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Will­kom­men beim BesD e.V., dem Berufs­ver­band für sexu­el­le und ero­ti­sche Dienst­leis­tun­gen.

2. Juni: Hurentag

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Roter Regen­schirm, Sexy Out­fit, und dann ab zum Huren­tag!

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Deine Spende gegen ein Sexkaufverbot

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Wir brau­chen dei­ne Spen­de um wei­ter gegen ein Sexkauf­ver­bot in Deutsch­land anzu­kämp­fen.

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Aktionswoche 2026

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2. bis 6.Juni: Deutsch­land­wei­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Sex­ar­beit!

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Undine de Rivière: Warum ein Sexkaufverbot keine Probleme löst

Undine de Rivière: Warum ein Sexkaufverbot keine Probleme löst

Undine de Rivière: Warum ein Sexkaufverbot keine Probleme löst
Ein sehr per­sön­li­cher Blog­bei­trag über die aktu­el­le Pro­sti­tu­ti­ons-Debat­te von BesD-Grün­dungs­mit­glied Undi­ne de Riviè­re.

“Keiner macht das freiwillig …” –

“Das muss alles ver­bo­ten wer­den.” – “Mär­chen­stun­de, du lügst!” – das ist nur ein Bruch­teil des­sen, was ich mir in letz­ter Zeit anhö­ren muss­te. Seufz.  Die Leu­te, die ein­ver­nehm­li­che Sex­ar­beit zwi­schen Erwach­se­nen ver­bie­ten wol­len, sit­zen uns mal wie­der ganz schön im Nacken. Inzwi­schen auf höchs­ter poli­ti­scher Ebe­ne: Mit­te Novem­ber hat sogar Olaf Scholz sich auf unse­re Kos­ten pro­fi­liert: “Ich fin­de es nicht akzep­ta­bel, wenn Män­ner Frau­en kau­fen. Das ist etwas, was mich mora­lisch immer empört hat.” Was für ein Bull­shit. Das letz­te Mal, als ich “mei­nen Kör­per ver­kauft” habe, war der erstaun­li­cher­wei­se immer noch in mei­nem Besitz, auch nach­dem mein Gast gegan­gen war. Scholz hat die­sen Unfug übri­gens auf Nach­fra­ge von Doro­thee Bär (CSU) los­ge­las­sen. Wer sich antun möch­te, mit wel­cher Ver­ach­tung und Her­ab­las­sung sol­che Men­schen ihre Gewalt­phan­ta­sien über die geleb­te Rea­li­tät einer Sex­ar­bei­te­rin mit 29 Jah­ren Berufs­er­fah­rung zu stel­len ver­su­chen, kann sich die Dis­kus­si­on anhö­ren, die ich mit der guten Frau Bär letz­te Woche für den SWR geführt habe.

