine Begeg­nung mit Sexarbeiter*innen nicht oder nicht mehr leis­ten kön­nen, habe aber kein Ver­ständ­nis dafür, dass teil­wei­se so über die Prei­se gejam­mert wird wie gera­de. Wenn jemand sich die Buchung eines oder einer Sexarbeiter*in nicht leis­ten kann, oder zumin­dest nicht die einer Per­son, die man ger­ne tref­fen wür­de, weil die­se nicht in der zum Porte­mon­naie pas­sen­den Preis­ka­te­go­rie arbei­tet, dann ist das bestimmt frus­trie­rend, das ver­ste­he ich. Aber Heu­len und Weh­kla­gen hilft da auch nicht wei­ter. Dann kann man sich das halt gera­de nicht leis­ten. Punkt. Ich mie­te mir ja auch kei­nen Per­so­nal Trai­ner, wenn ich gera­de kaum den Kühl­schrank gefüllt bekom­me.

Auch Sexarbeitende spüren die gestiegenen Lebenshaltungskosten

Ja, auch unse­re Kos­ten sind gestie­gen. Kaum zu glau­ben, ich weiß, aber auch Sex­ar­bei­ten­de müs­sen Mie­te zah­len. Sowohl die für das pri­va­te Zuhau­se, als auch unter Umstän­den die für die Räum­lich­kei­ten, in denen wir arbei­ten. Wir bezah­len Rech­nun­gen, Steu­ern, müs­sen Lebens­mit­tel ein­kau­fen usw. Manch­mal habe ich das Gefühl, dass man­che Men­schen voll­kom­men ver­ges­sen, dass nicht unser gan­zes Leben aus Sex­ar­beit besteht. Man könn­te bei eini­gen Anfra­gen und Kom­men­ta­ren teil­wei­se den­ken, die Per­so­nen gin­gen davon aus, dass wir 247 in irgend­ei­ner Loca­ti­on auf Kund­schaft war­ten, respek­ti­ve die­se bedie­nen. Das, mei­ne Lie­ben, ist aber nicht der Fall! Sex­ar­beit ist unser Beruf, nicht unser gesam­ter Lebens­in­halt! Die meis­ten Kolleg*innen, die ich ken­ne, haben ihre Prei­se in den letz­ten Mona­ten (wenn über­haupt) viel­leicht um 10€ oder 20€ erhöht, eini­ge um 50€. Man­che sind seit Jah­ren beim glei­chen Hono­rar geblie­ben, ande­re sind direkt mit einem höhe­ren Hono­rar ein­ge­stie­gen. Es gibt buch­stäb­lich für jeden Geld­beu­tel ein Ange­bot in der Sex­ar­beit und die pas­sen­de Kli­en­tel. Mir per­sön­lich gehen die Kom­men­ta­re beson­ders gegen den Strich, in denen sich dar­über beschwert wird, dass die Sex­ar­bei­ten­den der Wahl jetzt zu teu­er für das eige­ne Bud­get sind, und man sich nun für „was Bil­li­ge­res“ ent­schei­den muss. Geht’s noch?!

Der Preis einer Dienstleistung sagt nichts über den Wert einer Person aus

Eine Kol­le­gin, die 150€ für eine Stun­de auf­ruft, ist kei­nes­wegs „schlech­ter“ oder hat weni­ger zu bie­ten als eine Sex­ar­bei­te­rin, die 300€ dafür möch­te. Bei­de haben sich ihre Lebens­hal­tungs­kos­ten und Auf­wen­dun­gen ange­schaut und auf­grund des­sen einen Preis gewählt, der für sie und ihre Lebens­si­tua­ti­on passt und mit dem sie gut über die Run­den kom­men. Das ist immer und über­all bei frei­be­ruf­lich täti­gen Men­schen der Fall. Unse­re Hono­ra­re sind auch abhän­gig davon, wo wir leben und arbei­ten. Wer eher länd­lich lebt, hat unter Umstän­den gerin­ge­re Lebens­hal­tungs­kos­ten. Wer mit­ten in einer Stadt wie Mün­chen, Ham­burg oder Köln lebt, hat defi­ni­tiv höhe­re Lebens­hal­tungs­kos­ten zu stem­men. An die­sen Kos­ten ori­en­tie­ren wir uns natür­lich, wenn wir unse­re Prei­se berech­nen. Und auch danach, was wir bie­ten kön­nen und wol­len.

Besonders hohe Ansprüche kosten extra

Wer zum Bei­spiel eine hoch­ge­bil­de­te Dame mit aka­de­mi­schem Back­ground und den teu­ers­ten Kla­mot­ten und Acces­soires sucht, eine Kol­le­gin, die in kei­nem 5‑Sterne Hotel auch nur schief ange­schaut wird, mit einem über Fou­cault, Bit­co­in und tages­ak­tu­el­le Poli­tik flie­ßend in drei Spra­chen par­lie­ren kann, 10 Jah­re lang aus­sieht wie ein 25-jäh­ri­ges Super­mo­del und eine Gra­na­te im Bett ist, der muss sich auch nicht wun­dern, wenn die­se Kol­le­gin­nen ein Hono­rar auf­ru­fen, wel­ches nur weni­ge Per­so­nen mal eben so aus­ge­ben kön­nen. Alles eine Fra­ge von Ange­bot und Nach­fra­ge. Wer ganz spe­zi­fi­sche und hohe Ansprü­che an Sex­ar­bei­ten­de hat, die über ein bran­chen­üb­li­ches Ange­bot hin­aus­ge­hen, muss halt auch deut­lich tie­fer in die Tasche grei­fen.

Wir sind etwas wert

Das obi­ge Bei­spiel ist jetzt sehr auf die Spit­ze getrie­ben, aber es wird ver­mut­lich klar wor­auf ich hin­aus will: Wir sind etwas wert. Unse­re Dienst­leis­tun­gen sind etwas wert, und wer ver­sucht an Prei­sen her­um­zu­schrau­ben, der sieht die­sen Wert nicht, und das ist ein ganz deut­li­ches No Go. Eine Per­son, die uns das Gefühl gibt, dass unse­re Zeit und unse­re Dienst­leis­tung nicht das wert ist, was wir dafür ver­lan­gen, die möch­te kaum jemand von uns auch nur mit der Kneif­zan­ge anfas­sen. Das ist von vor­ne­her­ein zum Schei­tern ver­ur­teilt. Also ver­sucht gar nicht erst zu feil­schen, son­dern sucht Euch die Sexarbeiter*innen, die Dienst­leis­tun­gen anbie­ten, die in Eurem Bud­get lie­gen. Oder habt etwas Geduld und spart für den Luxus unse­rer Dienst­leis­tun­gen. Es ist abso­lut kei­ne Schan­de, sich etwas nicht, nicht mehr oder zur Zeit nicht leis­ten zu kön­nen! Aber es ist belei­di­gend und abwer­tend, wenn ver­sucht wird mit uns über den Preis für sehr inti­me und per­sön­li­che Momen­te zu han­deln. Wir sind kei­ne Ware, kei­ne Gegen­stän­de und nicht die Cari­tas. Behan­delt uns nicht so!