Berufsverband-Sexarbeit.de

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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Kundin schreibt Brief an Leni Breymaier zum Sexkaufverbot

Kundin schreibt Brief an Leni Breymaier zum Sexkaufverbot

Kundin und Sexarbeiterin lächeln, Foto von Felipe Balduino
Edith Man­go ist sehr besorgt um die aktu­el­le Debat­te zum Sexkauf­ver­bot. Ihre Oma war nach 1945 für eini­ge Zeit als Sex­ar­bei­te­rin tätig. Edith selbst fass­te erst durch Ihre Begeg­nun­gen mit Sex­ar­bei­ten­den den Mut, ihren eige­nen Weg zu gehen. Des­halb wen­det sie sich mit einem Brief an Leni Brey­mai­er. Wir schät­zen ihr Enga­ge­ment sehr und dan­ken ihr für ihr Ver­trau­en, den Brief hier ver­öf­fent­li­chen zu dür­fen. Brief von Edith Man­go, ver­öf­fent­lich mit ihrem Ein­ver­ständ­nis. Her­vor­he­bun­gen durch den BesD e.V.    Sehr geehr­te Frau Brey­mai­er,  ich wen­de mich heu­te ver­trau­ens­voll an Sie, als Obfrau und ordent­li­ches Mit­glied im Aus­schuss für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend des Bun­des.  Ihr Enga­ge­ment, sich für das Leben und die Frei­heit von Frau­en ein­zu­set­zen, schät­ze ich sehr. Und ich den­ke, dass wir alle das glei­che Ziel haben, dass Femi­zi­de end­lich gesell­schaft­lich geäch­tet und ein Ende haben müs­sen. Es widert mich an und macht mich trau­rig und wütend, dass es Men­schen­han­del und Zwangs­pro­sti­tu­ti­on gibt.  Mit gro­ßer Bestür­zung habe ich gele­sen, dass es Plä­ne gibt, gene­rell Kund:innen von Sexarbeiter:innen zu kri­mi­na­li­sie­ren. Des­we­gen schrei­be ich Ihnen heu­te mei­ne Emp­fin­dun­gen zu die­sem The­ma.  Ich bin eine Frau und ich bin eine lang­jäh­ri­ge Kun­din von Sex­ar­beit. Ich bin bald 50 und arbei­te als Sekre­tä­rin im Gesund­heits­we­sen. In die­ser Zeit als Kun­din von Sex­ar­beit habe ich sehr vie­le lie­be­vol­le, befrei­en­de und stär­ken­de Momen­te für mein weib­li­ches Leben erfah­ren. Alle Men­schen, bei denen ich Kun­din war und bin, haben ihre Arbeit frei­wil­lig, mit Spaß und unter siche­ren Bedin­gun­gen getan.  Ich habe sehr vie­le Jah­re dar­über nach­ge­dacht, wie ich als Frau Sexua­li­tät und Inti­mi­tät in einem siche­ren Rah­men erle­ben kann. Mit Men­schen, die den sexu­el­len Raum ken­nen und beglei­ten. Es ist wirk­lich immer sehr schön und gibt mir Mut.  Da ich nicht von mei­ner Geburt an das Recht dazu hat­te, ein weib­li­ches Leben füh­ren zu kön­nen, habe ich mich dazu erst als Erwach­se­ne ent­schie­den, dass ich in Wahr­heit leben muss.  Es ist nicht mei­ne Ent­schei­dung oder Wahl, eine Frau zu sein und ich glau­be, Sie kön­nen mich ver­ste­hen. Es war not­wen­dig für mich, nicht an die­sem Wider­spruch zu schei­tern und gesund wei­ter­le­ben zu kön­nen. Der Gesetz­ge­ber ver­langt bei einer Tran­si­ti­on nach medi­zi­ni­schen Dia­gno­sen und psy­cho­lo­gi­schen Gut­ach­ten, um nach einem amts­ge­richt­li­chen Ver­gleich legal leben zu dür­fen. Ich habe alles getan, was ich tun muss­te und von mir ver­langt wur­de. Damit wer­de ich Ihnen wahr­schein­lich nichts Neu­es sagen. 
Die Frau­en, die ich als Kun­din von Sex­ar­beit besucht habe, waren die ers­ten Men­schen, die mich als Frau akzep­tiert haben.  Ohne Sex­ar­beit hät­te ich nicht den Mut gehabt, mei­nen Weg gehen zu kön­nen und in Frie­den zu leben.  Ich habe einen siche­ren Ort gebraucht, weil es Sicher­heit und Akzep­tanz in einer Bezie­hung oder in der Öffent­lich­keit manch­mal gab, aber zu oft auch nicht gab. 
Mei­ner Mei­nung nach soll­ten Politiker:innen auf Sexarbeiter:innen zuge­hen und mit ihnen reden. Dar­über, was getan wer­den kann, um Femi­zi­de zu stop­pen. Dar­über, wie Frau­en aus den Hän­den von Zwangs­pro­sti­tu­ti­on und Men­schen­han­del befreit wer­den kön­nen. Dar­über, wie Sexarbeiter:innen von dem mora­li­schen Stig­ma der Sün­de befreit wer­den kön­nen.  Die­se Frau­en leis­ten alle eine abso­lut wert­vol­len Bei­trag für den Zusam­men­halt einer frei­heit­li­chen und demo­kra­ti­schen Gesell­schaft. Sex­ar­beit gab es immer in der Mensch­heits­ge­schich­te und es ist bestimmt nicht rea­lis­tisch, dass ein Ver­bot dar­an etwas ändern wird  Wenn eine Ärz­tin, eine Rich­te­rin, eine Sol­da­tin etc. ver­be­am­tet ist, dann soll­te eine Sexarbeiter:in erst recht die­sen Sta­tus haben.  Ich wün­sche mir, dass wir als Gesell­schaft uns dazu ver­pflich­tet füh­len, Men­schen­han­del und Zwangs­pro­sti­tu­ti­on zu äch­ten und abzu­schaf­fen. Das ist etwas ande­res als Sex­ar­beit. Wir könn­ten es auch als Sexu­al­as­sis­tenz für Men­schen mit Han­di­cap bezeich­nen. Ich habe kein Han­di­cap, aber ich wer­de so in einem medi­zi­ni­schen Sin­ne kate­go­ri­siert.  Eine Kri­mi­nel­le, die bin ich nicht. Und ich habe Angst davor, zu einer Kri­mi­nel­len gemacht zu wer­den. Ich wün­sche mir mehr Ver­ständ­nis und mehr Mit­ein­an­der – und ich den­ke, dass Sie das genau­so sehen.  Herz­li­che Grü­ße Edith Man­go