Berufsverband-Sexarbeit.de

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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Projekt Geschützter Straßenstrich — so gut funktioniert es in Zürich!

Projekt Geschützter Straßenstrich — so gut funktioniert es in Zürich!

Projekt Geschützter Straßenstrich — so gut funktioniert es in Zürich!
Ein Bei­trag von Sex­ar­bei­te­rin und Ver­bands­mit­glied Nadi­ne Kopp ali­as Bibi Drall.
Ich bin rei­sen­de Sex­ar­bei­te­rin – nicht nur deutsch­land­weit son­dern auch dar­über hin­aus. Wis­sen kann ich mir theo­re­tisch immer aneig­nen, aber durch Erfah­run­gen und Aus­tausch kann man vie­les ver­än­dern, ver­bes­sern oder zumin­dest antrei­ben. Sprecht mit uns statt über uns lau­tet die Devi­se! Des­we­gen ist es mir ein Anlie­gen, egal wo ich bin, Bera­tungs­stel­len auf­zu­su­chen, mich mit ande­ren Sex­wor­kern aus­zu­tau­schen, mehr über die jewei­li­gen Struk­tu­ren zu erfah­ren. Die­ses Mal in Zürich fand die Bera­tungs­stel­le Flo­ra Dora mich 😁. Bei Street­wor­ke­rin­nen am unge­schütz­ten Stra­ßen­strich frag­te ich nach, wo das Pro­jekt geschütz­ter Stra­ßen­strich in der Schweiz umge­setzt wur­de und ob es die Mög­lich­keit gibt die­sen zu sehen. Ich hat­te Glück denn Flo­ra Dora betreut die­sen.

Den Strichplatz Depotweg Zürich gibt es seit 10 Jahren und er ähnelt der Gestemünder in Köln:

  • Ein dis­kre­tes Gelän­de, die Dienst­leis­te­rin­nen haben bedach­te und beleuch­te­te Plät­ze ähn­lich einer moder­nen Bus­hal­te­stel­le. Jeder kann dort arbei­ten, Haupt­sa­che Du hast eine Bewil­li­gung und bist ange­mel­det.
  • Es gibt Stell­plät­ze für Wohnmobile/Wohnwagen. Die “Ver­rich­tungs­bo­xen” sind wie in Köln nur etwas moder­ner. Es gibt ein Sozi­al­haus mit sani­tä­ren Anla­gen, Wasch­kü­che um auch mal Wäsche zu waschen/trocknen, eine Klei­der­kam­mer.
  • Ein Rück­zugs­räum­chen, eine gro­ße Wohn­kü­che wo man sich auf­hal­ten kann, auch was Klei­nes zu essen und zu trin­ken gibt’s immer. Immer wie­der wird auch gemein­sam gekocht,  min­des­tens ein­mal in der Woche.
  • Sozialarbeiter sind immer dort, die Dir jegliche Informationen geben. Dort braucht man sich nicht schämen an die Kommode zu gehen für eine Tüte Kondome, 1000 Fragen zu stellen, sich was zu Essen und zu Trinken zu nehmen.

  • Du wirst dort voll­um­fäng­lich bera­ten von Bewil­li­gung, über Steu­er­fra­gen hin zu gesundheitlichen/medizinischen The­men und sehr vie­lem mehr!
  • Es sind auch immer Sicher­heits-Sozi­al­ar­bei­ter anwe­send zu den Öff­nungs­zei­ten.
  • Es gibt ein Ärz­te­zim­mer, das jeden Diens­tag besetzt ist, wenn man etwas hat.
  • Alle 2 Wochen kommt ein Team von der Sit­te das die “Frei­er” auf­klärt.
Die Koope­ra­ti­on zwi­schen Behör­den, Bera­tungs­stel­len und Sit­te ist super (schwar­ze Schäf­chen gib es immer, aber ist über­schau­bar).

Mindestens einmal im Monat sitzen alle bei einem Gespräch zusammen wo auch Sexdienstleisterinnen mit dabei sind.

Auch mein Aus­tausch mit den dort arbei­ten­den Frau­en war herz­lich. Sie sind froh, dass es die­sen Platz gibt füh­len sich sicher, geschützt und gut auf­ge­klärt. Und wenn mir dort eine rei­fe Dame sagt:

“Ich arbeite seit über 45 Jahren in diesem Gewerbe, auf vielen Strichs bin ich schon gestanden, hab in vielen Buden rumgebu.… ,  aber dieser Platz ist seit 10 Jahren der beste, denn er ist geschützt und sicher!”

— dann glau­be ich ihr das! Die Schweiz könn­ten uns in Deutsch­land als Vor­bild die­nen. Sex­ar­beit gilt dort als nor­ma­le Arbeit und daher wird es auch staat­lich unter­stützt, dass die­se Arbeit in mög­lichst gutem Rah­men statt­fin­den kann. Damit geht man auf die Bedürf­nis­se der dort arbei­ten­den Men­schen ein, statt sie zwangs­wei­se zu “ret­ten” oder ihnen das Geld­ver­die­nen ver­bie­ten zu wol­len.

Auch gesellschaftlich merkt man dass die Sexarbeit hier einen anderen, normaleren Stellenwert hat und neutraler behandelt wird.

In Deutsch­land kommt mit Aus­nah­me der Kir­chen kaum jemand auf die Idee, für Sex­ar­beits-Bera­tungs­stel­len oder ande­re unter­stüt­zen­de Räu­me für Sex­ar­bei­ten­de etwas zu spen­den. Hier beim geschütz­ten Stra­ßen­strich in Zürich sind es stink­nor­ma­le Unter­neh­men, Ver­ei­ne, Ver­bän­de aber auch Pri­vat­leu­te, die nichts mit Sex­ar­beit zu tun haben und trotz­dem Sach­spen­den und klei­ne Geschen­ke vor­bei­brin­gen — Kaf­fee, war­me Decken, mal ein Par­fum oder auch Geschen­ke zu Weih­nach­ten. Ich wür­de mir wün­schen, dass sich auch in Deutsch­land wei­ter rum­spricht, wie wich­tig die För­de­rung und Unter­stüt­zung der hie­si­gen Bera­tungs­stel­len für die Lebens­qua­li­tät von vie­len in der Bran­che täti­gen Men­schen sein kann.
Auch inter­es­sant: Emp­feh­lun­gen zur Ver­bes­se­rung der Arbeits­be­din­gun­gen und Sicher­heit von Sexarbeiter*innen am Stra­ßen­strich von Stra­ßen-Bei­rä­tin Nico­le Schul­ze (März 2022)