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2. Juni: Hurentag

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Wie ich mir gute Pressarbeit wünsche — Vermeintliche oder gefühlte Wahrheiten

Wie ich mir gute Pressarbeit wünsche — Vermeintliche oder gefühlte Wahrheiten

Zeitungsstapel
Ein per­sön­li­cher Kom­men­tar von Johan­na Weber, poli­ti­sche Spre­che­rin des BesD Mit Mit­te 50 gehö­re ich zu der Gene­ra­ti­on, die durch­aus schon mal von „frü­her“ spre­chen darf. Frü­her gab es eigent­lich nur zwei Arten von Medi­en mit unter­schied­li­chem Infor­ma­ti­ons­ge­halt. Zum einen die Bild-Zei­tung. Da wuss­te man irgend­wie, dass das alles nur so halb stimmt oder sehr ver­ein­facht ist. Es gab den Spruch: „Frau durch Fleisch­wolf gedreht — Bild sprach als ers­tes mit der Bulet­te.“ Und die ande­ren Zei­tun­gen — naja das stimm­te dann so, was da so drin stand. Heu­te kann man sich auf die­se Bau­ern­weis­hei­ten nicht mehr ver­las­sen. Es scheint Gang und Gebe gewor­den zu sein, dass schlecht recher­chier­te Halb­wahr­hei­ten sogar von ver­meint­lich seriö­sen Medi­en ver­brei­tet wer­den. Man muss sich nicht mal mehr dafür ent­schul­di­gen. Ich weiß aus vie­len Gesprä­chen mit Pres­se­ver­tre­tern, dass die­se nicht zu faul gewor­den sind oder ihnen das Basis­wis­sen fehlt, son­dern dass der Zeit­druck enorm zuge­nom­men hat. Die Gel­der sind knapp und so wur­den vie­len Stel­len gestri­chen. Die ver­blei­ben­den Jour­na­lis­ten müs­sen nun wesent­lich mehr Tex­te lie­fern und das auch noch par­al­lel für Print und Online. Gera­de bei Online-News geht es oft dar­um wer zuerst den Bericht online hat mit der kna­ckigs­ten Über­schrift, denn wei­ter liest ja eh kei­ner.

Und so wird unglaublich schnell einfach mal irgendwas gegoogelt, um in kürzester Zeit einen Artikel fertig zu haben.

Ich ver­ste­he die Pro­ble­ma­tik, aber das muss doch einen Weg der Mit­te geben. Zumin­dest die Ver­la­ge, die sich als seri­ös ein­stu­fen, soll­ten sich etwas mehr Mühe geben. Aber auch dort wird schlam­pig recher­chiert und zum Teil mit popu­lis­ti­schen Über­schrif­ten Klick­ra­ten zu erzie­len ver­sucht. Bezo­gen auf unse­re Bran­che heißt das lei­der was Fata­les. Es tau­chen immer wie­der die sel­ben Zah­len auf, die noch nie irgend­je­mand wirk­lich ermit­telt hat. Seit Jahr­zehn­ten wird von 400.000 Pro­sti­tu­ier­ten in Deutsch­land gespro­chen — ohne jeden wis­sen­schaft­li­chen Nach­weis. Inter­es­san­ter­wei­se wird seit Neu­es­ten nun ver­mehrt von 200.000 gespro­chen — auch wie­der ohne jeg­li­chen Nach­weis. Gleich­blei­bend ist immer die Zahl von 1,2 Mil­lio­nen Frei­ern täg­lich. Auch dafür gibt es kei­nen Nach­weis. Wenn man kurz inne hält und mal über­legt wie vie­le Men­schen in Deutsch­land leben (84Mio), und dass sie Hälf­te davon Frau­en sind, und dann noch vie­le unter 18 Jah­re alt sind und etli­che viel­leicht zu alt sind um noch regel­mä­ßig in den Puff zu gehen, eini­ge auch kein Inter­es­se haben oder krank sind usw. Also, da müß­te dann jeder der ver­blei­ben­den Men­ge an Män­nern min­des­tens 1x pro Monat ins Bor­dell gehen….

Aber sowas muss einen Journalisten ja nicht stuzig werden lassen, denn weltweit fallen ja bekanntlich Horden von Männern nach Deutschland ein, nicht nur um unbegrenzt auf den Autobahnen zu rasen, sondern auch um unbegrenzt in den Puffs zu vögeln.

Die The­se von „Deutsch­land als das Bor­dell Euro­pas“ fin­det sich in fast jedem Pres­se­be­richt zu unse­rem The­ma. Ja, stimmt das denn über­haupt? Darf man als Pres­se­mensch ein­fach so die die Schlag­wor­te über­neh­men ohne sie zu hin­ter­fra­gen? Eben­so unhin­ter­fragt wird dau­ernd von hun­der­tau­sen­den jun­ger Frau­en aus Ost­eu­ro­pa berich­tet, die in Deutsch­land zur Pro­sti­tu­ti­on gezwun­gen wer­den.

Dies und andere vermeintliche Wahrheiten oder gefühlte Wahrheiten.