Das schwedische Verbot

Laut­star­ke Sexarbeitsgegner*innen gibt es lei­der in allen gro­ßen Par­tei­en. Und sie alle for­dern gera­de mas­si­ver denn je ein “Sexkauf­ver­bot” wie in Schwe­den (auch bekannt als “Nor­di­sches Modell”). Dabei ist es übri­gens egal, ob es um Woh­nungs­bor­del­le, Escort-Ser­vice, Domi­na­stu­di­os oder um Hyp­no­se-Ses­si­ons mit Anfas­sen geht: Alles abschaf­fen, und zwar am bes­ten ges­tern schon. Ver­bo­ten wer­den soll dem­nach die Inan­spruch­nah­me sexu­el­ler Dienst­leis­tun­gen, aber auch jede Unter­stüt­zung der Sex­ar­beit ande­rer. In Schwe­den wer­den daher sogar Kolleg*innen, die ein­an­der gegen­sei­tig bei Hotel­be­su­chen mit­tels Sicher­heits­an­ru­fen schüt­zen, der Zuhäl­te­rei der jeweils ande­ren ange­klagt. “Was regt ihr euch auf, ihr bleibt doch straf­frei”, behaup­ten Befür­wor­ter des Ver­bots. Hier noch ein paar mehr Grün­de, wie­so ein Sexkauf­ver­bot auch für uns Sexarbeiter*innen selbst eine Kata­stro­phe wäre — von der halt­lo­sen pau­scha­len Kri­mi­na­li­sie­rung unse­rer Gäs­te ganz zu schwei­gen.
  1. 📌 Ein Ver­bot der Nach­fra­ge ver­schiebt die Kun­den­struk­tur. Es wer­den über­mä­ßig Men­schen abge­schreckt, die sich an Regeln hal­ten wol­len — und zwar auch an unse­re eige­nen Regeln, die unse­rer Gesund­heit und Sicher­heit die­nen. Übrig blei­ben mehr über­grif­fi­ge und gefähr­li­che Kun­den — ein Rie­sen­pro­blem gera­de für pre­kär arbei­ten­de Kolleg*innen, die auf­grund wirt­schaft­li­cher Zwän­ge ohne­hin schwe­rer Auf­trä­ge ableh­nen kön­nen.
  2. 📌 Jede Unter­stüt­zung von Sex­ar­beit ist nach schwe­di­schem Vor­bild eben­falls ver­bo­ten. Damit wür­den Bor­del­le wie­der ille­gal. Deren Füh­rung und die ent­spre­chen­den Erträ­ge gin­gen dann unter ande­rem zurück an die orga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät — mit allen Fol­gen für uns und für den Rest der Gesell­schaft. Genau das, was wir 2001 end­lich geän­dert hat­ten, als der Para­graph gegen die “För­de­rung der Pro­sti­tu­ti­on” abge­schafft wur­de und zuneh­mend seriö­se Geschäfts­per­so­nen anfin­gen, in Sex­work-Infra­struk­tur zu inves­tie­ren.
  3. 📌 Ein Sexkauf­ver­bot ver­hin­dert Sex­ar­beit nicht. Goog­le mal nach “Stock­holm Escorts”, dann siehst du, was ich mei­ne. Es drängt uns nur in den Unter­grund, denn um unse­re Gäs­te zu schüt­zen, müs­sen auch wir abtau­chen. Damit sind wir auch für Hilfs­an­ge­bo­te weni­ger gut erreich­bar und Über­grif­fe wer­den sel­te­ner ange­zeigt. Ein Outing hat in Schwe­den ver­hee­ren­de Fol­gen: Zum Bei­spiel bekom­men wir kei­ne Woh­nung mehr, weil auch ein pri­va­ter Ver­mie­ter von den Erträ­gen unse­rer Arbeit pro­fi­tie­ren und sich so der Zuhäl­te­rei schul­dig machen wür­de.
Ein Sexkauf­ver­bot ist also kein Schutz von Men­schen in der Sex­ar­beit, wie es oft ver­kauft wird. Es soll im Gegen­teil für alle Betei­lig­ten abschre­ckend wir­ken und uns das Leben mög­lichst schwer machen.

Ein Sexkaufverbot löst keines der Probleme, die es ja durchaus in unserer Branche gibt, sondern verschärft jedes einzelne davon.

Zugrun­de liegt die Idee, die Gesell­schaft vor der Sex­ar­beit zu schüt­zen und über ein Ver­bot die bestehen­de Geschlech­te­run­ge­rech­tig­keit abschaf­fen zu kön­nen. Letz­te­res ist ein heh­res Ziel, aber auf die­sem Weg natür­lich eine Illu­si­on. Sexkauf­ver­bo­te gibt es nicht nur in Tei­len Skan­di­na­vi­ens, son­dern inzwi­schen auch in Kana­da, Irland und Frank­reich, mit allen von uns und von vie­len Menschenrechts-Expert*innen vor­her­ge­sag­ten ver­hee­ren­den Fol­gen. Im Sep­tem­ber die­sen Jah­res hat sogar das EU-Par­la­ment eine Emp­feh­lung für ein euro­pa­wei­tes Ver­bot aus­ge­spro­chen. Wir Sexwork-Aktivist*innen tun alles, was wir kön­nen, um zu ver­hin­dern, dass es in Deutsch­land umge­setzt wird. Gleich­zei­tig machen wir uns dafür stark, dass dort ein Umden­ken statt­fin­det, wo die­se Kata­stro­phe bereits ein­ge­tre­ten ist. Aber viel­leicht ist alles, was wir kön­nen, dies­mal ein­fach nicht genug.

Hilfe!

Wir kön­nen das nicht mehr ehren­amt­lich schaf­fen. Daher hat der Berufs­ver­band BesD e.V., den ich vor zehn Jah­ren mit gegrün­det habe, eine Spen­den­ak­ti­on gestar­tet. Wir müs­sen drin­gend wie­der einer Mit­ar­bei­te­rin für poli­ti­sche Arbeit dau­er­haft wenigs­tens eine Vier­tel­stel­le bezah­len, sowie pro­fes­sio­nel­le Schu­lun­gen in Pres­se- und Öffent­lich­keits­ar­beit für unse­re Mit­glie­der finan­zie­ren kön­nen. Und hier kommst du ins Spiel: Wenn es dir irgend mög­lich ist, unter­stüt­ze uns bit­te in unse­rem Kampf gegen das dro­hen­de Sexkauf­ver­bot. Denn jeder Euro zählt. Nichts wün­sche ich mir zu Weih­nach­ten mehr, als dass wir unser Spen­den­ziel errei­chen. 🎁❄️ -> Hier kommst Du zu allen Infos unse­rer Spen­den­kam­pa­gne