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2. Juni: Hurentag

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Ich bin eine Hure — und ich stehe dazu!

Ich bin eine Hure — und ich stehe dazu!

Ich bin eine Hure — und ich stehe dazu!
Ein Bei­trag von Sex­ar­bei­te­rin und Ver­bands­mit­glied Madame Kali. Mehr von ihr liest und hörst Du in ihrem Pod­cast #Sim­ply­The­BesD sowie ihrem Blog.
Ich bin eine Hure — und ich ste­he dazu! Ich bin sicht­bar, damit ande­re es nicht sein müs­sen.  Auch weil ande­re es gar nicht kön­nen weil sie noch mehr Repres­sa­li­en zu befürch­ten haben als ich. Damit mei­ne ich nicht nur das berüch­tig­te Huren­stig­ma son­dern auch ganz klar Bedro­hun­gen von z.B. Geset­zen oder Druck der (Groß-)Familien in den Län­dern, in denen sie hei­misch sind und die never ever was von ihrer Tätig­keit hier in Deutsch­land erfah­ren dürf­ten! Viel­leicht ist es auch ein­fach eine mei­ner Auf­ga­ben als Künst­le­rin über die­ses The­ma inno­va­tiv und refle­xiv zu berich­ten, denn ehr­li­che Künstler*innen sind ja nicht aus Eitel­keit her­aus so wie sie sind, son­dern weil sie in irgend einer Wei­se was zu sagen haben. Künstler*innen haben schon immer ger­ne den Fin­ger in die Wun­den der Gesell­schaft gelegt und dabei gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen vor­ge­ahnt, ange­stupst oder vor allem eben vor­ge­lebt! Kunst als Gegen­ent­wurf zum Main­stream, als Gegen­ent­wurf zu kapi­ta­lis­ti­schen Erfül­lungs­ge­hil­fen wie glatt gebü­gel­te Walt Dis­ney oder Net­flix Pro­duk­tio­nen. Krea­ti­vi­tät und Phan­ta­sie statt dump­fen Kon­sum. Neue Räu­me schaf­fen, wagen, den­ken. Sub­kul­tur hilft mir dabei über­dies die bes­te Ver­si­on von mir selbst zu wer­den. Dar­stel­len­de Künst­le­rin­nen waren in der Geschich­te übri­gens oft mit Sex­ar­bei­ten­den gleich­ge­setzt. Im alten Rom unter­la­gen sie eben­so nicht den übli­chen stren­gen Keusch­heits­ge­set­zen der (weib­li­chen) All­ge­mein­be­völ­ke­rung. Für sie, eben­so für die Sex­ar­bei­ten­den gab es regu­la­ti­ve Aus­nah­men. In der angeb­lich so auf­ge­klär­ten Renais­sance Zeit wur­den sie aller­dings von den Büh­nen der Welt ver­bannt da es sich nicht schick­te mit Kör­per­lich­kei­ten wie Gesang, Thea­ter­spiel oder Tanz Geld zu ver­die­nen – als Frau erst recht nicht! Es war dies die Zeit der ers­ten gro­ßen Huren­ver­drän­gung, bes­ser gesagt Leug­nung, die der damals recht neu­en und nicht uner­heb­lich gras­sie­ren­den Syphi­lis Ein­halt gebie­ten soll­te. Spoi­ler: das Peni­cil­lin ver­schaff­te dann erst Abhil­fe vor nicht mal 100 Jah­ren, Huren gab es natür­lich wei­ter­hin zu allen Zei­ten. Und – oh Wun­der – waren Huren auch immer ein Anzei­ger für die Stel­lung der Frau­en in der Gesell­schaft. Je frei­er die Dir­nen, Hüb­schne­rin­nen, Huren oder wie auch immer der Zeit­geist die Lie­bes­die­ne­rin­nen zu nen­nen pfleg­te, waren, umso bes­ser ging es in der Regel auch all­ge­mein den Frau­en. Ein Ver­bot der Pro­sti­tu­ti­on (und das