Umso dank­ba­rer bin ich für jeden Arti­kel, bei dem tat­säch­lich genau­er nach Quel­len geschaut wird und ein aus­ge­wo­ge­nes Ver­hält­nis der unter­schied­li­chen Mei­nun­gen dar­ge­stellt wird. Hier ein Paar gute Bei­spie­le:
Print des Deutsch­land­funks Pro­sti­tu­ti­on Brau­chen wir ein Sexkauf­ver­bot? https://www.deutschlandfunk.de/sex-prostitution-sexkaufverbot-nordisches-modell-100.html#z3 Gut gefällt mir, dass die übli­che Fra­ge nach der Zahl der Pro­sti­tu­ier­ten in Deutsch­land nicht mit den all­seits­zi­tier­ten aber ohne jeden Beleg sei­en­den 400.000 beant­wor­tet wird. Hier wird auf­ge­zeigt, dass es kei­ne kon­kre­ten Zah­len gibt und die ver­schie­de­nen Ein­schät­zun­gen dazu. Gut wird die gro­ße Band­brei­te in der Pro­sti­tu­ti­on dar­ge­stellt, und so läßt sich auch das im Arti­kel beschrie­be­ne „Elend“ als einen — wenn auch sehr unschö­nen — Aspekt ein­ord­nen. Bei der Dis­kus­si­on um das Für und Wider des Sexkauf­ver­bo­tes, wer­den alle Sei­ten gut ver­ständ­lich und sach­lich dar­ge­stellt und so kann sich der Leser ein eige­nes Bild machen.
Frank­fur­ter All­ge­mei­ne von Anna-Lena Rip­per­ber­ger Eine Debat­te der Extre­me Soll­te der Kauf von Sex in Deutsch­land ver­bo­ten wer­den? https://zeitung.faz.net/faz/politik/2023–11-14/ed6ef9f89b842f6e5c3eae2c98f682de/?GEPC=s5 Frau Rip­per­ber­ger beginnt mit einer Dar­stel­lung der unter­schied­li­chen Mei­nungs­po­le beim The­ma Pro­sti­tu­ti­on. Sie faßt bei­de Sei­ten sehr gut zusam­men ohne eine Wer­tung rein­zu­brin­gen. Dann kommt sie zum The­ma Zah­len und Stu­di­en zum nor­di­schen Modell. Sie hat sich nicht auf die übli­chen Zita­te ver­las­sen, son­dern sel­ber recher­chiert und weist gleich dar­auf hin, dass die Ergeb­nis­se nicht ein­deu­tig sind. Eben­so geht sie mit Fra­ge nach der Zahl der Pro­sti­tu­ier­ten um. Sie lis­tet ver­schie­de­ne Schät­zun­gen wert­frei auf und über­läßt die Bewer­tung den Lesern.
Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land von Jona­than Jos­ten und Mar­kus Decker „Situa­ti­on von Pro­sti­tu­ier­ten in Deutsch­land ist dra­ma­tisch“ Deutsch­land als „Puff Euro­pas“: Kom­men nach der Debat­te um Pro­sti­tu­ti­on Stra­fen für Frei­er? https://www.rnd.de/politik/debatte-um-prostitution-in-deutschland-kommen-jetzt-strafen-fuer-freier-O4DPIXGTN5D7JJ3GW23AJVSGXQ.html?outputType=valid_amp Ein aus­ge­wo­ge­ner Arti­kel. Lei­der sind die schwie­ri­gen Bot­schaf­ten alle zu Beginn. Nicht jeder liest wei­ter. Gut gefällt mir wie die bei­de Autoren die Gesetz­ge­bung zu Pro­sti­tu­ti­on in Deutsch­land her­lei­ten und so auch den the­men­frem­den Leser ins Boot holen.
Frank­fur­ter All­ge­mei­ne von Alex­an­der Wul­fers Ein Sexkauf­ver­bot hat düs­te­re Fol­gen Doro­thee Bär und das EU-Par­la­ment for­dern, Frei­er zu bestra­fen. Dar­un­ter wür­den vor allem Frau­en lei­den. https://zeitung.faz.net/fas/wirtschaft/2023–09-17/14976e6bdc595a4a11fa271b4d4f7fea?GEPC=s1 Hier wur­den die ver­schie­de­nen Aspek­te der kon­tro­ver­sen Debat­te um Sexarbeit/Prostitution sehr gut gegen­über­ge­stellt. Alex Wul­fers hat sehr pro­fes­sio­nell recher­chiert. Inter­es­sant fin­de ich sei­ne Metho­de, durch kri­ti­sche Zwi­schen­fra­gen die The­men auf den Punkt zu brin­gen aber den­noch nicht zu bewer­ten.
rbb Pan­ora­ma von Anna Bor­del Zwangs­pro­sti­tu­ti­on Der schwie­ri­ge Weg raus aus Angst, Sex und Gewalt https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2024/01/berlin-zwangsprostitution-menschenhandel-frauen-opfer-hilfe.html Hier ein sehr gutes Bei­spiel, über Schick­sa­le in der Pro­sti­tu­ti­on zu berich­ten ohne dabei thea­tra­lisch zu wer­den. Ein­fühl­sa­mes Inter­view nicht mit einer Pro­sti­tu­ti­ons­geg­ne­rin, son­dern einer Bera­tung­s­tel­le für Men­schen­han­dels­op­fer. Statt Auf­schrei und Skan­da­le folgt eine Beschrei­bung und Bewer­tung der Mög­lich­kei­ten wel­che funk­tio­nie­ren könn­ten. Auch der Info-Kas­ten ist sehr sach­lich und gut gemacht.