gab es in den ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­ten immer mal wie­der, da so ver­geb­lich ver­sucht wur­de die Syphi­lis ein­zu­däm­men) führ­te zu kei­ner Zeit zu einer Ver­bes­se­rung von Frau­en­rech­ten oder Rech­ten von Sex­ar­bei­ten­den. Ganz im Gegen­teil muss­te eine Frau, die sich sexu­ell ent­fal­tet hat nicht nur mit sozia­len, son­dern auch mit juris­ti­schen Kon­se­quen­zen rech­nen! In den 1920er Jah­ren galt sogar noch die Erfül­lung sexu­el­ler Genüs­se als Beweis der Sex­ar­beit, da dies als „Zah­lungs­mit­tel“ ange­se­hen wur­de. Nach dem Phi­lo­so­phen Micha­el Focault (1926 – 1984) ist die Sexua­li­tät ein beson­ders dich­ter Durch­gangs­punkt für die Macht­be­zie­hun­gen zwi­schen Men­schen. Das heißt aber auch, dass hier auch wie­der die Macht­be­zie­hun­gen neu gestal­tet wer­den kön­nen! Die Sex­ar­beits-Akti­vis­tin Dome­ni­ca Nie­hoff wur­de ja zu Unrecht immer wie­der als Domi­na bezeich­net – viel­leicht lag es ein­fach dar­an, dass es bis dahin noch kei­ne Vor­stel­lung von einer Frau gab die als Sex­ar­bei­te­rin jen­seits des Rot­licht­vier­tels mal sag­te was Tache­les ist? Die Auf­stän­de der (Ham­bur­ger) Huren der 1920er Jah­re sind ja lei­der kaum bekannt. Eben­so wie der Auf­ruhr der ca. 6.000 Sex­ar­bei­te­rin­nen und ihrer Lieb­ha­ber, Ange­hö­ri­gen, Per­so­nal etc. als Papst Pius V aus­ge­rech­net am Fei­er­tag der Hl. Mag­da­le­na (22.7.1566) jeg­li­che Pro­sti­tu­ti­on für „abge­schafft“ erklä­ren woll­te. Er muss­te bei die­sem immensen Druck zurück rudern – Pro­sti­tu­ti­on lässt sich eben nicht so „ver­bie­ten“, Sexua­li­tät ist auch kein Ver­bre­chen, egal was mora­li­sche Sittenwächter*innen auch dazu sagen! Die Hure galt (und gilt lei­der immer noch) als Nega­tiv­fo­lie für die ehr­ba­re Frau, der damit im übri­gen der Weg zu einer frei und selbst­be­stimmt aus­ge­leb­ten Sexua­li­tät erschwert wird. Wer will schon ger­ne wie „so eine“ sein, da ist es wie­der, die­ses unsäg­li­che Huren­stig­ma. Die Dis­kri­mi­nie­rung von Sex­ar­bei­ten­den dient ledig­lich als Mit­tel der sexu­el­len Unter­drü­ckung aller Frau­en. „Du Hure!“ – einem Don Juan, selbst einem Mar­quis de Sade hät­te man so etwas nicht gewagt zu sagen! „Wenn du dich anstän­dig ver­hältst hast du ja nichts zu befürch­ten und wenn dir was pas­siert warst du eben nicht anstän­dig! Du willst doch nicht ernst­haft in die­sem kur­zen Leder­mi­ni­rock…??“ Die Wan­der­aus­stel­lung „Was ich anhat­te“ zeigt im übri­gen die Klei­dung die Frau­en bei sexua­li­sier­ter Gewalt anhat­ten – mit­nich­ten sehen wir dort auf­ge­rüsch­te Abend­mo­de, gar­niert mit exclu­si­ven Lin­ge­rie und Stö­ckel­schüh­chen! Als wür­de es die­se Erkennt­nis­se nicht schon längst geben pol­tert die sog. Femi­nis­tin A. Schwart­zer was von „Nut­ten­mo­de“ was zum einen mehr als nur dis­kri­mi­nie­rend für Sexarbeiter*innen und vor allem täter­re­la­ti­vie­rend ist! Ver­let­zun­gen und Über­grif­fe fin­den in den aller­meis­ten Fäl­len  im Nah­be­reich einer Per­son statt – z.B. in der Ehe, Part­ner­schaft und ande­ren Fami­li­en­bün­den. Bis 1997 galt es dies auch hin­zu­neh­men „.…so for­dert die Ehe von ihr <Ehe­frau> doch eine Gewäh­rung in ehe­li­cher Zunei­gung und Opfer­be­reit­schaft und ver­bie­tet es, Gleich­gül­tig­keit oder Wider­wil­len zur Schau zu tra­gen.“ (BGH 1966) Erst 1997 wur­de die­ses Gesetz auf­ge­ho­ben, gegen den Wil­len so man­cher noch immer in hohem Bun­des­tag-Amt befind­li­chen Poli­ti­kern! Doch ich schwei­fe ab, keh­ren wir zurück zum The­ma Sex­ar­beit und war­um es wich­tig ist dies auch im Sin­ne der eman­zi­pa­to­ri­schen (Frauen-)Bewegung zu sehen. In der Auf­bruchs­stim­mung der 1920er Jah­ren waren vie­le allein­ste­hen­de und les­bi­sche Frau­en sowie Frau­en der Frau­en­be­we­gung als Sex­ar­bei­te­rin­nen unter­wegs, schon allei­ne um ihre öko­no­mi­sche Unab­hän­gig­keit zu sichern! Mar­le­ne Diet­rich in ihrer neu­en, ande­ren, fern­ab vom bis­her übli­chen Frau­en­bild geleb­ten frei­en Sexua­li­tät war vie­len ein Vor­bild. Nur hat­ten die meis­ten ihrer Verehrer*innen nicht so tol­le Film­ga­gen um über die Run­den zu kom­men. Mit Sex­ar­beit ließ sich bes­ser, schnel­ler, ein­fa­cher Geld ver­die­nen als in den damals noch rela­tiv neu­en Fabri­ken. Auch August Bebel kri­ti­sier­te dies und vor allem die schlech­ten Löh­ne eben­da – aber es hat sich bis heu­te nicht viel dar­an geän­dert; weder an den Bedin­gun­gen der Lohn­ar­beit für mar­gi­na­li­sier­te Men­schen, noch an den Grün­den eben dar­um in die Sex­ar­beit zu gehen! Die­se nach Unab­hän­gig­keit und ande­ren Rol­len- und Fami­li­en­mus­tern stre­ben­den (meist) Frau­en wur­den dann im drit­ten Reich aufs übels­te gegen­ein­an­der aus­ge­spielt und in die Lager gesteckt und größ­ten­teils ermor­det. Trans Men­schen sowie bi- & homo­se­xu­el­le Män­ner wur­den unter ent­mensch­lich­ten Vor­aus­set­zun­gen hin­ge­rich­tet oder zwangs­ste­ri­li­siert und gal­ten als bio­lo­gis­ti­sche Begrün­dun­gen für wei­te­re Mor­de und Übel­ta­ten. Sex­ar­bei­te­rin­nen wur­den z.T. in geson­der­ten Bara­cken gezwun­gen, Diens­te zu leis­ten. Aner­kannt wur­den die­se Ver­bre­chen im Namen der Sexua­li­tät nie, kei­ne Süh­ne, kei­ne Ent­schä­di­gun­gen bis heu­te. Doch „Man muss nicht fra­gen war­um sich Frau­en pro­sti­tu­ie­ren, son­dern war­um es nicht mehr tun.“ Simo­ne de Beau­voir, 1949. Zeit wird es also end­lich für eine bewuss­te sexu­el­le Iden­ti­tät, wie sie auch schon ein Magnus Hirsch­feld für die schwu­le und que­e­re Com­mu­ni­ty defi­niert hat. Nicht län­ger eine ver­steck­te, ver­schäm­te, auch weil sonst immer wie­der Angrif­fen von außen preis­ge­ge­be­ne Sexua­li­tät, son­dern end­lich kräf­tig in den Apfel der Erkennt­nis, dar­ge­reicht von der kul­tur­anthro­po­lo­gisch wesent­lich älte­ren Serpent/Sapientia (Schlan­ge, die Wis­sen und Weis­heit sym­bo­li­siert) gebis­sen und genos­sen, egal was der Papa Patri­arch dazu sagt. In die­sem Sin­ne: Guten Appe­tit und genießt mit allen Sin­nen!